Jens Waldinger hält am Etikett des Tierschützers fest. Auf seiner persönlichen Webseite präsentiert er sich mit rund 15 Jahren Erfahrung, bei Teaming verwaltet er weiterhin eine Gruppe namens „Tierretter“, und noch im Januar 2026 bedankte er sich öffentlich bei Menschen, die ihm und seinem „privaten Tierschutz“ helfen wollten.[1] [2] Wer allerdings nicht wissen möchte, wie Waldinger sich selbst beschreibt, sondern was dieser private Tierschutz heute konkret leistet, stößt erstaunlich schnell auf eine wesentlich dünnere Informationslage. Welche Organisationen werden aktuell unterstützt? Welche Tiere profitieren davon? Was wurde aus den angekündigten Aktivitäten in der Türkei? Und welche konkreten Tierschutzmaßnahmen stehen den verschiedenen Möglichkeiten gegenüber, Waldinger persönlich finanziell zu unterstützen?
Sehr viel leichter auffindbar ist inzwischen ein anderer Teil seiner öffentlichen Tätigkeit. Waldinger veröffentlicht politische Botschaften über Migration, Flüchtlinge, nationale Identität, Grüne und Gender-Themen. Ein ausführlicher Text Waldingers wurde vom rechten „Deutschland-Kurier“ aufgegriffen und verbreitet; weitere öffentlich zugängliche Wiedergaben dokumentieren Aussagen über Migranten und Flüchtlinge sowie Formulierungen wie „Gender-Spinner“.[3] [4] [5] Das ist ein bemerkenswerter Wandel für einen Mann, dessen öffentliche Bekanntheit maßgeblich aus dem Tierschutz stammt und dessen frühere Vereinsarbeit selbst davon profitierte, dass soziale Medien enorme Reichweite erzeugten.
Für uns auf GERATI ist Waldinger ohnehin kein unbeschriebenes Blatt. Wir haben uns bereits mehrfach kritisch mit ihm und Einfach Tierschutz beschäftigt. Im Mai 2025 veröffentlichten wir einen umfangreichen Bericht über frühere Kontroversen rund um den Verein und Waldinger.[6] Im November 2025 folgte unsere Recherche zu seinem plötzlich nicht mehr vorhandenen Vorstandsposten und seinem Verschwinden aus den offiziellen Strukturen von Einfach Tierschutz.[7] Die Geschichte ist damit nicht beendet. Im Gegenteil: Inzwischen stellt sich eine neue Frage. Was ist aus dem öffentlichkeitswirksamen Tierschützer Jens Waldinger geworden – und warum ist heute rechte politische Kommunikation so viel sichtbarer als sein angeblich weiterhin betriebener privater Tierschutz?
Jens Waldinger und Einfach Tierschutz: Die Vergangenheit war keineswegs frei von Kritik
Es wäre falsch, Waldingers Vergangenheit bei Einfach Tierschutz heute als ungetrübte Erfolgsgeschichte zu verklären. Genau diese Erzählung haben Waldinger und der Verein über Jahre selbst ausreichend gepflegt. Wer sich dagegen mit der Geschichte beschäftigt, findet auch Kontroversen, Fragen nach Transparenz und eine erhebliche öffentliche Auseinandersetzung um den Verein.
Bereits 2018 richtete sich eine Petition ausdrücklich gegen Einfach Tierschutz und Jens Waldinger. Die Initiatorin erhob darin schwere Vorwürfe und sprach unter anderem von einer möglichen Verschwendung beziehungsweise satzungswidrigen Verwendung von Spendengeldern. Die Petition erreichte 8.493 Unterstützer.[8] Diese Vorwürfe einer Petitionsinitiatorin sind kein behördlicher Nachweis ihrer Richtigkeit. Für die Geschichte Waldingers sind sie trotzdem relevant, weil sie zeigen, dass die öffentliche Kritik an seinem damaligen Tierschutzverein keineswegs erst gestern entstanden ist.
Auch die Gemeinnützigkeit wurde zum Thema. Wie wir bereits 2025 auf GERATI berichteten, verlor Einfach Tierschutz zeitweise seine Gemeinnützigkeit. Der Verein führte dies nach damaliger Darstellung auf einen verpassten Termin beziehungsweise verspätet eingereichte Unterlagen zurück.[6] Heute bezeichnet sich Einfach Tierschutz wieder ausdrücklich als gemeinnützig anerkannt und nennt auf seiner Webseite einen Freistellungsbescheid des Finanzamts Brühl.[9] Der damalige Vorgang gehört trotzdem zur Geschichte des Vereins und damit auch in eine kritische Betrachtung der Ära Waldinger.
