Tierheim Dornbusch Aufnahmestopp: 47 Katzen bringen Einrichtung an Kapazitätsgrenze

Im Tierheim Dornbusch sind sämtliche verfügbaren Katzenplätze belegt. Derzeit werden dort 47 Katzen versorgt, darunter allein 20 Kitten. Nach Angaben der Tierheimleitung können momentan selbst akute Notfälle nicht mehr aufgenommen werden. Das Tierheim hat deshalb einen vollständigen Aufnahmestopp für Katzen verhängt.

Zahlreiche Fundkatzen verschärfen die Situation

Die angespannte Lage entwickelte sich nach Angaben des Tierheims bereits seit Mai. Besonders im Juli stieg die Zahl der aufgenommenen Tiere deutlich an: Allein 22 Katzen aus Lüdenscheid wurden nach Dornbusch gebracht. Lediglich zwei dieser Tiere konnten anhand ihrer Chipnummer ihren Haltern zugeordnet werden. Viele der aufgenommenen Katzen waren unkastriert oder bereits trächtig und brachten anschließend im Tierheim ihre Jungen zur Welt.

Fundkatzen aus Lüdenscheid werden in vielen Fällen über das zuständige Ordnungsamt an das Tierheim übergeben. Für die Einrichtung bedeutet jede Aufnahme jedoch deutlich mehr als lediglich einen zusätzlichen Platz in einem Katzenzimmer. Neu eingelieferte Tiere müssen zunächst untersucht werden und gegebenenfalls eine Quarantäne durchlaufen. Gerade bei unbekanntem Gesundheitszustand ist eine sofortige Zusammenlegung mit anderen Katzen nicht möglich.

Hinzu kommt, dass unverträgliche Tiere getrennt untergebracht werden müssen. Katzenmütter mit ihren Würfen benötigen ebenfalls einen eigenen und möglichst ruhigen Bereich. Nach Angaben von Tierheimleiterin Anna-Lena Pieper bleiben Kitten normalerweise etwa zehn bis zwölf Wochen bei ihrer Mutter, bevor sie vermittelt werden können. Die vorhandenen Räume lassen sich deshalb nicht kurzfristig durch häufigere Vermittlungen wieder freimachen.

Krankheiten verzögern die Vermittlung zusätzlich

Dass junge Katzen grundsätzlich viele Interessenten finden, hilft dem Tierheim nur begrenzt. Tiere dürfen erst dann vermittelt werden, wenn ihr Gesundheitszustand dies zulässt. Erkrankungen wie Durchfall oder ein Befall mit Giardien können Behandlung und Quarantäne erheblich verlängern. Dadurch bleiben einzelne Katzen unter Umständen mehrere Monate länger in der Einrichtung als ursprünglich erwartet.

Auch eine bereits erfolgte Reservierung bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, dass ein Tier kurzfristig ausziehen kann. Zunächst müssen notwendige tierärztliche Untersuchungen und Behandlungen abgeschlossen werden. Besonders bei einer größeren Zahl gleichzeitig erkrankter Tiere kann sich dadurch ein erheblicher Rückstau entwickeln. Genau diese Kombination aus hoher Aufnahmezahl, Nachwuchs und verlängerten Aufenthaltszeiten bringt das Tierheim Dornbusch derzeit an seine Grenzen.

Die Kapazitätsprobleme beschränken sich zudem nicht vollständig auf Katzen. Bei den regulär zur Vermittlung stehenden Hunden sei die Situation nach Angaben des Tierheims momentan noch beherrschbar. Für beschlagnahmte Hunde oder Tiere, die nach Beißvorfällen untergebracht werden müssten, gebe es allerdings ebenfalls keine freien Plätze mehr. Haltern mit problematischem Hundeverhalten empfiehlt das Tierheim daher unter anderem die Unterstützung durch Hundeschulen oder entsprechend qualifizierte Trainer.

Tierheim verweist auf Kastration und Registrierung

Eine zentrale Ursache für die hohe Zahl von Fundkatzen sieht das Tierheim in nicht kastrierten Tieren. Pieper appelliert deshalb an Katzenhalter, ihre Tiere kastrieren, kennzeichnen und anschließend auch registrieren zu lassen. Ein eingesetzter Mikrochip allein reicht für eine schnelle Zuordnung nicht aus, wenn die Chipnummer nicht bei einem Haustierregister mit den Kontaktdaten des Besitzers hinterlegt wurde. Gerade bei Fundtieren kann eine ordnungsgemäße Registrierung den Aufenthalt im Tierheim erheblich verkürzen.

