Exotenauffangstation Balingen: Björn Gruner hilft Polizei und Feuerwehr

Eine Schlange im Klärwerk, ein Axolotl in einem Brunnen oder plötzlich entdeckte Terrarien bei einem Feuerwehreinsatz: Mit solchen Situationen sind gewöhnliche Einsatzkräfte nur selten konfrontiert. Im Zollernalbkreis greifen Polizei und Feuerwehr deshalb seit rund 20 Jahren auf die Erfahrung des Balingers Björn Gruner zurück. Der private Exotenkenner beschäftigt sich nach Angaben des SWR seit etwa vier Jahrzehnten mit ungewöhnlichen Tierarten und unterstützt die Behörden bei Bergungen, Kontrollen und Beschlagnahmungen.

Gruner betreibt in Balingen-Zillhausen eine Auffangstation, in der nach aktuellen Medienberichten rund 60 Tiere untergebracht sind. Dazu gehören unter anderem Schlangen, Schildkröten, Vogelspinnen, Skorpione und Schaben. Bereits 2023 berichtete die Südwest Presse von rund 40 Tieren und einer damaligen Aufnahmekapazität von etwa 50 Plätzen. Ob die aktuelle Zahl auf eine Erweiterung der Station, eine vorübergehende Überbelegung oder eine veränderte Zählweise zurückgeht, erläutern die neueren Berichte nicht.

Exoten werden ausgesetzt, abgegeben oder bei Kontrollen entdeckt

Die Fundorte der Tiere zeigen, wie verantwortungslos einzelne Halter mit ihren Exoten umgehen. Gruner berichtet von Tieren in Toiletten, Kellern, Brunnen und technischen Anlagen. Zu den öffentlich bekannten Fällen gehören ein Axolotl, der in einem Brunnen gefunden wurde, und eine Schlange im Klärwerk von Hechingen. In anderen Fällen werden die Tiere bei behördlichen Kontrollen entdeckt oder beschlagnahmt.

Als mögliche Gründe nennt Gruner unter anderem Überforderung, fehlende Betreuung während der Urlaubszeit und die unerwartete Größe mancher Tierarten. Gerade junge Reptilien wirken beim Kauf oft klein und leicht zu versorgen, können später jedoch erheblich mehr Platz, besondere Temperaturen, spezielles Futter und fachkundige Pflege benötigen. Hinzu kommt, dass bestimmte Tiere über das Internet vergleichsweise einfach und günstig erhältlich sind. Eine spontane Anschaffung kann so schnell zu einer jahrelangen Verpflichtung werden, auf die manche Käufer offensichtlich nicht vorbereitet sind.

Allerdings ist bei der Bewertung zwischen verantwortungsvoller Haltung und tatsächlichem Fehlverhalten zu unterscheiden. Nicht jeder private Halter exotischer Tiere ist automatisch ungeeignet, und nicht jeder Fund lässt Rückschlüsse auf die gesamte Terraristik zu. Die geschilderten Fälle belegen vor allem, dass fehlende Sachkunde, falsche Beratung und spontane Kaufentscheidungen erhebliche Probleme verursachen können. Belastbare amtliche Statistiken darüber, wie häufig Exoten im Zollernalbkreis ausgesetzt oder beschlagnahmt werden, sind in den vorliegenden Berichten nicht enthalten.

Praktisches Fachwissen statt bloßer Kampagnenforderungen

Gruners Arbeit zeigt, was praktischer Tierschutz im Ernstfall bedeutet. Er fährt zu den Einsatzorten, beurteilt mögliche Gefahren, fängt Tiere ein und sorgt für eine geeignete Unterbringung. Dabei muss er nicht nur die jeweilige Tierart erkennen, sondern auch einschätzen, ob ein Tier verletzt, giftig oder besonders schwierig zu transportieren ist. Dieses Wissen kann von gewöhnlichen Polizeibeamten oder Feuerwehrleuten nicht bei jeder exotischen Tierart erwartet werden.

Neben den Einsätzen besucht Gruner nach Angaben des SWR auch Schulen. Dort vermittelt er Wissen über exotische Tiere und versucht, unbegründete Ängste abzubauen. Gleichzeitig vertritt er die Auffassung, dass zahlreiche Arten besser in ihrem natürlichen Lebensraum verbleiben sollten. Besonders die private Haltung giftiger Tiere beurteilt er kritisch.

Diese Position ist differenzierter als die pauschale Forderung, exotische Tierhaltung grundsätzlich zu verbieten. Entscheidend sind Tierart, Gefahrenpotenzial, Sachkunde, Unterbringung und die Zuverlässigkeit des Halters. Zwischen einer fachkundig gepflegten Kornnatter und einer hochgiftigen Kobra in ungeeigneten Privaträumen bestehen erhebliche Unterschiede. Eine sachliche Debatte sollte diese Unterschiede berücksichtigen, anstatt sämtliche Exotenhalter unter Generalverdacht zu stellen.

