PETA hat sich wieder einmal Circus Krone vorgenommen. Zum Gastspiel in Goslar spricht die Tierrechtsorganisation von verängstigten Großkatzen, gewaltsamer Dressur und Tierquälerei. Als Belege präsentiert sie Videoaufnahmen, die bereits seit über einem Jahr für ähnliche Kampagnen verwendet werden. Was PETA ihren Lesern dabei vorenthält, ist mindestens ebenso interessant wie die Vorwürfe selbst: Circus Krone wird behördlich kontrolliert, eine dokumentierte veterinäramtliche Überprüfung verlief ohne Beanstandungen, und selbst frühere strafrechtliche Ermittlungen führten nicht zu einer Anklage. Hinzu kommt, dass PETA den Einsatz von Dressurhilfsmitteln als Gewalt darstellt, obwohl es für deren Verwendung ganz andere, öffentlich dokumentierte Erklärungen gibt.
Circus Krone in Goslar: PETA entdeckt die alten Videos wieder
Vom 15. bis 18. Oktober 2026 gastiert Circus Krone mit seinem Programm „Farbenspiel – Gold Edition“ auf dem Schützenplatz in Goslar. Zwei Tage vor der ersten Vorstellung veröffentlichte PETA eine Pressemitteilung, in der dem Unternehmen ein gewaltsamer Umgang mit Großkatzen, Pferden, Hunden und Kamelen vorgeworfen wird. Besucher sollen keine Eintrittskarten kaufen, um angebliches Tierleid nicht finanziell zu unterstützen. Das ist eine schwere Anschuldigung gegen ein Unternehmen, das seit Generationen mit Tierdressuren arbeitet.
Wer die Pressemitteilung vom 13. Oktober liest, erfährt von knallenden Peitschen, verängstigten Löwen und Tigern sowie Hunden, die angeblich zu erniedrigenden Kunststücken gezwungen werden. PETA beschreibt die Szenen so, als ließen sich daraus eindeutige Rückschlüsse auf die Behandlung der Tiere ziehen. Die eigentliche Beweisführung bleibt dagegen bemerkenswert dünn. Ein Dressurstock in der Hand eines Dompteurs, ein Peitschenknall oder ein auf den Hinterbeinen stehender Hund belegen für sich genommen keine Tierquälerei.
Noch auffälliger ist das Alter des verwendeten Materials. PETA erklärt selbst, dass die Aufnahmen von der Tour-Premiere in München im April 2025 stammen. Sie zeigen also keine neu entdeckten Missstände aus Goslar, sondern bekannte Ausschnitte aus einer Vorstellung, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits rund eineinhalb Jahre zurücklag.
Warum wird dieses Material dann unmittelbar vor dem Goslarer Gastspiel erneut veröffentlicht? Die Antwort liefert ein Blick in PETAs eigenes Presseportal. Die Organisation verwendet die Aufnahmen schon seit Langem, um Circus Krone an wechselnden Gastspielorten öffentlich anzugreifen.
Eineinhalb Jahre alte Aufnahmen, aber immer neue Schlagzeilen
Bereits am 29. September 2025 veröffentlichte PETA nahezu dieselben Anschuldigungen zum Gastspiel in Wunsiedel. Am 22. Juni 2026 folgte eine entsprechende Pressemitteilung für Zwickau. Im Mai 2026 hatte die Organisation die Vorwürfe auch anlässlich des Gastspiels in Landau verbreitet. Nun ist Goslar an der Reihe.
Die Texte gleichen sich teilweise bis in einzelne Formulierungen. Wieder geht es um knallende Peitschen, verängstigte Großkatzen und hüpfende Hunde. Wieder sollen die Besucher auf Eintrittskarten verzichten. Und wieder werden dieselben Aufnahmen aus München zur Grundlage der Anschuldigungen gemacht.
Neu ist vor allem der Name der Stadt.
