Die am 18. Oktober 2026 veröffentlichte Episode «Jagd, Wolf und Tierschutz» von «Wild beim Wild» befasst sich mit der Wolfsregulierung in der Schweiz, Jagdverstössen und Wildtieren, die sich in Zäunen verfangen. Im Mittelpunkt steht die von der Redaktion behauptete Spannung zwischen schriftlichen Aussagen des Bundesamts für Umwelt (BAFU) gegenüber dem Europarat und politischen Forderungen aus Kantonen sowie Landwirtschaftsverbänden. Die Einordnung muss die Rolle des Mediums berücksichtigen: Die IG Wild beim Wild erklärt ausdrücklich, dass sie die Hobby-Jagd ablehnt. Der Podcast ist deshalb ein Akteursmedium; seine Bewertungen sind als Position der IG zu lesen und nicht als behördliche oder gerichtliche Feststellungen.
Bundesrat will weitere Eingriffe bei Nutztierschäden ermöglichen
Der Bundesrat begründet die vorgeschlagene Änderung mit einer aus seiner Sicht bestehenden Eingriffslücke. Die Mitteilung des Bundesrats vom 24. Juni 2026 beschreibt das geltende Recht: Wölfe, die zu einem Rudel gehören, sind zwischen Februar und Mai wegen der Fortpflanzung vollständig geschützt. Eine Ausnahme nennt die Mitteilung für eine schwere und unmittelbar drohende Gefahr für Menschen. Auch wiederholte Angriffe auf geschützte Nutztiere erlaubten in dieser Phase nach der amtlichen Darstellung keine Eingriffe in Rudel. Mit der Revision sollen die vom Parlament angenommenen Motionen von Esther Friedli und Pascal Broulis umgesetzt werden. Der Bundesrat erklärte ausdrücklich, die Änderung stehe mit den internationalen Konventionen im Einklang.
Die Vernehmlassung lief bis zum 16. Oktober 2026. Die im Podcast behandelten Forderungen sind damit Vorschläge innerhalb eines Gesetzgebungsverfahrens und keine bereits geltenden Abschussbefugnisse. Vom bestehenden Recht sind auch die Forderungen nach einer anderen Zuständigkeitsverteilung zwischen Bund und Kantonen zu unterscheiden. Die seit Februar 2025 geltenden Regeln kennen bereits präventive und reaktive Eingriffe unter unterschiedlichen Voraussetzungen. Der Streit betrifft deshalb die Reichweite und Kontrolle zusätzlicher Eingriffe, während der Bundesrat diese als Antwort auf wiederholte Nutztierschäden und Gefahren für Menschen begründet.
Zug fordert andere Zuständigkeit, nicht andere Kriterien
Der Kanton Zug verlangte in seiner Vernehmlassungsantwort, die Formulierung «nach Zustimmung des Bundesamts» aus der vorgeschlagenen Bestimmung zu streichen. Nach der im Beitrag über Zug wiedergegebenen Position des Regierungsrats sollen die materiellen Voraussetzungen für einen Abschuss dadurch ausdrücklich nicht gelockert werden. Ob diese Voraussetzungen im konkreten Fall erfüllt sind, solle jedoch der betroffene Kanton selbst beurteilen. Der Bund solle nach Auffassung Zugs weiterhin den gesetzlichen Rahmen setzen sowie Oberaufsicht und Monitoring gewährleisten.
Zug verlangt damit eine andere Verteilung der Entscheidungsbefugnisse zwischen Kanton und Bund. Der sachliche Unterschied liegt nach der Zuger Stellungnahme in der Art der Kontrolle: Die kantonale Beurteilung soll die vorgängige Einzelfallzustimmung durch das BAFU ersetzen, während der Bund nachträglich Aufsicht führen würde. Ob eine nachträgliche Oberaufsicht denselben Schutz bietet wie eine Prüfung vor einer Abschussanordnung, ist eine politische und rechtliche Bewertungsfrage.
Europarat-Zusicherungen und politische Deutungen
Nach den von «Wild beim Wild» zitierten BAFU-Unterlagen erklärte das Amt im Verfahren vor der Berner Konvention, Wolfsrudel seien vom 1. Februar bis zum 31. August während der Fortpflanzungs- und Aufzuchtzeit geschützt. Die französische Formulierung «Les meutes sont protégées durant cette période» bedeutet auf Deutsch, dass die Rudel während dieses Zeitraums geschützt sind. Die Redaktion verglich 15 solcher Zusicherungen mit kantonaler Praxis und der Revision und sieht Widersprüche; der Bundesrat bewertet die internationale Vereinbarkeit der Vorlage anders. Diese Bewertung ist eine journalistische Analyse der IG Wild beim Wild, keine rechtskräftige Feststellung eines Verstosses.
Graubünden kritisierte Abschüsse einzelner Rudelwölfe zwischen Februar und Mai wegen möglicher Risiken für die Welpenaufzucht, beantragte aber zugleich ein Regulationsfenster vom 1. Juni bis zum 28. Februar. Der Bündner Bauernverband fordert nach den wiedergegebenen Angaben eine weitergehende, ganzjährige Regulierung und akzeptiert höchstens zwei unauffällige Rudel, während im Kanton 19 Rudel ganz oder teilweise präsent seien.