Hinzu kamen Fragen nach Transparenz. Die Spendenplattform HelpDirect führte Einfach Tierschutz in ihrem Transparenzsystem mit „0 / 10“ erfüllten Bewertungspunkten.[10] Auch das bedeutet nicht automatisch, dass Gelder falsch verwendet wurden; es ist zunächst eine Bewertung der dort abgefragten Transparenzkriterien. Für einen Verein, der in erheblichem Umfang auf Spenden und Mitgliedsbeiträge angewiesen war, ist eine solche Bewertung dennoch alles andere als eine Auszeichnung.
Dass es um erhebliche Summen ging, zeigt der vereinseigene Finanzbericht für 2019. Dort wurden für den ideellen Bereich Geldzuwendungen von rund 335.882 Euro, Mitgliedsbeiträge von rund 190.583 Euro und Patenschaften von 92.746 Euro ausgewiesen. Insgesamt waren das rund 619.210 Euro Einnahmen in diesem Bereich. Gleichzeitig meldete der Verein für 2019 ein negatives Jahresergebnis von rund 67.929 Euro.[11] Waldinger bewegte sich als öffentliche Zentralfigur des Vereins also keineswegs in einer kleinen privaten Tierschutzinitiative, sondern in einer Organisation mit erheblichen Geldströmen und einer entsprechend großen Verantwortung für transparente Kommunikation.
Die Reichweite war schon damals bares Kapital
Für die heutige Entwicklung ist besonders interessant, welche Rolle Waldinger innerhalb der damaligen Öffentlichkeitsarbeit spielte. Im Tätigkeitsbericht 2019 bezeichnete Einfach Tierschutz ihn selbst als „zentrale Figur des Vereins in der Öffentlichkeit“. Gleichzeitig berichtete der Verein von rund 363.000 Facebook-Abonnenten, etwa 49.000 Instagram-Abonnenten und regelmäßig mehr als zwei Millionen Facebook-Aufrufen pro Woche. Der Verein erklärte ausdrücklich, dass diese Social-Media-Arbeit maßgeblich zur Bekanntheit und zur Generierung von Spendeneinnahmen beigetragen habe.[12]
Damit ist ein entscheidender Punkt dokumentiert: Reichweite und Geld waren bei Einfach Tierschutz schon zu Waldingers Zeiten eng miteinander verbunden. Aufmerksamkeit in sozialen Netzwerken war nicht bloß schmückendes Beiwerk. Sie half dem Verein nach eigener Darstellung dabei, Spendeneinnahmen zu generieren. Waldinger wiederum war die zentrale öffentliche Figur dieser Kommunikation.
Das ist wichtig, wenn man seine heutige Entwicklung betrachtet. Denn Waldinger musste nach seinem Ausscheiden aus dem Verein nicht wieder bei null anfangen. Seine Person war bereits bekannt. Sein Name war über Jahre mit emotionalem Tierschutzcontent verbunden worden. Diese persönliche Bekanntheit verschwand nicht automatisch mit seinem Vorstandsposten.
Dann war Waldinger plötzlich aus dem Vorstand verschwunden
Im November 2025 haben wir auf GERATI über eine Entwicklung berichtet, die bis heute Fragen aufwirft. Waldinger war nicht mehr im Vorstand von Einfach Tierschutz aufgeführt. Auch auf der Seite des Phoenix Shelters war sein Name aus den entsprechenden offiziellen Bereichen verschwunden.[7] Heute führt Einfach Tierschutz Marcel Tong, Manuela Zewe und Carmen Salcedo als Vorstand; Waldinger gehört dieser aktuellen Aufstellung nicht mehr an.[13]
Auffällig war vor allem die Kommunikation rund um diesen Abgang. Ein Mann, der den Verein gegründet, über Jahre öffentlich repräsentiert und in den sozialen Medien praktisch personifiziert hatte, war aus der Führung verschwunden. Eine entsprechend ausführliche öffentliche Aufarbeitung dieses Einschnitts suchten wir vergeblich. Selbst im März 2026 wurde Waldingers Ausscheiden im Teaming-Forum von Einfach Tierschutz noch diskutiert. Dort schrieb eine Unterstützerin, weder Waldinger noch der Verein hätten sich öffentlich dazu geäußert, warum er nicht mehr dabei sei; mitgeteilt worden seien „persönliche Probleme“.[14]
Noch interessanter ist ein weiterer Kommentar aus derselben Diskussion. Eine Teaming-Nutzerin stellte dort die Frage, was Waldinger mit dem Geld mache, das ihm Menschen inzwischen geben, und erklärte zugleich, dieses Geld fließe dem Verein nicht mehr zu.[15] Das ist zunächst die Aussage einer Nutzerin und keine Finanzabrechnung. Bemerkenswert ist aber, dass die Frage nach Waldingers heutigen Unterstützungszahlungen damit nicht nur von GERATI gestellt wird.
