Freddy Quinn ist am Samstag, 17. Oktober 2026, im Circus Traber im schleswig-holsteinischen Leezen öffentlich aufgetreten. Der 95-Jährige sprach zu Beginn der Vorstellung vor dem Publikum und eröffnete anschließend die erste Programmnummer. Es war sein erstes öffentliches Erscheinen seit mehr als einem Jahrzehnt. Quinn war als Ehrengast der Zirkusfamilie gekommen und besuchte die Vorstellung als Zuschauer.
Kurze Ansprache und Ansage der Ponydressur
Mit abgesetzter St.-Pauli-Kappe sprach Quinn zu Beginn der Show ins Mikrofon und erklärte, keine Rede vorbereitet zu haben. Die vielen freundlichen Gesichter im Zelt hätten ihn jedoch dazu bewogen, trotzdem einige Worte zu sagen. Er sei stolz, als Gast und Zuschauer in der kleinen Arena der Trabers dabei sein zu dürfen, sagte der Sänger mit kräftiger Stimme. Das Wort „mitwirken“ schränkte er anschließend scherzhaft ein: Dann hätte er selbst erst ein Seil im Zirkuszelt spannen und es als Hochseilartist überqueren müssen. Diese Aufgabe überlasse er in seinem Alter lieber den Artisten, sagte Quinn, bevor er der Familie Traber und allen Mitwirkenden alles Gute wünschte.
Danach kündigte Quinn die erste Programmnummer an, eine Ponydressur, und verabschiedete sich mit den Worten: „In dem Sinne verbleibe ich, euer Freddy Quinn.“ Nach Angaben von Bild.de würdigte er die Zirkusarbeit außerdem als schwierige Aufgabe und bezeichnete sich selbst als dankbaren Zuschauer. Er hoffe, dass auch das Publikum sehe, wie anspruchsvoll es sei, eine Zirkusshow auf die Beine zu stellen. Anschließend nahm er im Zelt Platz, winkte den Besuchern zu und posierte mit Artisten sowie dem Zirkusnachwuchs.
Der Andrang war schon vor Vorstellungsbeginn sichtbar. Die dpa meldete Hunderte Menschen vor dem Zelt, die für Karten anstanden, während ihn Verehrer im Inneren um Autogramme baten. Bild.de bezifferte die Zahl der Zuschauer am Samstagnachmittag auf rund 400. Vor allem jüngere Besucher fragten sich laut dpa-Bericht, wem sie den ungewöhnlich großen Menschenauflauf verdankten.
Ein Versprechen an die Zirkusfamilie
Der Besuch knüpfte nach Darstellung von Bild.de an einen früheren Geburtstagsausflug von Quinn und seiner Frau Rosi zum Circus Traber an. Damals erlebte er Artisten und Clowns vor nur sieben Zuschauern. Daraufhin bot er den Betreibern spontan an, erneut zu kommen, falls dies helfen könne, das Zelt zu füllen. Bei seinem Besuch in Leezen am 17. Oktober 2026 erschien Quinn gut gelaunt mit Kappe und dunkelblauer Jacke mit Fellkragen; zum Aufwand eines solchen Besuchs sagte er mit einem Schmunzeln, das sei in seinem Alter nicht mehr ganz so leicht.
Die Verbindung zwischen Quinn und der Familie Traber reicht über diesen früheren Besuch weit hinaus. Nach Angaben von Niklas Traber lernte Quinn bei der Familie das Hochseillaufen und ist Taufpate eines Familienmitglieds; Bild.de nennt Johann Traber junior. Als junger Ausreißer soll Quinn zudem selbst mit einem Wanderzirkus umhergezogen sein. Seine Erfahrungen mit der Manege blieben Teil seiner späteren Laufbahn: Für die Fernsehshow „Stars in der Manege“ führte er 1971 eine Hochseilnummer auf.
Hoffnung in einem schwierigen Geschäft
Für den Circus Traber hatte der Termin auch wirtschaftliche Bedeutung. Niklas Traber bezeichnete die zusätzlichen Besucher als erfreuliche Ausnahme in einem derzeit schwierigen Geschäft und schätzte im Vorfeld, dass Quinn etwa 200 bis 300 Menschen nach Leezen bringen könne. Viele Menschen müssten derzeit sparen, erklärte Traber, und bei solchen Einsparungen treffe es mitunter auch einen Zirkusbesuch. Die Mitarbeitenden versuchten dennoch, Zuschauern, Eltern und Kindern eine schöne Zeit zu ermöglichen.
