Ein Esel mit Zebrastreifen begeistert die Kinder
Im Nuseirat-Zoo im zentralen Gazastreifen sorgt derzeit ein ungewöhnlicher Bewohner für Aufmerksamkeit: ein Esel, dessen Fell mit schwarzen Streifen bemalt wurde, damit er wie ein Zebra aussieht. Aktuelle Berichte und Videoaufnahmen vom 24. und 25. September 2026 zeigen, wie die improvisierte Attraktion bei Familien und Kindern für Begeisterung sorgt. Hinter der ungewöhnlichen Idee steht allerdings eine ernste Geschichte, denn der Krieg hat auch die zoologischen Einrichtungen im Gazastreifen schwer getroffen. Der bemalte Esel steht damit zugleich für die Versuche, Kindern trotz der anhaltenden Not ein Stück Normalität zurückzugeben.
Nach einem Bericht von Al Jazeera macht der Zoo aus der ungewöhnlichen Verwandlung kein Geheimnis. Am Gehege weist ein Schild mit einem lachenden Gesicht ausdrücklich darauf hin, dass es sich um ein falsches Zebra handelt. Eine Mutter erklärte gegenüber dem Sender, ihre Tochter habe seit beinahe drei Jahren keinen Freizeitpark mehr besucht. Der bemalte Esel soll den Kindern deshalb nicht nur ein unbekanntes Tier näherbringen, sondern ihnen vor allem einen unbeschwerten Moment ermöglichen.
Wiedereröffnung erfolgte bereits vor mehreren Wochen
Die aktuellen Aufnahmen bedeuten allerdings nicht, dass der Zoo erst Ende September wiedereröffnet wurde. Bereits Anfang August dokumentierte Reuters Besucher in einem Tierpark bei Nuseirat, während ein ausführlicher Bericht vom 18. August die schwierige Situation der dort untergebrachten Tiere schilderte. Die jüngsten Veröffentlichungen konzentrieren sich dagegen auf den bemalten Esel, der inzwischen zum auffälligsten Bewohner des kleinen Zoos geworden ist. Der aktuelle Nachrichtenanlass ist somit die ungewöhnliche Attraktion und nicht die erstmalige Wiederaufnahme des Zoobetriebs.
Der in den Septemberberichten genannte Zoobetreiber Fadl Nabhan schildert, wie er während des Krieges versucht habe, seine Tiere trotz Beschuss, Vertreibung und erheblicher Versorgungsprobleme am Leben zu halten. Nach seinen Angaben überstanden zahlreiche Tiere die vergangenen Jahre unter schwierigen Bedingungen, während andere durch die Kriegseinwirkungen verloren gingen. Für die verbliebenen Tiere waren insbesondere die Beschaffung von Nahrung und die Sicherung ihrer Unterbringung eine dauerhafte Herausforderung. Mit der Öffnung für Besucher möchte Nabhan den Kindern nun wieder einen Ort bieten, an dem sie spielen und Tiere aus nächster Nähe erleben können.
Krieg hinterlässt deutliche Spuren bei den Zootieren
Die Wiederaufnahme des Besucherverkehrs darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Versorgung der Tiere weiterhin erhebliche Schwierigkeiten bereitet. In den Berichten über den Nuseirat-Zoo werden unter anderem Reptilien, Vögel und Affen genannt, die Hunger, Beschuss und wiederholte Vertreibungen überstanden haben. Einige Tiere werden als abgemagert beschrieben, während die Gehege nur eingeschränkte Möglichkeiten für eine angemessene Unterbringung bieten. Für die Verantwortlichen besteht die Herausforderung deshalb nicht allein darin, den Zoo wieder für Familien zugänglich zu machen, sondern auch darin, die Versorgung seiner Bewohner dauerhaft sicherzustellen.
Wie wichtig die Vorbereitung auf außergewöhnliche Gefahren für zoologische Einrichtungen ist, zeigte auch eine Evakuierungsübung im Zoo Magdeburg. Dort trainierten Feuerwehr und Zoopersonal den Umgang mit einem simulierten Brand, einschließlich der Sicherung von Tieren und Besuchern. Unter Kriegsbedingungen sind solche Schutzmaßnahmen allerdings nur sehr eingeschränkt möglich, insbesondere wenn sichere Transportwege, Futter und tiermedizinische Betreuung fehlen. Für die überlebenden Tiere in Nuseirat kommt es daher darauf an, dass die Wiedereröffnung auch zu einer langfristigen Verbesserung ihrer Lebensbedingungen beiträgt.
Auch andere Zoobetreiber kämpfen um das Überleben ihrer Tiere
Wie schwierig die Situation im Gazastreifen ist, dokumentierte Reuters bereits am 18. August am Beispiel des Zoobetreibers Mahmoud Gomaa. Dieser hatte ursprünglich einen Tierpark in Rafah betrieben, musste seine Tiere während des Krieges jedoch mehrfach an andere Orte bringen und eröffnete schließlich einen Zoo in Nuseirat. Auf der Flucht konnte er nicht alle Tiere mitnehmen, darunter drei Löwen, mehrere Krokodile und afrikanische Strauße. Bei seiner späteren Rückkehr fand er nach eigenen Angaben nur noch die Überreste der zurückgelassenen Krokodile und Strauße vor, während die drei Löwen verschwunden waren.
