Am Nauenweg in Krefeld ist erneut eine Boa constrictor entdeckt worden. Passanten fanden die rund 1,50 Meter lange, verletzte Schlange auf einer Grünfläche; die Feuerwehr brachte sie zur Versorgung ins Tierheim Krefeld. Innerhalb weniger Wochen wurden damit zwei Würgeschlangen in derselben Straße gefunden. PETA lobt erneut 500 Euro für Hinweise aus und nimmt den Fall zum Anlass, ein bundesweites Verbot des Handels und der privaten Haltung exotischer Wildtiere zu fordern.
Zweiter Schlangenfund innerhalb weniger Wochen
Der aktuelle Fund ereignete sich Ende August am Nauenweg. Es handelt sich um ein jüngeres männliches Tier, das am Schwanz eine Nekrose aufweist. Dabei stirbt Gewebe ab; nach Einschätzung des Tierheims könnte im schlimmsten Fall eine teilweise Amputation erforderlich werden. Woher die Verletzung stammt, ist bislang nicht geklärt. Als mögliche Ursachen kommen unter anderem eine Verletzung im Freien oder ungeeignete Haltungsbedingungen infrage.
Bereits Anfang August war am selben Straßenzug eine deutlich größere Boa constrictor entdeckt worden. Das erste Tier war etwa zweieinhalb Meter lang und rund sieben Kilogramm schwer. Es konnte nach einigen Tagen an einen erfahrenen privaten Reptilienhalter vermittelt werden. Ob beide Schlangen aus derselben Haltung stammen oder ob sie miteinander in Verbindung stehen, ist weiterhin offen.
Für das zweite Tier ist die Unterbringung zunächst gesichert, eine dauerhafte Lösung steht jedoch noch nicht fest. Eine Behandlung durch einen Facharzt für Reptilien ist erforderlich. Gerade bei größeren Reptilien ist die Vermittlung aufwendig, weil geeignete Terrarien, Erfahrung und langfristige Versorgung notwendig sind. Auch wie es für die Schlange nach der Behandlung weitergeht, ist noch nicht geklärt.
PETA fordert Verbot für private Exotenhaltung
PETA hat für Hinweise, die zur Ermittlung und rechtskräftigen Verurteilung der Verantwortlichen führen, eine Belohnung von 500 Euro ausgelobt. Beobachtungen können der Organisation telefonisch oder per E-Mail auch anonym gemeldet werden. Ob tatsächlich ein Aussetzen vorliegt, ist im aktuellen Fall allerdings noch nicht geklärt. Ebenso ist nicht bekannt, wer die Schlange gehalten hat.
Jana Hoger von PETA wertet die beiden Funde als Beispiel für die aus ihrer Sicht unzureichende Regulierung des Exotenhandels. Die Organisation fordert Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer auf, den Handel und die private Haltung exotischer Wildtiere grundsätzlich zu untersagen. Bereits bestehende Haltungen sollen nach dieser Forderung nur bis zum natürlichen Tod der Tiere fortgeführt werden dürfen.
PETA begründet den Vorstoß mit den hohen Anforderungen an die Haltung und mit möglichen Folgen für Tierheime, wenn Besitzer ihre Tiere nicht mehr versorgen können. Reptilien können Salmonellen tragen und die Bakterien auf Menschen übertragen; besonders für kleine Kinder sowie ältere oder immungeschwächte Personen können Salmonelleninfektionen problematisch sein. Dieses allgemeine Gesundheitsrisiko ist unabhängig von der ungeklärten Herkunft und Verletzung der beiden Krefelder Boas zu betrachten. Einen konkreten Zusammenhang zwischen Salmonellen und dem aktuellen Fund stellt PETA nicht her.
Der konkrete Fall zeigt vor allem ein praktisches Problem: Wird der Halter nicht gefunden, müssen Feuerwehr, Tierheim und Reptilienfachleute kurzfristig eine sichere Versorgung organisieren. Für die Behörden bleibt deshalb entscheidend, ob sich Hinweise auf eine gemeinsame Herkunft ergeben. Erst dann ließe sich beurteilen, ob es sich um zwei unabhängige Vorfälle oder um einen Zusammenhang innerhalb einer Haltung handelt. Bis dahin stehen bei der zweiten Boa zunächst die Behandlung und weitere Unterbringung im Mittelpunkt.
Die politische Forderung nach einem generellen Verbot geht deutlich über den bislang bekannten Sachverhalt in Krefeld hinaus. Fest steht bisher, dass zwei Boas in kurzer Folge am selben Ort gefunden wurden und eines der Tiere verletzt war. Ob ein Verstoß gegen tierschutzrechtliche Pflichten vorliegt, hängt von den weiteren Ermittlungen und dem Nachweis eines Verantwortlichen ab. Die Belohnung soll dazu beitragen, diesen offenen Punkt zu klären.
Quellen
- presseportal.peta.de – Krefeld: Erneut Würgeschlange gefunden – PETA bietet 500 Euro Belohnung für Hinweise … – https://presseportal.peta.de/krefeld-erneut-wuergeschlange-gefunden-peta-bietet-500-euro-belohnung-fuer-hinweise-und-fordert-deutschlandweites-haltungsverbot-von-wildtieren
- www1.wdr.de – Weitere Würgeschlange in Krefeld ausgesetzt – https://www1.wdr.de/nrw/duesseldorf/erneut-boa-constrictor-gefunden-krefeld-100.html
- wz.de – Riesenschlange in Krefelder Garten: Peta setzt Belohnung aus [WZ+] – https://www.wz.de/nrw/krefeld/riesenschlange-in-krefelder-garten-peta-setzt-belohnung-aus_aid-152645335
- wz.de – Krefeld: Fund von zwei Würgeschlangen gibt weiter Rätsel auf [WZ+] – https://www.wz.de/nrw/krefeld/krefeld-fund-von-zwei-wuergeschlangen-gibt-weiter-raetsel-auf_aid-154025219
