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  • Philipp J. Kroiß von zoos.media: Warum seine Recherchen die Anti-Zoo-Szene beschäftigen

    Philipp J. Kroiß von zoos.media: Warum seine Recherchen die Anti-Zoo-Szene beschäftigen

    Manchmal genügt ein Blick in die eigenen Statistiken, um längst vergangene Geschichten wieder aufleben zu lassen. Anfang Oktober tauchte auf GERATI plötzlich ein Interview aus dem Jahr 2020 unter den fünf meistgelesenen Artikeln der vergangenen sieben Tage auf. Interviewpartner war Philipp J. Kroiß, damals 28 Jahre alt und bereits Chefredakteur von zoos.media. Sechs Jahre hatte das Gespräch im Archiv gelegen. Nun interessierten sich offenbar wieder mehr Menschen dafür, was der Journalist seinerzeit zu sagen hatte.

    Der Zeitpunkt ist durchaus bemerkenswert. Während Robert Marc Lehmann mit seiner Kritik an Zoos weiterhin für Diskussionen sorgt und in sozialen Netzwerken leidenschaftlich über Tierhaltung, Artenschutz und vermeintliche Missstände gestritten wird, geraten auch diejenigen verstärkt ins Blickfeld, die solche Behauptungen öffentlich hinterfragen. Philipp J. Kroiß gehört seit Jahren dazu. Seine Recherchen haben ihm Anerkennung eingebracht, aber ebenso Kritik, juristische Auseinandersetzungen und so manchen persönlichen Angriff.

    Für GERATI ist dieser Rückblick auch deshalb interessant, weil ich Philipp seit Jahren persönlich kenne und mit ihm befreundet bin. Daraus machen wir kein Geheimnis. Dass aus dieser Freundschaft in manchen Kommentarspalten inzwischen eine angebliche journalistische Fremdsteuerung konstruiert wird, gehört mittlerweile fast schon zur Folklore der Anti-Zoo-Debatte. Aber dazu später mehr.

    Zunächst lohnt sich der Blick auf den Journalisten selbst. Was ist aus dem jungen Chefredakteur geworden, der 2020 über Zoos, wissenschaftliche Recherche und die Bedeutung des Artenschutzes sprach? Welche Themen beschäftigen ihn heute? Und warum geraten ausgerechnet seine Veröffentlichungen immer wieder mit bekannten Akteuren der Tierrechtsszene aneinander?

    Philipp J. Kroiß: Vom jungen Journalisten zur markanten Stimme der Zoo-Debatte

    Als GERATI Philipp J. Kroiß im Juni 2020 interviewte, lag bereits ein ungewöhnlicher beruflicher Weg hinter ihm. Er hatte Geschichte und Musikwissenschaft studiert und hätte sich durchaus eine Laufbahn als Lehrer vorstellen können. Stattdessen zog es ihn in den Journalismus. Seine frühen Veröffentlichungen über zoologische Themen wurden vom damaligen zoos.media-Chefredakteur Michael Miersch aufgegriffen, später arbeitete Kroiß selbst für das Projekt. Als Miersch in den Beirat wechselte, übernahm er dessen Position.

    Dass jemand mit einem geisteswissenschaftlichen Studium ausgerechnet über Zoos und Artenschutz berichtet, mag zunächst ungewöhnlich erscheinen. Kroiß sah darin jedoch einen Vorteil. Er hatte gelernt, Quellen auszuwerten, historische Entwicklungen einzuordnen und Behauptungen anhand nachvollziehbarer Belege zu überprüfen. Ein journalistischer Zugang, der nicht davon abhängt, selbst Zoologe oder Tiermediziner zu sein, sondern davon, die richtigen Fragen zu stellen und fachliche Antworten richtig einzuordnen.

    Im damaligen Interview brachte er diesen Anspruch auf den Punkt:

    „Das wissenschaftliche Arbeiten ist die beste Schule für den Journalismus.“

    Ein Satz, der wenig spektakulär klingt und dennoch erstaunlich gut zu den heutigen Auseinandersetzungen passt. Gerade wenn in sozialen Netzwerken dramatische Geschichten über angebliches Tierleid kursieren, besteht die eigentliche Arbeit häufig darin, die ursprünglichen Quellen aufzuspüren. Wer hat etwas behauptet? Was ist tatsächlich passiert? Welche Belege existieren? Und was wurde möglicherweise weggelassen?

    Bereits 2020 war zoos.media mehr als ein einzelner Blog. Kroiß berichtete über redaktionelle Zusammenarbeit, wissenschaftliche Beratung, internationale Veröffentlichungen und den Ausbau der sozialen Netzwerke. Hinzu kamen regelmäßige Besuche in Zoos und Videoproduktionen vor Ort. Die direkte Begegnung mit Tierpflegern, Wissenschaftlern und zoologischen Einrichtungen gehörte von Anfang an zum journalistischen Selbstverständnis.

    Heute reicht das Themenspektrum deutlich weiter. Neben klassischen Fragen zur Tierhaltung und Erhaltungszucht beschäftigt sich Kroiß mit politischen Kampagnen, den Strukturen von Tierrechtsorganisationen, juristischen Streitigkeiten und den öffentlichen Auftritten großer Influencer. Er untersucht also nicht nur, was in Zoos geschieht, sondern zunehmend auch, was andere über Zoos erzählen. Und genau dort wird es gelegentlich ungemütlich.

    Was aus den Überzeugungen von 2020 geworden ist

    Eine der stärksten Aussagen unseres damaligen Interviews betraf die Zukunft moderner zoologischer Einrichtungen. Kroiß erklärte, dass Zoos und Aquarien für den Erhalt zahlreicher bedrohter Tierarten unverzichtbar seien. Er verwies auf Schwarzfußiltisse, Przewalskipferde und Kalifornische Kondore. Alles Arten, bei denen koordinierte Zuchtprogramme und weitere Schutzmaßnahmen entscheidende Beiträge zum Überleben geleistet haben.

    Seine damalige Formulierung war eindeutig:

    „Wenn es jetzt nicht schon Zoos und Aquarien geben würde, müsste man sie schleunigst erfinden“

    Dahinter steht eine Überzeugung, die sich wie ein roter Faden durch seine späteren Veröffentlichungen zieht. Artenschutz ist eben nicht damit erledigt, dass man fordert, Tiere sollten möglichst unbehelligt in der Natur leben. Für zahlreiche bedrohte Arten existiert diese vermeintlich unberührte Natur längst nicht mehr in ausreichendem Umfang. Lebensräume verschwinden, Populationen werden voneinander getrennt, Wilderei und illegaler Handel setzen den Beständen zu.

    Kroiß beschäftigte sich bereits damals mit dem sogenannten One Plan Approach. Dahinter steht die Verbindung von Schutzmaßnahmen innerhalb des natürlichen Lebensraums mit solchen außerhalb davon. Eine Erhaltungszuchtpopulation kann dabei genauso eine Rolle spielen wie die Wiederherstellung von Lebensräumen, wissenschaftliche Forschung oder eine spätere Auswilderung. Entscheidend ist, wie die einzelnen Maßnahmen zusammenwirken.

    Natürlich macht das nicht automatisch jede zoologische Einrichtung zu einem erfolgreichen Artenschutzzentrum. Es wäre aber ebenso falsch, die Leistungen internationaler Erhaltungsprogramme einfach auszublenden. Wer grundsätzlich gegen Zoos argumentiert, kommt an der Frage nicht vorbei, was mit den entsprechenden Tierpopulationen, Fachkenntnissen und Schutzprojekten geschehen soll, wenn die beteiligten Einrichtungen verschwinden.

    Gerade diese praktische Frage fehlt in manchen Anti-Zoo-Debatten. Forderungen sind schnell formuliert. Der jahrzehntelange Aufbau genetisch tragfähiger Populationen, die Finanzierung von Schutzprojekten und die veterinärmedizinische Betreuung bedrohter Arten sind erheblich weniger spektakulär. Sie lassen sich auch nicht mit einem emotionalen Kurzvideo ersetzen.

    An Philipps grundsätzlicher Position hat sich nach seinen Veröffentlichungen wenig geändert. Neu ist vor allem die Bandbreite der Fälle, anhand derer er sie begründet und gegen pauschale Angriffe verteidigt.

    Wissenschaft statt Schlagzeilen: Wie zoos.media recherchiert

    Wer die Veröffentlichungen von zoos.media regelmäßig verfolgt, begegnet einem wiederkehrenden Muster: Eine öffentliche Behauptung wird aufgegriffen, ihre Herkunft untersucht und mit weiteren Informationen abgeglichen. Nicht jeder Text ist deshalb automatisch unangreifbar. Aber die Auseinandersetzung findet häufig dort statt, wo sie journalistisch hingehört: bei Dokumenten, Quellen und konkreten Fragen.

    Ein interessantes Beispiel lieferte Kroiß im Juli 2026 mit seiner Recherche über den europäischen Zooverband EAZA und die Organisation Stichting AAP. Auf einer Vermittlungsliste von AAP waren Schimpansen und Berberaffen als Arten aufgeführt, die zu europäischen Erhaltungszuchtprogrammen gehören. Das veranlasste zoos.media, bei der EAZA nachzufragen, in welcher Beziehung die Organisation zu diesen Programmen steht.

    Kroiß richtete nach eigener Darstellung acht Fragen an den Verband. Dabei ging es unter anderem um die tatsächliche Beteiligung von AAP, deren Status innerhalb der Erhaltungszuchtprogramme und die Zusammenarbeit mit zoologischen Einrichtungen. Die Antwort der EAZA führte nicht zur vollständigen Klärung aller von ihm aufgeworfenen Fragen. Im Gegenteil: Für Kroiß ergaben sich daraus weitere Widersprüche, die er öffentlich thematisierte.

    An dieser Recherche ist ein Detail besonders interessant. Der kritisierte Akteur war nicht ausschließlich eine Tierrechtsorganisation, sondern auch ein bedeutender europäischer Zooverband. Kroiß stellte also durchaus Fragen an eine Institution aus jenem Bereich, dessen Arbeit er regelmäßig verteidigt.

    Das passt schlecht zu der Vorstellung, zoos.media würde grundsätzlich alles abnicken, was aus der zoologischen Welt kommt. Es zeigt jedenfalls, dass auch etablierte Verbände mit kritischen Nachfragen rechnen müssen. Ob jede daraus entwickelte Bewertung überzeugt, lässt sich wiederum anhand der veröffentlichten Antworten beurteilen.

    Für den Journalismus ist genau diese Arbeitsweise wichtig. Ein Verband kann eine Aussage treffen. Ein Aktivist kann ihr widersprechen. Ein Influencer kann daraus eine Geschichte machen. Die journalistische Aufgabe besteht darin, die tatsächlichen Zusammenhänge sichtbar zu machen, statt sich auf die Darstellung einer einzelnen Seite zu verlassen.

    Philipp J. Kroiß und Robert Marc Lehmann: Wenn die Inszenierung auf Akten und Behördenauskünfte trifft

    Robert Marc Lehmann besitzt eine beachtliche Reichweite. Seine Videos, öffentlichen Auftritte und Kampagnen haben ihn zu einem der bekanntesten Gesichter der deutschsprachigen Tier- und Naturschutzszene gemacht. Damit gehen allerdings auch Fragen nach dem Umgang mit Tatsachen einher. Gerade wer öffentlich Vorwürfe gegen zoologische Einrichtungen, Behörden oder andere Personen erhebt, muss sich gefallen lassen, dass seine eigenen Aussagen überprüft werden.

    Philipp J. Kroiß macht genau das seit Längerem. Besonders anschaulich wurde die Auseinandersetzung im April 2026 beim gestrandeten Buckelwal in der Ostsee. Lehmann hatte sich öffentlich zur möglichen Rettung des Tieres geäußert und seine Vorstellungen zu einem Einsatz beschrieben. In der anschließenden Diskussion entstand der Eindruck, eine Rettungsinitiative sei an den zuständigen staatlichen Stellen gescheitert.

    Kroiß wollte wissen, was tatsächlich vorgelegen hatte, und fragte beim zuständigen Ministerium in Mecklenburg-Vorpommern nach. Die Antwort, die zoos.media am 9. April veröffentlichte, war eindeutig: Nach Angaben des Ministeriums hatte Lehmann seinen Plan telefonisch vorgetragen. Ein belastbares Konzept sei trotz mehrfacher Bitte nicht eingereicht worden. Außerdem erklärte das Ministerium, Lehmann sei nicht grundsätzlich von Einsätzen ausgeschlossen worden.

    Das verändert die Ausgangslage erheblich. Zwischen dem öffentlichen Wunsch, einen Wal zu retten, und einem ausreichend ausgearbeiteten Konzept für einen genehmigungspflichtigen Eingriff liegt ein beträchtlicher Unterschied. Behörden müssen prüfen können, was geplant ist, welche Risiken bestehen und ob die Maßnahme dem Tier tatsächlich helfen kann. Begeisterung und Entschlossenheit ersetzen diese Voraussetzungen nicht.

    Der Fall zeigt, welchen Unterschied eine einzige gezielte Recherche machen kann. Während öffentlich über mögliche Verhinderer einer Rettungsaktion diskutiert wurde, stand nach der veröffentlichten Behördenauskunft zunächst eine andere Frage im Raum: Wo war das belastbare Konzept?

    Auch bei der Diskussion über öffentliche Gesprächsangebote zwischen Lehmann und Vertretern zoologischer Einrichtungen beschäftigte sich Kroiß mit der Differenz zwischen Darstellung und dokumentiertem Ablauf. Wer öffentlich mangelnde Gesprächsbereitschaft beklagt, muss sich schließlich fragen lassen, wie er selbst mit konkreten Einladungen und angebotenen Gesprächsformaten umgeht.

    Hinzu kamen Streitigkeiten um die Verwendung von Videomaterial, Urheberrechtsbeschwerden und die öffentliche Darstellung angeblicher Versuche, Lehmann zum Schweigen zu bringen. Auch hierzu veröffentlichte zoos.media eigene Recherchen. Eine Beschwerde wegen der Verwendung geschützten Materials ist allerdings nicht bereits deshalb ein Beleg für einen systematischen Versuch, Kritik zu unterdrücken. Die entscheidenden Fragen betreffen den konkreten Inhalt, seine Verwendung und die rechtlichen Grundlagen der jeweiligen Maßnahme.

    Im Oktober rückte schließlich die Anti-Zoo-Demonstration in Berlin in den Mittelpunkt. Während Unterstützer die Veranstaltung als starkes Signal gegen Zoos feierten, beschäftigte sich Kroiß unter anderem mit den polizeilichen Angaben zur Teilnehmerzahl. Nach der von zoos.media veröffentlichten Auskunft der Berliner Polizei waren 5.000 Menschen angemeldet, während in der Spitze rund 2.500 Teilnehmer geschätzt wurden.