Das Vorgehen erinnert weniger an die Aufdeckung neuer Missstände als an eine langfristig angelegte Öffentlichkeitskampagne. Circus Krone reist von Stadt zu Stadt, und PETA begleitet diese Tournee mit immer neuen Pressemitteilungen über alte Vorwürfe. So erhält jede Lokalredaktion rechtzeitig vor dem Gastspiel eine passende Geschichte über vermeintliche Tierquälerei.
Besonders aufschlussreich ist der Vergleich der PETA-Veröffentlichungen mit unabhängigen Berichten über Circus Krone. Dort kommen Informationen zur Sprache, die in der Kampagne weitgehend untergehen: die praktische Arbeit mit den Tieren, die Funktion der Dressurhilfsmittel und die Ergebnisse amtlicher Kontrollen. Gerade diese Informationen sind notwendig, wenn man beurteilen möchte, ob hinter den dramatischen Anschuldigungen tatsächlich belastbare Beweise stehen.
Was Martin Lacey mit seinen Stöcken wirklich macht
PETA stellt den Einsatz von Stöcken bei der Großkatzendressur als Bestandteil eines gewaltsamen Umgangs mit den Tieren dar. Wer sich jedoch näher mit der Arbeit des bekannten Dompteurs Martin Lacey beschäftigt, erfährt eine ganz andere Seite dieser Hilfsmittel. Ein Bericht der Münchner tz vom April 2026 beschreibt eine öffentlich zugängliche Trainingsprobe mit zehn Löwinnen und zwei Löwen. Lacey betrat die Manege mit zwei Stöcken und einer Bauchtasche voller Fleisch.
Nach jeder gelungenen Sprungübung spießte er Fleischstücke auf einen Stock und verteilte sie als Belohnung an die Großkatzen. Der Gegenstand, den PETA so gern mit Gewalt in Verbindung bringt, wird hier ganz konkret zum Füttern eingesetzt. Das ist keine bloße Behauptung des Zirkus, sondern eine Beobachtung aus einem journalistisch begleiteten Training.
Auch die Passauer Neue Presse beschäftigte sich bereits 2024 mit der Frage, wofür Lacey seine Dressurhilfsmittel verwendet. Der Dompteur erläuterte damals die Funktion seines Signalstocks und verwies auf ein Video, in dem er dessen Anwendung an einem Mitarbeiter demonstrierte. Der Stock diene dazu, Tiere zu berühren und ihnen Signale zu geben. Sein Mitarbeiter bestätigte bei der Vorführung, dass die gezeigten Berührungen keine Schmerzen verursachten.
Diese Berichte liefern einen wichtigen Hintergrund, den PETA bei ihrer öffentlichen Anklage nicht ausreichend berücksichtigt. Wer einen Dompteur mit einem Stock zeigt und daraus einen Vorwurf der Tierquälerei ableitet, muss erklären, was mit diesem Stock tatsächlich geschieht. Bei Martin Lacey ist dokumentiert, dass er ihn unter anderem zur Belohnungsfütterung einsetzt. Das verändert die Einordnung solcher Aufnahmen erheblich.
Die Praxis lässt sich sogar über viele Jahre zurückverfolgen. Bereits 2012 wurde in einem Bericht über Martin Laceys Arbeit beschrieben, wie Fleischstücke und Fleischgeruch genutzt werden, um Großkatzen an Dressurhilfsmittel zu gewöhnen. Auch dort wurde das Peitschenknallen als Takt- beziehungsweise Signalgeber geschildert. PETAs Darstellung, bei der schon das Vorhandensein solcher Hilfsmittel zur Gewaltgeschichte wird, lässt diesen praktischen Hintergrund vermissen.
Warum eine knallende Peitsche noch keine Tierquälerei beweist
Kaum ein Begriff eignet sich besser für eine emotionale Schlagzeile als die knallende Peitsche. PETA verwendet ihn regelmäßig, wenn es um Circus Krone geht. Beim Leser entsteht sofort die Vorstellung, ein Tier werde geschlagen oder durch Schmerzen zu einer bestimmten Bewegung gezwungen. Dabei muss eine Peitsche ein Tier nicht einmal berühren, um ein hörbares Signal zu erzeugen.
