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Fakten statt Polemik. Aufklärung über radikalen Tierschutz.

Kritisch. Fundiert. Unabhängig.Hintergrundanalysen und aktuelle Entwicklungen.

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  • Deutschland sucht Igel und Maulwurf: NABU startet siebte bundesweite Meldeaktion

    Deutschland sucht Igel und Maulwurf: NABU startet siebte bundesweite Meldeaktion

    Vom 18. bis 28. September können Menschen in ganz Deutschland Igel und Maulwürfe melden. Die siebte bundesweite Aktion „Deutschland sucht Igel und Maulwurf“ soll Beobachtungsdaten sammeln und langfristig bessere Aussagen über die Bestandsentwicklung beider Arten ermöglichen.

    Sichtungen online eintragen

    Meldungen werden über die Plattform Igelsuche.de entgegengenommen. Wichtig sind vor allem Datum und Fundort der Beobachtung; Fotos und zusätzliche Angaben zum Tier können die Auswertung ergänzen. Auch tote Tiere, etwa nach einem Verkehrsunfall, sollen eingetragen werden. Solche Hinweise können helfen, Gefahrenstellen und mögliche Belastungen für die Tiere genauer zu erfassen.

    Igel sind überwiegend nachts oder in der Dämmerung aktiv. Maulwürfe leben größtenteils unter der Erde und werden deshalb meist nur indirekt durch ihre Hügel wahrgenommen. Die unterschiedlichen Lebensweisen machen eine systematische Erfassung schwierig. Zufällige Meldungen aus Gärten, Parks und anderen Siedlungsbereichen liefern daher wichtige Ergänzungen zu wissenschaftlichen Untersuchungen.

    Daten für eine wissenschaftliche Auswertung

    Die erhobenen Informationen fließen in eine Studie des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung ein. Nach Angaben des NABU fehlen bislang verlässliche bundesweite Zahlen zu den Beständen von Igeln und Maulwürfen. Durch wiederholte Meldeaktionen sollen über längere Zeit Datenreihen entstehen, mit denen sich Populationstrends besser erkennen lassen.

    An dem Projekt beteiligen sich neben dem NABU und NABU|naturgucker auch die Deutsche Wildtier Stiftung, die Deutsche Gartenbau-Gesellschaft 1822, das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung sowie der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern. Aus den Ergebnissen können später Schutzmaßnahmen abgeleitet werden. Eine einzelne Beobachtung beschreibt dabei nicht den Bestand einer Region, gewinnt aber im Zusammenspiel mit vielen weiteren Meldungen an Aussagekraft.

    Der Igel wird in der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands auf der Vorwarnliste geführt. Der Maulwurf gilt dort derzeit als ungefährdet. Die unterschiedlichen Einstufungen machen deutlich, warum getrennte und langfristig vergleichbare Daten für beide Arten notwendig sind.

    Herbstlaub als Schutz im Garten

    Wer Igel und Maulwürfe unterstützen möchte, kann den eigenen Garten naturnah gestalten. Der NABU empfiehlt unter anderem, Herbstlaub auf Beeten oder unter Gehölzen liegen zu lassen. Für Igel kann es als Versteck und Winterquartier dienen; zugleich finden sich darin Insekten, die zur Nahrung der Tiere gehören.

    Die Meldeaktion verbindet damit eine einfache Beobachtung im Alltag mit wissenschaftlicher Datensammlung. Entscheidend ist, Sichtungen möglichst genau zu dokumentieren und Tiere nicht zu stören. Für die Auswertung zählt nicht nur, wo lebende Tiere entdeckt werden, sondern auch, wo tote Exemplare gefunden werden.

    Quellen

  • Pantanal-Voliere Zoo Zürich: Bau wird nach monatelanger Pause fortgesetzt

    Pantanal-Voliere Zoo Zürich: Bau wird nach monatelanger Pause fortgesetzt

    Nach monatelangem Stillstand kommt beim Bau der Pantanal-Voliere im Zoo Zürich wieder Bewegung in das Projekt. Zwei neue Stahlbauunternehmen aus der Slowakei und Italien haben die Arbeiten übernommen, nachdem die Zusammenarbeit mit dem ursprünglichen Auftragnehmer Baltensperger gescheitert war. Erste Stahlelemente für die außergewöhnliche Konstruktion werden inzwischen geliefert. Einen neuen Termin für die Eröffnung der Anlage nennt der Zoo weiterhin nicht.

    Zwei Spezialfirmen übernehmen den Stahlbau

    Der Zoo Zürich hatte bereits im Mai 2026 bekannt gegeben, dass die slowakische Stakotra Manufacturing s.r.o. und die italienische Cimolai S.p.A. mit der Fertigstellung der Stahlkonstruktion beauftragt wurden. Beide Unternehmen arbeiten parallel, übernehmen jedoch unterschiedliche Aufgaben. Stakotra soll die Unterkonstruktion herstellen und montieren sowie später die Bogenträgerelemente montieren, während Cimolai rund 60 einzelne Bogenteile produziert.

    Vor der endgültigen Vergabe mussten beide Unternehmen nach Angaben des Zoos Probeelemente im Maßstab 1:1 herstellen. Diese Werkstücke mussten innerhalb der vorgegebenen Toleranzen und des verlangten Zeitrahmens gefertigt werden. Der Zoo erklärte anschließend, beide Unternehmen hätten diese Anforderungen erfüllt. Mit dem Eintreffen erster Bauteile auf dem Zoogelände wird nun sichtbar, dass die unterbrochene Stahlbauphase tatsächlich wieder anlaufen kann.

    Bemerkenswert ist dabei, dass sich der Zoo nach dem Scheitern mit einem Schweizer Unternehmen bewusst für zwei international tätige Spezialisten entschieden hat. Stakotra fertigt unter anderem hochpräzise Konstruktionen für Industrieanlagen und Achterbahnen. Cimolai ist an internationalen Großprojekten beteiligt und verfügt ebenfalls über Erfahrung mit technisch anspruchsvollen Stahlkonstruktionen.

    Der Streit mit Baltensperger bleibt ungeklärt

    Die vorherige Zusammenarbeit mit der Baltensperger AG aus Höri war Ende 2025 eskaliert. Nach Darstellung des Zoo Zürich habe das Unternehmen die vertraglich vereinbarten Anforderungen hinsichtlich technischer Toleranzen, Terminen und Kosten nicht ausreichend erfüllt. Der Zoo erklärte später, dass insbesondere bei der Fertigung der komplizierten Unterkonstruktion erhebliche Verzögerungen und Abweichungen aufgetreten seien.

    Baltensperger widersprach dieser Darstellung. Das Unternehmen argumentierte unter anderem, das Projekt habe sich gegenüber dem ursprünglich vereinbarten Rahmen erheblich verändert und die Anforderungen seien mit der ursprünglichen Planung und Kalkulation nicht vereinbar gewesen. Auch über bereits produzierte Stahlbogenteile kam es anschließend zu keiner Einigung zwischen beiden Seiten.

    Der Zoo entschied schließlich, die bereits bei Baltensperger produzierten Bogenteile nicht weiterzuverwenden. Auch die neuen Auftragnehmer wollten diese nach Angaben des Zoos nicht übernehmen, weil deren tatsächliche Fertigungsqualität und Maßhaltigkeit nicht ausreichend beurteilt werden könnten. Die unterschiedlichen Darstellungen des Zoos und des ehemaligen Auftragnehmers zum Scheitern der Zusammenarbeit bleiben damit bestehen.

    11.000 Quadratmeter und bis zu 35 Meter Höhe

    Die Pantanal-Voliere gehört zu den technisch aufwendigsten Bauvorhaben im Entwicklungsplan 2050 des Zoo Zürich. Die Anlage entsteht auf einer Fläche von rund 11.000 Quadratmetern und soll an ihrer höchsten Stelle etwa 35 Meter erreichen. Zehn weit gespannte Stahlbögen bilden später die tragende Konstruktion der Voliere, deren Inneres weitgehend ohne störende Stützpfeiler auskommen soll.

    Über die Bögen wird ein etwa 13.500 Quadratmeter großes Gitternetz gespannt. Nach Angaben des Zoos ergibt sich für die Stahlbögen und das Netz zusammen eine Gesamtlast von rund 1.400 Tonnen, die über den Rand der Konstruktion abgetragen werden muss. Gerade die Kombination aus großen Spannweiten, geringen Fertigungstoleranzen und einer möglichst freien Fläche im Inneren macht den Stahlbau technisch anspruchsvoll.

    Der dadurch entstehende große Luftraum ist allerdings kein Selbstzweck. Die geplante Konstruktion soll insbesondere verschiedenen Vogelarten deutlich größere Flugräume ermöglichen und gleichzeitig unterschiedliche südamerikanische Tierarten in einem gemeinsamen, naturnah gestalteten Lebensraum zusammenführen.

    Mehr als 15 gefährdete Tierarten vorgesehen

    Der Zoo plant für die Pantanal-Anlage mehr als 15 gefährdete Tierarten. Genannt werden unter anderem Hyazintharas, Rotschwanzamazonen und Sonnensittiche sowie Flachlandtapire und Ameisenbären. Mehrere Arten sollen innerhalb des großflächigen Lebensraums gemeinsam gehalten werden.

    Gerade für die Vögel ist der weitgehend stützenfreie Luftraum von besonderer Bedeutung. Schwärme sollen sich innerhalb der bis zu 35 Meter hohen Anlage großräumiger bewegen können, als dies in klassischen kleineren Volieren möglich wäre. Gleichzeitig sieht der Zoo die Anlage als Bestandteil seiner Arbeit in Artenschutz, Forschung und Bildung.

    Mit dem Projekt ist auch die Beteiligung an Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen verbunden. Der Zoo Zürich koordiniert beispielsweise selbst das entsprechende Programm für den Hyazinthara und arbeitet beim Schutz dieser Art mit dem Instituto Arara Azul im brasilianischen Pantanal zusammen.

