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Fakten statt Polemik. Aufklärung über radikalen Tierschutz.

Kritisch. Fundiert. Unabhängig.Hintergrundanalysen und aktuelle Entwicklungen.

Autor: GERATI Redaktion

  • Vereinigtes Königreich: Zwischen Artenschutz, Wildtierkriminalität und politischen Versprechen

    Vereinigtes Königreich: Zwischen Artenschutz, Wildtierkriminalität und politischen Versprechen

    Neue Tierschutzstrategie trifft auf alte Probleme

    Das Vereinigte Königreich will den Schutz von Haus-, Nutz- und Wildtieren umfassend reformieren. Mit der im Dezember 2025 veröffentlichten Tierschutzstrategie hat die britische Regierung zahlreiche Maßnahmen angekündigt, die bis 2030 umgesetzt werden sollen. Dazu gehören strengere Vorschriften gegen Welpenschmuggel, Veränderungen bei der Jagd und Verbesserungen beim Schutz wild lebender Tiere. Gleichzeitig stehen die Behörden vor der Herausforderung, bestehende Gesetze konsequent durchzusetzen und den illegalen Handel mit gefährdeten Arten einzudämmen.

    Dabei geht es um weit mehr als einzelne Verbote oder zusätzliche Kontrollen. Der Rückgang heimischer Tierarten, die Auswirkungen intensiver Landwirtschaft und der internationale Wildtierhandel stellen unterschiedliche Anforderungen an Politik und Behörden. Hinzu kommen die rechtlichen Veränderungen nach dem Brexit, durch die Großbritannien eigene Vorschriften weiterentwickeln kann, ohne seine internationalen Verpflichtungen aufzugeben. Entscheidend ist, welche der angekündigten Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden und welche nachweisbaren Verbesserungen sie für Tiere und ihre Lebensräume bringen.

    Landwirtschaft und Artenrückgang in England

    Wie groß die Herausforderungen beim Schutz heimischer Wildtiere sind, verdeutlicht eine 2021 veröffentlichte Analyse des Horniman Museum, die von der Organisation Go Organic verbreitet wurde. Sie dokumentiert erhebliche historische Bestandsverluste bei verschiedenen Vogelarten, Fledermäusen und Insekten in England. Für das Rebhuhn wird zwischen 1970 und 2005 ein Rückgang von 92 Prozent genannt, während die Grauammer und die Graue Langohrfledermaus in den jeweils untersuchten Zeiträumen Rückgänge von 89 Prozent verzeichneten. Diese Zahlen beschreiben langfristige Entwicklungen und dürfen nicht mit aktuellen Bestandszählungen des Jahres 2026 verwechselt werden.

    Der Verlust geeigneter Lebensräume, Veränderungen in der Landwirtschaft und der Einsatz von Pestiziden gehören zu den Faktoren, die zahlreiche Arten unter Druck setzen. Besonders betroffen sind Tiere, die auf strukturreiche Agrarlandschaften, ausreichend Insekten oder bestimmte Pflanzen angewiesen sind. Ökologisch bewirtschaftete Flächen können unter geeigneten Bedingungen zusätzliche Lebensräume bieten, wobei die tatsächlichen Auswirkungen von der jeweiligen Bewirtschaftung und der umgebenden Landschaft abhängen. Ein wirksamer Artenschutz muss deshalb neben Schutzgebieten auch die landwirtschaftliche Nutzung und die Vernetzung bestehender Lebensräume berücksichtigen.

    Die britische Regierung hat im Dezember 2025 außerdem einen überarbeiteten Umweltverbesserungsplan vorgestellt, der die Wiederherstellung natürlicher Lebensräume unterstützen soll. Vorgesehen sind unter anderem Investitionen in großflächige Naturschutzmaßnahmen und die Verbesserung des Zustands der Umwelt. Solche Programme ergänzen den klassischen Tierschutz, verfolgen aber teilweise andere Ziele: Während Tierschutzmaßnahmen das Wohlergehen einzelner Tiere betreffen, konzentriert sich der Artenschutz auf den Erhalt von Arten, Populationen und Lebensräumen. Beide Bereiche können sich gegenseitig unterstützen, ihre Ergebnisse müssen jedoch anhand unterschiedlicher Kriterien überprüft werden.

    Tierschutzpolitik nach dem Brexit

    Die im Dezember 2025 veröffentlichte Tierschutzstrategie für England bildet einen zentralen Bestandteil der aktuellen britischen Reformpläne. Sie umfasst Heimtiere, landwirtschaftlich gehaltene Tiere und Wildtiere sowie internationale Tierschutzfragen. Vorgesehen sind unter anderem ein Verbot der sogenannten Schleppjagd, bei der Hunde einer künstlich gelegten Fährte folgen, und ein Verbot bestimmter Schlingenfallen. Außerdem soll eine Schonzeit für Hasen eingeführt werden, um insbesondere während der Fortpflanzungszeit zusätzliche Belastungen zu vermeiden.

    Ein weiterer Schwerpunkt ist der illegale beziehungsweise tierschutzwidrige Handel mit Heimtieren. Das im Dezember 2025 verabschiedete Gesetz zum Import von Hunden, Katzen und Frettchen schafft zusätzliche rechtliche Möglichkeiten, um missbräuchliche Einfuhren zu verhindern. Dazu gehören strengere Regelungen für den Transport und die Möglichkeit, die Einfuhr besonders junger, hochträchtiger oder verstümmelter Tiere einzuschränken. Die praktische Wirksamkeit hängt allerdings davon ab, wie die erforderlichen Ausführungsbestimmungen gestaltet und die Kontrollen an den Grenzen organisiert werden.

    Nach dem Brexit kann das Vereinigte Königreich bestimmte Tierschutzvorschriften eigenständig weiterentwickeln, bleibt aber an internationale Vereinbarungen gebunden. Zudem unterscheiden sich die Zuständigkeiten innerhalb des Landes, weshalb die englische Tierschutzstrategie nicht automatisch in allen Teilen des Vereinigten Königreichs gilt. Die Zusammenarbeit mit der Europäischen Union bleibt insbesondere beim grenzüberschreitenden Tierhandel, bei Importkontrollen und beim Informationsaustausch zwischen Behörden relevant. Unterschiedliche nationale Vorschriften können zusätzliche Kontrollen erforderlich machen, während gemeinsame Standards und abgestimmte Ermittlungen die Verfolgung internationaler Handelsnetzwerke erleichtern.

    Wildtierkriminalität und internationaler Handel

    Beim internationalen Handel mit gefährdeten Tierarten steht Großbritannien weiterhin vor besonderen Herausforderungen. Im Februar 2026 veröffentlichte die Regierung ihre Antwort auf eine Konsultation zur Reform der nationalen Vorschriften zur Umsetzung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES. Insgesamt gingen 141 Stellungnahmen ein, die bei der geplanten Überarbeitung der britischen Wildtierhandelsvorschriften berücksichtigt werden sollen. Ziel der Reform ist ein klarer und verhältnismäßiger Rechtsrahmen, der gefährdete Arten schützt und zugleich einen rechtmäßigen, nachhaltigen Handel ermöglicht.

    Dabei muss zwischen legalem Wildtierhandel und tatsächlicher Wildtierkriminalität unterschieden werden. Der internationale Austausch geschützter Tiere kann unter den jeweils geltenden Genehmigungen beispielsweise Bestandteil wissenschaftlicher Forschung oder koordinierter Erhaltungszuchtprogramme sein. Wie die Nachzucht bedrohter Sulawesi-Hirscheber im Kölner Zoo zeigt, können zoologische Einrichtungen durch internationale Zusammenarbeit zur Sicherung gefährdeter Populationen beitragen. Illegaler Handel gefährdet dagegen Wildbestände, unterläuft bestehende Schutzvorschriften und kann zusätzliche Risiken durch Krankheiten oder ungeeignete Transportbedingungen verursachen.

