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Fakten statt Polemik. Aufklärung über radikalen Tierschutz.

Kritisch. Fundiert. Unabhängig.Hintergrundanalysen und aktuelle Entwicklungen.

Autor: Silvio

  • Robert Marc Lehmann und seine Lügen zur Anti-Zoo-Demo: Was die Polizei wirklich aufgedeckt hat

    Robert Marc Lehmann und seine Lügen zur Anti-Zoo-Demo: Was die Polizei wirklich aufgedeckt hat

    Robert Marc Lehmann wirft anderen regelmäßig vor, die Öffentlichkeit mit falschen Informationen zu täuschen. Er präsentiert sich als kompromissloser Aufklärer, der angebliche Lügen und Missstände in zoologischen Einrichtungen aufdeckt. Doch ausgerechnet bei seiner eigenen Anti-Zoo-Demonstration am 4. Oktober 2026 in Berlin verbreitete er Aussagen, die einer Überprüfung anhand offizieller Polizeidokumente nicht standhalten. Eine angeblich von der Polizei angeordnete Verlegung, eine falsche Ortsangabe und deutlich überhöhte Teilnehmerzahlen werfen erhebliche Fragen nach seiner Glaubwürdigkeit auf. GERATI erhebt deshalb den Vorwurf, dass Lehmann die Öffentlichkeit über wesentliche Umstände seiner Demonstration in die Irre geführt hat.

    Robert Marc Lehmann und die Geschichte von der angeblichen Polizeiverlegung

    Am 4. Oktober 2026 versammelten sich Gegner zoologischer Einrichtungen am Brandenburger Tor in Berlin. Über Wochen war die Veranstaltung beworben worden, unter anderem mit dem Hinweis auf den Pariser Platz. Auch Robert Marc Lehmann und sein Umfeld nannten diesen Veranstaltungsort. Wer den Ankündigungen folgte, musste davon ausgehen, dass die Demonstration auf der östlichen Seite des Brandenburger Tores stattfinden würde.

    Tatsächlich standen die Demonstranten jedoch auf der gegenüberliegenden Seite, auf dem Platz des 18. März. Lehmann erklärte den Ortswechsel in einem Video nach der bisherigen GERATI-Auswertung mit einer angeblichen Entscheidung der Berliner Polizei. Der Pariser Platz könne nicht genügend Menschen aufnehmen, weshalb die Polizei die Veranstaltung verlegt habe. Damit gab er seinem Publikum eine Erklärung, die den Ortswechsel als behördliche Maßnahme erscheinen ließ.

    Philipp J. Kroiß von zoos.media wollte wissen, was die Polizei tatsächlich über die Veranstaltung wusste. Er fragte direkt bei der zuständigen Behörde nach und veröffentlichte die erhaltenen Informationen am 6. Oktober 2026. Die Berliner Polizei bestätigte den Platz des 18. März als angemeldeten Veranstaltungsort. Genau dort hatte die Demonstration auch stattgefunden.

    Das ist der entscheidende Punkt dieser Geschichte. Lehmann sprach von einer angeblichen polizeilichen Verlegung, während die veröffentlichte Auskunft den Platz des 18. März als Anmeldeort bestätigt. Eine behördliche Anordnung, mit der eine bereits für den Pariser Platz angemeldete Demonstration verlegt worden wäre, ist durch diese Auskunft nicht dokumentiert. Seine öffentlich verbreitete Erklärung wird damit von dem vorliegenden Polizeinachweis nicht getragen.

    Warum wurde der Pariser Platz überhaupt öffentlich beworben?

    Die falsche Ortsangabe war keine nebensächliche Information, die erst nach der Veranstaltung auftauchte. Schon im Vorfeld wurde der Pariser Platz als Veranstaltungsort genannt, und verschiedene Unterstützer verbreiteten diese Ankündigung weiter. Auch Medien griffen die Angaben auf. Der bekannte Platz direkt vor dem Brandenburger Tor gehörte damit zur öffentlichen Werbung für die Demonstration.

    GERATI berichtete bereits am 15. September 2026 über Robert Marc Lehmanns geplante Anti-Zoo-Demonstration in Berlin. Auch damals wurde der öffentlich angekündigte Pariser Platz als Veranstaltungsort genannt. Die später von Kroiß recherchierte Polizeiauskunft machte deutlich, dass diese Information nicht dem bestätigten Anmeldeort entsprach. Wer für die Veranstaltung auf dem Pariser Platz warb, verbreitete damit eine falsche Angabe über den angemeldeten Ort.

    Dass beide Plätze unmittelbar am Brandenburger Tor liegen, ist für diese Feststellung unerheblich. Der Pariser Platz und der Platz des 18. März sind zwei unterschiedliche Veranstaltungsflächen. Wer einen konkreten Veranstaltungsort ankündigt, muss sich daran messen lassen, ob diese Angabe stimmt. Bei der Berliner Anti-Zoo-Demonstration stimmten öffentliche Werbung und bestätigte Anmeldung nicht überein.

    Noch problematischer ist, wie dieser Widerspruch anschließend erklärt wurde. Statt lediglich die abweichende Ortsangabe richtigzustellen, führte Lehmann eine angebliche Polizeientscheidung an. Damit wurde die Verantwortung für die Änderung des Veranstaltungsortes einer Behörde zugeschrieben. Genau diese Darstellung steht nun im Mittelpunkt der Kritik von GERATI.

    Die Berliner Polizei dokumentierte selbst 9.000 Menschen auf dem Pariser Platz

    Lehmann begründete den angeblichen Ortswechsel nach der von GERATI ausgewerteten Aussage mit einer Kapazitätsgrenze von 5.000 Menschen auf dem Pariser Platz. Diese Darstellung lässt sich anhand einer offiziellen Polizeimeldung überprüfen. Bereits am 1. Mai 2022 fand auf genau diesem Platz eine Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes statt. Die Berliner Polizei veröffentlichte dazu am folgenden Tag ihre Pressemitteilung Nr. 0958.

    Darin dokumentierte die Behörde bei der DGB-Kundgebung in der Spitze rund 9.000 Versammelte. Der Ort wurde ausdrücklich als Pariser Platz bezeichnet. Das ist keine Zahl aus der Werbung der Gewerkschaft und auch keine Berechnung von GERATI. Die Berliner Polizei selbst hielt diese Teilnehmerzahl in ihrer offiziellen Einsatzbilanz fest.

    Damit liegt ein amtlicher Gegenbeleg zu der pauschalen Behauptung vor, auf dem Pariser Platz könnten grundsätzlich nur 5.000 Menschen zusammenkommen. Die zuständige Behörde dokumentierte selbst eine deutlich größere Versammlung. Gerade weil Lehmann sich bei seiner Erklärung auf die Polizei berief, ist dieser Widerspruch besonders bemerkenswert. Seine vereinfachte Darstellung der Platzkapazität passt nicht zu den veröffentlichten Erfahrungen der Behörde.

    Für GERATI ist das ein wesentlicher Bestandteil des Lügenvorwurfs. Lehmann präsentierte seinem Publikum eine konkrete Begründung für den angeblichen Ortswechsel. Die bekannten Polizeidokumente zeigen jedoch, dass die angeführte pauschale Kapazitätsgrenze nicht zutrifft. Ein Influencer, der selbst regelmäßig andere wegen angeblich falscher Informationen angreift, muss sich diese Diskrepanz vorhalten lassen.

    Bei einer CSD-Gedenkveranstaltung war sogar von bis zu 10.000 Menschen die Rede

    Ein weiteres Beispiel stammt aus dem Juli 2026. Nach dem Anschlag im Zusammenhang mit dem Berliner Christopher Street Day versammelten sich am 26. Juli zahlreiche Menschen auf dem Pariser Platz, um der Opfer zu gedenken. Der Tagesspiegel und tagesschau24 berichteten von einer Menschenmenge zwischen 8.000 und 10.000 Personen. Die Veranstaltung fand damit nur wenige Monate vor Lehmanns Anti-Zoo-Demonstration statt.

    Auch dieses Ereignis zeigt, dass der Pariser Platz bereits Schauplatz von Versammlungen in erheblich größerer Dimension war. Die Zahl von bis zu 10.000 Menschen wurde in der zeitgenössischen Berichterstattung ausdrücklich genannt. Sie ergänzt die amtlich dokumentierte DGB-Kundgebung mit rund 9.000 Teilnehmern aus dem Jahr 2022. Beide Ereignisse stehen einer pauschalen Darstellung entgegen, wonach der Pariser Platz grundsätzlich auf 5.000 Menschen begrenzt sei.

    Besonders auffällig ist der zeitliche Abstand. Während Lehmann die angeblich unzureichende Kapazität als Erklärung für den Veranstaltungsort seiner Anti-Zoo-Demonstration anführte, war der Pariser Platz wenige Monate zuvor Schauplatz einer großen Gedenkversammlung gewesen. Diese Berichterstattung war öffentlich zugänglich. Sie hätte bei einer sorgfältigen Prüfung seiner Kapazitätsbehauptung berücksichtigt werden müssen.

    Die beiden dokumentierten Veranstaltungen sind deshalb wichtige Bestandteile der GERATI-Recherche. Sie zeigen, weshalb Lehmanns pauschale Erklärung nicht überzeugt. Zusammen mit der bestätigten Anmeldung für den Platz des 18. März ergeben sie ein Bild, das erheblich von seiner öffentlichen Darstellung abweicht.

    Robert Marc Lehmanns Umfeld spricht von 4.000 Demonstranten, die Polizei von 2.500

    Auch bei den Teilnehmerzahlen geriet die Darstellung der Berliner Anti-Zoo-Demonstration unter Druck. Nach der Veranstaltung wurden aus Lehmanns Umfeld Zahlen von bis zu 4.000 Demonstranten verbreitet. Damit entstand der Eindruck, die Kundgebung habe eine besonders große Menschenmenge mobilisiert. Doch auch hier liefert die Recherche von Philipp J. Kroiß ein anderes Ergebnis.

    Die Berliner Polizei gab für die Demonstration eine Höchstzahl von rund 2.500 Teilnehmern an. Die Beamten waren mit dem Veranstaltungsgeschehen befasst und verfügen über Erfahrung bei der Einschätzung größerer Menschenmengen. Ihre Angaben beruhen auf Erkenntnissen aus dem Einsatz. Für die Bewertung der Demonstrationsgröße handelt es sich deshalb um eine fachlich fundierte, behördliche Grundlage.

    Zwischen der polizeilichen Zahl und den verbreiteten 4.000 Demonstranten liegen 1.500 Menschen. Das entspricht einer um 60 Prozent höheren Angabe aus dem Umfeld der Veranstalter. Eine solche Differenz ist erheblich, zumal es gerade bei dieser Demonstration stark um deren angeblich historische Größe ging. Wer eine höhere Zahl öffentlich verbreitet, muss diese durch eine nachvollziehbare Erhebung belegen können.

    GERATI hatte die Teilnehmerzahlen bereits am 7. Oktober 2026 im Beitrag „Robert Marc Lehmann: 4.000 Demonstranten behauptet – Polizei zählt nur 2.500“ aufgegriffen. Dabei ging es um den Unterschied zwischen der öffentlichen Erfolgserzählung und den Angaben der zuständigen Behörde. Die polizeilich ermittelte Größenordnung ist dabei der entscheidende Maßstab. Sie widerspricht den wesentlich höheren Zahlen, die im Umfeld Lehmanns verbreitet wurden.

    Eine angebliche KI-Zählung soll die höhere Teilnehmerzahl bestätigen

    In der Diskussion über die Teilnehmerzahlen wurde auch eine angeblich KI-gestützte Auswertung von Bildern angeführt. Mit künstlicher Intelligenz sollte offenbar die Zahl der Demonstranten ermittelt worden sein. Solche technischen Hinweise klingen nach besonderer Genauigkeit und wissenschaftlicher Objektivität. Ohne die zugrunde liegenden Aufnahmen und eine nachvollziehbare Dokumentation des Verfahrens lässt sich die behauptete Auszählung allerdings nicht unabhängig überprüfen.

    Gerade deshalb ist die Berufung auf künstliche Intelligenz kein Ersatz für belastbare Daten. Eine überprüfbare Zählung müsste erkennen lassen, welche Aufnahmen verwendet wurden und wie das Ergebnis zustande kam. Die Bezeichnung einer Methode allein sagt noch nichts darüber aus, ob das Resultat zutrifft. Für die höhere Zahl von 4.000 Demonstranten wurde bislang keine entsprechend nachvollziehbare Dokumentation vorgelegt.

    Das ist besonders bemerkenswert, weil Lehmann in seinen Veröffentlichungen häufig auf wissenschaftliche Erkenntnisse und überprüfbare Tatsachen verweist. Gerade bei einer Debatte über Teilnehmerzahlen sollte es deshalb selbstverständlich sein, das eigene Ergebnis offen zu dokumentieren. Stattdessen steht einer höheren Zahl aus seinem Umfeld eine deutlich niedrigere Einschätzung der Berliner Polizei gegenüber. Die Behörde verfügt über die Erfahrung und die Erkenntnisse aus dem Einsatzgeschehen, um die Größenordnung einer solchen Versammlung fachlich zu beurteilen.

    Damit bleibt der Widerspruch bestehen. Die öffentlich verbreiteten 4.000 Teilnehmer werden durch die bekannten behördlichen Angaben nicht bestätigt. Auch eine behauptete technische Auswertung beseitigt diese Differenz nicht, solange ihre Ergebnisse nicht überprüfbar vorliegen. Für einen Aktivisten, der seine Glaubwürdigkeit auf die Aufdeckung vermeintlicher Falschinformationen stützt, ist das eine ausgesprochen unangenehme Ausgangslage.

    Die größte Anti-Zoo-Demo der Welt entpuppt sich als unbelegter Rekord

    Bereits vor dem 4. Oktober wurde die Berliner Demonstration mit großen Worten angekündigt. Im Umfeld von Robert Marc Lehmann war vom Anspruch die Rede, die größte Anti-Zoo-Demonstration aller Zeiten zu veranstalten. Damit wurde die Erwartung eines historischen Ereignisses geweckt. Wer teilnahm, sollte offenbar das Gefühl bekommen, an etwas noch nie Dagewesenem beteiligt zu sein.

    Die tatsächliche Größe der Veranstaltung lässt sich inzwischen anhand der polizeilichen Angaben einordnen. Rund 2.500 Teilnehmer sind eine beachtliche Menschenmenge, aber allein noch kein Beweis für einen internationalen Rekord. Wer die größte Demonstration einer bestimmten Art für sich beansprucht, benötigt Vergleichszahlen früherer Veranstaltungen. Eine solche nachvollziehbare internationale Auswertung wurde bislang nicht vorgelegt.

    Damit bleibt vom angekündigten Weltrekord vor allem die öffentliche Werbewirkung. Die Veranstaltung bekam durch den Superlativ eine Bedeutung zugeschrieben, die sich anhand der verfügbaren Informationen nicht unabhängig nachweisen lässt. Hinzu kamen Ankündigungen prominenter Gäste, darunter Sarah Connor, Malte Zierden und Jonas Ems, die nach der Darstellung von zoos.media schließlich nicht auf der Bühne standen. Auch das tatsächliche Programm entsprach damit nicht vollständig dem zuvor öffentlich vermittelten Bild.

    So ergibt sich eine auffällige Reihe von Unterschieden zwischen Ankündigung und Realität. Der Veranstaltungsort wurde falsch kommuniziert, die polizeiliche Verlegung nicht belegt, die Teilnehmerzahl deutlich höher dargestellt als von der Polizei ermittelt und der historische Rekord nicht nachgewiesen. Das sind keine bloßen Meinungsverschiedenheiten über zoologische Einrichtungen. Es geht um konkrete Angaben, die sich anhand von Dokumenten und unabhängigen Informationen überprüfen lassen.

    Robert Marc Lehmann und die Lügen: GERATI erhebt einen schweren Vorwurf

    Robert Marc Lehmann ist bekannt dafür, seine Kritik an zoologischen Einrichtungen mit deutlichen Worten vorzutragen. Er wirft anderen vor, wichtige Informationen zu verschweigen, Tatsachen zu verdrehen oder die Öffentlichkeit zu täuschen. Dabei vermittelt er regelmäßig den Eindruck, selbst auf der Seite der Wahrheit zu stehen. Gerade deshalb müssen seine eigenen Aussagen einer ebenso gründlichen Überprüfung standhalten.

    Im Fall der Berliner Anti-Zoo-Demonstration ist das in mehreren Punkten nicht gelungen. Der öffentlich beworbene Pariser Platz stimmte nicht mit dem polizeilich bestätigten Anmeldeort überein. Die Erklärung über eine angebliche Polizeiverlegung ist durch die veröffentlichte Auskunft nicht belegt. Die behauptete allgemeine Kapazitätsgrenze wird durch eine amtlich dokumentierte Versammlung mit rund 9.000 Menschen widerlegt.

    Hinzu kommt die Differenz zwischen den polizeilich ermittelten rund 2.500 Teilnehmern und den aus Lehmanns Umfeld verbreiteten 4.000. Der historische Rekordanspruch ist ebenfalls nicht unabhängig dokumentiert. GERATI erhebt deshalb den Vorwurf, dass Lehmann mit seiner Darstellung die Öffentlichkeit über zentrale Umstände der Demonstration in die Irre geführt hat. Die Beweisführung richtet sich dabei auf seine konkreten Aussagen und die Widersprüche zu den dokumentierten Fakten.

    Die Frage, ob jede einzelne falsche Aussage auch in Kenntnis ihrer Unrichtigkeit getroffen wurde, ist davon zu unterscheiden. Der journalistische Vorwurf bleibt dennoch schwerwiegend: Ein reichweitenstarker Aktivist, der andere regelmäßig wegen vermeintlicher Lügen angreift, verbreitet selbst Angaben, die einer Überprüfung nicht standhalten. Sein Publikum erhält dadurch ein Bild der Veranstaltung, das in wesentlichen Punkten von den behördlichen Informationen abweicht. Genau daran muss sich seine Glaubwürdigkeit messen lassen.

    Philipp J. Kroiß zeigt, wie leicht sich die Erzählung überprüfen lässt

    Die entscheidende Recherche kam von Philipp J. Kroiß. Statt die Angaben aus Lehmanns Umfeld einfach zu übernehmen, fragte er bei der Berliner Polizei nach. Die Antwort brachte zwei zentrale Informationen ans Licht: den angemeldeten Veranstaltungsort und die polizeiliche Teilnehmerzahl. Damit standen den öffentlichen Aussagen überprüfbare Angaben der zuständigen Behörde gegenüber.

    GERATI hat die Arbeit von Kroiß bereits im Artikel „Philipp J. Kroiß von zoos.media: Warum seine Recherchen die Anti-Zoo-Szene beschäftigen“ behandelt. Die Berliner Demonstration ist ein Beispiel dafür, weshalb unabhängige Nachfragen gerade bei reichweitenstarken Influencern wichtig sind. Wer sich ausschließlich auf deren öffentliche Darstellung verlässt, erfährt nicht zwangsläufig das vollständige Bild. Erst der Abgleich mit den Behördeninformationen macht die Widersprüche sichtbar.

    Besonders aufschlussreich bleibt die Geschichte vom angeblich verlegten Veranstaltungsort. Lehmann erklärte seinem Publikum einen Ortswechsel mit einer Entscheidung der Polizei. Kroiß erhielt von derselben Behörde die Bestätigung, dass der Platz des 18. März als Veranstaltungsort angemeldet war. Diese Auskunft passt nicht zu der öffentlich vermittelten Vorstellung einer nach der Anmeldung verlegten Demonstration.

    Die zusätzlichen GERATI-Recherchen zur Kapazität des Pariser Platzes verschärfen die Kritik. Eine amtlich dokumentierte Kundgebung mit rund 9.000 Teilnehmern widerspricht der pauschalen Begrenzung, mit der Lehmann den anderen Veranstaltungsort erklärte. Die bis zu 10.000 Menschen bei der späteren CSD-Gedenkveranstaltung ergänzen diesen Befund. Damit stützt sich die Kritik nicht auf persönliche Abneigung, sondern auf konkrete und nachprüfbare Informationen.

    Robert Marc Lehmann muss sich an seinen eigenen Wahrheitsansprüchen messen lassen

    Am Ende bleibt von der großen Berliner Anti-Zoo-Inszenierung ein erhebliches Glaubwürdigkeitsproblem. Der Pariser Platz wurde öffentlich beworben, obwohl die Polizei den Platz des 18. März als angemeldeten Veranstaltungsort bestätigte. Lehmann erzählte von einer angeblichen Polizeiverlegung, für die in der veröffentlichten Auskunft kein Nachweis vorliegt. Seine pauschale Behauptung über die Kapazität des Pariser Platzes widerspricht einer offiziellen Polizeimeldung über eine deutlich größere Kundgebung.

    Auch bei den Teilnehmerzahlen klaffen öffentliche Darstellung und behördliche Erkenntnisse auseinander. Während aus Lehmanns Umfeld bis zu 4.000 Demonstranten genannt wurden, ermittelte die Berliner Polizei rund 2.500 Teilnehmer. Der angekündigte Weltrekord blieb ebenfalls ohne überprüfbare Vergleichsdaten. Mehrere zentrale Bestandteile der öffentlichen Erfolgserzählung halten damit einer unabhängigen Überprüfung nicht stand.

    Für GERATI ist das ein schwerwiegender Befund. Robert Marc Lehmann erhebt gegenüber Zoos und deren Verantwortlichen regelmäßig den Anspruch auf Wahrheit und Transparenz. Doch bei seiner eigenen Demonstration verbreitete er Darstellungen, die mit dokumentierten Fakten kollidieren. GERATI wirft ihm deshalb vor, die Öffentlichkeit durch falsche und irreführende Angaben getäuscht zu haben.

    Wer wie Lehmann regelmäßig andere der Lüge bezichtigt, darf nicht erwarten, dass seine eigenen Aussagen ungeprüft bleiben. Die polizeilich bestätigte Anmeldung, die amtlich dokumentierten Menschenmengen auf dem Pariser Platz und die Teilnehmerzahlen seiner Demonstration sprechen eine deutliche Sprache. Sie zeigen, dass wesentliche Bestandteile seiner öffentlichen Darstellung nicht stimmen oder ohne den behaupteten Nachweis geblieben sind.

    Die entscheidende Frage ist längst nicht mehr, wie laut Robert Marc Lehmann seine Botschaften verbreitet oder wie begeistert seine Unterstützer darauf reagieren. Entscheidend ist, ob seine Aussagen den Tatsachen entsprechen. Bei der Berliner Anti-Zoo-Demonstration ist das in mehreren zentralen Punkten nicht der Fall. Wer anderen ständig vorwirft, die Öffentlichkeit zu belügen, muss sich gefallen lassen, dass auch seine eigenen Unwahrheiten aufgedeckt werden.

    Quellen

  • Robert Marc Lehmann sagt Shows ab – Karma hat offenbar einen Tourneeplan

    Robert Marc Lehmann sagt Shows ab – Karma hat offenbar einen Tourneeplan

    Robert Marc Lehmann sagt Shows ab. Ausgerechnet den sonst so wortgewaltigen Mission-Erde-Gründer hat es erwischt: Fieber, heftiger Husten und die Stimme ist weg. Drei Auftritte müssen verschoben werden. Das ist für seine Fans ärgerlich und für Lehmann sicherlich unangenehm. Wer allerdings verfolgt, mit welcher Begeisterung der Influencer sonst gegen Zoos, Kritiker und Andersdenkende austeilt und dabei selbst mit der Wahrheit nicht immer besonders sorgfältig umgeht, wird sich ein kleines Schmunzeln über diese unfreiwillige Sendepause kaum verkneifen können.

    Robert Marc Lehmann muss gleich drei Shows verschieben

    Am Samstag, dem 17. Oktober 2026, meldete sich Robert Marc Lehmann mit einer unerfreulichen Nachricht bei seinen YouTube-Fans. Er sei krank, seine Stimme praktisch verschwunden und an einen Bühnenauftritt sei momentan nicht zu denken. Die geplanten Veranstaltungen in Lübeck, Flensburg und Hannover müssen deshalb verschoben werden. Sein Team arbeite bereits an Ersatzterminen, die Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit und wer verhindert ist, soll sein Ticket zurückgeben können.

    Besonders ärgert ihn offenbar, dass er nach eigener Aussage in 20 Jahren noch nie eine Show absagen musste. Nun ist diese Serie also gerissen. Wer Fieber hat und kaum sprechen kann, gehört selbstverständlich nicht auf eine Bühne. So weit, so gewöhnlich.

