Interview mit Philipp Kroiß (28), er ist Chefredakteur bei der Online-Zeitung Zoosmedia

Seit Jahren kämpft er mit seinem Team für den guten Ruf von Zoos, wobei ihm Natur und Artenschutz besonders am Herzen liegen. Er ist der festen Überzeugung, dass Zoos zu den wichtigsten kulturellen Einrichtungen der Moderne gehören. Sie bieten Stadtbewohnern ein Fenster zur Natur und wecken den Sinn für die Schönheit und Komplexität allen Lebens. Philipp, ich freue mich das du dir Zeit genommen ein paar spannende Fragen zu beantworten.

GERATI Redaktion: Philipp, du hast Geschichte und Musikwissenschaft studiert und hättest damit eine Beamtenlaufbahn als Lehrer starten können. Es kam aber anders. Was hat dich daran gereizt, als Chefredakteur bei zoos.media anzuheuern?

Philipp Kroiß: Ja, Lehrer wäre definitiv eine mögliche Laufbahn gewesen, aber eben auch Journalist. Generell gab und gibt es ja viele Wege, Journalist zu werden. Einmal kann man Journalismus selbst studieren, aber eben auch sich über das Studium bestimmter Fächer qualifizieren. Ich habe mich für letzteres entschieden, weil es letztendlich mehr Berufsperspektiven eröffnet.

Zudem qualifizieren Fachstudien sehr differenziert. Die Geschichtswissenschaft beschäftigt sich eben mit der Historie sowie mit Politik, die Musikwissenschaft beschäftigt sich mit Kultur – von der Bühne bis hin zum Film, von der Sinfonik bis hin zur Musik indigener Völker.

Das Thema Zoo ist dem gar nicht so fremd: Einerseits ist Zoo ein Teil von Kultur, andererseits ist der Geschichtsaspekt bei modernen Zoos sehr wichtig. An der Geschichte kann man sehr gut zeigen wie Zoos und Aquarien zu den wichtigen Zentren geworden sind, die sie heute sind. Dazu ist die Geschichtswissenschaft massiv auf Quellen fixiert: Man lernt wie man so etwas auswertet, wie man damit umgeht, was letztendlich das Wesen von seriösem Journalismus ist.

Wie es für Journalisten ganz üblich ist, fing ich schon während meinem Studium entsprechend meinen Fächern anzuschreiben und so stieß ich irgendwann auch auf das Themengebiet Zoos und merkte wie stark und positiv die Artikel zu dem Thema rezipiert wurden und wie gut ich meine im Studium erlernten Kompetenzen einbringen konnte. So wurde dann auch der Chefredakteur von zoos.media, damals noch der Gründer Michael Miersch, auf mich aufmerksam. Meine Artikel wurden erst verlinkt und schließlich bekam ich die Möglichkeit dort mitzuarbeiten. Als Michael Miersch dann in den Beirat wechselte, wurde die Stelle des Chefredakteurs vakant und ich wurde ausgewählt sie zu besetzen.

Die Aufgabe ist für einen jungen Journalisten enorm reizvoll: einmal hat man die Chance ein Projekt mit aufzubauen. Dank des sehr guten Grundstocks an Artikeln, den Michael Miersch zu dem Zeitpunkt schon auf zoos.media veröffentlicht und verlinkt hatte und nachdem wir gemeinsam die Facebook-Präsenz aufgebaut hatten, konnte ich dann zoos.media auf YouTube, Instagram und Twitter bringen, sowie die Webseite umfassend internationalisieren. In leitender Position sowas umsetzen zu können, ist wie ein Sechser im Lotto.

Das wissenschaftliche Arbeiten ist die beste Schule für den Journalismus. Wir haben jeden Tag mit Quellen zu tun und müssen sie auswerten können – das lernt man in wissenschaftlichen Studien, besonders im Bereich der Geisteswissenschaften, sehr gut, weil das dort erlernte wissenschaftliche Arbeiten im Job des Journalisten das tägliche Brot ist.

GERATI Redaktion: Hast du eine Art journalistische Grundausbildung absolviert oder bist du durch „Learning by doing“ in deinen Job reingewachsen?