Jagdverstösse: Fälle und Grenzen der Verallgemeinerung
Neben der Wolfspolitik greift die Episode konkrete Fälle aus Jagd und Strafverfolgung auf. Im Fall Montriond wurde der Jäger, der 2018 den Mountainbiker Marc Sutton erschoss, nach Darstellung des Podcasts zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, davon ein Jahr unbedingt. Ein Solothurner Jäger, dessen Schrotschuss eine Hirschkuh zwei Tage leiden liess, zahle demnach effektiv 800 Franken. Die Redaktion bezeichnet diese Sanktionen als mild; das ist ihre wertende Schlussfolgerung und nicht Bestandteil der festgestellten Urteile selbst.
Für die Jahre 2018 bis 2022 nennt die Podcast-Seite schweizweit 17 Verurteilungen wegen Tierquälerei bei der Hobby-Jagd. Die Zahl beschreibt einen abgegrenzten Zeitraum und ein bestimmtes Delikt, sagt aber ohne Vergleichswerte nichts Verlässliches über die Häufigkeit aller Jagdverstösse oder die Angemessenheit der gesamten Strafpraxis aus.
Zäune und Schafhaltung als eigenständige Konflikte
Die Folge erweitert das Thema über Abschüsse hinaus auf Gefahren in der Kulturlandschaft. Für Graubünden nennt sie 73 Wildtiere, die sich 2026 bisher in Zäunen verfangen hätten; die IG Wild beim Wild habe dazu eine Petition lanciert. Die Zahl wird im Podcast als Hinweis auf Tierleid abseits der Jagd behandelt. Die Zahl allein beschreibt nicht das gesamte Ausmass möglicher Folgen von Zaununfällen.
Ein weiterer Beitrag aus dem Umfeld des Podcasts stellt die Frage, wo die Sömmerung von rund 180’000 Schafen in Wildtiergebieten vertretbar sei. Das ist keine beantwortete Tatsachenbehauptung, sondern eine von der Redaktion aufgeworfene Frage zur Nutzung alpiner Räume. Sie verweist auf einen Konflikt, der neben Wolfsabschüssen auch Herdenschutz, Weideführung und die Sicherheit von Wildtieren betrifft. Die Folge stellt die Frage nach der Schafhaltung neben ihre Beiträge zu Abschüssen und zu Wildtieren in Zäunen.
BAFU sieht Regulierung und Herdenschutz als gemeinsame Instrumente
Das BAFU veröffentlichte am 18. Mai 2026 seine Bilanz der Wolfsregulierung. Nach der amtlichen Auswertung wurde das rasche Wachstum der Wolfspopulation durch die Regulierungsmaßnahmen gebremst. Für die Regulierungsperiode vom 1. September 2025 bis zum 31. Januar 2026 nennt das Amt Zustimmungen zur Regulierung von ungefähr 115 Wölfen und tatsächlich 77 Abschüsse. Zugleich bezeichnet es den Herdenschutz als zentralen Pfeiler, der Schäden an Nutztieren verhindern soll. Die Behörde stellt Abschüsse und Herdenschutz damit als zusammenwirkende Instrumente dar.
Nach dem BAFU-Bericht gingen die Schäden nach ihrem Höchststand im Jahr 2022 in den Folgejahren zurück und näherten sich den Werten von 2020/2021 an. Das Amt führt diesen Rückgang auf den ausgebauten Herdenschutz und die verstärkte Regulierung zurück.
Quellen
- Bundesrat / BAFU – Bundesrat eröffnet Vernehmlassung zum revidierten Jagdgesetz – https://www.bafu.admin.ch/de/newnsb/JLjMDSuEm5UR9nY3tsnx3
- BAFU – Regulierung des Wolfsbestands: Massnahmen zeigen Wirkung – https://www.bafu.admin.ch/de/newnsb/l4_reSakNtA9coSPfKgSE
- Frontaliere Ticino – Wolf: Leichtere Abschüsse – Umweltschützer dagegen, Landwirte dafür – https://frontaliereticino.ch/de/schweiz-artikel/schweiz-wolfsabschuss-2025/
- Wild beim Wild – BAFU und Europarat: 15 Wolf-Zusicherungen im Praxis-Check – https://wildbeimwild.com/bafu-europarat-zusicherungen-wolf-praxis/
- Wild beim Wild – Jagdgesetz: Zug will Wolfsabschüsse ohne BAFU-Zustimmung – https://wildbeimwild.com/jagdgesetz-vernehmlassung-zug-bafu-zustimmung-wolf-fruehling/
- Wild beim Wild – Jagdgesetz Schweiz: Wolfregulierung und Wildtierkorridore – https://wildbeimwild.com/neue-regelungen-im-jagdgesetz-der-schweiz-massnahmen-zur-wolfregulierung-und-wildtierkorridoren/
- wildbeimwild.com – Podcast-Episode: Jagd, Wolf und Tierschutz – https://wildbeimwild.com/podcast-episode-jagd-wolf-und-tierschutz/









