Jungbauer aus Goldenbow setzt auf Tierwohl, Eigenfutter und Umnutzung alter LPG-Ställe
Fabian Schwarz aus Goldenbow (Mecklenburg‑Vorpommern) investiert erhebliche Mittel in die Modernisierung seines Familienbetriebs und ist Finalist des CERES AWARD 2026. Er hat Teile eines ehemaligen LPG‑Standorts zu Ställen der sogenannten Haltungsform 3 umgebaut: Außenklimabereiche, reduziert Besatzdichten (rund 30 Prozent weniger Tiere als in konventioneller Haltung) sowie erhöhte Ebenen und Beschäftigungsangebote zählen dazu. Der Betrieb bewirtschaftet nach eigenen Angaben rund 500 Hektar Ackerfläche und stellt einen Großteil des Futters selbst her; in anderen Berichten wird die Fläche mit etwa 400 Hektar angegeben, sodass die Quellenlage zur genauen Flächengröße uneinheitlich bleibt. Medien berichten, dass jeweils rund 9.000 Puten gehalten werden, die typischerweise etwa neun Wochen auf dem Hof verbleiben. In Presse und auf der CERES‑Seite präsentiert Schwarz diese Kombination als Modell, das Tierwohl, Kreislaufwirtschaft und Transparenz verbindet.
Wirtschaftlichkeit: weniger Tiere, aber geschlossene Kreisläufe
Schwarz nennt betriebliche Kennzahlen wie Verlustraten von etwa sechs bis sieben Prozent, Tageszunahmen um 150 g und eine Futterverwertung von rund 1:2,4. Für seine Kalkulationen ist weniger die Einzelleistung ausschlaggebend als das Gesamtsystem: eigener Weizen‑ und Erbsenanbau reduziert die Futterkosten, Photovoltaik verringert den Fremdenergiebedarf, und die Umnutzung bestehender Gebäude vermeidet zusätzliche Flächenversiegelung. Quellen geben an, die installierte Photovoltaikanlage habe eine Leistung von rund 1,6 Megawatt und könne nach Betriebsangaben so viel Strom erzeugen, dass er grob dem Jahresbedarf von etwa 500 Haushalten vergleichbar sei; ein Teil des Stroms wird ins Netz eingespeist. Für Umbau und Modernisierung erhielt Schwarz laut Nordkurier Fördermittel aus Agrarinvestitionsprogrammen; in der Förderdokumentation wird die Unterstützung wettbewerbsfähiger, nachhaltiger und tiergerechter Landwirtschaft genannt. Agrarheute und die CERES‑Kurzvorstellung führen diese Elemente als Belege dafür an, dass höhere Tierwohlstandards wirtschaftlich umsetzbar sein können, verweisen aber zugleich darauf, dass die Daten überwiegend aus Betriebsangaben und Medienberichten stammen und nicht aus unabhängigen Prüfberichten.
Tierwohlmaßnahmen konkret – was belegt ist und was nicht
Auf dem Hof sind sichtbare Maßnahmen erkennbar: Wintergärten/Außenklimabereiche, Beschäftigungsmaterialien, Picksteine sowie ein angepasstes Lüftungs‑ und Kühlsystem. Schwarz berichtet von ruhigerem Tierverhalten und besseren Vitalitätswerten; diese Eindrücke finden sich in den vorliegenden Quellen, sind jedoch Selbst‑ und Betriebsdarstellungen sowie Beobachtungen des Jurybesuchs. Veterinärmedizinische Gutachten oder amtliche Kontrollen mit detaillierten Kennzahlen werden in den zitierten Materialien nicht genannt. Damit bleibt offen, in welchem Umfang die beschriebenen Verbesserungen bei Mortalität, Krankheitslast oder Medikamentenbedarf langfristig stabil sind und wie übertragbar sie auf andere Betriebe wären.