Martin Lacey hat die Verwendung seiner Dressurhilfsmittel in Interviews erläutert. Das Knallen entsteht durch die Bewegung der Peitschenschnur und wird bei der Dressur als akustisches Signal eingesetzt. Auch Stockbewegungen können als Zeichen dienen, die die Tiere während ihrer Ausbildung kennenlernen. Die Tiere reagieren dann auf eingeübte Signale, ohne dass dafür zwangsläufig ein schmerzhafter Schlag erforderlich ist.
PETA macht sich die negative Wirkung des Wortes Peitsche zunutze. Die Organisation spricht von knallenden Peitschen und verbindet diese Beschreibung mit verängstigten Tieren. Damit wird dem Publikum eine bestimmte Interpretation nahegelegt, noch bevor die eigentliche Anwendung untersucht wurde.
Für den Vorwurf einer Misshandlung reicht ein solches Geräusch nicht aus. Auch das deutsche Tierschutzgesetz stellt nicht auf die bloße Verwendung eines bestimmten Hilfsmittels ab, sondern auf die konkrete Behandlung und die dadurch verursachten Schmerzen, Leiden oder Schäden. Wer einen Rechtsverstoß behauptet, muss den entsprechenden Vorgang benennen und nachweisen.
Gerade deshalb ist die Unterscheidung zwischen akustischem Signal, Berührung und gezieltem Schlag so wichtig. PETA wirft diese Vorgänge in ihrer Kampagnensprache weitgehend zusammen. Der Eindruck von Gewalt entsteht bereits durch die Beschreibung der Hilfsmittel, während deren tatsächliche Verwendung nur unzureichend erklärt wird.
Circus Krone wird kontrolliert – und das Veterinäramt fand keine Beanstandungen
Bei all den Anschuldigungen fällt besonders auf, wie wenig Raum PETA den Ergebnissen unabhängiger behördlicher Kontrollen einräumt. Dabei sind die Veterinärämter genau dafür zuständig, die Einhaltung der Tierschutzvorschriften zu überprüfen. Ihre Arbeit umfasst die tatsächlichen Haltungsbedingungen und nicht lediglich ausgewählte Ausschnitte einer Vorstellung.
Ein aufschlussreiches Beispiel lieferte der Südwestrundfunk am 4. Mai 2026. Damals gastierte Circus Krone in Landau, wo ebenfalls Proteste gegen die Tierhaltung angekündigt waren. Der SWR fragte sowohl beim Zirkus als auch bei den zuständigen Behörden nach.
Die Kreisverwaltung Südliche Weinstraße bestätigte, dass das zuständige Veterinäramt die Tierhaltung von Circus Krone im Mai 2026 kontrolliert hatte. Das Ergebnis: keine Beanstandungen. Außerdem erklärte die Behörde, dass Zirkusbetriebe bei ihren Gastspielen kontrolliert würden und bereits ein weiterer Termin vereinbart sei.
Circus Krone verwies gegenüber dem SWR ebenfalls auf die regelmäßigen Kontrollen durch unabhängige Behörden. Das Unternehmen erklärte, verantwortungsvoll mit seinen Tieren umzugehen und hohe Standards beim Tierwohl anzustreben. Im Mai 2026 berichtete der Sender außerdem direkt von einer Vorstellung und ließ Martin Lacey zu Wort kommen. Der Dompteur erläuterte, wie er die Ruhezeiten seiner Löwen berücksichtigt und weshalb die Tiere aus seiner Sicht keine auffälligen Verhaltensweisen zeigten.
Hier stehen konkrete behördliche Feststellungen im Raum. Während PETA anhand alter Videoaufnahmen den Eindruck einer von Tierquälerei geprägten Haltung vermittelt, dokumentierte eine amtstierärztliche Kontrolle keine Beanstandungen. Genau diese Gegenüberstellung fehlt in der aktuellen Kampagne.
