Tierschutzzentrum Thurgau in Bethlehem geplant: Platz für bis zu 500 Tiere

Zentrales Projekt für den Kanton Thurgau

Die Stiftung Tierschutzzentrum Thurgau plant im Weiler Bethlehem in der Gemeinde Homburg ein neues Zentrum für die Aufnahme und Versorgung von Tieren. Nach Angaben der Projektverantwortlichen soll die Einrichtung Platz für bis zu 500 Tiere bieten und rund um die Uhr für Notfälle erreichbar sein. Die veranschlagten Baukosten liegen bei rund fünf Millionen Schweizer Franken. Etwa die Hälfte dieser Summe soll bereits durch Spenden sowie Mittel von Vereinen und Stiftungen gedeckt sein.

Für den Kanton Thurgau könnte das Vorhaben eine bestehende Versorgungslücke schließen. Bislang übernehmen mehrere Tierschutzvereine, private Helfer und kleinere Einrichtungen die Aufnahme von Fundtieren, beschlagnahmten Tieren und anderen Notfällen. Eine zentrale Anlaufstelle besteht bisher nicht, weshalb Polizei, Rettungsdienste und Gemeinden häufig kurzfristig nach geeigneten Unterbringungsmöglichkeiten suchen müssen. Ein gemeinsames Zentrum könnte diese Abläufe vereinfachen und zugleich einheitliche Standards bei Aufnahme, Hygiene, Quarantäne und Dokumentation schaffen.

Das Projekt befindet sich allerdings noch in einer frühen Phase. Eine endgültige Baubewilligung liegt bislang nicht vor, und auch die vollständige Finanzierung ist noch nicht gesichert. Hinzu kommen offene Fragen zur personellen Ausstattung, zur langfristigen Betriebsorganisation und zur Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden. Der angekündigte Umfang des Vorhabens ist deshalb ambitioniert und muss sich erst in der weiteren Planung als realistisch erweisen.

Aufnahme unterschiedlicher Tierarten vorgesehen

Das geplante Tierschutzzentrum soll nicht ausschließlich Hunde und Katzen aufnehmen. Nach den bisher veröffentlichten Angaben sind auch Bereiche für Kleintiere, Vögel, Reptilien, Igel und Schildkröten vorgesehen. Gerade für weniger häufig aufgenommene oder besonders anspruchsvolle Tierarten fehlen im Thurgau nach Darstellung der Stiftung geeignete feste Plätze. Das Zentrum soll diese Lücke schließen und eine fachgerechte Unterbringung über unterschiedliche Tiergruppen hinweg ermöglichen.

Eine solche Ausrichtung stellt hohe Anforderungen an die bauliche und personelle Planung. Reptilien, Vögel oder Wildtiere benötigen andere Unterbringungsbedingungen als Hunde und Katzen. Zusätzlich sind getrennte Quarantänebereiche, eine verlässliche tiermedizinische Betreuung und Mitarbeiter mit entsprechendem Fachwissen erforderlich. Die bloße Zahl möglicher Plätze sagt daher noch wenig darüber aus, wie viele Tiere gleichzeitig und unter welchen Bedingungen tatsächlich versorgt werden können.

Die Stiftung beschreibt das Vorhaben nicht nur als Tierheim, sondern als Kompetenzzentrum für Tierschutz, Bildung und Notfallaufnahme. Geplant sind demnach auch Schulprogramme, Informationsangebote und weitere Projekte zur Vermittlung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Tieren. Solche Angebote können die gesellschaftliche Bedeutung des Zentrums stärken und zusätzliche Besucher ansprechen. Sie dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die sichere Versorgung der aufgenommenen Tiere die wichtigste und kostenintensivste Aufgabe bleiben wird.

Grundstück soll aus einer Erbschaft stammen

Nach Angaben der Stiftung wurde rund drei Jahre lang nach einem geeigneten Standort gesucht. In diesem Zeitraum seien ungefähr 200 Objekte geprüft worden, ohne dass sich zunächst eine tragfähige Lösung ergeben habe. Die Möglichkeit im Weiler Bethlehem entstand schließlich durch einen Anwohner, der sein Haus beziehungsweise sein Grundstück der Stiftung vererben möchte. Der schwer erkrankte Mann soll verfügt haben, dass das Anwesen künftig Tieren zugutekommen soll.

Damit unterscheidet sich die Ausgangslage von einem gewöhnlichen Grundstückskauf. Die Stiftung müsste das Areal nicht zu marktüblichen Bedingungen erwerben, was die finanzielle Belastung des Projekts erheblich reduzieren könnte. Gleichzeitig muss die formelle Eigentumsübertragung rechtlich eindeutig abgeschlossen sein, bevor größere Investitionen vorgenommen werden können. Welche konkreten Bedingungen mit der Erbschaft verbunden sind, geht aus den bislang veröffentlichten Angaben nicht näher hervor.

