Mutmaßlicher Wolfsangriff in Relliehausen: Zehn Leineschafe tot, sieben Tiere vermisst

In der Nacht zu Sonntag ist eine Herde der Universität Göttingen auf dem Versuchsgut Relliehausen mutmaßlich von mehreren Wölfen angegriffen worden. Zehn der insgesamt 38 Leineschafe starben, acht weitere Tiere wurden verletzt. Sieben Schafe waren nach einer umfangreichen Suchaktion zunächst weiterhin nicht gefunden worden.

Panik trieb die Herde aus der Weide

Nach Angaben der Universität durchbrachen die Schafe während des vermuteten Angriffs die Einzäunung und flohen von der Weide. Die Tiere wurden offenbar von den Wölfen verfolgt und verteilten sich in der Umgebung. Ein Alarmsystem auf einem Hof im benachbarten Ort schlug gegen 2 Uhr nachts an. Daraufhin wurden Polizei, ein Tierarzt und das Wolfsrissmanagement der Landwirtschaftskammer Hannover informiert.

Helfer suchten anschließend mit Hunden und Drohnen nach den entlaufenen Tieren. 13 Schafe wurden unversehrt aufgefunden und zurück zur Herde gebracht. Acht Tiere blieben verletzt und werden tierärztlich behandelt. Zwei Schafe mussten wegen ihrer schweren Verletzungen eingeschläfert werden; zusammen mit sechs weiteren verendeten Tieren ergibt sich die Zahl von zehn Todesfällen.

Die Universität spricht von einem mutmaßlichen Wolfsrudel. Ob tatsächlich Wölfe für den Vorfall verantwortlich sind und wie viele Tiere beteiligt waren, ist noch nicht abschließend festgestellt. Für die Bewertung eines möglichen Wolfsrisses sind die Untersuchungen des zuständigen Wolfsrissmanagements maßgeblich.

Verlust trifft eine bedrohte Schafrasse

Der Vorfall hat für das Versuchsgut eine besondere Bedeutung, weil es sich bei den betroffenen Tieren um Leineschafe handelt. Die Landrasse gilt als bedroht; die Universität hält in Relliehausen einen wertvollen Bestand und bezeichnet ihn als bedeutende Genreserve. Das Versuchsgut wird seit 1966 für Tierzucht und Tierhaltung genutzt. Nach Angaben der Universität dienen die dortigen Flächen und Tierhaltungen der Lehre, der Forschung und der Demonstration.

Zur Einrichtung gehören neben der Schafhaltung unter anderem Rinder- und Schweinehaltung sowie Acker- und Grünlandbewirtschaftung. Der Verlust von zehn Tieren betrifft deshalb nicht nur den laufenden landwirtschaftlichen Betrieb, sondern auch den Bestand einer bedrohten Landrasse. Für die Universität stehen zunächst die Versorgung der verletzten Tiere und die Suche nach den Vermissten im Vordergrund. Gerade bei einer bedrohten Landrasse stellt sich jedoch umso dringlicher die Frage, wie die Herde künftig wirksam vor weiteren Angriffen und panikbedingten Ausbrüchen geschützt werden kann.

Herdenschutz wird zum praktischen Prüfstein

Welche Schutzmaßnahmen am Versuchsgut bereits bestanden und ob der Zaun den geltenden Anforderungen entsprach, ist offen. Ebenso ist zunächst unklar, ob die vermissten Schafe noch lebend gefunden werden. Diese Unsicherheiten erschweren eine abschließende Bewertung des Vorfalls. Fest steht jedoch, dass Herdenschutz sowohl das Eindringen von Wölfen als auch mögliche Fluchtreaktionen der Tiere berücksichtigen muss.

Für Relliehausen bedeutet das praktisch, den Zustand und die Ausführung der Einzäunung zu prüfen, die Ausbruchssicherheit der Herde zu bewerten und die Abläufe nach einem Alarmsignal zu überprüfen. Dabei geht es nicht nur um den Schutz vor einem möglichen weiteren Angriff. Wenn Schafe in Panik ausbrechen, können zusätzliche Tiere verletzt werden oder sich in unübersichtlichem Gelände verlieren. Der Angriff auf eine Schafherde in Rheinland-Pfalz warf vor allem Fragen zur Entwicklung von Nutztierschäden auf; in Relliehausen steht zusätzlich der Schutz einer bedrohten Landrasse im Mittelpunkt.

Der letzte bekannte Stand bleibt unvollständig: Sieben Leineschafe wurden trotz des Einsatzes von Menschen, Hunden und Drohnen zunächst nicht gefunden. Ob tatsächlich Wölfe beziehungsweise ein Wolfsrudel für den Angriff verantwortlich waren, muss die Untersuchung des Wolfsrissmanagements noch klären. Der Schaden für den Bestand der bedrohten Landrasse ist jedoch bereits eingetreten. Für das Versuchsgut wird deshalb entscheidend sein, aus dem konkreten Vorfall Konsequenzen für Einzäunung, Ausbruchssicherheit und Schutzabläufe zu ziehen.

Quellen

Schreibe einen Kommentar