31 Schafe im Grenzgebiet getötet: War es ein Wolf? DNA-Analyse soll Raubtierangriff klären

Im Grenzgebiet zwischen Steiermark und Kärnten sind am vergangenen Wochenende mindestens 31 Schafe getötet worden. Die Tiere gehörten zu einer Herde mit ursprünglich 62 Schafen, weitere neun Tiere gelten als vermisst. Besonders brisant ist, dass die Herde auf einer mit einem Herdenschutzzaun gesicherten Weide stand. Welches Raubtier für den Angriff verantwortlich ist, steht bislang jedoch nicht fest und soll nun durch eine DNA-Analyse geklärt werden.

Herdenschutzzaun konnte Angriff nicht verhindern

Nach Angaben der „Kleinen Zeitung“ und der „Kronen Zeitung“ war die Weide mit einem etwa einen Meter hohen Herdenschutzzaun gesichert. Dieser verfügte über vier stromführende Litzen und sollte verhindern, dass ein Beutegreifer zu den Schafen gelangt. Dennoch wurde mindestens die Hälfte der gesamten Herde getötet, während weitere Tiere bislang nicht gefunden wurden. Der Vorfall wirft damit zwangsläufig die Frage auf, wie das bislang unbekannte Raubtier die vorhandene Sicherung überwinden konnte und wie zuverlässig solche Schutzmaßnahmen unter den Bedingungen einer Alm tatsächlich funktionieren.

Bislang ist nicht geklärt, ob der Zaun übersprungen, an einer Schwachstelle überwunden oder auf andere Weise passiert wurde. Ebenso wenig ist derzeit bestätigt, dass ein Wolf für die getöteten Schafe verantwortlich ist. Zwar liegt ein Wolfsangriff angesichts vergleichbarer Vorfälle als mögliche Erklärung nahe, eine eindeutige Zuordnung wäre vor Abschluss der Untersuchungen jedoch spekulativ. Gerade deshalb ist es wichtig, zwischen dem festgestellten Schaden und der noch offenen Frage nach dem Verursacher zu unterscheiden.

DNA-Proben sollen Raubtier identifizieren

Ein Rissbegutachter nahm am Ort des Geschehens DNA-Proben, die nun im Labor untersucht werden sollen. Mit ihrer Hilfe soll festgestellt werden, ob tatsächlich ein Wolf oder möglicherweise ein anderes Raubtier für den Angriff verantwortlich war. Erst wenn dieses Ergebnis vorliegt, lässt sich der Vorfall fachlich belastbar einem bestimmten Tier zuordnen. Zugleich dürfte die Untersuchung wichtige Hinweise darauf liefern, wie der Angriff abgelaufen sein könnte.

Für die Bewertung des Herdenschutzes ist diese Klärung ebenfalls entscheidend. Ein Zaun kann nur dann sinnvoll beurteilt werden, wenn bekannt ist, auf welche Weise er überwunden wurde und ob beispielsweise technische oder örtliche Schwachstellen vorhanden waren. Pauschale Aussagen darüber, dass Herdenschutz grundsätzlich funktioniert oder grundsätzlich versagt, lassen sich aus einem einzelnen Vorfall nicht ableiten. Der Fall zeigt jedoch deutlich, dass selbst vorhandene Schutzmaßnahmen einen erheblichen Schaden nicht in jedem Fall verhindern können.

Überlebende Schafe mussten vorzeitig ins Tal

Die überlebenden Tiere wurden nach dem Angriff vorzeitig von der Alm ins Tal gebracht. Für die betroffenen Halter bedeutet das nicht nur das Ende der ursprünglich vorgesehenen Weidezeit, sondern auch zusätzliche Kosten für die Versorgung der verbliebenen Tiere. Statt sich weiterhin auf der Alm zu ernähren, müssen die Schafe nun auf Futterreserven zurückgreifen, die eigentlich für die Wintermonate vorgesehen waren. Nach Angaben der „Kleinen Zeitung“ sind diese Vorräte wegen der anhaltenden Dürre ohnehin bereits knapp.

Damit entsteht für die Halter eine erhebliche wirtschaftliche Doppelbelastung. Einerseits fehlen mindestens 31 getötete Tiere, während bei neun weiteren noch unklar ist, ob sie gefunden werden können. Andererseits müssen die verbliebenen Schafe nun früher als geplant mit eingelagertem Futter versorgt werden. Gerade in einem Jahr mit begrenzten Futterreserven können solche zusätzlichen Belastungen für landwirtschaftliche Betriebe weit über den unmittelbaren Wert der gerissenen Tiere hinausgehen.

Angriff hat Folgen für die Almwirtschaft

Die Auswirkungen betreffen jedoch nicht allein die Tierhalter und ihre Herden. Schafe übernehmen während ihres Aufenthalts auf den Almflächen eine wichtige Funktion bei der Bewirtschaftung, indem sie den Bewuchs kurz halten und eine zunehmende Verbuschung verhindern. Werden Herden nach Raubtierangriffen vorzeitig abgetrieben oder künftig gar nicht mehr aufgetrieben, verändert sich deshalb auch die Nutzung dieser Flächen. Langfristig kann daraus zusätzlicher Pflegeaufwand entstehen, wenn die natürliche Beweidung wegfällt.

Genau hier reicht die Bedeutung des aktuellen Falls über den unmittelbaren Verlust von 31 Schafen hinaus. Wenn Tierhalter trotz vorhandener Schutzmaßnahmen zu dem Ergebnis kommen, dass das Risiko eines erneuten Angriffs zu groß ist, kann die traditionelle Almwirtschaft zunehmend unattraktiv werden. Ein betroffener Halter erklärte laut „Kleiner Zeitung“ bereits, künftig möglicherweise keine Tiere mehr auftreiben zu wollen. Solche Entscheidungen wären für den einzelnen Betrieb nachvollziehbar, könnten in ihrer Summe aber erhebliche Folgen für die Bewirtschaftung ganzer Almregionen haben.

Herdenschutz muss auch praktisch umsetzbar bleiben

Der Vorfall verdeutlicht zugleich ein grundsätzliches Problem in der Debatte um Herdenschutz. Empfehlungen für Zäune und andere Schutzmaßnahmen müssen nicht nur theoretisch wirksam sein, sondern unter den tatsächlichen Bedingungen auf Almflächen dauerhaft umgesetzt werden können. Steiles Gelände, große Weideflächen, Witterung und die notwendige regelmäßige Kontrolle stellen Tierhalter dabei vor deutlich andere Herausforderungen als auf kleinen, leicht zugänglichen Weiden. Kommt es trotz vorhandener Sicherung zu einem massiven Angriff, müssen deshalb auch die konkreten Umstände sorgfältig untersucht werden.

Entscheidend wird nun sein, welches Ergebnis die DNA-Analyse liefert und ob sich rekonstruieren lässt, wie das Raubtier auf die gesicherte Fläche gelangte. Erst danach kann belastbar beurteilt werden, welche Konsequenzen aus dem Angriff für den Herdenschutz gezogen werden sollten. Für die betroffenen Bauern bleiben die Folgen dagegen schon jetzt sehr konkret: ein großer Verlust innerhalb ihrer Herde, zusätzliche Futterkosten und die Frage, ob sie ihre Tiere künftig überhaupt noch auf die Alm treiben wollen. Damit steht am Ende nicht nur die Sicherheit einzelner Schafe zur Debatte, sondern auch die Zukunft einer Form der Landwirtschaft, die auf die Nutzung dieser Flächen angewiesen ist.

Quellen

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