Die Reuters-Recherche verdeutlicht, welche zusätzlichen Schwierigkeiten entstehen, wenn Tierhalter ihre Einrichtungen unter Kriegsbedingungen verlassen müssen. Fehlende Transportmöglichkeiten, unsichere Straßen und die eingeschränkte Verfügbarkeit von Futter und Medikamenten können die Rettung erheblich erschweren. Während der Zoo Magdeburg seine Evakuierungsabläufe unter kontrollierten Bedingungen erproben konnte, müssen Zoobetreiber in Kriegsgebieten häufig kurzfristig und ohne vergleichbare Unterstützung entscheiden. Ob der von Reuters porträtierte Zoo Gommaas und der in den Septemberberichten gezeigte Tierpark Nabhans organisatorisch zusammenhängen, lässt sich aus den verfügbaren Berichten nicht eindeutig feststellen.
Zwischen Besucherattraktion und Verantwortung für die Tiere
Für die Kinder in Nuseirat erfüllt der Zoo eine Funktion, die weit über die Begegnung mit exotischen Tieren hinausgeht. Nach Jahren, in denen viele Familien kaum Zugang zu Freizeitangeboten hatten, bietet er eine Gelegenheit, für kurze Zeit Abstand von ihrem belastenden Alltag zu gewinnen. Dass ausgerechnet ein gewöhnlicher Esel mit aufgemalten Zebrastreifen für Aufmerksamkeit sorgt, verdeutlicht die begrenzten Möglichkeiten der Betreiber. Gleichzeitig darf die Freude über die ungewöhnliche Attraktion nicht von den Bedürfnissen der übrigen Tiere ablenken.
Auch unter schwierigen Bedingungen benötigen Zootiere eine kontinuierliche Versorgung, geeignete Rückzugsmöglichkeiten und fachkundige Betreuung. Wie aufwendig eine langfristig angelegte Tierhaltung sein kann, zeigt beispielsweise der Neubau des Reptiliums im Erlebnis-Zoo Hannover, bei dem die Bedürfnisse der Tiere bereits in die Planung einbezogen werden. Von solchen infrastrukturellen Möglichkeiten sind die Einrichtungen im Gazastreifen gegenwärtig weit entfernt. Die Wiedereröffnung ist deshalb ein wichtiger Schritt für die örtlichen Familien, ersetzt aber weder eine sichere Unterbringung noch die notwendige tiermedizinische Versorgung.
Ein Stück Normalität unter außergewöhnlichen Bedingungen
Der bemalte Esel im Nuseirat-Zoo ist zu einem ungewöhnlichen Symbol für den Versuch geworden, Kindern trotz der Folgen des Krieges wieder Freude zu ermöglichen. Die aktuellen Aufnahmen zeigen, dass dafür nicht unbedingt seltene Wildtiere oder aufwendig gestaltete Anlagen erforderlich sind. Zugleich machen die Berichte über die verbliebenen Tiere deutlich, dass der Weg zu einem dauerhaft gesicherten Zoobetrieb noch weit ist. Ob sich die Situation nachhaltig verbessert, hängt insbesondere davon ab, ob Futter, Wasser, medizinische Versorgung und sichere Gehege langfristig zur Verfügung stehen.
Für die Verantwortlichen bleibt die tägliche Versorgung der Tiere eine ebenso wichtige Aufgabe wie die Betreuung der Besucher. Der Fall Nuseirat zeigt damit zwei Seiten zoologischer Einrichtungen: Sie können Menschen einen Ort der Begegnung und Erholung bieten, tragen aber gleichzeitig Verantwortung für Lebewesen, die vollständig auf ihre Betreuung angewiesen sind. Gerade unter den außergewöhnlichen Bedingungen im Gazastreifen lässt sich diese Verantwortung nur mit erheblichen Anstrengungen erfüllen. Die aktuelle Aufmerksamkeit für den bemalten Esel könnte dazu beitragen, auch die schwierige Situation der anderen Zootiere stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.
Quellen
- ANSA – Gaza, allo zoo la nuova attrazione è una „finta zebra“ – Mondo – Ansa.it – https://www.ansa.it/sito/videogallery/mondo/2026/09/25/gaza-allo-zoo-la-nuova-attrazione-e-una-finta-zebra_2f41926d-0d2e-40c0-a82b-2282e8c18bc8.html
- Al Jazeera – „حمار وحشي مزور“ نجم حديقة حيوانات في غزة | منوعات | الجزيرة نت – https://www.aljazeera.net/misc/2026/9/24/%D8%AD%D9%85%D8%A7%D8%B1-%D9%88%D8%AD%D8%B4%D9%8A-%D9%85%D8%B2%D9%88%D8%B1-%D9%86%D8%AC%D9%85-%D8%AD%D8%AF%D9%8A%D9%82%D8%A9-%D8%AD%D9%8A%D9%88%D8%A7%D9%86%D8%A7%D8%AA-%D9%81%D9%8A
- Reuters – At a Gaza zoo, war takes its toll on the animals – https://www.reuters.com/world/middle-east/gaza-zoo-war-takes-its-toll-animals-2026-08-18/
- Reuters Connect – Licensable picture: Palestinians visit and interact with animals at a zoo in Nuseirat – https://www.reutersconnect.com/item/palestinians-visit-and-interact-with-animals-at-a-zoo-in-nuseirat/dGFnOnJldXRlcnMuY29tLDIwMjY6bmV3c21sX1JDMjJUTUFXVkhMVg
- Gießener Allgemeine – Esel mit Zebrastreifen: Gaza-Zoo öffnet nach Krieg wieder seine Tore – https://www.giessener-allgemeine.de/welt/esel-mit-zebrastreifen-gaza-zoo-oeffnet-nach-krieg-wieder-seine-tore-zr-94511405.html

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