    Von 2025 über 2028 bis zu einem offenen Termin

    Die Verzögerungsgeschichte der Pantanal-Voliere begann bereits lange vor dem Streit mit Baltensperger. In frühen Planungen des Entwicklungsplans war eine Eröffnung Mitte dieses Jahrzehnts vorgesehen. Nach Einsprachen und dem entsprechenden Baurekurs verschob sich der Zeitplan zunächst deutlich.

    Nachdem das Baurekursgericht die Bewilligung bestätigt hatte, begannen im März 2024 die eigentlichen Bauarbeiten. Im Herbst 2024 waren die Erd-, Abbruch- und wesentlichen Vorbereitungsarbeiten weitgehend abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt plante der Zoo die Eröffnung für das Frühjahr 2028.

    Dieser Termin ist inzwischen ebenfalls überholt. Durch die monatelange Unterbrechung der Stahlbauarbeiten und die notwendige Neuvergabe lässt sich nach Angaben des Zoos derzeit kein belastbarer neuer Eröffnungstermin nennen. Erst der weitere Verlauf der Stahlfertigung und Montage dürfte zeigen, wie groß die tatsächliche Verzögerung am Ende ausfällt.

    Neustart mit erheblichem technischem Aufwand

    Dass nun wieder Stahlelemente für die Pantanal-Voliere produziert und angeliefert werden, ist deshalb ein wichtiger Schritt für das festgefahrene Großprojekt. Die entscheidende Phase beginnt jedoch erst mit der Montage der Unterkonstruktion und anschließend der gewaltigen Stahlbögen. Danach folgen Netzmontage, Innenausbau, Bepflanzung und die Vorbereitung der Tierbereiche.

    Der Zoo Zürich muss dabei zeigen, dass die Probleme der ersten Stahlbauphase mit den neuen Auftragnehmern tatsächlich überwunden sind. Die beiden Unternehmen haben ihre technische Leistungsfähigkeit bei den vom Zoo verlangten Probeelementen nachgewiesen. Ob sich das auch beim gesamten Bauwerk und unter realen Baustellenbedingungen bestätigt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

    Für die Tiere könnte am Ende eine außergewöhnlich groß dimensionierte Anlage entstehen, die insbesondere den Vogelarten erheblichen Flugraum bietet. Bevor Papageien, Tapire und andere Bewohner dort einziehen können, wartet auf den Zoo jedoch noch eine der technisch anspruchsvollsten Etappen des gesamten Projekts.

    Quellen

  • Karpfensaison in Franken: PETA fordert Verzicht auf Fisch und mehr Gemüse

    Karpfensaison in Franken: PETA fordert Verzicht auf Fisch und mehr Gemüse

    Mit dem Start der traditionellen Karpfensaison in Franken fordert PETA Restaurants und Verbraucher dazu auf, Karpfen vollständig vom Speiseplan zu streichen. Stattdessen sollen nach Vorstellung der Tierrechtsorganisation Kürbis, Rotkohl, Wirsing und Rote Bete stärker in den Mittelpunkt der regionalen Herbstküche rücken. Hinter dem zunächst kulinarisch klingenden Vorschlag steckt allerdings keine Forderung nach besseren Haltungsbedingungen oder einer schonenderen Schlachtung. PETA nutzt den Saisonauftakt vielmehr erneut für die grundsätzliche Forderung, die Nutzung von Fischen als Lebensmittel zu beenden.

    Aus einer regionalen Tradition wird eine Grundsatzdebatte

    In Franken werden Karpfen traditionell vor allem in den Monaten mit „r“ angeboten, die Saison reicht entsprechend vom Spätsommer beziehungsweise Herbst bis in das Frühjahr. PETA-Fachreferentin Dr. Tanja Breining stellt diese Tradition grundsätzlich infrage und verweist darauf, dass während der Saison zahlreiche Karpfen für den menschlichen Verzehr getötet werden. Die daraus abgeleitete Forderung der Organisation lautet jedoch nicht, Haltung, Transport oder Schlachtung zu verbessern. PETA verlangt vielmehr einen Ausstieg aus der Fischhaltung und betrachtet Karpfen grundsätzlich als Individuen, die nicht zur menschlichen Ernährung genutzt werden sollten.

    Damit folgt die aktuelle Forderung der allgemeinen Tierrechtsposition von PETA. Die Organisation lehnt die Nutzung von Tieren für Lebensmittel grundsätzlich ab und begründet dies unter anderem mit dem Begriff des Speziesismus. Gemeint ist damit eine aus Sicht der Organisation ungerechtfertigte Bevorzugung menschlicher Interessen gegenüber denen anderer Tierarten. Für Restaurants und Verbraucher läuft der aktuelle Appell deshalb praktisch darauf hinaus, den traditionellen Karpfen durch rein pflanzliche regionale Gerichte zu ersetzen.

    Eine Aktion von 2018 wird erneut zum Argument

    Zusätzlichen Nachdruck verleiht PETA seiner Forderung mit dem Rückblick auf eine Veranstaltung zur Eröffnung der Karpfensaison im Jahr 2018. Nach Darstellung der Organisation wurden damals große Karpfen für Foto- und Videoaufnahmen aus dem Wasser genommen, zeitweise in trockene Eimer beziehungsweise in Behälter mit sehr wenig Wasser gesetzt und anschließend von Politikern in die Hände genommen. PETA kritisierte den Umgang mit den Tieren und verwies unter anderem auf deren sichtbares Zappeln.

    Der damalige Vorgang ist ein legitimer Anlass, den Umgang mit lebenden Fischen bei öffentlichen PR-Terminen kritisch zu hinterfragen. Er sagt allerdings wenig darüber aus, wie Karpfen in den zahlreichen fränkischen Teichwirtschaften tatsächlich gehalten werden. Aus einer einzelnen medial inszenierten Saisoneröffnung lässt sich keine pauschale Bewertung einer ganzen regionalen Wirtschafts- und Ernährungstradition ableiten. Genau diese Trennung geht in der aktuellen PETA-Kommunikation schnell verloren, weil der konkrete Fall von 2018 mit der grundsätzlichen Ablehnung jeder Fischhaltung verbunden wird.

    Was die Forschung über die Fähigkeiten von Fischen zeigt

    PETA verweist für seine Forderung außerdem auf wissenschaftliche Untersuchungen zur Wahrnehmungs- und Lernfähigkeit von Fischen. Dass Fische zu deutlich komplexeren Leistungen fähig sind, als ihnen lange zugeschrieben wurde, wird durch verschiedene Studien gestützt. Daraus folgt allerdings zunächst eine Aussage über ihre kognitiven Fähigkeiten und nicht automatisch die politische oder ethische Forderung, jede Form der Fischhaltung und des Fischverzehrs abzuschaffen.

    Eine 2023 in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichte Untersuchung kam beispielsweise zu dem Ergebnis, dass Putzerfische nach Erfahrungen mit einem Spiegel das eigene Gesicht auf Fotografien von fremden Artgenossen unterscheiden konnten. Die Forschenden interpretierten dies als weiteren Hinweis darauf, dass diese Tiere Merkmale ihres eigenen Erscheinungsbildes verarbeiten können. Die Bedeutung solcher Spiegeltests für weitergehende Aussagen über Selbstbewusstsein wird innerhalb der Forschung allerdings weiterhin diskutiert.

    Auch andere Untersuchungen zeigen bemerkenswerte Lernleistungen. Forschende des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie untersuchten wildlebende Fische im Mittelmeer und stellten fest, dass insbesondere Seebrassen lernen konnten, verschiedene Taucher anhand äußerer Merkmale ihrer Ausrüstung zu unterscheiden. Trugen die beteiligten Personen dagegen identische Tauchausrüstung, konnten die Tiere sie nicht mehr zuverlässig auseinanderhalten. Die Versuche sprechen damit vor allem für eine ausgeprägte visuelle Lern- und Unterscheidungsfähigkeit.

    Eine Forschungsgruppe der Universität Bonn zeigte bereits 2022, dass Buntbarsche und Stachelrochen einfache Additions- und Subtraktionsaufgaben bewältigen können. Die Tiere lernten, einen Ausgangswert um eins zu erhöhen beziehungsweise zu vermindern und anschließend zwischen verschiedenen Ergebnissen zu wählen. Die Versuche bewegten sich im Zahlenraum von eins bis fünf und liefern weitere Hinweise darauf, dass die kognitiven Leistungen verschiedener Fischarten nicht auf einfache Reflexe reduziert werden können.

    Putzerfische erkunden offenbar sogar die Funktion eines Spiegels

    Eine Ende 2025 veröffentlichte Untersuchung ging bei Putzerfischen noch einen Schritt weiter. Die Forschenden beobachteten detailliert, wie sich das Verhalten der Tiere vor und nach dem Erkennen des eigenen Spiegelbildes veränderte. Vor der Selbsterkennung zeigten die Tiere zunächst Aggressionen gegenüber ihrem Spiegelbild und anschließend charakteristische Bewegungen und Blickrichtungen, mit denen offenbar überprüft wurde, ob sich die Spiegelbewegung entsprechend der eigenen Bewegung verändert. Diese Phase bezeichneten die Autoren als „contingency testing“.

    Nach der beobachteten Selbsterkennung veränderte sich das Verhalten deutlich. Drei Putzerfische nahmen an mehreren Versuchstagen Stücke frischer Garnele vom Boden auf, brachten sie in die Nähe des Spiegels, ließen sie dort fallen und verfolgten anschließend das sinkende Futter im Spiegelbild. Die Forschenden ordneten dieses Verhalten nicht der vorherigen Kontingenzprüfung zu, sondern interpretierten es als mögliche Erkundung der reflektierenden Eigenschaften des Spiegels. Die Ergebnisse zeigen damit interessante kognitive Fähigkeiten, sind aber kein wissenschaftlicher Beweis für PETAs weitergehende Forderung nach einem vollständigen Ende der Karpfenhaltung.