    Für die Bekämpfung solcher Delikte sind funktionierende Kontrollen und eine enge Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Behörden notwendig. Gefälschte Dokumente, falsche Angaben zur Herkunft von Tieren und die missbräuchliche Nutzung bestehender Handelsregelungen können Ermittlungen erheblich erschweren. Beschlagnahmungen allein reichen deshalb nicht aus, um den langfristigen Erfolg der Strafverfolgung zu beurteilen. Entscheidend sind auch die Aufklärung organisierter Handelsstrukturen, gerichtliche Entscheidungen und die dauerhafte Unterbrechung illegaler Handelswege.

    Tierversuche bleiben ein eigenständiges Reformthema

    Auch der Umgang mit Versuchstieren gehört zu den aktuellen britischen Tierschutzfragen. Die im Juli 2026 veröffentlichten amtlichen Zahlen dokumentieren für das Jahr 2025 insgesamt 2,54 Millionen regulierte wissenschaftliche Verfahren an lebenden Tieren in Großbritannien. Gegenüber den 2,64 Millionen Verfahren des Vorjahres entspricht das einem Rückgang und zugleich dem niedrigsten registrierten Wert seit Inkrafttreten des maßgeblichen Gesetzes von 1986. Die Statistik zählt wissenschaftliche Verfahren und nicht automatisch einzelne Tiere, da Tiere unter bestimmten Voraussetzungen mehrfach verwendet werden können.

    Rund 1,32 Millionen Verfahren dienten 2025 experimentellen Zwecken, während weitere 1,22 Millionen auf die Erzeugung und Zucht genetisch veränderter Tiere entfielen. Mäuse, Fische, Vögel und Ratten machten zusammen 95 Prozent sämtlicher registrierter Verfahren aus. Die Regierung hat angekündigt, wissenschaftlich geeignete Alternativen zu Tierversuchen weiterzuentwickeln und ihren Einsatz nach Möglichkeit schrittweise auszuweiten. Welche Auswirkungen diese Maßnahmen haben werden, lässt sich anhand künftiger Statistiken und der tatsächlichen Anwendung neuer Ersatzmethoden überprüfen.

    Politische Versprechen müssen sich an Ergebnissen messen lassen

    Die britischen Reformvorhaben betreffen unterschiedliche Bereiche, die sich nicht mit einer einzigen Maßnahme verbessern lassen. Der Schutz bedrohter Wildtiere erfordert geeignete Lebensräume, während die Bekämpfung des illegalen Handels funktionierende Genehmigungsverfahren und wirksame Ermittlungen voraussetzt. Beim Heimtierhandel stehen dagegen Transportbedingungen, Herkunftsnachweise und die Kontrolle gewerblicher Anbieter im Mittelpunkt. Für die Bewertung politischer Maßnahmen müssen deshalb jeweils die konkreten Ziele und ihre tatsächliche Umsetzung berücksichtigt werden.

    Mit der Tierschutzstrategie von Dezember 2025 und der angekündigten Reform der Wildtierhandelsvorschriften hat die britische Regierung mehrere Vorhaben formuliert. Sie ergänzen bestehende internationale Verpflichtungen und nationale Schutzprogramme, deren praktische Wirksamkeit von ausreichenden Ressourcen und einer konsequenten Durchsetzung abhängt. Gleichzeitig zeigen die historischen Bestandsverluste heimischer Arten, dass gesetzliche Verbesserungen allein den Verlust geeigneter Lebensräume nicht rückgängig machen können. Ob die angekündigten Reformen bis 2030 messbare Fortschritte erzielen, wird sich insbesondere an der Entwicklung gefährdeter Populationen, der Wirksamkeit der Kontrollen und den tatsächlich umgesetzten Schutzmaßnahmen zeigen.

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  • Animal Hoarding in Bremen: Veterinärdienst bearbeitet etwa fünf Fälle pro Jahr

    Animal Hoarding in Bremen: Veterinärdienst bearbeitet etwa fünf Fälle pro Jahr

    In Bremen wird der Veterinärdienst nach eigenen Angaben jedes Jahr in etwa fünf Fällen wegen sogenannter Tierhortung eingeschaltet. Dabei leben viele Tiere auf engem Raum, während Pflege, Fütterung und tierärztliche Versorgung nicht mehr zuverlässig gewährleistet sind. Für die Halter kann die Situation trotz eigener Einsicht schwer zu verändern sein. Für Behörden und Tierheime beginnt dann ein aufwendiges Verfahren, das schnell hohe Kosten und erhebliche Platzprobleme verursacht.

    Wenn Tierhaltung außer Kontrolle gerät

    Kirstin Haunhorst, Amtsleiterin des Lebensmittelüberwachungs-, Tierschutz- und Veterinärdienstes des Landes Bremen (LMTVET), beschreibt Animal Hoarding als die Haltung einer Vielzahl von Tieren unter nicht artgerechten Bedingungen. Häufig werden die Tiere auf sehr engem Raum gehalten. Gleichzeitig geraten Versorgung, Hygiene und Pflege zunehmend außer Kontrolle.

    Besonders häufig betrifft das Katzen, Meerschweinchen und Kaninchen. Diese Tierarten können sich früh vermehren und in kurzer Zeit viele Jungtiere bekommen. Nach Einschätzung des LMTVET fehlt Haltern zudem teilweise das Wissen darüber, wann die Tiere geschlechtsreif werden. Aus einer zunächst überschaubaren Haltung kann so eine Situation entstehen, die sich kaum noch eigenständig bewältigen lässt.

    Der Begriff beschreibt dabei nicht bloß eine große Zahl von Tieren. Entscheidend ist, dass die Haltung den Bedürfnissen der Tiere nicht mehr gerecht wird und die verantwortliche Person die Situation nicht ausreichend kontrollieren kann. Hinweise auf solche Fälle können dem Bremer Veterinärdienst telefonisch oder per E-Mail gemeldet werden.

    Psychische Ursachen erschweren Veränderungen

    Dirk Wedekind von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen ordnet Animal Hoarding dem Zwangsspektrum zu. Nach seiner Einschätzung können Tiere für Betroffene eine Funktion übernehmen: Sie vermitteln Sicherheit und sollen Ängste, Unsicherheit oder Stress im Alltag verringern. Dadurch wird die Beziehung zu den Tieren nicht nur als emotionale Bindung erlebt, sondern auch zur Bewältigung psychischer Belastungen genutzt.

    Das erklärt, warum Betroffene ihr Verhalten nicht einfach aufgeben, selbst wenn sie die Probleme erkennen. Eine Fortnahme der Tiere kann für sie zusätzlichen Stress bedeuten. Zugleich ist sie erforderlich, wenn die Halter nicht in der Lage oder nicht bereit sind, die Haltungsbedingungen so zu verändern, dass das Wohl der Tiere gesichert ist. Wedekind spricht sich deshalb für eine frühzeitige Aufklärung und psychotherapeutische Unterstützung aus.

    Kontrolle kann zur Fortnahme führen

    Geht beim LMTVET ein Hinweis ein, kann zunächst eine unangekündigte Kontrolle erfolgen. Wenn die Situation dadurch nicht geklärt werden kann, wird ein Termin mit den Haltern vereinbart. Entscheidend ist anschließend, ob sie die Haltung dauerhaft verbessern können und die dafür notwendigen Maßnahmen tatsächlich umsetzen.