Eine Bauanfrage wurde nach Darstellung der Projektleitung bereits eingereicht. Die Gemeinde und die Anwohner seien über das Vorhaben informiert worden, eine endgültige Genehmigung liegt jedoch noch nicht vor. Damit bleibt offen, welche baulichen Anpassungen, Lärmschutzmaßnahmen oder weiteren Auflagen von den zuständigen Stellen verlangt werden. Solche Anforderungen können sowohl den Zeitplan als auch die kalkulierten Baukosten verändern.

Lärmfragen sorgen in der Nachbarschaft für Bedenken

Ein wesentlicher Diskussionspunkt ist die mögliche Lärmbelastung durch die geplante Tierhaltung. Besonders das Bellen einer größeren Zahl von Hunden sorgt bei Anwohnern für Sorgen. Diese Bedenken sind bei einem Projekt dieser Größenordnung nachvollziehbar, weil sich das Zentrum in unmittelbarer Nähe zu bestehenden Wohnhäusern befinden soll. Die Frage des Lärms dürfte deshalb im weiteren Bewilligungsverfahren eine zentrale Rolle spielen.

Die Stiftung verweist auf eine von ihr in Auftrag gegebene Akustikstudie. Nach Darstellung der Projektverantwortlichen sollen die Geräusche in den benachbarten Häusern ungefähr der Lautstärke eines normalen Gesprächs entsprechen. Die Innenräume sollen schallisoliert werden, während mehrere getrennte Außenbereiche eine kontrollierte Nutzung ermöglichen sollen. Vorgesehen ist, dass sich jeweils höchstens acht Hunde gleichzeitig in einem Auslauf aufhalten.

In den Innenräumen sollen Gruppen von maximal vier Hunden untergebracht werden. Zusätzlich setzt die Stiftung nach eigenen Angaben auf Training, Beschäftigung und möglichst stabile Tiergruppen, um anhaltendes Bellen zu reduzieren. Diese Maßnahmen können grundsätzlich zur Lärmminderung beitragen, ersetzen aber nicht die abschließende behördliche Bewertung. Entscheidend wird sein, ob die vorgelegten Berechnungen unter realistischen Betriebsbedingungen Bestand haben und welche Auflagen daraus folgen.

Bislang sind vor allem die Aussagen der Projektseite öffentlich bekannt. Eine umfassende behördliche Bewertung der Akustikstudie wurde noch nicht veröffentlicht. Für die betroffenen Anwohner wäre eine transparente Darstellung der Messannahmen, der geplanten Betriebszeiten und der möglichen Schutzmaßnahmen wichtig. Nur so lässt sich nachvollziehen, ob die angekündigte Lärmbelastung tatsächlich dauerhaft eingehalten werden kann.

Pfotenvilla dient derzeit als Übergangslösung

Als vorläufige Notfallunterkunft betreibt die Stiftung seit März die sogenannte Pfotenvilla in Wigoltingen. Dort stehen derzeit 25 Plätze für Hunde zur Verfügung, die von fünf Mitarbeitenden betreut werden. Zusätzlich gibt es ein Notfallzimmer mit gesichertem Zugang für Polizei und Rettungsdienste. Tiere können dadurch auch außerhalb regulärer Öffnungszeiten kurzfristig aufgenommen werden.

Die Pfotenvilla liefert der Stiftung erste praktische Erfahrungen für das größere Projekt. Getestet werden Abläufe bei der Notfallaufnahme, beim Hundetraining und bei der Zusammenarbeit mit öffentlichen Stellen. Auch die Kommunikation mit der Nachbarschaft und die Organisation kleiner Hundegruppen können unter realen Bedingungen erprobt werden. Diese Erfahrungen sind für die weitere Planung wertvoll, weil sie über theoretische Konzepte hinausgehen.

Die Größenverhältnisse lassen sich jedoch nur begrenzt auf das geplante Zentrum übertragen. Eine Einrichtung mit mehreren Hundert Plätzen und verschiedenen Tierarten benötigt deutlich komplexere Abläufe als eine Unterkunft für 25 Hunde. Der Bedarf an Tierpflegern, Verwaltungspersonal, Reinigungskräften und veterinärmedizinischer Betreuung würde erheblich steigen. Auch Quarantäne, Futterlagerung, Medikamentenverwaltung und Dokumentation müssten wesentlich umfangreicher organisiert werden.

Die Pfotenvilla ist zudem nur als vorübergehende Lösung vorgesehen. Nach den bisherigen Angaben soll das Gebäude mittelfristig abgerissen werden, ein genauer Zeitpunkt steht jedoch noch nicht fest. Damit besteht zusätzlicher Druck, eine langfristige Unterbringungsmöglichkeit zu schaffen. Ob das Projekt in Bethlehem rechtzeitig umgesetzt werden kann, hängt allerdings von den noch offenen Genehmigungs- und Finanzierungsfragen ab.

