Am 26. September 2026 soll in Mainz der dritte Galgomarsch stattfinden. Anders als zunächst angenommen, lässt sich die Veranstaltung durch mehrere öffentlich zugängliche Quellen bestätigen. Der Treffpunkt ist der Gutenbergplatz, Beginn ist gegen 12 Uhr. Neben einem Demonstrationszug durch die Innenstadt sind Informationsstände und weitere Programmpunkte rund um Hunde- und Tierschutz angekündigt.
Galgomarsch in Mainz ist mehrfach angekündigt
Der Merkurist berichtet am 20. September über die bevorstehende Veranstaltung und nennt für den 26. September einen Zeitraum von 12 bis 16 Uhr. Vorgesehen seien ein Tierschutzfest auf dem Gutenbergplatz sowie ein Demonstrationszug durch Mainz. Nach Angaben des Berichts rechnen die Organisatorinnen erneut mit einer größeren Beteiligung von Menschen und Hunden. Auch Greyhound Protection sowie die Galgorettung Fränkisches Seenland führen den Mainzer Termin in ihren Veranstaltungsankündigungen auf.
Damit ist die bisherige GERATI-Darstellung, wonach keine überprüfbare Veranstaltungsankündigung vorliege, zu korrigieren. Was sich allerdings erst nach der Veranstaltung feststellen lässt, sind die tatsächliche Teilnehmerzahl sowie der genaue Ablauf vor Ort. Veranstaltungsankündigungen beschreiben zunächst Planungen und Erwartungen. Diese Trennung zwischen angekündigten und später tatsächlich eingetretenen Ereignissen sollte auch bei der Berichterstattung über Tierschutzdemonstrationen eingehalten werden.
Organisatoren wollen auf Jagd- und Gebrauchshunde aufmerksam machen
Nach Angaben des Merkurist soll sich der Galgomarsch insbesondere mit der Situation von Jagd-, Arbeits- und Gebrauchshunden in Spanien und anderen Teilen Europas beschäftigen. Auch Informationsangebote über Tierschutzarbeit, Welpenhandel und den Umgang mit entlaufenen Hunden sind angekündigt. Der Bericht nennt darüber hinaus regionale Tierheime, Tiersicherungsgruppen und Wolfsschutz Deutschland als angekündigte Teilnehmer beziehungsweise Aussteller. Auch der Schutz von Wölfen soll nach Darstellung des Merkurist Bestandteil der Veranstaltung sein.
Greyhound Protection beschreibt die Veranstaltung allgemeiner als Aktion für Galgos, Podencos und andere Hunde. Teilnehmen können demnach ausdrücklich auch andere Hunderassen, Mischlinge sowie Besucher ohne Hund. Die Galgorettung Fränkisches Seenland nennt ebenfalls den Gutenbergplatz als Ausgangspunkt und gibt eine Marschstrecke von rund drei Kilometern an. Damit geht die Veranstaltung deutlich über eine reine Demonstration ausschließlich für Galgos hinaus.
Die hohen Opferzahlen sind keine amtlich belegte Statistik
Im Umfeld von Galgomärschen wird regelmäßig behauptet, dass in Spanien jährlich Zehntausende Galgos, Podencos und andere Jagdhunde ausgesetzt oder getötet würden. Je nach Organisation ist von etwa 50.000, 60.000 oder noch höheren Zahlen die Rede. Solche Angaben werden seit Jahren von Tierschutzorganisationen verbreitet, eine einheitliche amtliche Erfassung für ganz Spanien existiert jedoch nicht. Selbst Organisationen, die mit solchen Schätzungen arbeiten, weisen teilweise ausdrücklich darauf hin, dass keine zentrale offizielle Statistik vorhanden ist.
Das bedeutet nicht, dass es keine Fälle von Aussetzung, Misshandlung oder illegaler Tötung von Jagdhunden gibt. Es bedeutet lediglich, dass konkrete Jahreszahlen nicht ohne entsprechende Kennzeichnung als gesicherte Tatsache dargestellt werden sollten. Für eine sachliche Berichterstattung ist entscheidend, zwischen dokumentierten Einzelfällen, Schätzungen von Tierschutzorganisationen und amtlichen Daten zu unterscheiden. Gerade bei emotional stark aufgeladenen Kampagnenthemen darf eine häufig wiederholte Zahl nicht automatisch mit einem statistisch belegten Wert gleichgesetzt werden.