    Das sagt nicht alles über die Bedeutung einer Demonstration aus. Es zeigt aber, wie wichtig die Unterscheidung zwischen angemeldeten, erwarteten und tatsächlich geschätzten Teilnehmerzahlen ist. Wer mit großen Zahlen öffentliche Wirkung erzeugen möchte, muss sich an den tatsächlichen Angaben messen lassen.

    Gerade solche Vorgänge erklären, weshalb Kroiß bei Teilen der Lehmann-Community auf Widerspruch stößt. Seine Recherchen stellen nicht nur einzelne Behauptungen infrage. Sie greifen auch die Erzählungen auf, die sich rund um diese Behauptungen entwickeln. Und das ist für ein Publikum, das seinem bevorzugten Influencer weitgehend vertraut, möglicherweise unangenehmer als jede gewöhnliche Meinungsverschiedenheit.

    Wenn Influencer Geschichten erzählen und Journalisten nachfragen

    Es ist vergleichsweise einfach, eine dramatische Geschichte über ein Tier zu erzählen. Ein eindrucksvolles Bild, eine emotionale Beschreibung und ein vermeintlich eindeutiger Schuldiger genügen häufig, um Tausende Menschen zu erreichen. Komplizierter wird es, wenn jemand wissen möchte, was vor dem gefilmten Moment geschah, welche fachlichen Informationen vorliegen und ob die gezeigten Bilder tatsächlich die behauptete Schlussfolgerung erlauben.

    Gerade im Tier- und Artenschutz führt das regelmäßig zu Konflikten. Das Schicksal eines einzelnen Tieres kann emotional berühren, sagt aber nicht automatisch alles über eine Haltungseinrichtung, eine Artenschutzmaßnahme oder die Ursachen einer Erkrankung aus. Wer aus einem Einzelfall eine grundsätzliche Anklage entwickelt, muss den Zusammenhang belegen. Andernfalls bleibt eine emotional wirksame Geschichte, deren tatsächliche Aussagekraft begrenzt ist.

    Das Problem beginnt dort, wo Reichweite zur vermeintlichen Autorität wird. Hunderttausende Follower können den Eindruck vermitteln, eine Darstellung sei besonders glaubwürdig. Tatsächlich sagt die Zahl der Abonnenten zunächst nur etwas über die Größe des Publikums aus. Ein Behördenbescheid wird nicht falsch, weil er einer populären Erzählung widerspricht. Und eine wissenschaftliche Untersuchung wird nicht richtiger, weil sie besonders häufig geteilt wurde.

    Auch journalistische Medien können zuspitzen. GERATI macht daraus ebenso wenig ein Geheimnis wie zoos.media. Entscheidend ist, ob die Zuspitzung aus einem überprüfbaren Sachverhalt entsteht oder ob sie eine Geschichte dramatischer erscheinen lässt, als die Quellen erlauben.

    Der Fall des Buckelwals ist dafür ein gutes Beispiel. Die Frage, ob jemand helfen wollte, ist etwas anderes als die Frage, ob ein genehmigungsfähiger Rettungsplan existierte. Wer beide Punkte miteinander vermischt, erzählt möglicherweise eine überzeugende Geschichte, beantwortet aber nicht die entscheidende Sachfrage.

    Genau diese Unterscheidung kann journalistische Recherche leisten. Sie muss dafür nicht emotionslos sein. Sie darf auch scharf formulieren und Widersprüche deutlich benennen. Nur sollte sich die Kritik auf das beziehen, was tatsächlich gesagt, getan oder dokumentiert wurde.

    Das Publikum darf schließlich mehr erwarten als eine Auswahl jener Informationen, die am besten zur eigenen Überzeugung passen. Auch wenn das gelegentlich bedeutet, dass eine spektakuläre Geschichte nach der Recherche deutlich weniger spektakulär aussieht.

    Von PETA bis zur Anti-Zoo-Demonstration: Kroiß und die Tierrechtsorganisationen

    Die Auseinandersetzung mit Tierrechtsorganisationen begleitet Philipp J. Kroiß schon seit den Anfängen seiner Arbeit bei zoos.media. Im GERATI-Interview von 2020 sprach er ausführlich über PETA, das Wal- und Delfinschutz-Forum und die Schwierigkeiten eines Dialogs mit Akteuren, die bestimmte Formen der Tierhaltung grundsätzlich ablehnen.

    Damals formulierte er einen Satz, der auch heute noch seine Haltung widerspiegelt:

    „Ein Dialog mit Leuten, die aber jede Form der Tierhaltung ohnehin beenden wollen, ist Zeitverschwendung“

    Kroiß ging es dabei um einen Unterschied, der in öffentlichen Diskussionen häufig untergeht: Es ist nicht dasselbe, konkrete Haltungsbedingungen zu kritisieren oder die Haltung von Tieren grundsätzlich abzulehnen. Wer Verbesserungen erreichen möchte, kann über Platzangebot, Beschäftigung, veterinärmedizinische Versorgung und die Bedürfnisse einzelner Tierarten diskutieren. Wer die Abschaffung der Haltung als unverrückbares Ziel betrachtet, verfolgt hingegen einen anderen politischen und weltanschaulichen Ansatz.

    Die Grenze zwischen diesen Positionen wird in Kampagnen nicht immer deutlich. Organisationen können mit Einzelfällen schlechter Haltung werben und daraus weiterreichende Forderungen ableiten. Deshalb lohnt es sich, nicht allein die veröffentlichten Bilder zu betrachten, sondern auch die langfristigen Ziele und politischen Aktivitäten der jeweiligen Organisation.

    Kroiß hat diesen Bereich seiner Berichterstattung über die Jahre ausgebaut. Neben PETA gehören inzwischen auch Vier Pfoten, Stichting AAP, QUEN und weitere Organisationen zu den Akteuren, deren Veröffentlichungen, Verbindungen und Forderungen zoos.media untersucht. Dabei interessiert ihn besonders, welche Auswirkungen deren Aktivitäten auf Zoos, Erhaltungszuchtprogramme und die Haltung von Wildtieren haben.

    Die Recherche zur EAZA und Stichting AAP zeigt beispielhaft, dass solche Fragen nicht an der Grenze zwischen Zoos und Tierrechtsorganisationen enden. Auch die Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen und Organisationen mit unterschiedlichen Zielsetzungen kann Gegenstand einer kritischen Untersuchung sein. Dabei geht es um institutionelle Beziehungen, tatsächliche Verantwortlichkeiten und die Folgen für bestehende Programme.

    GERATI setzt an einer teilweise anderen Stelle an. Hier beschäftigen wir uns besonders mit der Radikalisierung des Tierschutzes in Form tierrechtlicher Forderungen, mit der politischen Wirkung entsprechender Kampagnen und mit dem Verhalten einzelner Akteure in der öffentlichen Debatte. zoos.media betrachtet häufig stärker die zoologischen und artenschutzfachlichen Konsequenzen. Die Themen überschneiden sich, weil die politischen Forderungen der einen Seite unmittelbare Auswirkungen auf die Einrichtungen haben können, mit denen sich die andere beschäftigt.

    Aus solchen Überschneidungen folgt allerdings weder eine gemeinsame Redaktion noch eine identische Berichterstattung. Sie ergeben sich schlicht daraus, dass sich beide Medien mit unterschiedlichen Seiten desselben gesellschaftlichen Konflikts befassen.

    Und dieser Konflikt wird sich nicht durch die Frage lösen lassen, welcher Influencer die meisten Menschen zu einer Demonstration mobilisiert. Es geht um die Zukunft der Tierhaltung, um wissenschaftliche Erkenntnisse, um die Arbeit von Erhaltungsprogrammen und um politische Entscheidungen mit konkreten Folgen. Dafür braucht es mehr als eingängige Parolen.

    Wenn Kritik vor Gericht landet: Der Rechtsstreit zwischen zoos.media und QUEN

    Nicht jede Auseinandersetzung bleibt auf der Ebene öffentlicher Stellungnahmen oder sozialer Netzwerke. Dass eine kritische Veröffentlichung auch juristische Folgen haben kann, zeigt der Rechtsstreit zwischen zoos.media und der Organisation QUEN. Ausgangspunkt war ein Beitrag aus dem November 2024 über das Ende der geplanten Tierschutzgesetz-Novelle und die Rolle verschiedener Organisationen im politischen Umfeld des Tierschutzes.

    QUEN ging gegen mehrere Passagen des Artikels vor. Zunächst wurde zoos.media abgemahnt, anschließend beschäftigten sich Gerichte mit den beanstandeten Äußerungen. Der Streit führte schließlich bis zum Oberlandesgericht Frankfurt am Main.

    Am 2. Oktober 2026 berichtete Philipp J. Kroiß ausführlich über den Ausgang des Verfahrens. Nach seiner Darstellung blieb QUEN mit dem überwiegenden Teil der angegriffenen Aussagen erfolglos. Insbesondere die scharfe Kritik an der Organisation und die Einordnung bestimmter politischer und fachlicher Vorgänge konnten weitgehend bestehen bleiben.

    Lediglich bei zwei Formulierungen, die nach Auffassung des Gerichts beim durchschnittlichen Leser den Eindruck erwecken konnten, QUEN wolle jede Form der Tierhaltung abschaffen, erhielt die Organisation Recht. Zugleich berichtete zoos.media, dass QUEN die gesamten Prozesskosten beider Instanzen auferlegt wurden. Die Revision wurde nicht zugelassen.

    Besonders interessant ist ein weiterer Punkt. Nach der Darstellung von Kroiß durfte auch die Aussage bestehen bleiben, QUEN habe „sehr wenig mit Evidenz zu tun“. Das Oberlandesgericht bewertete diese Formulierung als zulässige Meinungsäußerung. Der Streit betraf somit nicht bloß einzelne scharfe Worte, sondern auch die Frage, wie deutlich Journalisten Organisationen kritisieren dürfen, die selbst Einfluss auf die öffentliche und politische Diskussion nehmen möchten.

    Der Verfahrensausgang zeigt, dass eine Organisation kritische Berichterstattung nicht allein durch eine Abmahnung oder Klage vollständig unterbinden kann. Gleichzeitig macht er deutlich, wie genau Journalisten einzelne politische Forderungen ihren tatsächlichen Urhebern zuordnen müssen. Gerade wenn unterschiedliche Organisationen im selben Themenfeld auftreten, darf aus deren inhaltlicher Nähe keine falsche Zuschreibung entstehen.

    Für Kroiß dürfte das Verfahren auch persönlich von Bedeutung gewesen sein. Seine Redaktion hatte sich gegen weitreichende Beanstandungen gewehrt und konnte nach eigener Darstellung einen wesentlichen Teil der angegriffenen Berichterstattung verteidigen. Dass er dem Ausgang einen ausführlichen Artikel widmete, ist daher nachvollziehbar.

    Es ist zugleich ein Beispiel dafür, dass die Auseinandersetzung um Tierhaltung und Tierrecht längst nicht mehr allein mit Protestaktionen und emotionalen Kampagnen geführt wird. Auch die Grenzen journalistischer Kritik stehen dabei zur Diskussion. Und diese Grenzen werden glücklicherweise nicht in Kommentarspalten festgelegt.

    Der Mensch hinter zoos.media: Was Philipp J. Kroiß antreibt

    Wer Philipp J. Kroiß nur aus seinen kritischen Veröffentlichungen kennt, bekommt zwangsläufig ein unvollständiges Bild. Er ist nicht allein der Journalist, der sich mit PETA, Robert Marc Lehmann oder verschiedenen Tierrechtsorganisationen anlegt. Hinter seiner Arbeit steht auch eine persönliche Begeisterung für Tiere, zoologische Einrichtungen und die Menschen, die dort arbeiten.

    Im Interview von 2020 erzählte er von Besuchen hinter den Kulissen verschiedener Zoos, von Dreharbeiten und von Begegnungen mit Tierpflegern. Besonders in Erinnerung geblieben waren ihm die Entwicklung junger Delfine und die Betreuung des Gorillas Hujan im Zoo Krefeld. Kroiß beschrieb, wie beeindruckend es sein könne, Tiere über längere Zeit zu begleiten und unmittelbar mitzuerleben, welche Arbeit ihre Pfleger in deren Entwicklung investieren.

    Solche Erlebnisse prägen eine journalistische Perspektive. Wer die tägliche Arbeit in zoologischen Einrichtungen kennt, nimmt möglicherweise andere Dinge wahr als jemand, der einen Zoo ausschließlich anhand einzelner Aufnahmen in sozialen Netzwerken beurteilt. Die Begegnung mit Fachleuten und die Beobachtung langfristiger Entwicklungen liefern Informationen, die sich von außen nicht immer erschließen.

    Kroiß sprach damals auch offen über seine besondere Wertschätzung für den Loro Parque auf Teneriffa. Zugleich erläuterte er die frühere Unterstützung, die zoos.media durch die Einrichtung erhalten hatte, und die Probleme, die durch eine missverständliche Darstellung dieser Beziehung entstanden waren. Gerade für einen Journalisten, der sich auf ein bestimmtes Fachgebiet spezialisiert, ist ein transparenter Umgang mit solchen Kontakten wichtig.

    Die Nähe zu zoologischen Einrichtungen erklärt einen Teil seiner Perspektive. Sie bedeutet allerdings nicht, dass daraus automatisch eine unkritische Haltung entstehen muss. Seine späteren Veröffentlichungen über die EAZA zeigen jedenfalls, dass auch Institutionen aus dem eigenen fachlichen Umfeld zum Gegenstand kritischer Recherchen werden können.

    Bemerkenswert ist zudem sein Umgang mit öffentlichem Widerspruch. Bereits 2020 erklärte Kroiß, persönliche Angriffe würden ihn nicht grundsätzlich frustrieren. Er betrachtete solche Reaktionen als möglichen Bestandteil journalistischer Arbeit, gerade wenn kontroverse Themen behandelt werden.

    Seine Veröffentlichungen zeigen bis heute einen Autor, der deutliche Formulierungen nicht scheut. Gelegentlich wird es polemisch, an anderen Stellen ausgesprochen sarkastisch. Man muss diesen Stil nicht mögen. Aber ein scharfer Ton entbindet weder den Autor von seiner Verantwortung noch seine Kritiker von der Pflicht, sich mit seinen tatsächlichen Aussagen auseinanderzusetzen.

    Wer also verstehen möchte, warum Kroiß bestimmte Konflikte mit solcher Beharrlichkeit verfolgt, sollte auch seine ursprüngliche Motivation kennen. Es geht ihm erkennbar nicht nur um die Widerlegung einzelner Influencer-Aussagen, sondern um die grundsätzliche Rolle moderner Zoos und die Menschen, die dort arbeiten.