In Lüdenscheid gilt bereits eine Katzenschutzverordnung, die unter anderem eine Kastrationspflicht für Freigängerkatzen vorsieht. Nach Angaben des städtischen Pressesprechers Sven Helmig kann die Haltung einer nicht kastrierten Freigängerkatze mit einem Bußgeld von bis zu 1.000 Euro geahndet werden. Bei einem erstmaligen Verstoß könne zunächst auch eine geringfügigere Verwarnung ausgesprochen werden. Bei wiederholten Verstößen oder mehreren nicht kastrierten Tieren können die Sanktionen entsprechend höher ausfallen.

Zum Zeitpunkt der Berichterstattung liefen nach Angaben der Stadt sieben entsprechende Verfahren gegen Katzenhalter. Ziel der Katzenschutzverordnung ist es, die unkontrollierte Vermehrung freilaufender Hauskatzen einzudämmen. Für Tierheime ist das Thema unmittelbar relevant, denn trächtige Fundkatzen und später deren Nachwuchs benötigen über Wochen zusätzliche Räume, Futter, Pflege und tierärztliche Versorgung. Eine einzelne unkastrierte Katze kann dadurch indirekt mehrere zusätzliche Tierheimplätze gleichzeitig beanspruchen.

Aufnahmestopp zeigt strukturelles Problem

Der Aufnahmestopp im Tierheim Dornbusch verdeutlicht zugleich ein grundsätzliches Problem vieler Tierheime. Entscheidend ist nicht nur die reine Zahl der aufgenommenen Tiere, sondern auch, wie lange einzelne Plätze belegt bleiben. Quarantäne, Erkrankungen, Würfe oder Verhaltensprobleme können dazu führen, dass Tiere deutlich länger versorgt werden müssen. Damit sinkt die tatsächlich verfügbare Aufnahmekapazität, selbst wenn regelmäßig Tiere erfolgreich vermittelt werden.

Besonders problematisch sind Fundkatzen, deren Besitzer nicht festgestellt werden können. Sind Tiere weder gekennzeichnet noch registriert, ist eine Rückgabe an den ursprünglichen Halter kaum möglich. Das Tierheim muss die Katzen dann zunächst vollständig versorgen und später eine neue Vermittlung organisieren. Für die Einrichtung entstehen dadurch zusätzliche Kosten und gleichzeitig fehlen Plätze für die nächsten Fund- oder Notfälle.

Tierheim sucht Pflegestellen und Unterstützung

Um zumindest einen Teil der vorhandenen Kapazitäten zu entlasten, sucht das Tierheim Dornbusch nach geeigneten Pflegestellen. Diese werden vor allem für ältere oder kranke Tiere benötigt, die außerhalb des Tierheims häufig ruhiger und individueller betreut werden können. Pflegepersonen müssen allerdings berücksichtigen, dass das Tier grundsätzlich weiterhin zur Vermittlung steht. Interessenten müssen deshalb auch Besichtigungstermine ermöglicht werden.

Wer sich später entscheidet, ein Pflegetier dauerhaft zu übernehmen, trägt anschließend die gewöhnlichen Kosten der Tierhaltung selbst. Daneben bietet das Tierheim Tierpatenschaften an und bittet um Sach- sowie Geldspenden. Benötigt werden unter anderem Kittenfutter, Nassfutter, Katzenstreu, Kleintierstreu, Heu und Stroh sowie spezielles Futter für empfindliche Hunde. Geldspenden werden nach Angaben der Einrichtung insbesondere für tierärztliche Behandlungen eingesetzt.

Wie lange der Aufnahmestopp für Katzen bestehen bleibt, lässt sich derzeit nicht genau vorhersagen. Entscheidend wird sein, wie viele Tiere in den kommenden Wochen gesund werden und vermittelt werden können und ob gleichzeitig weitere Fundtiere aufgenommen werden müssen. Die aktuelle Situation zeigt jedoch deutlich, welche Folgen nicht kastrierte und nicht registrierte Katzen für ein bereits ausgelastetes Tierheim haben können.

Quellen

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