Erlebnis-Zoo Hannover: Aldabra-Riesenschildkröten kehren zurück – neues Reptilium nimmt Gestalt an

Rückkehr der Riesen nach Hannover

Der Erlebnis-Zoo Hannover bereitet die Rückkehr der Aldabra-Riesenschildkröten vor. Für die beeindruckenden Reptilien entsteht derzeit ein neues Reptilium mit angeschlossenem Warmhaus, das voraussichtlich bis Ende 2027 fertiggestellt werden soll. Dabei geht es nicht nur um eine attraktive neue Tieranlage, sondern auch um die langfristige Haltung und möglichst erfolgreiche Nachzucht einer bedrohten Tierart.

Nach Angaben des Zoos fließen sowohl frühere Erfahrungen mit Aldabra-Riesenschildkröten als auch aktuelle Erkenntnisse aus dem Austausch mit anderen zoologischen Einrichtungen in die Planung ein. Das Zoologenteam will damit Bedingungen schaffen, die den natürlichen Bedürfnissen der Tiere möglichst umfassend entsprechen. Unterstützt wird das Bauprojekt zudem durch Spenden und Patenschaften.

Der Zoo hat das Vorhaben bereits mit Visualisierungen, Planungsdetails und Aussagen der beteiligten Fachleute vorgestellt. Dadurch wird deutlich, dass die Anlage nicht allein nach optischen Gesichtspunkten entwickelt wird. Im Mittelpunkt stehen vielmehr Klima, Bewegung, Fortpflanzung und ein langfristig funktionierendes Haltungskonzept.

Großzügige Außenanlage und tropisches Warmhaus

Die neue Schildkrötenanlage soll eine rund 340 Quadratmeter große Außenfläche umfassen. Hinzu kommt eine naturnah gestaltete Innenanlage, für die der Zoo etwa 100 Quadratmeter nennt. Zwei Sandbäder sollen den Schildkröten geeignete Plätze zur Eiablage bieten, während ein großes Badebecken zusätzliche Beschäftigungs- und Rückzugsmöglichkeiten schaffen soll.

Das angeschlossene Warmhaus wird nach Angaben regionaler Medien rund 240 Quadratmeter umfassen. Dort soll ein tropisches Klima mit einer konstanten Temperatur von ungefähr 26 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit zwischen 60 und 80 Prozent entstehen. Gerade für Aldabra-Riesenschildkröten ist eine stabile Klimatisierung entscheidend, da die Tiere ursprünglich von den Aldabra-Inseln im Indischen Ozean stammen.

Natursteinboden, unterschiedliche Sandbereiche sowie moderne Licht- und Klimatechnik gehören ebenfalls zum Konzept. Innen- und Außenanlage sollen direkt miteinander verbunden werden, sodass die Tiere bei geeigneten Temperaturen zwischen beiden Bereichen wechseln können. Eine Besucherbrücke soll die Schildkrötenanlage zudem mit dem benachbarten Zoologicum verbinden.

Bewegung, Beschäftigung und natürliche Verhaltensweisen

Auch die Gestaltung der Außenanlage orientiert sich an den Anforderungen der Tiere. Geplant sind Wiesenflächen, Bäume, Büsche, Findlinge, ein Feuchtgebiet und verschiedene Sandbereiche. Diese Strukturen sollen den Schildkröten nicht nur Abwechslung bieten, sondern sie auch zur Bewegung anregen.

Die Geländestruktur spielt dabei eine wichtige Rolle. Unebenheiten, unterschiedliche Untergründe und räumlich getrennte Bereiche fördern die Aktivität und können zum Muskelaufbau beitragen. Nach Angaben der beteiligten zoologischen Fachleute kann eine gute körperliche Verfassung wiederum Einfluss auf das Fortpflanzungsverhalten haben.

Der Zoo verfolgt damit nicht nur das Ziel, die Riesenschildkröten dauerhaft in Hannover zu halten. Langfristig soll die neue Anlage auch bessere Voraussetzungen für eine erfolgreiche Nachzucht schaffen. Gerade bei einer Tierart, deren Vermehrung in europäischen Zoos anspruchsvoll ist, kommt der Gestaltung der Anlage deshalb besondere Bedeutung zu.