    Zeigt sich keine ausreichende Einsicht oder übersteigt die Tierzahl die Möglichkeiten der Halter, können die Tiere fortgenommen und anderweitig untergebracht werden. Die Folgen reichen damit über eine behördliche Kontrolle hinaus. Das Bremer Gesundheitsressort weist darauf hin, dass die Halter die Kosten für Unterbringung und notwendige tierärztliche Behandlung tragen müssen, solange das Verfahren läuft.

    Diese Kosten können sich auf einen vier- bis fünfstelligen Betrag summieren. Zusätzlich kommen ein Haltungs- und Betreuungsverbot, eine Begrenzung der Tierzahl oder konkrete Auflagen für die weitere Haltung infrage. Welche Maßnahme angeordnet wird, hängt von den Umständen des jeweiligen Falls ab.

    Tierheim Bremen muss zusätzliche Tiere unterbringen

    Für die aufgenommenen Tiere ist die Unterbringung besonders schwierig, weil das Tierheim Bremen bereits stark ausgelastet ist. Merle Osmer vom Tierheim berichtet, dass Tiere aus Fortnahmen zunächst in Quarantäne kommen. Bei größeren Gruppen müssen anschließend mehrere Einrichtungen und Pflegestellen organisiert werden.

    Wie angespannt die Lage ist, zeigte ein Fall mit 40 Kaninchen aus Bremerhaven. Die Tiere konnten erst nach zahlreichen Telefonaten auf verschiedene Einrichtungen in der Region bis nach Verden verteilt werden. Im Juni 2026 verhängte das Tierheim Bremen zudem einen vorläufigen Aufnahmestopp. Damals versorgte die Einrichtung unter anderem 59 Hunde und 303 Katzen; im selben Jahr waren nach eigenen Angaben bereits 623 Haus- und Heimtiere aufgenommen worden.

    Die Belastung entsteht nicht allein durch Animal-Hoarding-Fälle. Im Mai kamen im Tierheim 98 Katzen hinzu, während lediglich 32 vermittelt werden konnten. Zusätzlich wurden in diesem Monat rund 200 Wildtiere aufgenommen. Damit wird jede weitere Fortnahme zu einer praktischen Herausforderung: Der Schutz der Tiere hängt nicht nur von der Entscheidung der Behörde ab, sondern auch davon, ob kurzfristig geeignete Quarantäneplätze, Pflegekapazitäten und tierärztliche Versorgung verfügbar sind.

    Animal Hoarding ist in Bremen deshalb zugleich ein veterinärrechtliches und ein psychosoziales Problem. Frühe Hinweise und eine Behandlung der zugrunde liegenden Belastungen können verhindern, dass aus einer problematischen Haltung eine größere Fortnahme mit hohen Kosten und überfüllten Tierheimen wird.

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  • Neue Biosicherheitsregeln für Schweinehalter in der Schweiz: Was ASP-Konformität jetzt verlangt

    Neue Biosicherheitsregeln für Schweinehalter in der Schweiz: Was ASP-Konformität jetzt verlangt

    Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) führt neue Biosicherheitsanforderungen für sämtliche Schweinehaltungen in der Schweiz ein. Die Regeln sollen verhindern, dass die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Bestände eingeschleppt oder innerhalb der Schweiz weiterverbreitet wird. Betroffen sind nicht nur professionelle Zucht- und Mastbetriebe, sondern auch kleinere und private Haltungen.

    Stufe 1 gilt im normalen Betrieb

    Die zunächst geltende Stufe 1 setzt auf Vorsorge im Alltag. Dazu gehören kontrollierte Zugänge zu den Ställen, Hygienemassnahmen beim Betreten der Tierbereiche und bauliche oder organisatorische Vorkehrungen gegen den Kontakt zwischen Hausschweinen und Wildschweinen. Auch Besucher müssen erfasst werden, damit im Fall eines Verdachts nachvollziehbar bleibt, wer den Betrieb betreten hat.

    Zusätzlich verlangt das System eine laufende Dokumentation. Dazu zählen unter anderem Behandlungsjournale sowie die tägliche Erfassung von Todesfällen und Aborten. Damit geht es nicht allein um einzelne Hygieneschritte, sondern um eine Kombination aus Zugangskontrolle, Kontaktvermeidung und nachvollziehbarer Betriebsführung.

    Die Anforderungen wurden nach Angaben des BLV gemeinsam mit Branchenvertretern erarbeitet. Ihre Einhaltung soll nach einer Erstabnahme durch einen Gesundheitsdienstanbieter regelmässig überprüft werden. Vorgesehen sind zwei weitere Besuche pro Jahr. Für Tierhalter bedeutet das zusätzliche organisatorische Arbeit, zugleich wird die Einhaltung der Vorgaben zu einem überprüfbaren Status des jeweiligen Betriebs.

    Vorteile bei einem ASP-Ausbruch

    Die sogenannte ASP-Konformität ist nicht nur eine formale Auszeichnung. Erfüllt ein Betrieb die Anforderungen, kann er im Fall eines Ausbruchs in der Umgebung von Erleichterungen beim Tierverkehr und bei der Vermarktung seiner Tiere profitieren. Welche konkreten Erleichterungen im Einzelfall gelten, hängt von der jeweiligen Seuchenlage und den behördlichen Anordnungen ab.

    Für nicht konforme Betriebe kann die Lage dagegen schwieriger werden. Sobald Schutzmassnahmen verschärft werden, können Transporte und die Vermarktung stärker eingeschränkt werden. Die tägliche Dokumentation und die regelmässigen Kontrollen wirken deshalb auch wirtschaftlich: Sie sollen im Ernstfall nachweisen, dass ein Betrieb die Voraussetzungen für einen erleichterten Tierverkehr erfüllt.

    Eine zweite Stufe ist für den tatsächlichen Seuchenfall vorgesehen. Sie soll zusätzliche Vorgaben für den Tierverkehr und diagnostische Abklärungen enthalten. Die Kontrolle dieser verschärften Massnahmen liegt bei den kantonalen Veterinärämtern. Die jetzt eingeführte Stufe 1 ist dagegen für den Normalbetrieb bestimmt und ersetzt nicht die zusätzlichen Eingriffe, die bei einem konkreten Ausbruch notwendig werden könnten. Weitere Hintergruende bietet der GERATI-Beitrag Ramiswil Pferdeversteigerung: Viel Empörung, wenig Fakten.

    Hohe Einschleppungsgefahr in Europa

    Das BLV bewertet die Gefahr einer Verschleppung der ASP in die Schweiz als gross. In Europa waren die Fallzahlen bei Hausschweinen zuvor über mehrere Jahre zurückgegangen. Im April kam es jedoch in Italien erneut zu einem Ausbruch. Besonders in Regionen mit infizierten Wildschweinbeständen sei eine Übertragung auf Hausschweine jederzeit möglich, erklärte das BLV zur internationalen Tierseuchenlage.

    Die Afrikanische Schweinepest betrifft Schweine und Wildschweine, stellt nach den hier zugrunde liegenden Angaben jedoch keine Gefahr für Menschen dar. Für betroffene Tierhaltungen kann ein Ausbruch trotzdem erhebliche Folgen haben: Einschränkungen beim Transport, zusätzliche Untersuchungen und mögliche Vermarktungsprobleme treffen sowohl grosse Betriebe als auch Hobbyhalter.