Natürlich bezieht sich das veröffentlichte Kontrollergebnis auf die Überprüfung vom Mai 2026 in Landau. Es ist kein aktueller amtlicher Prüfbericht aus Goslar. Für die Bewertung von PETAs pauschalen Anschuldigungen gegen das Unternehmen gehört dieser dokumentierte Befund jedoch zu den wesentlichen Informationen.
Frühere Ermittlungen: Viel Empörung, aber keine Anklage
PETA verweist seit Jahren auf frühere Aufnahmen aus der Großkatzendressur. Besonders häufig taucht ein Video aus dem Jahr 2019 auf, das zu Ermittlungen gegen Martin Lacey führte. Die Organisation beschreibt darin Schläge mit Peitsche und Stock gegen zwei Löwinnen und einen Tiger. Auch diese Geschichte wird in der aktuellen Kampagne erneut aufgegriffen.
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München I wurden allerdings eingestellt. Nach Angaben von PETA ging die Behörde bei der Auswertung der damaligen Aufnahmen von leichteren Schmerzen aus, sah jedoch die für den untersuchten Straftatbestand erforderlichen erheblichen Schmerzen oder Leiden nicht als gegeben an. Der entsprechende Einstellungsbescheid stammt vom 21. April 2020 und trägt das Aktenzeichen 232 Js 210435/19.
Das Ergebnis ist für die Berichterstattung wichtig. Aus dem damaligen Verfahren ging keine strafrechtliche Anklage hervor. PETA führt den Sachverhalt dennoch bis heute in ihrer Sammlung von Vorwürfen gegen Circus Krone auf. Dass die Ermittlungen eingestellt wurden, darf bei dieser Darstellung nicht zur Randnotiz werden.
Wer einen solchen Fall erneut aufgreift, sollte den gesamten Verfahrensausgang nennen. Dazu gehört auch, dass die Staatsanwaltschaft nach der von PETA veröffentlichten Darstellung leichte Schmerzen annahm.
Der Fall zeigt vor allem, wie weit öffentliche Anschuldigungen und strafrechtliche Bewertungen auseinanderliegen können. PETAs Schlagzeilen bleiben über Jahre bestehen, obwohl das konkrete Ermittlungsverfahren längst abgeschlossen wurde. Wer diese alten Vorwürfe erneut verbreitet, sollte die Ergebnisse der zuständigen Behörden genauso deutlich darstellen wie die ursprüngliche Anschuldigung.
Pferde, Hunde und Kamele: Wenn jede Bewegung zum vermeintlichen Beweis wird
Neben den Großkatzen nimmt PETA auch Pferde, Hunde und Kamele ins Visier. Die Organisation spricht von Stressanzeichen bei Pferden, von Hunden, die auf den Hinterbeinen hüpfen, und von einem Kamel, das während einer Vorstellung eine Reiterin abgeworfen haben soll. All diese Szenen werden zu einer umfassenden Erzählung über angeblich leidende Zirkustiere zusammengefügt.
Gerade bei den Hunden ist die Argumentation dünn. Dass ein Hund auf den Hinterbeinen steht oder sich kurzzeitig in dieser Haltung bewegt, belegt noch keine Misshandlung. Entscheidend wären die Dauer der Übung, die körperliche Verfassung des Hundes und die verwendete Trainingsmethode. Aus PETAs bloßer Beschreibung ergibt sich dazu wenig.
Ähnlich verhält es sich mit der Bewertung der Pferde. PETA führt verschiedene Verhaltensweisen als Hinweise auf Stress an, darunter angelegte Ohren, starkes Speicheln, Kauen und Scharren. Solche Merkmale müssen im Zusammenhang mit der jeweiligen Situation beurteilt werden. Ein einzelnes Merkmal genügt nicht, um die psychische Verfassung eines Tieres zuverlässig festzustellen.
Besonders anschaulich ist das Beispiel des schäumenden Pferdemauls, das in der öffentlichen Diskussion häufig als Zeichen von Stress dargestellt wird. Schaumbildung kann durch Speichelproduktion, Kaubewegungen und den Kontakt mit dem Gebiss entstehen. Daraus allein lässt sich kein eindeutiger Stressnachweis ableiten. Für eine fachlich begründete Bewertung sind weitere Merkmale und der gesamte Bewegungsablauf erforderlich.