Zusammenarbeit mit dem Erhaltungszuchtprogramm

Der Erlebnis-Zoo Hannover stimmt das Projekt nach eigenen Angaben mit dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm der European Association of Zoos and Aquaria ab. Über solche Programme werden Tierbestände, Zuchtlinien und mögliche Tiertransfers zwischen europäischen Zoos koordiniert. Ziel ist es, genetisch stabile Populationen außerhalb des natürlichen Lebensraums zu erhalten.

Diese Zusammenarbeit zeigt, dass die geplante Haltung nicht isoliert betrachtet wird. Welche Tiere später konkret nach Hannover kommen, hängt voraussichtlich auch von den Empfehlungen und der Bestandsplanung des Erhaltungszuchtprogramms ab. Eine solche Koordination verhindert unkontrollierte Verpaarungen und hilft dabei, die genetische Vielfalt der Population zu sichern.

Neben Kurator Robin Walb und Tierpfleger Revin Meyer sind auch das Baumanagement und die Geschäftsführung in die Planung eingebunden. Baumanagementleiter Sebastian van Oorschot erläuterte unter anderem die baulichen und technischen Anforderungen des neuen Reptiliums. Die unterschiedlichen Zuständigkeiten verdeutlichen, dass Tierhaltung, Bauplanung und technische Umsetzung eng miteinander abgestimmt werden müssen.

Viele Einzelheiten werden erst vor dem Einzug feststehen

Noch nicht öffentlich bekannt ist, welche einzelnen Aldabra-Riesenschildkröten später in die neue Anlage einziehen werden. Ebenso dürften konkrete Informationen zu Transport, Eingewöhnung und möglichen Quarantänemaßnahmen erst näher am tatsächlichen Einzug festgelegt werden. Bei einem Bauprojekt, dessen Fertigstellung noch mehr als ein Jahr entfernt ist, ist dies jedoch nicht ungewöhnlich.

Tiertransporte und die Haltung geschützter Arten erfolgen nicht allein auf Grundlage einer öffentlichen Projektbeschreibung. Dafür gelten veterinärmedizinische, tierschutzrechtliche und artenschutzrechtliche Vorgaben, die von den zuständigen Behörden kontrolliert werden. Hinzu kommt die fachliche Abstimmung innerhalb des europäischen Erhaltungszuchtprogramms.

Aus den derzeit noch fehlenden Detailangaben lässt sich deshalb kein Versäumnis des Zoos ableiten. Entscheidend wird sein, ob die angekündigten baulichen und zoologischen Maßnahmen tatsächlich wie geplant umgesetzt werden. Die bisher veröffentlichten Informationen zeigen jedenfalls, dass der Zoo die besonderen Bedürfnisse der Riesenschildkröten bereits in einer frühen Bauphase berücksichtigt.

Ein anspruchsvolles Artenschutzprojekt

Mit dem neuen Reptilium schafft der Erlebnis-Zoo Hannover die Voraussetzungen für die Rückkehr einer der größten Landschildkrötenarten der Welt. Die Verbindung aus Außenanlage, tropischem Warmhaus, Badebecken, Eiablageplätzen und abwechslungsreicher Geländestruktur deutet auf ein durchdachtes Haltungskonzept hin. Besonders positiv ist, dass die Anlage nicht nur für die Präsentation der Tiere, sondern ausdrücklich auch für eine mögliche Nachzucht entwickelt wird.

Zoologische Einrichtungen übernehmen bei bedrohten Tierarten eine wichtige Aufgabe. Sie halten Reservepopulationen, sammeln Erkenntnisse über Haltung und Fortpflanzung und ermöglichen Besuchern, Arten kennenzulernen, die sie in freier Natur kaum jemals sehen würden. Voraussetzung dafür ist eine fachgerechte Haltung, die den biologischen Bedürfnissen der Tiere entspricht.

Ob sich die Hoffnungen auf eine erfolgreiche Nachzucht erfüllen, wird sich erst im späteren Betrieb zeigen. Der Erlebnis-Zoo Hannover investiert mit dem Reptilium jedoch erkennbar in moderne Haltungsbedingungen und langfristige Artenschutzarbeit. Die Rückkehr der Aldabra-Riesenschildkröten könnte damit zu einem der bedeutendsten zoologischen Projekte des Zoos in den kommenden Jahren werden.

Quellen:

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