In Ramiswil im Kanton Solothurn sind nach der Räumung eines Tierhofs 122 Hunde eingeschläfert worden. Nun hat der Schweizer Tierschutz (STS) Strafanzeige gegen die Solothurner Kantonstierärztin, den Chef des kantonalen Amtes für Landwirtschaft und gegen Unbekannt eingereicht. Der Verband stellt damit das Vorgehen der Behörden bei der Beschlagnahmung vom 6. November 2025 strafrechtlich infrage. Gegen die 57-jährige Tierhalterin läuft unabhängig davon ein Verfahren wegen des Verdachts auf Tierquälerei.
Untersuchungsbericht unterscheidet zwischen 99 und 23 Hunden
Der Kanton hatte auf dem Hof neben den Hunden auch 43 Pferde und zwei Ziegen beschlagnahmt. Die Tiere wurden nach Behördenangaben in einem schlechten Zustand vorgefunden; die Hunde, darunter Welpen, wurden noch vor Ort getötet. Ein im Juli veröffentlichter Untersuchungsbericht bewertete die Entscheidung bei 99 Tieren nachträglich als begründet. Bei diesen Hunden handelte es sich dem Bericht zufolge eindeutig um Herdenschutzhunde, für die realistische Unterbringungs- oder Vermittlungsmöglichkeiten gefehlt hätten.
Anders fiel die Bewertung der übrigen 23 Hunde aus. Für diese Tiere sei keine ausreichend differenzierte Triage vorgenommen worden, heißt es im Bericht. Eine Euthanasie sei deshalb nicht in jedem Fall alternativlos gewesen; lediglich bei zwei Hunden habe der Gesundheitszustand die Tötung ebenfalls erforderlich gemacht. Damit kritisiert der Bericht nicht grundsätzlich die gesamte Räumungsentscheidung, benennt aber konkrete Mängel bei der Einzelfallprüfung.
STS bezweifelt auch die Tötung der Herdenschutzhunde
STS-Präsident Peter V. Kunz weist gegenüber Keystone-SDA und in einem Interview mit CH Media auch die Einschätzung zu den 99 Herdenschutzhunden zurück. Nach seiner Darstellung befanden sich darunter zahlreiche Jungtiere und Welpen, die noch hätten sozialisiert werden können. Der Verband wirft den Verantwortlichen außerdem vor, zu spät eingegriffen zu haben. Statt frühzeitig konsequent zu handeln, hätten sie lediglich mit der Tierhalterin gesprochen, erklärte Kunz.
Kunz bezeichnete die anschließende Entscheidung, sämtliche Hunde zu töten, als möglicherweise von Bequemlichkeit geprägt. Diese Formulierung beschreibt die Position des STS und ist bislang keine gerichtliche Feststellung. Das Strafverfahren soll nun klären, ob Behördenvertreter bei der Vorgeschichte, der Beschlagnahmung oder der Entscheidung über die Tötung gesetzliche Pflichten verletzt haben. Das Amt für Landwirtschaft und der Veterinärdienst Solothurn haben sich zur eingereichten Anzeige zunächst nicht öffentlich geäußert.
Auch die Versorgung der übrigen Tiere hatte Folgen
Die Räumung betraf nicht nur die Hunde. Von den beschlagnahmten Pferden wurden im November 2025 insgesamt 32 Tiere, darunter zwölf Fohlen, im bernischen Schönbühl versteigert. Die weitere Behandlung der Pferde und Ziegen ist im aktuellen Strafanzeigefall nicht der zentrale Streitpunkt; sie zeigt jedoch die Größenordnung des Einsatzes auf dem Hof.
Für die strafrechtliche Bewertung kommt es nun auf die Einzelfallumstände an: den Gesundheits- und Verhaltenszustand der Hunde, die verfügbaren Unterbringungsmöglichkeiten sowie die damalige Entscheidungsgrundlage des Veterinärdienstes. Der Untersuchungsbericht zum Tierschutzfall Ramiswil hatte bereits zwischen begründeten Tötungen und einer unzureichenden Prüfung einzelner Tiere unterschieden. Ob darüber hinaus strafrechtlich relevante Pflichtverletzungen vorliegen, ist bislang offen.
Quellen
- schweizerbauer.ch – Fall Ramiswil: Schweizer Tierschutz zeigt Solothurner Kantonstierärztin an – https://www.schweizerbauer.ch/artikel/regionen/nordwestschweiz/fall-ramiswil-schweizer-tierschutz-zeigt-solothurner-kantonstieraerztin-an
- srf.ch – Tierschutzskandal in Ramiswil: Wurden Hunde zu schnell getötet? – News – SRF – https://www.srf.ch/news/schweiz/strafanzeige-im-fall-ramiswil-tierschutz-zeigt-solothurner-kantonstieraerztin-an
- nau.ch – Schweizer Tierschutz zeigt Solothurner Kantonstierärztin an | Nau.ch – https://www.nau.ch/news/schweiz/schweizer-tierschutz-zeigt-solothurner-kantonstierarztin-an-67161064
- tierschutz.com – Untersuchungsbericht zum Tierschutzfall Ramiswil: STS reicht Strafanzeige ein wegen Tötungen von Hunden – Schweizer Tierschutz STS – https://tierschutz.com/untersuchungsbericht-zum-tierschutzfall-ramiswil-sts-reicht-strafanzeige-ein-wegen-toetungen-von-hunden