Nach Einfach Tierschutz kam der „private Tierschutz“
Waldinger hat seine öffentliche Identität als Tierschützer nach seinem Ausscheiden nicht abgelegt. Auf seiner persönlichen Webseite beschreibt er sich weiterhin mit rund 15 Jahren europäischer Tierschutzerfahrung und behauptet, Tierheime aufgebaut, Tausende Tiere vermittelt und zahlreiche Projekte begleitet zu haben.[1] Auf Teaming verwendet er eine sehr ähnliche Selbstdarstellung und erklärt, mit seiner Gruppe „Tierretter“ kleine Tierheime und Organisationen unterstützen zu wollen.[2]
„Ich bin Jens Waldinger – seit rund 15 Jahren mit Herz, Hand und ziemlich viel Durchhaltevermögen im europäischen Tierschutz unterwegs.“
Quelle: Jens Waldinger, persönliche Webseite –
https://jens-waldinger.com/
Die entscheidende Frage lautet heute allerdings nicht, was Waldinger in den vergangenen 15 Jahren gemacht haben will. Interessant ist, was er seit seinem Ausscheiden bei Einfach Tierschutz konkret macht. Genau hier wird seine öffentliche Darstellung auffällig unscharf. Die Teaming-Gruppe „Tierretter“ nennt als Zweck allgemein die Unterstützung kleiner Tierheime und Organisationen. Zum Zeitpunkt unserer aktuellen Recherche weist Teaming dort 238 Unterstützer und insgesamt 664 Euro gesammelte Beiträge aus.[2]
Welche kleinen Tierheime wurden konkret unterstützt? Welche Organisationen erhielten Hilfe? Welche aktuellen Projekte sind daraus entstanden? Welche Rechnungen wurden übernommen? Welche Tiere profitierten davon? Wer Waldingers öffentlich zugängliche Selbstdarstellung betrachtet, bekommt auf diese naheliegenden Fragen keine vergleichbar detaillierte Projektübersicht präsentiert.
Waldingers „privater Tierschutz“ und die 99 Cent bei Facebook
Besonders aufschlussreich ist ein eigener Teaming-Beitrag Waldingers vom 28. Januar 2026. Darin schrieb er, er habe bei Teaming nachgefragt, warum er „noch keinen Cent“ der von ihm gesammelten Gelder erhalten habe. Nach seiner Darstellung habe Teaming geantwortet, Privatpersonen könnten dort nicht sammeln. Waldinger verwies seine Unterstützer anschließend auf eine andere Möglichkeit: Sie könnten ihn für 99 Cent monatlich über Facebook unterstützen.[16]
Dann folgt der entscheidende Satz:
„Danke das ihr mir und meinem privaten Tierschutz helfen wolltet“
Quelle: Teaming, Jens Waldinger, 28. Januar 2026 –
https://www.teaming.net/forum/comment/list/J9DnyqqaQnIwMt1XCJw2470LWjs2VIspmypH0KKRp2XFN/144002
Diese Formulierung ist deshalb interessant, weil sie unmittelbar von Waldinger stammt. Er spricht nicht allgemein davon, dass Fans seine Social-Media-Arbeit unterstützen könnten. Er bedankt sich ausdrücklich dafür, dass Menschen ihm und seinem „privaten Tierschutz“ helfen wollten. Wer diesen Begriff selbst verwendet, muss sich die Frage gefallen lassen, was darunter konkret zu verstehen ist.
Die öffentlich zugängliche Teaming-Seite liefert jedenfalls keine detaillierte Aufstellung darüber, welche aktuellen Projekte Waldinger mit diesem privaten Tierschutz betreibt. Sie nennt das allgemeine Ziel, kleine Tierheime und Organisationen zu unterstützen.[2] Das ist eine Absichtsbeschreibung. Eine nachvollziehbare aktuelle Projektbilanz ist etwas anderes.