    Wissenschaftliche Erkenntnisse sind noch kein Ernährungsprogramm

    Gerade hier muss zwischen Forschungsergebnissen und deren politischer beziehungsweise ethischer Interpretation unterschieden werden. Dass Fische lernen, unterscheiden, einfache Mengenoperationen bewältigen und bei bestimmten Arten komplexe Verhaltensweisen zeigen können, ist wissenschaftlich interessant und für Fragen des Tierwohls relevant. Aus solchen Erkenntnissen lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass Menschen grundsätzlich auf Fisch als Lebensmittel verzichten müssen. Diese Schlussfolgerung entsteht erst durch die tierrechtliche Grundposition von PETA.

    Die Debatte über Fischhaltung, Fischfang und den Umgang mit Fischen wird deshalb nicht allein durch die Frage entschieden, ob Tiere kognitive Leistungen zeigen. Auch Anforderungen an Haltung, Wasserqualität, Transport und Schlachtung sind eigenständige Themen. PETA überspringt diese Reformebene bewusst, weil die Organisation nicht eine andere Form der Tierhaltung fordert, sondern deren vollständige Beendigung.

    Gemüse als Alternative – aber nicht als Ersatz für die Debatte

    Mit Kürbis, Rotkohl, Wirsing und Roter Bete nennt PETA regionale Produkte, die im Herbst tatsächlich Saison haben und sich selbstverständlich ebenfalls für eine regionale Küche eignen. Restaurants können solche Gerichte anbieten und Verbraucher können sich unabhängig von PETA jederzeit dafür entscheiden. Problematisch wird es erst dort, wo aus einer zusätzlichen kulinarischen Möglichkeit die Forderung entsteht, eine jahrhundertealte regionale Fischtradition grundsätzlich zu verdrängen.

    Damit bleibt der eigentliche Konflikt unverändert: Für die fränkische Karpfenteichwirtschaft ist der Fisch ein regional erzeugtes Lebensmittel und Bestandteil einer gewachsenen Esskultur. Für PETA ist bereits diese Nutzung selbst das Problem. Die Kritik an fragwürdigen PR-Aktionen oder Erkenntnisse über die Fähigkeiten von Fischen können eine Diskussion über den Umgang mit den Tieren begründen. Sie ersetzen jedoch nicht die gesellschaftliche Debatte darüber, ob Tierhaltung grundsätzlich reformiert oder – wie von PETA gefordert – vollständig abgeschafft werden soll.

    Quellen

    Scientific Reports – Rapid self-recognition ability in the cleaner fishhttps://www.nature.com/articles/s41598-025-25837-0

    PETA Deutschland – Start der „Karpfensaison“ in Franken: PETA fordert Ausstieg aus der Fischhaltung und Fokussierung auf saisonales Gemüsehttps://presseportal.peta.de/start-der-karpfensaison-in-franken-peta-fordert-ausstieg-aus-der-fischhaltung-und-fokussierung-auf-saisonales-gemuese

    PETA Deutschland – Dr. Tanja Breining, Author at PETA Deutschland e.V.https://www.peta.de/autoren/tanja-breining

    Proceedings of the National Academy of Sciences / PubMed – Cleaner fish recognize self in a mirror via self-face recognition like humanshttps://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36745814/

    Max-Planck-Gesellschaft – Fische können Menschen unterscheidenhttps://www.mpg.de/24172666/0211-ornr-fische-unterscheiden-taucher-987453-x

    Universität Bonn – Studie zeigt: Fische können rechnenhttps://www.uni-bonn.de/de/neues/060-2022

  • Thünen-Studie: Tierwohl in der Biohaltung ist nicht automatisch besser

    Thünen-Studie: Tierwohl in der Biohaltung ist nicht automatisch besser

    Eine neue systematische Auswertung des Thünen-Instituts für Ökologischen Landbau widerspricht einer einfachen Gleichung: Bio bedeutet nicht automatisch mehr Tierwohl. Die Forschenden werteten 86 wissenschaftliche Studien mit insgesamt 623 direkten Vergleichspaaren zwischen ökologischer und konventioneller Tierhaltung in Europa und Nordamerika aus. In 28 Prozent der Vergleiche schnitt die ökologische Haltung besser ab, in 56 Prozent ließ sich kein eindeutiger Unterschied feststellen – und in 16 Prozent lagen die Vorteile aufseiten der konventionellen Haltung. Damit zeigt die Untersuchung vor allem eines: Das Produktionssystem allein entscheidet noch nicht darüber, wie es den Tieren tatsächlich geht.

    Bio-Vorgaben schaffen Chancen, aber keine Garantie

    Die ökologische Tierhaltung bringt durchaus Vorgaben mit, die sich positiv auf einzelne Bereiche des Tierwohls auswirken können. Mehr Platz, Einstreu, Auslauf oder Weidegang schaffen Voraussetzungen dafür, dass Tiere bestimmte natürliche Verhaltensweisen besser ausleben können. Besonders bei der Klauen- und Gliedmaßengesundheit von Rindern und Schweinen fanden die Forschenden Vorteile der ökologischen Haltung. Bei Rindern können beispielsweise mehr Platz und geeignete Liegeflächen dazu beitragen, Lahmheiten und bestimmte Schäden an den Gliedmaßen zu reduzieren.

    Doch genau hier liegt der Unterschied zwischen einer guten Voraussetzung und einem guten Ergebnis. Die EU-Öko-Verordnung kann Anforderungen an Haltung, Fütterung und Management festlegen, sie kann aber nicht garantieren, dass jedes einzelne Tier gesund und unbeeinträchtigt bleibt. Hygiene, Fütterung, Gesundheitskontrolle, Weidemanagement und die tägliche Beobachtung der Tiere bleiben entscheidend. Die Autoren der Studie kommen deshalb zu dem Ergebnis, dass strengere Vorgaben allein nicht zwangsläufig zu einem höheren Tierwohl führen.

    Nicht nur Bio gegen konventionell: Das Management macht den Unterschied

    Besonders deutlich wird das bei der Tiergesundheit. Hier fanden die Forschenden über die verschiedenen untersuchten Tierarten hinweg überwiegend keine grundlegenden Unterschiede zwischen ökologischen und konventionellen Betrieben. Das bedeutet nicht, dass das Haltungssystem bedeutungslos wäre. Es zeigt vielmehr, dass ein gut geführter konventioneller Betrieb bei bestimmten Tierwohlindikatoren bessere Ergebnisse erzielen kann als ein schlecht geführter Bio-Betrieb – und umgekehrt.

    Auch ökologische Vorgaben können neue Herausforderungen mit sich bringen. Auslauf und Weidegang bieten Tieren zusätzliche Bewegungs- und Verhaltensmöglichkeiten, erhöhen aber beispielsweise den Kontakt mit bestimmten Weideparasiten. Solche Risiken müssen durch entsprechendes Gesundheits- und Weidemanagement ausgeglichen werden. Die Studie beschreibt deshalb gerade das Betriebsmanagement als einen wesentlichen Faktor dafür, ob die theoretischen Vorteile eines Haltungssystems beim einzelnen Tier tatsächlich ankommen.

    Die Zahlen der Gesamtauswertung unterstreichen diese Aussage. Bei 28 Prozent der 623 Vergleichspaare zeigte die ökologische Haltung Vorteile, während bei 56 Prozent kein klarer Unterschied festgestellt wurde. In weiteren 16 Prozent schnitt die konventionelle Haltung besser ab. Ein pauschales „Bio ist tiergerechter“ lässt sich aus dieser Datenlage daher nicht ableiten.

    Die Datenlage ist nicht für alle Tierarten gleich stark

    Die Ergebnisse müssen allerdings ebenfalls differenziert betrachtet werden. Die 86 ausgewerteten Studien untersuchten Rinder, Schweine, Geflügel sowie Schafe und Ziegen, doch der Schwerpunkt lag deutlich auf Rindern und insbesondere auf Milchkühen. Von den einbezogenen Veröffentlichungen beschäftigten sich 59 mit Rindern, jeweils zwölf mit Schweinen und Geflügel und sechs mit kleinen Wiederkäuern. Einzelne Studien konnten dabei mehr als eine Tierart untersuchen.

    Noch deutlicher ist das Ungleichgewicht bei den untersuchten Bereichen des Tierwohls. Ein großer Teil der wissenschaftlichen Arbeiten konzentrierte sich auf messbare Gesundheitsindikatoren. Verhalten und emotionaler Zustand der Tiere wurden wesentlich seltener untersucht. Gerade dort zeigen die vorhandenen Vergleichsdaten zwar häufiger Vorteile der ökologischen Haltung, beispielsweise durch mehr Bewegungsmöglichkeiten, strukturierte Haltungsumgebungen oder Auslauf. Wegen der deutlich kleineren Datenbasis lassen sich daraus jedoch keine ebenso belastbaren allgemeinen Aussagen ableiten.

    Damit ist auch klar, dass die Studie weder die ökologische noch die konventionelle Tierhaltung pauschal zum Gewinner erklärt. Sie zeigt vielmehr, wie wenig aussagekräftig ein Etikett allein für den tatsächlichen Zustand eines Tieres sein kann.

    Tierwohl muss am Tier gemessen werden

    Die Autoren ziehen daraus eine praktische Konsequenz. Die bisher stark auf Haltungsbedingungen und Managementvorgaben ausgerichtete Öko-Zertifizierung sollte nach ihrer Auffassung stärker durch Kontrollen ergänzt werden, die den tatsächlichen Zustand der Tiere erfassen. Dazu gehören beispielsweise Lahmheiten, Verletzungen, Gesundheitszustand, Körperkondition, Verhalten oder die Mensch-Tier-Beziehung.

