Kulan-Hengst Mushu aus Berlin verstärkt Erhaltungszucht im Zoo Rostock

Der zweijährige Kulan-Hengst Mushu ist am 10. August aus dem Tierpark Berlin in den Zoo Rostock umgezogen. Dort soll er künftig mit den Rostocker Stuten für Nachwuchs sorgen und die Erhaltungszucht des gefährdeten Asiatischen Wildesels unterstützen. Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) hat den Hengst dem Zoo Rostock gezielt zugeteilt, weil er genetisch hervorragend zu den dort lebenden Weibchen passt.

Mushu wird schrittweise in die Herde integriert

Nach seiner Ankunft verbrachte Mushu zunächst einige Tage im Stall und im Vorgehege. So konnte er die bereits im Zoo lebenden Tiere sehen und sich an die neue Umgebung gewöhnen, ohne unmittelbar in die Herde integriert zu werden. Anschließend durfte er gemeinsam mit den Kulan-Stuten und einem Junghengst die Außenanlage erkunden. Der Neuzugang ist dort inzwischen auch für Besucher zu sehen.

Zoo-Kuratorin Daniela Lahn beschreibt die Zusammenführung als besonders sensiblen Vorgang. Das Pflegerteam müsse darauf achten, dass sich die Tiere nicht verletzen und die Herde Schritt für Schritt zueinanderfindet. Nach der Eingewöhnung unter den Artgenossen soll Mushu außerdem mit den Yaks vergesellschaftet werden, die sich bereits seit vielen Jahren die weitläufige Anlage mit den Kulanen teilen. Weitere Informationen zum Zoo Rostock finden Leser auch im Bericht über den Landeszootag in Mecklenburg-Vorpommern.

Drei Stuten im Rostocker Bestand – unterschiedliche Zuchtperspektiven

Im Zoo Rostock leben derzeit drei Kulan-Stuten. Das älteste Weibchen ist mit 31 Jahren bereits zu alt für eine Zucht, während die beiden jüngeren Stuten grundsätzlich als mögliche Partnerinnen für Mushu infrage kommen. Der Zoo verfolgt nach Angaben von Daniela Lahn das Ziel, gesunde Fohlen aufzuziehen und damit einen Beitrag zum Erhalt der bedrohten Wildesel zu leisten.

Ob und wann es zu einer erfolgreichen Zucht kommt, hängt jedoch von der weiteren Entwicklung der Herde, der Verträglichkeit der Tiere und einer erfolgreichen Paarung ab. Die schrittweise Zusammenführung schafft zunächst die Voraussetzungen dafür, dass Mushu sich dauerhaft in der Gruppe etabliert. Erst danach kann sich zeigen, ob eine konkrete Zuchtperspektive entsteht. Die EEP-Zuteilung eröffnet damit eine Möglichkeit, ersetzt aber nicht die notwendige Eingewöhnung und das natürliche Sozialverhalten der Tiere.

Erhaltungszucht als Reserve für den Artenschutz

Der Kulan trägt den wissenschaftlichen Namen *Equus hemionus kulan* und ist eine Unterart des Asiatischen Wildesels. Die Weltnaturschutzunion IUCN führt ihn als stark gefährdet. Als wesentliche Ursachen für den Rückgang in den Steppen Zentralasiens gelten Wilderei, Bejagung und der Verlust geeigneter Lebensräume.

Für den in Rostock geplanten Nachwuchs gibt es derzeit kein konkretes Auswilderungsprojekt. Erhaltungszuchtprogramme sollen dennoch langfristig genetisch vielfältige und gesunde Bestände in menschlicher Obhut sichern. Im EEP werden Zuchtentscheidungen zwischen teilnehmenden Einrichtungen abgestimmt; im vorliegenden Fall wurde Mushu dem Zoo Rostock wegen seiner genetischen Passung zu den dortigen Weibchen zugeteilt. Welche konkreten weiteren Kriterien oder Voraussetzungen für spätere Wiederansiedlungen gelten, geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor. Deshalb lässt sich die Funktion des EEP hier auf die koordinierte Haltung und Zucht sowie den Erhalt einer gesunden Reservepopulation begrenzen. Damit entsteht eine mögliche Grundlage für spätere Schutzmaßnahmen oder Wiederansiedlungen, falls die Bedingungen in den ursprünglichen Verbreitungsgebieten dies künftig zulassen. Auch die Hitzeschutzmaßnahmen im Zoo Rostock zeigen, wie die Einrichtung ihre Tierhaltung an die jeweiligen Bedingungen anpasst.

Quellen

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