    Interessant wird die Geschichte erst, wenn man sich daran erinnert, wer da gerade seine Stimme verloren hat. Denn Zurückhaltung, Selbstkritik und leise Töne gehören nun wirklich nicht zu den Eigenschaften, für die Robert Marc Lehmann bekannt ist. Er teilt gerne aus, erhebt öffentlich schwere Vorwürfe und präsentiert seine Sicht der Dinge mit einer Selbstsicherheit, die nicht immer durch die Fakten gedeckt ist.

    Große Klappe, große Behauptungen – und die Wahrheit?

    Robert Marc Lehmann ist selten um deutliche Worte verlegen. Besonders Zoos und ihre Unterstützer bekommen regelmäßig zu spüren, was er von ihnen hält. Auch Kritiker, die seine Aussagen hinterfragen, werden gerne öffentlich abgekanzelt. Dabei scheint Lehmann manchmal zu vergessen, dass eine große Reichweite noch lange kein Beweis dafür ist, recht zu haben.

    GERATI hat sich bereits mehrfach mit seinen öffentlichen Behauptungen beschäftigt. Dabei ging es nicht bloß um unterschiedliche Meinungen, sondern auch um Aussagen, die sich als falsch erwiesen haben oder erhebliche Widersprüche aufweisen. Wer nachweislich Unwahres verbreitet, kann sich nicht dauerhaft hinter dem Anspruch verstecken, lediglich unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Und wer andere ständig öffentlich belehrt, muss sich erst recht gefallen lassen, dass seine eigene Glaubwürdigkeit kritisch geprüft wird.

    Natürlich lässt sich nicht bei jeder falschen Aussage feststellen, ob bewusst gelogen wurde. Doch für diejenigen, die solche Behauptungen ungeprüft übernehmen, macht das Ergebnis zunächst wenig Unterschied: Sie erhalten falsche Informationen. Dass Lehmann seine Botschaften mit großer Überzeugung vorträgt, macht sie nicht automatisch wahr. Gerade deshalb sollte man seine Aussagen nicht einfach glauben, sondern hinterfragen.

    Hat das Karma etwa den Tourneeplan gelesen?

    In den sozialen Netzwerken fällt bei solchen Geschichten schnell das Wort Karma. Gemeint ist damit gewöhnlich die Vorstellung, dass irgendwann jeder einmal einen Dämpfer bekommt, der zuvor besonders großzügig gegen andere ausgeteilt hat. Natürlich ist eine Erkrankung keine Strafe für öffentliche Äußerungen. Viren interessieren sich herzlich wenig für YouTube-Abonnenten, große Egos oder die Anzahl verkaufter Eintrittskarten.

    Und trotzdem hat die Sache eine gewisse Ironie. Da zieht jemand durchs Land, erhebt lautstark Vorwürfe, verteilt moralische Belehrungen und lässt kaum eine Gelegenheit aus, anderen die Welt zu erklären. Und plötzlich ist ausgerechnet die Stimme weg. Nach angeblich 20 Jahren ohne abgesagte Show herrscht nun zumindest auf drei Bühnen unfreiwillig Ruhe.

    Manchmal braucht es offenbar keine Gegenrede, keine Faktenchecks und keine endlosen Diskussionen, damit der große öffentliche Auftritt einmal ausfällt. Eine gewöhnliche Erkrankung genügt. Das widerlegt zwar keine einzige seiner Behauptungen, liefert aber eine Pointe, die man sich als Satiriker kaum besser ausdenken könnte. Karma? Vielleicht einfach nur ein ausgesprochen ironischer Zufall.

    Wer ständig austeilt, muss auch Kritik einstecken

    Bei GERATI beschäftigen wir uns seit Jahren mit den Aussagen und Aktionen von Robert Marc Lehmann. Dabei geht es nicht darum, ob jemand besonders viele Follower besitzt oder sich öffentlich als kompromissloser Kämpfer für eine gute Sache inszeniert. Entscheidend bleibt, ob seine Behauptungen stimmen. Gerade bei Lehmann gibt es genügend Gründe, genauer hinzusehen, statt jede neue Geschichte ungeprüft zu übernehmen.

    Das zeigt sich unter anderem bei Robert Marc Lehmanns Angriffen auf Zoos und seiner Anti-Zoo-Kampagne in Berlin. Große Worte und dramatische Inszenierungen ersetzen keine überprüfbaren Tatsachen. Wer andere öffentlich an den Pranger stellt, sollte deshalb besonders darauf achten, dass die eigenen Aussagen belastbar sind. Genau daran bestehen bei Lehmann immer wieder erhebliche Zweifel.

    Auch seine öffentlichen Auseinandersetzungen um die eigene Glaubwürdigkeit zeigen, weshalb kritische Nachfragen notwendig sind. Lehmann verlangt von anderen gerne Verantwortung und Transparenz. Dieselben Maßstäbe müssen selbstverständlich auch für ihn gelten. Und wer selbst regelmäßig verbal austeilt, sollte nicht überrascht sein, wenn gelegentlich eine bissige Bemerkung zurückkommt.

    Gute Besserung, Robert – die Zoos laufen nicht weg

    Natürlich wünschen wir Robert Marc Lehmann eine schnelle Genesung. Niemand sollte sich eine Erkrankung wünschen, nur weil man mit den Ansichten eines Menschen nicht einverstanden ist. Vielleicht tut ihm die kleine Zwangspause sogar gut. Ein paar Tage ohne Bühnenstress, ohne große Ansprachen und ohne den nächsten öffentlichen Schlagabtausch können schließlich nicht schaden.

    Für die Zoos dürfte sich durch die Absagen ohnehin wenig ändern. Tierpfleger werden weiterhin ihre Tiere versorgen, Artenschutzprogramme laufen weiter und wissenschaftliche Forschung findet auch ohne die Zustimmung eines bekannten Influencers statt. Die zoologische Welt bricht nicht zusammen, nur weil Robert Marc Lehmann einmal nicht auf einer Bühne steht. Und vielleicht erinnert ihn die unfreiwillige Pause daran, dass sich eben nicht immer alles um seine Person dreht.

    Ob das nun Karma ist, darf jeder selbst entscheiden. Fest steht nur, dass der Mann, der sonst so gerne gegen andere austeilt, ausgerechnet durch seine eigene Stimme ausgebremst wurde. Eine gewisse Ironie lässt sich dieser Geschichte nun wirklich nicht absprechen.

    In diesem Sinne: Gute Besserung, Robert. Kurier dich ordentlich aus. Die Zoos stehen bestimmt noch, wenn du wieder sprechen kannst. Und vielleicht lohnt es sich bis dahin, nicht nur die Stimme, sondern gelegentlich auch die eigenen Aussagen zu überprüfen.

    Quellen

  • Frank Albrecht vom Projekt Endzoo droht dem Zoolotsen: Veröffentliche den Drei-Stunden-Podcast, sonst mache ich es. Danach eskaliert der Streit auf Facebook

    Frank Albrecht vom Projekt Endzoo droht dem Zoolotsen: Veröffentliche den Drei-Stunden-Podcast, sonst mache ich es. Danach eskaliert der Streit auf Facebook

    Frank Albrecht vom Projekt Endzoo hat offenbar ein Problem mit dem Zoolotsen Marcel Stawinoga vom Zoo Dortmund. Der soll endlich einen dreistündigen Podcast veröffentlichen, den beide bereits im März 2026 aufgenommen haben. Sieben Monate später ist das Gespräch noch immer nicht öffentlich auffindbar, und Albrecht verliert langsam die Geduld. Auf Facebook stellt er dem Zoolotsen kurzerhand ein Ultimatum: Entweder er veröffentlicht die Aufnahme, oder Albrecht macht es selbst.

    Was danach passiert, ist fast noch unterhaltsamer als die Ankündigung. Eine Facebook-Nutzerin erklärt Albrecht, wie er den Zoolotsen markieren kann, damit dieser den Beitrag auch mitbekommt. Doch statt sich für den Hinweis zu bedanken, wird Albrecht zunehmend pampig und beendet die Diskussion schließlich mit der Erklärung, sie sei reine Zeitverschwendung. Willkommen bei Frank Albrecht, wo drei Stunden Diskussion über Zoos offenbar kein Problem darstellen, ein einfacher Facebook-Hinweis dagegen schon.

    Frank Albrecht stellt dem Zoolotsen ein Ultimatum

    Am 12. Oktober 2026 veröffentlichte Frank Albrecht auf seiner Facebook-Seite einen Beitrag mit der Überschrift „ZWEITE MAL“. Darin erklärt er, dass der Zoolotse bereits zum zweiten Mal Gelegenheit erhalten habe, seine Argumente für Zoos auf der „anderen Seite“ vorzutragen. Natürlich darf bei Albrecht die passende Wortschöpfung nicht fehlen. Aus Argumenten für Zoos werden kurzerhand „Pro-Zoo-Gefangenschaft-Argumente“, damit auch wirklich niemand vergisst, wer hier angeblich auf der falschen Seite steht.

    Am Ende seines Beitrags schreibt Albrecht wörtlich: „Also Marcel, veröffentliche doch jetzt auch unseren dreistündigen Podcast vom März 2026! Sonst mach ich es!“ Das klingt zunächst nach einer ziemlich entschlossenen Ansage. Fast so, als würde der Zoolotse etwas zurückhalten, das Albrecht unbedingt ans Licht bringen möchte. Doch die vermeintliche Drohung verliert ihren Schrecken, sobald man die anschließenden Kommentare liest.

    Dort erklärt Albrecht nämlich selbst, dass beide Gesprächspartner vereinbart hätten, mit dem Videomaterial machen zu können, wann und was sie wollen. Er darf den Podcast nach eigener Darstellung also selbst veröffentlichen. Weshalb er dafür erst ein öffentliches Ultimatum braucht, erschließt sich nicht. Er könnte die Aufnahme einfach hochladen, statt auf Facebook Druck zu machen.

    Sieben Monate Wartezeit – was steckt hinter dem Podcast?

    Bereits am 24. März 2026 beschäftigte sich GERATI im Artikel „Zwischen Dialog und Eskalation: Das widersprüchliche Comeback von Frank Albrecht vom Projekt Endzoo“ mit dem Gespräch zwischen Albrecht und dem Zoolotsen. Damals fiel vor allem der Gegensatz zwischen dem angekündigten Meinungsaustausch und Albrechts anschließendem Auftreten auf. Auch zoos.media kritisierte seinen Umgangston, unter anderem wegen der Bezeichnung von Zoobefürwortern als „ignorante Zoo-Unrechtsbefürworter“ und weiterer persönlicher Herabwürdigungen.

    Inzwischen hat der Zoolotse an anderen Podcast-Formaten mitgewirkt, während ausgerechnet die dreistündige Aufnahme mit Albrecht weiterhin nicht vollständig öffentlich auffindbar ist. Warum sie noch nicht erschienen ist, bleibt offen. Möglicherweise fehlt die Zeit für die Bearbeitung, vielleicht spielen redaktionelle Überlegungen eine Rolle. Ebenso interessant wäre die Frage, ob Albrechts Aussagen einer fachlichen Überprüfung standhalten oder ob während des Gesprächs Behauptungen gefallen sind, die zunächst genauer betrachtet werden müssten.

    Ohne die Aufnahme kennt allerdings niemand außerhalb des Gesprächskreises den vollständigen Inhalt. Genau deshalb würden wir sie bei GERATI ausgesprochen gerne sehen. Drei Stunden Anti-Zoo-Argumentation könnten reichlich Stoff liefern, um Albrechts Behauptungen über Zoohaltung und Artenschutz einzeln zu überprüfen. Vielleicht überrascht er uns sogar mit überzeugenden Argumenten. Falls nicht, hätten wir endlich wieder ausreichend Material für neue Faktenchecks und kritische Folgeartikel.

    Deshalb, lieber Frank Albrecht: Veröffentliche den Podcast doch einfach! Wir warten gespannt darauf und würden uns tatsächlich freuen. Schließlich bekommt man nicht jeden Tag drei Stunden Material eines langjährigen Zoogegners frei Haus geliefert. Und keine Sorge: Wir werden uns die Zeit nehmen, deine Aussagen gründlich auseinanderzunehmen, sofern sie einer kritischen Prüfung nicht standhalten.

    Ein gut gemeinter Facebook-Hinweis bringt Frank Albrecht auf die Palme

    Fast noch aufschlussreicher als die Podcast-Forderung ist die anschließende Kommentardiskussion. Eine Nutzerin namens Wilma Terrani macht Albrecht darauf aufmerksam, dass man den Zoolotsen auf Facebook direkt markieren könne. Das ist ein durchaus sinnvoller Vorschlag. Schließlich erhält jemand nicht automatisch eine Benachrichtigung, nur weil sein Name irgendwo in einem öffentlichen Beitrag auftaucht.

    Gerade bei einer Facebook-Seite, deren Beiträge häufig nur wenige erkennbare Reaktionen erhalten, ist eine direkte Markierung hilfreich. Wer möchte, dass eine bestimmte Person etwas mitbekommt, sollte schließlich nicht darauf hoffen müssen, dass der Facebook-Algorithmus zufällig mitspielt. Doch Albrecht reagiert auf diesen einfachen Hinweis mit einer reichlich merkwürdigen Gegenfrage: „Vielleicht wollten wir das genau so! Schon einmal darüber nachgedacht?“ Man könnte fast glauben, die fehlende Markierung gehöre zu einer geheimen Kommunikationsstrategie.

    Später erklärt Albrecht, dass er ohnehin bereits persönlich mit dem Zoolotsen geschrieben habe. Damit hätte sich die Angelegenheit eigentlich sofort erledigen lassen. Stattdessen folgen Bemerkungen über Babysitter, unerwünschte Einmischung und die Behauptung, die Diskussion gehe die Kommentatorin überhaupt nichts an. Aus einem harmlosen Hinweis wird ein Streit, den Albrecht schließlich selbst für beendet erklärt.

    Der vollständige Facebook-Kommentarverlauf

    Damit sich jeder ein eigenes Bild machen kann, dokumentieren wir die Diskussion unter dem Facebook-Beitrag vom 12. Oktober 2026. Die Kommentare werden in ihrer ursprünglichen Schreibweise wiedergegeben. Auf eine sprachliche Korrektur der Zitate wurde bewusst verzichtet, damit der tatsächliche Gesprächsverlauf nachvollziehbar bleibt.

    Wilma Terrani:

    Projekt Endzoo Frank Albrecht Frank Albrecht Annett Albrecht

    So geht markieren, ohne könnte es sein, dass Marcel Stawinoga bzw Der Zoolotse, das nicht mitbekommt😉

    Projekt Endzoo:

    Wilma Terrani Vielleicht wollten wir das genau so! Schon einmal darüber nachgedacht?

    Wilma Terrani:

    Projekt Endzoo naja, jetzt weiß Marcel auf jeden Fall Bescheid.🤗

    Projekt Endzoo:

    Wilma Terrani Der weiß auch so Bescheid. Wir haben uns bereits geschrieben. Du brauchst als keinen Babysitter spielen.

    Wilma Terrani:

    Projekt Endzoo das hat Marcel auch nicht nötig. Ich finde es eben nur fair, wenn man jemanden in Facebook oder Instagram erwähnt, ihn auch zu markieren.

    Ist natürlich nur möglich, wenn derjenige einen nicht blockiert hat.

    Projekt Endzoo:

    Wilma Terrani Wenn er es bereits weiß, muss ich ihn nicht noch markieren! Und selbst wenn: es geht sie überhaupt nichts an!

    Wilma Terrani:

    Projekt Endzoo Warum postest Du das dann öffentlich, mit der Drohung an Marcel, den Podcast sonst selbst zu veröffentlichen? Ach ja, geht keinen was an. Schönen Tag auch noch.🙋‍♀️

    Projekt Endzoo:

    Wilma Terrani immer noch nicht kapiert: Es geht keinen (also Dir) etwas an, wie Marcel von unserer Kritik erfährt! Zumal eine persönliche Anfrage im Vorfeld nichts erbracht hat! Und wir hatten uns geeinigt, dass jeder mit dem Videomaterial machen kann, wann und was er will. Deine Unterstellung „Drohung“ ist also lächerlich!

    Projekt Endzoo:

    Wilma Terrani Damit beenden wir dieses sinnlose Gespräch und diese Zeitverschwendung!

    Erst Öffentlichkeit suchen und dann andere zum Schweigen bringen?

    Man muss sich diesen Verlauf tatsächlich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Frank Albrecht fordert den Zoolotsen öffentlich zu einer Handlung auf, eine Nutzerin gibt einen sachlichen Hinweis, und plötzlich soll sie sich nicht einmischen. Sie müsse keinen Babysitter spielen, die Angelegenheit gehe sie nichts an, und verstanden habe sie offenbar auch nichts. Dabei hatte Wilma Terrani weder Albrechts Anti-Zoo-Argumente angegriffen noch die Veröffentlichung des Podcasts infrage gestellt.

    Besonders bemerkenswert ist seine Erklärung, es gehe die Kommentatorin überhaupt nichts an, wie der Zoolotse von der Kritik erfahre. Frank Albrecht veröffentlicht einen Beitrag für die Öffentlichkeit, erhält eine öffentliche Reaktion und möchte dann offenbar selbst bestimmen, wer sich dazu äußern darf. Wer keine Kommentare zu einer Angelegenheit möchte, könnte schließlich auch einfach eine private Nachricht schreiben. Das wäre vermutlich weniger aufregend, würde aber eine Menge unnötiges Theater ersparen.

    Auch der abschließende Vorwurf der Zeitverschwendung hat seinen eigenen Charme. Schließlich war es Albrecht selbst, der die Diskussion durch seine Antworten immer weiter anheizte. Ein einfaches „Danke, wir haben bereits Kontakt“ hätte völlig genügt. Stattdessen schafft er es, aus einem freundlichen Hinweis eine kleine Grundsatzfrage über unerwünschte Einmischung zu machen.

    Frank Albrecht: Seit Jahren ein Alleinunterhalter mit wenig Resonanz

    Wer Frank Albrechts öffentliche Aktivitäten über längere Zeit verfolgt, kennt diesen Eindruck bereits. Schon zu Zeiten des früheren Vereins EndZOO Deutschland e. V. stand überwiegend Albrecht selbst im Mittelpunkt. Zwar sprach er gerne im Namen des Vereins und verwendete das kollektive „Wir“, doch eine größere Gruppe öffentlich aktiver Mitstreiter war kaum erkennbar. Der Eindruck eines Alleinunterhalters entstand also keineswegs erst nach der späteren Vereinsauflösung.

    Bereits 2017 beschäftigte sich GERATI in der Artikelserie „Die EndZOO – Frank Albrecht Story“ mit dieser Problematik. Damals berichteten wir über Schwierigkeiten, genügend Unterstützer für das Vereinsprojekt zu gewinnen. Auch innerhalb der Tierrechtsszene trat Albrecht nach unserer damaligen Bewertung eher als Außenseiter denn als Kopf einer größeren Bewegung auf. Seine Forderung nach einem Ende der Zoos war klar, doch eine entsprechend starke Unterstützerbasis ließ sich daraus offenbar nicht entwickeln.

    Auch die öffentliche Resonanz blieb überschaubar. Ältere GERATI-Recherchen dokumentierten ein geringes Wachstum der damaligen Facebook-Seite und wenig Interesse an einzelnen angekündigten Aktionen. Heute ergibt sich bei vielen seiner Veröffentlichungen ein ähnliches Bild: kaum Likes, häufig überhaupt keine Kommentare und selten größere Diskussionen. Das sind zwar keine vollständigen Reichweitenstatistiken, aber sichtbare Hinweise darauf, wie wenig öffentliche Interaktion zahlreiche Beiträge hervorrufen.

    Genau deshalb war der Hinweis auf die fehlende Markierung des Zoolotsen so naheliegend. Frank Albrecht kann nicht davon ausgehen, dass seine Veröffentlichungen automatisch beim gewünschten Adressaten landen. Und wenn schon jemand freiwillig dabei hilft, einen Beitrag gezielt bekannt zu machen, wäre ein wenig Freundlichkeit vielleicht gar keine schlechte Idee gewesen.

    Wo war Frank Albrecht bei der angeblich größten Anti-Zoo-Demo der Welt?

    Während sich Frank Albrecht mit einem sieben Monate alten Podcast beschäftigt, fand wenige Tage zuvor in Berlin eine Veranstaltung statt, die für einen überzeugten Zoogegner eigentlich ein Pflichttermin gewesen sein müsste. Am 4. Oktober 2026 versammelten sich auf dem Platz des 18. März Gegner zoologischer Einrichtungen zu einer groß angekündigten Demonstration. Im Umfeld von Robert Marc Lehmann wurde sogar von der größten Anti-Zoo-Demonstration der Welt gesprochen. Nach Angaben der Berliner Polizei kamen in der Spitze rund 2.500 Teilnehmer zusammen, obwohl ursprünglich 5.000 angemeldet worden waren.

    Doch wo war eigentlich Frank Albrecht? Der Mann, dessen Projekt die Abschaffung zoologischer Einrichtungen bereits im Namen trägt, war bei dieser Veranstaltung öffentlich nicht erkennbar vertreten. Keine dokumentierte Rede, kein hervorgehobener Auftritt und kein eigener Demonstrationsbericht, der seine Beteiligung sichtbar gemacht hätte. Gerade bei einem Aktivisten, der seit Jahren gegen Zoos auftritt, ist diese fehlende öffentliche Präsenz bemerkenswert.

    Während Robert Marc Lehmann und seine Unterstützer Menschen nach Berlin mobilisierten, blieb Albrechts Beitrag zu dieser Veranstaltung öffentlich unsichtbar. Dabei hätte eine derart angekündigte Demonstration hervorragend zu seinen eigenen Forderungen gepasst. Stattdessen meldete er sich wenige Tage später mit einem Ultimatum wegen eines alten Podcasts zurück. Ausgerechnet die Frage, wer den Zoolotsen auf Facebook richtig markieren kann, führte dann noch zu einer Auseinandersetzung.

    Welche Rolle spielt Albrecht in der heutigen Anti-Zoo-Bewegung überhaupt noch? Warum war ausgerechnet von ihm bei diesem Ereignis keine erkennbare Beteiligung zu sehen? Während andere ihre Forderungen auf die Straße trugen, fand Albrechts nächster öffentlich dokumentierter Streit auf Facebook statt. Vielleicht ist das inzwischen die bevorzugte Form seines Anti-Zoo-Aktivismus: Andere demonstrieren vor dem Brandenburger Tor, Frank Albrecht streitet darüber, wer sich in seine Facebook-Kommentare einmischen darf.

    EndZOO Deutschland e. V.: Der Verein ist längst Geschichte

    Auch die Geschichte seines früheren Vereins verdient einen Blick. EndZOO Deutschland e. V. wurde am 15. Juni 2020 als aufgelöst eingetragen. Nach abgeschlossener Liquidation erfolgte am 17. November 2021 die endgültige Löschung aus dem Vereinsregister. Frank Albrecht war dabei als Liquidator eingetragen. Der frühere Verein existiert somit nicht mehr, während Albrecht unter dem Namen Projekt Endzoo weiterhin öffentlich auf Facebook auftritt.

    Das Bild des Alleinunterhalters begleitete ihn bereits während der Vereinszeit. Zwar gab es formal weitere Mitglieder und Funktionsträger, doch in der öffentlichen Kommunikation war überwiegend Albrecht präsent. Schon frühere GERATI-Recherchen beschrieben die geringe Mobilisierung und die Schwierigkeiten, eine größere Unterstützerbewegung aufzubauen. Auch die symbolische Beerdigung seines Projekts, über die wir 2018 berichteten, löste nach den damaligen Facebook-Angaben nur überschaubares Interesse aus.

    Weshalb die Mitgliederversammlung schließlich die Auflösung beschloss, geht aus den bekannten Registerdaten nicht hervor. Die Schwierigkeiten bei der öffentlichen Mobilisierung waren jedoch schon Jahre zuvor Gegenstand kritischer Berichte. Das Scheitern des Vereins als dauerhafte Organisationsform steht jedenfalls fest. Die Zoos bestehen weiterhin, EndZOO Deutschland e. V. dagegen nicht mehr.

    GERATI beschäftigte sich auch später mit Albrechts Auftreten, beispielsweise im Artikel „Frank Albrecht von Endzoo – der Hetzer im Schafspelz“. Der heutige Streit erinnert in seiner persönlichen Schärfe an frühere Auseinandersetzungen. Nur ist inzwischen nicht einmal der damalige eingetragene Verein geblieben, der seiner öffentlichen Tätigkeit zumindest einen organisatorischen Rahmen gab.