Philipp Kroiß: So etwas wie eine umfassend anerkannte journalistische Grundausbildung gibt es eigentlich nicht, weil kein Studium einen wirklich darauf vorbereiten kann. Es gibt kein Journalisten-Diplom oder ein Bachelor / Master of Journalism mit echter Bedeutung auf dem Markt – zumindest nicht in Deutschland (in den USA zum Beispiel sehr wohl). Es gibt sogar Kollegen, die weder eine relevante Ausbildung, noch irgendein Studium haben. Das ist auch völlig okay so, weil Freie Presse auch bedeutet, dass es keine Zugangsbeschränkungen zur Ausübung gibt.

Somit wächst jeder da rein und gerade bei Online-Journalismus ist es so. Zu der Zeit von Print-Medien sah das vielleicht noch anders aus, das kann ich nicht beurteilen, denn heute rät einem niemand mehr im Print-Bereich anzufangen. Bis meine Generation in Rente geht, hat Print wahrscheinlich keine Marktrelevanz mehr. Dazu tun sich viele Zeitungen aktuell schwer, sich zu digitalisieren. Die ganze Branche lernt gerade dazu und es ist für jeden irgendwie learning by doing. Es war sicher dabei von großem Vorteil, enorm viel von Michael Miersch gelernt zu haben und ihn heute auch im Beirat zu wissen.

Allerdings hat mich natürlich, wie oben schon dargestellt, mein Studium enorm auf das Handwerk vorbereitet. Das wissenschaftliche Arbeiten ist die beste Schule für den Journalismus. Wir haben jeden Tag mit Quellen zu tun und müssen sie auswerten können – das lernt man in wissenschaftlichen Studien, besonders im Bereich der Geisteswissenschaften, sehr gut, weil das dort erlernte wissenschaftliche Arbeiten im Job des Journalisten das tägliche Brot ist. Somit ist das so eine Art „Grundausbildung“, wenn man so will.

Am Ende ist nur klar was stehen muss: Pro Tag haben wir normalerweise zwei oder mehr Facebook-Posts, zwei oder mehr Twitter-Posts und einen Instagram-Post.

Webseite: zoos.media

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GERATI Redaktion: Wie darf man sich den Alltag deiner Arbeit bei zoos.media vorstellen? Beschreibe mal einen normalen Arbeitstag.

Philipp Kroiß: Sehr gerne: der klassische Tag bei zoos.media ist im Homeoffice. Dabei gibt es dann gewisse Aufgabengebiete, die man bewältigen muss. Das ist das Content-Producing, die Recherche und die Interaktion. Das Erste betrifft zum Beispiel das Schreiben von Artikeln oder das Schneiden von Videos und das Zweite bereitet genau so etwas vor. In den Interaktionen geht es dann um Kommunikation mit den Zoos und Verbänden, aber auch mit unseren Followern – etwa Mails und Kommentare beantworten.

Die Verteilung ist jeden Tag unterschiedlich und ich kann es alles immer so flexibel organisieren, dass ich auch bedarfsgerecht reagieren kann. Daher ist jeder Tag unterschiedlich. Am Ende ist nur klar was stehen muss: Pro Tag haben wir normalerweise zwei oder mehr Facebook-Posts, zwei oder mehr Twitter-Posts und einen Instagram-Post. Auf der Webseite sind es pro Tag 1–3 neue Beiträge und pro Woche veröffentlichen wir auf YouTube zwei neue Videos.

Dann gibt es noch die Drehtage. Da gehen wir in die Zoos selbst und schauen quasi hinter die Kulissen, um neue Videos und Fotos machen zu können. Das geht natürlich nicht im Homeoffice, sondern da sind wir meist zu zweit vor Ort, um verschiedene Videos realisieren zu können. Hier freuen wir uns immer über die gute Zusammenarbeit mit den Zoos, die uns transparent und engagiert Türen öffnen.

GERATI Redaktion: Die zoos.media Beiträge werden in drei Sprachen veröffentlicht (Deutsch, Englisch und Spanisch), das garantiert eine große Reichweite. Wer kümmert sich bei euch um die Übersetzung ins Englisch und Spanische?

Philipp Kroiß: Wie eben schon angedeutet, ist zoos.media keine One-Man-Show – das sieht auch jeder sofort. Das liegt aber nicht nur an unseren Beirat, zu dem wir vielleicht noch später kommen, sondern auch an der Redaktion. Dort sind wir ein Team aus drei Personen. Eine Mitarbeiterin spricht diese drei Sprachen flüssig und gut und hilft besonders mit den Übersetzungen auf der Webseite.

