Zoo Karlsruhe: Kurzkrallenotter Torben nach schweren Zahnproblemen eingeschläfert

Der Zoologische Stadtgarten Karlsruhe musste seinen fast 16 Jahre alten Kurzkrallenotter Torben einschläfern. Nach Angaben des Zoos hatte der Otter zuletzt nur noch schlecht gefressen. Eine Untersuchung ergab massive Zahnprobleme und Veränderungen am Kiefer. Für die verbliebene Otter-Dame Tabea bedeutet der Tod ihres langjährigen Partners zugleich eine vorübergehende Einzelhaltung.

Torben lebte seit 2012 in Karlsruhe

Torben wurde im Tierpark und Tropen-Aquarium Hagenbeck geboren und kam 2012 nach Karlsruhe. Damit verbrachte er einen wesentlichen Teil seines Lebens im dortigen Zoo. Mit knapp 16 Jahren hatte er nach Angaben des Zoos ein für Kurzkrallenotter hohes Alter erreicht, denn in freier Wildbahn werden Tiere dieser Art meist etwa zehn bis 15 Jahre alt. Die Entscheidung zur Einschläferung begründete das tierärztliche Team mit den festgestellten Befunden und der deutlich eingeschränkten Nahrungsaufnahme.

Der Zoo erklärte, Torben sei erlöst worden, um ihm weiteres Leiden zu ersparen. Konkrete Angaben zu einer einzelnen Zahnbehandlung, zur Dauer der Beschwerden oder zu weiteren Untersuchungsergebnissen veröffentlichte die Einrichtung nicht. Bereits 2021 hatte der Zoo Karlsruhe Torben und Tabea als Paar vorgestellt. Die damalige Veröffentlichung zeigt, dass beide Tiere schon mehrere Jahre gemeinsam auf der Anlage lebten. Der aktuelle Verlust beendet diese Haltungssituation nach mehr als einem Jahrzehnt.

Tabea soll wieder einen Partner bekommen

Tabea ist neun Jahre alt und lebt nach dem Tod Torbens zunächst allein. Nach Angaben des Zoos soll dieser Zustand jedoch möglichst bald beendet werden. Kurzkrallenotter gelten als sozial lebende Tiere, die gewöhnlich paarweise oder in Familiengruppen vorkommen. Die geplante Suche nach einem neuen Artgenossen ist deshalb nicht nur eine Frage der Zuchtplanung, sondern auch der künftigen sozialen Haltung auf der Karlsruher Anlage.

Der Zoo will die Kurzkrallenotterhaltung fortsetzen und sucht dafür in Abstimmung mit dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm nach einem passenden Partner. Bei der Auswahl müssen mehrere Faktoren zusammenpassen, darunter Geschlecht, Alter, Herkunft und die züchterische Bedeutung des Tieres. Ob und wann ein neuer Otter nach Karlsruhe kommt, hängt daher von den Empfehlungen und verfügbaren Tieren im koordinierten Programm ab. Der Zoologische Stadtgarten beschreibt seine Beteiligung an Erhaltungszuchtprogrammen als Teil seiner Artenschutzarbeit.

Bei Kurzkrallenottern steht dabei neben der Haltung einer stabilen Population auch die Vermeidung unnötiger Verwandtschaft innerhalb der teilnehmenden Einrichtungen im Mittelpunkt. Die Vermittlung biologischer Kenntnisse und der Bedrohung wild lebender Arten gehört ebenfalls zum Bildungsauftrag, den der Zoo bei kommentierten Fütterungen und anderen Angeboten aufgreift. Damit verbindet die Einrichtung die Haltung der Tiere mit Informationen über ihre natürlichen Lebensbedingungen. Eine konkrete zeitliche Zusage für die Ankunft eines neuen Partners enthält die Mitteilung jedoch nicht.

Kurzkrallenotter bleiben in freier Natur gefährdet

Die Weltnaturschutzunion führt den Kurzkrallenotter auf ihrer Roten Liste als gefährdet. Für die Bestände in Asien sind insbesondere der Verlust geeigneter Lebensräume, die Belastung von Gewässern und illegale Jagd relevante Gefahren. Diese globale Einstufung beschreibt die Situation der Art in ihren natürlichen Verbreitungsgebieten und ist nicht mit einer Bewertung der konkreten Haltung in Karlsruhe gleichzusetzen.

Das EEP der European Association of Zoos and Aquaria soll die Haltung und Zucht der beteiligten Zoos grenzüberschreitend koordinieren. Für Karlsruhe verschiebt sich der unmittelbare Schwerpunkt nach Torbens Tod zunächst von der Paarhaltung auf die Wiederherstellung einer geeigneten sozialen Konstellation für Tabea. Entscheidend wird damit, wie schnell ein genetisch und sozial passender Partner gefunden werden kann und ob die Anlage anschließend wieder als Paar- oder mögliche Zuchtgruppe genutzt wird. Bis dahin bleibt Tabea allein auf der Anlage.

Quellen

Schreibe einen Kommentar