Berlin Während die Bundeswehr angesichts der veränderten Sicherheitslage aufrüstet, könnte auch die Zahl der Tierversuche in den kommenden Jahren wieder steigen. Das geht aus Angaben des Bundesverteidigungsministeriums hervor. Kritiker werfen der Regierung mangelnde Transparenz vor, da konkrete Zahlen über die aktuelle Entwicklung unter Verschluss gehalten werden.
Bundeswehr rechnet mit mehr Tierversuchen
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wird bis 2029 mit einem Anstieg der Tierversuche gerechnet. Als Gründe nennt die Bundesregierung die veränderte geopolitische Lage, die wachsenden Anforderungen an die Bundeswehr sowie komplexere Forschungs- und Ausbildungsaufgaben.
Demnach dienen die Versuche vor allem dem medizinischen Schutz und der Versorgung von Soldatinnen und Soldaten. Gleichzeitig verweist das Ministerium darauf, dass die gesetzlichen Vorgaben des Tierschutzrechts sowie die sogenannten 3R-Prinzipien zur Vermeidung und Verringerung von Tierversuchen beachtet würden.
Konkrete Zahlen bleiben geheim
Wie viele Tiere derzeit tatsächlich in Forschungs- und Ausbildungsprojekten eingesetzt werden, bleibt jedoch unklar. Auf eine Anfrage der Partei Die Linke erklärte das Verteidigungsministerium, dass entsprechende Angaben aus Gründen des Staatswohls als Verschlusssache eingestuft seien.
Dadurch ist weder öffentlich bekannt, wie sich die Zahlen seit 2020 entwickelt haben, noch wie stark der erwartete Anstieg bis 2029 ausfallen könnte.
Von Mäusen bis zu Schweinen
In früheren Jahren wurden in Einrichtungen der Bundeswehr unter anderem Mäuse, Ratten, Meerschweinchen und Schweine für Forschungszwecke eingesetzt. Historische Bundestagsunterlagen belegen zudem, dass in der Vergangenheit auch Primaten für spezielle Forschungsprojekte verwendet wurden.
Bereits seit 2004 werden außerdem Schweine für das sogenannte „Life Tissue Training“ eingesetzt. Dabei sollen Einsatzchirurgen den Umgang mit schweren Kriegsverletzungen unter realitätsnahen Bedingungen trainieren.
Während in den 1980er-Jahren noch mehrere Tausend Tiere jährlich verwendet wurden, lag die Zahl im Jahr 2019 bei weniger als 400 Tieren. Ob dieser rückläufige Trend nun endet, bleibt abzuwarten.
Linke fordert Ausstieg aus Tierversuchen
Kritik kommt unter anderem von der Partei Die Linke. Die Parlamentarische Geschäftsführerin Ina Latendorf fordert einen gesellschaftlichen Ausstiegsplan sowie ein Verbot besonders belastender Tierversuche.
Aus Sicht der Kritiker sei die Geheimhaltung problematisch. Gerade bei staatlich finanzierten Forschungsprojekten müsse Transparenz gewährleistet sein. Nur so könne eine öffentliche Debatte darüber geführt werden, welche Methoden tatsächlich notwendig seien und welche Alternativen zur Verfügung stehen.
Zwischen militärischer Forschung und Tierschutz
Die Diskussion um Tierversuche in der Bundeswehr zeigt erneut den Konflikt zwischen militärischer Einsatzfähigkeit und ethischen Fragen des Tierschutzes. Während die Bundeswehr den Schutz der Soldaten und die Vorbereitung auf mögliche Krisenszenarien in den Vordergrund stellt, verlangen Kritiker mehr Offenheit und einen konsequenten Ausbau alternativer Forschungsmethoden.
Wie stark die Zahl der Tierversuche tatsächlich steigen wird, bleibt vorerst unbekannt – denn die entsprechenden Daten sollen weiterhin unter Verschluss bleiben.