Finanzierung des Betriebs bleibt die zentrale Herausforderung

Für den Bau des Tierschutzzentrums werden rund fünf Millionen Franken veranschlagt. Dass etwa die Hälfte dieser Summe nach Angaben der Stiftung bereits gesichert ist, bildet eine wichtige Ausgangslage. Dennoch muss für die verbleibenden Kosten noch eine verlässliche Finanzierung gefunden werden. Hinzu kommt, dass Bauprojekte dieser Größenordnung durch zusätzliche Auflagen oder Preissteigerungen teurer werden können als ursprünglich kalkuliert.

Noch wichtiger als die einmaligen Baukosten sind die langfristigen Ausgaben für den täglichen Betrieb. Ein Zentrum mit verschiedenen Tierarten verursacht hohe Kosten für Personal, Futter, Tiermedizin, Energie, Reinigung und Instandhaltung. Auch Fahrzeuge, technische Anlagen und spezielle Unterbringungsbereiche müssen dauerhaft finanziert werden. Ein Gebäude kann mit Spenden errichtet werden, doch der Betrieb muss über viele Jahre hinweg gesichert bleiben.

Bereits die Pfotenvilla beschäftigt für 25 Hunde fünf Mitarbeitende. Auch wenn sich dieser Personalschlüssel nicht direkt auf das geplante Zentrum übertragen lässt, zeigt er den erheblichen Betreuungsaufwand. Für mehrere Hundert Tiere wäre eine deutlich größere Zahl qualifizierter Beschäftigter erforderlich. Ohne eine belastbare Personalplanung bleibt deshalb unklar, wie die angekündigten Kapazitäten tatsächlich genutzt werden sollen.

Die Stiftung nennt Bildungsangebote, Vermittlungsarbeit und Spenden als mögliche Bestandteile der Finanzierung. Solche Einnahmen können den Betrieb unterstützen, dürften allein aber kaum ausreichen, um sämtliche laufenden Kosten zuverlässig zu decken. Notwendig wäre daher ein transparenter Finanzierungsplan mit langfristig gesicherten Einnahmen. Dabei müsste auch deutlich werden, ob Gemeinden, Kanton oder andere öffentliche Stellen künftig einen finanziellen Beitrag leisten sollen.

Bedeutung für den Thurgauer Tierschutz

Ein zentrales Tierschutzzentrum könnte die bisher verteilten Strukturen im Kanton Thurgau deutlich verbessern. Polizei und Rettungsdienste hätten eine feste Anlaufstelle, während Tierschutzvereine gemeinsame Standards und klarere Zuständigkeiten entwickeln könnten. Besonders für Tierarten, für die bisher kaum geeignete Plätze vorhanden sind, wäre das Vorhaben ein Fortschritt. Auch die rund um die Uhr mögliche Notfallaufnahme würde einen praktischen Nutzen bieten.

Die Größe des Projekts bringt jedoch erhebliche Anforderungen mit sich. Finanzierung, Personal, Genehmigung und Nachbarschaftsschutz müssen nicht nur angekündigt, sondern dauerhaft abgesichert werden. Besonders die Zahl von bis zu 500 Tieren verlangt eine genaue Erklärung, ob es sich um gleichzeitige Plätze, eine Jahreskapazität oder eine Kombination unterschiedlicher Aufnahmeformen handelt. Eine transparente Darstellung dieser Zahlen würde helfen, unrealistische Erwartungen zu vermeiden.

Für die Stiftung bietet das Projekt die Chance, die Tierschutzarbeit im Kanton langfristig neu zu organisieren. Gleichzeitig muss sie zeigen, dass das Zentrum nicht nur gebaut, sondern auch fachgerecht und wirtschaftlich stabil betrieben werden kann. Die bisherigen Erfahrungen aus der Pfotenvilla können dafür eine Grundlage liefern, reichen als Nachweis für die Funktionsfähigkeit eines erheblich größeren Betriebs aber noch nicht aus. Der weitere Verlauf wird deshalb vor allem davon abhängen, wie konkret die offenen Fragen beantwortet werden.

Das geplante Tierschutzzentrum in Bethlehem ist damit ein ambitioniertes Vorhaben mit erkennbarem Nutzen. Es könnte bestehende Versorgungslücken schließen und die Zusammenarbeit zwischen Vereinen und Behörden verbessern. Bis zur tatsächlichen Umsetzung sind jedoch noch wesentliche rechtliche, finanzielle und organisatorische Hürden zu überwinden. Erst nach Abschluss dieser Prüfungen lässt sich beurteilen, ob aus der Planung ein dauerhaft tragfähiges Zentrum für den Thurgau wird.

Quellen:

Wohin mit den Tieren? | Kanton – Weinfelden24 – https://weinfelden24.ch/articles/393220-wohin-mit-den-tieren Passender GERATI-Artikel: 1. effektive Ära der Einheit: Thurgauer Tierschutzvereine – https://gerati.de/2023/08/01/tierschutzvereine-in-thurgauer/

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