Auch das Kamel, das seine Reiterin abgeworfen haben soll, liefert ohne den vollständigen Ablauf keine Erklärung für den Zwischenfall. Tiere können auf unterschiedliche Situationen unerwartet reagieren. PETA nutzt den Vorfall dennoch als weiteres Element ihrer Anklage gegen Circus Krone. Die Ursache des Verhaltens bleibt dabei offen.
Was all diese Beispiele verbindet, ist die Art der Darstellung. PETA nennt eine auffällige Bewegung oder ein bestimmtes Verhalten und ordnet es unmittelbar ihrer Vorstellung von Tierleid zu. Aus Beobachtungen werden Anschuldigungen, ohne dass für jede Szene eine nachvollziehbare fachliche Bewertung vorgelegt wird.
PETA und Circus Krone: Eine Auseinandersetzung, die seit Jahren geführt wird
Der Konflikt zwischen PETA und Circus Krone begann nicht mit der Tournee „Farbenspiel – Gold Edition“. Bereits vor vielen Jahren kritisierte die Organisation die Haltung und Dressur von Großkatzen und anderen Tieren beim Traditionsunternehmen. Die Vorwürfe tauchen regelmäßig in Pressemitteilungen, Kampagnen und öffentlichen Aktionen auf.
Dabei bleibt das grundsätzliche Ziel unverändert. PETA möchte Tiere vollständig aus Zirkusvorstellungen verbannen. Die Organisation lehnt die Nutzung von Tieren zur Unterhaltung grundsätzlich ab und beschränkt ihre Kritik deshalb nicht auf nachgewiesene Verstöße gegen das Tierschutzgesetz.
Das erklärt auch, weshalb neue behördliche Kontrollergebnisse an PETAs politischer Forderung wenig ändern. Selbst ein Zirkus, dessen Tierhaltung sämtliche gesetzlichen Anforderungen erfüllt, würde nach den Grundsätzen der Organisation weiterhin auf Ablehnung stoßen. Die Forderung lautet nicht, bestimmte Haltungsbedingungen zu verbessern, sondern Tierdressuren insgesamt abzuschaffen.
GERATI hat diese Strategie bereits mehrfach kritisch beleuchtet. Im Artikel „Tierquälerei: PETA gegen Circus Krone – Zwischen berechtigter Kritik und altbekannter Polemik?“ ging es ebenfalls um die Frage, welche Beweise hinter den öffentlichen Anschuldigungen stehen. Auch die GERATI-Recherche zur langjährigen PETA-Kritik an Zirkussen zeigt, wie regelmäßig politische Grundsatzforderungen mit konkreten Tierquälereivorwürfen verbunden werden.
Für Leser ist diese Unterscheidung wichtig. Ein nachgewiesener Verstoß gegen das Tierschutzgesetz ist eine konkrete Feststellung über den Umgang mit einem Tier. Die grundsätzliche Ablehnung von Tierauftritten ist dagegen eine politische und ethische Position. PETAs Pressemitteilungen vermischen beides immer wieder.
Wie funktionieren Tierrechtskampagnen – und wie kann man sie durchschauen?
Die wiederholten Vorwürfe von PETA gegen Circus Krone zeigen, wie Tierrechtskampagnen öffentliche Debatten beeinflussen können. Alte Videoaufnahmen werden erneut verbreitet, einzelne Szenen emotional zugespitzt und schwere Anschuldigungen erhoben. Was die zuständigen Behörden tatsächlich festgestellt haben oder wie bestimmte Dressurmethoden funktionieren, gerät dabei schnell in den Hintergrund. Für die Öffentlichkeit entsteht eine Geschichte mit klar verteilten Rollen: hier die vermeintlichen Täter, dort die Organisation, die sich als Retter der Tiere präsentiert.