    Drei Stunden Diskussion gewünscht – ein paar Zeilen Widerspruch zu viel?

    Der gesamte Vorgang hat durchaus eine komische Seite. Frank Albrecht fordert die Veröffentlichung eines dreistündigen Gesprächs über unterschiedliche Positionen zur Zoohaltung. Gleichzeitig verliert er auf seiner Facebook-Seite bei einem einfachen Hinweis zur richtigen Markierung des Zoolotsen die Geduld. Eine Grundsatzdiskussion über die Zukunft der Zoos ist offenbar willkommen, während eine kurze Unterhaltung über die Bedienung von Facebook zur Zeitverschwendung erklärt wird.

    Dabei wäre die Sache wirklich einfach gewesen. Ein freundlicher Hinweis, dass bereits persönlicher Kontakt besteht, hätte gereicht. Stattdessen musste Albrecht mehrfach erklären, weshalb sich die Kommentatorin nicht einzumischen habe. Wer von anderen verlangt, sich mit seinen Argumenten auseinanderzusetzen, sollte eigentlich auch mit einer solchen Kleinigkeit umgehen können.

    Wie überzeugend Albrecht in der dreistündigen Aufnahme tatsächlich argumentiert hat, lässt sich erst nach der Veröffentlichung beurteilen. Sein öffentlicher Umgang mit Wilma Terrani ist dagegen bereits dokumentiert. Und der hinterlässt keinen besonders souveränen Eindruck. Vielleicht sollte Albrecht nicht nur die Argumente seiner politischen und fachlichen Gegner kritisch betrachten, sondern gelegentlich auch die eigene Art der Kommunikation.

    Frank Albrecht, wir warten auf deinen Podcast!

    Lieber Frank Albrecht, wir möchten dir zum Abschluss noch einmal ausdrücklich Mut machen. Wenn du den dreistündigen Podcast nach eigener Aussage selbst veröffentlichen darfst, dann mach es doch endlich! Du brauchst dafür weder ein weiteres Ultimatum noch eine Diskussion darüber, ob der Zoolotse richtig markiert wurde. Lade die Aufnahme einfach hoch und überlasse es den Zuschauern, sich selbst ein Bild von deinen Argumenten zu machen.

    GERATI würde sich freuen. Drei Stunden Anti-Zoo-Argumentation könnten eine ergiebige Grundlage für neue Faktenchecks liefern. Wir könnten deine Aussagen über Zoohaltung, Artenschutz und zoologische Einrichtungen Punkt für Punkt überprüfen. Vielleicht finden wir überzeugende Argumente, vielleicht auch reichlich Stoff für kritische Folgeartikel. Das werden wir sehen, sobald der Podcast öffentlich ist.

    Und vielleicht beantwortest du bei dieser Gelegenheit auch die Frage, wo du am 4. Oktober warst, als in Berlin die angeblich größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt stattfand. Gerade von jemandem, der seit Jahren das Ende zoologischer Einrichtungen fordert, hätte man dort schließlich eine erkennbare Beteiligung erwarten können. Stattdessen sorgt wenige Tage später ausgerechnet ein alter Podcast für einen neuen Facebook-Streit.

    Also Frank, wir warten. Nicht auf dein nächstes Facebook-Ultimatum und auch nicht auf die nächste Auseinandersetzung mit einer Kommentatorin. Wir warten auf deine drei Stunden Podcast. Und um die anschließende fachliche Auswertung kümmern wir uns gerne. Versprochen.

    Quellen

  • Philipp J. Kroiß von zoos.media: Warum seine Recherchen die Anti-Zoo-Szene beschäftigen

    Philipp J. Kroiß von zoos.media: Warum seine Recherchen die Anti-Zoo-Szene beschäftigen

    Manchmal genügt ein Blick in die eigenen Statistiken, um längst vergangene Geschichten wieder aufleben zu lassen. Anfang Oktober tauchte auf GERATI plötzlich ein Interview aus dem Jahr 2020 unter den fünf meistgelesenen Artikeln der vergangenen sieben Tage auf. Interviewpartner war Philipp J. Kroiß, damals 28 Jahre alt und bereits Chefredakteur von zoos.media. Sechs Jahre hatte das Gespräch im Archiv gelegen. Nun interessierten sich offenbar wieder mehr Menschen dafür, was der Journalist seinerzeit zu sagen hatte.

    Der Zeitpunkt ist durchaus bemerkenswert. Während Robert Marc Lehmann mit seiner Kritik an Zoos weiterhin für Diskussionen sorgt und in sozialen Netzwerken leidenschaftlich über Tierhaltung, Artenschutz und vermeintliche Missstände gestritten wird, geraten auch diejenigen verstärkt ins Blickfeld, die solche Behauptungen öffentlich hinterfragen. Philipp J. Kroiß gehört seit Jahren dazu. Seine Recherchen haben ihm Anerkennung eingebracht, aber ebenso Kritik, juristische Auseinandersetzungen und so manchen persönlichen Angriff.

    Für GERATI ist dieser Rückblick auch deshalb interessant, weil ich Philipp seit Jahren persönlich kenne und mit ihm befreundet bin. Daraus machen wir kein Geheimnis. Dass aus dieser Freundschaft in manchen Kommentarspalten inzwischen eine angebliche journalistische Fremdsteuerung konstruiert wird, gehört mittlerweile fast schon zur Folklore der Anti-Zoo-Debatte. Aber dazu später mehr.

    Zunächst lohnt sich der Blick auf den Journalisten selbst. Was ist aus dem jungen Chefredakteur geworden, der 2020 über Zoos, wissenschaftliche Recherche und die Bedeutung des Artenschutzes sprach? Welche Themen beschäftigen ihn heute? Und warum geraten ausgerechnet seine Veröffentlichungen immer wieder mit bekannten Akteuren der Tierrechtsszene aneinander?

    Philipp J. Kroiß: Vom jungen Journalisten zur markanten Stimme der Zoo-Debatte

    Als GERATI Philipp J. Kroiß im Juni 2020 interviewte, lag bereits ein ungewöhnlicher beruflicher Weg hinter ihm. Er hatte Geschichte und Musikwissenschaft studiert und hätte sich durchaus eine Laufbahn als Lehrer vorstellen können. Stattdessen zog es ihn in den Journalismus. Seine frühen Veröffentlichungen über zoologische Themen wurden vom damaligen zoos.media-Chefredakteur Michael Miersch aufgegriffen, später arbeitete Kroiß selbst für das Projekt. Als Miersch in den Beirat wechselte, übernahm er dessen Position.

    Dass jemand mit einem geisteswissenschaftlichen Studium ausgerechnet über Zoos und Artenschutz berichtet, mag zunächst ungewöhnlich erscheinen. Kroiß sah darin jedoch einen Vorteil. Er hatte gelernt, Quellen auszuwerten, historische Entwicklungen einzuordnen und Behauptungen anhand nachvollziehbarer Belege zu überprüfen. Ein journalistischer Zugang, der nicht davon abhängt, selbst Zoologe oder Tiermediziner zu sein, sondern davon, die richtigen Fragen zu stellen und fachliche Antworten richtig einzuordnen.

    Im damaligen Interview brachte er diesen Anspruch auf den Punkt:

    „Das wissenschaftliche Arbeiten ist die beste Schule für den Journalismus.“

    Ein Satz, der wenig spektakulär klingt und dennoch erstaunlich gut zu den heutigen Auseinandersetzungen passt. Gerade wenn in sozialen Netzwerken dramatische Geschichten über angebliches Tierleid kursieren, besteht die eigentliche Arbeit häufig darin, die ursprünglichen Quellen aufzuspüren. Wer hat etwas behauptet? Was ist tatsächlich passiert? Welche Belege existieren? Und was wurde möglicherweise weggelassen?

    Bereits 2020 war zoos.media mehr als ein einzelner Blog. Kroiß berichtete über redaktionelle Zusammenarbeit, wissenschaftliche Beratung, internationale Veröffentlichungen und den Ausbau der sozialen Netzwerke. Hinzu kamen regelmäßige Besuche in Zoos und Videoproduktionen vor Ort. Die direkte Begegnung mit Tierpflegern, Wissenschaftlern und zoologischen Einrichtungen gehörte von Anfang an zum journalistischen Selbstverständnis.

    Heute reicht das Themenspektrum deutlich weiter. Neben klassischen Fragen zur Tierhaltung und Erhaltungszucht beschäftigt sich Kroiß mit politischen Kampagnen, den Strukturen von Tierrechtsorganisationen, juristischen Streitigkeiten und den öffentlichen Auftritten großer Influencer. Er untersucht also nicht nur, was in Zoos geschieht, sondern zunehmend auch, was andere über Zoos erzählen. Und genau dort wird es gelegentlich ungemütlich.

    Was aus den Überzeugungen von 2020 geworden ist

    Eine der stärksten Aussagen unseres damaligen Interviews betraf die Zukunft moderner zoologischer Einrichtungen. Kroiß erklärte, dass Zoos und Aquarien für den Erhalt zahlreicher bedrohter Tierarten unverzichtbar seien. Er verwies auf Schwarzfußiltisse, Przewalskipferde und Kalifornische Kondore. Alles Arten, bei denen koordinierte Zuchtprogramme und weitere Schutzmaßnahmen entscheidende Beiträge zum Überleben geleistet haben.

    Seine damalige Formulierung war eindeutig:

    „Wenn es jetzt nicht schon Zoos und Aquarien geben würde, müsste man sie schleunigst erfinden“

    Dahinter steht eine Überzeugung, die sich wie ein roter Faden durch seine späteren Veröffentlichungen zieht. Artenschutz ist eben nicht damit erledigt, dass man fordert, Tiere sollten möglichst unbehelligt in der Natur leben. Für zahlreiche bedrohte Arten existiert diese vermeintlich unberührte Natur längst nicht mehr in ausreichendem Umfang. Lebensräume verschwinden, Populationen werden voneinander getrennt, Wilderei und illegaler Handel setzen den Beständen zu.

    Kroiß beschäftigte sich bereits damals mit dem sogenannten One Plan Approach. Dahinter steht die Verbindung von Schutzmaßnahmen innerhalb des natürlichen Lebensraums mit solchen außerhalb davon. Eine Erhaltungszuchtpopulation kann dabei genauso eine Rolle spielen wie die Wiederherstellung von Lebensräumen, wissenschaftliche Forschung oder eine spätere Auswilderung. Entscheidend ist, wie die einzelnen Maßnahmen zusammenwirken.

    Natürlich macht das nicht automatisch jede zoologische Einrichtung zu einem erfolgreichen Artenschutzzentrum. Es wäre aber ebenso falsch, die Leistungen internationaler Erhaltungsprogramme einfach auszublenden. Wer grundsätzlich gegen Zoos argumentiert, kommt an der Frage nicht vorbei, was mit den entsprechenden Tierpopulationen, Fachkenntnissen und Schutzprojekten geschehen soll, wenn die beteiligten Einrichtungen verschwinden.

    Gerade diese praktische Frage fehlt in manchen Anti-Zoo-Debatten. Forderungen sind schnell formuliert. Der jahrzehntelange Aufbau genetisch tragfähiger Populationen, die Finanzierung von Schutzprojekten und die veterinärmedizinische Betreuung bedrohter Arten sind erheblich weniger spektakulär. Sie lassen sich auch nicht mit einem emotionalen Kurzvideo ersetzen.

    An Philipps grundsätzlicher Position hat sich nach seinen Veröffentlichungen wenig geändert. Neu ist vor allem die Bandbreite der Fälle, anhand derer er sie begründet und gegen pauschale Angriffe verteidigt.

    Wissenschaft statt Schlagzeilen: Wie zoos.media recherchiert

    Wer die Veröffentlichungen von zoos.media regelmäßig verfolgt, begegnet einem wiederkehrenden Muster: Eine öffentliche Behauptung wird aufgegriffen, ihre Herkunft untersucht und mit weiteren Informationen abgeglichen. Nicht jeder Text ist deshalb automatisch unangreifbar. Aber die Auseinandersetzung findet häufig dort statt, wo sie journalistisch hingehört: bei Dokumenten, Quellen und konkreten Fragen.

    Ein interessantes Beispiel lieferte Kroiß im Juli 2026 mit seiner Recherche über den europäischen Zooverband EAZA und die Organisation Stichting AAP. Auf einer Vermittlungsliste von AAP waren Schimpansen und Berberaffen als Arten aufgeführt, die zu europäischen Erhaltungszuchtprogrammen gehören. Das veranlasste zoos.media, bei der EAZA nachzufragen, in welcher Beziehung die Organisation zu diesen Programmen steht.

    Kroiß richtete nach eigener Darstellung acht Fragen an den Verband. Dabei ging es unter anderem um die tatsächliche Beteiligung von AAP, deren Status innerhalb der Erhaltungszuchtprogramme und die Zusammenarbeit mit zoologischen Einrichtungen. Die Antwort der EAZA führte nicht zur vollständigen Klärung aller von ihm aufgeworfenen Fragen. Im Gegenteil: Für Kroiß ergaben sich daraus weitere Widersprüche, die er öffentlich thematisierte.

    An dieser Recherche ist ein Detail besonders interessant. Der kritisierte Akteur war nicht ausschließlich eine Tierrechtsorganisation, sondern auch ein bedeutender europäischer Zooverband. Kroiß stellte also durchaus Fragen an eine Institution aus jenem Bereich, dessen Arbeit er regelmäßig verteidigt.

    Das passt schlecht zu der Vorstellung, zoos.media würde grundsätzlich alles abnicken, was aus der zoologischen Welt kommt. Es zeigt jedenfalls, dass auch etablierte Verbände mit kritischen Nachfragen rechnen müssen. Ob jede daraus entwickelte Bewertung überzeugt, lässt sich wiederum anhand der veröffentlichten Antworten beurteilen.

    Für den Journalismus ist genau diese Arbeitsweise wichtig. Ein Verband kann eine Aussage treffen. Ein Aktivist kann ihr widersprechen. Ein Influencer kann daraus eine Geschichte machen. Die journalistische Aufgabe besteht darin, die tatsächlichen Zusammenhänge sichtbar zu machen, statt sich auf die Darstellung einer einzelnen Seite zu verlassen.

    Philipp J. Kroiß und Robert Marc Lehmann: Wenn die Inszenierung auf Akten und Behördenauskünfte trifft

    Robert Marc Lehmann besitzt eine beachtliche Reichweite. Seine Videos, öffentlichen Auftritte und Kampagnen haben ihn zu einem der bekanntesten Gesichter der deutschsprachigen Tier- und Naturschutzszene gemacht. Damit gehen allerdings auch Fragen nach dem Umgang mit Tatsachen einher. Gerade wer öffentlich Vorwürfe gegen zoologische Einrichtungen, Behörden oder andere Personen erhebt, muss sich gefallen lassen, dass seine eigenen Aussagen überprüft werden.

    Philipp J. Kroiß macht genau das seit Längerem. Besonders anschaulich wurde die Auseinandersetzung im April 2026 beim gestrandeten Buckelwal in der Ostsee. Lehmann hatte sich öffentlich zur möglichen Rettung des Tieres geäußert und seine Vorstellungen zu einem Einsatz beschrieben. In der anschließenden Diskussion entstand der Eindruck, eine Rettungsinitiative sei an den zuständigen staatlichen Stellen gescheitert.

    Kroiß wollte wissen, was tatsächlich vorgelegen hatte, und fragte beim zuständigen Ministerium in Mecklenburg-Vorpommern nach. Die Antwort, die zoos.media am 9. April veröffentlichte, war eindeutig: Nach Angaben des Ministeriums hatte Lehmann seinen Plan telefonisch vorgetragen. Ein belastbares Konzept sei trotz mehrfacher Bitte nicht eingereicht worden. Außerdem erklärte das Ministerium, Lehmann sei nicht grundsätzlich von Einsätzen ausgeschlossen worden.

    Das verändert die Ausgangslage erheblich. Zwischen dem öffentlichen Wunsch, einen Wal zu retten, und einem ausreichend ausgearbeiteten Konzept für einen genehmigungspflichtigen Eingriff liegt ein beträchtlicher Unterschied. Behörden müssen prüfen können, was geplant ist, welche Risiken bestehen und ob die Maßnahme dem Tier tatsächlich helfen kann. Begeisterung und Entschlossenheit ersetzen diese Voraussetzungen nicht.

    Der Fall zeigt, welchen Unterschied eine einzige gezielte Recherche machen kann. Während öffentlich über mögliche Verhinderer einer Rettungsaktion diskutiert wurde, stand nach der veröffentlichten Behördenauskunft zunächst eine andere Frage im Raum: Wo war das belastbare Konzept?

    Auch bei der Diskussion über öffentliche Gesprächsangebote zwischen Lehmann und Vertretern zoologischer Einrichtungen beschäftigte sich Kroiß mit der Differenz zwischen Darstellung und dokumentiertem Ablauf. Wer öffentlich mangelnde Gesprächsbereitschaft beklagt, muss sich schließlich fragen lassen, wie er selbst mit konkreten Einladungen und angebotenen Gesprächsformaten umgeht.

    Hinzu kamen Streitigkeiten um die Verwendung von Videomaterial, Urheberrechtsbeschwerden und die öffentliche Darstellung angeblicher Versuche, Lehmann zum Schweigen zu bringen. Auch hierzu veröffentlichte zoos.media eigene Recherchen. Eine Beschwerde wegen der Verwendung geschützten Materials ist allerdings nicht bereits deshalb ein Beleg für einen systematischen Versuch, Kritik zu unterdrücken. Die entscheidenden Fragen betreffen den konkreten Inhalt, seine Verwendung und die rechtlichen Grundlagen der jeweiligen Maßnahme.

    Im Oktober rückte schließlich die Anti-Zoo-Demonstration in Berlin in den Mittelpunkt. Während Unterstützer die Veranstaltung als starkes Signal gegen Zoos feierten, beschäftigte sich Kroiß unter anderem mit den polizeilichen Angaben zur Teilnehmerzahl. Nach der von zoos.media veröffentlichten Auskunft der Berliner Polizei waren 5.000 Menschen angemeldet, während in der Spitze rund 2.500 Teilnehmer geschätzt wurden.

    Das sagt nicht alles über die Bedeutung einer Demonstration aus. Es zeigt aber, wie wichtig die Unterscheidung zwischen angemeldeten, erwarteten und tatsächlich geschätzten Teilnehmerzahlen ist. Wer mit großen Zahlen öffentliche Wirkung erzeugen möchte, muss sich an den tatsächlichen Angaben messen lassen.

    Gerade solche Vorgänge erklären, weshalb Kroiß bei Teilen der Lehmann-Community auf Widerspruch stößt. Seine Recherchen stellen nicht nur einzelne Behauptungen infrage. Sie greifen auch die Erzählungen auf, die sich rund um diese Behauptungen entwickeln. Und das ist für ein Publikum, das seinem bevorzugten Influencer weitgehend vertraut, möglicherweise unangenehmer als jede gewöhnliche Meinungsverschiedenheit.

    Wenn Influencer Geschichten erzählen und Journalisten nachfragen

    Es ist vergleichsweise einfach, eine dramatische Geschichte über ein Tier zu erzählen. Ein eindrucksvolles Bild, eine emotionale Beschreibung und ein vermeintlich eindeutiger Schuldiger genügen häufig, um Tausende Menschen zu erreichen. Komplizierter wird es, wenn jemand wissen möchte, was vor dem gefilmten Moment geschah, welche fachlichen Informationen vorliegen und ob die gezeigten Bilder tatsächlich die behauptete Schlussfolgerung erlauben.

    Gerade im Tier- und Artenschutz führt das regelmäßig zu Konflikten. Das Schicksal eines einzelnen Tieres kann emotional berühren, sagt aber nicht automatisch alles über eine Haltungseinrichtung, eine Artenschutzmaßnahme oder die Ursachen einer Erkrankung aus. Wer aus einem Einzelfall eine grundsätzliche Anklage entwickelt, muss den Zusammenhang belegen. Andernfalls bleibt eine emotional wirksame Geschichte, deren tatsächliche Aussagekraft begrenzt ist.

    Das Problem beginnt dort, wo Reichweite zur vermeintlichen Autorität wird. Hunderttausende Follower können den Eindruck vermitteln, eine Darstellung sei besonders glaubwürdig. Tatsächlich sagt die Zahl der Abonnenten zunächst nur etwas über die Größe des Publikums aus. Ein Behördenbescheid wird nicht falsch, weil er einer populären Erzählung widerspricht. Und eine wissenschaftliche Untersuchung wird nicht richtiger, weil sie besonders häufig geteilt wurde.

    Auch journalistische Medien können zuspitzen. GERATI macht daraus ebenso wenig ein Geheimnis wie zoos.media. Entscheidend ist, ob die Zuspitzung aus einem überprüfbaren Sachverhalt entsteht oder ob sie eine Geschichte dramatischer erscheinen lässt, als die Quellen erlauben.

    Der Fall des Buckelwals ist dafür ein gutes Beispiel. Die Frage, ob jemand helfen wollte, ist etwas anderes als die Frage, ob ein genehmigungsfähiger Rettungsplan existierte. Wer beide Punkte miteinander vermischt, erzählt möglicherweise eine überzeugende Geschichte, beantwortet aber nicht die entscheidende Sachfrage.

    Genau diese Unterscheidung kann journalistische Recherche leisten. Sie muss dafür nicht emotionslos sein. Sie darf auch scharf formulieren und Widersprüche deutlich benennen. Nur sollte sich die Kritik auf das beziehen, was tatsächlich gesagt, getan oder dokumentiert wurde.

    Das Publikum darf schließlich mehr erwarten als eine Auswahl jener Informationen, die am besten zur eigenen Überzeugung passen. Auch wenn das gelegentlich bedeutet, dass eine spektakuläre Geschichte nach der Recherche deutlich weniger spektakulär aussieht.

    Von PETA bis zur Anti-Zoo-Demonstration: Kroiß und die Tierrechtsorganisationen

    Die Auseinandersetzung mit Tierrechtsorganisationen begleitet Philipp J. Kroiß schon seit den Anfängen seiner Arbeit bei zoos.media. Im GERATI-Interview von 2020 sprach er ausführlich über PETA, das Wal- und Delfinschutz-Forum und die Schwierigkeiten eines Dialogs mit Akteuren, die bestimmte Formen der Tierhaltung grundsätzlich ablehnen.

    Damals formulierte er einen Satz, der auch heute noch seine Haltung widerspiegelt:

    „Ein Dialog mit Leuten, die aber jede Form der Tierhaltung ohnehin beenden wollen, ist Zeitverschwendung“

    Kroiß ging es dabei um einen Unterschied, der in öffentlichen Diskussionen häufig untergeht: Es ist nicht dasselbe, konkrete Haltungsbedingungen zu kritisieren oder die Haltung von Tieren grundsätzlich abzulehnen. Wer Verbesserungen erreichen möchte, kann über Platzangebot, Beschäftigung, veterinärmedizinische Versorgung und die Bedürfnisse einzelner Tierarten diskutieren. Wer die Abschaffung der Haltung als unverrückbares Ziel betrachtet, verfolgt hingegen einen anderen politischen und weltanschaulichen Ansatz.

    Die Grenze zwischen diesen Positionen wird in Kampagnen nicht immer deutlich. Organisationen können mit Einzelfällen schlechter Haltung werben und daraus weiterreichende Forderungen ableiten. Deshalb lohnt es sich, nicht allein die veröffentlichten Bilder zu betrachten, sondern auch die langfristigen Ziele und politischen Aktivitäten der jeweiligen Organisation.

    Kroiß hat diesen Bereich seiner Berichterstattung über die Jahre ausgebaut. Neben PETA gehören inzwischen auch Vier Pfoten, Stichting AAP, QUEN und weitere Organisationen zu den Akteuren, deren Veröffentlichungen, Verbindungen und Forderungen zoos.media untersucht. Dabei interessiert ihn besonders, welche Auswirkungen deren Aktivitäten auf Zoos, Erhaltungszuchtprogramme und die Haltung von Wildtieren haben.

    Die Recherche zur EAZA und Stichting AAP zeigt beispielhaft, dass solche Fragen nicht an der Grenze zwischen Zoos und Tierrechtsorganisationen enden. Auch die Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen und Organisationen mit unterschiedlichen Zielsetzungen kann Gegenstand einer kritischen Untersuchung sein. Dabei geht es um institutionelle Beziehungen, tatsächliche Verantwortlichkeiten und die Folgen für bestehende Programme.