    GERATI und zoos.media: Eine Freundschaft, zwei Redaktionen und die Sache mit der Marionette

    Kommen wir zu einer Debatte, die gelegentlich fast unterhaltsamer wirkt als die eigentlichen Artikel, um die gestritten wird. Immer wieder wird GERATI in sozialen Netzwerken vorgeworfen, lediglich ein verlängerter Arm von zoos.media zu sein. Silvio Harnos sei die Marionette von Philipp J. Kroiß, heißt es dann. Andere gehen noch weiter und vermuten hinter jeder kritischen Veröffentlichung über Robert Marc Lehmann eine Art gemeinsame redaktionelle Steuerung.

    Zunächst zu den tatsächlichen Verhältnissen: Philipp und ich kennen uns seit Jahren und sind befreundet. Wir beschäftigen uns beide journalistisch mit Tierhaltung, Tierschutz und Tierrecht, allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Wir lesen gegenseitig Veröffentlichungen und greifen gelegentlich Recherchen des anderen auf. Das ist keine geheime Absprache, sondern im jeweiligen Artikel häufig direkt nachvollziehbar.

    zoos.media konzentriert sich stärker auf zoologische Einrichtungen, Artenschutz, Erhaltungszucht, Tierwohl und fachliche Fragen der Wildtierhaltung. GERATI beschäftigt sich verstärkt mit Tierrechtsorganisationen, ihren Kampagnen, ihren gesellschaftlichen und politischen Forderungen und den Auswirkungen eines zunehmend konfrontativen Aktivismus. Natürlich überschneiden sich diese Arbeitsgebiete. Wer gegen Zoos kämpft, wird zwangsläufig sowohl für ein zoologisches Fachmedium als auch für ein Medium interessant, das Tierrechtsaktivismus kritisch betrachtet.

    Ein konkretes Beispiel für die gegenseitige journalistische Bezugnahme lieferte die GERATI-Recherche über Veränderungen im öffentlich sichtbaren Videobestand von Robert Marc Lehmanns YouTube-Kanal. Philipp griff diese Arbeit später in einer eigenen Veröffentlichung auf und ordnete sie in seine Auseinandersetzung mit den Vorwürfen über angebliche Cancel-Versuche ein. GERATI beschäftigte sich wiederum mit seiner Berichterstattung und den daraus abgeleiteten Fragen. Wer welche Informationen recherchiert und veröffentlicht hatte, war dabei erkennbar.

    Wie daraus eine Marionettenbeziehung entstehen soll, erschließt sich nicht ohne Weiteres. Offenbar genügt es manchen Kommentatoren inzwischen, wenn zwei Journalisten dieselben Quellen lesen und gelegentlich zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommen. Schon wird aus einer Freundschaft eine vermeintliche Redaktionsleitung und aus journalistischer Übereinstimmung eine Fremdsteuerung. Es fehlt eigentlich nur noch jemand, der die unsichtbaren Fäden fotografiert.

    Besonders anschaulich wurde das in einer Facebook-Diskussion unter einem GERATI-Beitrag. Eine Kommentatorin bezeichnete Silvio Harnos als „Marionette von Philipp“ und behauptete zugleich, rund 80 Prozent seiner unabhängigen Berichterstattung würden sich mit Robert Marc Lehmann beschäftigen. Im weiteren Verlauf wurde die Behauptung über eine angebliche Steuerung durch Kroiß allerdings relativiert: Eine tatsächliche redaktionelle Kontrolle habe die Kommentatorin damit nicht behaupten wollen.

    Das ist eine interessante Wendung. Zunächst steht der Vorwurf einer Marionettenrolle im Raum, anschließend wird die eigentliche Steuerung ausdrücklich bestritten. Was bleibt, ist eine persönliche Bewertung der journalistischen Schwerpunktsetzung, verbunden mit einer Prozentzahl, für die ein nachvollziehbarer Berechnungsmaßstab fehlt.

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    Screenshot Facebook: GERATI

    Natürlich kann jeder die Themenauswahl eines journalistischen Mediums kritisieren. Wer allerdings behauptet, 80 Prozent der Veröffentlichungen würden sich ausschließlich mit einer bestimmten Person beschäftigen, sollte erklären können, wie diese Zahl zustande kommt. Noch weniger sagt eine solche Angabe darüber aus, wer die Artikel recherchiert und schreibt. Selbst eine häufige Berichterstattung über denselben Influencer macht einen Journalisten nicht automatisch zum Mitarbeiter eines anderen.

    In diesem Zusammenhang fällt auch die öffentliche Auseinandersetzung mit Rechtsanwalt Alexander Boos auf. GERATI hat sich wiederholt mit Aussagen und Reaktionen von Boos im Umfeld der Kritik an Robert Marc Lehmann beschäftigt. Dabei entstanden neben journalistischen Beiträgen auch persönliche Stellungnahmen und satirische Veröffentlichungen.

    Auf dem YouTube-Kanal GERATI TV haben wir die betreffenden Kontroversen beispielsweise im Video „Robert Marc Lehmann: Kritik = Hass? Ich reagiere auf seine Vorwürfe“ aufgegriffen. Dort werden unter anderem die Auseinandersetzungen um öffentliche Kritik, Videomaterial und die Rolle von zoos.media behandelt.

    In einem weiteren GERATI-TV-Beitrag richtet sich Silvio Harnos nach seiner eigenen Darstellung unmittelbar an Alexander Boos und erläutert seine Sicht auf die Sachverhalte rund um Robert Marc Lehmann. Solche Veröffentlichungen machen zumindest eines deutlich: GERATI vertritt seine Positionen nicht ausschließlich in schriftlichen Artikeln, sondern auch persönlich und öffentlich.

    Dass diese Auseinandersetzung zeitweise sogar musikalisch verarbeitet wurde, gehört ebenfalls zur Geschichte. GERATI hat verschiedene Kontroversen und öffentliche Reaktionen in satirischen Songs aufgegriffen, darunter Beiträge wie „Eine Minute“. Das ist eine andere Ausdrucksform als die journalistische Recherche. Sie darf zuspitzen, überzeichnen und mit den Widersprüchen einer Debatte spielen. Beides sollte man nicht miteinander verwechseln.

    Die redaktionelle Unabhängigkeit von GERATI lässt sich letztlich weder durch einen Song beweisen noch durch einen persönlichen Angriff widerlegen. Entscheidend sind die tatsächlichen Veröffentlichungen, ihre Urheberschaft und ihre Quellen. Wer eine konkrete Recherche kritisieren möchte, hat dazu jederzeit die Möglichkeit. Dafür muss weder Philipp als vermeintlicher Hintermann herhalten, noch braucht es eine abenteuerliche Konstruktion über angebliche Strippenzieher.

    Dass sich GERATI und zoos.media gegenseitig ernst nehmen, ist kein Geheimnis. Dass sie deshalb dasselbe Medium wären, folgt daraus nicht. Wer einen Fehler in einem GERATI-Artikel findet, sollte ihn GERATI vorhalten. Wer eine Veröffentlichung von zoos.media für falsch hält, sollte sich mit Philipp Kroiß und seinen Quellen auseinandersetzen.

    Eigentlich kein besonders kompliziertes Prinzip. In manchen Kommentarspalten scheint es dennoch erklärungsbedürftig.

    Die Zukunft von Philipp J. Kroiß und zoos.media

    Zum Ende unseres Interviews im Jahr 2020 fragte GERATI Philipp J. Kroiß nach seinen beruflichen Zukunftsplänen. Seine Antwort war wenig überraschend. Er wollte das Projekt weiterentwickeln, gemeinsam mit seinem Team arbeiten und noch mehr Menschen erreichen.

    „zoos.media soll natürlich immer größer werden.“

    Damals war das vor allem ein berufliches Ziel. Heute lässt sich feststellen, dass zoos.media weiterhin regelmäßig journalistische Beiträge zu zoologischen Einrichtungen, Artenschutz, wissenschaftlichen Fragen und öffentlichen Kontroversen veröffentlicht. Auch das Spektrum der behandelten Themen hat sich erkennbar erweitert.

    Besonders auffällig ist, wie stark neben klassischen Zoo-Themen inzwischen die öffentliche Kommunikation von Aktivisten, Verbänden und Influencern in den Mittelpunkt gerückt ist. Das ist kein Zufall. Wer die gesellschaftliche Wahrnehmung zoologischer Einrichtungen beeinflusst, wird für ein spezialisiertes Medium zwangsläufig selbst zum Gegenstand der Berichterstattung.

    Dabei darf die eigentliche fachliche Arbeit nicht in den Hintergrund geraten. Artenschutzprogramme, Erhaltungszucht, die Entwicklung moderner Tierhaltung und wissenschaftliche Erkenntnisse bleiben auch dann relevant, wenn gerade kein bekannter Influencer für Schlagzeilen sorgt. Die öffentliche Debatte über Zoos ist schließlich größer als Robert Marc Lehmann, PETA oder eine Demonstration in Berlin.

    Für Kroiß bietet sich gerade darin eine langfristige journalistische Aufgabe. Die Bedeutung zoologischer Einrichtungen wird auch künftig kritisch diskutiert werden. Neue Erkenntnisse über Tierwohl, veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen und politische Forderungen zur Tierhaltung werden weitere Fragen aufwerfen. Wer diese Entwicklungen fachlich begleiten möchte, benötigt Erfahrung, gute Quellen und die Bereitschaft, auch unbequeme Informationen zu veröffentlichen.

    Das Interview von 2020 zeigt, dass viele seiner heutigen Überzeugungen bereits damals vorhanden waren. Verändert haben sich vor allem die Themenvielfalt, die öffentliche Aufmerksamkeit und die Konflikte, in denen seine Recherchen eine Rolle spielen. Aus dem jungen Chefredakteur ist ein Journalist geworden, dessen Arbeit weit über die Vorstellung einzelner Zoos hinausreicht.

    Dass diese Veröffentlichungen nicht überall auf Begeisterung stoßen, überrascht kaum. Gerade dort, wo öffentliche Kampagnen von starken Emotionen leben, können nüchterne Nachfragen unangenehm werden. Deshalb bleibt es wichtig, den Unterschied zwischen einer überprüfbaren Recherche und dem persönlichen Angriff auf ihren Urheber nicht aus den Augen zu verlieren.

    Und damit sind wir wieder beim Anlass dieses Artikels. Ein altes GERATI-Interview taucht plötzlich erneut unter den meistgelesenen Beiträgen auf. Menschen interessieren sich wieder für Philipp J. Kroiß, seine Arbeit und seine früheren Aussagen. Wer das ursprüngliche Gespräch heute liest, entdeckt einen Journalisten, der sich bereits damals zu vielen Fragen eindeutig positionierte und dessen Themen sechs Jahre später weiterhin Gegenstand öffentlicher Kontroversen sind.

    Ob Leser seine Positionen teilen oder nicht, ist ihre eigene Entscheidung. Wer sich ernsthaft damit beschäftigen möchte, findet genügend Veröffentlichungen, Quellen und konkrete Streitfragen. Für eine sachliche Auseinandersetzung ist also reichlich Material vorhanden.

    Man müsste es nur lesen, statt sich ausschließlich mit der Frage zu beschäftigen, wer angeblich wessen Marionette ist.

    Quellen

  • Nach IT-Gutachten zum Handy von Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke: Robert Marc Lehmann sieht sich rehabilitiert – doch was ist mit seiner Vita?

    Nach IT-Gutachten zum Handy von Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke: Robert Marc Lehmann sieht sich rehabilitiert – doch was ist mit seiner Vita?

    Robert Marc Lehmann sieht sich bestätigt und erhebt neue Vorwürfe

    Nach der Veröffentlichung eines IT-forensischen Gutachtens zum dienstlich genutzten Mobiltelefon des Bürgermeisters von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke, präsentiert Robert Marc Lehmann in einem knapp 24-minütigen Video seine Sicht auf die Affäre. Er berichtet von zahlreichen Journalistenanfragen, persönlicher Belastung und einer aus seiner Sicht beschädigten Reputation. Zugleich richtet er neue Verdächtigungen gegen Philipp J. Kroiß von zoos.media und stellt Fragen nach möglichen Kontakten zwischen seinem Kritiker, dem Bürgermeister und dem Politiker Till Backhaus. Seine Darstellung vermittelt dabei den Eindruck, die neuen Erkenntnisse bestätigten nicht nur seine Position in der E-Mail-Affäre, sondern stellten auch die seit Jahren gegen ihn gerichtete Kritik grundsätzlich infrage.

    Doch die Untersuchung eines Mobiltelefons beantwortet keine einzige Frage zum früheren Lebenslauf Lehmanns. Sie prüft weder seine Studienbezeichnung noch seine Position im Ozeaneum Stralsund, die Darstellung seiner Fangreisen oder die Bewerbung von Auszeichnungen. Mehrere Kritikpunkte wurden bereits vor Jahren veröffentlicht; einzelne biografische Formulierungen auf seiner Website wurden später verändert. GERATI lehnt persönliche Beleidigungen und mögliche Rechtsverstöße ausdrücklich ab, hält aber ebenso daran fest, dass sachliche Kritik an überprüfbaren Aussagen legitim bleibt. Beides muss getrennt werden, auch wenn Lehmann die verschiedenen Vorgänge in seinem Video miteinander verknüpft.

    Was die IT-Forensik bestätigt – und was sie nicht beweist

    Am 9. Oktober 2026 berichteten unter anderem der NDR und die Lokalzeitung der reporter über die Ergebnisse der von der Gemeinde veranlassten Untersuchung. Laut der veröffentlichten Zusammenfassung des Gutachtens vom 28. Mai 2026 gab es auf dem untersuchten Gerät keinen objektiv belegbaren Befund für Malware, Spyware, Trojaner oder eine Infektion mit Pegasus. Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke hatte bestritten, umstrittene Nachrichten selbst verfasst zu haben, und einen Hackerangriff als Erklärung genannt. Das Untersuchungsergebnis wirft damit Fragen zu seiner Darstellung auf, liefert aber keinen abschließenden Nachweis dafür, wer jede einzelne Nachricht verfasst hat. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern an; die Unschuldsvermutung gilt.

    Lehmann liest im Video ab Minute 1:39 aus angeblichen Nachrichten vor beziehungsweise gibt deren Inhalt teilweise sinngemäß wieder. Er berichtet von Dutzenden E-Mails mit beleidigenden Aussagen und Vorwürfen, sein Lebenslauf sei erfunden und seine Abschlüsse seien gefälscht. Eine vollständige, öffentlich zugängliche und authentifizierte Sammlung dieser Korrespondenz einschließlich ihres jeweiligen Kontexts liegt bislang nicht vor. Deshalb lässt sich weder jede Formulierung noch die technische Urheberschaft jeder einzelnen Nachricht unabhängig anhand der Originale prüfen. Die veröffentlichte Darstellung Lehmanns ist für die Berichterstattung relevant, ersetzt aber keine Einsicht in die vollständigen Dokumente.