    Damit verschiebt sich die Verantwortung für den Seuchenschutz stärker in den Betriebsalltag. Wer Schweine hält, muss nicht erst auf einen konkreten Verdachtsfall reagieren, sondern bereits im Normalbetrieb Zugang, Hygiene, Kontakte und Ereignisse dokumentieren. Entscheidend wird im Ernstfall sein, ob diese Vorsorge nicht nur auf dem Papier besteht, sondern bei Kontrollen tatsächlich nachvollziehbar ist.

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  • Alpaka-Hof in Schnabelwaid zur Entspannung: Neun Tiere, ein Familienbetrieb

    Alpaka-Hof in Schnabelwaid zur Entspannung: Neun Tiere, ein Familienbetrieb

    Ein Hof als Rückzugsort im Alltag

    Auf dem Bauerhof in Schnabelwaid stehen neun Alpakas im Mittelpunkt: Aloisius, Bubi, Constantin, Eddi, Gustl, Xaver, Wilma, Fanni und Ida. Marion Bauer betreibt den Hof gemeinsam mit ihrem Mann Thomas, ihrer Tochter Amelie und deren Freund Jonas. Für die Familie sind Begegnungen mit den Tieren vor allem „Herzensausgleichmomente“ – also eine bewusste Auszeit vom Alltag.

    Zum Hof gehören außerdem die Hunde Happy und Milo, eine Katze, Hühner, Hasen sowie Ponys. Dadurch ist der Betrieb kein reiner Alpaka-Standort, sondern ein vielseitiger Familienhof, auf dem das tägliche Zusammenleben mit Tieren den Alltag prägt. Besucher können die Alpakas in Schnabelwaid zwischen Bayreuth und Pegnitz erleben und dort nach Darstellung der Betreiber eine ruhigere Zeit auf dem Land verbringen.

    Die Geschichte des Betriebs begann nach Angaben der Familie im Mai 2022 mit einem Alpaka-Spaziergang. Anschließend besuchten die Bauers weitere Höfe und bereiteten sich auf die eigene Tierhaltung vor. 2023 zogen schließlich die ersten Alpakas auf den Hof ein. Aus einem persönlichen Interesse entwickelte sich damit ein Angebot für Menschen, die den Kontakt zu Tieren suchen.

    Begegnung statt Streichelzoo-Versprechen

    Der Reiz des Hofs liegt aus Sicht der Betreiber in der entschleunigten Begegnung. Alpakas sind keine klassischen Streicheltiere und eignen sich nicht automatisch für jede Form des direkten Kontakts. Entscheidend ist deshalb, dass Besucher die Tiere mit Abstand, Ruhe und Rücksicht erleben können. Der Hof beschreibt seine Angebote als entspannte Zeit mit den Tieren, nicht als medizinische Behandlung. Weitere Hintergruende bietet der GERATI-Beitrag Wieder gelang es Gerati.de eine Lüge von PeTA aufzudecken.

    Damit ist auch die Grenze zum therapeutischen Nutzen wichtig: Die Begegnung mit Tieren kann als wohltuend oder ausgleichend empfunden werden, ersetzt aber keine Therapie und stellt für sich genommen keinen medizinischen Nachweis dar. Der konkrete Wert des Angebots liegt vielmehr in der praktischen Auszeit vom hektischen Alltag, im Aufenthalt im Freien und in der Beobachtung der Tiere. Für Besucher macht das den Hof zu einem Freizeitziel mit tierischem Schwerpunkt, nicht zu einer Klinik oder einer formal ausgewiesenen Therapieeinrichtung.

    Auf der Website des Bauerhofs werden neun Alpakas genannt. Die Tiere werden dabei als Alpaka-Jungs und Alpaka-Mädels vorgestellt; außerdem beschreibt die Familie die Haltung der weiteren Hoftiere und verschiedene Erlebnismöglichkeiten. Die Angaben machen deutlich, dass der Betrieb seine Angebote eng mit dem eigenen Hofalltag verbindet. Das unterscheidet ihn von einem reinen Veranstaltungsanbieter, bei dem Tiere nur für einzelne Programmpunkte eingesetzt werden.

    Tierhaltung bestimmt den Hofalltag

    Wer einen solchen Hof besucht, erlebt nicht nur ein Freizeitangebot, sondern auch die Verantwortung, die mit der Haltung mehrerer Tierarten verbunden ist. Futter, Pflege, Gesundheitsvorsorge und ausreichend geeignete Flächen gehören dauerhaft zum Betrieb. Gerade bei Alpakas ist ein ruhiger Umgang wichtig, weil die Tiere auf hektische Bewegungen und ungewohnten Druck empfindlich reagieren können.

    Die Familie stellt auf ihrer Internetseite die Tiere und ihre Herkunft des Hofprojekts in den Mittelpunkt. Eine unabhängige Bewertung der konkreten Haltungsbedingungen liegt damit nicht vor; aus der Selbstdarstellung lässt sich jedoch nachvollziehen, dass die Tiere dauerhaft auf dem Hof leben und nicht nur für einzelne Besuchertermine dorthin gebracht werden. Das Veterinäramt des Landkreises Bayreuth wird im Impressum als zuständige Aufsichtsbehörde genannt.

    Für Gäste ergibt sich daraus eine praktische Konsequenz: Die entspannte Atmosphäre hängt nicht allein von der Anwesenheit der Alpakas ab, sondern auch davon, wie der Besuch organisiert wird. Ruhe, klare Regeln und ausreichend Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere sind entscheidender als möglichst enger Kontakt. Ein gelungener Alpaka-Besuch bedeutet daher nicht, jedes Tier anfassen zu können, sondern die Tiere in ihrem eigenen Tempo beobachten zu dürfen.

    Familienbetrieb mit regionalem Angebot

    Der Bauerhof liegt in Schnabelwaid an der Verbindung zwischen Bayreuth und Pegnitz und ist damit regional erreichbar. Die Familie verbindet die private Tierhaltung mit Angeboten für Besucher, ohne den Hof als groß angelegte Erlebnisanlage darzustellen. Gerade diese überschaubare Struktur kann für Menschen interessant sein, die einen persönlichen Kontakt zu den Betreibern und einen ruhigeren Aufenthalt suchen.

    Der Fall zeigt, wie sich private Tierhaltung und Freizeitangebot miteinander verbinden lassen. Die Alpakas bleiben dabei der Mittelpunkt, während Hunde, Katze, Hühner, Hasen und Ponys den Hof zu einem vielfältigen Lebensraum machen. Für die Besucher ist das Versprechen der Entspannung letztlich an eine einfache Voraussetzung geknüpft: Die Tiere müssen nicht bloß Kulisse sein, sondern ihren Alltag möglichst unbehelligt weiterführen können.

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  • Vogelgrippe im Kölner Zoo: Diese Bereiche bleiben geschlossen

    Vogelgrippe im Kölner Zoo: Diese Bereiche bleiben geschlossen

    Im Kölner Zoo ist bei neu aufgenommenen Entenvögeln das Vogelgrippe-Virus nachgewiesen worden. Die betroffenen Tiere befanden sich bereits in einer nicht öffentlich zugänglichen Quarantäne-Einheit. Nach Bekanntwerden des Befunds leitete der Zoo in Abstimmung mit den zuständigen Behörden Schutzmaßnahmen für seinen Vogelbestand ein. Für Besucher bedeutet das vorübergehende Einschränkungen in mehreren Tieranlagen, während der übrige Zoobetrieb regulär weiterläuft.