    GERATI setzt an einer teilweise anderen Stelle an. Hier beschäftigen wir uns besonders mit der Radikalisierung des Tierschutzes in Form tierrechtlicher Forderungen, mit der politischen Wirkung entsprechender Kampagnen und mit dem Verhalten einzelner Akteure in der öffentlichen Debatte. zoos.media betrachtet häufig stärker die zoologischen und artenschutzfachlichen Konsequenzen. Die Themen überschneiden sich, weil die politischen Forderungen der einen Seite unmittelbare Auswirkungen auf die Einrichtungen haben können, mit denen sich die andere beschäftigt.

    Aus solchen Überschneidungen folgt allerdings weder eine gemeinsame Redaktion noch eine identische Berichterstattung. Sie ergeben sich schlicht daraus, dass sich beide Medien mit unterschiedlichen Seiten desselben gesellschaftlichen Konflikts befassen.

    Und dieser Konflikt wird sich nicht durch die Frage lösen lassen, welcher Influencer die meisten Menschen zu einer Demonstration mobilisiert. Es geht um die Zukunft der Tierhaltung, um wissenschaftliche Erkenntnisse, um die Arbeit von Erhaltungsprogrammen und um politische Entscheidungen mit konkreten Folgen. Dafür braucht es mehr als eingängige Parolen.

    Wenn Kritik vor Gericht landet: Der Rechtsstreit zwischen zoos.media und QUEN

    Nicht jede Auseinandersetzung bleibt auf der Ebene öffentlicher Stellungnahmen oder sozialer Netzwerke. Dass eine kritische Veröffentlichung auch juristische Folgen haben kann, zeigt der Rechtsstreit zwischen zoos.media und der Organisation QUEN. Ausgangspunkt war ein Beitrag aus dem November 2024 über das Ende der geplanten Tierschutzgesetz-Novelle und die Rolle verschiedener Organisationen im politischen Umfeld des Tierschutzes.

    QUEN ging gegen mehrere Passagen des Artikels vor. Zunächst wurde zoos.media abgemahnt, anschließend beschäftigten sich Gerichte mit den beanstandeten Äußerungen. Der Streit führte schließlich bis zum Oberlandesgericht Frankfurt am Main.

    Am 2. Oktober 2026 berichtete Philipp J. Kroiß ausführlich über den Ausgang des Verfahrens. Nach seiner Darstellung blieb QUEN mit dem überwiegenden Teil der angegriffenen Aussagen erfolglos. Insbesondere die scharfe Kritik an der Organisation und die Einordnung bestimmter politischer und fachlicher Vorgänge konnten weitgehend bestehen bleiben.

    Lediglich bei zwei Formulierungen, die nach Auffassung des Gerichts beim durchschnittlichen Leser den Eindruck erwecken konnten, QUEN wolle jede Form der Tierhaltung abschaffen, erhielt die Organisation Recht. Zugleich berichtete zoos.media, dass QUEN die gesamten Prozesskosten beider Instanzen auferlegt wurden. Die Revision wurde nicht zugelassen.

    Besonders interessant ist ein weiterer Punkt. Nach der Darstellung von Kroiß durfte auch die Aussage bestehen bleiben, QUEN habe „sehr wenig mit Evidenz zu tun“. Das Oberlandesgericht bewertete diese Formulierung als zulässige Meinungsäußerung. Der Streit betraf somit nicht bloß einzelne scharfe Worte, sondern auch die Frage, wie deutlich Journalisten Organisationen kritisieren dürfen, die selbst Einfluss auf die öffentliche und politische Diskussion nehmen möchten.

    Der Verfahrensausgang zeigt, dass eine Organisation kritische Berichterstattung nicht allein durch eine Abmahnung oder Klage vollständig unterbinden kann. Gleichzeitig macht er deutlich, wie genau Journalisten einzelne politische Forderungen ihren tatsächlichen Urhebern zuordnen müssen. Gerade wenn unterschiedliche Organisationen im selben Themenfeld auftreten, darf aus deren inhaltlicher Nähe keine falsche Zuschreibung entstehen.

    Für Kroiß dürfte das Verfahren auch persönlich von Bedeutung gewesen sein. Seine Redaktion hatte sich gegen weitreichende Beanstandungen gewehrt und konnte nach eigener Darstellung einen wesentlichen Teil der angegriffenen Berichterstattung verteidigen. Dass er dem Ausgang einen ausführlichen Artikel widmete, ist daher nachvollziehbar.

    Es ist zugleich ein Beispiel dafür, dass die Auseinandersetzung um Tierhaltung und Tierrecht längst nicht mehr allein mit Protestaktionen und emotionalen Kampagnen geführt wird. Auch die Grenzen journalistischer Kritik stehen dabei zur Diskussion. Und diese Grenzen werden glücklicherweise nicht in Kommentarspalten festgelegt.

    Der Mensch hinter zoos.media: Was Philipp J. Kroiß antreibt

    Wer Philipp J. Kroiß nur aus seinen kritischen Veröffentlichungen kennt, bekommt zwangsläufig ein unvollständiges Bild. Er ist nicht allein der Journalist, der sich mit PETA, Robert Marc Lehmann oder verschiedenen Tierrechtsorganisationen anlegt. Hinter seiner Arbeit steht auch eine persönliche Begeisterung für Tiere, zoologische Einrichtungen und die Menschen, die dort arbeiten.

    Im Interview von 2020 erzählte er von Besuchen hinter den Kulissen verschiedener Zoos, von Dreharbeiten und von Begegnungen mit Tierpflegern. Besonders in Erinnerung geblieben waren ihm die Entwicklung junger Delfine und die Betreuung des Gorillas Hujan im Zoo Krefeld. Kroiß beschrieb, wie beeindruckend es sein könne, Tiere über längere Zeit zu begleiten und unmittelbar mitzuerleben, welche Arbeit ihre Pfleger in deren Entwicklung investieren.

    Solche Erlebnisse prägen eine journalistische Perspektive. Wer die tägliche Arbeit in zoologischen Einrichtungen kennt, nimmt möglicherweise andere Dinge wahr als jemand, der einen Zoo ausschließlich anhand einzelner Aufnahmen in sozialen Netzwerken beurteilt. Die Begegnung mit Fachleuten und die Beobachtung langfristiger Entwicklungen liefern Informationen, die sich von außen nicht immer erschließen.

    Kroiß sprach damals auch offen über seine besondere Wertschätzung für den Loro Parque auf Teneriffa. Zugleich erläuterte er die frühere Unterstützung, die zoos.media durch die Einrichtung erhalten hatte, und die Probleme, die durch eine missverständliche Darstellung dieser Beziehung entstanden waren. Gerade für einen Journalisten, der sich auf ein bestimmtes Fachgebiet spezialisiert, ist ein transparenter Umgang mit solchen Kontakten wichtig.

    Die Nähe zu zoologischen Einrichtungen erklärt einen Teil seiner Perspektive. Sie bedeutet allerdings nicht, dass daraus automatisch eine unkritische Haltung entstehen muss. Seine späteren Veröffentlichungen über die EAZA zeigen jedenfalls, dass auch Institutionen aus dem eigenen fachlichen Umfeld zum Gegenstand kritischer Recherchen werden können.

    Bemerkenswert ist zudem sein Umgang mit öffentlichem Widerspruch. Bereits 2020 erklärte Kroiß, persönliche Angriffe würden ihn nicht grundsätzlich frustrieren. Er betrachtete solche Reaktionen als möglichen Bestandteil journalistischer Arbeit, gerade wenn kontroverse Themen behandelt werden.

    Seine Veröffentlichungen zeigen bis heute einen Autor, der deutliche Formulierungen nicht scheut. Gelegentlich wird es polemisch, an anderen Stellen ausgesprochen sarkastisch. Man muss diesen Stil nicht mögen. Aber ein scharfer Ton entbindet weder den Autor von seiner Verantwortung noch seine Kritiker von der Pflicht, sich mit seinen tatsächlichen Aussagen auseinanderzusetzen.

    Wer also verstehen möchte, warum Kroiß bestimmte Konflikte mit solcher Beharrlichkeit verfolgt, sollte auch seine ursprüngliche Motivation kennen. Es geht ihm erkennbar nicht nur um die Widerlegung einzelner Influencer-Aussagen, sondern um die grundsätzliche Rolle moderner Zoos und die Menschen, die dort arbeiten.

    GERATI und zoos.media: Eine Freundschaft, zwei Redaktionen und die Sache mit der Marionette

    Kommen wir zu einer Debatte, die gelegentlich fast unterhaltsamer wirkt als die eigentlichen Artikel, um die gestritten wird. Immer wieder wird GERATI in sozialen Netzwerken vorgeworfen, lediglich ein verlängerter Arm von zoos.media zu sein. Silvio Harnos sei die Marionette von Philipp J. Kroiß, heißt es dann. Andere gehen noch weiter und vermuten hinter jeder kritischen Veröffentlichung über Robert Marc Lehmann eine Art gemeinsame redaktionelle Steuerung.

    Zunächst zu den tatsächlichen Verhältnissen: Philipp und ich kennen uns seit Jahren und sind befreundet. Wir beschäftigen uns beide journalistisch mit Tierhaltung, Tierschutz und Tierrecht, allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Wir lesen gegenseitig Veröffentlichungen und greifen gelegentlich Recherchen des anderen auf. Das ist keine geheime Absprache, sondern im jeweiligen Artikel häufig direkt nachvollziehbar.

    zoos.media konzentriert sich stärker auf zoologische Einrichtungen, Artenschutz, Erhaltungszucht, Tierwohl und fachliche Fragen der Wildtierhaltung. GERATI beschäftigt sich verstärkt mit Tierrechtsorganisationen, ihren Kampagnen, ihren gesellschaftlichen und politischen Forderungen und den Auswirkungen eines zunehmend konfrontativen Aktivismus. Natürlich überschneiden sich diese Arbeitsgebiete. Wer gegen Zoos kämpft, wird zwangsläufig sowohl für ein zoologisches Fachmedium als auch für ein Medium interessant, das Tierrechtsaktivismus kritisch betrachtet.

    Ein konkretes Beispiel für die gegenseitige journalistische Bezugnahme lieferte die GERATI-Recherche über Veränderungen im öffentlich sichtbaren Videobestand von Robert Marc Lehmanns YouTube-Kanal. Philipp griff diese Arbeit später in einer eigenen Veröffentlichung auf und ordnete sie in seine Auseinandersetzung mit den Vorwürfen über angebliche Cancel-Versuche ein. GERATI beschäftigte sich wiederum mit seiner Berichterstattung und den daraus abgeleiteten Fragen. Wer welche Informationen recherchiert und veröffentlicht hatte, war dabei erkennbar.

    Wie daraus eine Marionettenbeziehung entstehen soll, erschließt sich nicht ohne Weiteres. Offenbar genügt es manchen Kommentatoren inzwischen, wenn zwei Journalisten dieselben Quellen lesen und gelegentlich zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommen. Schon wird aus einer Freundschaft eine vermeintliche Redaktionsleitung und aus journalistischer Übereinstimmung eine Fremdsteuerung. Es fehlt eigentlich nur noch jemand, der die unsichtbaren Fäden fotografiert.

    Besonders anschaulich wurde das in einer Facebook-Diskussion unter einem GERATI-Beitrag. Eine Kommentatorin bezeichnete Silvio Harnos als „Marionette von Philipp“ und behauptete zugleich, rund 80 Prozent seiner unabhängigen Berichterstattung würden sich mit Robert Marc Lehmann beschäftigen. Im weiteren Verlauf wurde die Behauptung über eine angebliche Steuerung durch Kroiß allerdings relativiert: Eine tatsächliche redaktionelle Kontrolle habe die Kommentatorin damit nicht behaupten wollen.

    Das ist eine interessante Wendung. Zunächst steht der Vorwurf einer Marionettenrolle im Raum, anschließend wird die eigentliche Steuerung ausdrücklich bestritten. Was bleibt, ist eine persönliche Bewertung der journalistischen Schwerpunktsetzung, verbunden mit einer Prozentzahl, für die ein nachvollziehbarer Berechnungsmaßstab fehlt.

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    Screenshot Facebook: GERATI

    Natürlich kann jeder die Themenauswahl eines journalistischen Mediums kritisieren. Wer allerdings behauptet, 80 Prozent der Veröffentlichungen würden sich ausschließlich mit einer bestimmten Person beschäftigen, sollte erklären können, wie diese Zahl zustande kommt. Noch weniger sagt eine solche Angabe darüber aus, wer die Artikel recherchiert und schreibt. Selbst eine häufige Berichterstattung über denselben Influencer macht einen Journalisten nicht automatisch zum Mitarbeiter eines anderen.

    In diesem Zusammenhang fällt auch die öffentliche Auseinandersetzung mit Rechtsanwalt Alexander Boos auf. GERATI hat sich wiederholt mit Aussagen und Reaktionen von Boos im Umfeld der Kritik an Robert Marc Lehmann beschäftigt. Dabei entstanden neben journalistischen Beiträgen auch persönliche Stellungnahmen und satirische Veröffentlichungen.

    Auf dem YouTube-Kanal GERATI TV haben wir die betreffenden Kontroversen beispielsweise im Video „Robert Marc Lehmann: Kritik = Hass? Ich reagiere auf seine Vorwürfe“ aufgegriffen. Dort werden unter anderem die Auseinandersetzungen um öffentliche Kritik, Videomaterial und die Rolle von zoos.media behandelt.

    In einem weiteren GERATI-TV-Beitrag richtet sich Silvio Harnos nach seiner eigenen Darstellung unmittelbar an Alexander Boos und erläutert seine Sicht auf die Sachverhalte rund um Robert Marc Lehmann. Solche Veröffentlichungen machen zumindest eines deutlich: GERATI vertritt seine Positionen nicht ausschließlich in schriftlichen Artikeln, sondern auch persönlich und öffentlich.

    Dass diese Auseinandersetzung zeitweise sogar musikalisch verarbeitet wurde, gehört ebenfalls zur Geschichte. GERATI hat verschiedene Kontroversen und öffentliche Reaktionen in satirischen Songs aufgegriffen, darunter Beiträge wie „Eine Minute“. Das ist eine andere Ausdrucksform als die journalistische Recherche. Sie darf zuspitzen, überzeichnen und mit den Widersprüchen einer Debatte spielen. Beides sollte man nicht miteinander verwechseln.

    Die redaktionelle Unabhängigkeit von GERATI lässt sich letztlich weder durch einen Song beweisen noch durch einen persönlichen Angriff widerlegen. Entscheidend sind die tatsächlichen Veröffentlichungen, ihre Urheberschaft und ihre Quellen. Wer eine konkrete Recherche kritisieren möchte, hat dazu jederzeit die Möglichkeit. Dafür muss weder Philipp als vermeintlicher Hintermann herhalten, noch braucht es eine abenteuerliche Konstruktion über angebliche Strippenzieher.

    Dass sich GERATI und zoos.media gegenseitig ernst nehmen, ist kein Geheimnis. Dass sie deshalb dasselbe Medium wären, folgt daraus nicht. Wer einen Fehler in einem GERATI-Artikel findet, sollte ihn GERATI vorhalten. Wer eine Veröffentlichung von zoos.media für falsch hält, sollte sich mit Philipp Kroiß und seinen Quellen auseinandersetzen.

    Eigentlich kein besonders kompliziertes Prinzip. In manchen Kommentarspalten scheint es dennoch erklärungsbedürftig.

    Die Zukunft von Philipp J. Kroiß und zoos.media

    Zum Ende unseres Interviews im Jahr 2020 fragte GERATI Philipp J. Kroiß nach seinen beruflichen Zukunftsplänen. Seine Antwort war wenig überraschend. Er wollte das Projekt weiterentwickeln, gemeinsam mit seinem Team arbeiten und noch mehr Menschen erreichen.

    „zoos.media soll natürlich immer größer werden.“

    Damals war das vor allem ein berufliches Ziel. Heute lässt sich feststellen, dass zoos.media weiterhin regelmäßig journalistische Beiträge zu zoologischen Einrichtungen, Artenschutz, wissenschaftlichen Fragen und öffentlichen Kontroversen veröffentlicht. Auch das Spektrum der behandelten Themen hat sich erkennbar erweitert.

    Besonders auffällig ist, wie stark neben klassischen Zoo-Themen inzwischen die öffentliche Kommunikation von Aktivisten, Verbänden und Influencern in den Mittelpunkt gerückt ist. Das ist kein Zufall. Wer die gesellschaftliche Wahrnehmung zoologischer Einrichtungen beeinflusst, wird für ein spezialisiertes Medium zwangsläufig selbst zum Gegenstand der Berichterstattung.

    Dabei darf die eigentliche fachliche Arbeit nicht in den Hintergrund geraten. Artenschutzprogramme, Erhaltungszucht, die Entwicklung moderner Tierhaltung und wissenschaftliche Erkenntnisse bleiben auch dann relevant, wenn gerade kein bekannter Influencer für Schlagzeilen sorgt. Die öffentliche Debatte über Zoos ist schließlich größer als Robert Marc Lehmann, PETA oder eine Demonstration in Berlin.

    Für Kroiß bietet sich gerade darin eine langfristige journalistische Aufgabe. Die Bedeutung zoologischer Einrichtungen wird auch künftig kritisch diskutiert werden. Neue Erkenntnisse über Tierwohl, veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen und politische Forderungen zur Tierhaltung werden weitere Fragen aufwerfen. Wer diese Entwicklungen fachlich begleiten möchte, benötigt Erfahrung, gute Quellen und die Bereitschaft, auch unbequeme Informationen zu veröffentlichen.

    Das Interview von 2020 zeigt, dass viele seiner heutigen Überzeugungen bereits damals vorhanden waren. Verändert haben sich vor allem die Themenvielfalt, die öffentliche Aufmerksamkeit und die Konflikte, in denen seine Recherchen eine Rolle spielen. Aus dem jungen Chefredakteur ist ein Journalist geworden, dessen Arbeit weit über die Vorstellung einzelner Zoos hinausreicht.

    Dass diese Veröffentlichungen nicht überall auf Begeisterung stoßen, überrascht kaum. Gerade dort, wo öffentliche Kampagnen von starken Emotionen leben, können nüchterne Nachfragen unangenehm werden. Deshalb bleibt es wichtig, den Unterschied zwischen einer überprüfbaren Recherche und dem persönlichen Angriff auf ihren Urheber nicht aus den Augen zu verlieren.

    Und damit sind wir wieder beim Anlass dieses Artikels. Ein altes GERATI-Interview taucht plötzlich erneut unter den meistgelesenen Beiträgen auf. Menschen interessieren sich wieder für Philipp J. Kroiß, seine Arbeit und seine früheren Aussagen. Wer das ursprüngliche Gespräch heute liest, entdeckt einen Journalisten, der sich bereits damals zu vielen Fragen eindeutig positionierte und dessen Themen sechs Jahre später weiterhin Gegenstand öffentlicher Kontroversen sind.

    Ob Leser seine Positionen teilen oder nicht, ist ihre eigene Entscheidung. Wer sich ernsthaft damit beschäftigen möchte, findet genügend Veröffentlichungen, Quellen und konkrete Streitfragen. Für eine sachliche Auseinandersetzung ist also reichlich Material vorhanden.

    Man müsste es nur lesen, statt sich ausschließlich mit der Frage zu beschäftigen, wer angeblich wessen Marionette ist.

    Quellen

  • Nach IT-Gutachten zum Handy von Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke: Robert Marc Lehmann sieht sich rehabilitiert – doch was ist mit seiner Vita?

    Nach IT-Gutachten zum Handy von Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke: Robert Marc Lehmann sieht sich rehabilitiert – doch was ist mit seiner Vita?

    Robert Marc Lehmann sieht sich bestätigt und erhebt neue Vorwürfe

    Nach der Veröffentlichung eines IT-forensischen Gutachtens zum dienstlich genutzten Mobiltelefon des Bürgermeisters von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke, präsentiert Robert Marc Lehmann in einem knapp 24-minütigen Video seine Sicht auf die Affäre. Er berichtet von zahlreichen Journalistenanfragen, persönlicher Belastung und einer aus seiner Sicht beschädigten Reputation. Zugleich richtet er neue Verdächtigungen gegen Philipp J. Kroiß von zoos.media und stellt Fragen nach möglichen Kontakten zwischen seinem Kritiker, dem Bürgermeister und dem Politiker Till Backhaus. Seine Darstellung vermittelt dabei den Eindruck, die neuen Erkenntnisse bestätigten nicht nur seine Position in der E-Mail-Affäre, sondern stellten auch die seit Jahren gegen ihn gerichtete Kritik grundsätzlich infrage.

    Doch die Untersuchung eines Mobiltelefons beantwortet keine einzige Frage zum früheren Lebenslauf Lehmanns. Sie prüft weder seine Studienbezeichnung noch seine Position im Ozeaneum Stralsund, die Darstellung seiner Fangreisen oder die Bewerbung von Auszeichnungen. Mehrere Kritikpunkte wurden bereits vor Jahren veröffentlicht; einzelne biografische Formulierungen auf seiner Website wurden später verändert. GERATI lehnt persönliche Beleidigungen und mögliche Rechtsverstöße ausdrücklich ab, hält aber ebenso daran fest, dass sachliche Kritik an überprüfbaren Aussagen legitim bleibt. Beides muss getrennt werden, auch wenn Lehmann die verschiedenen Vorgänge in seinem Video miteinander verknüpft.

    Was die IT-Forensik bestätigt – und was sie nicht beweist

    Am 9. Oktober 2026 berichteten unter anderem der NDR und die Lokalzeitung der reporter über die Ergebnisse der von der Gemeinde veranlassten Untersuchung. Laut der veröffentlichten Zusammenfassung des Gutachtens vom 28. Mai 2026 gab es auf dem untersuchten Gerät keinen objektiv belegbaren Befund für Malware, Spyware, Trojaner oder eine Infektion mit Pegasus. Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke hatte bestritten, umstrittene Nachrichten selbst verfasst zu haben, und einen Hackerangriff als Erklärung genannt. Das Untersuchungsergebnis wirft damit Fragen zu seiner Darstellung auf, liefert aber keinen abschließenden Nachweis dafür, wer jede einzelne Nachricht verfasst hat. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern an; die Unschuldsvermutung gilt.

    Lehmann liest im Video ab Minute 1:39 aus angeblichen Nachrichten vor beziehungsweise gibt deren Inhalt teilweise sinngemäß wieder. Er berichtet von Dutzenden E-Mails mit beleidigenden Aussagen und Vorwürfen, sein Lebenslauf sei erfunden und seine Abschlüsse seien gefälscht. Eine vollständige, öffentlich zugängliche und authentifizierte Sammlung dieser Korrespondenz einschließlich ihres jeweiligen Kontexts liegt bislang nicht vor. Deshalb lässt sich weder jede Formulierung noch die technische Urheberschaft jeder einzelnen Nachricht unabhängig anhand der Originale prüfen. Die veröffentlichte Darstellung Lehmanns ist für die Berichterstattung relevant, ersetzt aber keine Einsicht in die vollständigen Dokumente.

    Sollte sich herausstellen, dass der Bürgermeister die beleidigenden Nachrichten persönlich geschrieben und einen Hackerangriff bewusst nur vorgetäuscht hat, wäre das entsprechend rechtlich aufzuarbeiten. Keine ungenaue Selbstdarstellung Lehmanns würde ein solches Verhalten rechtfertigen. Umgekehrt wäre damit keineswegs erwiesen, dass sämtliche früheren öffentlichen Angaben Lehmanns korrekt waren. Genau an dieser Trennlinie muss eine sachliche Recherche ansetzen.

    Die Recherchen zu Lehmanns Vita sind älter als die Wal-Affäre

    Lehmann spricht im aktuellen Video ab Minute 12:53 von einem langjährigen Kritiker und nennt anschließend Philipp J. Kroiß von zoos.media. Er fragt, woher der Bürgermeister die gegen ihn erhobenen Vorwürfe kenne und ob zwischen den Beteiligten Kontakte bestanden hätten. Diese Fragen können gestellt werden, belegen aber für sich genommen weder eine Absprache noch die Unrichtigkeit der veröffentlichten Kritik. Denn die betreffenden Recherchen sind seit Jahren öffentlich zugänglich und hätten grundsätzlich von jedem gelesen werden können. Ihre tatsächliche Richtigkeit muss anhand der jeweiligen Quellen bewertet werden, nicht anhand vermuteter persönlicher Kontakte.

