Wolfsmanagement in Iggewarden: Kritik am Podium der CDU-Veranstaltung greift zu kurz

CDU und Hegering laden zur öffentlichen Wolfsdebatte

Am Montag, dem 24. August 2026, findet auf dem Hof Iggewarden eine öffentliche Informationsveranstaltung unter dem Titel „Rund um den Wolf“ statt. Eingeladen haben der CDU-Stadtverband Nordenham, der CDU-Gemeindeverband Butjadingen und der Hegering Butenland. Beginn der Veranstaltung ist um 19 Uhr.

Im Mittelpunkt sollen die Auswirkungen der wachsenden Wolfspopulation auf Landwirtschaft, Weidetierhaltung und Deichsicherheit stehen. Nach bisherigen Angaben werden Vertreter aus Landwirtschaft und Politik sowie Fachleute mit Bezug zum Deichschutz an der Diskussion teilnehmen.

Gerade in der Wesermarsch ist das Thema von besonderer Bedeutung. Schafe und andere Weidetiere erfüllen auf den Deichen nicht nur eine landwirtschaftliche Funktion, sondern leisten durch die Verdichtung der Grasnarbe auch einen Beitrag zum Küstenschutz. Wolfsangriffe betreffen deshalb nicht allein einzelne Tierhalter, sondern können mittelbar auch Fragen der regionalen Sicherheit berühren.

Leser kritisiert Zusammensetzung des Podiums

In einer Leserzuschrift an die „Kreiszeitung Wesermarsch“ kritisierte Lars Hadeler aus Bremerhaven, dass auf dem angekündigten Podium offenbar keine Vertreter des Naturschutzes vorgesehen seien. Er äußerte zugleich die Befürchtung, die Veranstaltung könne sich einseitig auf erleichterte Abschüsse von Wölfen konzentrieren.

Diese Kritik wirft jedoch selbst Fragen auf. Weder ist bislang eine vollständige Teilnehmerliste veröffentlicht worden, noch ist ersichtlich, weshalb Vertreter von Naturschutzverbänden zwingend über größere praktische Fachkenntnisse verfügen sollten als Weidetierhalter, Jäger, Deichverantwortliche oder Mitarbeiter des Wolfsmanagements.

Naturschutzorganisationen vertreten zudem eigene politische und gesellschaftliche Interessen. Ihre Beteiligung kann eine Diskussion ergänzen, macht eine Veranstaltung aber nicht automatisch fachlicher oder ausgewogener. Ebenso wenig wird eine Veranstaltung allein deshalb einseitig, weil Menschen zu Wort kommen, die unmittelbar mit den Folgen von Wolfsangriffen konfrontiert sind.

Praktische Erfahrung ist ebenfalls Fachwissen

In der Wolfsdebatte wird häufig der Eindruck vermittelt, Fachkompetenz liege fast ausschließlich bei Naturschutzverbänden oder Biologen. Für die tatsächlichen Probleme vor Ort reicht diese Perspektive jedoch nicht aus.

Weidetierhalter verfügen über praktische Erfahrungen mit Herdenschutz, Zaunanlagen, Tierverhalten und den Folgen von Wolfsangriffen. Jäger können Kenntnisse über Wildtierbestände, Revierstrukturen und auffälliges Verhalten einbringen. Vertreter des Deichschutzes müssen beurteilen, welche Auswirkungen eine erschwerte Schafhaltung auf die Pflege und Stabilität der Deiche haben kann.

Auch diese Erfahrungen sind fachlich relevant. Eine ernsthafte Diskussion über Wolfsmanagement darf deshalb nicht nur theoretische Schutzkonzepte behandeln, sondern muss berücksichtigen, ob die vorgeschlagenen Maßnahmen unter realen Bedingungen überhaupt umsetzbar sind.

Abschüsse sind nicht das einzige Thema – dürfen aber auch kein Tabu sein

Kritiker von Veranstaltungen zum Wolfsmanagement warnen regelmäßig davor, den Abschuss als einzige Lösung darzustellen. Tatsächlich umfasst Wolfsmanagement weit mehr als die Entnahme einzelner Tiere. Dazu gehören Monitoring, Präventionsmaßnahmen, Entschädigungen, Beratung und der Schutz von Weidetieren.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Entnahme auffälliger Wölfe aus der Diskussion ausgeschlossen werden darf. Wenn Tiere wiederholt geeignete Schutzmaßnahmen überwinden, Nutztiere angreifen oder ihre Scheu gegenüber Menschen verlieren, muss der Staat handlungsfähig bleiben.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob über Abschüsse gesprochen werden darf, sondern unter welchen rechtlichen und fachlichen Voraussetzungen eine Entnahme zulässig und erforderlich ist. Eine ergebnisoffene Informationsveranstaltung muss auch dieses Thema behandeln können, ohne dass den Teilnehmern pauschal Wolfsfeindlichkeit unterstellt wird.

Niedersachsen drängt auf Änderungen beim Wolfsrecht

Die Veranstaltung findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem auf Landes- und Bundesebene über Änderungen beim Umgang mit dem Wolf diskutiert wird. Das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium setzt sich seit Längerem für rechtssichere und schnellere Möglichkeiten zur Entnahme problematischer Wölfe ein.

Dabei geht es insbesondere um Regionen mit hoher Wolfsdichte sowie um Fälle, in denen Herdenschutzmaßnahmen ihre Wirkung verlieren. Die bisherigen Verfahren werden von Tierhaltern und politischen Vertretern häufig als zu langsam, kompliziert und praxisfern kritisiert.

Amtliche Daten zum Wolfsbestand und zu bestätigten Vorkommen stellt unter anderem die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf bereit. Für konkrete Entscheidungen sind jedoch die zuständigen Landesbehörden verantwortlich. Naturschutzverbände besitzen dagegen keine behördliche Entscheidungsbefugnis, auch wenn sie sich öffentlich regelmäßig zum Wolfsmanagement äußern.

GERATI-Fazit

Die Kritik an der Zusammensetzung des Podiums ist zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht. Solange keine vollständige Teilnehmerliste vorliegt, lässt sich nicht seriös behaupten, dass fachlich relevante Positionen bewusst ausgeschlossen wurden.

Zudem wäre es falsch, Fachkompetenz ausschließlich mit der Beteiligung klassischer Naturschutzorganisationen gleichzusetzen. Gerade bei einer regionalen Veranstaltung müssen diejenigen gehört werden, die täglich mit Weidetierhaltung, Deichpflege, Jagd und den praktischen Folgen der Wolfsausbreitung beschäftigt sind.

Eine ausgewogene Diskussion entsteht nicht dadurch, dass möglichst viele Verbände auf einem Podium sitzen. Sie entsteht, wenn überprüfbare Daten, geltendes Recht und die Erfahrungen der unmittelbar Betroffenen gleichermaßen berücksichtigt werden. Ob dies in Iggewarden gelingt, wird sich erst anhand der tatsächlichen Teilnehmer und der dort geführten Debatte beurteilen lassen.

Quellen:

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