Der Deutsche Tierschutzbund fordert angesichts hoher Temperaturen ein bundesweites Verbot von Lebendtiertransporten während ausgeprägter Hitzeperioden. Anlass der Forderung sind neben der Wärme auch niedrige Wasserstände auf deutschen Flüssen: Wird dadurch mehr Güterverkehr auf die Straße verlagert, können zusätzliche Lastwagen und Staus die Fahrzeiten verlängern. Besonders betroffen seien Schweine, Schafe, Rinder und Geflügel, erklärt der Verband mit Sitz in Bonn; Hitze, Enge und lange Fahrzeiten könnten erheblichen Stress bedeuten und in Extremfällen tödlich enden. Die Forderung richtet sich an Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer und Bundesverkehrsminister Steffen Bilger.
Mehr Verkehr auf den Straßen verschärft die Transportgefahr
Wegen niedriger Wasserstände auf deutschen Flüssen könnten mehr Waren per Lastwagen transportiert werden, wodurch sich die Staugefahr erhöht. Für beladene Tiertransporter sei das besonders problematisch, weil die Tiere während eines längeren Stillstands weiterhin der Wärme im Fahrzeug ausgesetzt blieben. Dadurch könne sich eine ohnehin belastende Fahrt weiter verlängern. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, warnt, an Autobahnen gebe es keine ausreichende Versorgung, wenn Tiertransporter stundenlang feststeckten.
Der Tierschutzbund fordert deshalb, Lebendtiertransporte während einer extremen Hitzeperiode vorübergehend auszusetzen. Die Organisation arbeitet nach eigener Darstellung seit rund 30 Jahren zum Thema Tiertransporte und setzt sich gemeinsam mit ihrer europäischen Dachorganisation Eurogroup for Animals insbesondere für eine Begrenzung von Langzeittransporten ein. Die Forderung nach einem zeitlich begrenzten Stopp ist als politische Forderung des Verbandes einzuordnen und stellt keine behördliche Anordnung für einen konkreten Zeitraum dar.
Verband nennt Bedingungen für unvermeidbare Fahrten
Sollten Transporte nicht vollständig vermieden werden können, verlangt der Deutsche Tierschutzbund eine besonders sorgfältige Planung. Die Fahrten sollten möglichst kurz bleiben und in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegt werden. Zusätzlich müsse die Ladedichte reduziert werden, damit die Tiere mehr Platz haben und die Wärmebelastung im Transportfahrzeug sinkt. Unvermeidbare Transporte sollen nach den Vorstellungen des Verbandes insgesamt so kurz und planbar wie möglich sein.
Reiche die natürliche Belüftung bei den jeweiligen Außentemperaturen nicht aus, müsse ein Fahrzeug mit aktiver Kühlung eingesetzt werden. Eine ausreichende Wasserversorgung während der gesamten Fahrt sei jederzeit sicherzustellen. Auch Grenzkontrollstellen und Schlachthöfe müssten ihre Abläufe so organisieren, dass unnötige Wartezeiten vermieden werden. Damit nennt der Verband neben dem möglichen Verbot konkrete Bedingungen für Fahrten, die dennoch stattfinden.
Nach der in der Berichterstattung wiedergegebenen rechtlichen Einordnung können nationale Transporte zu Schlachthöfen auf acht Stunden, bei Temperaturen über 30 Grad auf 4,5 Stunden begrenzt sein; im EU-Regelwerk gelten für bestimmte Tierarten längere zulässige Transportzeiten. Die vorhandenen Quellen nennen jedoch keine vollständige Darstellung aller Ausnahmen oder einheitlichen Verfahren für ein bundesweites Hitzeverbot. Die Forderung des Tierschutzbundes zielt daher auf eine weitergehende, kurzfristig geltende politische Regelung. Welche Stellen eine solche Regelung im Einzelnen anordnen und kontrollieren würden, bleibt in den vorliegenden Quellen offen.
Hitze macht die Transportplanung zur entscheidenden Frage
Die aktuelle Forderung richtet sich damit nicht nur gegen Transporte bei hohen Temperaturen, sondern auch auf deren praktische Rahmenbedingungen. Wetterentwicklung, Streckenführung, Verkehrslage, Versorgung und mögliche Verzögerungen müssten vor Fahrtbeginn realistisch berücksichtigt werden. Gerade zusätzliche Lastwagen und Staus können die ursprüngliche Planung verändern und längere Aufenthalte im Transportfahrzeug verursachen. Für die Tiere steigt dadurch das Risiko einer stärkeren Wärmebelastung.
Für die Praxis bleibt offen, nach welchen objektiven Kriterien eine Hitzeperiode beginnt und endet und wie Ausnahmen einheitlich festgelegt und kontrolliert würden. Der Verband setzt für unvermeidbare Transporte auf kürzere Fahrten, geringere Belegdichten, aktive Kühlung und verlässliche Wasserversorgung. Eine politische Entscheidung über ein bundesweites Verbot ist damit nicht vorweggenommen. Im Mittelpunkt steht die Forderung, die Belastung der Tiere während extremer Hitze möglichst zu verhindern.
Quellen
- tierschutzbund.de – Tierschutzbund fordert Tiertransportverbot – https://www.tierschutzbund.de/ueber-uns/aktuelles/presse/meldung/tierschutzbund-fordert-tiertransportverbot
- zeit.de – Hitze: Tierschutzbund fordert zeitlich begrenzten Stopp von Viehtransporten | DIE ZEIT – https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-08/lebendtiertransporte-verbot-sommer-hitze-lkw-stau-tierschutzbund-gxe
- tierschutzbund.de – Tiertransporte: Leiden ohne Grenzen – das fordern wir! – https://www.tierschutzbund.de/tiere-themen/tiere-in-der-landwirtschaft/tiertransporte