    Hippodom, Eulenkloster und Durchgehege vorerst gesperrt

    Von den vorsorglichen Schließungen sind derzeit die Durchgehege, der Hippodom und das Eulenkloster betroffen. In diesen Anlagen leben frei fliegende Vögel, die vor einer möglichen Übertragung des Virus geschützt werden sollen. Auch die beliebte Flugschau fällt bis auf Weiteres aus. Besucher können deshalb derzeit weder den Schwarzmilan Milo noch den Weißkopfseeadler Paco bei ihren Flugvorführungen erleben.

    Besonders auffällig ist die Schließung des Hippodoms, der neben verschiedenen Vogelarten auch Flusspferde und Krokodile beherbergt. Dort leben seit April 2026 außerdem die beiden ostafrikanischen Kronenkraniche Kibo und Mara, die erst Anfang September der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Obwohl der Virusnachweis nicht in dieser Anlage erfolgte, bleibt sie aufgrund der dort frei fliegenden Vögel vorsorglich geschlossen. Wann die betroffenen Bereiche wieder für Besucher zugänglich sein werden, steht derzeit noch nicht fest.

    Virusnachweis in einer nicht öffentlichen Quarantäne-Einheit

    Der Nachweis des Vogelgrippe-Virus erfolgte bei Entenvögeln, die neu in den Kölner Zoo aufgenommen worden waren. Die Tiere befanden sich zum Zeitpunkt des Befunds bereits in einer gesonderten Quarantäne-Einheit, die für Besucher nicht zugänglich ist. Nach Angaben des Zoos wurden die zuständigen Behörden unmittelbar einbezogen und entsprechende Schutzmaßnahmen eingeleitet. Die vorsorglichen Schließungen sollen verhindern, dass sich das Virus innerhalb des Vogelbestands ausbreiten kann.

    Zoodirektor Theo B. Pagel betonte, dass die Maßnahmen dem Schutz der Tiere dienen und für Besucher keine Gefahr bestehe. Zugleich verwies er darauf, dass die bestehenden Quarantäneverfahren ihre vorgesehene Funktion erfüllt hätten. Der Fall verdeutlicht die Bedeutung solcher Vorsorgemaßnahmen bei der Aufnahme neuer Tiere in zoologische Einrichtungen. Gerade bei Infektionskrankheiten wie der Vogelgrippe ist die frühzeitige Erkennung entscheidend, um weitere Schutzmaßnahmen rechtzeitig einleiten zu können.

    Der aktuelle Fall zeigt zugleich, wie wichtig eine wirksame Seuchenprävention in zoologischen Einrichtungen ist. Die Ursachen der Vogelgrippe und die Herausforderungen ihrer Bekämpfung reichen dabei weit über einzelne Ausbrüche hinaus. Während sich das Virus unter bestimmten Bedingungen zwischen verschiedenen Vogelpopulationen verbreiten kann, sollen Quarantänemaßnahmen verhindern, dass neu aufgenommene Tiere Krankheitserreger in bestehende Bestände einschleppen. Der Virusnachweis bei den Entenvögeln verdeutlicht deshalb die Bedeutung einer konsequenten Gesundheitskontrolle bei der Aufnahme neuer Tiere.

    Kölner Zoo bleibt regulär geöffnet

    Trotz der Einschränkungen können Besucher den Kölner Zoo weiterhin zu den gewohnten Öffnungszeiten besuchen. Sämtliche nicht von den vorsorglichen Schließungen betroffenen Anlagen bleiben nach Angaben des Zoos regulär zugänglich. Dazu gehören insbesondere die neue Giraffenanlage und das Drachenhaus mit den Komodowaranen. Auch die übrigen Tierhäuser und Außenanlagen stehen den Besuchern zur Verfügung, soweit sie nicht von den aktuellen Schutzmaßnahmen betroffen sind.

    Eine vollständige Schließung des Zoos ist nach den bislang veröffentlichten Informationen nicht vorgesehen. Die Verantwortlichen wollen die gesperrten Anlagen wieder öffnen, sobald dies unter Berücksichtigung des Infektionsschutzes möglich ist. Einen konkreten Termin für die Wiedereröffnung hat der Zoo bislang nicht genannt. Besucher, die insbesondere den Hippodom, das Eulenkloster oder die Flugschau besuchen möchten, sollten sich deshalb vor ihrem Zoobesuch über den aktuellen Stand informieren.

    Vorsorgliche Maßnahmen zum Schutz des Vogelbestands

    Der aktuelle Vogelgrippe-Fall zeigt, welche Bedeutung funktionierende Quarantäneverfahren für zoologische Einrichtungen haben. Da die betroffenen Entenvögel bereits getrennt vom übrigen Tierbestand untergebracht waren, konnte der Zoo nach Bekanntwerden des Virusnachweises gezielte Schutzmaßnahmen einleiten. Die vorübergehende Schließung weiterer Anlagen dient dazu, mögliche Infektionsrisiken für die dort gehaltenen Vögel zu reduzieren. Ob und wann die Einschränkungen vollständig aufgehoben werden können, hängt von der weiteren Entwicklung und der Abstimmung mit den zuständigen Behörden ab.

    Für Besucher bleibt die Situation überschaubar, auch wenn einige beliebte Tieranlagen derzeit nicht zugänglich sind. Der Zoo hat ausdrücklich erklärt, dass für seine Gäste keine Gefahr besteht und der reguläre Besuch weiterhin möglich ist. Die vorsorglichen Maßnahmen betreffen somit in erster Linie den Schutz der gehaltenen Vögel und nicht den allgemeinen Publikumsverkehr. Über Änderungen und die Wiedereröffnung der geschlossenen Bereiche will der Kölner Zoo informieren, sobald entsprechende Entscheidungen getroffen wurden.

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  • Tollwut bei Fledermaus in Altenburg entdeckt: Behörden warnen vor Kontakt

    Tollwut bei Fledermaus in Altenburg entdeckt: Behörden warnen vor Kontakt

    Labor bestätigt Infektion bei Breitflügelfledermaus

    Bei einer im Stadtgebiet von Altenburg gefundenen Breitflügelfledermaus ist ein Tollwut-Virus nachgewiesen worden. Nach Angaben des Landratsamtes Altenburger Land handelt es sich um den ersten registrierten Fall dieser Art im Landkreis. Das Tier wurde vom Fledermausschutz Ostthüringen zum Veterinäramt gebracht. Weil die Fledermaus offenbar erheblich litt, wurde sie dort eingeschläfert. Anschließend ging das Tier zur Untersuchung an das Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz. Eine Laboranalyse bestätigte die Infektion mit dem Tollwut-Virus. Für die Bevölkerung bestand nach Behördenangaben zu keinem Zeitpunkt eine akute Gefahr. Der Fall zeigt dennoch, warum auffällige Wildtiere nicht selbst versorgt oder aus unmittelbarer Nähe untersucht werden sollten. Das Veterinär- und das Gesundheitsamt des Altenburger Landes raten ausdrücklich dazu, kranke, tote oder ungewöhnlich verhaltende Tiere nicht anzufassen. Stattdessen sollte das zuständige Veterinäramt informiert werden.