Wenig später folgte PayPal
Am 15. März 2026 veröffentlichte Waldinger den nächsten Unterstützungsweg. Bei Teaming schrieb er, viele Menschen hätten gefragt, wie sie ihn wiederkehrend über PayPal unterstützen könnten, weil Teaming für ihn als Privatperson nicht funktioniere. Direkt darunter veröffentlichte er einen PayPal-Spendenlink.[17]
„Hallo zusammen, viele von euch fragten wie man mich auf Paypal wiederkehrend unterstützen kann weil Teaming für mich als Privatperson nicht funktioniert“
Quelle: Teaming, Jens Waldinger, 15. März 2026 –
https://www.teaming.net/tierretter
Damit lässt sich eine bemerkenswerte Entwicklung dokumentieren: Nach seinem Ausscheiden bei Einfach Tierschutz existiert weiterhin eine Teaming-Gruppe unter Waldingers Leitung, er verwies seine Community auf ein kostenpflichtiges Facebook-Abo und veröffentlichte später zusätzlich einen PayPal-Link. Gleichzeitig bezeichnete er die unterstützte Tätigkeit selbst als seinen „privaten Tierschutz“.[16] [17]
Genau deshalb interessiert uns nicht die abstrakte Frage, ob Waldinger irgendwann einmal Tiere gerettet hat. Uns interessiert, welche konkrete Tierschutzleistung heute hinter diesem Begriff steht. Die Zahlungswege lassen sich nachvollziehen. Waldingers Selbstdarstellung lässt sich nachvollziehen. Seine politischen Veröffentlichungen lassen sich nachvollziehen. Eine ähnlich detaillierte öffentliche Darstellung aktueller konkreter Tierschutzprojekte findet sich auf seinen genannten Seiten dagegen nicht.
Und was wurde aus der Türkei?
Waldinger wirbt bis heute mit einer geografisch beeindruckend klingenden Vergangenheit. Auf seiner Webseite und bei Teaming beschreibt er seine Tätigkeit mit den Worten „von Dänemark bis in die Türkei“.[1] [2] Die Türkei ist dabei besonders interessant, weil Waldinger das dortige Straßenhundeproblem öffentlich thematisiert hatte und große Erwartungen an ein weiteres Engagement weckte.
Wer heute seine aktuelle Webseite aufruft, findet dort zwar weiterhin den Verweis auf die Türkei, aber keine entsprechend ausführliche aktuelle Projektdokumentation mit einem benannten türkischen Partner, laufenden Maßnahmen, konkreten Tieren, Kastrationszahlen, Tierarztkosten oder einer fortlaufenden Bilanz dessen, was dort aus seinem Engagement geworden ist.[1]
Damit bleibt von dem großen geografischen Anspruch zunächst vor allem eines sichtbar: die Behauptung in seiner Selbstdarstellung. Für einen Mann, der seine Tierschutzarbeit früher ausgesprochen offensiv über soziale Medien kommunizierte, ist das bemerkenswert. Ausgerechnet dort, wo konkrete Ergebnisse die einfachste Antwort auf Kritik wären, bleibt die öffentliche Darstellung erstaunlich allgemein.