Doch wie erkennt man solche Kampagnen? Welche Rolle spielen gezielte Emotionalisierung, öffentliche Empörung und die Wiederholung von Anschuldigungen? Und worin unterscheiden sich der gesetzlich geregelte Tierschutz und die politischen Ziele der Tierrechtsbewegung?
Mit genau diesen Fragen beschäftige ich mich ausführlich in meinem Buch „Tierschutz vs. Tierrecht – Grundlagen, Ideologien, Konflikte“. Auf 386 Seiten untersuche ich die unterschiedlichen Vorstellungen vom Umgang mit Tieren, die Strategien von Tierrechtsorganisationen und ihren Einfluss auf Politik, Medien und Gesellschaft. Dabei geht es auch darum, wie man öffentliche Vorwürfe selbst kritisch überprüft und zwischen belegbaren Tatsachen, moralischen Bewertungen und politischen Forderungen unterscheidet.
Wer verstehen möchte, weshalb Organisationen wie PETA seit Jahren immer wieder ähnliche Kampagnen gegen Zoos, Zirkusse und andere Tierhalter führen, findet darin eine ausführliche Auseinandersetzung mit den Hintergründen. Das Buch soll helfen, solche Debatten besser einzuordnen, statt sich allein von emotionalen Bildern und Schlagzeilen leiten zu lassen.
Weshalb PETA die behördlichen Ergebnisse nicht stärker berücksichtigt
Wer die Goslarer Pressemitteilung mit den Berichten des SWR und den Veröffentlichungen über Martin Laceys Arbeit vergleicht, erkennt eine auffällige Lücke. PETA beschreibt die Aufnahmen ausführlich, geht aber kaum auf die praktischen Funktionen der Dressurhilfsmittel ein. Auch das beanstandungsfreie Kontrollergebnis aus Landau fehlt in der Darstellung.
Dabei wären genau diese Informationen für eine gründliche Bewertung notwendig. Die journalistisch dokumentierte Belohnungsfütterung mit Fleischstücken am Stock ist ein konkretes Beispiel dafür, dass der Einsatz eines solchen Hilfsmittels keineswegs automatisch Gewalt bedeutet. Der SWR-Bericht liefert eine amtliche Feststellung zu den Haltungsbedingungen. Und das eingestellte Ermittlungsverfahren von 2020 zeigt, dass frühere Vorwürfe bereits Gegenstand strafrechtlicher Prüfungen waren.
Statt diese unterschiedlichen Informationen zusammenzuführen, bleibt PETA bei ihrer langjährigen Argumentationslinie. Circus Krone wird öffentlich mit Tierleid in Verbindung gebracht, die Aufnahmen werden erneut verbreitet und die Besucher zum Boykott aufgefordert. Das politische Ziel steht dabei fest: Tiere sollen verschwinden.
Besonders kritisch ist die Wirkung auf die öffentliche Wahrnehmung. Wer eine solche Pressemitteilung liest, ohne die Vorgeschichte zu kennen, erhält ein einseitiges Bild. Der Zirkus erscheint als Unternehmen, bei dem Gewalt gegen Tiere zum Alltag gehöre. Die tatsächlichen Ergebnisse unabhängiger Kontrollen und die Erklärungen zu den Dressurmethoden bleiben weitgehend unbeachtet.
Eine Berichterstattung, die ausschließlich PETAs Pressemitteilung übernimmt, verstärkt diese Schieflage. Sie verbreitet Anschuldigungen, ohne die verfügbaren Gegeninformationen ausreichend zu berücksichtigen. Gerade deshalb gehört zur journalistischen Arbeit mehr als das Zusammenfassen einer Pressemitteilung.
Ein Wildtierverbot löst keine Frage nach konkreter Tierhaltung
PETA nutzt die Goslarer Kampagne erneut, um Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer zu einem bundesweiten Wildtierverbot in Zirkussen aufzufordern. Die Organisation verweist auf andere europäische Staaten und auf Circus Roncalli, der vollständig auf lebende Tiere verzichtet. Damit wird aus einer lokalen Auseinandersetzung um Circus Krone eine politische Grundsatzdebatte.