    Sollte sich herausstellen, dass der Bürgermeister die beleidigenden Nachrichten persönlich geschrieben und einen Hackerangriff bewusst nur vorgetäuscht hat, wäre das entsprechend rechtlich aufzuarbeiten. Keine ungenaue Selbstdarstellung Lehmanns würde ein solches Verhalten rechtfertigen. Umgekehrt wäre damit keineswegs erwiesen, dass sämtliche früheren öffentlichen Angaben Lehmanns korrekt waren. Genau an dieser Trennlinie muss eine sachliche Recherche ansetzen.

    Die Recherchen zu Lehmanns Vita sind älter als die Wal-Affäre

    Lehmann spricht im aktuellen Video ab Minute 12:53 von einem langjährigen Kritiker und nennt anschließend Philipp J. Kroiß von zoos.media. Er fragt, woher der Bürgermeister die gegen ihn erhobenen Vorwürfe kenne und ob zwischen den Beteiligten Kontakte bestanden hätten. Diese Fragen können gestellt werden, belegen aber für sich genommen weder eine Absprache noch die Unrichtigkeit der veröffentlichten Kritik. Denn die betreffenden Recherchen sind seit Jahren öffentlich zugänglich und hätten grundsätzlich von jedem gelesen werden können. Ihre tatsächliche Richtigkeit muss anhand der jeweiligen Quellen bewertet werden, nicht anhand vermuteter persönlicher Kontakte.

    Bereits 2021 beschäftigte sich zoos.media mit Lehmanns Aussagen über Zoos und die angeblich negative Bildungswirkung von Besuchen. Im Oktober 2022 erschien eine Recherche zur Beschäftigung im Ozeaneum; im Dezember 2023 wurde seine Bali-Geschichte über den Zierfischhandel kritisiert. Weitere Veröffentlichungen befassten sich mit seiner Studienbezeichnung und mit Behauptungen über zoologischen Artenschutz. Auch t-online prüfte 2026 einzelne biografische Angaben durch eigene Anfragen bei der Universität Kiel und National Geographic Deutschland. Diese Chronologie spricht gegen die Vorstellung, die sachlichen Kritikpunkte seien erst durch den Bürgermeister entstanden.

    Diplom-Meeresbiologe: Warum änderte Lehmann seine Website?

    Auf einer archivierten Website-Fassung aus dem Oktober 2025 bezeichnete sich Robert Marc Lehmann als „studierter Diplom-Meeresbiologe“. Die Universität Kiel bestätigte gegenüber t-online, dass die formale Studiengangs- beziehungsweise Abschlussbezeichnung Biologie lautete. Inzwischen verwendet Lehmann auf seiner Website die präzisere Formulierung „Diplom-Biologe mit einer Spezialisierung auf Meeresbiologie“. Sein Biologieabschluss steht damit nicht in Frage, ebenso wenig die Möglichkeit einer späteren meeresbiologischen Tätigkeit. Der Unterschied zwischen einer fachlichen Spezialisierung und einer konkret behaupteten akademischen Abschlussbezeichnung bleibt aber bestehen.

    Die Korrektur allein beweist keine absichtliche Täuschung. Sie zeigt jedoch, dass die frühere Selbstbeschreibung nach der öffentlichen Kritik nicht unverändert geblieben ist. Warum soll diese Kritik nun plötzlich unbegründet sein, wenn die formale Bezeichnung gerade durch die spätere Präzisierung klarer wurde? Die Antwort darauf kann nur eine Auseinandersetzung mit der konkreten früheren Aussage geben. Ein IT-Gutachten zu einem Bürgermeister-Handy ist dafür offensichtlich ungeeignet.

    Ozeaneum Stralsund: Teamleiter statt Leiter des ganzen Aquariums

    Robert Marc Lehmann behauptete in früheren öffentlichen Äußerungen, er habe Europas größtes Aquarium geleitet. Auch die Bezeichnung Abteilungsleiter wurde im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit im Ozeaneum Stralsund verwendet. Philipp J. Kroiß fragte dazu bereits 2022 beim Deutschen Meeresmuseum nach. Nach der veröffentlichten Auskunft war Lehmann vom 1. Dezember 2008 bis zum 30. November 2009 als Teamleiter tätig. Ihm war eine Abteilungsleiterin übergeordnet, darüber stand die Museumsleitung.

    Damit liegt der relevante Widerspruch in der behaupteten Leitungsfunktion: Lehmann war nach Auskunft seines ehemaligen Arbeitgebers nicht Leiter des gesamten Ozeaneums, sondern Teamleiter innerhalb der Einrichtung. Entscheidend ist die belegte Differenz zwischen Lehmanns früherer öffentlicher Selbstdarstellung und der vom Deutschen Meeresmuseum bestätigten Position. Genau diese Differenz war Gegenstand der bereits 2022 veröffentlichten Kritik.

    Weltweite Fang- und Forschungsreisen: Was wurde tatsächlich bestätigt?

    Auch die Beschreibung seiner Beschaffungsreisen für das Ozeaneum wurde überprüft. Das Deutsche Meeresmuseum bestätigte in der von zoos.media wiedergegebenen Auskunft vier Reisen im Zusammenhang mit dieser Tätigkeit, darunter drei nach Norwegen und eine nach Schweden. Daraus folgt keineswegs, dass Lehmann später keine weiteren internationalen Expeditionen unternommen hat; solche Reisen sind unabhängig davon bekannt. Entscheidend ist vielmehr, welchen Auftraggebern er bestimmte Erfahrungen zugeordnet und welchen Eindruck er über seine Tätigkeit im Ozeaneum vermittelt hat. Eine spätere weltweite Tätigkeit kann nicht rückwirkend jede frühere Darstellung einer konkreten Stelle bestätigen.

    Auch bei seiner Diplomarbeit gibt es einen dokumentierten Widerspruch zwischen Lehmanns öffentlicher Darstellung und den tatsächlichen Fakten. Lehmann erklärte in einer früheren Videoaussage, er habe über Fische seine Diplomarbeit geschrieben. Tatsächlich beschäftigte sich seine Diplomarbeit mit dem Wachstum Europäischer Edelkrebse (Astacus astacus). Dabei handelt es sich um Süßwasserkrebse und nicht um Fische. Die öffentliche Aussage über das Thema seiner Diplomarbeit stimmt somit nicht mit dem dokumentierten Inhalt überein. Auch dieser Widerspruch wurde bereits Jahre vor der aktuellen Auseinandersetzung mit dem Bürgermeister öffentlich kritisiert.

    National Geographic: Echter Preis, aber mögliche Überhöhung

    Robert Marc Lehmann gewann 2015 den deutschen Fotowettbewerb „Wildes Deutschland“, der von National Geographic Deutschland und Olympus veranstaltet wurde. Öffentlich bezeichnete er sich jedoch als „National Geographic Fotograf des Jahres 2015“, ohne dabei stets deutlich zwischen dem deutschen Wettbewerb und dem internationalen National Geographic Photo Contest zu unterscheiden. Den internationalen Wettbewerb gewann 2015 der australische Fotograf James Smart. Die damalige Chefredakteurin von National Geographic Deutschland bezeichnete Lehmanns Darstellung gegenüber t-online als „mindestens irreführend“. Lehmann hatte somit tatsächlich einen Fotowettbewerb gewonnen, allerdings nicht den internationalen Hauptwettbewerb, den seine öffentliche Selbstdarstellung nahelegen konnte.

    Auch bei dieser Auszeichnung zeigt sich ein Muster, das bereits bei Lehmanns Angaben zu seiner akademischen Ausbildung und seiner Tätigkeit im Ozeaneum aufgefallen ist: Seine öffentliche Selbstdarstellung vermittelte einen anderen beziehungsweise weitreichenderen Eindruck als die tatsächlich dokumentierten Qualifikationen und Leistungen. Erst durch kritische Recherchen wurden diese Unterschiede öffentlich herausgearbeitet. Die entsprechenden Nachweise stammen von Hochschulen, ehemaligen Arbeitgebern und im Fall der Fotoauszeichnung sogar aus dem Umfeld des Veranstalters selbst. Dass Lehmann diese Kritik heute im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen den Bürgermeister als Teil einer gegen ihn gerichteten Diffamierung darstellt, ändert nichts an den dokumentierten Widersprüchen.

    Bali-Zierfischhandel: Die dramatische Darstellung eines öffentlich auffindbaren Geschäfts

    Bei seiner Bali-Produktion über den Zierfischhandel vermittelte Robert Marc Lehmann den Eindruck einer gefährlichen Undercover-Recherche in einem schwer zugänglichen und möglicherweise illegalen Geschäft. In den Filmaufnahmen fordert er seinen Fahrer mit „Go, go, go“ zur schnellen Weiterfahrt auf und erklärt, dass man hier nicht halten könne. Damit vermittelt er seinen Zuschauern eine besondere Gefahrensituation. Tatsächlich handelte es sich bei dem besuchten Betrieb um Riski Aquaria in Denpasar, ein öffentlich zugängliches und regulär auftretendes Zierfischgeschäft mit eigener Onlinepräsenz. Der Betrieb war keineswegs ein geheimer Ort, den man nur unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen aufsuchen konnte. Für die durch Lehmanns Darstellung nahegelegte Illegalität des Geschäfts wurden keine entsprechenden Belege präsentiert.

    GERATI deckte diese Diskrepanz bereits 2023 auf und dokumentierte, dass der angeblich gefährliche Undercover-Schauplatz ein öffentlich auffindbares Zierfischgeschäft war. Später griff auch Philipp J. Kroiß von zoos.media die Recherche auf. Besonders bemerkenswert ist dabei die Dramaturgie: Lehmann erzeugte durch seine hektischen Anweisungen an den Fahrer und seine Darstellung der Situation den Eindruck einer riskanten Enthüllung. Die öffentlich überprüfbaren Informationen über das Geschäft zeichneten jedoch ein anderes Bild. Damit war nicht die Existenz des Zierfischhandels die fragwürdige Behauptung, sondern die Art und Weise, wie Lehmann seinen Besuch gegenüber den Zuschauern inszenierte.

    Drückerfisch und Hai: Was zeigen die Aufnahmen über Lehmanns eigene Rolle?

    Die Bali-Aufnahmen dokumentieren darüber hinaus auch Lehmanns eigenen Umgang mit den Tieren während seiner Dreharbeiten. GERATI TV veröffentlichte dazu das YouTube-Short „Robert Marc Lehmann begeht Tierquälerei“, in dem entsprechende Szenen aus seiner Produktion gezeigt werden. Darin werden Fische aus dem Wasser genommen und für die Kamera präsentiert. Ein Drückerfisch fällt dabei sogar auf den Boden. Lehmann kommentiert die Präsentationen unter anderem mit „Wow“, „Beautiful“ und „Wonderful“. Bei einer weiteren Szene wird ein Hai aus dem Wasser gehoben, während Lehmann mit „Schnell, schnell, Foto, Foto“ zu einer schnellen Aufnahme auffordert.

    Besonders bemerkenswert ist der Widerspruch zwischen Lehmanns öffentlichem Auftreten als Tierschützer und seinem Verhalten während dieser Aufnahmen. Statt das unnötige Herausnehmen der Fische aus dem Wasser zu unterbinden, reagiert er mit begeisterten Kommentaren und fordert bei dem Hai sogar ausdrücklich eine Fotoaufnahme. Das Herausnehmen von Fischen aus dem Wasser kann erheblichen Stress verursachen und ihre Gesundheit beeinträchtigen. Ein Sturz auf einen harten Boden birgt zusätzlich erhebliche Verletzungsrisiken. GERATI kritisiert diese Behandlung der Tiere als tierschutzwidrig und sieht insbesondere Lehmanns aktive Beteiligung als erklärungsbedürftig an. Ob die dokumentierten Handlungen darüber hinaus den rechtlichen Tatbestand der Tierquälerei erfüllen, ist davon getrennt zu beurteilen.

    Bereits 2023 machte GERATI auf diese Widersprüche aufmerksam. Nach der Veröffentlichung des kritischen Videomaterials auf GERATI TV folgte eine urheberrechtliche Beanstandung durch LEONINE Studios, die nach der damaligen Korrespondenz im Auftrag Lehmanns handelte. Statt einer öffentlichen Auseinandersetzung mit den gezeigten Szenen kam es somit zunächst zu einem Streit über die Verwendung des Filmmaterials. Die Aufnahmen und die anschließende Kritik existierten bereits Jahre vor der heutigen Auseinandersetzung mit dem Bürgermeister von Timmendorfer Strand. Auch dieser Fall zeigt, dass die Kritik an Lehmanns Verhalten keineswegs erst durch die Äußerungen des Bürgermeisters entstanden ist.

    Bali-Delfinarium: Chlor, Wasserqualität und der Unterschied zwischen Verdacht und Messwert

    Robert Marc Lehmann erhob bei seiner Berichterstattung über das Bali Exotic Marine Park schwere Vorwürfe hinsichtlich der Wasserqualität und einer möglichen Gesundheitsgefährdung der dort gehaltenen Delfine. Einen eigenen Laborbefund oder dokumentierte Wasseranalysen, mit denen er eine gesundheitsschädliche Chlorkonzentration nachgewiesen hätte, legte er jedoch nicht vor. Stattdessen verbreitete er seine Anschuldigungen öffentlich, ohne entsprechende Messergebnisse zu präsentieren. Die Betreiber erklärten später gegenüber BBC News Indonesia, dass Chlor zur Wasseraufbereitung eingesetzt werde, die Konzentration jedoch unter 1,5 ppm liege. Eine tatsächlich gesundheitsschädliche Chlorbelastung konnte Lehmann mit seiner Darstellung nicht nachweisen.

    Besonders bemerkenswert war Lehmanns anschließender Aufruf an seine Community, sich per E-Mail an indonesische Botschaften und Auslandsvertretungen zu wenden und gegen die Delfinhaltung im Bali Exotic Marine Park zu protestieren. Damit mobilisierte er gezielt seine Anhänger, um Druck auf die indonesischen Behörden auszuüben. Im Zuge dieser Kampagne gingen bei indonesischen Auslandsvertretungen neben Protestschreiben auch beleidigende Nachrichten und Morddrohungen ein. Die Kampagne führte damit nicht nur zu einer breiten öffentlichen Auseinandersetzung, sondern auch zu erheblichen Anfeindungen gegenüber den betroffenen Stellen. Lehmanns Aufruf und die darauf folgenden Reaktionen gehören deshalb zur Bewertung seiner damaligen Vorgehensweise.