    Übertragung setzt direkten Kontakt voraus

    Das Ansteckungsrisiko im Alltag ist nach Einschätzung der Behörden äußerst gering. Eine Übertragung kann etwa durch einen Biss oder Kratzer sowie durch Kontakt von Speichel oder Exkrementen mit Schleimhäuten erfolgen. Fledermäuse sind nachtaktive Tiere und meiden Menschen normalerweise. Sie greifen Menschen nicht gezielt an. Wer einem solchen Tier begegnet, sollte deshalb Abstand halten und insbesondere nicht versuchen, es mit bloßen Händen aufzunehmen. Das gilt auch dann, wenn die Fledermaus bewegungslos erscheint oder hilfsbedürftig wirkt. Kommt es dennoch zu einem Biss, Kratzer oder zum Kontakt von Speichel mit Schleimhäuten, muss die betroffene Stelle sofort medizinisch abgeklärt werden. Ein Arzt oder eine Notaufnahme kann prüfen, ob eine vorbeugende Behandlung oder Impfung erforderlich ist. Für Hunde- und Katzenhalter bleibt zudem ein aktueller Tollwutschutz ihrer Tiere wichtig. Weitere Hintergruende bietet der GERATI-Beitrag PETA-Anzeige gegen Rinderhalter im Landkreis Rosenheim – Veterinäramt stellte Mängel fest.

    Fledermaustollwut ist von klassischer Tollwut zu unterscheiden

    Der Altenburger Nachweis ist nicht mit der klassischen terrestrischen Tollwut gleichzusetzen. Diese Form der Tollwut, die unter anderem durch Füchse übertragen werden kann, gilt in Deutschland seit 2008 als getilgt. Bei Fledermäusen werden dagegen weiterhin verschiedene Lyssaviren nachgewiesen, zu denen auch Tollwutviren gehören. Die Unterscheidung ist für die Einordnung des Falls entscheidend: Der Fund bedeutet nicht, dass die klassische Tollwut in der Region wieder verbreitet ist. Er belegt vielmehr einen einzelnen Virusnachweis bei einem Wildtier. Für die Bevölkerung folgt daraus vor allem eine klare Verhaltensregel: Nicht anfassen, Abstand halten und fachkundige Hilfe verständigen.

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  • Wild Love Stories im Naturschutz-Tierpark Görlitz: So erklärt die Ausstellung das Liebesleben der Tiere

    Wild Love Stories im Naturschutz-Tierpark Görlitz: So erklärt die Ausstellung das Liebesleben der Tiere

    Drei Räume über Verführung, Paarung und Nachwuchs

    Im Naturschutz-Tierpark Görlitz können Besucher in der interaktiven Entdeckerwelt „Wild Love Stories“ die Fortpflanzungsstrategien verschiedener Tierarten erkunden. Die Dauerausstellung wurde am 4. Juli 2026 eröffnet und richtet sich an Familien, Jugendliche und Erwachsene. In drei Bereichen geht es um Verführung, Paarung sowie Nachwuchs und dessen Aufzucht. Der Tierpark möchte damit biologische Zusammenhänge vermitteln, die im natürlichen Lebensraum vieler Tiere für Menschen kaum zu beobachten sind.

    Analoge Mitmachstationen, Illustrationen und multimediale Elemente zeigen, wie unterschiedlich Tiere Partnerschaften bilden und Nachwuchs großziehen. Beispiele reichen von Flamingos und Pinguinen bis zu Kängurus, Ameisenigeln, Fledermäusen, Katzen und Löwen. Auch ungewöhnliche biologische Merkmale werden erklärt, etwa die Fortpflanzungsanatomie von Koalas oder die unterschiedlichen Milchsorten, mit denen Kängurumütter ihren Nachwuchs versorgen können. Die Ausstellung verbindet diese Besonderheiten mit spielerischen Angeboten, die sowohl Kinder als auch Erwachsene ansprechen sollen.

    Vom Kinderbuch zur Erlebniswelt

    Die Ausstellung basiert auf dem Sachbuch „Das Liebesleben der Tiere“ von Katharina von der Gathen mit Illustrationen von Anke Kuhl. Tierparkdirektor Dr. Sven Hammer entwickelte daraus das Konzept einer räumlich erlebbaren Entdeckerwelt. Nach Angaben des Tierparks ist das Angebot in dieser Form einmalig im deutschsprachigen Raum. Die Inhalte des Buches werden durch interaktive Stationen und multimediale Elemente ergänzt, sodass Besucher biologische Vorgänge nicht nur nachlesen, sondern spielerisch entdecken können.

    Die Ausstellung soll jedoch nicht ausschließlich Wissen über Balz, Paarung und Nachwuchs vermitteln. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Zusammenhang zwischen Fortpflanzung, Lebensräumen und Artenvielfalt. Besucher erfahren, warum der Schutz natürlicher Lebensräume eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass viele Tierarten erfolgreich Nachwuchs bekommen können. Einen vergleichbaren Ansatz verfolgt der Erlebnis-Zoo Hannover, dessen GERATI-Beitrag über Umweltbildung in Yukon Bay zeigt, wie zoologische Einrichtungen komplexe ökologische Zusammenhänge durch anschauliche Bildungsangebote vermitteln.

    Kindgerecht, aber nicht ohne sensible Themen

    Die Ausstellung setzt auf eine offene Sprache und vermeidet es, biologische Vorgänge zu verschweigen. Einzelne Bereiche, darunter ein „Genitalien-Kabinett“ und eine sogenannte Peep-Show, sind räumlich abgetrennt. Hinweise machen kenntlich, welche Inhalte für Kinder ab acht Jahren geeignet sind; Eltern können selbst entscheiden, welche Stationen sie gemeinsam mit ihren Kindern ansehen. Dabei verwendet die Ausstellung ausschließlich vereinfachte Illustrationen und Animationen, keine echten Fotografien oder Filmaufnahmen von Paarungen. Auch weniger romantische Aspekte des tierischen Fortpflanzungsverhaltens werden aufgegriffen, wobei sensiblere Darstellungen entsprechend gekennzeichnet sind.

    Für den Tierpark verbindet „Wild Love Stories“ damit Zoopädagogik und Artenschutz. Die Ausstellung ist im regulären Eintritt enthalten und täglich ab 9 Uhr zugänglich. Ihre praktische Bedeutung liegt vor allem darin, dass Familien biologische Themen gemeinsam entdecken können, ohne dass der Besuch auf reine Unterhaltung beschränkt bleibt. Aus ungewöhnlichen Tierbeispielen werden anschauliche Anknüpfungspunkte für Fragen zu Fortpflanzung, Verhalten und dem Schutz bedrohter Arten. Damit ergänzt die Entdeckerwelt die klassischen Aufgaben zoologischer Einrichtungen um ein Bildungsangebot, das biologische Vielfalt aus einer ungewöhnlichen Perspektive vermittelt.

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  • Bronx Zoo – Tierpark der Superlative: Nachwuchs bei China-Alligatoren und Auswilderung im Queens Zoo

    Bronx Zoo – Tierpark der Superlative: Nachwuchs bei China-Alligatoren und Auswilderung im Queens Zoo

    Tierärztlicher Check für die China-Alligatoren

    Die Dokumentation „Bronx Zoo – Tierpark der Superlative“ zeigt den Alltag von Tierpflegern und Veterinären in zwei New Yorker Zoos. Im Reptilienhaus des Bronx Zoo steht dabei ein mögliches Zuchtgeschehen im Mittelpunkt: Bei den China-Alligatoren gibt es Anzeichen für eine Schwangerschaft. Ein Tierarztbesuch soll klären, ob das Weibchen tatsächlich Nachwuchs erwartet.

    Damit verbindet die Sendung die tägliche Tierpflege mit einer konkreten Aufgabe der Zucht und Bestandsicherung. Eine bestätigte Schwangerschaft liegt in der Ankündigung allerdings noch nicht vor. Der medizinische Termin ist vielmehr der nächste Schritt, um den Verdacht fachlich zu überprüfen.