    Co-Autorin Solveig March bringt den entscheidenden Punkt in der Pressemitteilung des Thünen-Instituts auf den direkten Zustand des Tieres zurück. Gute Vorschriften schaffen Möglichkeiten, doch erst die Betrachtung des Tieres zeigt, was unter den konkreten Bedingungen eines Betriebs tatsächlich erreicht wird. Das Forschungsteam empfiehlt deshalb ein standardisiertes und praxistaugliches Tierwohl-Audit mit tierbezogenen Indikatoren innerhalb der Öko-Zertifizierung.

    Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung der Studie. Mehr Platz, Einstreu, Auslauf und strengere Vorgaben können sinnvolle Voraussetzungen schaffen. Sie ersetzen aber weder Fachwissen noch tägliche Tierkontrolle und gutes Herdenmanagement. Wer Tierwohl ernsthaft beurteilen will, sollte deshalb weniger auf das Etikett „Bio“ oder „konventionell“ schauen und stärker darauf, wie es den Tieren in einem konkreten Betrieb tatsächlich geht.

    Quellen

  • Polizeieinsatz Rheda-Wiedenbrück: Löwe, Raubkatze und zahlreiche Greifvögel sichergestellt

    Polizeieinsatz Rheda-Wiedenbrück: Löwe, Raubkatze und zahlreiche Greifvögel sichergestellt

    Bei einem Polizeieinsatz in Rheda-Wiedenbrück haben Einsatzkräfte eine außergewöhnlich große Sammlung präparierter Tiere sowie Waffen sichergestellt. In der Wohnung eines 47-jährigen Mannes befanden sich unter anderem ein kleiner Löwe, eine weitere große Raubkatze und zahlreiche Greifvögel. Gegen den Bewohner wird wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Waffengesetz und das Bundesnaturschutzgesetz ermittelt. Der Umfang der Sammlung war offenbar deutlich größer als von den Einsatzkräften vor der Durchsuchung erwartet.

    SEK-Einsatz am frühen Morgen führt zu ungewöhnlichem Fund

    Der Einsatz begann am 15. September 2026 gegen sechs Uhr morgens in einer Wohnung an der Ringstraße in Rheda-Wiedenbrück. Nach übereinstimmenden Medienberichten erfolgte die Durchsuchung im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens gegen den 47-jährigen Bewohner und auf Grundlage eines richterlichen Beschlusses. An dem Einsatz waren zunächst auch Kräfte eines Spezialeinsatzkommandos beteiligt. In den Räumen stießen die Beamten anschließend auf eine umfangreiche Sammlung ausgestopfter und anderweitig präparierter Tiere.

    Die Menge der aufgefundenen Präparate machte aus der eigentlichen Durchsuchung einen stundenlangen Bergungs- und Sicherungseinsatz. Polizei und Mitarbeiter des Ordnungsamtes benötigten nach Angaben des WDR rund sechs Stunden, um die Tierpräparate aus der Wohnung zu holen. Für den Transport wurde zusätzlich das Technische Hilfswerk aus Gütersloh hinzugezogen. Gerade größere Präparate lassen sich nicht wie gewöhnliche Beweismittel verpacken und abtransportieren, weshalb die ungewöhnliche Sammlung einen erheblichen logistischen Aufwand verursachte.

    Leopard oder Gepard: Medienberichte widersprechen sich

    Zu den auffälligsten Fundstücken gehörten ein kleiner präparierter Löwe, zahlreiche Greifvögel und mindestens eine weitere große Raubkatze. Bei deren genauer Art gibt es allerdings unterschiedliche Angaben in der aktuellen Berichterstattung. „Die Glocke“ und der Westfälische Anzeiger sprechen von einem Leoparden, während der WDR unter Berufung auf die Polizei einen Geparden nennt. Solange diese Abweichung nicht durch eine eindeutige behördliche Angabe geklärt ist, lässt sich die genaue Art der sichergestellten Raubkatze deshalb nicht zweifelsfrei benennen.

    Neben diesen besonders auffälligen Tieren befanden sich zahlreiche weitere Präparate in der Wohnung. Der Westfälische Anzeiger berichtet von Dutzenden ausgestopften Tieren, während auch der WDR von einer sehr großen Zahl spricht. Eine abschließende behördliche Aufstellung sämtlicher sichergestellter Arten liegt bislang nicht öffentlich vor. Entscheidend für die weiteren Ermittlungen dürfte ohnehin weniger die bloße Zahl der Präparate als deren jeweilige Art, Herkunft und rechtlicher Status sein.

    Artenschutzrecht entscheidet über die Zulässigkeit des Besitzes

    Der Besitz eines Tierpräparats ist in Deutschland nicht generell verboten. Bei besonders oder streng geschützten Arten können jedoch Besitzverbote, Vermarktungsverbote und umfangreiche Nachweispflichten gelten. Maßgeblich sind unter anderem die Tierart, die Herkunft des Präparats, der Zeitpunkt des Erwerbs sowie vorhandene Genehmigungen oder Herkunftsnachweise. Genau diese Fragen müssen bei einer Sammlung dieser Größenordnung für die einzelnen Exponate geprüft werden.

    Gerade bei exotischen Großkatzen und geschützten Greifvögeln können entsprechende Dokumente eine entscheidende Rolle spielen. Präparate können beispielsweise aus legalen Altbeständen stammen, während bei anderen Exemplaren ein rechtmäßiger Erwerb oder eine erlaubte Einfuhr nachgewiesen werden muss. Der Polizeifund allein lässt deshalb noch nicht erkennen, welche der beschlagnahmten Tiere tatsächlich Gegenstand eines artenschutzrechtlichen Verstoßes werden könnten. Die Ermittler müssen die einzelnen Stücke vielmehr identifizieren und deren Herkunft sowie die dazugehörigen Unterlagen überprüfen.

    Auch Waffen in der Wohnung sichergestellt

    Neben den Tierpräparaten fanden die Einsatzkräfte auch Waffen. Der Verdacht möglicher Verstöße gegen das Waffengesetz ist deshalb ein zweiter Bestandteil des Ermittlungsverfahrens gegen den 47-Jährigen. Welche Waffen konkret sichergestellt wurden und welche waffenrechtlichen Fragen sich daraus ergeben, wurde in den bislang veröffentlichten Berichten nicht näher erläutert. Festgenommen wurde bei dem Einsatz nach Angaben des WDR niemand.

    Die anwesenden Personen sollen den Einsatz ohne Widerstand über sich ergehen gelassen haben. Nach Abschluss der mehrstündigen Sicherstellung wurden die zahlreichen Präparate abtransportiert und können nun genauer untersucht sowie artenschutzrechtlich eingeordnet werden. Damit verlagert sich der Schwerpunkt des Falls von der spektakulären Bergung auf eine deutlich weniger sichtbare, aber entscheidende Detailarbeit. Für jedes relevante Präparat muss geklärt werden, um welche Art es sich handelt, woher es stammt und ob die erforderlichen Nachweise vorhanden sind.

    Entscheidend sind jetzt Herkunft und Dokumentation

    Der Fall in Rheda-Wiedenbrück zeigt, wie schnell eine private Sammlung präparierter Tiere zu einem komplexen Artenschutzverfahren werden kann. Ein ausgestopftes Tier mag auf den ersten Blick lediglich wie ein ungewöhnliches Sammlerstück wirken, rechtlich können Herkunft und Schutzstatus jedoch entscheidend sein. Bei mehreren Dutzend Präparaten unterschiedlicher Arten vervielfacht sich dieser Prüfaufwand entsprechend. Die Beteiligung von Polizei, Ordnungsamt und THW verdeutlicht zugleich, welche Dimension die Sicherstellung in der Wohnung erreicht hatte.

    Die entscheidenden Fragen werden deshalb erst die weiteren Ermittlungen beantworten. Nicht die spektakuläre Optik eines Löwen, einer großen Raubkatze oder zahlreicher Greifvögel bestimmt letztlich die rechtliche Bewertung, sondern die Herkunft jedes einzelnen Exemplars und die dafür vorhandenen Unterlagen. Hinzu kommt die getrennte Prüfung der sichergestellten Waffen. Erst daraus wird sich ergeben, welche konkreten Vorwürfe aus dem ungewöhnlichen Fund in Rheda-Wiedenbrück tatsächlich entstehen.

    Quellen

  • PETA-Aktivisten stürmen Modenschau – Modeboss bringt sie zum Schweigen

    PETA-Aktivisten stürmen Modenschau – Modeboss bringt sie zum Schweigen

    Es sollte eine Modenschau von COS bei der New York Fashion Week werden. Stattdessen verwandelten Aktivisten von PETA den Laufsteg zeitweise in ihre persönliche Protestbühne. Mehrere Störer hatten es offenbar in die Veranstaltung geschafft, tauchten zwischen den Gästen auf, betraten den Laufsteg und schrien Parolen gegen die Verwendung von Wolle. Doch diesmal verlief die übliche PETA-Inszenierung etwas anders als geplant: CFDA-Chef Steven Kolb griff selbst ein – und brachte zwei der Aktivisten zumindest vorübergehend ziemlich handfest zum Schweigen.

    PETA kapert die Modenschau für die eigene Kampagne

    Der Vorfall ereignete sich am 13. September bei der Präsentation der Frühjahrskollektion 2027 von COS, einer Marke der H&M Group. Nach Angaben verschiedener US-Medien waren insgesamt mehrere PETA-Aktivisten an der Aktion beteiligt. Sie hielten Schilder hoch und riefen unter anderem die Forderung, Wolle von den Laufstegen zu verbannen. Was PETA später als friedlichen Einsatz für Schafe präsentierte, war damit vor allem eines: eine gezielt geplante Störung einer fremden Veranstaltung.