    Bereits 2021 beschäftigte sich zoos.media mit Lehmanns Aussagen über Zoos und die angeblich negative Bildungswirkung von Besuchen. Im Oktober 2022 erschien eine Recherche zur Beschäftigung im Ozeaneum; im Dezember 2023 wurde seine Bali-Geschichte über den Zierfischhandel kritisiert. Weitere Veröffentlichungen befassten sich mit seiner Studienbezeichnung und mit Behauptungen über zoologischen Artenschutz. Auch t-online prüfte 2026 einzelne biografische Angaben durch eigene Anfragen bei der Universität Kiel und National Geographic Deutschland. Diese Chronologie spricht gegen die Vorstellung, die sachlichen Kritikpunkte seien erst durch den Bürgermeister entstanden.

    Diplom-Meeresbiologe: Warum änderte Lehmann seine Website?

    Auf einer archivierten Website-Fassung aus dem Oktober 2025 bezeichnete sich Robert Marc Lehmann als „studierter Diplom-Meeresbiologe“. Die Universität Kiel bestätigte gegenüber t-online, dass die formale Studiengangs- beziehungsweise Abschlussbezeichnung Biologie lautete. Inzwischen verwendet Lehmann auf seiner Website die präzisere Formulierung „Diplom-Biologe mit einer Spezialisierung auf Meeresbiologie“. Sein Biologieabschluss steht damit nicht in Frage, ebenso wenig die Möglichkeit einer späteren meeresbiologischen Tätigkeit. Der Unterschied zwischen einer fachlichen Spezialisierung und einer konkret behaupteten akademischen Abschlussbezeichnung bleibt aber bestehen.

    Die Korrektur allein beweist keine absichtliche Täuschung. Sie zeigt jedoch, dass die frühere Selbstbeschreibung nach der öffentlichen Kritik nicht unverändert geblieben ist. Warum soll diese Kritik nun plötzlich unbegründet sein, wenn die formale Bezeichnung gerade durch die spätere Präzisierung klarer wurde? Die Antwort darauf kann nur eine Auseinandersetzung mit der konkreten früheren Aussage geben. Ein IT-Gutachten zu einem Bürgermeister-Handy ist dafür offensichtlich ungeeignet.

    Ozeaneum Stralsund: Teamleiter statt Leiter des ganzen Aquariums

    Robert Marc Lehmann behauptete in früheren öffentlichen Äußerungen, er habe Europas größtes Aquarium geleitet. Auch die Bezeichnung Abteilungsleiter wurde im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit im Ozeaneum Stralsund verwendet. Philipp J. Kroiß fragte dazu bereits 2022 beim Deutschen Meeresmuseum nach. Nach der veröffentlichten Auskunft war Lehmann vom 1. Dezember 2008 bis zum 30. November 2009 als Teamleiter tätig. Ihm war eine Abteilungsleiterin übergeordnet, darüber stand die Museumsleitung.

    Damit liegt der relevante Widerspruch in der behaupteten Leitungsfunktion: Lehmann war nach Auskunft seines ehemaligen Arbeitgebers nicht Leiter des gesamten Ozeaneums, sondern Teamleiter innerhalb der Einrichtung. Entscheidend ist die belegte Differenz zwischen Lehmanns früherer öffentlicher Selbstdarstellung und der vom Deutschen Meeresmuseum bestätigten Position. Genau diese Differenz war Gegenstand der bereits 2022 veröffentlichten Kritik.

    Weltweite Fang- und Forschungsreisen: Was wurde tatsächlich bestätigt?

    Auch die Beschreibung seiner Beschaffungsreisen für das Ozeaneum wurde überprüft. Das Deutsche Meeresmuseum bestätigte in der von zoos.media wiedergegebenen Auskunft vier Reisen im Zusammenhang mit dieser Tätigkeit, darunter drei nach Norwegen und eine nach Schweden. Daraus folgt keineswegs, dass Lehmann später keine weiteren internationalen Expeditionen unternommen hat; solche Reisen sind unabhängig davon bekannt. Entscheidend ist vielmehr, welchen Auftraggebern er bestimmte Erfahrungen zugeordnet und welchen Eindruck er über seine Tätigkeit im Ozeaneum vermittelt hat. Eine spätere weltweite Tätigkeit kann nicht rückwirkend jede frühere Darstellung einer konkreten Stelle bestätigen.

    Auch bei seiner Diplomarbeit gibt es einen dokumentierten Widerspruch zwischen Lehmanns öffentlicher Darstellung und den tatsächlichen Fakten. Lehmann erklärte in einer früheren Videoaussage, er habe über Fische seine Diplomarbeit geschrieben. Tatsächlich beschäftigte sich seine Diplomarbeit mit dem Wachstum Europäischer Edelkrebse (Astacus astacus). Dabei handelt es sich um Süßwasserkrebse und nicht um Fische. Die öffentliche Aussage über das Thema seiner Diplomarbeit stimmt somit nicht mit dem dokumentierten Inhalt überein. Auch dieser Widerspruch wurde bereits Jahre vor der aktuellen Auseinandersetzung mit dem Bürgermeister öffentlich kritisiert.

    National Geographic: Echter Preis, aber mögliche Überhöhung

    Robert Marc Lehmann gewann 2015 den deutschen Fotowettbewerb „Wildes Deutschland“, der von National Geographic Deutschland und Olympus veranstaltet wurde. Öffentlich bezeichnete er sich jedoch als „National Geographic Fotograf des Jahres 2015“, ohne dabei stets deutlich zwischen dem deutschen Wettbewerb und dem internationalen National Geographic Photo Contest zu unterscheiden. Den internationalen Wettbewerb gewann 2015 der australische Fotograf James Smart. Die damalige Chefredakteurin von National Geographic Deutschland bezeichnete Lehmanns Darstellung gegenüber t-online als „mindestens irreführend“. Lehmann hatte somit tatsächlich einen Fotowettbewerb gewonnen, allerdings nicht den internationalen Hauptwettbewerb, den seine öffentliche Selbstdarstellung nahelegen konnte.

    Auch bei dieser Auszeichnung zeigt sich ein Muster, das bereits bei Lehmanns Angaben zu seiner akademischen Ausbildung und seiner Tätigkeit im Ozeaneum aufgefallen ist: Seine öffentliche Selbstdarstellung vermittelte einen anderen beziehungsweise weitreichenderen Eindruck als die tatsächlich dokumentierten Qualifikationen und Leistungen. Erst durch kritische Recherchen wurden diese Unterschiede öffentlich herausgearbeitet. Die entsprechenden Nachweise stammen von Hochschulen, ehemaligen Arbeitgebern und im Fall der Fotoauszeichnung sogar aus dem Umfeld des Veranstalters selbst. Dass Lehmann diese Kritik heute im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen den Bürgermeister als Teil einer gegen ihn gerichteten Diffamierung darstellt, ändert nichts an den dokumentierten Widersprüchen.

    Bali-Zierfischhandel: Die dramatische Darstellung eines öffentlich auffindbaren Geschäfts

    Bei seiner Bali-Produktion über den Zierfischhandel vermittelte Robert Marc Lehmann den Eindruck einer gefährlichen Undercover-Recherche in einem schwer zugänglichen und möglicherweise illegalen Geschäft. In den Filmaufnahmen fordert er seinen Fahrer mit „Go, go, go“ zur schnellen Weiterfahrt auf und erklärt, dass man hier nicht halten könne. Damit vermittelt er seinen Zuschauern eine besondere Gefahrensituation. Tatsächlich handelte es sich bei dem besuchten Betrieb um Riski Aquaria in Denpasar, ein öffentlich zugängliches und regulär auftretendes Zierfischgeschäft mit eigener Onlinepräsenz. Der Betrieb war keineswegs ein geheimer Ort, den man nur unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen aufsuchen konnte. Für die durch Lehmanns Darstellung nahegelegte Illegalität des Geschäfts wurden keine entsprechenden Belege präsentiert.

    GERATI deckte diese Diskrepanz bereits 2023 auf und dokumentierte, dass der angeblich gefährliche Undercover-Schauplatz ein öffentlich auffindbares Zierfischgeschäft war. Später griff auch Philipp J. Kroiß von zoos.media die Recherche auf. Besonders bemerkenswert ist dabei die Dramaturgie: Lehmann erzeugte durch seine hektischen Anweisungen an den Fahrer und seine Darstellung der Situation den Eindruck einer riskanten Enthüllung. Die öffentlich überprüfbaren Informationen über das Geschäft zeichneten jedoch ein anderes Bild. Damit war nicht die Existenz des Zierfischhandels die fragwürdige Behauptung, sondern die Art und Weise, wie Lehmann seinen Besuch gegenüber den Zuschauern inszenierte.

    Drückerfisch und Hai: Was zeigen die Aufnahmen über Lehmanns eigene Rolle?

    Die Bali-Aufnahmen dokumentieren darüber hinaus auch Lehmanns eigenen Umgang mit den Tieren während seiner Dreharbeiten. GERATI TV veröffentlichte dazu das YouTube-Short „Robert Marc Lehmann begeht Tierquälerei“, in dem entsprechende Szenen aus seiner Produktion gezeigt werden. Darin werden Fische aus dem Wasser genommen und für die Kamera präsentiert. Ein Drückerfisch fällt dabei sogar auf den Boden. Lehmann kommentiert die Präsentationen unter anderem mit „Wow“, „Beautiful“ und „Wonderful“. Bei einer weiteren Szene wird ein Hai aus dem Wasser gehoben, während Lehmann mit „Schnell, schnell, Foto, Foto“ zu einer schnellen Aufnahme auffordert.

    Besonders bemerkenswert ist der Widerspruch zwischen Lehmanns öffentlichem Auftreten als Tierschützer und seinem Verhalten während dieser Aufnahmen. Statt das unnötige Herausnehmen der Fische aus dem Wasser zu unterbinden, reagiert er mit begeisterten Kommentaren und fordert bei dem Hai sogar ausdrücklich eine Fotoaufnahme. Das Herausnehmen von Fischen aus dem Wasser kann erheblichen Stress verursachen und ihre Gesundheit beeinträchtigen. Ein Sturz auf einen harten Boden birgt zusätzlich erhebliche Verletzungsrisiken. GERATI kritisiert diese Behandlung der Tiere als tierschutzwidrig und sieht insbesondere Lehmanns aktive Beteiligung als erklärungsbedürftig an. Ob die dokumentierten Handlungen darüber hinaus den rechtlichen Tatbestand der Tierquälerei erfüllen, ist davon getrennt zu beurteilen.

    Bereits 2023 machte GERATI auf diese Widersprüche aufmerksam. Nach der Veröffentlichung des kritischen Videomaterials auf GERATI TV folgte eine urheberrechtliche Beanstandung durch LEONINE Studios, die nach der damaligen Korrespondenz im Auftrag Lehmanns handelte. Statt einer öffentlichen Auseinandersetzung mit den gezeigten Szenen kam es somit zunächst zu einem Streit über die Verwendung des Filmmaterials. Die Aufnahmen und die anschließende Kritik existierten bereits Jahre vor der heutigen Auseinandersetzung mit dem Bürgermeister von Timmendorfer Strand. Auch dieser Fall zeigt, dass die Kritik an Lehmanns Verhalten keineswegs erst durch die Äußerungen des Bürgermeisters entstanden ist.

    Bali-Delfinarium: Chlor, Wasserqualität und der Unterschied zwischen Verdacht und Messwert

    Robert Marc Lehmann erhob bei seiner Berichterstattung über das Bali Exotic Marine Park schwere Vorwürfe hinsichtlich der Wasserqualität und einer möglichen Gesundheitsgefährdung der dort gehaltenen Delfine. Einen eigenen Laborbefund oder dokumentierte Wasseranalysen, mit denen er eine gesundheitsschädliche Chlorkonzentration nachgewiesen hätte, legte er jedoch nicht vor. Stattdessen verbreitete er seine Anschuldigungen öffentlich, ohne entsprechende Messergebnisse zu präsentieren. Die Betreiber erklärten später gegenüber BBC News Indonesia, dass Chlor zur Wasseraufbereitung eingesetzt werde, die Konzentration jedoch unter 1,5 ppm liege. Eine tatsächlich gesundheitsschädliche Chlorbelastung konnte Lehmann mit seiner Darstellung nicht nachweisen.

    Besonders bemerkenswert war Lehmanns anschließender Aufruf an seine Community, sich per E-Mail an indonesische Botschaften und Auslandsvertretungen zu wenden und gegen die Delfinhaltung im Bali Exotic Marine Park zu protestieren. Damit mobilisierte er gezielt seine Anhänger, um Druck auf die indonesischen Behörden auszuüben. Im Zuge dieser Kampagne gingen bei indonesischen Auslandsvertretungen neben Protestschreiben auch beleidigende Nachrichten und Morddrohungen ein. Die Kampagne führte damit nicht nur zu einer breiten öffentlichen Auseinandersetzung, sondern auch zu erheblichen Anfeindungen gegenüber den betroffenen Stellen. Lehmanns Aufruf und die darauf folgenden Reaktionen gehören deshalb zur Bewertung seiner damaligen Vorgehensweise.

    Hier zeigt sich ein auffälliger Widerspruch zu Lehmanns heutigen Beschwerden über angebliche Rufschädigung. Im aktuellen Livestream beklagt er, dass kritische Veröffentlichungen und die Kontaktaufnahme Dritter mit seinen Geschäftspartnern seinen Ruf und seine wirtschaftlichen Interessen beeinträchtigt hätten. Gleichzeitig hat er bei seiner eigenen Bali-Kampagne seine Community ausdrücklich dazu aufgefordert, diplomatische Vertretungen zu kontaktieren und Druck auf eine von ihm kritisierte Einrichtung auszuüben. Zwar ist eine Beschwerde bei einer Behörde nicht mit einer Beleidigung oder Drohung gleichzusetzen, doch die gezielte Mobilisierung Dritter zur Einflussnahme auf andere gehört in beiden Fällen zum öffentlichen Konflikt. Lehmann kritisiert somit eine Form der öffentlichen Druckausübung, die er bei seinen eigenen Kampagnen selbst als Mittel eingesetzt hat.

    Zoos und Artenschutz: Mehrere pauschale Aussagen halten Gegenbelegen nicht stand

    Auch Lehmanns Aussagen über Zoos und deren Beitrag zum Artenschutz wurden wiederholt kritisiert. In seinen Veröffentlichungen stellte er die Leistungen zoologischer Einrichtungen beim Schutz bedrohter Tierarten wie dem Sumatra-Nashorn oder dem Balistar infrage. Dabei sind die Zuchterfolge des Cincinnati Zoo beim Sumatra-Nashorn ebenso dokumentiert wie die Beteiligung zahlreicher Zoos an Erhaltungszuchtprogrammen und Wiederansiedlungen des Balistars. Diese konkreten Artenschutzerfolge widersprechen pauschalen Darstellungen, nach denen Zoos keinen Beitrag zum Erhalt bedrohter Tierarten leisten. Die tatsächlichen Leistungen zoologischer Einrichtungen bleiben bestehen, unabhängig davon, wie Lehmann deren Bedeutung öffentlich bewertet.

    Ein weiterer Kritikpunkt betrifft Lehmanns Aussagen über die angeblich negative Bildungswirkung von Zoobesuchen. Er behauptete öffentlich, dass Kinder nach einem Zoo- oder Aquariumsbesuch weniger wüssten als zuvor, und stellte dies als wissenschaftlich erwiesen dar. Dem stehen wissenschaftliche Untersuchungen gegenüber, die einen Wissenszuwachs durch Bildungsangebote zoologischer Einrichtungen dokumentieren. Seine pauschale Darstellung einer grundsätzlich negativen Bildungswirkung lässt sich damit nicht aufrechterhalten. Auch dieses Beispiel zeigt, dass die Kritik an Lehmanns Aussagen auf konkreten fachlichen Gegenargumenten beruht und nicht erst durch die Auseinandersetzung mit dem Bürgermeister von Timmendorfer Strand entstanden ist.

    Angeblich klingelten beide Handys: Wo sind die vielen Journalistenstimmen?

    Besonders auffällig ist der Beginn des aktuellen Videos. Zwischen Minute 0:23 und 0:59 beschreibt Lehmann, wie bereits gegen 7:45 Uhr morgens sowohl sein privates als auch sein geschäftliches Telefon geklingelt hätten. Unbekannte Nummern und zahlreiche E-Mails hätten einen regelrechten Ansturm von Journalisten ausgelöst. Zwischen Minute 1:13 und 1:31 schildert er, die Medienvertreter hätten Stellungnahmen verlangt und wissen wollen, ob er sich nun rehabilitiert fühle. Später berichtet er sogar, welche Antworten er den Journalisten gegeben habe.

    GERATI überprüfte die unmittelbare Medienberichterstattung zur Veröffentlichung des IT-Gutachtens vom 9. Oktober 2026. Weder in den Artikeln des NDR noch in den Veröffentlichungen von der reporter oder den weiteren überprüften Medienberichten vom 9. und 10. Oktober findet sich eine aktuelle Stellungnahme Lehmanns. Kein einziger dieser Artikel gibt eine Antwort auf die von ihm geschilderten Journalistenfragen wieder. Damit steht seiner Darstellung eines regelrechten Medienansturms eine Berichterstattung gegenüber, in der seine angeblich abgegebenen Stellungnahmen überhaupt nicht auftauchen.

    Warum berichtet Lehmann von zahlreichen Journalisten, die ihn telefonisch und per E-Mail kontaktiert und ausführlich befragt haben sollen, wenn anschließend keine seiner Antworten in den überprüften Medienberichten erscheint? Welche Redaktionen waren das, und wo sind die entsprechenden Stellungnahmen geblieben? Gerade angesichts seiner ausführlichen Schilderung wäre eine konkrete Benennung der beteiligten Medien aufschlussreich. Bislang bleibt der von Lehmann geschilderte außergewöhnliche Journalistenansturm jedenfalls öffentlich und unabhängig unbestätigt.

    Wiederholt eine dramatische Geschichte? Der Vergleich mit Bali

    Zwischen Lehmanns Bali-Produktion und seinem aktuellen Livestream zeigt sich eine auffällige Parallele in der Erzählweise. Auf Bali erzeugte Lehmann durch hektische Anweisungen an seinen Fahrer, darunter „Go, go, go“, den Eindruck, sich an einem gefährlichen Ort aufzuhalten, an dem man nicht einfach anhalten könne. Tatsächlich handelte es sich bei dem besuchten Betrieb um ein öffentlich auffindbares Zierfischgeschäft in Denpasar. Nach Veröffentlichung des IT-Gutachtens beginnt Lehmann seinen Livestream mit einer ähnlich dramatischen Schilderung: Beide Telefone hätten bereits am frühen Morgen ununterbrochen geklingelt, zahlreiche Journalisten hätten ihn kontaktiert und sein E-Mail-Postfach sei regelrecht übergelaufen. In den überprüften Medienberichten vom 9. und 10. Oktober 2026 findet sich jedoch keine einzige aktuelle Stellungnahme Lehmanns zu den Gutachtenergebnissen.

    In beiden Fällen nutzt Lehmann die Schilderung außergewöhnlicher Ereignisse, um die Bedeutung seiner Geschichte zu unterstreichen. Während bei der Bali-Produktion ein öffentlich zugängliches Geschäft zum Schauplatz einer vermeintlich gefährlichen Undercover-Recherche wurde, präsentiert er sich im aktuellen Livestream als Mittelpunkt eines außergewöhnlichen Medieninteresses. Die dokumentierten Umstände stehen dabei in einem auffälligen Gegensatz zu der jeweils vermittelten Dramaturgie. Gerade dieser Vergleich zeigt, wie Lehmann durch seine Erzählweise bestimmte Eindrücke beim Publikum erzeugt, während die unabhängig überprüfbaren Informationen ein deutlich weniger spektakuläres Bild zeichnen.

    Philipp J. Kroiß und Till Backhaus: Aus Fragen werden weitreichende Verdächtigungen

    Ab Minute 12:53 widmet sich Lehmann besonders seinem Kritiker Philipp J. Kroiß. Bei Minute 13:21 fragt er nach möglichen Kontakten zwischen Kroiß und dem Bürgermeister, nach weitergegebenen Informationen und nach denkbaren Auswirkungen auf die Entscheidungen von Till Backhaus. Zwischen Minute 14:14 und 15:08 entwickelt er die Möglichkeit von Absprachen, um ihn von der Walrettung auszuschließen. Er bezeichnet einzelne Überlegungen selbst als hypothetisch. Dennoch bekommen die Zuschauer eine konkrete Verbindung mehrerer namentlich genannter Personen nahegelegt, für die das Video keine dokumentierte Kommunikationskette liefert.

    Ein Austausch zwischen einem Journalisten und einem Bürgermeister wäre für sich genommen weder ungewöhnlich noch ein Beweis für eine unzulässige Einflussnahme. Für eine weitergehende Behauptung müsste dokumentiert werden, wer was gesagt hat, welche Entscheidungen darauf beruhten und weshalb diese Entscheidungen problematisch waren. Die Existenz öffentlich zugänglicher kritischer Artikel von zoos.media reicht dafür nicht aus. Ebenso wenig folgt aus einer möglichen Übernahme veröffentlichter Kritik, dass deren Urheber für eigenständige spätere Aussagen oder Handlungen des Bürgermeisters verantwortlich wäre.

    Der schwerste Vorwurf: Eine angebliche Mitschuld am Tod des Wals

    Bei Minute 16:08 bis 16:18 sagt Lehmann sinngemäß, mutmaßliche Aussagen von Philipp J. Kroiß gegenüber dem Bürgermeister, dessen öffentliche Äußerungen und darauf beruhende Entscheidungen von Till Backhaus hätten nach seiner Überzeugung einen wesentlichen Anteil am Tod des Buckelwals gehabt. Bei etwa Minute 19:19 greift er den Vorwurf erneut auf und spricht Kroiß sinngemäß die Eigenschaft eines Tierfreundes ab, weil der Wal dadurch gestorben sei. Das ist eine besonders weitreichende persönliche Zuschreibung. Im Video werden dafür jedoch weder die behaupteten Kontakte noch ein konkreter Einfluss auf Rettungsentscheidungen und auch kein kausaler Zusammenhang mit dem Tod des Tieres belegt.

    Wer solche Zusammenhänge öffentlich behauptet oder nahelegt, muss mit entsprechenden Nachfragen rechnen. Welche Kommunikation soll stattgefunden haben? Welche konkrete Entscheidung soll dadurch ausgelöst worden sein? Welche fachlichen Belege zeigen, dass ein anderer Entscheidungsverlauf das Überleben des Wals ermöglicht hätte? Ohne Antworten auf diese Fragen bleiben die Aussagen Vermutungen und persönliche Überzeugungen. Gerade Lehmann, der selbst die Folgen unbelegter Anschuldigungen beklagt, sollte bei namentlich genannten Kritikern denselben Maßstab anwenden.

    Hunderte negative Artikel: Wo beginnt seine eigene Verantwortung?

    Bei Minute 15:40 spricht Lehmann von Hunderten Artikeln über mehrere Monate und Tausenden negativen Beiträgen. Er schildert die Folgen dieser Berichterstattung für sein Privatleben und für mögliche geschäftliche Kooperationen. Dass es bundesweit umfangreiche und teilweise kritische Berichte über die Walrettung und Lehmanns Rolle gab, ist nachvollziehbar. Eine überprüfbare Zählung der von ihm genannten Größenordnung oder eine belastbare Zuordnung aller negativen Berichte zu den Äußerungen des Bürgermeisters legt er jedoch nicht vor. Außerdem gab es bereits zuvor Kritik von Fachleuten und eigenständige Recherchen zu seiner Biografie.

    Die Frage nach Lehmanns eigener Verantwortung darf dabei nicht mit einer Mitschuld an möglichen Straftaten verwechselt werden. Wer öffentlich ungenaue oder überhöhte Angaben über sich verbreitet, kann damit einen Anlass für legitime Kritik setzen. Wären bestimmte Aussagen von Anfang an genauer gewesen, wären einige konkrete Kontroversen möglicherweise nicht entstanden. Daraus folgt aber keineswegs, dass Lehmann persönliche Beleidigungen verdient hätte oder für eigenständige Rechtsverstöße Dritter verantwortlich wäre. Verantwortlich ist er für die Richtigkeit seiner Aussagen, nicht für unzulässiges Verhalten anderer.

    Sieht sich Lehmann durch das Gutachten auch in seiner Vita rehabilitiert?