    Hier zeigt sich ein auffälliger Widerspruch zu Lehmanns heutigen Beschwerden über angebliche Rufschädigung. Im aktuellen Livestream beklagt er, dass kritische Veröffentlichungen und die Kontaktaufnahme Dritter mit seinen Geschäftspartnern seinen Ruf und seine wirtschaftlichen Interessen beeinträchtigt hätten. Gleichzeitig hat er bei seiner eigenen Bali-Kampagne seine Community ausdrücklich dazu aufgefordert, diplomatische Vertretungen zu kontaktieren und Druck auf eine von ihm kritisierte Einrichtung auszuüben. Zwar ist eine Beschwerde bei einer Behörde nicht mit einer Beleidigung oder Drohung gleichzusetzen, doch die gezielte Mobilisierung Dritter zur Einflussnahme auf andere gehört in beiden Fällen zum öffentlichen Konflikt. Lehmann kritisiert somit eine Form der öffentlichen Druckausübung, die er bei seinen eigenen Kampagnen selbst als Mittel eingesetzt hat.

    Zoos und Artenschutz: Mehrere pauschale Aussagen halten Gegenbelegen nicht stand

    Auch Lehmanns Aussagen über Zoos und deren Beitrag zum Artenschutz wurden wiederholt kritisiert. In seinen Veröffentlichungen stellte er die Leistungen zoologischer Einrichtungen beim Schutz bedrohter Tierarten wie dem Sumatra-Nashorn oder dem Balistar infrage. Dabei sind die Zuchterfolge des Cincinnati Zoo beim Sumatra-Nashorn ebenso dokumentiert wie die Beteiligung zahlreicher Zoos an Erhaltungszuchtprogrammen und Wiederansiedlungen des Balistars. Diese konkreten Artenschutzerfolge widersprechen pauschalen Darstellungen, nach denen Zoos keinen Beitrag zum Erhalt bedrohter Tierarten leisten. Die tatsächlichen Leistungen zoologischer Einrichtungen bleiben bestehen, unabhängig davon, wie Lehmann deren Bedeutung öffentlich bewertet.

    Ein weiterer Kritikpunkt betrifft Lehmanns Aussagen über die angeblich negative Bildungswirkung von Zoobesuchen. Er behauptete öffentlich, dass Kinder nach einem Zoo- oder Aquariumsbesuch weniger wüssten als zuvor, und stellte dies als wissenschaftlich erwiesen dar. Dem stehen wissenschaftliche Untersuchungen gegenüber, die einen Wissenszuwachs durch Bildungsangebote zoologischer Einrichtungen dokumentieren. Seine pauschale Darstellung einer grundsätzlich negativen Bildungswirkung lässt sich damit nicht aufrechterhalten. Auch dieses Beispiel zeigt, dass die Kritik an Lehmanns Aussagen auf konkreten fachlichen Gegenargumenten beruht und nicht erst durch die Auseinandersetzung mit dem Bürgermeister von Timmendorfer Strand entstanden ist.

    Angeblich klingelten beide Handys: Wo sind die vielen Journalistenstimmen?

    Besonders auffällig ist der Beginn des aktuellen Videos. Zwischen Minute 0:23 und 0:59 beschreibt Lehmann, wie bereits gegen 7:45 Uhr morgens sowohl sein privates als auch sein geschäftliches Telefon geklingelt hätten. Unbekannte Nummern und zahlreiche E-Mails hätten einen regelrechten Ansturm von Journalisten ausgelöst. Zwischen Minute 1:13 und 1:31 schildert er, die Medienvertreter hätten Stellungnahmen verlangt und wissen wollen, ob er sich nun rehabilitiert fühle. Später berichtet er sogar, welche Antworten er den Journalisten gegeben habe.

    GERATI überprüfte die unmittelbare Medienberichterstattung zur Veröffentlichung des IT-Gutachtens vom 9. Oktober 2026. Weder in den Artikeln des NDR noch in den Veröffentlichungen von der reporter oder den weiteren überprüften Medienberichten vom 9. und 10. Oktober findet sich eine aktuelle Stellungnahme Lehmanns. Kein einziger dieser Artikel gibt eine Antwort auf die von ihm geschilderten Journalistenfragen wieder. Damit steht seiner Darstellung eines regelrechten Medienansturms eine Berichterstattung gegenüber, in der seine angeblich abgegebenen Stellungnahmen überhaupt nicht auftauchen.

    Warum berichtet Lehmann von zahlreichen Journalisten, die ihn telefonisch und per E-Mail kontaktiert und ausführlich befragt haben sollen, wenn anschließend keine seiner Antworten in den überprüften Medienberichten erscheint? Welche Redaktionen waren das, und wo sind die entsprechenden Stellungnahmen geblieben? Gerade angesichts seiner ausführlichen Schilderung wäre eine konkrete Benennung der beteiligten Medien aufschlussreich. Bislang bleibt der von Lehmann geschilderte außergewöhnliche Journalistenansturm jedenfalls öffentlich und unabhängig unbestätigt.

    Wiederholt eine dramatische Geschichte? Der Vergleich mit Bali

    Zwischen Lehmanns Bali-Produktion und seinem aktuellen Livestream zeigt sich eine auffällige Parallele in der Erzählweise. Auf Bali erzeugte Lehmann durch hektische Anweisungen an seinen Fahrer, darunter „Go, go, go“, den Eindruck, sich an einem gefährlichen Ort aufzuhalten, an dem man nicht einfach anhalten könne. Tatsächlich handelte es sich bei dem besuchten Betrieb um ein öffentlich auffindbares Zierfischgeschäft in Denpasar. Nach Veröffentlichung des IT-Gutachtens beginnt Lehmann seinen Livestream mit einer ähnlich dramatischen Schilderung: Beide Telefone hätten bereits am frühen Morgen ununterbrochen geklingelt, zahlreiche Journalisten hätten ihn kontaktiert und sein E-Mail-Postfach sei regelrecht übergelaufen. In den überprüften Medienberichten vom 9. und 10. Oktober 2026 findet sich jedoch keine einzige aktuelle Stellungnahme Lehmanns zu den Gutachtenergebnissen.

    In beiden Fällen nutzt Lehmann die Schilderung außergewöhnlicher Ereignisse, um die Bedeutung seiner Geschichte zu unterstreichen. Während bei der Bali-Produktion ein öffentlich zugängliches Geschäft zum Schauplatz einer vermeintlich gefährlichen Undercover-Recherche wurde, präsentiert er sich im aktuellen Livestream als Mittelpunkt eines außergewöhnlichen Medieninteresses. Die dokumentierten Umstände stehen dabei in einem auffälligen Gegensatz zu der jeweils vermittelten Dramaturgie. Gerade dieser Vergleich zeigt, wie Lehmann durch seine Erzählweise bestimmte Eindrücke beim Publikum erzeugt, während die unabhängig überprüfbaren Informationen ein deutlich weniger spektakuläres Bild zeichnen.

    Philipp J. Kroiß und Till Backhaus: Aus Fragen werden weitreichende Verdächtigungen

    Ab Minute 12:53 widmet sich Lehmann besonders seinem Kritiker Philipp J. Kroiß. Bei Minute 13:21 fragt er nach möglichen Kontakten zwischen Kroiß und dem Bürgermeister, nach weitergegebenen Informationen und nach denkbaren Auswirkungen auf die Entscheidungen von Till Backhaus. Zwischen Minute 14:14 und 15:08 entwickelt er die Möglichkeit von Absprachen, um ihn von der Walrettung auszuschließen. Er bezeichnet einzelne Überlegungen selbst als hypothetisch. Dennoch bekommen die Zuschauer eine konkrete Verbindung mehrerer namentlich genannter Personen nahegelegt, für die das Video keine dokumentierte Kommunikationskette liefert.

    Ein Austausch zwischen einem Journalisten und einem Bürgermeister wäre für sich genommen weder ungewöhnlich noch ein Beweis für eine unzulässige Einflussnahme. Für eine weitergehende Behauptung müsste dokumentiert werden, wer was gesagt hat, welche Entscheidungen darauf beruhten und weshalb diese Entscheidungen problematisch waren. Die Existenz öffentlich zugänglicher kritischer Artikel von zoos.media reicht dafür nicht aus. Ebenso wenig folgt aus einer möglichen Übernahme veröffentlichter Kritik, dass deren Urheber für eigenständige spätere Aussagen oder Handlungen des Bürgermeisters verantwortlich wäre.

    Der schwerste Vorwurf: Eine angebliche Mitschuld am Tod des Wals

    Bei Minute 16:08 bis 16:18 sagt Lehmann sinngemäß, mutmaßliche Aussagen von Philipp J. Kroiß gegenüber dem Bürgermeister, dessen öffentliche Äußerungen und darauf beruhende Entscheidungen von Till Backhaus hätten nach seiner Überzeugung einen wesentlichen Anteil am Tod des Buckelwals gehabt. Bei etwa Minute 19:19 greift er den Vorwurf erneut auf und spricht Kroiß sinngemäß die Eigenschaft eines Tierfreundes ab, weil der Wal dadurch gestorben sei. Das ist eine besonders weitreichende persönliche Zuschreibung. Im Video werden dafür jedoch weder die behaupteten Kontakte noch ein konkreter Einfluss auf Rettungsentscheidungen und auch kein kausaler Zusammenhang mit dem Tod des Tieres belegt.

    Wer solche Zusammenhänge öffentlich behauptet oder nahelegt, muss mit entsprechenden Nachfragen rechnen. Welche Kommunikation soll stattgefunden haben? Welche konkrete Entscheidung soll dadurch ausgelöst worden sein? Welche fachlichen Belege zeigen, dass ein anderer Entscheidungsverlauf das Überleben des Wals ermöglicht hätte? Ohne Antworten auf diese Fragen bleiben die Aussagen Vermutungen und persönliche Überzeugungen. Gerade Lehmann, der selbst die Folgen unbelegter Anschuldigungen beklagt, sollte bei namentlich genannten Kritikern denselben Maßstab anwenden.

    Hunderte negative Artikel: Wo beginnt seine eigene Verantwortung?

    Bei Minute 15:40 spricht Lehmann von Hunderten Artikeln über mehrere Monate und Tausenden negativen Beiträgen. Er schildert die Folgen dieser Berichterstattung für sein Privatleben und für mögliche geschäftliche Kooperationen. Dass es bundesweit umfangreiche und teilweise kritische Berichte über die Walrettung und Lehmanns Rolle gab, ist nachvollziehbar. Eine überprüfbare Zählung der von ihm genannten Größenordnung oder eine belastbare Zuordnung aller negativen Berichte zu den Äußerungen des Bürgermeisters legt er jedoch nicht vor. Außerdem gab es bereits zuvor Kritik von Fachleuten und eigenständige Recherchen zu seiner Biografie.

    Die Frage nach Lehmanns eigener Verantwortung darf dabei nicht mit einer Mitschuld an möglichen Straftaten verwechselt werden. Wer öffentlich ungenaue oder überhöhte Angaben über sich verbreitet, kann damit einen Anlass für legitime Kritik setzen. Wären bestimmte Aussagen von Anfang an genauer gewesen, wären einige konkrete Kontroversen möglicherweise nicht entstanden. Daraus folgt aber keineswegs, dass Lehmann persönliche Beleidigungen verdient hätte oder für eigenständige Rechtsverstöße Dritter verantwortlich wäre. Verantwortlich ist er für die Richtigkeit seiner Aussagen, nicht für unzulässiges Verhalten anderer.

    Sieht sich Lehmann durch das Gutachten auch in seiner Vita rehabilitiert?

    Robert Marc Lehmann vermittelt in seinem aktuellen Livestream den Eindruck, durch die Veröffentlichung des IT-Gutachtens nun umfassend rehabilitiert zu sein. Bei Minute 18:14 erklärt er: „Es gibt nicht meine Sicht und seine Sicht. Es gibt nur eine Sicht und die ist ja jetzt öffentlich.“ Bei Minute 20:16 betont er ausdrücklich: „Das IT-Gutachten spricht für mich.“ Gleichzeitig stellt er die bisherigen Vorwürfe gegen seinen Lebenslauf als Teil einer gegen ihn gerichteten Diffamierung dar und bringt seinen langjährigen Kritiker Philipp J. Kroiß von zoos.media damit in Verbindung. Seine Darstellung legt damit nahe, dass nicht nur die Anschuldigungen des Bürgermeisters, sondern auch die seit Jahren dokumentierte Kritik an seiner beruflichen Selbstdarstellung durch die neuen Erkenntnisse entkräftet worden seien.

    Der entscheidende Widerspruch bleibt jedoch bestehen: Das IT-Gutachten untersucht das dienstlich genutzte Mobiltelefon des Bürgermeisters und nicht die Biografie von Robert Marc Lehmann. Es widerlegt weder die dokumentierten früheren Formulierungen auf seiner eigenen Website noch die Auskünfte des Deutschen Meeresmuseums zu seiner tatsächlichen Position im Ozeaneum. Ebenso wenig verändert es die Angaben der Universität Kiel zu seinem Studienabschluss oder die Einordnung seiner National-Geographic-Auszeichnung. Auch die kritisierten Darstellungen seiner Bali-Produktionen und seine öffentlichen Aussagen über den Artenschutz bleiben davon unberührt. Ein IT-Gutachten über das Handy eines Bürgermeisters kann die nachgewiesenen Widersprüche in Lehmanns früheren Selbstdarstellungen nicht nachträglich beseitigen.

    Fazit: Ein Handy-Gutachten macht frühere Selbstaussagen nicht automatisch richtig

    Die Veröffentlichung des IT-forensischen Gutachtens ist für die Ermittlungen zum Bürgermeister von Timmendorfer Strand bedeutsam. Sollten die ihm vorgeworfenen Beleidigungen oder eine bewusst falsche Hackerbehauptung nachgewiesen werden, wären sie unabhängig von der Walrettung und der Kritik an Robert Marc Lehmann zu bewerten. GERATI distanziert sich ausdrücklich von persönlichen Herabsetzungen und möglichen rechtswidrigen Handlungen. Sachliche Kritik wird dadurch jedoch nicht automatisch falsch, und berechtigte Nachfragen sind keine Beleidigung.

    Lehmanns Studienbezeichnung wurde auf seiner eigenen Website verändert; die Angaben des Deutschen Meeresmuseums zur früheren Hierarchie im Ozeaneum bleiben nachvollziehbar; auch weitere Darstellungen über seine Reisen, seine Auszeichnung und seine Bali-Aufnahmen verdienen eine konkrete Prüfung. Nicht jeder dieser Fälle beweist eine vorsätzliche Lüge. Sie zeigen aber, dass es reale, dokumentierte Anlässe zur Kritik gab, die lange vor dem Bürgermeisterstreit öffentlich diskutiert wurden. Die Verantwortung für die Genauigkeit solcher Selbstaussagen trägt Lehmann selbst.