    Besonders interessant ist dabei ein Detail aus dem Bericht von The Cut. Ein Redakteur will vor Beginn der Show Aktivisten gesehen haben, die sich als Gäste beziehungsweise als Mitarbeiter aus dem PR-Bereich ausgaben und nach freien Sitzplätzen suchten. Der beteiligte PETA-Kampagnenmanager Mason Melito wollte anschließend nicht erklären, wie die Gruppe überhaupt in die Veranstaltung gelangt war. Für eine Organisation, die ihre Aktionen später gern als spontanen moralischen Aufschrei präsentiert, wirkt das Ganze damit eher wie eine sorgfältig vorbereitete Medienaktion.

    @nytimes

    The head of the Council of Fashion Designers of America, Steve Kolb, was captured on video physically restraining PETA activists at the Cos runway presentation on Sunday during New York Fashion Week. Many in the business have witnessed show interruptions by activists, but few have seen a major industry figure physically intervene. #nyfw #fashionweek #cfda

    ♬ original sound – The New York Times – The New York Times

    Steven Kolb hatte offensichtlich genug

    Als eine Aktivistin in seiner Nähe aufstand, griff Steven Kolb ein. Videoaufnahmen zeigen, wie er ihr das Schild abnimmt, sie festhält und zeitweise seine Hand vor ihren Mund legt. Später geriet er auch mit PETA-Kampagnenmanager Mason Melito aneinander. Schließlich übernahm das Sicherheitspersonal und brachte die Aktivisten aus dem Veranstaltungsbereich. Die Modenschau selbst konnte fortgesetzt werden.

    Dass ein Verbandschef dabei selbst zum Sicherheitsdienst wird, gehört sicherlich nicht zum offiziellen Ablaufplan einer Fashion Week. Kolb räumte anschließend selbst ein, dass sein Eingreifen falsch gewesen sei und er die Situation den dafür zuständigen Sicherheitskräften hätte überlassen sollen. Das ändert allerdings nichts daran, dass die Situation überhaupt erst entstand, weil PETA eine private Veranstaltung gezielt für die eigene Kampagne störte. Wer sich bewusst in Veranstaltungen einschleust, aufsteht, schreit und den Laufsteg besetzt, darf sich zumindest nicht darüber wundern, dass Veranstalter versuchen, die Störung zu beenden.

    @cbsnews

    A fashion executive was seen attempting to restrain PETA activists after they interrupted a New York Fashion Week show on Sunday. Steve Kolb, CEO of the Council of Fashion Designers of America, was captured on video attempting to restrain the protesters and putting his hand over their mouths. Kolb later acknowledged that he had “reacted inappropriately,” saying he should have let his security team handle the situation. #nyfw

    ♬ original sound – cbsnews

    Aus dem Störer wird bei PETA schnell das Opfer

    PETA brauchte erwartungsgemäß nicht lange, um die Rollen neu zu verteilen. In der eigenen Pressemitteilung wird Kolbs Verhalten ausführlich als Gewalt beschrieben. Gründerin Ingrid Newkirk verband den Vorfall sogar unmittelbar mit der Behandlung von Schafen in der Modeindustrie. Ausgerechnet diejenigen, die eine Veranstaltung gezielt kapern, präsentieren sich damit anschließend als Menschen, die lediglich daran gehindert worden seien, ihre Botschaft zu verbreiten.

    Das Muster ist bemerkenswert praktisch: Zuerst schafft man eine maximal konfrontative Situation, anschließend wird die Reaktion darauf zum nächsten Kampagnenthema. PETA kann dadurch gleich zweimal Bilder produzieren – zunächst vom Protest selbst und anschließend von der angeblichen Unterdrückung des Protests. Dass Kolbs Verhalten dadurch automatisch angemessen wird, folgt daraus keineswegs. Es zeigt aber, weshalb solche Aktionen für Organisationen wie PETA medial ausgesprochen attraktiv sind.

    Der eigentliche Streit dreht sich um Wolle bei H&M und COS

    Hinter der Aktion steht eine länger laufende PETA-Kampagne gegen die Verwendung von Wolle durch die H&M Group. PETA Asia veröffentlichte Aufnahmen aus einem südafrikanischen Betrieb und berichtet unter anderem von Schafen, die getreten oder geschlagen worden seien sowie Verletzungen während der Schur. Der betreffende Betrieb war laut PETA unter anderem nach NATIVA- beziehungsweise Responsible-Wool-Standards zertifiziert. PETA leitet daraus die Forderung ab, H&M und COS sollten Wolle grundsätzlich aus ihrem Sortiment verbannen.

    H&M verfolgt dagegen weiterhin den Ansatz zertifizierter Lieferketten. Der Konzern nennt unter anderem den Responsible Wool Standard als Maßstab für tierwohlbezogene Anforderungen. Auch COS verweist bei seiner RWS-Wolle auf Betriebe, die nach entsprechenden Vorgaben durch unabhängige Stellen zertifiziert werden. Zwischen der Kritik an konkreten Missständen und PETAs wesentlich weiter gehender Forderung nach einem vollständigen Wollverzicht besteht deshalb ein Unterschied, der in den spektakulären Protestbildern leicht untergeht.

    Der PR-Erfolg folgt auf dem Fuß

    Für Steven Kolb hatte der kurze Einsatz als unfreiwilliger Türsteher inzwischen Folgen. Er entschuldigte sich öffentlich, erklärte sein Verhalten für unangemessen und sagte, Sicherheitskräfte hätten eingreifen müssen. Der CFDA teilte anschließend mit, Kolb befinde sich während einer vollständigen Überprüfung des Vorfalls auf Leave. Kolb kündigte außerdem an, sich mit PETA zu treffen.

    Damit dürfte PETA am Ende genau das Material bekommen haben, das solche Aktionen attraktiv macht: virale Videos, internationale Berichterstattung und eine anschließende Debatte, die weit über die eigentliche Modenschau hinausgeht. Über die Methoden der Aktivisten wird dabei erstaunlich schnell hinweggegangen. Vielleicht wäre genau das die spannendere Diskussion: Wie weit darf eine Organisation gehen, um fremde Veranstaltungen zur eigenen Bühne zu machen – und warum wird eine gezielte Störaktion anschließend so selbstverständlich als normale Form des Protestes verkauft?

    Quellen

  • Vogelzug in Hessen verändert sich: Warum Kraniche und Störche ihr Zugverhalten anpassen

    Vogelzug in Hessen verändert sich: Warum Kraniche und Störche ihr Zugverhalten anpassen

    Wenn im Herbst oder Frühjahr Kraniche über Hessen ziehen, gehört ihr Ruf für viele Menschen zum vertrauten Bild des Vogelzugs. Doch bei einigen Arten verändern sich Zugzeiten, Routen und Überwinterungsgebiete zunehmend. Ornithologen beobachten etwa bei Kranichen und Weißstörchen, dass ein Teil der Tiere kürzere Strecken zurücklegt oder zeitweise sogar in Deutschland überwintert. Mildere Winter spielen dabei eine wichtige Rolle, sind aber nicht der einzige Faktor.

    Mildere Winter verändern den Vogelzug

    Der hessische Ornithologe Bernd Petri vom NABU beschreibt bei Kranichen inzwischen einen verstärkten „Pendelverkehr“. Manche Tiere ziehen zunächst nach Süden, kehren bei milden Temperaturen aber wieder Richtung Norden zurück. Treffen sie dort erneut auf eine Kaltfront, können sie ihre Route wieder ändern. Dieses Verhalten zeigt, dass der Vogelzug bei anpassungsfähigen Arten weniger starr ist, als es traditionelle Zugkalender vermuten lassen.

    Langfristige klimatische Veränderungen beeinflussen Zugzeiten, Überwinterungsgebiete und Brutbeginn verschiedener Vogelarten. Der Klimawandel ist dabei ein wichtiger Faktor, sollte aber nicht als alleinige Erklärung verstanden werden. Auch Nahrungsangebot, Landnutzung, Rastmöglichkeiten und artspezifisches Verhalten bestimmen, ob Vögel ihre Zugrouten verkürzen oder neue Überwinterungsgebiete nutzen.

    Für Kraniche kann ein kürzerer Zugweg durchaus Vorteile haben. Weniger Flugkilometer bedeuten zunächst geringeren Energieverbrauch und möglicherweise weniger Risiken durch lange Etappen oder ungünstiges Wetter. Gleichzeitig entstehen neue Abhängigkeiten: Bleiben Tiere weiter nördlich, müssen dort ausreichend Nahrung und sichere Rastplätze vorhanden sein. Ein plötzlicher Kälteeinbruch kann deshalb schnell zu einer erneuten Wanderbewegung führen.

    Weißstörche zeigen besonders flexible Zugmuster

    Auch bei Weißstörchen haben sich die Zugmuster deutlich verändert. Während viele Tiere weiterhin bis nach Afrika ziehen, überwintern andere inzwischen in Spanien, Frankreich oder sogar in Deutschland. NABU-Beobachtungen zeigen, dass manche Störche bereits deutlich früher in ihre Brutgebiete zurückkehren oder den Winter vollständig in Mitteleuropa verbringen.

    Diese Entwicklung ist möglich, weil Weißstörche vergleichsweise flexibel auf veränderte Umweltbedingungen reagieren können. Entscheidend ist weniger die Temperatur selbst als die Frage, ob ausreichend Nahrung verfügbar bleibt. Solange offene Flächen, Würmer, Kleintiere oder andere Nahrungsquellen erreichbar sind, können die Tiere auch kühlere Phasen überstehen.

    Nicht jede Vogelart kann ihre Route einfach verkürzen

    Bei Langstreckenziehern sieht die Situation anders aus. Mauersegler und Schwalben sind stark auf fliegende Insekten angewiesen, die während des mitteleuropäischen Winters kaum verfügbar sind. Für diese Arten bleibt der Zug in südlichere Regionen deshalb weiterhin notwendig.

