Nach dem Fund von vier toten Ziegen und dem Verschwinden von drei weiteren Tieren hat die Tiroler Landesregierung eine Abschussverordnung für einen Wolf im Gemeindegebiet von Ischgl erlassen. Die Vorfälle ereigneten sich Anfang der Woche in einem Weidegebiet im Bezirk Landeck. Nach der Begutachtung durch den zuständigen Amtstierarzt besteht der konkrete Verdacht, dass ein Wolf für die Verluste verantwortlich ist. Damit reagiert das Land Tirol erneut auf einen Fall, bei dem Weidetiere mutmaßlich durch einen großen Beutegreifer geschädigt wurden.
Abschussverordnung gilt bis zum 7. Oktober
Die Abschussverordnung trat mit ihrer Kundmachung in Kraft und gilt bis einschließlich 7. Oktober 2026. Die zuständige Jägerschaft wurde nach Angaben des Landes Tirol über die Entscheidung informiert und kann innerhalb des festgelegten Zeitraums entsprechend der Verordnung handeln. Bislang gibt es jedoch keinen Hinweis darauf, dass der betreffende Wolf bereits erlegt wurde. Ob das Tier innerhalb des räumlichen und zeitlichen Geltungsbereichs gefunden werden kann, bleibt daher offen.
Auslöser für die Maßnahme sind vier tote Ziegen sowie drei weitere Tiere, die seit dem Vorfall vermisst werden. Die amtstierärztliche Begutachtung ergab nach Angaben des Landes einen konkreten Verdacht auf einen Wolf als Verursacher. Eine eindeutige Identifizierung eines bestimmten Individuums ist damit allerdings nicht verbunden. Die Abschussverordnung richtet sich deshalb gegen einen Wolf, der im Zusammenhang mit dem Schadensereignis im betroffenen Gebiet festgestellt wird.
Abschuss gilt nicht pauschal für Wölfe in Tirol
Bei der Entscheidung handelt es sich ausdrücklich nicht um eine allgemeine Freigabe zum Abschuss von Wölfen in Tirol. Die Verordnung bezieht sich auf den konkreten Schadensfall im Raum Ischgl und besitzt sowohl einen räumlich als auch zeitlich begrenzten Geltungsbereich. Damit bleibt die Maßnahme Teil des bestehenden Wolfsmanagements des Landes und ist an die dokumentierten Nutztierschäden gebunden. Die Bezeichnung „Schadwolf“ beschreibt in diesem Zusammenhang den behördlichen Anlass für die Maßnahme und bedeutet nicht automatisch, dass ein bestimmtes Tier zweifelsfrei als Verursacher identifiziert wurde.
Der Fall zeigt zugleich erneut den Konflikt, der durch die Rückkehr des Wolfes in traditionelle Weidegebiete entsteht. Für Tierhalter können Angriffe nicht nur den unmittelbaren Verlust einzelner Tiere bedeuten, sondern auch erhebliche Probleme für die gesamte Herde verursachen. Gerade in alpinen Regionen lassen sich Nutztiere zudem nicht unter allen Bedingungen so schützen, wie dies in leichter zugänglichen Gebieten möglich wäre. Das Wolfsmanagement muss deshalb sowohl den Schutz der streng geschützten Art als auch die berechtigten Interessen der betroffenen Tierhalter berücksichtigen.
Land Tirol bittet um schnelle Meldung von Wolfssichtungen
Parallel zur Abschussverordnung ruft das Land Tirol die Bevölkerung dazu auf, Sichtungen von Wölfen und anderen großen Beutegreifern möglichst zeitnah zu melden. Dafür steht unter anderem ein Sichtungsformular des Landes zur Verfügung, außerdem können Beobachtungen direkt an die zuständige Bezirkshauptmannschaft weitergegeben werden. Besonders hilfreich sind Fotos oder anderes Bildmaterial, das eine fachliche Einschätzung der jeweiligen Beobachtung ermöglicht. Auch möglichst genaue Angaben zu Ort, Zeitpunkt und Verhalten des beobachteten Tieres können für die weitere Bewertung wichtig sein.
Das Land stellt darüber hinaus Informationen zu Wölfen, Bären und Luchsen sowie zu aktuellen Maßnahmen und Meldewegen bereit. Für den aktuellen Fall in Ischgl ist nun entscheidend, ob innerhalb der bis zum 7. Oktober geltenden Verordnung weitere Hinweise auf den betreffenden Wolf eingehen. Erst dann könnte sich zeigen, ob die angeordnete Maßnahme tatsächlich umgesetzt werden kann. Für die betroffenen Tierhalter bleibt unterdessen die Unsicherheit, nachdem vier Ziegen bereits tot aufgefunden wurden und drei weitere Tiere weiterhin vermisst werden.
Quellen
tirol.gv.at – Abschussverordnung für Schadwolf im Bezirk Landeck | Land Tirol – https://www.tirol.gv.at/presse/meldungen/meldung/abschussverordnung-fuer-schadwolf-im-bezirk-landeck
- meinbezirk.at – Tote und vermisste Ziegen: Abschussverordnung für Wolf nach Rissereignis bei Ischgl erlassen – https://www.meinbezirk.at/landeck/c-lokales/abschussverordnung-fuer-wolf-nach-rissereignis-bei-ischgl-erlassen_a8847947
- GERATI – Tödliche Kuh-Attacke in Österreich: Trägt ein Wolf Mitschuld an der Tragödie? – https://gerati.de/2026/05/20/toedliche-kuh-attacke-in-oesterreich-4e7m/