Manche Artikel habe ich aber auch selbst übersetzt und manche schreibe ich direkt auf Englisch, weil die Sprache etwa Priorität hat, wenn es etwa um ein Thema geht, das eher englischsprachige Leser betrifft. Das habe ich zum Beispiel in Bezug auf „Tiger King“ mal gemacht, aber auch als es um Koalas in Australien ging, wobei die Artikel auch in Kooperation mit einem englischsprachigen Experten entstanden. Ich bin aber sehr froh, dass ich diese Unterstützung bekomme und wir uns auch in diesem Bereich vergrößern.

Mit meinen weniger als 30 Jahren kann man natürlich gar nicht so viel Erfahrung und Wissen anhäufen wie jemand, der länger wissenschaftlich arbeitet als ich auf der Welt bin.

GERATI Redaktion: Auf deiner Homepage sind in der Rubrik „Beirat“ anerkannte Zootierärzte, Verhaltensforscher, Verhaltensbiologen, Buchautoren, usw. aufgeführt. Inwiefern unterstützen diese Experten deine Arbeit?

Philipp Kroiß: Wir sind in ständigem Austausch über die Weiterentwicklung und Ausrichtung von zoos.media. Gerade im Bereich der fachlichen Beratung bin ich natürlich sehr froh und dankbar auch immer auf diese immense Expertise zurückgreifen zu können. Gerade Erfahrung spielt natürlich auch bei solchen neuen Projekten eine Rolle – gerade auch im Bereich spezieller Fragen und Vorgänge.

Mit meinen weniger als 30 Jahren kann man natürlich gar nicht so viel Erfahrung und Wissen anhäufen wie jemand, der länger wissenschaftlich arbeitet als ich auf der Welt bin. Gerade auch im Bereich Zoos ist es natürlich ein besonderer Erfahrungsschatz, wenn Leute wirklich dabei waren, wie sich Zoos weiterentwickelt haben.

GERATI Redaktion: Für den zoos.media YouTube Channel begibst du dich für Drehtermine schon mal auf Reisen. Was war für dich das beeindruckendste Erlebnis beim Filmen?

Philipp Kroiß: Ich glaube, es gibt nicht das beeindruckendste Erlebnis schlechthin, das man in einem Moment wirklich festmachen kann. Im Zoo ist ja gerade die Entwicklung das Beeindruckende. Wenn man zum Beispiel sieht wie sich dieses viel zitierte Band aus Liebe und Respekt zwischen etwa einem Delfin, ob jetzt Orca, großer Tümmler oder auch einem anderen Wal, wie einem Beluga, entwickelt und zeigt, ist das beeindruckend.

Generell sind es diese Momente – wenn man zum Beispiel wie gerade beobachten kann wie sich Delfinbaby Robin im Loro Parque von einem kleinen faltigen, grauen, unkoordinierten Etwas zu so einem prächtigen Delfin entwickelt, ist das etwas sehr Besonderes. Delfine kommen ja ziemlich hilflos auf die Welt und man kann ihnen stündlich beim Lernen zuschauen – zuerst von ihrer Mutter, dann kommen die Trainer dazu. Wenn man dann sieht, wie er schon springt wie ein Profi und ein paar Monate vorher war er noch nicht mal geboren – das ist auch sehr beeindruckend.

Neben den Tieren beeindrucken aber natürlich auch die Menschen. Wie etwa Trainer bei den Delfinen, aber auch die zahlreichen Tierpfleger. Wir haben ja etwa den kleinen Hujan im Krefelder Zoo begleitet, was bei den Leuten super angekommen ist, weshalb ich auch dieses Beispiel mal herausnehme, weil es vermutlich die meisten kennen – ich könnte unzählige weitere nennen, weil so viel großartige Arbeit geleistet wird. Wenn man aber eben live sieht, was so ein ganzes Team im Zoo auf sich nimmt, damit dieser kleine Hoffnungsträger einer ganzen Art einen guten Start ins Leben bekommt, das ist definitiv auch beeindruckend.

Für mich persönlich ist der Loro Parque durch sein immenses Artenschutz-Engagement und natürlich seinen herrlichen Tierbestand sehr besonders. Das findet man eben auf der Welt tatsächlich nirgendwo anders.