    Auch bei Singvögeln ist das Zugverhalten komplexer, als der Blick auf das heimische Futterhaus vermuten lässt. Eine Kohlmeise, die im Sommer in Hessen brütet, muss nicht zwangsläufig auch dort überwintern. Gleichzeitig können Tiere aus nordöstlichen Regionen im Winter nach Hessen ausweichen. Der Vogelbestand an einem bestimmten Ort setzt sich deshalb im Jahresverlauf immer wieder neu zusammen.

    Hessen bleibt wichtiges Transit- und Rastgebiet

    Hessen liegt auf bedeutenden Zugrouten zahlreicher Vogelarten. Besonders Kraniche nutzen Flussauen, Feuchtgebiete und offene Landschaften als Zwischenstationen auf ihrem Weg zwischen Brut- und Überwinterungsgebieten. Beobachtungen gibt es unter anderem aus der Wetterau, dem Hessischen Ried, der Kinzigaue und vom nordhessischen Twistesee.

    Am Twistesee und seinen Feuchtgebieten rasten neben Kranichen auch verschiedene Wat- und Schnepfenvögel. Dort werden außerdem immer wieder Fischadler beobachtet. Der seltenere Mornellregenpfeifer nutzt während des Durchzugs offene Agrarlandschaften in Hessen und gehört damit ebenfalls zu den Arten, für die geeignete Rastflächen eine wichtige Rolle spielen.

    Gerade solche Zwischenstationen zeigen, dass sich Artenschutz nicht nur auf Brutgebiete beschränken kann. Zugvögel benötigen entlang ihrer gesamten Route geeignete Nahrungs- und Ruheflächen. Veränderungen dieser Lebensräume können für einzelne Arten ebenso entscheidend sein wie klimatische Veränderungen.

    Schwalbennester stehen unter besonderem Schutz

    Der Vogelzug betrifft auch Gebäude und private Grundstücke. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz dürfen Fortpflanzungs- und Ruhestätten besonders geschützter Arten nicht ohne Weiteres beschädigt oder zerstört werden. Das kann auch Schwalbennester betreffen, wenn diese regelmäßig wieder genutzt werden.

    Eigentümer sollten deshalb Nester nicht eigenmächtig entfernen, auch wenn sie zeitweise unbesetzt erscheinen. Bei Sanierungs- oder Baumaßnahmen sollte zunächst mit der zuständigen Naturschutzbehörde geklärt werden, ob eine Entfernung zulässig ist und ob Ersatznistplätze erforderlich sind. Damit lässt sich vermeiden, dass notwendige Arbeiten später mit artenschutzrechtlichen Vorgaben kollidieren.

    Der Vogelzug in Hessen verändert sich damit sichtbar, aber nicht bei allen Arten auf dieselbe Weise. Kraniche und Weißstörche reagieren vergleichsweise flexibel auf mildere Winter und verfügbare Nahrung, während klassische Langstreckenzieher stärker an ihre bisherigen Zugstrategien gebunden bleiben. Entscheidend für den langfristigen Erfolg dieser Anpassungen ist deshalb nicht nur das Klima, sondern auch, ob Brut-, Rast- und Nahrungsräume erhalten bleiben.

    Quellen

  • VGT Protest auf Vollspaltenböden in Klagenfurt dauert mehr als elf Stunden

    VGT Protest auf Vollspaltenböden in Klagenfurt dauert mehr als elf Stunden

    Zwei Aktivisten des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) haben am Samstag am Klagenfurter Heiligengeistplatz mehr als elf Stunden auf Vollspaltenböden ausgeharrt. Mit der öffentlich inszenierten Aktion wollte die Organisation auf die Bedingungen in der österreichischen Schweinehaltung aufmerksam machen und politischen Druck auf die Bundesregierung ausüben. Beide Demonstranten verfügten dabei jeweils über eine Fläche von 0,65 Quadratmetern. Der Selbstversuch erzeugt auffällige Bilder, sagt für sich genommen jedoch noch nichts darüber aus, wie unterschiedliche Bodensysteme unter wissenschaftlichen Tierwohlkriterien zu bewerten sind.

    Elf Stunden auf Beton: Was der VGT-Selbstversuch tatsächlich zeigt

    Die Aktion begann nach Angaben des VGT um 6.50 Uhr und dauerte bis 18 Uhr. Einer der Aktivisten saß auf einem klassischen, vom VGT als „unstrukturiert“ bezeichneten Vollspaltenboden, der andere auf einer strukturierten Variante. Mit diesem direkten Vergleich wollte der Verein sichtbar machen, wie unterschiedlich die derzeit relevanten Bodenformen aufgebaut sind. Die jeweils gewählte Fläche von 0,65 Quadratmetern war dabei Teil der Inszenierung und sollte die Platzverhältnisse in der Schweinehaltung symbolisch auf Menschen übertragen.

    Ein solcher Selbstversuch kann Aufmerksamkeit erzeugen, ersetzt jedoch keine wissenschaftliche Bewertung der Haltungsbedingungen von Schweinen. Menschen und Schweine unterscheiden sich deutlich hinsichtlich Anatomie, Bewegungsverhalten, Belastung der Gliedmaßen sowie der Nutzung von Liege- und Aktivitätsflächen. Für eine sachliche Bewertung von Vollspalten- und Teilspaltenböden sind deshalb unter anderem Klauengesundheit, Verletzungen, Liegeverhalten, Verschmutzung, Beschäftigungsmöglichkeiten sowie weitere Tierwohlindikatoren entscheidend. Die Frage, welche Bodenform unter welchen Bedingungen tierschutzgerecht oder problematisch ist, lässt sich nicht allein daraus ableiten, wie zwei Menschen elf Stunden auf Betonflächen verbringen.

    Der VGT fordert seit Jahren ein Ende der Vollspaltenhaltung und bezeichnet diese grundsätzlich als nicht tierschutzgerecht. Nach Darstellung des Vereins sollen für die klassische Variante Auslauffristen bis 2034 beziehungsweise 2038 gelten. Die strukturierte Variante verfügt auf einem Teil der Fläche über weniger Spalten. Eine ursprünglich vorgesehene Ablauffrist für diese Haltungsform sei im Zuge einer Gesetzesänderung im Juni 2025 entfallen, kritisiert die Organisation.

    Damit richtet sich die Kampagne nicht lediglich gegen einzelne landwirtschaftliche Betriebe, sondern gegen die politischen Rahmenbedingungen der österreichischen Schweinehaltung. Der VGT versucht mit solchen Aktionen, Einfluss auf die weitere gesetzliche Entwicklung zu nehmen. Entscheidend ist deshalb weniger die symbolische Belastung der beiden Demonstranten als die Frage, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse künftig tatsächlich in gesetzliche Mindeststandards einfließen.

    Strohschweine-Projekt soll Grundlage für neue Standards liefern

    Eine zentrale Rolle spielt dabei ein im österreichischen Tierschutzgesetz vorgesehenes wissenschaftliches Projekt zur Strohschweinehaltung. Dieses soll im November 2026 abgeschlossen werden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen anschließend bei der Festlegung zukünftiger Mindeststandards für die Schweinehaltung berücksichtigt werden. Welche konkreten Anforderungen daraus entstehen könnten, steht bislang jedoch noch nicht fest.

    Für Schweinehalter ist gerade dieser Punkt von erheblicher Bedeutung. Neue Anforderungen können Investitionen in Stallumbauten, veränderte Flächenvorgaben oder andere technische Anpassungen notwendig machen. Ebenso entscheidend werden mögliche Übergangsfristen sein, damit bestehende Betriebe überhaupt auf neue Vorgaben reagieren können. Der VGT versucht deshalb bereits vor Abschluss des Projekts, politischen Druck aufzubauen und die Debatte über die künftige Ausgestaltung der Schweinehaltung in seinem Sinne zu beeinflussen.

    Die Aktion in Klagenfurt steht somit weniger für eine bereits entschiedene fachliche Bewertung als für einen laufenden politischen Konflikt. Erst nach Veröffentlichung und Bewertung der Projektergebnisse wird sich zeigen, welche Empfehlungen wissenschaftlich begründet sind und welche davon der Gesetzgeber tatsächlich übernimmt.

    Warum der VGT ausgerechnet vor SPAR demonstriert

    Auch der Ort der Aktion war nicht zufällig gewählt. Die beiden Aktivisten demonstrierten direkt vor einer SPAR-Filiale am Heiligengeistplatz. Zwischen SPAR und dem VGT läuft seit 2022 ein Rechtsstreit, in dem es nach Angaben der Tierrechtsorganisation unter anderem um Unterlassung und Widerruf geht. Der VGT sieht den Rechtsstreit im Zusammenhang mit seiner Kritik am Unternehmen.

    Nach Angaben des Vereins steht ein Urteil erster Instanz weiterhin aus. Damit existiert neben der politischen Auseinandersetzung über Schweinehaltung gleichzeitig ein direkter Konflikt zwischen der Organisation und SPAR. Dass die Demonstration ausgerechnet vor einer Filiale des Unternehmens stattfand, verbindet beide Ebenen miteinander.

    Die Aktion diente damit nicht ausschließlich dazu, die Frage nach Vollspaltenböden öffentlich zu thematisieren. Der VGT nutzte zugleich einen Standort mit unmittelbarem Bezug zu einem eigenen laufenden Rechtsstreit. Diese strategische Ortswahl erhöht die öffentliche Aufmerksamkeit und verschafft der Organisation eine zusätzliche Bühne für ihre Auseinandersetzung mit SPAR. Ob die Positionen des VGT oder jene des Unternehmens in diesem Rechtsstreit rechtlich Bestand haben, muss das zuständige Gericht entscheiden.