    Robert Marc Lehmann vermittelt in seinem aktuellen Livestream den Eindruck, durch die Veröffentlichung des IT-Gutachtens nun umfassend rehabilitiert zu sein. Bei Minute 18:14 erklärt er: „Es gibt nicht meine Sicht und seine Sicht. Es gibt nur eine Sicht und die ist ja jetzt öffentlich.“ Bei Minute 20:16 betont er ausdrücklich: „Das IT-Gutachten spricht für mich.“ Gleichzeitig stellt er die bisherigen Vorwürfe gegen seinen Lebenslauf als Teil einer gegen ihn gerichteten Diffamierung dar und bringt seinen langjährigen Kritiker Philipp J. Kroiß von zoos.media damit in Verbindung. Seine Darstellung legt damit nahe, dass nicht nur die Anschuldigungen des Bürgermeisters, sondern auch die seit Jahren dokumentierte Kritik an seiner beruflichen Selbstdarstellung durch die neuen Erkenntnisse entkräftet worden seien.

    Der entscheidende Widerspruch bleibt jedoch bestehen: Das IT-Gutachten untersucht das dienstlich genutzte Mobiltelefon des Bürgermeisters und nicht die Biografie von Robert Marc Lehmann. Es widerlegt weder die dokumentierten früheren Formulierungen auf seiner eigenen Website noch die Auskünfte des Deutschen Meeresmuseums zu seiner tatsächlichen Position im Ozeaneum. Ebenso wenig verändert es die Angaben der Universität Kiel zu seinem Studienabschluss oder die Einordnung seiner National-Geographic-Auszeichnung. Auch die kritisierten Darstellungen seiner Bali-Produktionen und seine öffentlichen Aussagen über den Artenschutz bleiben davon unberührt. Ein IT-Gutachten über das Handy eines Bürgermeisters kann die nachgewiesenen Widersprüche in Lehmanns früheren Selbstdarstellungen nicht nachträglich beseitigen.

    Fazit: Ein Handy-Gutachten macht frühere Selbstaussagen nicht automatisch richtig

    Die Veröffentlichung des IT-forensischen Gutachtens ist für die Ermittlungen zum Bürgermeister von Timmendorfer Strand bedeutsam. Sollten die ihm vorgeworfenen Beleidigungen oder eine bewusst falsche Hackerbehauptung nachgewiesen werden, wären sie unabhängig von der Walrettung und der Kritik an Robert Marc Lehmann zu bewerten. GERATI distanziert sich ausdrücklich von persönlichen Herabsetzungen und möglichen rechtswidrigen Handlungen. Sachliche Kritik wird dadurch jedoch nicht automatisch falsch, und berechtigte Nachfragen sind keine Beleidigung.

    Lehmanns Studienbezeichnung wurde auf seiner eigenen Website verändert; die Angaben des Deutschen Meeresmuseums zur früheren Hierarchie im Ozeaneum bleiben nachvollziehbar; auch weitere Darstellungen über seine Reisen, seine Auszeichnung und seine Bali-Aufnahmen verdienen eine konkrete Prüfung. Nicht jeder dieser Fälle beweist eine vorsätzliche Lüge. Sie zeigen aber, dass es reale, dokumentierte Anlässe zur Kritik gab, die lange vor dem Bürgermeisterstreit öffentlich diskutiert wurden. Die Verantwortung für die Genauigkeit solcher Selbstaussagen trägt Lehmann selbst.

    Besonders bedenklich ist, dass Lehmann ausgerechnet jetzt schwere Vermutungen über Philipp J. Kroiß und dessen angeblichen Anteil am Tod des Buckelwals äußert, ohne im Video die dafür erforderliche Beweiskette vorzulegen. Zugleich schildert er einen Journalistenansturm, dessen behauptetes Ausmaß in den bislang überprüften Medienberichten nicht bestätigt wird. Beides darf kritisch hinterfragt werden, ohne aus fehlenden Belegen vorschnell eine bewusste Lüge abzuleiten. Die entscheidende Frage bleibt: Warum sollten ausgerechnet die Untersuchung eines Bürgermeister-Handys und die möglichen Verfehlungen eines politischen Amtsträgers die früheren nachprüfbaren Aussagen Robert Marc Lehmanns über seinen eigenen Werdegang richtig machen?

    Das vollständige Video mit Zeitmarken

    Robert Marc Lehmann: „Doch kein Hackerangriff? Neue Infos zum Bürgermeister von Timmendorfer Strand“. Im Video beginnt die Schilderung der Journalistenanfragen bei 00:23, die Darstellung des Gutachtens bei 05:57 und die Auseinandersetzung mit Philipp J. Kroiß bei 12:53. Mögliche politische Absprachen diskutiert Lehmann ab 14:14; die Behauptung einer Mitverantwortung am Tod des Wals folgt bei 16:08. Seine Aussage zur angeblich nur noch einen öffentlichen Sichtweise fällt um 18:14, „Das IT-Gutachten spricht für mich“ um 20:16 und die Schilderung von Zweifeln an seiner Qualifikation um 22:12.

    YouTube Video Robert Marc Lehmann; Doch kein Hackerangriff? Neue Infos zum Bürgermeister von Timmendorfer Strand https://www.youtube.com/watch?v=KvNoyiXdaYg

    Quellen

  • Robert Marc Lehmann: 4.000 Demonstranten behauptet – Polizei zählt nur 2.500

    Robert Marc Lehmann: 4.000 Demonstranten behauptet – Polizei zählt nur 2.500

    5.000 angemeldet, 4.000 öffentlich verkündet und lediglich 2.500 von der Berliner Polizei geschätzt. Die von Robert Marc Lehmann als größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt beworbene Veranstaltung vom 4. Oktober 2026 bekommt nachträglich ein erhebliches Zahlenproblem. Während Mitveranstalterin Caroh Weber über Instagram weiterhin eine Erfolgsmeldung mit rund 4.000 Teilnehmern verbreitet, ergibt sich aus einer direkten Anfrage von Philipp J. Kroiß von zoos.media bei der Berliner Polizei ein deutlich anderes Bild. Damit stellt sich eine berechtigte Frage: Warum werden in der Anti-Zoo-Szene wesentlich höhere Teilnehmerzahlen verbreitet als jene, die die Polizei tatsächlich festgestellt hat?

    Besonders bemerkenswert ist der Umgang mit diesen Zahlen, weil Robert Marc Lehmann und sein Umfeld bei ihrer Kritik an zoologischen Einrichtungen regelmäßig auf Fakten und überprüfbare Aussagen pochen. Nun steht ausgerechnet die eigene Demonstration im Mittelpunkt einer Diskussion über Zahlen, öffentliche Darstellung und Glaubwürdigkeit. Die Differenz zwischen Veranstalterangabe und Polizeischätzung beträgt immerhin 1.500 Menschen beziehungsweise 37,5 Prozent. Für eine Veranstaltung, die zuvor mit einem weltweiten Rekordanspruch beworben wurde, ist das keine unbedeutende Abweichung.

    Philipp J. Kroiß erhält die Teilnehmerzahl direkt von der Berliner Polizei

    Am 6. Oktober veröffentlichte Philipp J. Kroiß auf zoos.media den Artikel „Anti-Zoo-Demo in Berlin: Nur halb so viele Teilnehmer wie angemeldet“. Dafür hatte er sich direkt an die Pressestelle der Berliner Polizei gewandt und nach der tatsächlichen Teilnehmerzahl gefragt. Die Antwort fiel deutlich niedriger aus als die zuvor verbreiteten Zahlen der Veranstalter. Nach polizeilicher Einschätzung nahmen in der Spitze rund 2.500 Menschen an der Demonstration teil.

    Die Polizei erklärte gegenüber zoos.media:

    „Nach interner Schätzung der Polizei Berlin nahmen an der Versammlung in der Spitze rund 2500 Menschen teil.“

    Damit liegt erstmals eine behördliche Einschätzung vor, an der sich die öffentlich verbreiteten Teilnehmerangaben messen lassen müssen. Angemeldet waren laut Polizei 5.000 Teilnehmer, tatsächlich erreichte die Veranstaltung nach ihrer Schätzung lediglich die Hälfte dieser Zahl. Selbst gegenüber den von Unterstützern verbreiteten 4.000 Teilnehmern beträgt die Abweichung noch 37,5 Prozent. Aus einem angekündigten Weltrekord wurde damit eine Demonstration, deren Größe deutlich hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückblieb.

    Warum verbreitet Caroh Weber weiterhin 4.000 Teilnehmer?

    Besonders interessant ist die Rolle von Caroh Weber, die als Mitveranstalterin der Berliner Demonstration auftrat. Über ihren Instagram-Account teilte sie eine Veröffentlichung des Online-Magazins This Is Vegan mit der auffälligen Schlagzeile „Rund 4.000 gegen Zoos“. Darunter wurde die Demonstration am Brandenburger Tor als Erfolg präsentiert. Weber bedankte sich in ihrer Instagram-Story ausdrücklich für den Beitrag.

    Das Magazin This Is Vegan hatte am 6. Oktober einen ausführlichen Rückblick unter dem Titel „Anti-Zoo-Demo in Berlin: Tausende folgen Robert Marc Lehmann ans Brandenburger Tor“ veröffentlicht. Darin wird die Zahl von rund 4.000 Teilnehmern ausdrücklich als Schätzung der Veranstalter bezeichnet. Zugleich heißt es in dem Beitrag, es gebe noch keine offizielle Teilnehmerzahl. Die inzwischen von zoos.media veröffentlichte Polizeiauskunft liefert jedoch eine deutlich niedrigere Einschätzung.

    Genau hier beginnt das Problem mit der öffentlichen Darstellung. Eine Mitveranstalterin verbreitet eine Zahl, die deutlich über der inzwischen bekannten Polizeischätzung liegt, und präsentiert sie als positive Bilanz der eigenen Veranstaltung. Statt 4.000 Menschen schätzte die Polizei in der Spitze lediglich 2.500 Teilnehmer. Wer anderen regelmäßig falsche Darstellungen und mangelnde Fakten vorwirft, muss sich deshalb fragen lassen, warum die eigene Erfolgsmeldung nicht mit der polizeilichen Einschätzung übereinstimmt.

    Robert Marc Lehmann legt mit „3.500+“ und einer angeblichen KI-Zählung nach

    Inzwischen hat auch Robert Marc Lehmann selbst eine konkrete Teilnehmerzahl veröffentlicht. In einem Beitrag zur Demonstration schreibt er zunächst von „tausenden friedlichen Menschen“ und ergänzt anschließend ausdrücklich: „Teilnehmeranzahl: ca. 3.500+ (von KI aus Panorama-Aufnahmen ausgezählt und extrem konservativ berechnet)“. Damit präsentiert Lehmann eine weitere Zahl, die wiederum von den zuvor verbreiteten 4.000 Teilnehmern abweicht und gleichzeitig rund 1.000 Menschen beziehungsweise 40 Prozent über der Schätzung der Berliner Polizei liegt. Aus 5.000 angemeldeten Teilnehmern werden damit je nach Quelle 4.000, 3.500+ oder 2.500 Menschen.

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    Screenshot Facebook – Robert Marc Lehmann – Meeresbiologe https://www.facebook.com/20531316728/posts/10154009990506729/

    Die Formulierung mit der künstlichen Intelligenz klingt zunächst nach einer technisch überprüfbaren Berechnung. Genau das ist sie öffentlich bislang jedoch nicht. Lehmann zeigt in seinem Beitrag weder die angebliche Panoramaaufnahme noch erläutert er, welches Bildmaterial ausgewertet wurde, aus welcher Position es aufgenommen wurde oder mit welcher Methode die KI auf mehr als 3.500 Personen gekommen sein soll. Wer eine KI-Auswertung als Beleg für eine Teilnehmerzahl verwendet, müsste wenigstens das Ausgangsmaterial offenlegen, damit sich die Berechnung nachvollziehen lässt.

    Gerade die Frage nach der Panoramaaufnahme ist deshalb entscheidend. Auf den öffentlich verbreiteten Fotos der Demonstration sind zwar zahlreiche Teilnehmer zu sehen, viele Bilder zeigen jedoch dieselben Bereiche aus ähnlichen Perspektiven und eignen sich damit nicht für eine Addition sichtbarer Personen. Andere Aufnahmen zeigen nur die ersten Reihen vor der Bühne oder einzelne Ausschnitte des Versammlungsbereichs. Eine vollständige Panoramaaufnahme, auf der tatsächlich mehrere Tausend Personen gleichzeitig und ohne erhebliche Doppelzählungen erfasst werden könnten, wurde von Lehmann zusammen mit seiner Behauptung nicht präsentiert.

    GERATI hat mehrere der öffentlich verbreiteten Aufnahmen auf ihre Eignung für eine solche Zählung betrachtet. Die Bilder zeigen je nach Perspektive einige Dutzend bis einige hundert sichtbare Personen, wobei sich die abgebildeten Bereiche teilweise erheblich überschneiden. Eine seriöse Hochrechnung auf 3.500 oder mehr Teilnehmer lässt sich aus diesen veröffentlichten Bildern nicht nachvollziehen. Genau deshalb wäre das von Lehmann erwähnte Panorama das entscheidende Beweisstück: Wo ist die Aufnahme, auf deren Grundlage eine KI angeblich „extrem konservativ“ mehr als 3.500 Demonstranten gezählt haben soll?

    Die Berliner Polizei benötigt für ihre Einschätzung jedenfalls keine nachträglich präsentierte KI-Auswertung eines unbekannten Fotos. Sie schätzte die Zahl der Teilnehmer während der Veranstaltung und spricht ausdrücklich von rund 2.500 Menschen in der Spitze. Damit beschreibt die Polizeizahl bereits den höchsten angenommenen Teilnehmerstand und nicht lediglich eine Momentaufnahme zu Beginn oder zum Ende der Veranstaltung. Wenn Lehmann diese Einschätzung mit einer eigenen KI-Zahl widerlegen möchte, wäre es umso einfacher, das dafür angeblich verwendete Panorama und die Berechnung offenzulegen.

    Große Namen angekündigt – doch nicht alle standen auf der Bühne

    Philipp J. Kroiß geht in seiner Recherche noch auf weitere Auffälligkeiten ein. Bereits im Vorfeld waren neben Robert Marc Lehmann prominente Namen wie Sarah Connor, Malte Zierden und Jonas Ems im Zusammenhang mit der Demonstration genannt worden. Kroiß weist darauf hin, dass keiner dieser drei angekündigten Gäste schließlich auf der Bühne stand. Die öffentliche Mobilisierung hatte damit auch Erwartungen erzeugt, die sich beim tatsächlichen Bühnenprogramm nicht erfüllten.

    Hinzu kam die bereits im Vorfeld kritisierte Verwirrung um den Veranstaltungsort. Während in Ankündigungen immer wieder vom Pariser Platz die Rede war, war die Demonstration tatsächlich für den Platz des 18. März angemeldet. Dieser befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Brandenburger Tors. GERATI hatte diesen Widerspruch bereits in seiner Recherche zur angekündigten Anti-Zoo-Demonstration von Robert Marc Lehmann thematisiert.

    Kroiß bezeichnet die Veranstaltung angesichts der Teilnehmerzahl und des tatsächlichen Ablaufs als deutlich kleiner als ursprünglich angekündigt. Besonders kritisch bewertet er den Versuch, aus der Kundgebung eine außergewöhnlich große Bewegung gegen zoologische Einrichtungen abzuleiten. Die tatsächliche Mobilisierung blieb jedenfalls weit hinter den angemeldeten 5.000 Teilnehmern zurück. Auch der zuvor angekündigte Weltrekord lässt sich mit den veröffentlichten Zahlen nicht belegen.

    Berliner Zoos ziehen täglich ein Vielfaches der Demonstranten an

    Ein besonders aufschlussreicher Vergleich ergibt sich beim Blick auf die Berliner Zoos. Während Robert Marc Lehmann seine Anhänger aus verschiedenen Regionen Deutschlands nach Berlin mobilisierte, verzeichneten Zoo Berlin einschließlich Aquarium und Tierpark Berlin im Jahr 2025 zusammen 4.730.658 Besuche. Diese Zahl stammt aus der offiziellen Jahresbilanz der Zoologischen Gärten Berlin. Rechnerisch entspricht das durchschnittlich rund 12.960 Besuchen pro Kalendertag.

    Damit liegt bereits der rechnerische Tagesdurchschnitt der Berliner zoologischen Einrichtungen bei mehr als dem Fünffachen der polizeilich geschätzten Demonstrantenzahl. Während sich am Brandenburger Tor in der Spitze rund 2.500 Menschen gegen Zoos versammelten, erreichen die Berliner Einrichtungen durchschnittlich nahezu 13.000 Besuche täglich. Dabei handelt es sich ausdrücklich um den Jahresdurchschnitt von 2025 und nicht um eine gesondert erhobene Besucherzahl für den 4. Oktober 2026. Der Größenvergleich bleibt dennoch bemerkenswert.

    Und das betrifft ausschließlich Berlin. Bundesweit erreichen zoologische Einrichtungen jedes Jahr viele Millionen Besucher, die sich für Tiere, Natur und Artenschutz interessieren. Allein die Mitgliedseinrichtungen des Verbands der Zoologischen Gärten verzeichnen jährlich mehr als 42 Millionen Besuche. Vor diesem Hintergrund wirkt die Mobilisierung von 2.500 Menschen gegen Zoos deutlich weniger eindrucksvoll, als es der zuvor verbreitete Weltrekordanspruch vermuten ließ.

    Auch beim Naturschutz gab es eine bemerkenswerte Panne

    Philipp J. Kroiß greift in seinem Nachbericht außerdem einen Vorfall auf, über den GERATI bereits berichtet hatte. Bei der Demonstration wurden offenbar kleine Päckchen mit Pflanzensamen verteilt, die nachträglich teilweise problematische Arten enthalten haben sollen. Über Instagram wurde anschließend dazu aufgerufen, die betreffenden Samen nicht auszusäen, sondern zu entsorgen. Ausgerechnet bei einer Veranstaltung, deren Teilnehmer sich für Natur- und Artenschutz einsetzen wollten, sorgte damit eine gut gemeinte Aktion für erhebliche Irritationen.

    Kroiß nennt in diesem Zusammenhang unter anderem die Gemeine Nachtkerze, eine ursprünglich aus Nordamerika stammende Pflanzenart. Sein Kritikpunkt richtet sich besonders gegen den Umgang mit gebietsfremden Arten und die Risiken einer unkontrollierten Aussaat. Wer sich öffentlich für den Schutz natürlicher Lebensräume einsetzt, sollte bei der Verteilung von Saatgut besondere Sorgfalt walten lassen. Dass Teilnehmer anschließend aufgefordert werden mussten, bereits erhaltene Samen zu entsorgen, passt jedenfalls kaum zum Anspruch einer fachlich vorbereiteten Naturschutzveranstaltung.

    Robert Marc Lehmann und der selbst ausgerufene Weltrekord

    Bereits vor der Demonstration hatte GERATI die ungewöhnlich große Ankündigung von Robert Marc Lehmann kritisch betrachtet. Die Veranstaltung sollte nicht einfach eine Kundgebung gegen Zoos werden, sondern ausdrücklich die größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt. Ein solcher Anspruch verlangt nachvollziehbare Vergleichszahlen und eine entsprechend große Mobilisierung. Die inzwischen vorliegende Polizeischätzung liefert dafür jedoch keinen Nachweis.

    Statt der angemeldeten 5.000 Teilnehmer kamen nach Einschätzung der Berliner Polizei in der Spitze rund 2.500 Menschen zusammen. Gleichzeitig verbreiten Unterstützer weiterhin die deutlich höhere Zahl von 4.000 Demonstranten. Die Differenz ist dokumentiert und verdient gerade deshalb Aufmerksamkeit, weil die Veranstalter ihre öffentliche Wirkung selbst immer wieder betonen. Die entscheidende Frage ist nicht, wie eindrucksvoll eine Menschenmenge auf einem Foto erscheint, sondern wie viele Menschen tatsächlich teilgenommen haben.

    Am Ende steht deshalb ein bemerkenswerter Gegensatz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Robert Marc Lehmann kündigte eine weltweite Rekorddemonstration an, Caroh Weber verbreitet eine Erfolgsmeldung mit 4.000 Teilnehmern und die Berliner Polizei schätzt lediglich 2.500 Menschen in der Spitze. Währenddessen erreichen die Berliner Zoos im Jahresdurchschnitt mehr als fünfmal so viele Besuche pro Tag. Wer ständig Faktenchecks von anderen fordert, sollte bei den eigenen Erfolgsmeldungen zunächst mit den Zahlen beginnen.

    Quellen

  • Robert Marc Lehmann Demo: Invasive Samen verteilt – droht jetzt ein Naturschutzverfahren?

    Robert Marc Lehmann Demo: Invasive Samen verteilt – droht jetzt ein Naturschutzverfahren?

    Ausgerechnet bei der von Robert Marc Lehmann beworbenen Anti-Zoo-Demonstration in Berlin wurden Pflanzensamen verteilt, vor denen Mitorganisatorin Caroh Weber anschließend selbst warnen musste. In einer Instagram-Story erklärte sie, dass die ausgegebenen Päckchen teilweise invasive Pflanzenarten enthalten hätten. Die Empfänger sollten die Samen deshalb weder einpflanzen noch in der Natur verteilen, sondern wegwerfen. Was zunächst wie eine peinliche organisatorische Panne wirkt, könnte damit eine deutlich ernstere naturschutzrechtliche Dimension bekommen.

    Denn bei invasiven Pflanzen geht es nicht nur darum, ob eine Saatmischung ökologisch sinnvoll zusammengestellt wurde. Sowohl deutsches als auch europäisches Naturschutzrecht enthalten besondere Vorschriften, die die Verbreitung invasiver gebietsfremder Arten verhindern sollen. Bei bestimmten Arten ist sogar das Befördern oder Inverkehrbringen untersagt. Entscheidend ist deshalb jetzt vor allem eine bislang unbeantwortete Frage: Welche Arten befanden sich tatsächlich in den auf der Robert Marc Lehmann Demo verteilten Samenpäckchen?

    Caroh Weber warnt nachträglich vor den verteilten Samen

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    Screenshot Story Instagram Caroh_lein

    Caroh Weber gehörte zu den Mitorganisatoren der Berliner Anti-Zoo-Demonstration. Nach der Veranstaltung veröffentlichte sie eine deutliche Warnung an die Community. Darin erklärte sie ausdrücklich, dass auf der Demo Päckchen mit Pflanzensamen verteilt worden seien und diese teilweise invasive Arten enthielten. Gleichzeitig forderte sie die Empfänger auf, die Samen weder einzupflanzen noch irgendwo in der Natur zu verteilen.

    Noch bemerkenswerter ist ihre Erklärung dafür. Die Päckchen seien aus der Community gekommen, und es sei ihr durchgegangen, auf die enthaltenen Arten zu achten. Damit steht nicht lediglich eine Behauptung von Kritikern im Raum, wonach möglicherweise problematisches Saatgut verteilt worden sein könnte. Die Information, dass invasive Arten enthalten waren, stammt vielmehr direkt aus dem Kreis der Organisatoren selbst.

    Der Vorgang unterscheidet sich damit grundlegend von einer bloßen Vermutung anhand eines Fotos oder einer unbekannten Saatmischung. Es existiert eine ausdrückliche Warnung, die gerade wegen der enthaltenen Arten veröffentlicht wurde. Gleichzeitig wirft diese Warnung die Frage auf, weshalb die Kontrolle des Saatguts offenbar erst stattfand, nachdem die Päckchen bereits verteilt worden waren. Bei vermehrungsfähigem Pflanzenmaterial kann genau diese Reihenfolge entscheidend sein.

    Samen gelten auch rechtlich als Pflanzen

    Saatgut ist im Naturschutzrecht keineswegs irgendein harmloses Nebenprodukt. Das Bundesnaturschutzgesetz erfasst ausdrücklich auch Samen, Früchte und andere Entwicklungsformen von Pflanzen. Wer also vermehrungsfähiges Saatgut weitergibt oder ausbringt, bewegt sich grundsätzlich innerhalb genau jener Vorschriften, die die Verbreitung bestimmter Pflanzen regulieren.

    Das ist beim Berliner Vorgang besonders relevant. Hier wurden nicht lediglich Informationsbroschüren über Pflanzen ausgegeben, sondern offenbar Samen, die anschließend von den Empfängern ausgesät werden konnten. Gerade deshalb erfolgte später schließlich die Warnung, dies ausdrücklich nicht zu tun. Ohne vermehrungsfähiges Material hätte eine solche Warnung kaum einen Sinn ergeben.