GERATI Redaktion: Zoos.media pflegt eine besonders enge Kooperation mit dem Loro Parque auf Teneriffa, welcher als „Der beste Zoo der Welt“ gilt. Was macht den Loro Parque für dich so besonders?

Philipp Kroiß: Der Begriff „eng“ ist immer etwas anderes bei jedem Menschen, daher kann ich das gar nicht so klar bejahen. Der Loro Parque hat zoos.media von Beginn an insofern unterstützt, dass er Beiträge von uns geteilt hat, auf unsere Seite verlinkt und uns so einer breiten Öffentlichkeit ans Herz gelegt hat. Weil er zu diesem Zeitpunkt der einzige Zoo war, der das getan hat, hat er deshalb eine besondere Würdigung in unserem Impressum bekommen.

Leider merken wir aber auch, dass diese Formulierung zu Missverständnissen führt und dass diese Unterstützung etwa mit einem Sponsoring oder ähnlichem verwechselt wird. Zudem sehen wir, dass inzwischen auch viele andere Zoos unsere Inhalte verlinken und teilen, weshalb diese Sonderstellung in der Form nicht mehr so gegeben ist. Daher arbeiten wir gerade an einer Umstellung dieser Formulierung und diskutieren verschiedene Optionen.

Davon unabhängig ist natürlich, dass der Loro Parque eben als der beste Zoo der Welt gilt. Dazu haben ihn ja nicht nur die Reisenden durch eine Wahl bei der App Trip Advisor gemacht. Für mich persönlich ist der Loro Parque durch sein immenses Artenschutz-Engagement und natürlich seinen herrlichen Tierbestand sehr besonders. Das findet man eben auf der Welt tatsächlich nirgendwo anders. Rund zehn ganze Arten gerettet zu haben, ist ein sehr besonderes Verdienst und das ist ja auch erste die Spitze des Eisbergs.

Allerdings hat jeder Zoo natürlich seine Besonderheiten und ich freue mich immer, in einen modernen, akkreditierten und/oder zertifizierten Zoo zu gehen. Man findet immer was Besonderes und es ist dann natürlich nochmal schöner, darüber dann auch zu berichten.

Die süßen Schwarzfußiltisse, die wilden Przewalskipferde und die majestätischen Kalifornischen Condore sind nur drei Arten, die schon für alle Zeit verloren wären, wenn Zoos sie nicht gerettet hätten.

Wenn es jetzt nicht schon Zoos und Aquarien geben würde, müsste man sie schleunigst erfinden, denn ohne sie wird man das Aussterben vieler Arten nicht verhindern können.

GERATI Redaktion: Anti-Zoo-Initiativen versuchen die Arbeit von Zoos auf alle erdenklichen Arten in ein schlechtes Licht zu rücken. Allem voran die radikale Tierrechtsorganisation Peta. Kannst du als Mann vom Fach den Herrschaften von Peta mal erklären, warum Artenschutzprojekte, die Zoos betreiben, wichtig und richtig sind?

Philipp Kroiß: Nun, ich denke nicht, dass Peta sich das von mir erklären lassen würde. Man erlebt ja leider immer wieder Hetze gerade von dieser Seite. So habe ich etwa einen großen Artikel über den Delfin Annessa gebracht, da Peta das Tier zum Thema machte und schlicht eine Lügengeschichte über das Tier erzählte, die gegen Delfinarien gerichtet war. Für meinen Blog auf Huffington Post habe ich dann mit den Experten vor Ort gesprochen, die Annessa wirklich kannten und die wahre Geschichte dargestellt, weshalb es dann Anfeindungen gab, statt ein Eingeständnis der Wahrheit.

Daher zweifle ich etwas daran, dass Peta-Funktionäre mir zuhören würden, weil sie ja auch schon jahrzehntelang erfolgreich das Ignorieren, was die Wissenschaft zum Thema Tierwohl und ähnlichen Themen sagt. Aus dem Grund habe ich es etwas aufgegeben, Peta überzeugen zu wollen, aber es gibt leider viele Tierfreunde, die eben sehr wohl ein offenes Ohr haben und vielleicht auf Peta hereingefallen sind.