Während der Tierschutz unscharf wird, wird die politische Sprache deutlich
Ganz anders sieht es aus, wenn Waldinger politisch wird. Dort mangelt es weder an Klarheit noch an drastischen Formulierungen. Ein längerer Facebook-Text Waldingers vom 31. März 2025 wurde so stark verbreitet, dass der rechte „Deutschland-Kurier“ ihn wenige Tage später aufgriff.[3] Der Beitrag wurde außerdem auf weiteren Webseiten und später sogar in einem Leserforum erneut veröffentlicht.[4] [18]
Waldinger fragte darin nicht lediglich nüchtern nach einer anderen Migrationspolitik. Seine Sprache war erheblich drastischer:
„Für wen oder was soll ich eigentlich noch kämpfen?!“
Quelle: Wiedergabe des Beitrags von Jens Waldinger –
https://www.hauke-verlag.de/wp-content/uploads/2026/03/ka-26-05.pdf
Der Text geht deutlich weiter. Darin werden unter anderem Ukrainer, Afghanen, Iraker, Marokkaner, Iraner und Tunesier gemeinsam aufgeführt. Anschließend heißt es über diese Gruppen pauschalisierend, sie würden auf „unsere Kultur, Religion und Werte“ nichts geben. Es folgen Verweise auf Kalifat-Forderungen, Messerangriffe und Amokläufe sowie die Frage, ob Waldinger diese Menschen verteidigen solle.[18]
Später heißt es:
„Dieses Land ist nicht mehr mein Land.“
Quelle: Wiedergabe des Beitrags von Jens Waldinger –
https://www.hauke-verlag.de/wp-content/uploads/2026/03/ka-26-05.pdf
Das ist keine versteckte politische Andeutung. Waldinger formuliert eine fundamentale Abrechnung mit dem heutigen Deutschland und verbindet sie mit pauschalisierenden Aussagen über Migranten und Flüchtlinge. Genau diese Art von Kommunikation erklärt auch, warum ein Medium wie der Deutschland-Kurier den Beitrag aufgriff und seinem Publikum präsentierte.[3]
„Grüne und Gender-Spinner“ – Waldinger hat sein neues Themenfeld gefunden
Weitere öffentlich wiedergegebene Aussagen Waldingers passen in dasselbe Bild. Auf Freiburg-Schwarzwald.de wird ein politischer Beitrag Waldingers dokumentiert, in dem er gegen die Grünen austeilt und den Begriff „Gender-Spinner“ verwendet. Dort wird Waldinger außerdem mit der Aussage wiedergegeben, die Grünen würden „jeden ins Land lassen, der es irgendwie über die Grenze schafft“.[5]
Das Entscheidende daran ist nicht, Waldinger mit möglichst vielen politischen Etiketten zu versehen. Seine eigenen Aussagen sind aussagekräftig genug. Wer Migranten und Flüchtlinge pauschalisierend beschreibt, Gender-Themen mit Spott versieht und seine politische Kommunikation stark auf Migration, nationale Identität und die Grünen konzentriert, bewegt sich erkennbar in einem rechten politischen Kommunikationsraum. Dass entsprechende Beiträge von einem rechten Medium aufgegriffen werden, fügt sich in dieses Bild.[3]
Waldinger ist damit öffentlich längst mehr als der Mann, der einmal Videos aus einem Tierheim veröffentlichte. Er produziert beziehungsweise verbreitet politischen Content und erreicht damit ein Publikum, das mit seinem früheren Kernthema Tierschutz nichts zu tun haben muss.
Die interessante Verbindung: Reichweite, Politik und Geld
Gerade hier wird Waldingers Entwicklung besonders interessant. Sein ehemaliger Verein hat selbst dokumentiert, dass Social Media für Bekanntheit und Spendeneinnahmen von erheblicher Bedeutung war.[12] Waldinger war dabei die zentrale öffentliche Figur. Jahre später verfügt er über eine persönliche Online-Präsenz, verbreitet politische Botschaften und verweist gleichzeitig auf Möglichkeiten, ihn finanziell zu unterstützen.
Daraus muss man keine Geschichte erfinden. Die dokumentierten Tatsachen reichen völlig aus: Waldinger hat Reichweite. Waldinger veröffentlicht politischen Content. Waldinger hat ein kostenpflichtiges Facebook-Abo beworben. Waldinger hat einen PayPal-Link veröffentlicht. Waldinger spricht von seinem „privaten Tierschutz“. Und auf seiner öffentlich zugänglichen Teaming-Seite bleibt die Beschreibung der konkret unterstützten heutigen Projekte allgemein.[2] [16] [17]
Genau diese Kombination verdient Aufmerksamkeit. Wer Waldinger finanziell unterstützt, sollte selbst nachvollziehen können, was er unterstützt. Einen politischen Content-Creator? Einen privaten Tierschützer? Beides? Und wenn Gelder beziehungsweise Unterstützungszahlungen mit Waldingers „privatem Tierschutz“ in Verbindung gebracht werden: Welche konkrete Tierschutzarbeit steht dahinter?