    Auch die europäische Verordnung über invasive gebietsfremde Arten erfasst Samen und andere Fortpflanzungsformen, sofern diese überleben und sich vermehren können. Damit kann bei entsprechend gelisteten Arten bereits das Saatgut selbst rechtlich relevant sein. Genau deshalb ist entscheidend, welche Arten tatsächlich verteilt wurden.

    Bei Arten der Unionsliste wird es juristisch besonders ernst

    Besonders eindeutig wird die Rechtslage, wenn sich unter den ausgegebenen Samen eine invasive gebietsfremde Art von unionsweiter Bedeutung befunden haben sollte. Für solche Arten gilt ein umfangreicher Verbotskatalog. Sie dürfen grundsätzlich nicht vorsätzlich gehalten, gezüchtet, innerhalb der Europäischen Union befördert, in Verkehr gebracht, verwendet, getauscht, zur Fortpflanzung gebracht oder in die Umwelt freigesetzt werden.

    Gerade die Begriffe Befördern und Inverkehrbringen machen den Berliner Vorgang juristisch interessant. Für einen möglichen Rechtsverstoß wäre es dann nicht zwingend erforderlich, dass ein Demonstrationsteilnehmer die Samen tatsächlich irgendwo in einem Naturschutzgebiet aussät. Schon die organisierte Weitergabe entsprechenden Saatguts könnte bei einer Art der Unionsliste unter die gesetzlichen Verbote fallen.

    Ob genau diese Voraussetzung erfüllt war, hängt allerdings davon ab, welche Arten sich tatsächlich in den Päckchen befanden. Ohne diese Information lässt sich nicht abschließend beurteilen, welche Vorschriften konkret greifen. Die nachträgliche Warnung zeigt jedoch, dass zumindest im Kreis der Organisatoren selbst ein Problem erkannt wurde.

    Bis zu 50.000 Euro Bußgeld stehen im Gesetz

    Besonders deutlich wird die rechtliche Dimension beim Blick auf die Bußgeldvorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes. Wer ein Exemplar einer entsprechend gelisteten invasiven Art unter anderem befördert, in Verkehr bringt, verwendet, tauscht, zur Fortpflanzung bringt oder in die Umwelt freisetzt, handelt ordnungswidrig. Für solche Verstöße sieht das Gesetz einen Bußgeldrahmen von bis zu 50.000 Euro vor. Damit geht es bei der Verteilung invasiver Samen eben nicht nur um eine missglückte Aktion, sondern um einen Vorgang, der grundsätzlich auch erhebliche rechtliche Konsequenzen haben kann.

    Gerade beim Berliner Fall ist das deshalb von besonderer Bedeutung. Nach der eigenen Warnung von Caroh Weber wurden auf der Demonstration Samenpäckchen verteilt, die teilweise invasive Arten enthielten. Waren darunter Arten, für die die entsprechenden Verbote gelten, wären genau jene Handlungen relevant, die das Gesetz ausdrücklich nennt: das Befördern, das Inverkehrbringen beziehungsweise die Weitergabe und gegebenenfalls später auch das Freisetzen in die Umwelt. Der gesetzliche Bußgeldrahmen von bis zu 50.000 Euro zeigt, wie ernst der Gesetzgeber die Verbreitung invasiver Arten bewertet.

    Damit rückt nun die Frage in den Mittelpunkt, welche Pflanzenarten tatsächlich in diesen Päckchen enthalten waren. Denn erst anhand der konkreten Arten lässt sich bestimmen, welche gesetzlichen Verbote unmittelbar greifen. Die Aussage der Mitorganisatorin, dass „teilweise invasive Arten“ enthalten gewesen seien, macht eine Klärung deshalb umso wichtiger. Wer Saatgut verteilt und anschließend selbst davor warnt, dieses auszusäen, weil invasive Arten enthalten sind, muss sich zwangsläufig die Frage gefallen lassen, welche rechtlichen Folgen diese Verteilung haben kann.

    Besonders brisant ist dabei, dass für einen möglichen Verstoß nicht erst zwingend eine großflächige Ausbreitung in der Natur eintreten muss. Das Naturschutzrecht setzt bei bestimmten invasiven Arten bereits deutlich früher an und erfasst schon Handlungen wie Beförderung, Weitergabe oder Inverkehrbringen. Genau deshalb ist die Verteilung solcher Samen rechtlich wesentlich relevanter als eine bloße fehlerhafte Giveaway-Aktion. Bis zu 50.000 Euro Bußgeld sind hier keine rhetorische Zuspitzung, sondern der gesetzlich vorgesehene Rahmen für entsprechende Verstöße.

    Auch das Ausbringen in der Natur kann rechtlich problematisch sein

    Unabhängig von der Unionsliste enthält das Bundesnaturschutzgesetz weitere Regelungen über das Ausbringen gebietsfremder Pflanzen. Pflanzenarten, die in einem betreffenden Gebiet in freier Natur nicht oder seit langer Zeit nicht mehr vorkommen, dürfen unter bestimmten Voraussetzungen nicht ohne Genehmigung ausgebracht werden. Eine Genehmigung ist zu versagen, wenn eine Gefährdung von Ökosystemen, Biotopen oder Arten nicht ausgeschlossen werden kann.

    Gerade deshalb ist die nachträgliche Bitte, die Samen keinesfalls in der Natur zu verteilen, bemerkenswert. Offenbar bestand aus Sicht der Organisatorin selbst ein hinreichender Grund, die Empfänger ausdrücklich vor einer Aussaat zu warnen. Ob bereits die vorherige Weitergabe der Päckchen unter diese konkrete Vorschrift fällt, hängt wiederum von den enthaltenen Arten sowie der tatsächlichen Verwendung ab.

    Zudem sieht das Naturschutzrecht Maßnahmen gegen ungenehmigt ausgebrachte oder sich unbeabsichtigt ausbreitende Pflanzen vor. Die Vorschriften zeigen damit deutlich, dass auch eine unbeabsichtigte Verbreitung ernst genommen wird. Invasive Pflanzen sind also keine Angelegenheit, bei der erst reagiert werden soll, wenn sie sich bereits großflächig etabliert haben.

    „Einfach in den Müll werfen“ greift zu kurz

    Caroh Weber forderte die Empfänger richtigerweise dazu auf, die Samen nicht einzupflanzen. Weniger überzeugend ist jedoch die pauschale Aufforderung, die Päckchen einfach in den Müll zu werfen. Bei möglicherweise invasivem und weiterhin keimfähigem Saatgut sollte gerade verhindert werden, dass einzelne Samen während Lagerung, Müllabfuhr oder Transport aus beschädigten oder bereits geöffneten Päckchen entweichen können.

    Bei problematischem Pflanzenmaterial empfehlen Behörden deshalb teilweise ausdrücklich eine sichere Verpackung und anschließend die Entsorgung über den Restmüll. Der Sinn liegt auf der Hand: Die Entsorgung soll die Verbreitung beenden und nicht einen neuen möglichen Verbreitungsweg schaffen. Genau diese Sicherung wird in der veröffentlichten Warnung jedoch nicht ausdrücklich erwähnt.

    Eine sachgerechtere Warnung hätte deshalb lauten können, die Päckchen nicht zu öffnen beziehungsweise geöffnete Päckchen zusätzlich dicht zu verschließen und anschließend über den Restmüll zu entsorgen. Dass nach einer bereits erfolgten Verteilung überhaupt solche Anweisungen notwendig werden, zeigt das eigentliche Problem. Saatgut wurde ausgegeben, bevor offenbar ausreichend geklärt worden war, was genau darin enthalten war.

    Erst verteilen und danach vor invasiven Arten warnen

    Ausgerechnet bei einer Veranstaltung aus dem Umfeld von Robert Marc Lehmann, der sich regelmäßig selbst mit Natur- und Artenschutz beschäftigt, wirkt dieser Vorgang besonders widersprüchlich. GERATI hatte bereits bei der Anti-Zoo-Demonstration von Robert Marc Lehmann in Berlin darauf hingewiesen, dass zwischen öffentlich wirksamen Botschaften und einer sachlichen Auseinandersetzung mit Artenschutz unterschieden werden muss. Nun liefert die Veranstaltung dafür ein weiteres, dieses Mal ausgesprochen praktisches Beispiel.

    Bei Artenschutz geht es eben nicht nur darum, andere Institutionen anzuklagen oder einfache Botschaften über Freiheit zu verbreiten. Zu verantwortungsvollem Naturschutz gehört ebenso, vor dem Verteilen von Saatgut zu prüfen, welche Pflanzen man damit möglicherweise in Umlauf bringt. Wer diese Kontrolle erst nach der Ausgabe durchführt, kann die Samen anschließend nicht einfach wieder zurückholen. Der öffentliche Warnhinweis kann deshalb nur versuchen, einen bereits entstandenen Fehler nachträglich zu begrenzen.

    Auch die bereits bekannte Auseinandersetzung zwischen Robert Marc Lehmann und Zoos bekommt dadurch eine gewisse Ironie. Von zoologischen Einrichtungen werden detaillierte Standards, wissenschaftliche Verantwortung und professionelle Artenschutzarbeit eingefordert. Dann sollte es selbstverständlich sein, dass bei einer eigenen Naturschutzveranstaltung zumindest bekannt ist, welche vermehrungsfähigen Pflanzenarten an Besucher verteilt werden.

    Entscheidend ist jetzt die Artenliste

    Bevor aus dem Vorgang ein abschließend nachweisbarer Naturschutzverstoß wird, muss deshalb eine einzige entscheidende Frage beantwortet werden: Welche Samen waren in diesen Päckchen? Erst mit den botanischen Namen lässt sich überprüfen, ob darunter Arten der EU-Unionsliste waren und welche Vorschriften konkret einschlägig sind. Ohne diese Information wäre es journalistisch falsch, bereits einen bestimmten Gesetzesverstoß als endgültig bewiesen darzustellen.

    Die Organisatoren könnten diese Unsicherheit sehr einfach beseitigen. Wenn bekannt ist, dass die Päckchen invasive Arten enthielten, muss schließlich irgendeine Information existieren, anhand derer dies festgestellt wurde. Eine Veröffentlichung der betreffenden Arten würde den Empfängern außerdem ermöglichen zu prüfen, ob sie möglicherweise bereits Samen ausgesät haben und wie damit umzugehen wäre.

    Sollte sich herausstellen, dass tatsächlich eine Art der EU-Unionsliste verteilt wurde, wäre der Vorgang erheblich ernster als eine missglückte Giveaway-Aktion. Dann stünden unter anderem die gesetzlichen Verbote des Beförderns und Inverkehrbringens invasiver Arten sowie die Bußgeldvorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes im Raum. Bis zu 50.000 Euro sind dort als möglicher Bußgeldrahmen vorgesehen.

    So bleibt vorerst ein bemerkenswerter Widerspruch: Auf einer Anti-Zoo-Demonstration im Umfeld von Robert Marc Lehmann werden Samenpäckchen verteilt. Anschließend warnt Mitorganisatorin Caroh Weber die Empfänger selbst davor, sie auszusäen, weil darin teilweise invasive Arten enthalten seien. Aus einer vermeintlich kleinen Mitmachaktion ist damit eine Frage des Naturschutzrechts geworden. Und die Antwort darauf hängt jetzt ausgerechnet davon ab, ob die Organisatoren offenlegen, was sie überhaupt verteilt haben.

    Quellen

  • Malte Zierden und die haarlose Bärin: Was an der Zoo-Geschichte nicht stimmt

    Malte Zierden und die haarlose Bärin: Was an der Zoo-Geschichte nicht stimmt

    Ein haarloser Bär, ein angeblich schlimmer Zoo und eine tote Schwester: Malte Zierden erzählt auf Instagram eine Geschichte, die perfekt in ein emotionales Anti-Zoo-Narrativ passt. Millionen Menschen erreichen solche Videos innerhalb kürzester Zeit, während für die Vorgeschichte des Tieres oft nur wenige Sekunden bleiben. Wer jedoch beginnt, Zierdens Darstellung anhand älterer Quellen zu überprüfen, stößt auf erhebliche Probleme. Einige zentrale Bestandteile seiner Geschichte sind entweder stark verkürzt, nicht belegt oder lassen entscheidenden Kontext weg.

    Auf diese Widersprüche machte zunächst Philipp J. Kroiß von zoos.media aufmerksam. Sein Artikel war für GERATI der Ausgangspunkt, die Geschichte selbst anhand älterer Berichte und wissenschaftlicher Veröffentlichungen nachzuvollziehen. Dabei geht es nicht darum, Tierschutz kleinzureden, sondern darum, überprüfbare Tatsachen von emotional erzählten Behauptungen zu trennen. Wer mit Tierschutz Millionen Menschen erreicht, sollte gerade bei dramatischen Geschichten besonders sorgfältig mit Fakten umgehen.

    Malte Zierden erzählt die Geschichte einer leidenden Bärin

    In einem Instagram-Reel zeigt Malte Zierden eine nahezu haarlose Brillenbärin und verbindet ihren Zustand mit ihrer Vergangenheit in einem Zoo. Seine Erzählung erzeugt ein klares Bild: Das Tier habe unter den Bedingungen dort gelitten, seine Schwester sei bei einem Fluchtversuch aus dem Zoo ums Leben gekommen und die überlebende Bärin trage die sichtbaren Folgen dieser Vergangenheit. Für den Zuschauer entsteht dadurch praktisch automatisch eine Ursache-Wirkungs-Kette zwischen Zoo, Leid, Tod und dem dramatischen körperlichen Zustand des Tieres.

    Doch genau diese Erzählung hält einer genaueren Prüfung nur teilweise stand. Emotionale Bilder ersetzen keine Chronologie, und aus einer starken Geschichte wird nicht automatisch ein belegter Sachverhalt. Die dokumentierte Vergangenheit dieser Bärin ist wesentlich komplexer als das Narrativ, das Zierden in wenigen Sätzen vermittelt. Vor allem beginnt ihre Geschichte nicht damit, dass ein Zoo zwei gesunde Tiere aus der Wildnis holte und ihnen dort Schaden zufügte.

    zoos.media identifiziert die Bärin als Dominga

    Philipp J. Kroiß hat für zoos.media die naheliegende Identität der Bärin recherchiert. Vieles spricht dafür, dass es sich bei dem von Zierden gezeigten Tier um die Brillenbärin Dominga handelt, die 2017 aus dem Parque Ecológico Taraccasa beziehungsweise einem kleinen Zoo bei Abancay in das Taricaya Ecological Reserve gebracht wurde. Bilder Domingas und ihre dokumentierte Geschichte passen auffällig zu dem Tier und den Umständen, die Zierden beschreibt.

    Diese Vorarbeit von zoos.media ist entscheidend, weil sich Domingas Vergangenheit anhand zeitgenössischer Berichte rekonstruieren lässt. Dabei ergibt sich ein wesentlich anderes Bild als jenes, das eine simple Anti-Zoo-Erzählung nahelegt. Dominga war nicht einfach eine Bärin, die von einem Zoo aus der Natur gerissen worden war. Sie war vielmehr selbst Opfer des illegalen Wildtierhandels.

    Dominga und ihre Schwester wurden als Jungtiere aus der Wildnis geraubt

    Eine Meldung der Nachrichtenagentur EFE aus dem Februar 2017 beschreibt die Herkunft von Dominga ausdrücklich. Demnach wurden Dominga und ihre Schwester bereits als Jungtiere von Wildtierhändlern aus der Natur entnommen. Anschließend beschlagnahmten peruanische Behörden die Tiere und brachten sie in einen kleinen Zoo in Abancay. Der Zoo war damit nach dieser zeitgenössischen Darstellung nicht derjenige, der die Tiere ursprünglich der Wildnis entnahm.

    Das ist für die Einordnung entscheidend. Die beiden Bärinnen waren bereits Opfer illegalen Wildtierhandels, bevor sie überhaupt in dem Zoo untergebracht wurden. Nach ihrer Beschlagnahmung kamen sie in menschliche Obhut, weil eine einfache Rückkehr in die Natur offenbar nicht möglich war. Diese Vorgeschichte im Zusammenhang mit dem späteren Zustand des Tieres wegzulassen, verändert die Wahrnehmung des gesamten Falls erheblich.

    Gerade bei der aktuellen Debatte über Zoos begegnet GERATI immer wieder solchen Verkürzungen. Auch bei Robert Marc Lehmanns Kritik an Zoos zeigt sich, wie wichtig es ist, konkrete Einrichtungen, Arten und Schutzmaßnahmen getrennt zu betrachten. Eine emotionale Gesamtanklage gegen „den Zoo“ ist wesentlich einfacher zu erzählen als eine komplizierte Rettungs- und Haltungsgeschichte. Einfacher bedeutet jedoch nicht richtiger.

    Für den angeblichen Fluchtversuch der Schwester fehlt jeder Beleg

    Besonders auffällig ist Zierdens Behauptung über die Schwester von Dominga. Im Reel sagt er, diese sei bei einem Fluchtversuch aus dem Zoo gestorben. Diese Darstellung verstärkt das gewünschte Bild erheblich: Ein Tier wolle aus seinem Gefängnis entkommen und bezahle diesen Versuch mit dem Leben. Genau für diesen dramatischen Teil der Geschichte findet sich jedoch in den zugänglichen zeitgenössischen Quellen kein belastbarer Beleg.

    EFE berichtete 2017 ausdrücklich vom Tod der Schwester. Sie sei einige Jahre zuvor in dem Zoo gestorben, woraufhin Dominga allein zurückblieb. Von einem Fluchtversuch, einem Ausbruch oder einem tödlichen Versuch, das Gehege zu verlassen, ist dort keine Rede. Auch die von Animal Defenders International veröffentlichte Darstellung der Geschichte Domingas erwähnt den Tod der Schwester, nennt aber ebenfalls keinen Fluchtversuch.

    Damit steht ein zentraler Bestandteil von Zierdens Erzählung ohne nachvollziehbaren Beleg im Raum. Wer eine konkrete Todesgeschichte öffentlich verbreitet, trägt die Verantwortung dafür, sie auch belegen zu können. Gerade wenn diese Geschichte dazu dient, einen Zoo als besonders grausam darzustellen, reicht eine emotionale Behauptung nicht aus. Für den von Malte Zierden beschriebenen tödlichen Fluchtversuch ist bislang keine Quelle auffindbar.

    Der Haarausfall ist kein Beweis gegen Zoos

    Auch der dramatische Haarausfall der Bärin wird durch die Bildsprache schnell zu einem vermeintlichen Beweis gegen den Zoo. Wissenschaftlich ist die Situation jedoch wesentlich komplizierter. Bei Brillen- beziehungsweise Andenbären ist ein eigenes Alopezie-Syndrom seit Jahren beschrieben. Untersuchungen aus europäischen und amerikanischen Zoopopulationen dokumentierten teilweise extremen Haarverlust, insbesondere bei weiblichen Brillenbären.

    Eine 2018 veröffentlichte veterinärmedizinische Untersuchung konnte keine einfache Einzelursache für das Syndrom benennen. Weitere Forschungen untersuchten unter anderem immunologische Mechanismen, Hauterkrankungen und Haltungsfaktoren. Eine spätere Studie beschäftigte sich außerdem mit sozialen Haltungskonstellationen als möglichem Risikofaktor. Daraus lässt sich gerade nicht die simple Behauptung ableiten, dass ein haarloser Brillenbär automatisch ein Beleg für schlechte Zoohaltung sei.

    Auch bei Dominga dokumentieren zeitgenössische Berichte einen Zusammenhang zwischen dem Tod ihrer Schwester und einer Verschlechterung ihres Zustandes. Dazu kamen Hautprobleme und eine schlechte körperliche Verfassung. Der Haarausfall allein ist deshalb kein seriöser Beweis dafür, dass „der Zoo“ die Ursache gewesen sei. Wer einen solchen Zusammenhang behauptet oder durch seine Darstellung nahelegt, müsste ihn veterinärmedizinisch belegen.

    Zoos waren selbst an der Erforschung des Alopezie-Syndroms beteiligt

    Bemerkenswert ist zudem, dass ein erheblicher Teil der wissenschaftlichen Erkenntnisse über das Alopezie-Syndrom bei Brillenbären überhaupt erst durch zoologische Einrichtungen und die dortige veterinärmedizinische Dokumentation gewonnen werden konnte. Tierärzte, Zoos und Fachgruppen haben über Jahre Daten gesammelt, Krankheitsverläufe untersucht und Behandlungsmöglichkeiten dokumentiert. Genau diese langfristige Beobachtung ermöglicht es, komplexe Erkrankungen besser zu verstehen.

    Das passt schlecht zu einer Erzählung, in der „Zoo“ lediglich als pauschaler Verursacher tierischen Leidens erscheint. Zoologische Einrichtungen können selbstverständlich kritisiert werden, wenn konkrete Missstände belegt sind. Gleichzeitig sind sie aber auch Orte tiermedizinischer Forschung, Artenschutzarbeit und langfristiger wissenschaftlicher Dokumentation. Wer nur eine Seite dieser Realität zeigt, erzeugt kein vollständiges Bild.

    GERATI hat bereits bei Malte Zierdens Aktivismus auf finnischen Pelzfarmen kritisiert, dass starke Emotionalisierung schnell an die Stelle einer sauberen Trennung zwischen Dokumentation, Bewertung und Aktivismus treten kann. Reichweite kann Aufmerksamkeit für Tierschutz schaffen. Sie erhöht aber gleichzeitig die Verantwortung, belastbare Fakten nicht einer möglichst dramatischen Geschichte unterzuordnen.

    Der Zoo war nicht der Ursprung von Domingas Leidensgeschichte

    Auch die Rolle des Zoos selbst muss anhand der dokumentierten Chronologie betrachtet werden. Dominga lebte dort über Jahre, und verschiedene Tierschutzorganisationen bewerteten ihre damalige Situation kritisch. Animal Defenders International bezeichnete ihre spätere Umsiedlung in das Taricaya Ecological Reserve ausdrücklich als Rettung und stellte die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen in den Vordergrund.

    Das ändert jedoch nichts an der entscheidenden Vorgeschichte. Dominga und ihre Schwester wurden nicht vom Zoo aus der Natur entnommen. Sie waren zuvor bereits Opfer des illegalen Wildtierhandels und wurden erst nach ihrer Beschlagnahmung in der Einrichtung untergebracht. Wer diesen Teil der Geschichte weglässt, verschiebt die Verantwortung für den Ursprung ihres Schicksals.

    Der Zoo kooperierte zudem bei der späteren Übergabe Domingas. Diese Tatsache macht aus der Einrichtung keine automatisch vorbildliche Institution. Sie zeigt aber erneut, dass die Geschichte nicht in das einfache Schema „böser Zoo gegen gute Retter“ passt. Die tatsächliche Chronologie ist komplexer, und genau diese Komplexität verschwindet in Social-Media-Erzählungen besonders schnell.

    Aus einer komplexen Tierbiografie wird eine perfekte Social-Media-Geschichte

    Genau darin liegt das eigentliche Problem solcher Videos. Die reale Geschichte besteht aus illegalem Wildtierhandel, behördlicher Beschlagnahmung, jahrelanger Haltung, dem Tod eines zweiten Tieres, gesundheitlichen Problemen, wissenschaftlich untersuchter Alopezie und schließlich einer Umsiedlung. Daraus lässt sich auf Social Media sehr viel einfacher eine andere Geschichte machen: Zoo schlecht, Tier leidet, Schwester versucht zu fliehen und stirbt, anschließend kommt die Rettung.

    Diese Version funktioniert emotional ausgezeichnet. Sie benötigt nur wenige Bilder und wenige Sätze und liefert sofort einen eindeutigen Schuldigen. Doch Tierschutz sollte nicht daran gemessen werden, wie wirkungsvoll eine Geschichte auf Instagram erzählt wird. Entscheidend ist, ob die zentralen Behauptungen belegt sind.

    Die aktuelle Diskussion rund um Anti-Zoo-Influencer zeigt, wie schnell sich solche Narrative verselbstständigen können. Auch bei Robert Marc Lehmann und seiner Auseinandersetzung mit Zoos zeigt sich immer wieder, wie wichtig die Trennung zwischen dokumentiertem Vorgang und daraus entwickelter Geschichte ist. Kritik an Zoos ist legitim. Sie wird aber nicht glaubwürdiger, wenn wesentliche Informationen fehlen oder unbelegte Behauptungen als Tatsachen präsentiert werden.

