Afrikanische Schweinepest: Toskana meldet 638 Wildschwein-Fälle seit Jahresbeginn

In der italienischen Region Toskana haben Behörden seit dem 1. Januar 2026 insgesamt 638 mit Afrikanischer Schweinepest (ASP) infizierte Wildschweine erfasst. Die Fälle wurden in mehreren Teilen der Region registriert, darunter inzwischen auch in den Provinzen Lucca und Pistoia. Besonders brisant ist, dass das Virus zwei Schweinehaltungen erreicht hat: einen Betrieb in Comano in der Provinz Massa-Carrara und einen weiteren in San Marcello Piteglio in der Provinz Pistoia.

Die Zahlen wurden am 18. August bei einer Online-Sitzung mit Bürgermeistern vorgestellt, zu der Anci Toscana und die Region Toskana eingeladen hatten. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die Gemeinden ihre Maßnahmen besser aufeinander abstimmen können. Susanna Cenni, Präsidentin von Anci Toscana, warnte davor, dass jede Kommune isoliert vorgeht. Nach ihren Angaben soll die Zusammenarbeit insbesondere beim Auffinden und Einsammeln von Wildschweinkadavern verbessert werden.

Provinzielle Einsatzgruppen sollen Maßnahmen bündeln

Geplant sind provinzielle territoriale Einsatzgruppen, die in den betroffenen Gebieten die Reaktion koordinieren sollen. Die sogenannten Got sollen Informationen zwischen Gemeinden, Behörden und Fachstellen bündeln und dadurch ein einheitlicheres Vorgehen ermöglichen. Ergänzend sind Hinweisschilder, QR-Codes und Informationskampagnen für die Bevölkerung vorgesehen. Auch Kontrollen auf öffentlichen Flächen gehören zu den angekündigten Maßnahmen.

Die Organisation der Kadaversuche ist dabei nicht nur eine praktische Verwaltungsfrage. Tote Wildschweine können wichtige Hinweise auf die Verbreitung des Virus liefern, weil die passive Überwachung – also die Untersuchung tot aufgefundener oder verdächtiger Tiere – einen wesentlichen Beitrag zur Erkennung von ASP-Fällen leistet. Nach Angaben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wurden 2025 in der Europäischen Union 73 Prozent der Ausbrüche bei Wildschweinen über diese Form der Überwachung entdeckt. Damit erhält die Suche nach Kadavern neben der Koordination der Einsatzgruppen eine zentrale Bedeutung für die weitere Lagebewertung.

Erreichen von Schweinehaltungen verschärft die Folgen

Die ASP befällt Haus- und Wildschweine, ist für Menschen jedoch nicht ansteckend. Für die Schweinehaltung kann ein bestätigter Fall trotzdem erhebliche Konsequenzen haben. Das italienische Gesundheitsministerium führt die Krankheit als Kategorie-A-Tierseuche; nach den EU-Vorgaben müssen betroffene Ausbrüche unverzüglich bekämpft und getilgt werden. Die beiden betroffenen Betriebe zeigen, dass die Entwicklung nicht auf die Wildschweinpopulation begrenzt bleibt.

Zu den möglichen Maßnahmen zählen die Tötung betroffener Tiere, Einschränkungen bei Tiertransporten sowie Handelsbeschränkungen für Schweine und Schweinefleisch. Eine wirksame Behandlung steht nicht zur Verfügung, ebenso wenig ein zugelassener Impfstoff für die betroffenen Tiere. Die beiden Fälle in Comano und San Marcello Piteglio markieren deshalb einen entscheidenden Unterschied zur ausschließlichen Zirkulation unter Wildschweinen: Neben der Wildtierüberwachung wird nun die Biosicherheit in den Betrieben unmittelbar relevant.

Übertragung auch durch Schuhe und Fahrzeuge möglich

Das Virus kann nicht nur durch den direkten Kontakt zwischen Tieren weitergegeben werden. Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts sind auch Kadaver, kontaminierte Speiseabfälle und Schweinefleischerzeugnisse mögliche Übertragungswege. Schuhe, Kleidung, Ausrüstung, Fahrzeuge und Fahrradreifen können Schlamm oder organisches Material aufnehmen und das Virus in andere Gebiete verschleppen. Dadurch kann die Ausbreitung auch ohne die Bewegung eines infizierten Tieres unterstützt werden.

Der Sonderbeauftragte Giorgio Briganti weist deshalb darauf hin, dass Menschen zwar nicht erkranken, das Virus aber unbeabsichtigt weitertragen können. Waldbesucher sollen den Kontakt mit Wildschweinkadavern vermeiden und Schuhe sowie Ausrüstung nach Aufenthalten in betroffenen Gebieten sorgfältig reinigen und desinfizieren. Diese Hinweise richten sich nicht nur an Landwirte, sondern auch an Spaziergänger, Jäger, Forstarbeiter und Freizeitsportler.

Nordwestitalien bleibt stärker belastet

Die Toskana weist eine erhebliche regionale Betroffenheit auf, ist aber nicht die am stärksten belastete Region Italiens. Ein Lagebericht des Istituto Zooprofilattico Sperimentale für Piemont, Ligurien und das Aostatal meldete zum 26. Juli insgesamt 2.194 positive Wildschweine: 823 in Piemont und 1.371 in Ligurien. In 205 Gemeinden dieser beiden Regionen war mindestens ein Fall bestätigt; zudem waren zehn Schweinehaltungen direkt betroffen. Damit bleiben Piemont und Ligurien deutlich stärker belastet als die Toskana, wenn die jeweils genannten Stichtage zugrunde gelegt werden.

Die Zahlen sind allerdings nur eingeschränkt miteinander vergleichbar. Die 638 Fälle der Toskana beziehen sich auf den Zeitraum seit Jahresbeginn und wurden am 18. August genannt, während die Angaben für Piemont und Ligurien bis zum 26. Juli reichen. Ein direkter Rangvergleich nach der aktuellen Ausbreitung ist daher nicht möglich. Fest steht jedoch, dass Italien gleichzeitig mit einer etablierten Lage im Nordwesten und einer wachsenden Front in der Toskana umgehen muss.

EU-Zahlen zeigen anhaltenden Ausbreitungsdruck

Auch auf europäischer Ebene nahm die ASP 2025 wieder deutlich zu. Nach EFSA-Angaben stiegen die Fälle bei Wildschweinen in der EU von 7.677 im Jahr 2024 auf 11.036 im Jahr 2025 – ein Anstieg um 44 Prozent und der höchste Wert seit 2021. Bei Hausschweinen nahm die Zahl der betroffenen Herden um 76 Prozent auf 585 Ausbrüche zu. Die Entwicklung zeigt, dass die Belastung nicht auf einzelne italienische Regionen beschränkt ist.

Die Krankheit kehrte 2025 nach 31 Jahren nach Spanien zurück; inzwischen sind 14 EU-Mitgliedstaaten betroffen. Die EFSA-Zahlen belegen damit eine europaweite Ausweitung, enthalten jedoch keinen belastbaren Nachweis für erstmals im Juli 2026 gemeldete ASP-Fälle in Finnland. Für die Toskana bedeutet das: Die neu eingerichteten Einsatzgruppen müssen nicht nur lokale Abläufe koordinieren, sondern eine Tierseuche eindämmen, deren Bekämpfung europaweit stark von schneller Kadavererkennung, konsequenter Hygiene und der Begrenzung menschlicher Verschleppung abhängt. Diese Maßnahmen bilden damit den wesentlichen Ansatz, solange kein zugelassener Impfstoff für die betroffenen Tiere verfügbar ist.

Quellen

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