Selbst bei Einfach Tierschutz fragen Unterstützer inzwischen nach Waldingers Geld
Bemerkenswert ist, dass genau diese Frage inzwischen auch im Umfeld seines ehemaligen Vereins auftaucht. Im Teaming-Forum von Einfach Tierschutz schrieb eine Nutzerin im März 2026:
„Mich wundert viel mehr weshalb der Einfach Tierschutz in Frage gestellt wird und keiner hinterfragt was Jens mit der Kohle macht, die ihm die Leute gerade geben.“
Quelle: Teaming-Forum Einfach Tierschutz, Kommentar vom 8. März 2026 –
https://www.teaming.net/forum/thread/list/ALYb5gisEJX1M01G8jYWeW0aZg7sJf3Xo6x7rdQMRUYJO?page=1
Das ist ausdrücklich die Meinung einer Teaming-Nutzerin. Interessant ist jedoch, dass sie exakt den Punkt berührt, der sich auch aus Waldingers eigener Kommunikation ergibt: Seit der Trennung von Einfach Tierschutz gibt es persönliche Unterstützungswege für Waldinger, während die Frage nach der konkreten Verwendung im Zusammenhang mit seinem „privaten Tierschutz“ offen im Raum steht.
Waldinger könnte diese Diskussion mit konkreter Transparenz sehr schnell beenden: benannte Projekte, benannte Organisationen, dokumentierte Maßnahmen und nachvollziehbare Ergebnisse. Seine öffentlich zugängliche Teaming-Präsenz enthält stattdessen eine allgemeine Beschreibung darüber, kleine Tierheime und Organisationen unterstützen zu wollen.[2]
Vom Tierschützer zum rechten Meinungsmacher?
Vielleicht ist genau das der Kern der Entwicklung. Waldingers Tierschutzvergangenheit verschafft ihm bis heute eine Identität, auf die er selbst zurückgreift. Er präsentiert sich weiterhin über seine langjährige Tätigkeit und betreibt eine Gruppe namens „Tierretter“. Gleichzeitig lässt sich seine aktuelle politische Kommunikation wesentlich konkreter greifen als das, was er heute praktisch unter „privatem Tierschutz“ versteht.
Seine politischen Aussagen sind nicht zaghaft. Sie sind teilweise pauschalisierend, polemisch und auf klassische Konfliktthemen rechter politischer Kommunikation zugeschnitten. Migration, Flüchtlinge, nationale Identität, Grüne und Gender-Themen tauchen wiederholt auf. Ein rechter Medienakteur wie der Deutschland-Kurier erkannte darin offensichtlich genügend Anschlussfähigkeit, um Waldingers Beitrag einem eigenen Publikum weiterzureichen.[3]
Damit hat sich das öffentliche Bild verschoben. Früher war Waldingers Reichweite eng mit Tierschutzkommunikation verbunden. Heute steht daneben ein politischer Waldinger, der mit drastischen Botschaften Aufmerksamkeit erzeugt. Und während dieser politische Waldinger gut dokumentierbar ist, bleibt der von ihm selbst angeführte „private Tierschutz“ in seiner öffentlich sichtbaren konkreten Ausgestaltung bemerkenswert blass.
Fazit: Wo ist Jens Waldingers Tierschutz heute eigentlich?
Jens Waldinger muss niemandem mehr erzählen, dass er irgendwann einmal Tierschutz betrieben hat. Diese Vergangenheit ist bekannt und bildet bis heute einen wesentlichen Teil seiner persönlichen Marke. Interessanter ist, was danach kam: das Ende seiner Vorstandstätigkeit bei Einfach Tierschutz, eine weiterhin gepflegte Tierschützer-Selbstdarstellung, eine Teaming-Gruppe, das beworbene Facebook-Abo, ein PayPal-Unterstützungslink und gleichzeitig eine immer deutlichere politische Präsenz.
Wer Waldingers politische Texte sucht, findet drastische Aussagen. Wer seine Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung sucht, findet konkrete Wege. Wer seine Selbstdarstellung als Tierschützer sucht, findet sie ebenfalls sofort. Wer dagegen eine ähnlich konkrete aktuelle Dokumentation darüber sucht, welche Tierheime, Organisationen, Tiere oder Projekte sein heutiger „privater Tierschutz“ tatsächlich unterstützt, bekommt auf seinen öffentlich zugänglichen Seiten wesentlich weniger Konkretes präsentiert.
Genau deshalb geht es nicht darum, Waldingers Vergangenheit schönzureden. Es geht darum, seine heutige Selbstdarstellung an dem zu messen, was öffentlich nachvollziehbar ist.
Die Frage lautet damit nicht mehr, ob Jens Waldinger vor Jahren einmal Tierschützer war.