    Wer Tierschutz fordert, muss bei den Fakten bleiben

    Malte Zierden erreicht mit seinem Engagement ein Millionenpublikum. Gerade deshalb sollte bei konkreten Behauptungen ein hoher Maßstab gelten. Wer öffentlich erzählt, ein Tier sei bei einem Fluchtversuch aus einem Zoo gestorben, sollte dafür eine nachvollziehbare Quelle nennen können. Für genau diese Behauptung findet sich in den zugänglichen zeitgenössischen Berichten kein Beleg.

    Dokumentiert ist dagegen, dass Dominga und ihre Schwester als Jungtiere illegal aus der Natur entnommen wurden. Dokumentiert ist, dass sie anschließend nach ihrer Beschlagnahmung in einen Zoo kamen. Dokumentiert ist auch der spätere Tod der Schwester sowie Domingas massiver Haarausfall. Nicht dokumentiert ist der von Zierden behauptete Fluchtversuch.

    Auch der Haarausfall lässt sich wissenschaftlich nicht auf die einfache Formel reduzieren, die die Bilder nahelegen können. Das Alopezie-Syndrom bei Brillenbären ist seit Jahren Gegenstand veterinärmedizinischer Forschung. Wer daraus eine eindeutige Anklage gegen einen Zoo konstruiert, muss diesen Zusammenhang belegen und darf ihn nicht allein durch emotionale Bildsprache entstehen lassen.

    Philipp J. Kroiß und zoos.media haben mit ihrer Recherche einen wichtigen Widerspruch sichtbar gemacht. GERATI hat die zentralen Punkte anhand weiterer Quellen nachvollzogen. Das Ergebnis ist eindeutig genug: Die tatsächliche Geschichte der Bärin ist erheblich komplexer als die von Malte Zierden verbreitete Erzählung, und für einen ihrer dramatischsten Bestandteile – den angeblich tödlichen Fluchtversuch der Schwester – fehlt der Beleg.

    Tierschutz verliert an Glaubwürdigkeit, wenn emotionale Geschichten wichtiger werden als überprüfbare Tatsachen. Wer Missstände aufdecken will, sollte deshalb zuerst sicherstellen, dass die eigene Geschichte stimmt.

    Quellen

  • Robert Marc Lehmann: „Größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ – danach Totenstille

    Robert Marc Lehmann: „Größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ – danach Totenstille

    Robert Marc Lehmann kündigte für den 4. Oktober 2026 in Berlin nicht irgendeine Demonstration an. „Die größte Anti-Zoo Demo der Welt!“ lautete die Botschaft, mit der über Wochen mobilisiert wurde. Bekannte Namen aus der Tierrechtsszene sollten zusätzliche Aufmerksamkeit erzeugen, während Parolen wie „FCK ZOOS“ die Richtung vorgaben. Einen Tag später ist von dem groß angekündigten Weltrekord vor allem eines geblieben: Totenstille.

    Bis Montagvormittag findet sich bei den großen deutschen Nachrichtenmedien kein eigenständiger Nachbericht, der die vermeintlich größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt entsprechend würdigt. Eine öffentlich bekannte Teilnehmerzahl, mit der sich der angekündigte Rekord überprüfen ließe, fehlt ebenfalls. Auch von der Berliner Polizei liegt bislang keine veröffentlichte Zahl vor, anhand derer die tatsächliche Größe der Veranstaltung eingeordnet werden könnte. Wer selbst einen Weltrekord ausruft, muss sich jedoch genau an dieser Größe messen lassen.

    Vor der Demo Schlagzeilen, danach Totenstille

    Im Vorfeld funktionierte die mediale Aufmerksamkeit wesentlich besser. Verschiedene Portale griffen die Ankündigung auf, Sarah Connors Unterstützung sorgte zusätzlich für Schlagzeilen und der angekündigte Protest wurde bereits Wochen vor dem 4. Oktober zum Thema. GERATI berichtete ebenfalls ausführlich über die von Robert Marc Lehmann angekündigte Anti-Zoo-Demonstration in Berlin und verwies dabei bereits auf den außergewöhnlichen Anspruch, den Lehmann selbst mit seiner Werbung geschaffen hatte.

    Nach der Veranstaltung sieht das Bild völlig anders aus. Kein großes Medienecho über einen angeblichen Weltrekord, keine verbreitete Teilnehmerzahl und keine Schlagzeilen darüber, dass Robert Marc Lehmann tatsächlich die größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt organisiert habe. Gerade dieser Gegensatz zwischen der lautstarken Ankündigung und der anschließenden Stille ist bemerkenswert. Was vorher groß genug für Schlagzeilen war, scheint nach der tatsächlichen Veranstaltung kaum noch Nachrichtenwert zu besitzen.

    An fehlendem Bildmaterial kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Die Bildagentur IMAGO hatte mit Marvin Möbius einen professionellen Fotografen vor Ort und veröffentlichte noch am Veranstaltungstag zahlreiche Aufnahmen von Robert Marc Lehmann, Caroh Weber, Demonstranten und Protestschildern. Das Material stand den Redaktionen damit unmittelbar für eine Bebilderung zur Verfügung. Trotzdem blieb die große Nachberichterstattung aus.

    Menschen waren dort – doch wo ist der Weltrekord?

    Dass Menschen zu der Demonstration kamen, steht außer Frage. Die Veranstaltung fand statt, es gab Redner, Transparente, Fahnen, Megafone und zahlreiche Anhänger der Anti-Zoo-Bewegung. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Menschen vor Ort waren, sondern ob die vorher groß angekündigte „größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ tatsächlich diesen Anspruch erfüllen konnte. Dafür bräuchte es eine nachvollziehbare Teilnehmerzahl.

    Genau diese Zahl fehlt. Weder eine offizielle Zahl der Polizei noch eine belastbare Zahl eines großen Nachrichtenmediums ist bislang veröffentlicht worden. Damit fehlt ausgerechnet der wichtigste Wert, mit dem Robert Marc Lehmann seinen eigenen Weltrekord belegen könnte. Die größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt existiert damit bislang vor allem als vorherige Werbeaussage.

    Auch inhaltlich blieb die Veranstaltung deutlich hinter ihrer großen Inszenierung zurück. Viele Redebeiträge wiederholten bekannte Positionen der Anti-Zoo-Szene, während die sichtbare Protestkommunikation immer wieder von Parolen wie „FCK ZOOS“ geprägt wurde. zoos.media fasste die Veranstaltung entsprechend mit „Viel Hass, wenig Inhalt“ zusammen. Die große sachliche Abrechnung mit modernen Zoos blieb dagegen überschaubar.

    Kinder mit Megafon statt zoologischer Bildung

    Besonders auffällig war die Einbindung von Kindern in die Protestveranstaltung. Kinder wurden mit Megafonen in eine Demonstration eingebunden, deren sichtbare Botschaften unter anderem aus Begriffen wie „FCK ZOOS“ bestanden. Gleichzeitig gehört der angeblich fehlende Bildungsauftrag zoologischer Einrichtungen zu den häufigsten Vorwürfen der Anti-Zoo-Szene. Gerade deshalb lohnt sich der Vergleich dessen, was Kindern jeweils tatsächlich vermittelt wird.

    In zoologischen Einrichtungen begegnen Kinder lebenden Tieren und erhalten Informationen über Tierarten, Lebensräume, Verhalten, Bedrohungen und Artenschutz. Auf einer Demonstration lernen sie dagegen vulgäre Anti-Zoo-Parolen kennen und werden unmittelbar in die Konfrontation zwischen Aktivisten und zoologischen Einrichtungen eingebunden. Ein Megafon und ein Kraftausdruck ersetzen jedoch keine biologische Bildung und kein sachliches Argument über moderne Tierhaltung. Wer Zoos ihren Bildungsauftrag abspricht, sollte deshalb erklären können, welchen pädagogischen Mehrwert „FCK ZOOS“ für Kinder besitzen soll.

    Gerade eine Bewegung, die für sich moralische und pädagogische Überlegenheit beansprucht, muss sich an den eigenen Methoden messen lassen. Zoos können und sollen für ihre Bildungsangebote kritisiert werden, wenn diese ihren Anspruch nicht erfüllen. Dasselbe muss dann auch für Demonstrationen gelten, auf denen Kinder politische beziehungsweise aktivistische Botschaften der Erwachsenen übernehmen. Bildung braucht Wissen und Argumente, nicht nur möglichst eingängige Parolen.

    Robert Marc Lehmann und die 50 angeblich überlebenden Bali-Stare

    Auf der Berliner Demonstration machte Robert Marc Lehmann außerdem eine bemerkenswert konkrete Aussage über sein Bali-Star-Projekt. Von 60 ausgewilderten Bali-Staren sollen nach seinen Angaben noch 50 leben. Von den zehn verstorbenen Vögeln sei unter anderem ein Tier gegen eine Fensterscheibe geflogen. Wer derart genaue Überlebenszahlen und sogar einzelne Todesursachen nennt, muss dafür eine entsprechend genaue Datengrundlage besitzen.

    Für die von Mission Erde unterstützte Gruppe der ausgewilderten Bali-Stare ist jedoch kein GPS- oder Funktracking öffentlich dokumentiert, mit dem sich jedes der 60 Tiere permanent individuell verfolgen ließe. Ringnummern oder Mikrochips können der Identifikation dienen, liefern aber keine laufenden Standortdaten eines frei fliegenden Vogels. Ein Mikrochip zeigt weder an, wo sich ein Tier befindet, noch ob es noch lebt. Dafür müsste der betreffende Vogel zunächst wiedergefunden, erkannt oder eingefangen werden.

    Damit bleibt die entscheidende Frage bestehen: Wie wurde festgestellt, dass ausgerechnet 50 der ursprünglich 60 Tiere noch leben? Welche 50 Vögel wurden wann eindeutig identifiziert und wie wurde bei den übrigen zehn festgestellt, dass sie tatsächlich gestorben sind? Noch konkreter wird diese Frage bei Lehmanns Aussage, einer seiner ausgewilderten Bali-Stare sei gegen eine Fensterscheibe geflogen. Dafür müsste zumindest nachvollziehbar dokumentiert sein, welcher Vogel gefunden wurde, wie er eindeutig der ursprünglichen Auswilderungsgruppe zugeordnet wurde und wie die konkrete Todesursache festgestellt wurde.

    Genau solche öffentlich nachvollziehbaren Belege für eine vollständige Individualbilanz der 60 Tiere liegen bislang nicht vor. Eine Populationsbeobachtung in einem Gebiet ist etwas anderes als der Nachweis, dass exakt 50 bestimmte Ursprungstiere noch leben. Wer andere regelmäßig einem „Faktencheck“ unterzieht, muss denselben Maßstab auch bei den eigenen Aussagen akzeptieren. Artenschutz braucht überprüfbare Daten und keine Zahlen, deren Entstehung für Außenstehende nicht nachvollziehbar ist.

    Mehr als 600 Bali-Stare – aber nicht durch Robert Marc Lehmann

    Auch die Gesamtpopulation des Bali-Stars muss klar von Lehmanns eigenem Projekt getrennt werden. Aktuelle Angaben nennen wieder mehr als 600 wildlebende Bali-Stare, während der Bali-Barat-Nationalpark bereits 2023 einen Bestand von rund 600 Tieren gemeldet hatte. Diese Entwicklung begann lange bevor Robert Marc Lehmann mit Mission Erde eigene Auswilderungen unterstützte. Sie ist das Ergebnis jahrzehntelanger Schutzmaßnahmen, Erhaltungszucht und Auswilderungen zahlreicher Organisationen.

    Der damalige Leiter des Bali-Barat-Nationalparks erklärte bereits 2023, dass die dortige Population von lediglich sechs wildlebenden Vögeln im Jahr 2001 auf rund 600 Tiere angewachsen war. Allein 2022 wurden nach Angaben des Nationalparks weitere 108 Bali-Stare ausgewildert. Robert Marc Lehmanns 60 Tiere sind damit lediglich ein kleiner Teil einer wesentlich größeren und älteren Artenschutzgeschichte. Die mehr als 600 Bali-Stare sind keine von Lehmann geschaffene Population.

    Mission Erde meldete im Mai 2026 für das eigene Auswilderungsgebiet wiederum eine Population von mehr als 109 Bali-Staren. Auch diese Zahl beweist nicht, dass noch genau 50 der ursprünglich freigelassenen 60 Tiere leben. Nachwuchs kann die Population vergrößern, während Ursprungstiere gleichzeitig sterben oder das Gebiet verlassen können. Eine Populationszahl ersetzt deshalb keine individuelle Überlebensbilanz.

    Gerade der Bali-Star zeigt außerdem, wie wichtig kontrollierte Zucht und anschließende Auswilderung für den Artenschutz sein können. Die Erholung dieser Art ist über Jahrzehnte durch menschlich betreute Populationen und gezielte Wiederansiedlungen unterstützt worden. Ausgerechnet dieses Beispiel zeigt deshalb, dass Tierhaltung, Zucht und Artenschutz nicht automatisch Gegensätze sind. Die Realität ist komplexer als ein „FCK ZOOS“-Plakat.

    Große Worte – und danach Totenstille

    Am Ende bleibt von der Berliner Demonstration ein auffälliger Gegensatz. Vorher wurde mit der „größten Anti-Zoo-Demo der Welt“ geworben, bekannte Namen wurden mobilisiert und maximale Aufmerksamkeit erzeugt. Danach fehlt die eine Zahl, mit der dieser Weltrekord überhaupt belegt werden könnte. Gleichzeitig bleibt das große Medienecho aus, obwohl professionelles Bildmaterial unmittelbar verfügbar war.

    Auch auf der Bühne wurde immer wieder der Anspruch vermittelt, mit Fakten gegen Zoos zu argumentieren. Dann müssen jedoch auch die eigenen Aussagen diesem Anspruch standhalten. Wer exakt 50 Überlebende aus einer Gruppe von 60 frei lebenden Vögeln nennt und zusätzlich individuelle Todesursachen beschreibt, muss nachvollziehbar erklären können, wie diese Zahlen festgestellt wurden. Präzision in einer Rede ersetzt keinen Beleg.

    Robert Marc Lehmann wollte in Berlin die größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt präsentieren. Einen Tag später fehlt die Rekordzahl, das große Medienecho bleibt aus und selbst bei einzelnen Aussagen aus den Reden bleiben die öffentlich zugänglichen Belege hinter der präsentierten Gewissheit zurück. Große Ankündigung vorher – Totenstille danach.

    Quellen

  • Robert Marc Lehmann Demo Berlin: Erst der falsche Platz, dann sagt auch noch Sarah Connor ab

    Robert Marc Lehmann Demo Berlin: Erst der falsche Platz, dann sagt auch noch Sarah Connor ab

    Groß ankündigen kann jeder

    Robert Marc Lehmann wollte an diesem Sonntag offenbar nicht einfach irgendeine Demonstration gegen Zoos veranstalten. Nein, es musste selbstverständlich gleich die „größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ sein. Bescheidenheit war gestern, Weltrekord ist heute. Beworben wurde die Veranstaltung für den 4. Oktober 2026 von 12 bis 15 Uhr auf dem Pariser Platz in Berlin.

    Wer dort heute tatsächlich auf die angekündigte Demonstration wartet, könnte allerdings ein kleines Orientierungsproblem bekommen. Denn die Berliner Polizei führt die Versammlung „Für Tiere in Freiheit“ zur exakt passenden Uhrzeit von 12 bis 15 Uhr auf dem Platz des 18. März. Das ist zwar nur die andere Seite des Brandenburger Tors, aber eben trotzdem ein anderer Platz. Bei der angeblich „größten Anti-Zoo-Demo der Welt“ hätte man vielleicht erwarten dürfen, dass wenigstens der Veranstaltungsort in der öffentlichen Werbung stimmt. Imginn

    Pariser Platz? Fast. Nur einmal durchs Brandenburger Tor

    Geografisch ist die Sache eigentlich nicht besonders kompliziert. Der Pariser Platz liegt auf der Ostseite des Brandenburger Tors in Richtung Unter den Linden, der Platz des 18. März auf der Westseite in Richtung Tiergarten und Straße des 17. Juni. Zwischen beiden steht dieses eher unauffällige Bauwerk namens Brandenburger Tor. Wer also der ursprünglichen Ortsangabe „Pariser Platz“ folgt, steht schlicht auf der falschen Seite.

    Natürlich kann ein Veranstaltungsort geändert werden. Aber genau deshalb wäre es bei einer mit maximaler Reichweite beworbenen Veranstaltung nicht ganz unwichtig, die eigene Community auch entsprechend eindeutig auf den tatsächlichen Ort hinzuweisen. Gerade wenn gleichzeitig mit Begriffen wie „größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ gearbeitet wird, wirkt dieses Durcheinander unfreiwillig komisch. Große Worte vorne, Kleingedrucktes hinten.

    GERATI hatte bereits vor der Veranstaltung hinterfragt, warum Robert Marc Lehmann seine Anti-Zoo-Demonstration überhaupt am Brandenburger Tor inszeniert und welche Aussagekraft die großspurige Rekordankündigung tatsächlich hat. Mehr dazu hier: Robert Marc Lehmann Anti-Zoo-Demonstration Berlin: Warum am Brandenburger Tor statt vor einem Zoo?

    Dann sagt auch noch Sarah Connor ab

    Und als wäre die Sache mit dem Veranstaltungsort nicht schon genug, gab es unmittelbar vor der Demo noch einen weiteren Dämpfer. Sarah Connor, die im Zusammenhang mit der Veranstaltung als prominente Unterstützerin auftrat, sagte ihre persönliche Teilnahme kurzfristig ab. Damit fehlt ausgerechnet einer der Namen, der außerhalb der eigenen Anti-Zoo-Blase zusätzliche Aufmerksamkeit hätte bringen können.

    Gerade für eine Veranstaltung, die von Beginn an möglichst groß, möglichst bedeutend und möglichst rekordverdächtig erscheinen sollte, ist das keine Nebensache. Ein prominenter Name wie Sarah Connor sorgt nicht nur für zusätzliche Reichweite, sondern auch für Presseinteresse und Besucher, die mit Robert Marc Lehmann selbst möglicherweise gar nicht viel anfangen können. Fällt dieser Faktor unmittelbar vor Beginn weg, wird aus dem angekündigten Star-Auflauf schnell wieder deutlich mehr Eigenpublikum.

    Und die Ironie lässt sich kaum übersehen. Erst heißt es „größte Anti-Zoo-Demo der Welt“, dann stimmt der beworbene Platz nicht mit der aktuellen Polizeiliste überein, und unmittelbar vor der Veranstaltung fällt auch noch eine der prominentesten Unterstützerinnen aus. Für einen angeblichen Weltrekordversuch läuft das Warm-up zumindest bemerkenswert unrund.

    Wenn aus Weltrekord-Marketing plötzlich Schadensbegrenzung wird

    Natürlich macht eine einzelne Absage eine Demonstration nicht automatisch klein. Das wäre genauso unseriös wie die Behauptung, eine Veranstaltung sei schon vor Beginn die größte ihrer Art weltweit. Aber genau hier liegt das Problem der eigenen Inszenierung: Wer die Erwartungen künstlich maximal hochschraubt, macht jeden Rückschlag automatisch größer.

    Hätte man einfach zu einer Anti-Zoo-Demonstration in Berlin aufgerufen, wäre eine kurzfristige Absage einer prominenten Unterstützerin kaum bemerkenswert. Wer dagegen mit „größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ wirbt, stellt sich selbst auf eine Bühne, auf der plötzlich jede Lücke sichtbar wird. Dann wird eben auch interessant, wer tatsächlich kommt, wer absagt und wie viele Menschen am Ende wirklich auf dem Platz stehen.

    Das ist übrigens kein Angriff auf das Demonstrationsrecht. Robert Marc Lehmann und seine Unterstützer dürfen selbstverständlich gegen Zoos demonstrieren. Sie dürfen auch prominente Unterstützer einladen und möglichst viele Menschen mobilisieren. Aber sie dürfen nicht erwarten, dass großspuriges Marketing anschließend einfach als Tatsache übernommen wird.

    Auf dem Pariser Platz findet später tatsächlich eine andere Demo statt

    Die Sache mit dem Ort bekommt noch eine zusätzliche Pointe. Die Berliner Polizei führt am selben Tag ab 15 Uhr auf dem Pariser Platz tatsächlich eine andere Versammlung. Die Anti-Zoo-Demo ist dagegen für 12 bis 15 Uhr auf dem Platz des 18. März gelistet. Damit liegen am selben Nachmittag tatsächlich zwei unterschiedliche Versammlungen auf zwei unterschiedlichen Seiten des Brandenburger Tors.

    Wer ausschließlich der ursprünglichen Lehmann-Werbung mit „Pariser Platz Berlin“ folgt, könnte daher problemlos am falschen Ort landen. Und wer dort etwas länger wartet, bekommt ab 15 Uhr sogar noch eine völlig andere politische Kundgebung geliefert. Mehr Kontrast zwischen Werbegrafik und tatsächlicher Versammlungslage bekommt man vermutlich selbst mit professionellem Storytelling kaum hin.

    Bemerkenswert ist dabei vor allem eines: Die Veranstaltung selbst wurde mit einer Präzision beworben, die an Superlativen nichts vermissen ließ. Weltgrößte Demo, große Namen, große Aufmerksamkeit. Nur beim banalen Detail, auf welcher Seite des Brandenburger Tors das Ganze stattfindet, wurde es offenbar etwas schwieriger.

    Weltrekord zuerst, Teilnehmer zählen später

    Auch die Formulierung „größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ bleibt vor Beginn vor allem eines: ein Werbeclaim. Welche internationalen Demonstrationen dafür verglichen wurden, welche Teilnehmerzahlen als Referenz dienen und nach welchen Kriterien dieser Weltrekord überhaupt festgestellt werden soll, wird in der öffentlichen Bewerbung nicht erklärt. Der Titel steht also bereits fest, bevor überhaupt jemand gezählt wurde.

    Vielleicht ist das inzwischen die moderne Variante des Aktivismus: Erst kommt die Schlagzeile, danach kommt die Realität. Erst wird der Weltrekord ausgerufen, danach schaut man, wie viele Menschen tatsächlich erscheinen. Und wenn am Ende weniger Menschen als erhofft kommen, findet sich vermutlich irgendeine andere Kennzahl, mit der sich trotzdem ein Erfolg verkünden lässt.

    GERATI hat diese Art der Inszenierung bei Robert Marc Lehmann schon mehrfach kritisch betrachtet. Auch bei früheren Auseinandersetzungen rund um Zoos gehörten maximale Zuspitzung und größtmögliche öffentliche Aufmerksamkeit regelmäßig zum Konzept. Mehr dazu: Meinungsfreiheit à la Robert Marc Lehmann?

    Entscheidend ist nicht Instagram, sondern der Platz

    Am Ende bleibt deshalb nur eine wirklich interessante Zahl: Wie viele Menschen waren tatsächlich da? Nicht Likes, nicht Shares, nicht Follower und nicht irgendwelche hochgerechneten Reichweiten. Menschen auf dem Platz.

    Gerade bei einer derart groß angekündigten Veranstaltung sollte anschließend genau hingeschaut werden. Veranstalterzahlen, Polizeischätzungen, Fotos und die tatsächlich gefüllte Fläche lassen sich miteinander vergleichen. Dann wird sich zeigen, ob aus dem vollmundigen „größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ tatsächlich ein Ereignis entsprechender Größenordnung wurde oder lediglich ein besonders großes Social-Media-Versprechen.

    Sarah Connors kurzfristige Absage macht diesen Vergleich nur noch interessanter. Einer der prominentesten Namen fällt aus, der beworbene Veranstaltungsort stimmt nicht mit dem offiziellen Eintrag der Polizei überein, und trotzdem steht über allem weiterhin der Weltrekord-Claim. Mehr Fallhöhe kann man sich eigentlich kaum selbst bauen.

    Zwischen Anspruch und Realität steht heute das Brandenburger Tor

    Robert Marc Lehmann darf seine Veranstaltung selbstverständlich so offensiv bewerben, wie er möchte. Aber wer mit maximalen Superlativen arbeitet, muss sich anschließend auch daran messen lassen. Genau das wird GERATI tun.

    Heute reicht dafür zunächst ein Blick auf zwei Seiten des Brandenburger Tors. Pariser Platz beworben, Platz des 18. März offiziell gelistet. Prominente Unterstützung angekündigt, Sarah Connor kurzfristig nicht persönlich dabei. Weltgrößte Anti-Zoo-Demo ausgerufen, tatsächliche Teilnehmerzahl noch abzuwarten.

    Dazwischen steht das Brandenburger Tor. Und selten hat ein Berliner Bauwerk Anspruch und Realität so praktisch voneinander getrennt.

    Quellen