Spanisches Tierschutzgesetz schließt Jagdhunde aus – aber nicht aus jedem Schutz
Ein zentraler Kritikpunkt verschiedener Tierschutzorganisationen betrifft das spanische Gesetz 7/2023 über die Rechte und das Wohlergehen von Tieren. Tatsächlich nimmt Artikel 1 unter anderem Jagdhunde, Meutehunde und andere zur Jagd eingesetzte Tiere ausdrücklich vom Anwendungsbereich dieses Gesetzes aus. Diese Ausnahme ist daher keine bloße Behauptung von Aktivisten, sondern im Gesetzestext nachvollziehbar.
Unzutreffend wäre allerdings die verkürzte Schlussfolgerung, Jagdhunde seien deshalb in Spanien generell „ungeschützt“. Der spanische Gesetzgeber hält ausdrücklich fest, dass diese Tiere weiterhin durch jeweils einschlägige europäische, staatliche und regionale Vorschriften geregelt und geschützt werden. Die tatsächliche Rechtslage ist daher komplexer als die häufig verwendete politische Botschaft, Jagdhunde hätten überhaupt keinen gesetzlichen Schutz. Die Debatte dreht sich vielmehr darum, ob die bestehenden speziellen Regelungen ausreichen und wie konsequent sie kontrolliert und durchgesetzt werden.
Auch Wolfsschutz ist Teil der angekündigten Veranstaltung
Bemerkenswert ist, dass der Mainzer Galgomarsch nach dem aktuellen Veranstaltungsbericht nicht ausschließlich die Situation spanischer Jagdhunde thematisieren soll. Wolfsschutz Deutschland wird als angekündigte Initiative genannt, und der Wolfsschutz soll zu den behandelten Themen gehören. Damit verbindet die Veranstaltung verschiedene Bereiche des Tier- und Artenschutzes, die gesellschaftlich durchaus kontrovers diskutiert werden.
Gerade beim Wolf treffen die Positionen von Schutzorganisationen, Weidetierhaltern, Jägern und Politik regelmäßig aufeinander. GERATI hat in der Vergangenheit mehrfach über die praktische Seite des Wolfsmanagements und die Auswirkungen auf Nutztierhalter berichtet, etwa über die neuen Anforderungen an Herdenschutz und Wolfsabschüsse in Sachsen. Der Mainzer Galgomarsch bietet damit nicht nur eine Bühne für Forderungen zum Schutz spanischer Jagdhunde, sondern offensichtlich auch für weitergehende Positionen innerhalb der Tierschutz- und Wolfsschutzbewegung.
GERATI-Fazit: Veranstaltung belegt – Forderungen trotzdem prüfen
Der Galgomarsch in Mainz ist für den 26. September 2026 nachvollziehbar angekündigt. Die bisherige Aussage, es gebe keine überprüfbare Veranstaltungsquelle, war deshalb zu weitgehend und sollte ersetzt werden. Termin, Treffpunkt und Grundausrichtung lassen sich durch mehrere Quellen bestätigen; Teilnehmerzahlen und der tatsächliche Ablauf können naturgemäß erst nach der Veranstaltung abschließend bewertet werden.
Genauso wichtig ist jedoch, die Botschaften solcher Veranstaltungen nicht ungeprüft zu übernehmen. Insbesondere hohe Opferzahlen bei spanischen Jagdhunden sollten als Schätzungen der jeweiligen Organisationen gekennzeichnet werden, solange keine belastbare landesweite amtliche Statistik vorliegt. Auch die Aussage, spanische Jagdhunde seien aufgrund ihrer Ausnahme vom Gesetz 7/2023 völlig ohne gesetzlichen Schutz, wäre sachlich falsch. Tierschutzanliegen können berechtigt sein – gerade deshalb sollten die zugrunde gelegten Zahlen und rechtlichen Behauptungen präzise bleiben.
Quellen
- Merkurist – „Mit Hunderten Hunden durch Mainz: Demo für mehr Tierschutz geplant“, 20.09.2026. Zum Merkurist-Artikel
- Greyhound Protection – „3. Mainzer Galgomarsch am 26.09.2026“. Zur Veranstaltungsankündigung
- Galgorettung Fränkisches Seenland – Termine und Galgomärsche 2026.
- Boletín Oficial del Estado – Ley 7/2023, Art. 1, spanisches Tierschutzgesetz. Zum offiziellen Gesetzestext
- Save the Galgos – Angaben zu Schätzungen und fehlender einheitlicher Statistik.
- GERATI – „Wolf in Sachsen: Erst 4.000 Volt am Zaun – dann darf nach einem Riss geschossen werden“. Zum GERATI-Artikel

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