    Für die politische Debatte über Schweinehaltung bleibt davon unabhängig entscheidend, welche Ergebnisse das wissenschaftliche Strohschweine-Projekt liefert. Die symbolische Demonstration zweier Aktivisten kann diese fachliche Bewertung nicht ersetzen. Sie zeigt vor allem, wie der VGT versucht, mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen politischen und medialen Druck rund um die künftige Ausgestaltung der österreichischen Schweinehaltung aufzubauen.

    Quellen

  • Robert Marc Lehmann Anti-Zoo-Demonstration Berlin: Warum am Brandenburger Tor statt vor einem Zoo?

    Robert Marc Lehmann Anti-Zoo-Demonstration Berlin: Warum am Brandenburger Tor statt vor einem Zoo?

    Am 4. Oktober 2026 will Robert Marc Lehmann auf dem Pariser Platz in Berlin gegen Zoos demonstrieren. Von 12 bis 15 Uhr soll unmittelbar vor dem Brandenburger Tor die nach Lehmanns eigener Ankündigung „größte Anti-Zoo-Demo aller Zeiten“ stattfinden. Schon diese Wortwahl zeigt, dass es offenbar nicht nur um eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Tierhaltung geht, sondern zugleich um Größe, öffentliche Wahrnehmung und mediale Wirkung. Genau deshalb stellt sich eine naheliegende Frage: Warum findet eine Anti-Zoo-Demonstration ausgerechnet an einem der bekanntesten Touristenorte Deutschlands statt und nicht vor einem Zoo?

    Warum nicht vor einem Zoo?

    Wer gegen Zoos demonstrieren möchte, hätte in Berlin gleich mehrere naheliegende Adressen. Zoo Berlin, Aquarium Berlin oder Tierpark Berlin wären Orte, an denen sich Lehmann und Mission Erde unmittelbar mit den Einrichtungen auseinandersetzen könnten, deren Arbeit sie grundsätzlich kritisieren. Dort ließe sich konkret über Tierhaltung, Artenschutz, Zuchtprogramme, Gehege oder einzelne Arten diskutieren. Stattdessen wird der Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor gewählt.

    Das Brandenburger Tor ist eines der wichtigsten touristischen Wahrzeichen Berlins und jederzeit öffentlich zugänglich. Direkt am Pariser Platz betreibt visitBerlin sogar eine eigene Tourist Information; Reichstag, Unter den Linden und weitere Sehenswürdigkeiten liegen unmittelbar daneben. Der Ort bringt damit unabhängig von jeder Demonstration permanent Passanten und Touristen mit sich. Für eine Veranstaltung, die bereits vorher mit dem Anspruch auftritt, besonders groß zu werden, ist das zumindest eine auffällige Wahl.

    Natürlich lässt sich daraus nicht belegen, dass zufällige Passanten später absichtlich als Demonstranten ausgegeben werden sollen. Die Wahl des Platzes schafft aber genau das Problem, dass Bilder einer Menschenmenge allein kaum zeigen können, wer tatsächlich wegen der Anti-Zoo-Kundgebung dort steht, wer zusieht und wer lediglich auf dem Weg zum Brandenburger Tor vorbeikommt. Gerade bei einem vorher angekündigten Rekord sollte diese Unterscheidung nicht zur Nebensache werden.

    Der Rekord steht schon fest, bevor überhaupt demonstriert wurde

    Besonders auffällig ist die Kommunikation rund um die Veranstaltung. Lehmann kündigt nicht schlicht eine Anti-Zoo-Demonstration an, sondern gleich die „größte Anti-Zoo-Demo aller Zeiten“. Doch wie kann ein solcher Rekord vor Beginn einer Veranstaltung überhaupt seriös angekündigt werden? Welche historischen Demonstrationen wurden verglichen, aus welchen Ländern stammen die Vergleichsdaten und nach welchem Maßstab soll am Ende entschieden werden, dass ausgerechnet Berlin einen Welt- oder sonstigen Rekord darstellt?

    Genau diese Fragen bleiben bislang offen. Die Formulierung funktioniert vor allem als Mobilisierungsbotschaft: Wer teilnimmt, soll offenbar Teil von etwas vermeintlich Historischem werden. Das erzeugt Aufmerksamkeit, schafft ein Gemeinschaftsgefühl und eignet sich hervorragend für soziale Netzwerke. Mit einer überprüfbaren statistischen Aussage hat das zunächst wenig zu tun.

    Auch nach der Veranstaltung sollte deshalb nicht einfach übernommen werden, was Mission Erde oder Lehmann selbst über die Größe der Kundgebung verbreiten. Interessant sind vielmehr unabhängige Angaben von Polizei oder Versammlungsbehörden und die Frage, nach welcher Methode gezählt wurde. Ein Foto vom Brandenburger Tor ist jedenfalls kein belastbarer Teilnehmernachweis.

    Wuppertal zeigt bereits das Problem mit großen Zahlen

    Als Vergleich wird immer wieder die Demonstration in Wuppertal vom Mai 2025 herangezogen. Damals fand die Kundgebung auf dem Platz unmittelbar vor dem Wuppertaler Hauptbahnhof statt. Auch dort handelte es sich damit um einen Ort mit erheblichem Publikums- und Durchgangsverkehr. Die Polizei bezifferte die Teilnehmerzahl der Versammlung damals auf rund 2.000 Personen.

    Diese behördliche Schätzung ist ernst zu nehmen, sie beantwortet aber eine andere Frage nicht: Was soll daraus die Behauptung ableiten, es habe sich um eine historisch außergewöhnliche oder gar größte Anti-Zoo-Demonstration gehandelt? Ein Hauptbahnhofsvorplatz ist ebenso wie der Pariser Platz kein abgeschlossener Veranstaltungsraum, an dessen Eingang jeder Besucher registriert wird. Schon deshalb sollte man vorsichtig sein, aus einer geschätzten Menschenmenge weitreichende Rekordaussagen abzuleiten.

    Noch wichtiger ist, dass die Wuppertaler Zahl inzwischen offenbar zum Bestandteil der nächsten Mobilisierungsstufe wird. Berlin soll größer werden, spektakulärer wirken und nun den nächsten Superlativ liefern. Damit verschiebt sich die öffentliche Kommunikation zunehmend von der eigentlichen Sachfrage – was moderne Zoos leisten oder nicht leisten – hin zu der Frage, wie viele Menschen Mission Erde auf einen Platz bekommt.

    Brandenburger Tor liefert die passenden Bilder

    Die Wahl des Brandenburger Tors hat noch einen weiteren Vorteil: Sie produziert Bilder, die deutlich wirkungsvoller erscheinen als eine Kundgebung auf einem gewöhnlichen Platz oder unmittelbar vor einem Zooeingang. Das Wahrzeichen ist weltweit erkennbar und verleiht selbst einer vergleichsweise begrenzten Gruppe eine große Kulisse. Fotos können zudem Menschen zeigen, die sich ohnehin auf dem Pariser Platz befinden.

    Gerade soziale Netzwerke leben von solchen Bildern. Ein eng gewählter Ausschnitt kann eine Veranstaltung erheblich größer erscheinen lassen, während eine Aufnahme aus anderer Perspektive ein vollkommen anderes Bild vermittelt. Das ist kein speziell von Mission Erde erfundenes Phänomen, sondern bei politischen und aktivistischen Veranstaltungen allgemein bekannt. Umso wichtiger wäre es, sich nach der Berliner Veranstaltung nicht auf Eigenaufnahmen und Eigenangaben der Veranstalter zu verlassen.

    Wer schon vorab mit der „größten Anti-Zoo-Demo aller Zeiten“ wirbt, muss sich hinterher auch an besonders hohen Maßstäben bei der Transparenz messen lassen. Wie viele Teilnehmer wurden von der Polizei erfasst? Welche Fläche war tatsächlich mit Demonstranten belegt? Wie viele Menschen hielten sich lediglich als Besucher des Brandenburger Tors auf dem Platz auf? Genau diese Fragen werden erheblich interessanter sein als das nächste spektakulär geschnittene Video aus der Mission-Erde-Kommunikation.

    Mission Erde und die Mobilisierung der eigenen Community

    Die Kundgebung fällt zudem auffällig mit Lehmanns Berliner Live-Terminen zusammen. Am 3. und 4. Oktober 2026 sind Auftritte von „Mission Erde Live“ im PUNCH L!NE Club Berlin angekündigt. Am 4. Oktober beginnt die Anti-Zoo-Demonstration mittags, am Abend folgt Lehmanns Live-Veranstaltung. Damit werden Bühnenprogramm, eigene Community und politische beziehungsweise aktivistische Mobilisierung zeitlich an einem Wochenende zusammengeführt.

    Das bedeutet nicht automatisch, dass die Demonstration kommerziell motiviert ist. Es zeigt aber, wie eng inzwischen persönliche Marke, Mission Erde, Social-Media-Reichweite, Live-Veranstaltungen und Aktivismus miteinander verbunden sind. Diejenigen, die ohnehin wegen Lehmann nach Berlin kommen, können gleichzeitig an der Kundgebung teilnehmen. Umgekehrt erhält eine Demonstration zusätzliche Aufmerksamkeit für eine Person, die wenige Stunden später mit einem eigenen Bühnenprogramm auftritt.

    Diese Verflechtung sollte bei der öffentlichen Bewertung nicht ausgeblendet werden. Mission Erde präsentiert sich als Tierschutzorganisation, gleichzeitig ist Robert Marc Lehmann selbst eine mediale Marke mit Vorträgen, Videos, Social-Media-Kanälen und Veranstaltungen. Wenn eine solche Reichweite für Demonstrationen eingesetzt wird, sollte mindestens ebenso kritisch geprüft werden, wie die dadurch entstehenden Bilder und Zahlen anschließend kommunikativ genutzt werden.

