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Circus Krone Hamburg: Pauschale Tierquälerei-Vorwürfe greifen zu kurz

Circus Krone Hamburg mit Löwe und Tiger vor dem beleuchteten Zirkuszelt sowie protestierenden Tierschutzaktivisten.

Vom 17. September bis zum 11. Oktober 2026 gastiert der Circus Krone auf dem Hamburger Heiligengeistfeld. Zum Programm gehören neben internationaler Artistik auch Tierdarbietungen mit Pferden sowie Löwen und Tigern. Der Hamburger Tierschutzverein hat deshalb Protest angekündigt und stellt die Haltung und das Training von Tieren im Zirkus grundsätzlich infrage. Doch aus einer politischen oder weltanschaulichen Ablehnung von Tierdarbietungen folgt noch lange nicht, dass die Tiere beim Circus Krone gequält werden oder ihre Haltung gegen geltendes Tierschutzrecht verstößt.

Protest gegen Circus Krone – aber wo ist der konkrete Nachweis?

Die Jugendgruppe des Hamburger Tierschutzvereins will bereits zur ersten Vorstellung am 17. September vor dem Haupteingang demonstrieren. Mit Spiegeln und roten Clownsnasen sollen Besucher dazu gebracht werden, über Tiere in der Unterhaltungsbranche nachzudenken. Protest gegen eine legale Veranstaltung gehört selbstverständlich zur Meinungsfreiheit, allerdings ersetzt eine Demonstration keine sachliche Prüfung der konkreten Tierhaltung. Wer einem Zirkus faktisch vorwirft, Tiere durch Haltung oder Training leiden zu lassen, sollte deshalb auch belegen können, welche konkreten Verstöße beim betroffenen Unternehmen festgestellt wurden.

Der Hamburger Tierschutzverein und der Deutsche Tierschutzbund führen als grundsätzliche Kritik unter anderem Transporte, Platzverhältnisse und das Training der Tiere an. Solche Argumente werden in der Debatte über Zirkustierhaltung seit Jahren wiederholt, sie beweisen für sich genommen jedoch keine Tierquälerei beim Circus Krone. Entscheidend müsste vielmehr sein, wie die Tiere tatsächlich gehalten, transportiert und trainiert werden und ob dabei die gesetzlichen Tierschutzanforderungen eingehalten werden. Eine Tierhaltung allein deshalb abzulehnen, weil es sich um einen Zirkus handelt, ersetzt diese Einzelfallbetrachtung nicht.

Gerade beim Begriff „Dressur“ wird die Debatte häufig emotional geführt. Das deutsche Tierschutzgesetz verbietet ausdrücklich, ein Tier auszubilden oder zu trainieren, wenn damit erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden verbunden sind. Ebenso dürfen Tiere nicht zu Schaustellungen herangezogen werden, wenn ihnen dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden entstehen. Die rechtliche Ausgangslage lautet deshalb nicht, dass Zirkustraining grundsätzlich Tierquälerei sei, sondern dass tierschutzwidrige Trainingsmethoden verboten sind und gegebenenfalls von den zuständigen Behörden verfolgt werden müssen.

Circus Krone setzt weiterhin bewusst auf Tiere

Circus Krone macht aus seiner Tierhaltung keinen Hehl. Im Gegenteil: Pferde, Löwen und Tiger gehören weiterhin ausdrücklich zum Konzept des traditionsreichen Unternehmens. Circusdirektor Martin Lacey jr. präsentiert die Raubtiergruppe auch auf der aktuellen Deutschlandtournee und beschreibt seine Arbeit mit den Tieren als Ergebnis langfristigen Trainings und einer engen Beziehung zwischen Tier und Tierlehrer. Der Zirkus hat in der Vergangenheit sogar kommentierte Trainingseinheiten angeboten, bei denen Besucher beobachten konnten, wie mit den Raubkatzen gearbeitet wird und wie einzelne Verhaltensweisen aufgebaut werden.

Diese Transparenz passt nur schwer zu dem häufig vermittelten Bild einer Tierdressur, die grundsätzlich im Verborgenen auf Zwang und Gewalt beruhen müsse. Natürlich ist eine Selbstdarstellung des Unternehmens kein unabhängiger Beweis dafür, dass niemals Fehler auftreten können. Genauso wenig darf aber die Behauptung von Tierschutzorganisationen, Zirkustierhaltung sei grundsätzlich nicht tiergerecht, automatisch als nachgewiesene Tatsache behandelt werden. Wer konkrete Missstände behauptet, muss konkrete Missstände benennen und diese nach Möglichkeit dokumentieren.

Auch die rechtliche Kontrolle darf in dieser Diskussion nicht unterschlagen werden. Zirkusbetriebe mit Tieren unterliegen in Deutschland dem Tierschutzrecht und der Überwachung durch die zuständigen Behörden. Über das Zirkusregister können Informationen über Erlaubnisse, Auflagen und Ergebnisse vorheriger Kontrollen zwischen Behörden verfügbar gemacht werden. Damit existiert gerade für reisende Tierhaltungen ein Kontrollsystem, das verhindern soll, dass ein Zirkus durch häufige Ortswechsel behördlicher Überwachung entgeht.