Die Frage lautet:
Was ist heute eigentlich noch vom Tierschützer Jens Waldinger übrig – außer dem Namen, der Reichweite und der Möglichkeit, ihn finanziell zu unterstützen?
Und während diese Frage auf eine konkrete Antwort wartet, ist ein anderer Jens Waldinger längst unübersehbar geworden:
der rechte politische Jens Waldinger.
Quellen
[1] Jens Waldinger – persönliche Webseite / Selbstdarstellung zum Tierschutz – https://jens-waldinger.com/
[2] Teaming – Jens Waldinger / Gruppe „Tierretter“, aktuelle Gruppenbeschreibung und Kennzahlen – https://www.teaming.net/tierretter
[3] Deutschland-Kurier – „Bundeswehr-Reservist geht im Netz viral: Für wen soll ich noch kämpfen – ist das noch unser Land?“ – https://deutschlandkurier.de/2025/04/bundeswehr-reservist-geht-im-netz-viral-fuer-wen-soll-ich-noch-kaempfen-ist-das-noch-unser-land/
[4] Danisch.de – Wiedergabe des politischen Facebook-Beitrags von Jens Waldinger – https://www.danisch.de/blog/2025/08/22/fuer-wen-eigentlich/
[5] Freiburg-Schwarzwald.de – Wiedergabe von Aussagen Waldingers zu Migration, Grünen und „Gender-Spinnern“ – https://www.freiburg-schwarzwald.de/blog/engagement/zukunft/krieg/bundeswehr/
[6] GERATI – „Zwielichtiger Tierschutz? Die dunkle Seite von Einfach Tierschutz e.V. und Jens Waldinger“ – https://gerati.de/2025/05/19/einfach-tierschutz-und-jens-waldinger-v0r5/
[7] GERATI – „Ist Jens Waldinger bei seinem eigenen Verein ‚Einfach Tierschutz‘ und dem Phoenix-Shelter rausgeflogen worden?“ – https://gerati.de/2025/11/26/jens-waldinger-verein-rausgeflogen-6zfm/
[8] Change.org – Petition „Stoppt Einfach Tierschutz e.V. und Jens Waldinger!“ – https://www.change.org/p/finanzamt-bergheim-stoppt-einfach-tierschutz-e-v-und-jens-waldinger
[9] Einfach Tierschutz e. V. – Impressum / Angaben zur aktuellen Gemeinnützigkeit und zum Freistellungsbescheid – https://einfachtierschutz.de/impressum/
[10] HelpDirect – Einfach Tierschutz e. V. / HelpRank-Transparenzsystem – https://www.helpdirect.org/einfach-tierschutz-e-v/
[11] Einfach Tierschutz e. V. – Finanzbericht 2019 – https://einfachtierschutz.de/wp-content/uploads/2021/10/Finanzbericht_2019-1.pdf
[12] Einfach Tierschutz e. V. – Tätigkeitsbericht 2019 / Social-Media-Reichweite und Waldingers öffentliche Rolle – https://einfachtierschutz.de/jahresberichte/
[13] Einfach Tierschutz e. V. – „Über uns“ / aktueller Vorstand – https://einfachtierschutz.de/ueber-uns/
[14] Teaming – Einfach Tierschutz e. V., Diskussion über Waldingers Ausscheiden im März 2026 – https://www.teaming.net/forum/thread/list/ALYb5gisEJX1M01G8jYWeW0aZg7sJf3Xo6x7rdQMRUYJO?page=1
[15] Teaming – Einfach Tierschutz e. V., Nutzerkommentar zur finanziellen Unterstützung Waldingers, März 2026 – https://www.teaming.net/forum/thread/list/ALYb5gisEJX1M01G8jYWeW0aZg7sJf3Xo6x7rdQMRUYJO?page=1
[16] Teaming – Jens Waldinger über Facebook-Abo und seinen „privaten Tierschutz“, 28. Januar 2026 – https://www.teaming.net/forum/comment/list/J9DnyqqaQnIwMt1XCJw2470LWjs2VIspmypH0KKRp2XFN/144002
[17] Teaming – Jens Waldinger / „Tierretter“, PayPal-Aufruf vom 15. März 2026 – https://www.teaming.net/tierretter
[18] Hauke-Verlag – Leserforum, Wiedergabe des politischen Textes von Jens Waldinger – https://www.hauke-verlag.de/wp-content/uploads/2026/03/ka-26-05.pdf

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