Im Ostallgäu wurde am 16. August ein verletztes Kalb entdeckt. Dadurch entstand der Verdacht, dass ein Wolf oder ein anderer großer Beutegreifer für die Verletzungen verantwortlich sein könnte. Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) untersucht den Fall derzeit mithilfe einer Genprobe. Erst das Untersuchungsergebnis kann die Ursache belastbar einordnen.
Genetische Untersuchung soll den Verdacht einordnen
Das LfU untersucht den Vorfall als möglichen Wolfsangriff, ohne den Verursacher bereits festzulegen. Neben einem Wolf kommen grundsätzlich auch Luchs oder Bär als mögliche große Beutegreifer infrage. Die genetische Untersuchung soll deshalb klären, ob sich ein entsprechender Hinweis feststellen lässt. Bis zum Abschluss der Analyse bleibt die Ursache der Verletzungen offen.
Ein bestätigter Wolfsnachweis kann nach den jeweils geltenden landesrechtlichen Voraussetzungen und der amtlichen Bewertung des konkreten Schadens für mögliche Entschädigungsansprüche relevant sein. Ein Verdacht allein stellt dagegen noch keinen Nachweis dar. Die laufende Analyse soll den Fall fachlich einordnen. Für die Weidetierhalter im Allgäu ist diese Unterscheidung daher entscheidend.
Mehrere Juli-Fälle bleiben ohne eindeutigen Wolfsnachweis
Schon im Juli sorgten mehrere mögliche Wolfsrisse im Allgäu für Unruhe. Sowohl im Ostallgäu als auch im Oberallgäu wurden Verdachtsfälle untersucht, ohne dass für alle betroffenen Nutztiere ein Wolf zweifelsfrei als Verursacher festgestellt werden konnte. Genau das macht die Situation für Tierhalter so schwierig: Die Schäden sind real, während die eindeutige Zuordnung oft erst deutlich später oder gar nicht gelingt. Auch beim jetzt verletzten Kalb wird deshalb die Genanalyse zeigen müssen, ob sich der Wolfsverdacht bestätigt.
Damit ist für die Juli-Verdachtsfälle kein belastbarer Wolfsnachweis belegt. Die zeitliche Nähe mehrerer Meldungen erlaubt ohne genetische oder andere gesicherte Befunde keine Zuordnung zu einem bestimmten Tier. Auch ein Untersuchungsergebnis zu einem einzelnen Fall kann nicht ohne Weiteres auf den aktuellen Fund im Ostallgäu übertragen werden. Entscheidend bleibt deshalb die fallbezogene Untersuchung des verletzten Kalbs.
GW 999 bleibt der bislang bekannte standorttreue Wolf
Mit GW 999 lebt bereits seit Jahren ein standorttreuer Wolf im Allgäu. Das männliche Tier wurde erstmals 2018 nachgewiesen und ist damit längst kein unbekannter Durchzügler mehr. Weitere standorttreue Wölfe oder ein Rudel sind in der Region bislang zwar nicht bestätigt, doch für Weidetierhalter ändert das wenig an der grundsätzlichen Präsenz eines großen Beutegreifers. Ob GW 999 mit dem aktuellen Fall in Verbindung steht, ist offen – der Wolfsverdacht steht damit aber keineswegs im luftleeren Raum.
Genetische Untersuchungen spielen bei der Bewertung möglicher Wolfsrisse eine zentrale Rolle, weil sich damit Hinweise auf den Verursacher sichern lassen. Frühere Fälle im Allgäu zeigen, dass solche Analysen einen Wolf eindeutig nachweisen können, sie erlauben aber keine pauschalen Rückschlüsse auf spätere Vorfälle. Auch bei GW 999 muss deshalb jeder Nutztierschaden einzeln bewertet werden. Dass ein Wolf in der Region nachgewiesen ist, bedeutet nicht automatisch, dass er für jedes verletzte oder gerissene Nutztier verantwortlich ist.
Streit über genaue Orte der Verdachtsfälle
Für die Weidetierhalter bleibt die Lage damit alles andere als zufriedenstellend. Mögliche Wolfsangriffe werden untersucht, gleichzeitig bleiben die genauen Orte der Verdachtsfälle häufig unter Verschluss und endgültige Ergebnisse liegen oft erst später vor. Wer Tiere auf der Weide hält, soll Risiken einschätzen und Schutzmaßnahmen treffen, bekommt dafür aber nur begrenzte Informationen über das tatsächliche Geschehen in seiner Umgebung. Beim verletzten Kalb dürfte deshalb nicht nur das Ergebnis der Genprobe für Diskussionen sorgen, sondern auch die Frage, wie transparent mit solchen Verdachtsfällen künftig umgegangen wird.
Für die Tierhalter bleibt damit vor allem eines: warten. Solange die Genanalyse nicht vorliegt, bleibt offen, welcher große Beutegreifer das Kalb verletzt hat und ob sich der Wolfsverdacht bestätigt. Gleichzeitig fehlen weiterhin genaue Informationen darüber, wo solche Verdachtsfälle auftreten. Erst das Untersuchungsergebnis wird zeigen, ob sich aus dem Verdacht ein bestätigter Wolfsfall entwickelt.
Quellen
- allgaeuer-zeitung.de – Neuer Wolf-Verdachtsfall im Allgäu: Hat er ein Kalb gerissen? – https://www.allgaeuer-zeitung.de/allgaeu/weiterer-wolf-verdachtsfall-im-oberallgaeu-hat-er-ein-kalb-gerissen-114757245
- lfu.bayern.de – Untersuchungsergebnisse zum Wolfsgeschehen im östlichen bayerischen Alpenraum liegen vor- Internetangebot – LfU Bayern – https://www.lfu.bayern.de/pressemitteilungen/c/1649199/1-22-untersuchungsergebnisse-zum-wolfsgeschehen-im-oestlichen-bayerischen-alpenraum
- lfu.bayern.de – Wolf im Landkreis Ostallgäu jetzt nachgewiesen- Internetangebot – LfU Bayern – https://www.lfu.bayern.de/pressemitteilungen/c/1163759/02-19-wolf-im-landkreis-ostallgaeu-jetzt-nachgewiesen
- dbb-wolf.de – Bayern – Landesamt für Umwelt: Wolfnachweis im Landkreis Oberallgäu / Entschädigung wird ausbezahlt / Aktionsplan Wolf geht in Verbändeanhörung – DBBW – https://dbb-wolf.de/mehr/pressemitteilungen/details/bayern-landesamt-fuer-umwelt-wolfnachweis-im-landkreis-oberallgaeu-entschaedigung-wird-ausbezahlt-aktionsplan-wolf-geht-in-verba