Diese eigentlich wohlmeinenden Menschen sind sich gar nicht darüber im Klaren, dass sie den Tieren, denen sie eigentlich helfen wollen, durch die Unterstützung von Tierrechtsorganisation nicht nur nicht nützen, sondern sie Tierwelt und Natur sogar enorm schaden. Die mit den Spenden gutgläubiger Tierfreunde finanzierten Kampagnen radikaler Tierrechtsaktivisten richten sich oftmals ausgerechnet gegen die modernen Zoos und Aquarien, die sich nicht nur mit großer Liebe und Respekt um die Tiere in ihrer Obhut kümmern, sondern die sich mit ihrer ganzen Expertise und großem Engagement für den Natur- und Artenschutz in situ einsetzen. Daher richte ich mein Wort sehr gerne auch an Natur- und Tierfreunde.

Die Wichtigkeit solcher Projekte sieht man blitzschnell am Ergebnis: die süßen Schwarzfußiltisse, die wilden Przewalskipferde und die majestätischen Kalifornischen Condore sind nur drei Arten, die schon für alle Zeit verloren wären, wenn Zoos sie nicht gerettet hätten. Im Bereich der Fische haben wir zum Beispiel im Aqazoo Löbbecke Museum in Düsseldorf Arten vorgestellt, die auch ausgestorben wären, wenn es nicht engagierte Tierhalter und Zoos gegeben hätte, die sie gerettet hätten.

Das sind Ergebnisse, die wir aber nicht nur in der Zukunft auch benötigen, sondern noch viel mehr brauchen werden. Arten rettet man aber nicht mal eben so, sondern das dauert Jahre bis Jahrzehnte und immer mehr Arten sind bedroht. Wenn es jetzt nicht schon Zoos und Aquarien geben würde, müsste man sie schleunigst erfinden, denn ohne sie wird man das Aussterben vieler Arten nicht verhindern können. Das ist auch keine Frage von Überzeugung oder Ideologie, sondern das zeigen uns die Fakten und Daten sehr deutlich.

In der Tierrechtsindustrie geht es um viel Geld und die Wahrheit hat schon immer unseriöse Praktiken gefährdet. Daher wird man als Journalist eben auch mal attackiert, wenn man die Wahrheit kommuniziert.

GERATI Redaktion: Deine Aufklärungsarbeit wird auch vom Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) torpediert. Der gemeinnützige Verein hat mal ziemlich scharf gegen deine Person geschossen. Kennst du das Gefühl von Frust und die Angst gegen Hetze und Verleugnung am Ende doch nichts bewegen zu können?

Philipp Kroiß: Mich frustrieren solche Verleumdungen von Tierrechtlern nicht. Als Journalist gehört das zum täglichen Brot – leider! Das trifft heute sehr viele Kollegen und dem stellt der Rechtsstaat auch kaum etwas entgegen, was sicher ein Problem ist. Das Projekt zoos.media entzaubert eben Lügen der Tierrechtsindustrie und wir haben bezüglich des WDSF vieles nachweisen können, was nicht gestimmt hat.

Dass so eine Organisation dann so eine Seite aufsetzt, ist vielleicht sogar nachvollziehbar, wenn auch schlicht unseriös. Ich wähne mich dabei aber in sehr guter Gesellschaft, weil ja aus Tierrechtskreisen enorm viel gehetzt wird – auch gegen wahre Ikonen der Wissenschaft. Allerdings finde ich das nicht frustrierend, denn wenn man als Journalist natürlich Dinge enthüllt und diesen Weg beschreitet, wird es immer Hater geben – das erleben ja viele Leute heutzutage.

Daher bin ich ganz entspannt. Jeder erkennt die Hetz-Absicht solcher Seiten ja sofort und auch die haltlosen Anschuldigungen. Die lassen sich ja alle auch spielend leicht widerlegen und jeder erkennt schnell die Beweggründe. Reichweite aber bringt das heute mit sich, dass es eben auch Hater gibt. Das war auch Teil der „Grundausbildung“, die wir erwähnten, dass so etwas passieren könnte. In der Tierrechtsindustrie geht es um viel Geld und die Wahrheit hat schon immer unseriöse Praktiken gefährdet. Daher wird man als Journalist eben auch mal attackiert, wenn man die Wahrheit kommuniziert.

Auch wir kritisieren, allerdings konstruktiv und fundiert und nicht destruktiv und abstrus.

GERATI Redaktion: Manche Kritik an Zoos ist durchaus berechtigt, gibst du unumwunden zu. Wo besteht deiner Meinung nach der größte Verbesserungsbedarf?