    Besonders bedenklich ist, dass Lehmann ausgerechnet jetzt schwere Vermutungen über Philipp J. Kroiß und dessen angeblichen Anteil am Tod des Buckelwals äußert, ohne im Video die dafür erforderliche Beweiskette vorzulegen. Zugleich schildert er einen Journalistenansturm, dessen behauptetes Ausmaß in den bislang überprüften Medienberichten nicht bestätigt wird. Beides darf kritisch hinterfragt werden, ohne aus fehlenden Belegen vorschnell eine bewusste Lüge abzuleiten. Die entscheidende Frage bleibt: Warum sollten ausgerechnet die Untersuchung eines Bürgermeister-Handys und die möglichen Verfehlungen eines politischen Amtsträgers die früheren nachprüfbaren Aussagen Robert Marc Lehmanns über seinen eigenen Werdegang richtig machen?

    Das vollständige Video mit Zeitmarken

    Robert Marc Lehmann: „Doch kein Hackerangriff? Neue Infos zum Bürgermeister von Timmendorfer Strand“. Im Video beginnt die Schilderung der Journalistenanfragen bei 00:23, die Darstellung des Gutachtens bei 05:57 und die Auseinandersetzung mit Philipp J. Kroiß bei 12:53. Mögliche politische Absprachen diskutiert Lehmann ab 14:14; die Behauptung einer Mitverantwortung am Tod des Wals folgt bei 16:08. Seine Aussage zur angeblich nur noch einen öffentlichen Sichtweise fällt um 18:14, „Das IT-Gutachten spricht für mich“ um 20:16 und die Schilderung von Zweifeln an seiner Qualifikation um 22:12.

    YouTube Video Robert Marc Lehmann; Doch kein Hackerangriff? Neue Infos zum Bürgermeister von Timmendorfer Strand https://www.youtube.com/watch?v=KvNoyiXdaYg

    Quellen

  • Malte Zierden und die haarlose Bärin: Was an der Zoo-Geschichte nicht stimmt

    Malte Zierden und die haarlose Bärin: Was an der Zoo-Geschichte nicht stimmt

    Ein haarloser Bär, ein angeblich schlimmer Zoo und eine tote Schwester: Malte Zierden erzählt auf Instagram eine Geschichte, die perfekt in ein emotionales Anti-Zoo-Narrativ passt. Millionen Menschen erreichen solche Videos innerhalb kürzester Zeit, während für die Vorgeschichte des Tieres oft nur wenige Sekunden bleiben. Wer jedoch beginnt, Zierdens Darstellung anhand älterer Quellen zu überprüfen, stößt auf erhebliche Probleme. Einige zentrale Bestandteile seiner Geschichte sind entweder stark verkürzt, nicht belegt oder lassen entscheidenden Kontext weg.

    Auf diese Widersprüche machte zunächst Philipp J. Kroiß von zoos.media aufmerksam. Sein Artikel war für GERATI der Ausgangspunkt, die Geschichte selbst anhand älterer Berichte und wissenschaftlicher Veröffentlichungen nachzuvollziehen. Dabei geht es nicht darum, Tierschutz kleinzureden, sondern darum, überprüfbare Tatsachen von emotional erzählten Behauptungen zu trennen. Wer mit Tierschutz Millionen Menschen erreicht, sollte gerade bei dramatischen Geschichten besonders sorgfältig mit Fakten umgehen.

    Malte Zierden erzählt die Geschichte einer leidenden Bärin

    In einem Instagram-Reel zeigt Malte Zierden eine nahezu haarlose Brillenbärin und verbindet ihren Zustand mit ihrer Vergangenheit in einem Zoo. Seine Erzählung erzeugt ein klares Bild: Das Tier habe unter den Bedingungen dort gelitten, seine Schwester sei bei einem Fluchtversuch aus dem Zoo ums Leben gekommen und die überlebende Bärin trage die sichtbaren Folgen dieser Vergangenheit. Für den Zuschauer entsteht dadurch praktisch automatisch eine Ursache-Wirkungs-Kette zwischen Zoo, Leid, Tod und dem dramatischen körperlichen Zustand des Tieres.

    Doch genau diese Erzählung hält einer genaueren Prüfung nur teilweise stand. Emotionale Bilder ersetzen keine Chronologie, und aus einer starken Geschichte wird nicht automatisch ein belegter Sachverhalt. Die dokumentierte Vergangenheit dieser Bärin ist wesentlich komplexer als das Narrativ, das Zierden in wenigen Sätzen vermittelt. Vor allem beginnt ihre Geschichte nicht damit, dass ein Zoo zwei gesunde Tiere aus der Wildnis holte und ihnen dort Schaden zufügte.

    zoos.media identifiziert die Bärin als Dominga

    Philipp J. Kroiß hat für zoos.media die naheliegende Identität der Bärin recherchiert. Vieles spricht dafür, dass es sich bei dem von Zierden gezeigten Tier um die Brillenbärin Dominga handelt, die 2017 aus dem Parque Ecológico Taraccasa beziehungsweise einem kleinen Zoo bei Abancay in das Taricaya Ecological Reserve gebracht wurde. Bilder Domingas und ihre dokumentierte Geschichte passen auffällig zu dem Tier und den Umständen, die Zierden beschreibt.

    Diese Vorarbeit von zoos.media ist entscheidend, weil sich Domingas Vergangenheit anhand zeitgenössischer Berichte rekonstruieren lässt. Dabei ergibt sich ein wesentlich anderes Bild als jenes, das eine simple Anti-Zoo-Erzählung nahelegt. Dominga war nicht einfach eine Bärin, die von einem Zoo aus der Natur gerissen worden war. Sie war vielmehr selbst Opfer des illegalen Wildtierhandels.

    Dominga und ihre Schwester wurden als Jungtiere aus der Wildnis geraubt

    Eine Meldung der Nachrichtenagentur EFE aus dem Februar 2017 beschreibt die Herkunft von Dominga ausdrücklich. Demnach wurden Dominga und ihre Schwester bereits als Jungtiere von Wildtierhändlern aus der Natur entnommen. Anschließend beschlagnahmten peruanische Behörden die Tiere und brachten sie in einen kleinen Zoo in Abancay. Der Zoo war damit nach dieser zeitgenössischen Darstellung nicht derjenige, der die Tiere ursprünglich der Wildnis entnahm.

    Das ist für die Einordnung entscheidend. Die beiden Bärinnen waren bereits Opfer illegalen Wildtierhandels, bevor sie überhaupt in dem Zoo untergebracht wurden. Nach ihrer Beschlagnahmung kamen sie in menschliche Obhut, weil eine einfache Rückkehr in die Natur offenbar nicht möglich war. Diese Vorgeschichte im Zusammenhang mit dem späteren Zustand des Tieres wegzulassen, verändert die Wahrnehmung des gesamten Falls erheblich.

    Gerade bei der aktuellen Debatte über Zoos begegnet GERATI immer wieder solchen Verkürzungen. Auch bei Robert Marc Lehmanns Kritik an Zoos zeigt sich, wie wichtig es ist, konkrete Einrichtungen, Arten und Schutzmaßnahmen getrennt zu betrachten. Eine emotionale Gesamtanklage gegen „den Zoo“ ist wesentlich einfacher zu erzählen als eine komplizierte Rettungs- und Haltungsgeschichte. Einfacher bedeutet jedoch nicht richtiger.

    Für den angeblichen Fluchtversuch der Schwester fehlt jeder Beleg

    Besonders auffällig ist Zierdens Behauptung über die Schwester von Dominga. Im Reel sagt er, diese sei bei einem Fluchtversuch aus dem Zoo gestorben. Diese Darstellung verstärkt das gewünschte Bild erheblich: Ein Tier wolle aus seinem Gefängnis entkommen und bezahle diesen Versuch mit dem Leben. Genau für diesen dramatischen Teil der Geschichte findet sich jedoch in den zugänglichen zeitgenössischen Quellen kein belastbarer Beleg.

    EFE berichtete 2017 ausdrücklich vom Tod der Schwester. Sie sei einige Jahre zuvor in dem Zoo gestorben, woraufhin Dominga allein zurückblieb. Von einem Fluchtversuch, einem Ausbruch oder einem tödlichen Versuch, das Gehege zu verlassen, ist dort keine Rede. Auch die von Animal Defenders International veröffentlichte Darstellung der Geschichte Domingas erwähnt den Tod der Schwester, nennt aber ebenfalls keinen Fluchtversuch.

    Damit steht ein zentraler Bestandteil von Zierdens Erzählung ohne nachvollziehbaren Beleg im Raum. Wer eine konkrete Todesgeschichte öffentlich verbreitet, trägt die Verantwortung dafür, sie auch belegen zu können. Gerade wenn diese Geschichte dazu dient, einen Zoo als besonders grausam darzustellen, reicht eine emotionale Behauptung nicht aus. Für den von Malte Zierden beschriebenen tödlichen Fluchtversuch ist bislang keine Quelle auffindbar.

    Der Haarausfall ist kein Beweis gegen Zoos

    Auch der dramatische Haarausfall der Bärin wird durch die Bildsprache schnell zu einem vermeintlichen Beweis gegen den Zoo. Wissenschaftlich ist die Situation jedoch wesentlich komplizierter. Bei Brillen- beziehungsweise Andenbären ist ein eigenes Alopezie-Syndrom seit Jahren beschrieben. Untersuchungen aus europäischen und amerikanischen Zoopopulationen dokumentierten teilweise extremen Haarverlust, insbesondere bei weiblichen Brillenbären.

    Eine 2018 veröffentlichte veterinärmedizinische Untersuchung konnte keine einfache Einzelursache für das Syndrom benennen. Weitere Forschungen untersuchten unter anderem immunologische Mechanismen, Hauterkrankungen und Haltungsfaktoren. Eine spätere Studie beschäftigte sich außerdem mit sozialen Haltungskonstellationen als möglichem Risikofaktor. Daraus lässt sich gerade nicht die simple Behauptung ableiten, dass ein haarloser Brillenbär automatisch ein Beleg für schlechte Zoohaltung sei.

    Auch bei Dominga dokumentieren zeitgenössische Berichte einen Zusammenhang zwischen dem Tod ihrer Schwester und einer Verschlechterung ihres Zustandes. Dazu kamen Hautprobleme und eine schlechte körperliche Verfassung. Der Haarausfall allein ist deshalb kein seriöser Beweis dafür, dass „der Zoo“ die Ursache gewesen sei. Wer einen solchen Zusammenhang behauptet oder durch seine Darstellung nahelegt, müsste ihn veterinärmedizinisch belegen.

    Zoos waren selbst an der Erforschung des Alopezie-Syndroms beteiligt

    Bemerkenswert ist zudem, dass ein erheblicher Teil der wissenschaftlichen Erkenntnisse über das Alopezie-Syndrom bei Brillenbären überhaupt erst durch zoologische Einrichtungen und die dortige veterinärmedizinische Dokumentation gewonnen werden konnte. Tierärzte, Zoos und Fachgruppen haben über Jahre Daten gesammelt, Krankheitsverläufe untersucht und Behandlungsmöglichkeiten dokumentiert. Genau diese langfristige Beobachtung ermöglicht es, komplexe Erkrankungen besser zu verstehen.

    Das passt schlecht zu einer Erzählung, in der „Zoo“ lediglich als pauschaler Verursacher tierischen Leidens erscheint. Zoologische Einrichtungen können selbstverständlich kritisiert werden, wenn konkrete Missstände belegt sind. Gleichzeitig sind sie aber auch Orte tiermedizinischer Forschung, Artenschutzarbeit und langfristiger wissenschaftlicher Dokumentation. Wer nur eine Seite dieser Realität zeigt, erzeugt kein vollständiges Bild.

    GERATI hat bereits bei Malte Zierdens Aktivismus auf finnischen Pelzfarmen kritisiert, dass starke Emotionalisierung schnell an die Stelle einer sauberen Trennung zwischen Dokumentation, Bewertung und Aktivismus treten kann. Reichweite kann Aufmerksamkeit für Tierschutz schaffen. Sie erhöht aber gleichzeitig die Verantwortung, belastbare Fakten nicht einer möglichst dramatischen Geschichte unterzuordnen.

    Der Zoo war nicht der Ursprung von Domingas Leidensgeschichte

    Auch die Rolle des Zoos selbst muss anhand der dokumentierten Chronologie betrachtet werden. Dominga lebte dort über Jahre, und verschiedene Tierschutzorganisationen bewerteten ihre damalige Situation kritisch. Animal Defenders International bezeichnete ihre spätere Umsiedlung in das Taricaya Ecological Reserve ausdrücklich als Rettung und stellte die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen in den Vordergrund.

    Das ändert jedoch nichts an der entscheidenden Vorgeschichte. Dominga und ihre Schwester wurden nicht vom Zoo aus der Natur entnommen. Sie waren zuvor bereits Opfer des illegalen Wildtierhandels und wurden erst nach ihrer Beschlagnahmung in der Einrichtung untergebracht. Wer diesen Teil der Geschichte weglässt, verschiebt die Verantwortung für den Ursprung ihres Schicksals.

    Der Zoo kooperierte zudem bei der späteren Übergabe Domingas. Diese Tatsache macht aus der Einrichtung keine automatisch vorbildliche Institution. Sie zeigt aber erneut, dass die Geschichte nicht in das einfache Schema „böser Zoo gegen gute Retter“ passt. Die tatsächliche Chronologie ist komplexer, und genau diese Komplexität verschwindet in Social-Media-Erzählungen besonders schnell.

    Aus einer komplexen Tierbiografie wird eine perfekte Social-Media-Geschichte

    Genau darin liegt das eigentliche Problem solcher Videos. Die reale Geschichte besteht aus illegalem Wildtierhandel, behördlicher Beschlagnahmung, jahrelanger Haltung, dem Tod eines zweiten Tieres, gesundheitlichen Problemen, wissenschaftlich untersuchter Alopezie und schließlich einer Umsiedlung. Daraus lässt sich auf Social Media sehr viel einfacher eine andere Geschichte machen: Zoo schlecht, Tier leidet, Schwester versucht zu fliehen und stirbt, anschließend kommt die Rettung.

    Diese Version funktioniert emotional ausgezeichnet. Sie benötigt nur wenige Bilder und wenige Sätze und liefert sofort einen eindeutigen Schuldigen. Doch Tierschutz sollte nicht daran gemessen werden, wie wirkungsvoll eine Geschichte auf Instagram erzählt wird. Entscheidend ist, ob die zentralen Behauptungen belegt sind.

    Die aktuelle Diskussion rund um Anti-Zoo-Influencer zeigt, wie schnell sich solche Narrative verselbstständigen können. Auch bei Robert Marc Lehmann und seiner Auseinandersetzung mit Zoos zeigt sich immer wieder, wie wichtig die Trennung zwischen dokumentiertem Vorgang und daraus entwickelter Geschichte ist. Kritik an Zoos ist legitim. Sie wird aber nicht glaubwürdiger, wenn wesentliche Informationen fehlen oder unbelegte Behauptungen als Tatsachen präsentiert werden.