Juniorchefin Denise Traber hatte vor dem Leezer Gastspiel von einem schwierigen Jahr berichtet. Bei Eintrittspreisen von 16 bis 24 Euro seien selten mehr als zehn Besucher gekommen; beim vorherigen Gastspiel hätten sogar vier Vorstellungen mangels Publikum ausfallen müssen. Nach dem damaligen BILD-Bericht gehören alle 16 Zirkusleute zur Familie. Drei der vier Kinder von Denise Traber treten bereits auf, während das jüngste damals ein Jahr alt war. Traber erklärte, die Familie führe den Zirkus mit Liebe und Leidenschaft, und hoffte auf ein erneutes Interesse am Zirkusbesuch.
Karriere zwischen St. Pauli, Musikfilm und Manege
Quinn wurde 1931 als Franz Eugen Helmut Manfred Nidl im niederösterreichischen Niederfladnitz geboren. Entdeckt wurde er später in der Washington Bar auf Hamburg-St. Pauli. In den 50er- und 60er-Jahren verbuchte der Sänger mit seiner tiefen Baritonstimme zahlreiche Nummer-eins-Hits. Zu seinen Nummer-eins-Hits zählen „Heimweh“, „Die Gitarre und das Meer“ und „Junge, komm bald wieder“. Seine Lieder „Heimweh“ und „Junge, komm bald wieder“ erzählen von Sehnsucht und Fernweh.
Quinn trat außerdem in Musikfilmen als wagemutiger Draufgänger auf. Vor dem Auftritt in Leezen hatte er seine Biografie „Wie es wirklich war“ veröffentlicht. Bild.de schrieb über seinen Auftritt im Oktober 2026, Quinn habe sich zuvor 20 Jahre lang von der Bühne ferngehalten; die dpa ordnete Leezen als erstes öffentliches Erscheinen seit mehr als einem Jahrzehnt ein. Heute lebt Quinn mit seiner Frau als Rentner auf einem Bauernhof, doch für den Circus Traber kehrte er noch einmal vor ein großes Publikum zurück.
Ein Ehrengast für den Familienzirkus
Vor dem Gastspiel hatte Quinn seine Unterstützung für den Zirkus Traber angekündigt. Damals stand noch die Absicht im Mittelpunkt, als Ehrengast zum Gastspiel nach Leezen zu kommen und möglicherweise eine Nummer anzusagen. Die Zirkusfamilie hatte nach dem damaligen Bericht bereits Plakate vorbereitet, die mit künstlich erzeugten Bildern auf Quinns Kommen hinweisen sollten. Die Plakate sollten vor dem Gastspiel aufgehängt werden. In der damaligen Ankündigung war ausdrücklich ein Besuch als Ehrengast vorgesehen; Kunststücke sollte Quinn selbst nicht zeigen.
Niklas Traber betonte gegenüber der dpa außerdem, wie viel Überwindung ein Termin mit so vielen Menschen und Pressevertretern für Quinn bedeute. Traber bescheinigte dem Sänger ein großes Herz für den Zirkus. Traber sagte: „Das ist ein großer Einsatz und es kostet eine Überwindung, dass er zu uns herkommt; auch bei so viel Presse und Menschen sich hinzusetzen und das Zelt noch einmal richtig voll zu machen.“
Quellen
- BILD.de – Freddy Quinn mit 95 zurück im Zirkus: Junge, da ist er wieder | Unterhaltung | BILD.de – https://www.bild.de/unterhaltung/stars-und-leute/freddy-quinn-mit-95-zurueck-im-zirkus-junge-da-ist-er-wieder-6ad36f981918705d12968aa2
- BILD.de – Freddy Quinn: Mit 95 zurück in die Manege – für einen kleinen Zirkus – https://www.bild.de/unterhaltung/stars-und-leute/freddy-quinn-mit-95-zurueck-in-die-manege-fuer-einen-kleinen-zirkus-6acaafe261b3d4c01d3e2a4b
- Focus – Mit 95: Schlagerlegende Freddy Quinn zurück im Rampenlicht – FOCUS online – https://www.focus.de/kultur/stars/mit-95-schlagerlegende-freddy-quinn-zurueck-im-rampenlicht_41763ea1-5692-40b4-b073-0a0af6658068.html
- T-Online – Freddy Quinn: Hamburger Schlagerstar mit 95 Jahren wieder auf der Bühne – https://hamburg.t-online.de/region/hamburg/id_101485996/freddy-quinn-hamburger-schlagerstar-mit-95-jahren-wieder-auf-der-buehne.html
- op-online.de – Freddy Quinn (95) überrascht in Schleswig-Holstein: Hunderte Fans stehen für ihn Schlange – https://www.op-online.de/unterhaltung/freddy-quinn-95-ueberrascht-fans-mit-auftritt-im-zirkus-zr-94547005.html
- Schlager.de – Nach über zehn Jahren Rückzug: Freddy Quinn zeigt sich wieder öffentlich – Schlager.de – https://www.schlager.de/news/freddy-quinn-zirkus-oeffentlicher-auftritt/1334341