Philipp Kroiß: Ganz genau, denn zoos.media behauptet ja nicht, dass alles perfekt wäre. Auch wir kritisieren, allerdings konstruktiv und fundiert und nicht destruktiv und abstrus. Es gibt diese Sub-Standard-Zoos überall auf der Welt – auch, weil man sich meist jeder einfach „Zoo“ nennen kann.

Vielleicht ist das aber auch der größte Verbesserungsbedarf an sich: dafür zu sorgen, dass Leute, die in eine Einrichtung gehen, die Zoo heißen, eben auch gewisse Standards erwarten können. In Europa ist das ja so ein wenig durch die Zoorichtlinie möglich und man versucht es ja auch durch die Akkreditierung der Zooverbände und etwa die dritt-parteiliche Zertifizierung umzusetzen. Allerdings setzt sich das noch nicht wirklich in der Bevölkerung durch.

Es gibt leider selbst hierzulande noch einige wenige „schwarze Schafe“. Wobei es bezeichnend ist, dass die Tierrechtsindustrie nicht gegen diese, eher wenig bedeutenden Einrichtungen, die es mit dem Tierwohl leider nicht immer allzu genau nehmen, protestiert, sondern bevorzugt – und grundlos – gegen die wirklich gut geführten renommierten modernen Zoos. Denn davon erhoffen sie sich mehr Spendeneinnahmen fehlinformierter Tierfreunde.

Eine quasi ausgerottete Art wie die Addax-Antilope allerdings wieder „fit“ zu machen, um es mal darwinistisch auszudrücken, braucht sehr viel Arbeit über Jahrzehnte und ist hochkomplex. Daher sind sogar die oft genannten 50 Arten schon in der verhältnismäßig kurzen Zeit eine riesige Leistung, aber es sind in Wahrheit noch viel mehr.

GERATI Redaktion: Wenn, ich richtig Informiert bin, wurden durch spezielle Erhaltungs-Zuchtprogramme in Zoos auch schon Tierarten vor der endgültigen Ausrottung bewahrt. Gebe uns mal einen Einblick was hier schon alles erreicht wurde.

Philipp Kroiß: Man geht klassisch von rund 50 Arten aus, die von Zoos gerettet wurden. Das Konzept des modernen Zoos gibt es ungefähr seit Hediger – also Mitte des letzten Jahrhunderts. Drei dieser Arten habe ich ja auch schon genannt, aber einige weitere sind auch noch gar nicht in dieser klassischen Zählung enthalten. Dazu kommen natürlich auch noch Arten, die indirekt gerettet worden sind.

Man kann eine Art übrigens nicht isoliert schützen, weil sie auch nicht isoliert lebt. Das heißt, wenn man etwa die Addax, gerne auch „weiße Antilope“, besonders im angloamerikanischen Sprachraum, genannt, schützt, was der Erlebnis-Zoo Hannover mit ganz herausragendem Erfolg zum Beispiel tut, schützt man nicht nur diese eine Art. Die Pflanzenfresser brauchen Nahrung, also schützt man die Pflanzenarten, die ja nicht exklusiv für die Antilopen wachsen, sondern von denen auch andere Arten profitieren. Umgekehrt hilft auch die Addax-Antilope der Pflanzenvielfalt, weil sie zu Weiterverbreitung von Pflanzensamen wesentlich beiträgt. Man bewahrt durch den Schutz der Addax natürlich auch die Beutegreifer, die wiederum von der Addax-Antilope leben. Diese sind wichtig für das ökologische Gleichgewicht des gesamten Ökosystems, wovon auch noch zig andere Arten profitieren. Solche Programme selbst funktionieren nach dem sogenannten „One Plan Approach“ – man schützt also sowohl im Lebensraum (in situ), als auch außerhalb des Lebensraumes dieser Art (ex situ). Eine quasi ausgerottete Art wie die Addax-Antilope allerdings wieder „fit“ zu machen, um es mal darwinistisch auszudrücken, braucht sehr viel Arbeit über Jahrzehnte und ist hochkomplex. Daher sind sogar die oft genannten 50 Arten schon in der verhältnismäßig kurzen Zeit eine riesige Leistung, aber es sind in Wahrheit noch viel mehr.

GERATI Redaktion: Um heutzutage Veränderungen herbeiführen zu können, ist es nicht von Nachteil Politiker für seine Ziele zu begeistern. Habt ihr von zoos.media diesbezüglich schon Erfolge feiern können?