    Wer Tierschutz fordert, muss bei den Fakten bleiben

    Malte Zierden erreicht mit seinem Engagement ein Millionenpublikum. Gerade deshalb sollte bei konkreten Behauptungen ein hoher Maßstab gelten. Wer öffentlich erzählt, ein Tier sei bei einem Fluchtversuch aus einem Zoo gestorben, sollte dafür eine nachvollziehbare Quelle nennen können. Für genau diese Behauptung findet sich in den zugänglichen zeitgenössischen Berichten kein Beleg.

    Dokumentiert ist dagegen, dass Dominga und ihre Schwester als Jungtiere illegal aus der Natur entnommen wurden. Dokumentiert ist, dass sie anschließend nach ihrer Beschlagnahmung in einen Zoo kamen. Dokumentiert ist auch der spätere Tod der Schwester sowie Domingas massiver Haarausfall. Nicht dokumentiert ist der von Zierden behauptete Fluchtversuch.

    Auch der Haarausfall lässt sich wissenschaftlich nicht auf die einfache Formel reduzieren, die die Bilder nahelegen können. Das Alopezie-Syndrom bei Brillenbären ist seit Jahren Gegenstand veterinärmedizinischer Forschung. Wer daraus eine eindeutige Anklage gegen einen Zoo konstruiert, muss diesen Zusammenhang belegen und darf ihn nicht allein durch emotionale Bildsprache entstehen lassen.

    Philipp J. Kroiß und zoos.media haben mit ihrer Recherche einen wichtigen Widerspruch sichtbar gemacht. GERATI hat die zentralen Punkte anhand weiterer Quellen nachvollzogen. Das Ergebnis ist eindeutig genug: Die tatsächliche Geschichte der Bärin ist erheblich komplexer als die von Malte Zierden verbreitete Erzählung, und für einen ihrer dramatischsten Bestandteile – den angeblich tödlichen Fluchtversuch der Schwester – fehlt der Beleg.

    Tierschutz verliert an Glaubwürdigkeit, wenn emotionale Geschichten wichtiger werden als überprüfbare Tatsachen. Wer Missstände aufdecken will, sollte deshalb zuerst sicherstellen, dass die eigene Geschichte stimmt.

    Quellen

  • Robert Marc Lehmann gegen Zoos: Philipp J. Kroiß zerlegt die große Cancel-Erzählung

    Robert Marc Lehmann gegen Zoos: Philipp J. Kroiß zerlegt die große Cancel-Erzählung

    Robert Marc Lehmann spricht von Konsequenzen für die Zoowelt, von fehlender Gesprächsbereitschaft seiner Kritiker und vermittelt den Eindruck, gegen ihn werde mit fragwürdigen Methoden vorgegangen. Philipp J. Kroiß hat diese Darstellung für zoos.media ausführlich analysiert und kommt zu einem deutlich anderen Ergebnis. In seinem Beitrag „Robert Marc Lehmann: Wenn eine Anti-Zoo-Ansage zur Selbstoffenbarung wird“ zeichnet Kroiß das Bild eines Influencers, bei dem Anspruch und tatsächliches Verhalten zunehmend auseinanderfallen.

    Besonders interessant aus Sicht von GERATI: Kroiß greift dabei ausdrücklich eine Recherche von GERATI auf. Dabei ging es um zahlreiche Videos und Millionen Aufrufe, die vom YouTube-Kanal „Robert Marc Lehmann – Mission Erde“ verschwunden waren. Gerade dieser Punkt zeigt, warum es sich lohnt, die verschiedenen Vorgänge sauber voneinander zu trennen, statt sie zu einer großen Erzählung über angebliche Zensur oder Cancel-Versuche zusammenzufügen.

    Ein YouTube-Strike wird zur großen Erzählung

    Ausgangspunkt der Auseinandersetzung war laut Kroiß ein Video von Robert Marc Lehmann, in dem Material von zoos.media verwendet wurde. zoos.media meldete die Verwendung bei YouTube. Die Plattform prüfte den Vorgang und entschied schließlich über die Entfernung des Videos beziehungsweise den entsprechenden Copyright-Vorgang. Entscheidend ist dabei ein Punkt, den Kroiß ausdrücklich hervorhebt: Über einen Strike entscheidet YouTube und nicht derjenige, der eine Urheberrechtsverletzung meldet.

    Das klingt zunächst banal, ist aber für die gesamte Erzählung entscheidend. Wer fremdes Material verwendet und daraufhin mit einer urheberrechtlichen Beschwerde konfrontiert wird, kann daraus nicht automatisch einen organisierten Versuch ableiten, einen kompletten Kanal zum Schweigen zu bringen. Genau an dieser Stelle sieht Kroiß einen grundlegenden Widerspruch zwischen dem tatsächlichen Vorgang und der späteren Darstellung gegenüber der eigenen Community.

    Ein einzelner Copyright-Strike bedeutet schließlich nicht automatisch die Löschung eines gesamten YouTube-Kanals. Gleichzeitig gehört es zum normalen Verfahren der Plattform, dass Rechteinhaber gegen eine aus ihrer Sicht unzulässige Nutzung ihres Materials vorgehen können. Aus einem solchen Standardmechanismus eine Art Angriff der Zoowelt auf Robert Marc Lehmann abzuleiten, benötigt deshalb wesentlich mehr Belege als lediglich die Existenz einer Beschwerde.

    GERATI fand die verschwundenen Videos

    An dieser Stelle kommt GERATI ins Spiel. Nach dem Vorgang mit zoos.media hatte ich mir den Kanal von Robert Marc Lehmann genauer angesehen und festgestellt, dass dort eine beträchtliche Zahl früherer Videos nicht mehr öffentlich vorhanden war. Mit diesen Videos verschwanden zugleich Millionen zuvor ausgewiesener Aufrufe aus der öffentlich sichtbaren Kanalstatistik beziehungsweise dem vorhandenen Videobestand.

    Kroiß verweist in seinem Artikel ausdrücklich auf diese GERATI-Recherche. Gleichzeitig hält er fest, dass die Gründe für das Verschwinden dieser Videos nicht bekannt sind. Genau diese Trennung ist wichtig. Die Beobachtung, dass Videos verschwunden sind, ist etwas anderes als die Behauptung, zu wissen, weshalb sie verschwunden sind.

    Gerade deshalb wäre es unseriös, sämtliche Veränderungen auf Lehmanns Kanal mit dem Copyright-Vorgang von zoos.media in Verbindung zu bringen. Dafür gibt es bislang keinen belastbaren Nachweis. Interessant bleibt die Entwicklung dennoch, weil sie zeitlich in eine Phase fällt, in der Robert Marc Lehmann selbst das Narrativ eines gegen ihn gerichteten Vorgehens öffentlich stark auflädt.

    Kroiß stellt Lehmanns Gesprächsbereitschaft infrage

    Noch deutlicher wird die Kritik von Philipp J. Kroiß bei einem weiteren Punkt. Robert Marc Lehmann erklärte nach Darstellung von zoos.media sinngemäß, er scheue keine Diskussion, treffe jeden und halte sich nicht zurück. Gleichzeitig beklagte er, andere wollten nicht mit ihm diskutieren.

    Kroiß hält diesem Bild mehrere konkrete Beispiele entgegen. So verweist er unter anderem auf ein öffentliches Dialogangebot aus Wuppertal vom Mai 2025. Außerdem nennt er Einladungen des Direktors des Alpenzoos Innsbruck, André Stadler, aus dem Juni und August 2026. Nach Darstellung von zoos.media blieb eine entsprechende öffentliche Reaktion beziehungsweise Annahme dieser Angebote aus.

    Genau hier liegt ein Punkt, der über persönliche Sympathien für Lehmann oder einzelne Zoos hinausgeht. Wer öffentlich den Eindruck vermittelt, die Gegenseite verweigere konsequent den Dialog, muss sich daran messen lassen, wie er selbst mit konkreten Gesprächsangeboten umgeht. Existieren solche Einladungen tatsächlich, kann man gleichzeitig schwer behaupten, niemand wolle mit einem reden.

    Kroiß führt darüber hinaus den Zoo Augsburg sowie ein Orca-Symposium als weitere Beispiele an. Auch hier lautet seine zentrale Kritik nicht, dass Lehmann jede Einladung zwingend annehmen müsse. Natürlich steht es jedem frei, ein Gespräch abzulehnen. Problematisch wird es erst dann, wenn auf der einen Seite Angebote ausgeschlagen oder nicht genutzt werden und auf der anderen Seite gegenüber dem eigenen Publikum der Eindruck einer grundsätzlich dialogunwilligen Zoowelt entsteht.

    Das Marcant-Format ändert das Problem nicht

    Lehmann verwies offenbar auch auf ein geplantes beziehungsweise produziertes Format von Marcant, für das Vertreter aus der Zoowelt angefragt wurden. Kroiß sieht darin keinen Beleg dafür, dass Zoos generell nicht diskutieren wollten. zoos.media selbst hatte nach eigenen Angaben ebenfalls eine Anfrage erhalten, wobei bereits die Adressierung Fragen aufwarf.

    Trotzdem bot zoos.media nach Darstellung von Kroiß Unterstützung für einen geplanten Faktencheck an. Eine weitere Reaktion sei darauf nicht erfolgt. Auch hier ergibt sich damit ein komplizierteres Bild als das einfache Narrativ „Lehmann möchte diskutieren, Zoos verweigern sich“.

    Hinzu kommt ein praktischer Aspekt, der häufig übersehen wird. Nicht jeder Zoo, Verband oder Fachmann muss bereit sein, auf eigene Kosten an einem kommerziell verwerteten YouTube-Format mitzuwirken. Eine Absage an ein bestimmtes Produktionsformat ist nicht automatisch eine Absage an jede inhaltliche Diskussion. Wer beides gleichsetzt, verkürzt die tatsächliche Situation erheblich.

    Wenn aus Kritik eine Verschwörungserzählung wird

    Kroiß wird in seinem Artikel besonders deutlich, wenn es um Reaktionen aus Teilen der Mission-Erde-Community geht. Seiner Einschätzung nach wird dort zunehmend eine Erzählung gepflegt, wonach unterschiedliche Akteure versuchten, Robert Marc Lehmann zum Schweigen zu bringen oder seine Arbeit zu behindern.

    Das Problem einer solchen Erzählung liegt in ihrer Konstruktion. Einzelne Ereignisse können schnell miteinander verbunden werden, obwohl ein tatsächlicher Zusammenhang gar nicht nachgewiesen ist. Ein Copyright-Strike, verschwundene Videos, kritische Artikel, Auseinandersetzungen mit Zoos und abgelehnte Gesprächsformate ergeben dann scheinbar ein großes Gesamtbild. Belegt wird dadurch jedoch noch kein koordiniertes Vorgehen.

    Gerade an diesem Punkt lohnt eine nüchterne Betrachtung. Kritik an einem reichweitenstarken Influencer ist keine Zensur. Eine Urheberrechtsbeschwerde ist nicht automatisch ein Cancel-Versuch. Eine Einladung, die nicht angenommen wird, ist kein Beleg dafür, dass niemand diskutieren möchte. Und mehrere kritische Stimmen bilden nicht automatisch ein Netzwerk, nur weil sie zu ähnlichen Schlussfolgerungen gelangen.

    Anti-Zoo-Kommunikation und das Geschäft mit der Empörung

    Kroiß geht noch einen Schritt weiter und verbindet Lehmanns Anti-Zoo-Kommunikation mit dessen Merchandising. Er verweist dabei insbesondere auf Produkte mit vulgärer Anti-Zoo-Botschaft. Daraus ergibt sich zumindest eine legitime Frage nach den wirtschaftlichen Anreizen einer möglichst scharf geführten Auseinandersetzung.

    Natürlich beweist der Verkauf entsprechender Produkte nicht, dass Kritik an Zoos ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt. Eine solche Behauptung wäre ebenfalls zu einfach. Allerdings lässt sich kaum bestreiten, dass emotionalisierte Konflikte Aufmerksamkeit erzeugen und Aufmerksamkeit im Influencer-Geschäft wirtschaftlich verwertbar ist.

    Wenn sich eine Marke gleichzeitig über klare Feindbilder definiert und passende Produkte verkauft, darf dieser Zusammenhang deshalb thematisiert werden. Genau das macht Kroiß. Er stellt die Frage, ob eine immer aggressivere Anti-Zoo-Rhetorik tatsächlich einer sachlichen Diskussion über Tierhaltung, Artenschutz und wissenschaftliche Arbeit dient oder zunehmend Teil einer erfolgreich vermarktbaren Identität geworden ist.

    Der eigentliche Streit sollte um Fakten gehen

    Besonders relevant ist deshalb ein weiterer Bestandteil des zoos.media-Artikels. Kroiß erinnert daran, dass Lehmann in der Vergangenheit die Bedeutung zoologischer Einrichtungen für verschiedene Arten infrage gestellt hatte. zoos.media beschäftigte sich daraufhin unter anderem mit Balistaren, Sumatra-Nashörnern und Galapagos-Riesenschildkröten und stellte den Anti-Zoo-Aussagen konkrete Informationen zum Artenschutz gegenüber.

    Genau dort sollte die eigentliche Diskussion stattfinden. Nicht bei der Frage, wer wen angeblich canceln möchte, sondern bei überprüfbaren Aussagen. Welche Rolle spielen Zoos bei Erhaltungszuchtprogrammen? Welche Populationen konnten mit Unterstützung zoologischer Einrichtungen erhalten werden? Welche Forschung findet dort statt? Welche Projekte werden finanziert? Und wo gibt es berechtigte Kritik an einzelnen Einrichtungen oder Haltungsformen?

    Wer Zoos grundsätzlich ablehnt, darf diese Fragen selbstverständlich kritisch beantworten. Er muss sich dann allerdings auch mit Fakten auseinandersetzen, die nicht in die eigene Argumentation passen. Dasselbe gilt selbstverständlich für Zoo-Befürworter. Artenschutz wird nicht dadurch besser verstanden, dass beide Seiten immer größere Feindbilder produzieren.

    Philipp J. Kroiß trifft einen entscheidenden Punkt

    Der Artikel von Philipp J. Kroiß ist klar positioniert und an einigen Stellen bewusst scharf formuliert. Das macht er auch nicht zum Geheimnis. Seine entscheidende Stärke liegt jedoch darin, dass er zahlreiche konkrete Vorgänge nebeneinanderstellt und damit eine Frage aufwirft, die Robert Marc Lehmann und seine Community selbst beantworten müssen: Passt die öffentlich erzählte Geschichte tatsächlich zu den dokumentierten Ereignissen?