    „Tiere in Freiheit“ ersetzt keine Debatte über Artenschutz

    Lehmann wirbt in seinem Aufruf damit, für „Tiere in Freiheit“ einzutreten. Das klingt eingängig, reduziert die Auseinandersetzung mit zoologischen Einrichtungen aber auf eine emotional wirksame Gegenüberstellung: hier Freiheit, dort Zoo. Die Realität des Artenschutzes ist erheblich komplizierter. Lebensraumverlust, Wilderei, invasive Arten, Krankheiten, menschliche Nutzung und kleine Restpopulationen verschwinden nicht dadurch, dass man gegen Zoos demonstriert.

    Moderne zoologische Einrichtungen verweisen unter anderem auf Erhaltungszucht, wissenschaftlich geführte Zuchtprogramme, genetisches Populationsmanagement, Forschung und die Finanzierung von Artenschutzprojekten. Diese Arbeit kann im Einzelfall kritisiert und ihre Wirksamkeit überprüft werden. Eine ernsthafte Debatte müsste sich jedoch mit diesen konkreten Argumenten auseinandersetzen, anstatt den Eindruck zu vermitteln, Tiere müssten lediglich aus menschlicher Obhut in eine abstrakte „Freiheit“ entlassen werden.

    Gerade an dieser Stelle bleibt Lehmanns Anti-Zoo-Kommunikation auffällig einseitig. Die emotional einfache Botschaft eignet sich für Demonstrationsplakate und Social Media, beantwortet aber nicht, was mit Arten geschieht, deren Lebensräume zerstört werden oder deren Bestände so klein geworden sind, dass koordiniertes Populationsmanagement eine Rolle spielt. Wer Zoos grundsätzlich abschaffen oder überwinden will, müsste erklären, welche realistische Alternative für diese Fälle vorgesehen ist.

    Wuppertal darf nicht zur Legende werden

    Bereits rund um Lehmanns Auftritt und die Protestaktion in Wuppertal zeigte sich, wie schnell sich ein Konflikt zu einer großen Erzählung entwickeln kann. Aus einer Auseinandersetzung um einen Vortrag entstand eine Mobilisierung, die anschließend erneut als Beleg für die Reichweite der Anti-Zoo-Bewegung verwendet werden konnte. Die eigentliche inhaltliche Frage nach der Qualität der Argumente rückte dabei zunehmend hinter die öffentliche Inszenierung des Konflikts zurück.

    Berlin scheint nun die nächste Stufe dieses Musters zu werden. Diesmal soll der Rekord bereits vor der Demonstration feststehen, die Kulisse liefert das Brandenburger Tor und die eigene Community befindet sich wegen zweier Live-Termine ohnehin in der Stadt. Für Mission Erde bietet das ideale Voraussetzungen für große Bilder und hohe Reichweiten.

    Ob sich daraus tatsächlich eine außergewöhnlich große Anti-Zoo-Bewegung ableiten lässt, ist eine andere Frage. Entscheidend ist nicht, wie spektakulär ein Video vom Pariser Platz aussieht, sondern wie viele Menschen nach unabhängigen Angaben tatsächlich an der Kundgebung teilnehmen und welche Argumente diese Menschen vertreten. Die Größe einer Menschenmenge ersetzt schließlich noch immer kein sachliches Argument gegen moderne zoologische Einrichtungen.

    Am 4. Oktober wird sich daher weniger zeigen, ob Robert Marc Lehmann den nächsten selbst angekündigten Rekord produziert. Interessanter wird sein, wie stark anschließend versucht wird, aus Kulisse, Menschenmenge und Social-Media-Bildern eine Erfolgsgeschichte zu formen – und wie viel davon einer unabhängigen Prüfung standhält.

    Quellen

  • Habicht in Tellereisen bei Buchen – PETA stellt Strafanzeige

    Habicht in Tellereisen bei Buchen – PETA stellt Strafanzeige

    Ein junger Habicht ist bei Buchen in einem Tellereisen schwer verletzt worden und später eingeschläfert worden. Die Tierrettung Odenwald Hohenlohe entdeckte den Greifvogel nach Angaben von PETA auf einem Grundstück, auf dem mehrere der verbotenen Schlagfallen aufgestellt gewesen sein sollen. In unmittelbarer Nähe befand sich demnach ein Huhn in einem Käfig, das möglicherweise als Köder eingesetzt wurde. PETA kündigte daraufhin eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Mosbach an.

    Schwere Verletzungen lassen keine Rettung mehr zu

    Die Tierretter fanden den Vogel am vergangenen Mittwochabend während eines Einsatzes. Nach Angaben von PETA hatte eine der Fallen den Habicht erfasst und dabei Sehnen und Muskeln schwer verletzt beziehungsweise durchtrennt. Eine erfolgreiche Behandlung war nach Einschätzung der Tierretter nicht mehr möglich. Der Greifvogel wurde deshalb eingeschläfert, um weiteres Leiden zu verhindern.

    Nach Angaben der Tierrettung befanden sich auf dem Grundstück mehrere Tellereisen, von denen mindestens eines den Habicht schwer verletzte. In der Nähe stand außerdem ein Huhn in einem Käfig, weshalb der Verdacht besteht, dass es gezielt als Köder für einen Greifvogel dienen sollte. Ob dies tatsächlich der Zweck des Käfigs war und wer die Fallen aufgestellt hat, ist bislang nicht abschließend geklärt. Die Naturschutzbehörde und die Untere Jagdbehörde wurden eingeschaltet, um das Gelände zu kontrollieren und mögliche Verantwortliche zu ermitteln.

    PETA-Fachreferentin Lisa Redegeld bezeichnete den mutmaßlichen Fallensteller als „Tierquäler“ und forderte Konsequenzen. Die Organisation kündigte an, wegen möglicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, das Bundesnaturschutzgesetz und weitere strafrechtliche Vorschriften Anzeige zu erstatten. Entscheidend für die Ermittlungen dürfte unter anderem sein, wem das Grundstück zuzuordnen ist und wer Zugriff auf die dort aufgestellten Fallen hatte. Auch die Frage, ob weitere Tiere durch die Tellereisen gefährdet oder bereits verletzt wurden, dürfte Bestandteil der behördlichen Prüfung sein.

    Tellereisen verboten – Verkauf weiterhin möglich

    Tellereisen gehören zu den Fallen, bei denen zuschnappende Metallbügel ein Tier festhalten und dabei schwere Verletzungen verursachen können. Ihre Verwendung ist in Deutschland seit Jahrzehnten untersagt, ebenso gelten entsprechende Verbote innerhalb der Europäischen Union. Trotzdem können solche Geräte in Deutschland weiterhin angeboten und verkauft werden, etwa als Sammlerstücke, historische Fanggeräte oder Dekorationsobjekte. Damit bleibt grundsätzlich die Möglichkeit bestehen, legal erworbene Fallen später dennoch illegal einzusetzen.

    Genau darin sieht PETA eine praktische Schwachstelle der bestehenden Regelung. Die Organisation fordert vom Bundeswirtschaftsministerium ein generelles Verkaufsverbot, damit solche Fallen nicht mehr problemlos erworben werden können. Auch der Deutsche Tierschutzbund hatte bereits früher darauf hingewiesen, dass Tellereisen und Schlingen Tiere schwer verletzen oder töten können, obwohl ihre Verwendung verboten ist. Der WWF beschreibt Tellereisen ebenfalls als illegale Fanggeräte, die bei Fällen von Wilderei und insbesondere bei der Verfolgung von Greifvögeln weiterhin eine Rolle spielen.

    Der Fall bei Buchen zeigt das grundsätzliche Problem solcher Fallen besonders deutlich. Ein Tellereisen unterscheidet nicht zwischen dem möglicherweise beabsichtigten Ziel, geschützten Wildtieren, Haustieren oder anderen Tieren, die zufällig in den Fangbereich geraten. Wird eine solche Falle unbeaufsichtigt aufgestellt, können Verletzungen über längere Zeit unbemerkt bleiben und für das gefangene Tier erhebliche Schmerzen verursachen. Deshalb ist die Kontrolle des gesamten Grundstücks nicht nur für die Ermittlungen, sondern auch zur unmittelbaren Gefahrenabwehr von Bedeutung.

    Strafanzeige soll Verantwortliche ermitteln

    Nach Angaben von PETA kann Tierquälerei unter bestimmten Voraussetzungen nach Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes mit Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden. Welche Vorschriften im konkreten Fall tatsächlich einschlägig sind, hängt von den Ergebnissen der Ermittlungen und den genauen Umständen des Fallenaufbaus ab. Im Mittelpunkt dürfte insbesondere stehen, wer die Tellereisen aufgestellt hat und ob der Habicht gezielt angelockt werden sollte. Ebenso relevant ist, ob weitere Fallen vorhanden waren und ob damit möglicherweise noch andere Tiere gefährdet wurden.

    Der Tod des Habichts macht zugleich deutlich, dass ein reines Nutzungsverbot solche Fanggeräte nicht vollständig aus dem Verkehr zieht. Solange Tellereisen weiterhin legal verkauft und besessen werden können, besteht grundsätzlich auch die Möglichkeit einer missbräuchlichen Verwendung. Ob ein zusätzliches Verkaufsverbot solche Fälle tatsächlich verhindern könnte, ist eine politische Frage, die über den konkreten Vorfall hinausgeht. Im Fall von Buchen liegt der Schwerpunkt nun zunächst darauf, den Ablauf zu rekonstruieren und die verantwortliche Person oder Personen zu ermitteln.

    Quellen

    • PETA Presseportal – Greifvogel in illegalem Tellereisen in Buchen gefangen und schwer verletzt, Tier tot – PETA erstattet StrafanzeigeLink des Artikels
    • Fuldaer Zeitung – „Tierquälereien sind vorprogrammiert“: Illegale Tierfallen sind frei verkäuflichLink des Artikels
    • WWF Deutschland – Wilderei in DeutschlandLink des Artikels