    Kaninchen sollen zurück in die Natur

    Parallel begleitet die Folge ein Artenschutzprojekt im Queens Zoo. Dort bereitet das Team die Auswilderung von Neuengland-Baumwollschwanzkaninchen vor. Die Tiere wurden speziell gezüchtet. Sie sollen in ihren natürlichen Lebensraum zurückkehren. Weitere Hintergruende bietet der GERATI-Beitrag Kamerapflicht in Schlachthöfen: Bundesregierung plant Videoüberwachung für mehr Tierschutz.

    Für die Kaninchen endet die Arbeit deshalb nicht mit der Aufzucht im Zoo. Entscheidend ist, ob die Tiere für ein Leben außerhalb menschlicher Betreuung geeignet sind. Die geplante Freilassung setzt eine entsprechende Vorbereitung voraus. In der Ankündigung wird die Auswilderung als nächster Schritt beschrieben. Weitere Hintergruende bietet der GERATI-Beitrag EU-Reform, Polizeieinsätze: Was der VerkehrsRundschau‑Podcast über Tiertransporte berichtet.

    TV-Einblick in Zooarbeit und Artenschutz

    Der Bronx Zoo gehört zur Wildlife Conservation Society und stellt neben dem Besuchererlebnis auch den Schutz bedrohter Wildtiere heraus. Die offizielle Darstellung des Zoos nennt sowohl die Arbeit vor Ort als auch Schutzprojekte in freier Wildbahn als zentrale Aufgaben. Die Dokumentation macht diese Verbindung anhand zweier sehr unterschiedlicher Fälle sichtbar: einer tierärztlichen Untersuchung bei Reptilien und einer geplanten Rückkehr von Säugetieren in die Natur.

    Die Folge zeigt damit keine reine Tierbeobachtung. Sie rückt Entscheidungen, Kontrollen und Vorbereitung in den Vordergrund, die für erfolgreiche Tierhaltung und Artenschutzprojekte notwendig sind. Während bei den Alligatoren zunächst die medizinische Klärung aussteht, steht bei den Kaninchen die praktische Umsetzung der Auswilderung bevor.

    Quellen

  • Burgers’ Light: Burgers’ Zoo bringt seine Lichtshow nach sieben Jahren zurück

    Burgers’ Light: Burgers’ Zoo bringt seine Lichtshow nach sieben Jahren zurück

    Ein Glühwürmchen führt durch den Abend

    Nach sieben Jahren Pause kehrt „Burgers’ Light“ in den Burgers’ Zoo im niederländischen Arnheim zurück. Die Lichtshow startet am 27. November 2026 und läuft bis zum 28. Februar 2027. Das Konzept wurde vollständig neu entwickelt und verbindet Projektionen, Lichtobjekte, Shows und Toninstallationen mit einer durchgehenden Geschichte.

    Im Mittelpunkt steht ein männliches Glühwürmchen, das auf der Suche nach dem Licht ist, das speziell für ihn leuchtet. Besucher begleiten ihn auf dieser Reise durch den Tierpark. Dabei soll die Inszenierung nicht nur eine abendliche Atmosphäre schaffen, sondern auch vermitteln, welche Bedeutung Licht für verschiedene Tierarten hat und wie Tiere auf künstliche oder natürliche Lichtquellen reagieren.

    Storytelling statt reiner Illumination

    Burgers’ Zoo setzt damit auf einen erzählerischen Ansatz. Die einzelnen Stationen des Rundgangs werden durch die Geschichte des Glühwürmchens miteinander verbunden. Nach Angaben des Zoos soll der Besuch dadurch über eine Aneinanderreihung beleuchteter Objekte hinausgehen und Naturthemen verständlich in das Erlebnis integrieren.

    Entwickelt wurde die neue Ausgabe gemeinsam mit MK Lichttechniek. Kim Huijing, Marketingmanagerin des Burgers’ Zoo, beschreibt die Verbindung von Licht, Ton und Storytelling als zentrales Element des Konzepts. Die Produktion soll thematisch an die Ausrichtung des Tierparks anknüpfen, Besucher für Natur begeistern und zugleich Wissen über tierische Reaktionen auf Licht vermitteln.

    Der pädagogische Anspruch bleibt dabei in eine Freizeitveranstaltung eingebettet. „Burgers’ Light“ ist kein wissenschaftlicher Rundgang mit ausführlichen Fachvorträgen, sondern eine inszenierte Abendroute, die Informationen über Tiere mit Unterhaltung und visuellen Effekten verbindet. Gerade diese Kombination kann Familien und andere Besucher erreichen, die klassische Informationstafeln oder reine Vorträge weniger ansprechend finden.

    Termine und Ticketpreise

    Die Veranstaltung findet an Wochenenden sowie während der niederländischen Weihnachtsferien vom 19. Dezember 2026 bis zum 3. Januar 2027 statt. Ausgenommen sind einzelne Feiertage. Geplant ist der Besuch jeweils zwischen 17.30 und 21 Uhr, wobei die Tickets nach Zeitfenstern verkauft werden sollen. Damit will der Zoo den Besucherstrom über den Abend verteilen.

    Der Onlinepreis für Erwachsene und Kinder beträgt nach den angekündigten Angaben 16,50 Euro pro Person. Ein Kombiticket für einen Tagesbesuch und den anschließenden Besuch von „Burgers’ Light“ soll 37,50 Euro kosten. Für Inhaber einer Jahreskarte ist online ein Sonderpreis von 6,50 Euro vorgesehen; beim Einlass muss die gültige Jahreskarte vorgelegt werden.

    Die Zeitfenster sind für die praktische Planung des Besuchs besonders relevant. Wer bereits tagsüber im Zoo ist, kann den Abendbesuch über das Kombiticket verbinden. Für Familien und Jahreskarteninhaber entstehen dagegen unterschiedliche Preisvorteile, abhängig davon, ob sie nur die Lichtshow oder zusätzlich den regulären Zoobesuch planen.

    Licht als Naturthema

    Das Glühwürmchen ist für die Geschichte nicht zufällig gewählt. Seine Partnersuche ist eng mit Lichtsignalen verbunden und macht anschaulich, dass Licht im Tierreich nicht nur der Beleuchtung dient. Der Zoo will diesen Zusammenhang nutzen, um den Blick auf die unterschiedlichen Reaktionen von Tieren auf Licht zu lenken.

    Damit erhält die Veranstaltung neben dem Unterhaltungswert einen konkreten Bildungsbezug. Entscheidend wird sein, ob die Informationen während des Rundgangs tatsächlich verständlich in die Inszenierung eingebunden werden und nicht hinter Projektionen und Soundeffekten zurücktreten. Der angekündigte Neustart verbindet jedenfalls die Rückkehr eines bekannten Veranstaltungsformats mit einem deutlich stärker erzählten Naturthema.

    Für Besucher aus Deutschland sind die Details auf der deutschsprachigen Veranstaltungsseite des Burgers’ Zoo abrufbar. Der Arnheimer Tierpark kündigt dort die weiteren Informationen zur Buchung und zum Ablauf an. „Burgers’ Light“ soll so aus einem saisonalen Lichtevent einen abendlichen Zoo-Besuch machen, bei dem Unterhaltung und Wissen über Tiere zusammengehören.