Auffangstationen übernehmen Aufgaben der Gefahrenabwehr

Der Fall Balingen wirft zugleich eine grundsätzliche Frage auf: Wie gut sind Behörden auf beschlagnahmte, ausgesetzte oder entlaufene Exoten vorbereitet? Offensichtlich verfügt nicht jede Kommune über eigene Fachkräfte, geeignete Transportbehälter oder dauerhaft verfügbare Unterbringungsmöglichkeiten. In solchen Situationen werden Menschen wie Björn Gruner zu wichtigen Ansprechpartnern. Ihre Arbeit dient damit nicht nur dem Wohl der Tiere, sondern auch der öffentlichen Sicherheit.

Bereits eine Stellungnahme des Bundes gegen Missbrauch der Tiere und von Pro Wildlife aus dem Jahr 2017 wies im Rahmen einer Anhörung in Baden-Württemberg auf begrenzte Unterbringungskapazitäten hin. Die Verbände erklärten damals, dass Einrichtungen bei der Aufnahme von Reptilien personell, räumlich und finanziell an Grenzen geraten könnten. Zudem wurde auf eine Kooperation Baden-Württembergs mit einer Reptilienauffangstation in München verwiesen. Dabei handelt es sich allerdings um die Einschätzung zweier Verbände und nicht um eine aktuelle amtliche Bestandsaufnahme des Landes.

Die neueren Berichte über Gruners Arbeit lassen offen, wie die Balinger Station finanziert wird und welche Kosten bei behördlich veranlassten Unterbringungen übernommen werden. Ebenso bleibt unklar, ob für Einsätze feste Vereinbarungen mit dem Landkreis bestehen oder ob die Zusammenarbeit überwiegend auf persönlicher Erreichbarkeit und langjährigem Vertrauen beruht. Gerade bei gefährlichen Tieren darf eine funktionierende Struktur jedoch nicht allein davon abhängen, ob ein einzelner Fachmann kurzfristig verfügbar ist.

Verantwortung beginnt vor dem Kauf

Der wichtigste Schutz vor ausgesetzten oder falsch gehaltenen Exoten beginnt nicht erst beim Einsatz von Polizei, Feuerwehr oder Auffangstation. Wer ein Tier anschafft, muss sich vorher über dessen Lebenserwartung, endgültige Größe, Ernährung, Klimaansprüche und mögliche Gefahren informieren. Auch Urlaubsbetreuung, Tierarztkosten und eine spätere Weitervermittlung sollten bereits vor dem Kauf bedacht werden. Ein Tier in einer Toilette, einem Waldstück oder an einer Raststätte zurückzulassen, ist keine Lösung.

Auch Händler und Züchter tragen Verantwortung. Wer Tiere verkauft, sollte Interessenten realistisch über Platzbedarf, Haltungskosten und mögliche Risiken informieren. Die Südwest Presse berichtete beispielsweise von Spornschildkröten, deren späteres Gewicht und tatsächlicher Platzbedarf offenbar unterschätzt worden waren. Falsche oder beschönigende Beratung kann dazu beitragen, dass aus einem vermeintlich unkomplizierten Haustier später ein kaum noch zu bewältigendes Problem wird.

Pauschale Verbote allein würden allerdings weder illegale Haltung verhindern noch das bestehende Unterbringungsproblem lösen. Notwendig sind nachvollziehbare Regeln für besonders gefährliche Arten, eine bessere Beratung vor dem Kauf und ausreichend Kapazitäten für tatsächliche Notfälle. Ebenso wichtig ist die konsequente Verfolgung von Haltern, die Tiere aussetzen oder sich ihrer Verantwortung auf andere Weise entziehen. Voraussetzung dafür bleibt jedoch, dass Verursacher ermittelt und Verstöße konkret nachgewiesen werden können.

GERATI-Fazit

Björn Gruner leistet im Zollernalbkreis seit Jahren praktische Hilfe, wenn Behörden mit ungewöhnlichen oder potenziell gefährlichen Tieren konfrontiert werden. Er fängt Tiere ein, bringt sie unter und vermittelt Wissen – Aufgaben, die weit über bloße öffentliche Forderungen oder mediale Kampagnen hinausgehen. Seine Arbeit zeigt zugleich, wie stark Polizei, Feuerwehr und Kommunen bei seltenen Tierarten auf private Fachkenntnis angewiesen sein können.

Ob die vorhandenen Strukturen für die Zukunft ausreichen, lässt sich anhand der veröffentlichten Berichte nicht beantworten. Es fehlen aktuelle amtliche Zahlen zu Einsätzen, Beschlagnahmungen, Unterbringungskosten und verfügbaren Kapazitäten. Klar ist jedoch: Wer exotische Tiere hält, übernimmt eine langfristige Verantwortung. Wer dieser Verantwortung nicht mehr gerecht werden kann, muss frühzeitig fachkundige Hilfe suchen – und darf das Tier nicht einfach im nächsten Brunnen, Keller oder Abfluss entsorgen.

Quellen:

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