Der Verweis auf Roncalli ist allerdings kein Nachweis dafür, dass Tierhaltung bei Circus Krone tierschutzwidrig wäre. Roncalli verfolgt ein anderes künstlerisches Konzept. Daraus lässt sich keine Aussage über die tatsächlichen Bedingungen bei einem Zirkus ableiten, der weiterhin mit Tieren arbeitet.
Auch die verschiedenen Tierarten stellen unterschiedliche Anforderungen. Löwen und Tiger benötigen andere Haltungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten als Pferde, Hunde oder Kamele. Das deutsche Tierschutzrecht berücksichtigt konkrete Bedürfnisse und verpflichtet Tierhalter, für eine angemessene Versorgung und Unterbringung zu sorgen. Die Einhaltung dieser Vorschriften wird von den zuständigen Behörden kontrolliert.
PETA möchte dagegen eine grundsätzliche politische Entscheidung herbeiführen, unabhängig davon, wie die Tiere im jeweiligen Betrieb gehalten werden. Das ist der eigentliche Kern der Kampagne. Circus Krone dient dabei als prominentes Beispiel, mit dem die Organisation ihre Forderung öffentlichkeitswirksam untermauert.
Fazit: Circus Krone wird kontrolliert, PETA wiederholt ihre Anschuldigungen
Die Recherche zu PETAs aktueller Kampagne gegen Circus Krone zeigt ein bekanntes Muster. Zum Gastspiel in Goslar werden Aufnahmen aus dem April 2025 erneut präsentiert, obwohl sie bereits mehrfach für vergleichbare Pressemitteilungen verwendet wurden. Neue dokumentierte Vorfälle aus Goslar liefert PETA nicht. Stattdessen verbindet die Organisation alte Videos mit einer erneuten Boykottforderung.
Bei genauerer Betrachtung der Dressurmethoden ergibt sich außerdem ein anderes Bild als in PETAs Darstellung. Martin Lacey verwendet Stöcke nachweislich auch zur Belohnungsfütterung seiner Großkatzen. Die praktische Verwendung solcher Hilfsmittel wurde von Journalisten beobachtet und beschrieben. Eine knallende Peitsche ist ebenfalls nicht gleichbedeutend mit einem Schlag gegen ein Tier.
Besonders schwer wiegt, dass unabhängige behördliche Feststellungen in PETAs Darstellung kaum vorkommen. Der SWR berichtete im Mai 2026 über eine amtstierärztliche Kontrolle, bei der Circus Krone keine Beanstandungen erhielt. Auch das viel zitierte Ermittlungsverfahren aus dem Jahr 2019 endete ohne Anklage. Die damaligen Feststellungen der Staatsanwaltschaft gehören zur Geschichte des Falls, werden durch PETAs spätere Kampagnen aber nicht zu einem rechtskräftigen Schuldspruch.
So entsteht ein erheblicher Unterschied zwischen dem öffentlichen Bild, das PETA zeichnet, und den überprüfbaren Informationen über Circus Krone. Die Organisation spricht von Tierquälerei und gewaltsamer Dressur, während die aktuellen Aufnahmen vor allem Dressurhandlungen zeigen, deren Bedeutung sie selbst interpretiert. Ihre pauschalen Anschuldigungen gegen die Tierhaltung werden durch die vorgelegte Goslarer Pressemitteilung nicht unabhängig nachgewiesen.
PETA führt diese Auseinandersetzung seit Jahren und verfolgt dabei konsequent dasselbe Ziel: einen Zirkus ohne Tiere. Die erneute Veröffentlichung alter Aufnahmen dient diesem politischen Anliegen, nicht der Dokumentation neuer Ereignisse in Goslar.
Wer Circus Krone Tierquälerei vorwirft, muss konkrete Verstöße belegen. Alte Videoausschnitte, dramatische Formulierungen und die ständige Wiederholung derselben Anschuldigungen ersetzen diesen Nachweis nicht.
Quellen