    Quellen

  • Familienzirkus Piccolo in Schwaikheim: Weniger Gastspiele, gleiche Fixkosten

    Familienzirkus Piccolo in Schwaikheim: Weniger Gastspiele, gleiche Fixkosten

    Der Familienzirkus Piccolo reduziert seine Vorstellungen in Schwaikheim auf zwei Wochenenden. Während die Einnahmemöglichkeiten sinken, bleiben die laufenden Kosten bestehen. Für den traditionsreichen Familienbetrieb stellt sich damit eine wirtschaftliche Frage: Wie lässt sich ein reisender Zirkus finanzieren, wenn sich zusätzliche Vorstellungen unter der Woche kaum noch lohnen?

    Nur vier Vorstellungen in Schwaikheim

    Der Familienzirkus Piccolo gastiert vom 26. September bis zum 4. Oktober 2026 in Schwaikheim. Anders als bei längeren Gastspielen sind lediglich vier Vorstellungen vorgesehen. Gespielt wird am 26. und 27. September sowie am 3. und 4. Oktober, jeweils um 16 Uhr. Die Tageskasse öffnet an den Vorstellungstagen bereits um 13 Uhr.

    Auf zusätzliche Aufführungen unter der Woche verzichtet der Familienbetrieb, weil dann zu wenige Zuschauer erwartet werden. Damit entfallen zwar die unmittelbaren Kosten weiterer Vorstellungen, gleichzeitig verringern sich aber auch die möglichen Einnahmen. Die grundlegenden Betriebskosten lassen sich durch weniger Auftritte nicht im gleichen Umfang reduzieren. Der Zirkus muss deshalb seine Spielzeiten an die erwartete Nachfrage anpassen, anstatt möglichst viele Vorstellungen anzubieten.

    Mehrere Generationen arbeiten im Familienzirkus

    Die Geschichte der Zirkusfamilie reicht bis in die frühen 1990er-Jahre zurück. Alexander und Monika Riedesel stehen hinter dem Familienunternehmen, das neben klassischen Gastspielen auch Mitmachprojekte anbietet. Ihre fünf Kinder unterstützen die verschiedenen Aktivitäten der Familie und haben sich nach eigenen Angaben zu ausgebildeten Artistenlehrmeistern entwickelt. Inzwischen gehören auch Schwiegersöhne, Enkel und weitere Mitarbeiter zum Team.

    Die Familie verbindet traditionelle Zirkuskunst mit Angeboten für Kinder und Jugendliche. Dabei beschränkt sich ihre Arbeit längst nicht mehr auf öffentliche Vorstellungen in der Manege. Schulen, Kindergärten und Ferienprogramme gehören ebenfalls zu den Einsatzbereichen des Mitmachzirkus Piccolo. Diese zusätzlichen Tätigkeiten ermöglichen es der Familie, ihre artistischen und pädagogischen Fähigkeiten auch außerhalb des regulären Gastspielbetriebs einzusetzen.

    Weniger Vorstellungen bedeuten nicht automatisch weniger Kosten

    Für einen reisenden Familienzirkus ist die Zahl der Vorstellungen nur eine Seite der wirtschaftlichen Rechnung. Zelt, Fahrzeuge, technische Ausstattung und die übrige Infrastruktur müssen unabhängig davon unterhalten werden, wie oft die Manege tatsächlich bespielt wird. Hinzu kommen die Kosten des laufenden Betriebs und der Lebensunterhalt der mitreisenden Familie. Wie hoch die einzelnen Ausgaben bei Piccolo ausfallen, ist öffentlich nicht beziffert.

    Zusätzliche Vorstellungen können die Einnahmen erhöhen, verursachen aber ebenfalls Kosten. Wenn unter der Woche nur wenige Zuschauer erscheinen, ist keineswegs sichergestellt, dass sich der zusätzliche Aufwand lohnt. Die Konzentration auf Wochenenden ist deshalb eine betriebliche Entscheidung, mit der sich unnötige Ausgaben vermeiden lassen. Ob die vier Vorstellungen in Schwaikheim wirtschaftlich ausreichen, lässt sich ohne konkrete Besucherzahlen und Einnahmen allerdings nicht beurteilen.

    Auch andere kleinere Zirkusunternehmen stehen vor ähnlichen wirtschaftlichen Herausforderungen. Wie eng der Erfolg eines reisenden Familienbetriebs mit den Besucherzahlen und den laufenden Ausgaben verbunden ist, zeigt der GERATI-Bericht über den Circus Hoppla Hopp in Niederlehme, dessen Direktor Sven Rogall ebenfalls über steigende Betriebskosten und schwankende Besucherzahlen berichtete.

    Mitmachzirkus als zusätzliches Standbein

    Neben den klassischen Gastspielen setzt die Familie auf Zirkusprojekte, bei denen Kinder und Jugendliche selbst aktiv werden. Der Mitmachzirkus bietet Schulprojekte und Ferienprogramme an, bei denen die Teilnehmer unter Anleitung artistische Fähigkeiten kennenlernen und eigene Aufführungen vorbereiten können. Die Familie verfügt nach eigener Darstellung über mehrere ausgebildete Artistenlehrmeister. Auch die jüngere Generation wirkt inzwischen bei den verschiedenen Projekten mit.

    Dieses zusätzliche Angebot eröffnet dem Familienunternehmen Einnahmemöglichkeiten außerhalb des regulären Spielbetriebs. Während öffentliche Vorstellungen davon abhängen, wie viele Zuschauer tatsächlich Eintrittskarten kaufen, können Schul- und Ferienprojekte bereits im Voraus vereinbart werden. Das erleichtert die Planung und ermöglicht eine bessere Auslastung der vorhandenen Ausstattung. Ob und in welchem Umfang die Einnahmen aus diesen Projekten mögliche Ausfälle bei Gastspielen ausgleichen, ist allerdings nicht bekannt.

    Tradition und wirtschaftliche Realität

    Familienzirkusse sind weit mehr als Unternehmen, die gelegentlich ihre Zelte aufschlagen und Vorstellungen geben. Hinter jeder Aufführung stehen organisatorische Arbeiten, der Transport der Ausrüstung und die Unterhaltung einer Infrastruktur, die auch außerhalb der Spielzeiten benötigt wird. Bei Piccolo kommt hinzu, dass mehrere Generationen gemeinsam im Betrieb arbeiten und ihre berufliche Zukunft mit dem Familienunternehmen verbunden ist. Die Entscheidung, in Schwaikheim nur an zwei Wochenenden aufzutreten, zeigt, wie stark sich ein solcher Betrieb an die tatsächliche Nachfrage anpassen muss.

    Die Familie ist nach eigener Darstellung nahezu das gesamte Jahr unterwegs und verbringt die Wintermonate in Plüderhausen. Mit den zusätzlichen Mitmachangeboten hat sie sich ein weiteres Standbein aufgebaut, das über den traditionellen Gastspielbetrieb hinausgeht. Ob diese Kombination langfristig ausreicht, hängt unter anderem von der Nachfrage nach Vorstellungen und Projekten sowie von den laufenden Kosten ab. Konkrete Hinweise auf eine unmittelbar drohende Schließung liegen nicht vor.

    Die Situation in Schwaikheim verdeutlicht vielmehr die wirtschaftlichen Herausforderungen kleiner reisender Zirkusse. Weniger Vorstellungen können helfen, zusätzliche Veranstaltungskosten zu vermeiden, lösen aber nicht das Problem der dauerhaft anfallenden Fixkosten. Gleichzeitig bieten Familienbetriebe wie Piccolo durch ihre langjährige Erfahrung und die Zusammenarbeit mehrerer Generationen Voraussetzungen, um unterschiedliche Angebote miteinander zu verbinden. Entscheidend bleibt letztlich, ob genügend Besucher und Projektpartner die Arbeit des Familienunternehmens unterstützen.

    Quellen