    Gerade die Behauptung mangelnder Dialogbereitschaft wirkt problematisch, wenn gleichzeitig konkrete Einladungen existieren. Ebenso lässt sich aus einer Copyright-Meldung nicht ohne Weiteres der Versuch konstruieren, einen gesamten YouTube-Kanal aus dem Netz zu drängen. Dass darüber hinaus zahlreiche Videos verschwunden sind, bleibt interessant – über die Ursache sagt diese Beobachtung allein jedoch nichts aus.

    Für GERATI ist noch etwas anderes bemerkenswert. Unsere Recherche zu den verschwundenen Videos wurde von zoos.media nicht einfach benutzt, um eine Ursache zu behaupten, die niemand belegen kann. Kroiß nennt die Recherche und trennt sie ausdrücklich von der offenen Frage nach dem Grund für die Löschungen. Genau so sollte eine sachliche Auseinandersetzung funktionieren.

    Robert Marc Lehmann kann Zoos kritisieren. Zoos können Robert Marc Lehmann kritisieren. zoos.media kann seine Aussagen überprüfen, und GERATI kann wiederum beide Seiten beobachten und einordnen. Das ist keine Zensur, sondern öffentliche Debatte. Entscheidend ist am Ende nicht, wer die größte Community mobilisieren kann, sondern wessen Behauptungen einer Überprüfung standhalten.

    Quellen

  • Great Ape Project unterstützt Tierquälerei bei Schimpansen im Wales Ape and Monkey Sanctuary

    Great Ape Project unterstützt Tierquälerei bei Schimpansen im Wales Ape and Monkey Sanctuary

    Der Artikel beleuchtet die Tierquälerei im Wales Ape and Monkey Sanctuary (WAMS) und präsentiert Beweise für diese Missstände. Besucher des WAMS haben sich über zu kleine Käfige beschwert, was von negativen Google-Bewertungen und Fotos bestätigt wird. Experten kritisieren zudem, dass das WAMS kein ausgebildetes Fachpersonal beschäftigt. Trotz der Vorwürfe befürwortet das Great Ape Project das WAMS, während es den Zoo Krefeld verurteilt, der in eine artenschutzgerechte Affenanlage investiert hat. Die Verbindungen zwischen dem Great Ape Project und dem WAMS werfen Fragen zur Glaubwürdigkeit auf. Es ist wichtig, die Bedingungen im WAMS zu verbessern und die Tiere angemessen zu versorgen.

    Philipp J. Kroiß von Zoos.media deckt massive Tierquälerei im Wales Ape and Monkey Sanctuary auf

    Der Artikel von Philipp J. Kroiß (zoos.media) informiert über die Tierquälerei im Wales Ape and Monkey Sanctuary (WAMS) und liefert dazu Beweise. Viele Besucher haben sich in Bewertungen über zu kleine Käfige beschwert. Das WAMS reagiert dünnhäutig auf die Kritik und versucht, die Rezensenten herabzuwürdigen, anstatt die Vorwürfe zu widerlegen. Negative Google-Bewertungen werden von wohlmeinenden Fotografen bestätigt, die keine modernen Tierhaltungsbedingungen zeigen. Das WAMS wird von Experten ebenfalls kritisiert, da es kein ausgebildetes Fachpersonal beschäftigt.

    Die Kritik an den Zuständen im WAMS wird von Besuchern und Experten bestätigt. Es gibt Beschwerden über zu kleine Käfige und die Haltung der Tiere in einem „Feld voller Schrott“. Das WAMS reagiert auf diese Kritik dünnhäutig und versucht, die Rezensenten persönlich anzugreifen, anstatt die Vorwürfe zu widerlegen.

    Negative Google-Bewertungen werden von wohlmeinenden Fotografen bestätigt, die keine modernen Tierhaltungsbedingungen zeigen. Die Fotos zeigen Tiere in Käfigen, die nicht den Standards einer modernen Tierhaltung entsprechen. Diese Bilder bestätigen die Aussagen der negativen Bewertungen und zeigen, dass die Kritik am WAMS authentisch ist.

    Experten wie Tom de Jongh vom Europäischen Erhaltungszucht-Programm (EEP) für Westafrikanische Schimpansen und Alison Cronin vom Monkey World kritisieren das WAMS ebenfalls. Sie bemängeln, dass das WAMS kein ausgebildetes Fachpersonal beschäftigt und dass es Zweifel daran gibt, ob tatsächlich genügend Platz vorhanden ist, um Tiere aufzunehmen.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Wales Ape and Monkey Sanctuary massive Tierschutzverstöße begeht, wie von Besuchern und Experten berichtet wird. Die Kritik an den Zuständen im WAMS wird durch Fotos und Zeugenaussagen bestätigt. Das WAMS reagiert dünnhäutig auf die Kritik und versucht, die Vorwürfe zu entkräften, anstatt die Missstände zu beheben. Es stellt sich die Frage, warum Organisationen wie das Great Ape Project das WAMS als gute Alternative zu Zoos sehen, obwohl die Zustände dort alles andere als tiergerecht sind. Im Vergleich zu modernen Zoos bietet das WAMS keine adäquate Tierhaltung und es fehlt an ausgebildetem Fachpersonal.

    Great Ape Project befürwortet Tierquälerei im Wales Ape and Monkey Sanctuary

    Das Great Ape Project, eine internationale Organisation, die sich für den Schutz und die Rechte von Menschenaffen einsetzt, unterstützt öffentlich das Wales Ape and Monkey Sanctuary (WAMS). Insbesondere der deutsche Ableger, der von der Giordano Bruno-Stiftung als Projekt geleitet wird, fordert immer wieder öffentlich Zoos in Deutschland auf, ihre Affen dem WAMS zu übergeben. Dies geschieht, obwohl Fotos belegen, dass die Haltungsbedingungen im WAMS tierschutzwidrig sind.

    Gleichzeitig überrascht es jedoch, dass das Great Ape Project den Zoo Krefeld verurteilt, der kürzlich über 30 Millionen Euro in einen artenschutzgerechten Neubau für die Affen investiert hat. Der Zoo hat damit ein deutliches Zeichen für den Schutz bedrohter Arten gesetzt und sich bemüht, den Tieren ein möglichst artgerechtes Zuhause zu bieten.

    Trotz der geplanten Verbesserungen und des bevorstehenden Neubaus der Anlage im Zoo Krefeld, fordert das Great Ape Project den Zoo auf, die Affen an das Wales Ape and Monkey Sanctuary zu übergeben. Diese Forderung ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass die dortigen Haltungsbedingungen als tierschutzwidrig angesehen werden. Es scheint, als ob das Great Ape Project für eine fragwürdige Tierhaltung eintritt, anstatt die Verbesserungen in Krefeld anzuerkennen und zu unterstützen.

    Besonders bedenklich ist die Tatsache, dass die beiden Affen Bally und Limbo, die die verheerende Brandkatastrophe in der Sylvesternacht 2019/20 überlebt haben, im Wales Ape and Monkey Sanctuary weniger Platz, Zuneigung und professionelle Pflege erhalten als im Zoo Krefeld. Es scheint, als ob das Great Ape Project die Bedürfnisse und das Wohl der Tiere in Krefeld nicht ausreichend berücksichtigt und stattdessen eine fragwürdige Prioritätensetzung vornimmt. Es ist wichtig, dass der Schutz und das Wohl der Tiere an erster Stelle stehen und nicht politische oder ideologische Interessen.

    Kontaktperson des Great Ape Project sitzt im Beirat des WAMS

    Ein interessanter Zusammenhang ergibt sich, wenn man einen Blick auf die Webseite des WAMS wirft. Dort wird Colin Goldner, der als Kontaktperson der Giordano Bruno-Stiftung aufgeführt wird, als Mitglied des Beirats genannt. Diese Verbindung erklärt, warum der deutsche Ableger des Great Ape Project eine so hohe Priorität im WAMS genießt. Obwohl die Unterbringung der Affen im WAMS tierschutzwidrig erscheint, wird sie von Colin Goldner befürwortet.

    Darüber hinaus wird Colin Goldner als CEO des Great Ape Project bezeichnet und sei ein promovierter Verhaltenspsychologe sowie Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Primatologie. Interessanterweise kann jeder, der sich für Primaten interessiert, Mitglied dieser Gesellschaft werden, ohne über grundlegende Kenntnisse oder Fachverstand in Bezug auf Primatenhaltung und -forschung zu verfügen. Goldner selbst hat nie Verhaltenspsychologie im Zusammenhang mit Primaten erforscht und war in diesem Bereich auch nie wissenschaftlich tätig. Sein Doktorgrad bezieht sich auf Psychologie in Verbindung mit asiatischer Kampfkunst. Es bleibt unklar, welche Expertise sich daraus ableiten lässt, um als Primatenexperte zu fungieren.

    Diese Informationen werfen Fragen auf und lassen Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Great Ape Project aufkommen. Es stellt sich die Frage, ob Colin Goldner als Kontaktperson des Projekts tatsächlich die erforderlichen Fachkenntnisse besitzt, um über die Unterbringung und den Schutz von Primaten zu urteilen. Es scheint, dass hier persönliche Verbindungen und Interessen eine Rolle spielen, anstatt sich auf wissenschaftliche Expertise und Tierwohl zu konzentrieren.

    Umgang mit Kritiken und Kontroversen durch das WAMS

    Das Wales Ape and Monkey Sanctuary (WAMS) steht derzeit im Mittelpunkt erheblicher Kritik und Kontroversen. Insbesondere die Tierpflegepraktiken und der Umgang mit Primaten werden stark in Frage gestellt. Experten wie Tom de Jongh und Alison Cronin äußerten ihre Bedenken hinsichtlich des Tierschutzes und bezweifelten sowohl die Praktiken als auch die Kompetenz des Personals im Sanctuary. Es fielen auch Vergleiche zu Zoos, die im Allgemeinen als bessere Tierpflegeanbieter angesehen werden, bei denen die Bedingungen im WAMS als unzureichend für die Tiere eingestuft wurden. Fotos von engen Käfigen und begrenzten Erweiterungen verstärkten diese negativen Bewertungen.

    Besonders problematisch ist jedoch die Art und Weise, wie das Sanctuary auf die Kritik reagiert hat. Statt auf die geäußerten Bedenken einzugehen, griffen sie die Kritiker persönlich an. Diese defensiven Reaktionen haben die Glaubwürdigkeit des WAMS weiter untergraben. Es ist klar, dass eine konstruktive Auseinandersetzung mit den Vorwürfen und eine offene Diskussion darüber, wie die Bedingungen verbessert werden können, dringend erforderlich sind.

    Darüber hinaus hat die Unterstützung von WAMS durch Organisationen, die moderne Zoo-Tierpflege kritisieren, zu weiteren Fragen geführt. Die Inkonsistenz und Unglaubwürdigkeit dieser Unterstützung wird kritisch betrachtet. Es scheint widersprüchlich, dass Organisationen, die sich für verbesserte Tierpflege einsetzen, ein Sanctuary unterstützen, das selbst von Experten stark kritisiert wird.

    Insgesamt zeigen die Kritik und die Kontroversen um das Wales Ape and Monkey Sanctuary die dringende Notwendigkeit einer verbesserten Tierpflege und einer größeren Rechenschaftspflicht im Sanctuary auf. Es ist wichtig, dass das WAMS die Bedenken ernst nimmt, eine offene Diskussion ermöglicht und konkrete Schritte unternimmt, um die Bedingungen für die Tiere zu verbessern. Nur so kann das Sanctuary seine Glaubwürdigkeit wiederherstellen und sicherstellen, dass die Tiere in angemessener Weise versorgt werden.

    wie Glaubwürdig ist das Great Ape Project und Colin Goldner

    Das Great Ape Project ist eine international agierende Organisation, die sich für die Rechte der Menschenaffen einsetzt. Gegründet wurde sie im Jahr 1993 von den Philosophen Peter Singer und Paola Cavalieri. Das Ziel des Projekts ist es, Menschenaffen den Status von „nicht-menschlichen Personen“ zuzuerkennen und ihnen somit grundlegende Rechte wie Freiheit und Schutz vor Folter zu gewähren. Doch wie glaubwürdig ist das Great Ape Project in Deutschland und die Kontaktperson Colin Goldner?

    Das Great Ape Project hat in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen und konnte einige Erfolge verzeichnen. So wurden beispielsweise in einigen Ländern Gesetze erlassen, die den Schutz der Menschenaffen stärken. Zudem hat die Organisation zahlreiche renommierte Wissenschaftler und Prominente als Unterstützer gewonnen. Dies deutet darauf hin, dass das Great Ape Project eine gewisse Glaubwürdigkeit genießt und in der Lage ist, Menschen von seiner Sache zu überzeugen.

    Allerdings gibt es auch Kritiker, die Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Great Ape Project insbesondere in Deutschland und an Colin Goldner äußern. Sie werfen ihm vor, seine persönliche Agenda zu verfolgen und wissenschaftliche Fakten zu ignorieren. Zudem wird kritisiert, dass das Great Ape Project unrealistische Forderungen stellt und sich nicht ausreichend mit den praktischen Herausforderungen des Tierschutzes auseinandersetzt.

    Besonders bedenklich ist die jüngst aufgedeckte Verbindung zwischen dem Great Ape Project und Colin Goldner in Deutschland, der offenbar tierschutzwidrige Unterbringungen und Haltungen von Affen im Wales Ape and Monkey Sanctuary befürwortet. Gleichzeitig übt er Kritik an geplanten Neubauten, die eine artgerechte Unterbringung von Affen im Zoo Krefeld ermöglichen sollen. Diese Erkenntnisse werfen ernsthafte Fragen bezüglich des tierethischen Engagements und der Konsistenz der beteiligten Akteure auf. Es gilt, die Haltung und Pflege von Affen in menschlicher Obhut mit dem höchsten Maß an Tierschutz und moralischer Verantwortung zu gewährleisten.

    Schlussfolgerung

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Wales Ape and Monkey Sanctuary (WAMS) massive Tierschutzverstöße begeht, wie von Besuchern und Experten berichtet wird. Die Kritik an den Zuständen im WAMS wird durch Fotos und Zeugenaussagen bestätigt. Das WAMS reagiert dünnhäutig auf die Kritik und versucht, die Vorwürfe zu entkräften, anstatt die Missstände zu beheben. Es stellt sich die Frage, warum Organisationen wie das Great Ape Project das WAMS als gute Alternative zu Zoos sehen, obwohl die Zustände dort alles andere als tiergerecht sind. Im Vergleich zu modernen Zoos bietet das WAMS keine adäquate Tierhaltung und es fehlt an ausgebildetem Fachpersonal. Es ist wichtig, dass der Schutz und das Wohl der Tiere an erster Stelle stehen und nicht politische oder ideologische Interessen.