Kommunikation als Strategie: Hoffeste und Stallführungen
Schwarz betont, dass Vertrauen nur durch Offenheit wächst, und lädt Verbraucher zu Hoffesten und Stallbesichtigungen ein, um Vorurteile gegen moderne Tierhaltung zu entkräften. Diese Kommunikationsstrategie ist für seinen Betrieb ein zentrales Instrument, um Akzeptanz zu schaffen und die Marktseite zu stärken. Medien dokumentieren jurierte Besuche und die Bewerbung beim CERES AWARD als Plattform dafür. Die gezeigte Praxis veranschaulicht, wie ein einzelner Betrieb seine Reputation aktiv gestaltet, sichert jedoch nicht automatisch breite gesellschaftliche Zustimmung.
Politische Unsicherheit bleibt das größte Risiko
Sowohl Schwarz als auch die Agrarberichterstattung heben hervor, dass die größte Bedrohung für die Zukunft der Putenhaltung aus der Politik kommt. Genannt werden Debatten über strengere Vorgaben und geringere Besatzdichten sowie eine fehlende Planungssicherheit für Investitionen. Diese Einschätzung basiert auf der persönlichen Wahrnehmung des Betriebsleiters und auf Berichterstattung zur Branchenlage; konkrete neue Gesetzesinitiativen oder verbindliche Regeländerungen werden in den vorliegenden Quellen nicht aufgeführt. Es bleibt daher offen, welche rechtlichen Vorgaben in naher Zukunft konkret drohen und wie sie die Wirtschaftlichkeit der beschriebenen Haltungsform beeinflussen würden.
Was der Fall Schwarz dem Leser zusätzlich klarmacht
Die Quellen liefern mehr als eine Porträtmeldung: Sie zeigen exemplarisch, wie ein mittelgroßer Betrieb versucht, Tierwohl, Wirtschaftlichkeit und gesellschaftliche Akzeptanz gleichzeitig zu bearbeiten und welche internen Stellschrauben dafür genutzt werden (Eigenfutter, Umnutzung von Bestandsgebäuden, erneuerbare Energien, Öffentlichkeitsarbeit). Nordkurier berichtet zudem von praktischen Hürden beim Umbau: Beim Entkernen alter Gebäude musste etwa Asbest saniert werden, bevor Dächer erneuert und mit Photovoltaik bestückt werden konnten. Zugleich offenbart die Recherche eine Beleglücke: Viele positive Tierwohl‑Effekte sind betrieblich berichtet und nicht durch unabhängige veterinärmedizinische Befunde oder amtliche Prüfberichte gegengeprüft. Für Leser bedeutet das: Schwarz' Modell ist ein nachvollziehbares Praxisbeispiel, das aber nicht als allgemeiner Beweis dafür taugt, dass Haltungsform 3 in der Breite ohne weitere Anpassungen wirtschaftlich funktioniert.
Quellen:
– Hat die Putenhaltung noch eine Zukunft? CERES-Finalist Fabian Schwarz sagt: Ja! – https://www.agrarheute.com/tier/gefluegel/hat-putenhaltung-noch-zukunft-ceres-finalist-fabian-schwarz-sagt-641896 – Junglandwirt investiert Millionen in neue Putenställe: Das ist seine Strategie | agrarheute.com (Agrarheute) – https://www.agrarheute.com/tier/gefluegel/junglandwirt-investiert-millionen-neue-putenstaelle-strategie-641896 – Fabian Schwarz, Goldenbow – CERES AWARD (DLV) – https://www.ceresaward.de/gefluegelhalter/fabian-schwarz-goldenbow/ – „Vieles glich einem Scheiterhaufen“: Wie ein junger Landwirt seinen Hof zum Vorzeigeprojekt machte (Nordkurier) – https://www.nordkurier.de/regional/parchim/vieles-glich-einem-scheiterhaufen-wie-ein-junger-landwirt-seinen-hof-zum-vorzeigeprojekt-machte-4697936 – ƌǁĂƌƚƵŶŐĞŶ ĚĞƌ 'ĞƐĞůůƐĐŚĂĨƚ ĂŶ ĚŝĞ >ĂŶĚǁŝƌƚƐĐŚĂĨƚ (Thuenen) – https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn052711.pdf – GERATI: Putenhaltung Deutschland: Mehr Schutz für Puten? – https://gerati.de/2026/02/05/putenhaltung-deutschland-kfty/
