Die nächste Insolvenz erschüttert die vegane Lebensmittelbranche. Die frühere Veganz Group, heute unter dem Namen Planethic Group AG bekannt, hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Ausgerechnet ein Unternehmen, das jahrelang als Vorzeigeprojekt der veganen Bewegung galt, kämpft nun ums wirtschaftliche Überleben.
Für viele Beobachter kommt diese Entwicklung längst nicht mehr überraschend. Noch vor wenigen Jahren wurden vegane Produkte als Zukunft des Lebensmittelmarktes gefeiert. Medien, Investoren und Aktivisten zeichneten das Bild eines nahezu grenzenlosen Wachstums. Heute zeigt sich jedoch immer deutlicher, dass zwischen Wunschdenken und wirtschaftlicher Realität erhebliche Unterschiede bestehen können.
Vom Hoffnungsträger zum Sanierungsfall
Als Veganz gegründet wurde, galt das Unternehmen als einer der Pioniere für vegane Lebensmittel in Deutschland. Mit einem ständig wachsenden Sortiment und einer klaren Ausrichtung auf pflanzliche Alternativen wollte das Unternehmen vom gesellschaftlichen Wandel profitieren. Entsprechend groß waren auch die Erwartungen von Investoren und Marktbeobachtern.
Die wirtschaftlichen Zahlen erzählen inzwischen jedoch eine andere Geschichte. Während das Unternehmen im Jahr 2021 noch einen Umsatz von rund 30 Millionen Euro erzielte, lag der Umsatz im ersten Halbjahr 2025 nur noch bei etwa zwei Millionen Euro. Parallel dazu brach auch der Börsenwert nahezu vollständig ein. Die Aktie fiel von 94,80 Euro zum Börsenstart auf zuletzt lediglich rund 1,40 Euro.
Mit der Umbenennung zur Planethic Group und einer umfassenden Neuausrichtung wollte das Unternehmen den Neustart schaffen. Neue Marken und neue Geschäftsbereiche sollten frischen Schwung bringen. Der erhoffte Erfolg blieb jedoch bislang aus.
Auch die Restrukturierung konnte den Abwärtstrend nicht stoppen
Nun soll die Sanierung im Rahmen einer Insolvenz in Eigenverwaltung fortgesetzt werden. Der Geschäftsbetrieb läuft zunächst weiter und auch das bisherige Management bleibt im Amt. Ziel ist es, das Unternehmen langfristig wieder wettbewerbsfähig aufzustellen.
Ein positives operatives Ergebnis konnte zuletzt zwar ausgewiesen werden. Dieses beruhte jedoch überwiegend auf dem Verkauf eines Unternehmensteils und nicht auf einer nachhaltigen Verbesserung des eigentlichen Kerngeschäfts. Gerade dieser Umstand zeigt, wie schwierig die wirtschaftliche Lage inzwischen geworden ist.
Die kommenden Monate werden darüber entscheiden, ob die Restrukturierung tatsächlich gelingt oder ob weitere Einschnitte notwendig werden.
Der Markt für vegane Produkte wirkt zunehmend gesättigt
Die Insolvenz der Planethic Group reiht sich in eine Entwicklung ein, die sich seit einiger Zeit beobachten lässt. Der große Boom veganer Produkte scheint deutlich an Dynamik verloren zu haben. Während in den vergangenen Jahren beinahe monatlich neue Produkte auf den Markt kamen, hat sich die Euphorie inzwischen spürbar abgekühlt.
Viele Verbraucher probieren vegane Alternativen durchaus aus. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass diese Produkte dauerhaft ihren Platz im Einkaufswagen finden. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten achten viele Menschen wieder stärker auf Preis, Geschmack und persönlichen Nutzen. Hochpreisige Ersatzprodukte geraten dadurch zunehmend unter Druck.
Hinzu kommt, dass nahezu jeder große Lebensmittelhersteller inzwischen eigene vegane Produktlinien anbietet. Für Unternehmen, die sich ausschließlich auf vegane Produkte spezialisiert haben, wird der Wettbewerb dadurch immer härter. Der einstige Vorsprung vieler Spezialanbieter ist in den vergangenen Jahren deutlich geschrumpft.
Hype und Realität klaffen oft weit auseinander
Über Jahre entstand der Eindruck, vegane Produkte würden den klassischen Lebensmittelmarkt grundlegend verändern. Kritische Stimmen wurden dabei häufig an den Rand gedrängt oder als rückständig bezeichnet. Tatsächlich entscheidet jedoch weder gesellschaftlicher Druck noch eine lautstarke Kampagne über den Erfolg eines Unternehmens.
Letztlich bestimmt der Verbraucher mit seinem Einkaufsverhalten, welche Produkte sich langfristig am Markt behaupten können. Genau daran werden alle Unternehmen gemessen – unabhängig davon, mit welchen Versprechen oder Idealen sie antreten.
Die Insolvenz der Planethic Group macht deutlich, dass Aufmerksamkeit allein kein tragfähiges Geschäftsmodell ersetzt. Am Ende müssen Umsätze erzielt werden, die einen wirtschaftlichen Betrieb dauerhaft ermöglichen.
Fazit
Die Insolvenz der ehemaligen Veganz Group ist mehr als nur die wirtschaftliche Krise eines einzelnen Unternehmens. Sie ist ein weiteres Signal dafür, dass sich der Markt für vegane Produkte verändert und der jahrelange Boom deutlich an Dynamik verloren hat. Wo früher nahezu unbegrenzte Wachstumschancen erwartet wurden, bestimmen heute harter Wettbewerb, zurückhaltende Konsumenten und wirtschaftlicher Druck das Bild.
Ob sich die Planethic Group noch erfolgreich sanieren kann, werden die kommenden Monate zeigen. Fest steht jedoch schon heute, dass auch Unternehmen aus der veganen Branche den Gesetzen des Marktes unterliegen. Ideologische Überzeugungen oder mediale Aufmerksamkeit reichen auf Dauer nicht aus – entscheidend bleibt, ob Verbraucher die angebotenen Produkte langfristig und in ausreichendem Umfang nachfragen.
