Hähnewettkrähen Schramberg: PETA fordert Absage – Verein hält am Waldfest fest

PETA nimmt Schramberger Traditionsveranstaltung ins Visier

Am Sonntag, dem 2. August 2026, veranstaltet der Geflügelzuchtverein Schramberg und Umgebung 1895 erneut sein traditionelles Waldfest auf dem Raustein. Zum Programm gehört auch ein Hähnewettkrähen, bei dem die teilnehmenden Tiere in zwei Durchgängen von jeweils 30 Minuten bewertet werden.

Die Tierrechtsorganisation PETA fordert die Absage der Veranstaltung und bot dem Verein stattdessen 500 vegane Würstchen für ein angeblich „tierfreundliches“ Fest an. Vereinsvorsitzender Alexander Zinell wies das Angebot zurück und bezeichnete das Wettkrähen als „Hobby und Kulturgut“. Auch der zuständige Züchterverband stellte sich öffentlich hinter den Verein.

Damit folgt die Auseinandersetzung einem bekannten Muster: PETA greift eine lokale Veranstaltung öffentlich an, verbindet die Kritik mit grundsätzlichen Vorwürfen gegen Tierhaltung und Zucht und bietet als medienwirksame Alternative vegane Produkte an.

Allgemeine Vorwürfe statt konkreter Nachweise

PETA behauptet, die Hähne würden für solche Veranstaltungen aus ihren vertrauten Gruppen gerissen, transportiert und mit fremden Menschen, ungewohnten Geräuschen sowie möglicherweise hohen Temperaturen konfrontiert. Daraus leitet die Organisation eine erhebliche Stressbelastung für die Tiere ab.

Darüber hinaus bleibt PETA nicht bei der konkreten Veranstaltung. Die Organisation stellt einen Zusammenhang zwischen der Arbeit von Kleintierzuchtvereinen, überfüllten Tierheimen und dem Töten unerwünschter Tiere her. Damit werden weitreichende Vorwürfe gegen Züchter erhoben, obwohl für den Schramberger Verein keine konkreten Belege für derartige Praktiken vorgelegt werden.

Unterzeichnet wurde die Mitteilung von der PETA-Agrarwissenschaftlerin Lisa Kainz und Pressereferentin Chiara Reutter. Ähnliche Schreiben wurden nach Angaben der Organisation auch an weitere Vereine in Deutschland verschickt. Es handelt sich daher weniger um eine Reaktion auf nachgewiesene Missstände in Schramberg als um einen Teil einer bundesweiten Kampagne gegen traditionelle Tierveranstaltungen.

Verein verweist auf Tierarzt und Veterinäramt

Alexander Zinell bestätigte, dass sich der Verein mit dem Schreiben von PETA beschäftigt habe. Eine Absage des Wettkrähens komme jedoch nicht infrage. Die Tiere würden nach Angaben des Vorsitzenden artgerecht gehalten, ausreichend belüftet und während der Veranstaltung betreut.

Der Verein stehe zudem im Austausch mit einem Tierarzt und dem zuständigen Veterinäramt. Zinell bestreitet nicht, dass eine Veranstaltung für Tiere eine ungewohnte Situation darstellen kann. Er hält eine mögliche Belastung jedoch für zeitlich begrenzt und verweist darauf, dass die Tiere an den Umgang mit Menschen gewöhnt seien.

Neben dem Wettkrähen bietet das Waldfest Speisen, Kaffee und Kuchen, eine Hähnelotterie sowie weitere Programmpunkte. Die Darstellung von PETA, wonach die Veranstaltung im Wesentlichen auf der Belastung von Tieren beruhe, greift daher deutlich zu kurz.

Keine amtliche Bestätigung der PETA-Vorwürfe

Belegt sind bislang das Datum, der Veranstaltungsort und der angekündigte Ablauf des Hähnewettkrähens. Ebenfalls dokumentiert sind die Forderung von PETA nach einer Absage sowie das Angebot, dem Verein 500 vegane Würstchen zur Verfügung zu stellen.

Nicht öffentlich vorgelegt wurden dagegen veterinärmedizinische Befunde, amtliche Prüfberichte oder juristische Feststellungen, die im konkreten Fall Verstöße gegen das Tierschutzrecht oder eine erhebliche Gefährdung der Tiere bestätigen würden. PETA nennt allgemeine Risiken, weist jedoch keine tatsächlich festgestellten Missstände bei der Schramberger Veranstaltung nach.

Auch vom Verein liegt bislang keine schriftliche Stellungnahme des Veterinäramts vor. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Behauptungen von PETA dadurch automatisch zutreffend werden. Wer öffentlich schwere Vorwürfe erhebt, muss diese für den konkreten Fall belegen und kann sich nicht allein auf allgemeine Annahmen über Tierhaltung und Zucht berufen.

PETA erklärt eine ethische Position zur Tatsache

Der eigentliche Konflikt besteht nicht nur in der Frage, wie stark die Hähne während der Veranstaltung belastet werden. PETA lehnt Tierzucht, Tierausstellungen und vergleichbare Veranstaltungen grundsätzlich ab. Aus dieser ideologischen Position wird anschließend der Eindruck abgeleitet, entsprechende Veranstaltungen seien zwangsläufig tierschutzwidrig.

Der Geflügelzuchtverein bewertet das Wettkrähen dagegen als Teil einer langjährigen Tradition und als Bestandteil seiner züchterischen Vereinsarbeit. Unterstützt wird diese Einschätzung vom Züchterverband. Eine amtliche Bewertung, die die Vorwürfe von PETA gegen den Schramberger Verein bestätigt, ist bislang nicht bekannt.

Gerade deshalb ist eine saubere Trennung notwendig: PETA darf eine Veranstaltung ethisch ablehnen. Daraus folgt jedoch noch lange nicht, dass dort Tiere misshandelt, tierschutzwidrig gehalten oder rechtswidrig behandelt werden.

Kampagne gegen Zuchtvereine statt Einzelfallkritik

Das Schramberger Waldfest ist kein neu geschaffenes Spektakel, sondern eine langjährige örtliche Tradition. Nach den Veranstaltungsankündigungen können bis zu 30 Hähne teilnehmen. Die Tiere werden dabei nicht über Stunden zum Krähen gezwungen, sondern in zwei zeitlich begrenzten Durchgängen bewertet.

PETA geht nach eigenen Angaben auch in anderen Bundesländern mit ähnlichen Schreiben gegen Hähnewettkrähen und Veranstaltungen von Zuchtvereinen vor. Mehrere Vereine hielten trotz der öffentlichen Forderungen an ihren Veranstaltungen fest. Der Fall Schramberg ist daher Teil einer größeren Strategie, mit der PETA traditionelle Tierhaltung und Vereinszucht zunehmend aus dem öffentlichen Leben verdrängen möchte.

Für eine abschließende Bewertung wären konkrete Angaben des Veterinäramts zu den Haltungs-, Transport- und Veranstaltungsbedingungen hilfreich. Bis solche Befunde vorliegen, bleibt festzuhalten: Die Vorwürfe von PETA sind öffentlich dokumentiert, aber für den Schramberger Verein bislang nicht unabhängig bestätigt.

Quellen:

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