Hamburg lehnt Wildtiere politisch ab – verboten sind sie deshalb nicht

Besonders interessant ist der Hamburger Fall, weil die Stadt politisch seit Jahren auf ein Verbot bestimmter Wildtiere im Zirkus drängt. Hamburg hat sich bereits vor Jahren auf Bundesebene für entsprechende Einschränkungen eingesetzt. Ein bundesweites generelles Verbot von Löwen und Tigern im Zirkus besteht jedoch weiterhin nicht. Damit ist zunächst das geltende Recht maßgeblich und nicht die politische Wunschvorstellung einzelner Parteien, Tierschutzverbände oder Aktivistengruppen.

Das Tierschutzgesetz sieht zwar die Möglichkeit vor, das Zurschaustellen bestimmter wildlebender Tierarten an wechselnden Orten zu beschränken oder zu verbieten. Voraussetzung dafür ist jedoch eine entsprechende bundesrechtliche Regelung und eine rechtlich tragfähige Begründung. Ein Verbot bestimmter Tierarten kann deshalb nicht einfach dadurch entstehen, dass eine Stadt oder ein Verein die Haltung politisch ablehnt. Solange ein Unternehmen die geltenden gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, kann politische Ablehnung nicht ohne Weiteres an die Stelle des bestehenden Rechts treten.

Genau deshalb darf Circus Krone trotz der politischen Position Hamburgs auf dem Heiligengeistfeld auftreten. Es gibt kein allgemeines Hamburger Wildtierverbot für Zirkusse, das Krone mit seinem Gastspiel verletzen würde. Die politische Forderung nach einem Verbot und ein tatsächlich geltendes Verbot sind zwei unterschiedliche Dinge. Diese Unterscheidung geht in der öffentlichen Diskussion über Zirkustiere erstaunlich häufig verloren.

Warum beim Hamburger DOM andere Regeln gelten

Auf den ersten Blick wirkt die Situation besonders widersprüchlich, weil beim Hamburger DOM Tierdarbietungen nicht mehr zugelassen werden. Der DOM findet ebenfalls auf dem Heiligengeistfeld statt, weshalb schnell der Eindruck entstehen kann, auf dem Gelände seien Tierdarbietungen grundsätzlich verboten. Das ist jedoch nicht der Fall. Der Ausschluss von Tierdarbietungen ist Bestandteil der speziellen Teilnahmebedingungen des Hamburger DOM und damit eine Regel dieser Veranstaltung.

Circus Krone ist dagegen keine Attraktion des Hamburger DOM, sondern nutzt das Heiligengeistfeld für ein eigenständiges Gastspiel. Deshalb gelten für den Zirkus nicht automatisch sämtliche Teilnahmebedingungen des DOM. Hamburg könnte politisch darüber diskutieren, wie es seine Veranstaltungsflächen künftig vergeben möchte, doch daraus würde erneut eine andere Frage entstehen: Soll ein rechtmäßig arbeitender Zirkusbetrieb von einer öffentlichen Veranstaltungsfläche ausgeschlossen werden, obwohl seine Tierhaltung nicht grundsätzlich verboten ist? Diese Debatte sollte offen geführt werden, statt eine politische Ablehnung von Wildtieren so darzustellen, als wäre die Rechtslage bereits entschieden.

Tierfreier Zirkus ist eine Möglichkeit – aber kein Maßstab für alle

Kritiker verweisen regelmäßig auf Circus Roncalli oder den Cirque du Soleil und argumentieren, dass erfolgreicher Zirkus auch ohne Tierdarbietungen möglich sei. Das ist zweifellos richtig, beantwortet aber nicht die entscheidende Frage. Dass ein Unternehmen freiwillig auf Tiere verzichtet, beweist nicht, dass ein anderes Unternehmen mit Tierhaltung seine Tiere schlecht behandelt. Unterschiedliche Zirkuskonzepte können nebeneinander bestehen, solange sie sich im gesetzlichen Rahmen bewegen.

Circus Krone steht bewusst für eine Form des klassischen Zirkus, in der Tiere neben Clowns, Artistik und moderner Inszenierung weiterhin einen Platz haben. Besucher können selbst entscheiden, ob sie dieses Konzept sehen möchten. Wer Tierdarbietungen grundsätzlich ablehnt, muss keine Eintrittskarte kaufen und darf selbstverständlich dagegen demonstrieren. Aus dieser persönlichen oder politischen Ablehnung sollte jedoch kein pauschaler Tierquälerei-Vorwurf konstruiert werden, solange konkrete Belege für entsprechende Verstöße fehlen.

Der Protest in Hamburg zeigt deshalb vor allem, wie unterschiedlich Zirkustierhaltung inzwischen bewertet wird. Auf der einen Seite stehen Organisationen, die Tiere grundsätzlich aus der Manege verbannen wollen, auf der anderen Seite Zirkusunternehmen wie Krone, die Tierhaltung weiterhin als Bestandteil ihrer Tradition und ihres Programms verstehen. Für eine sachliche Bewertung sollten am Ende jedoch nicht Schlagworte entscheiden, sondern die tatsächliche Haltung der Tiere, das konkrete Training, behördliche Kontrollen und nachvollziehbare Fakten. Genau daran sollte auch Circus Krone gemessen werden – und nicht allein an der politischen Forderung, dass Tiere im Zirkus grundsätzlich nichts zu suchen hätten.

Quellen

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