Animal Hoarding in Deutschland: Fälle mit betroffenen Tieren

Mindestens 343 Fälle von Animal Hoarding wurden 2023 in Deutschland registriert. Betroffen waren mehr als 16.000 Tiere. Die Zahlen stammen aus einem Forschungsprojekt unter Beteiligung der Technischen Universität Dresden und des Deutschen Tierschutzbundes – und zeigen zugleich, wie lückenhaft der Überblick bislang ist.

Fehlende gemeinsame Daten erschweren das Vorgehen

Bisher gibt es keine zentrale Statistik und keine gemeinsame Datenbank der Veterinärämter. Die erfassten Fälle bilden deshalb wahrscheinlich nicht das gesamte Ausmaß ab. Animal Hoarding bleibt häufig lange verborgen, weil die Zustände in den betroffenen Haushalten erst durch Hinweise aus der Nachbarschaft, Kontrollen oder akute Notlagen bekannt werden.

Für Veterinärämter bedeutet jeder Fall einen erheblichen organisatorischen Aufwand. Müssen Tiere wegen unzureichender Versorgung fortgenommen werden, braucht es kurzfristig Unterbringungsplätze, tierärztliche Untersuchungen und eine längerfristige Betreuung. Auch Tierheime geraten dadurch an ihre Belastungsgrenzen, weil viele Tiere gleichzeitig aufgenommen werden und oft gesundheitliche oder verhaltensbezogene Probleme haben.

Das Forschungsprojekt soll deshalb nicht nur Fallzahlen zusammentragen, sondern auch typische Verläufe und Unterstützungsbedarfe sichtbar machen. Eine einheitliche Erfassung könnte Behörden helfen, Fälle besser zu vergleichen und wiederkehrende Entwicklungen früher zu erkennen. Für die Praxis wäre das besonders wichtig, weil einzelne Veterinärämter derzeit weitgehend mit eigenen Akten und regionalen Erfahrungswerten arbeiten.

47 Hunde in Bad Iburg zeigen die Folgen

Wie schwer die Folgen sein können, zeigte ein Fall aus Bad Iburg. Im Februar 2025 wurden dort nach der vorliegenden Darstellung 47 Hunde aus einem Einfamilienhaus gerettet. Die Tiere waren nach dieser Darstellung krank, mangelernährt und verhaltensauffällig. Im Tierheim mussten sie anschließend etwa zwei Monate intensiv versorgt werden.

Der Fall wurde auch juristisch aufgearbeitet. Nach der vorliegenden Darstellung begann gegen den Halter der Hunde am 8. September 2025 vor dem Amtsgericht Osnabrück der Prozess. Eine solche strafrechtliche Konsequenz ist bei Fällen von Animal Hoarding allerdings nicht der Regelfall. Häufig bleibt es bei einem Tierhalteverbot, dessen Einhaltung in der Praxis schwer zu kontrollieren ist.

Gerade darin liegt ein zentrales Problem: Werden Tiere beschlagnahmt, ist der konkrete Haushalt zunächst geräumt. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Krissy Mockenhaupt verweist auf Schätzungen, nach denen mehr als 90 Prozent der Betroffenen nach einer früheren Beschlagnahmung erneut Tiere sammeln. Diese Zahl wird als Schätzung beschrieben und ist nicht mit einer amtlichen Rückfallstatistik gleichzusetzen.

Tierwohl und Hilfe für Betroffene müssen zusammen gedacht werden

Animal Hoarding ist nicht auf eine einzige soziale Gruppe beschränkt. Nach dem Bericht gibt es bislang keine eindeutigen Gemeinsamkeiten zwischen allen Fällen. Zugleich befinden sich viele Betroffene in belastenden psychosozialen Lebenssituationen und erkennen nach Einschätzung von Fachleuten häufig nicht, dass ihre Tiere leiden.

Die Sozialwissenschaftlerin Sandra Wesenberg fordert deshalb einen umfassenderen Umgang mit dem Phänomen. Neben dem Schutz der Tiere müsse auch geprüft werden, welche psychosoziale Unterstützung die Halter benötigen. Ohne solche Hilfen kann ein Tierhalteverbot möglicherweise allein nicht ausreichen.

Auch die fachliche Einordnung ist noch nicht abschließend geklärt. Wesenberg hält eine präzisere Definition von Animal Hoarding für notwendig und bringt die Frage auf, ob es sich möglicherweise um ein eigenständiges psychisches Krankheitsbild handeln könnte. Eine solche Einordnung wäre keine Entschuldigung für schlechte Haltung, könnte aber den Zugang zu geeigneten Hilfsangeboten verbessern.

Für Tierheime und Veterinärämter entscheidet sich der Nutzen des Forschungsprojekts letztlich daran, ob aus den Zahlen konkrete Strukturen entstehen. Eine bessere Erfassung, frühere Hilfen und abgestimmte Verfahren könnten verhindern, dass Behörden erst dann eingreifen, wenn Dutzende Tiere unter Krankheit, Mangelversorgung und Verwahrlosung leiden. Bis dahin bleibt der Schutz der Tiere stark davon abhängig, wie früh ein Fall erkannt wird und welche Unterbringungs- und Unterstützungsangebote vor Ort verfügbar sind.

GERATI-Beitrag zu Animal Hoarding

Quellen

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