EU-Parlament beschließt neue Regeln: Aus für „veganen Speck“ und „Veggie-Hühnchen“

Brüssel. Das Europäische Parlament hat neue Vorgaben für die Bezeichnung pflanzlicher Fleischersatzprodukte beschlossen. Künftig sollen zahlreiche Begriffe, die unmittelbar mit bestimmten Fleischarten oder traditionellen Fleischprodukten verbunden sind, für vegane und vegetarische Alternativen nicht mehr verwendet werden dürfen. Betroffen wären unter anderem Bezeichnungen wie „veganer Speck“, „Veggie-Hühnchen“ oder „veganes Bacon“.

Mit einer deutlichen Mehrheit von 560 Stimmen votierten die Abgeordneten für die neuen Kennzeichnungsregeln. Nun müssen die Mitgliedstaaten dem Vorhaben noch zustimmen, bevor die Änderungen in Kraft treten können.

Nicht alle Bezeichnungen verschwinden

Ein vollständiges Verbot bekannter Produktnamen ist jedoch nicht vorgesehen. Allgemeine Begriffe wie „Veggie-Burger“, „Tofu-Wurst“ oder „Soja-Schnitzel“ sollen weiterhin zulässig bleiben. Die neuen Vorschriften zielen vor allem auf Bezeichnungen ab, die sich auf konkrete Fleischarten oder traditionelle Fleischstücke beziehen.

Nach Ansicht der Befürworter sollen Verbraucher dadurch besser erkennen können, dass es sich um pflanzliche Alternativen handelt. Die französische Europaabgeordnete Céline Imart, die den Vorschlag maßgeblich vorangetrieben hat, sieht darin einen Beitrag zu mehr Klarheit bei der Kennzeichnung.

Kritik aus der Branche

Kritik kommt dagegen von Herstellern pflanzlicher Produkte und Teilen des Europäischen Parlaments. Gegner der Neuregelung sprechen von zusätzlicher Bürokratie und bezweifeln, dass Verbraucher tatsächlich durch Begriffe wie „veganer Speck“ oder „Veggie-Hühnchen“ in die Irre geführt würden.

Der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling bezeichnete die Debatte laut Medienberichten als einen „Kulturkampf“. Aus Sicht der Kritiker würden vor allem Hersteller gezwungen, Verpackungen, Marketing und Produktnamen anzupassen, ohne dass daraus ein spürbarer Mehrwert für Verbraucher entstehe.

Deutschland als wichtiger Markt betroffen

Deutschland gilt als größter Markt für pflanzliche Fleischalternativen in Europa. Entsprechend könnten zahlreiche Unternehmen von den neuen Vorschriften betroffen sein. Viele etablierte Produkte müssten möglicherweise umbenannt und neu vermarktet werden.

Wie stark sich die Änderungen letztlich auf Verbraucher und Hersteller auswirken werden, dürfte sich erst nach der endgültigen Umsetzung der neuen EU-Regelungen zeigen.

Streit um Begriffe dürfte weitergehen

Die Diskussion über die Bezeichnungen pflanzlicher Alternativen begleitet die Branche bereits seit Jahren. Während Befürworter strengere Regeln als notwendigen Verbraucherschutz betrachten, sehen Kritiker darin eher symbolische Politik.

Fest steht: Die Auseinandersetzung darüber, wie pflanzliche Produkte heißen dürfen, ist mit der Abstimmung im Europäischen Parlament noch nicht beendet. Denn bevor die neuen Vorgaben tatsächlich gelten, müssen die EU-Mitgliedstaaten den Beschluss noch formell bestätigen.

Quelle: Bayerischer Rundfunk (BR) / Europäisches Parlament.

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