Philipp Kroiß: Es ist nicht die klassische Ausrichtung eines Medienprojektes, Politiker zu begeistern – das wäre dann eher die Aufgabe einer Lobbyorganisation, die wir aber nicht sind. Allerdings kommt man als journalistisches Medium natürlich ganz automatisch einfach auf das „Radar“ der Politik, weil wir natürlich auch über Politik berichten.

Viele Themen, die mit Zoos zu tun haben, sind einfach auch politisch. So waren wir zum Beispiel auf einem parlamentarischen Abend, über den wir auch berichtet haben, aber sind da natürlich nicht zu Gast als Werber für die Zoos, sondern als diskrete Beobachter und reichweitenstarke journalistische Plattform, die aber eben auch ausgewogen berichtet. Gerade wir haben ja auch schon offen zoologische Einrichtungen und Zoofunktionäre fundiert und sachlich kritisiert.

Ein Dialog mit Leuten, die aber jede Form der Tierhaltung ohnehin beenden wollen, ist Zeitverschwendung und da frisst ein Dialog nur Ressourcen. Daher ist ganz klar: Dialoge immer gerne, aber eben konstruktive und die haben wir auf zoos.media schon nicht selten geführt.

GERATI Redaktion: Im Moment ist es ja eher so, dass Zoogegner und Zoobefürworter übereinander reden, statt miteinander zu diskutieren. Glaubst du, dass Dialog in Zukunft möglich sein wird?

Philipp Kroiß: Dialog ist ja immer möglich, die Frage ist aber eben wie er geführt wird. Ein solcher Dialog lebt ja aber auch von differenzierten Positionen. Warum soll man etwa mit Tierrechtlern großartig in den Dialog treten, die quasi-religiös eine Ideologie vertreten, die es ihnen verbietet für Tierhaltung zu sein? Das Ziel der Tierrechtsindustrie ist ja das Abwickeln der Tierhaltung, aber nur dank Tierhaltung können wir Arten retten. Hier macht Dialog, wirklich keinen Sinn.

Wir erleben ja sogar wie Arten gerettet werden, die gar nicht gehalten werden, weil aber andere, nahe verwandte Arten erfolgreich gepflegt und gerettet werden. Berggorillas sind so ein Beispiel: Weil westliche Flachlandgorillas in Zoos weit verbreitet sind, konnten grandiose Projekte realisiert werden – ohne den Columbus Zoo hätte man die Gorilla-Unterart des Berggorillas wohl nicht retten können, denn die haben geniale Arbeit geleistet. Dazu gibt es die Gorilla Doctors, die verschiedenen Unterarten in der Natur medizinisch helfen, auch nur, weil es veterinärmedizinische Erfahrung aus den Zoos gibt, wo sie sich ausbilden lassen.

Eine andere Art ist der Gelbohrsittich – eine Art, die der Loro Parque gerettet hat. Zu der gibt es zwar keine Ex-Situ-Population, allerdings wäre ohne die Pflege anderer Papageien in Menschenobhut, die ja das Rückgrat des Loro Parque bilden, nie die vielen Conservation Dollars zusammengekommen, um alles Notwendige zu unternehmen, dass diese Art eine Zukunft hat. Deswegen halten Zoos auch nicht unbedingt immer alle Arten eines Ökosystems, was ja auch gar nicht möglich wäre. Aber die „Stellvertreter“-Arten, die sie halten, versetzen Artenschützer in die Situation auch andere Arten zu retten, ohne dass sie in menschlicher Obhut gepflegt werden. Deswegen wäre es ohne die Haltung von Wildtieren in modernen Zoos nicht möglich gewesen, die Situation der Berggorillas oder der Gelbohrsittiche zu verbessern.

Sehr wohl aber gibt es aber auch berechtigte Kritik an Zoos und hier sollte man Dialoge führen – ganz klar. Besonders, wenn sich diese Kritiker dann von etwa der Tierrechtsindustrie vor den Karren spannen lassen. Das muss man sehr kritisch sehen und miteinander reden. Ein Dialog mit Leuten, die aber jede Form der Tierhaltung ohnehin beenden wollen, ist Zeitverschwendung und da frisst ein Dialog nur Ressourcen.

Wir sehen es bei SeaWorld: die gingen auf die Tierrechtsindustrie fälschlicherweise zu und fällten falsche Entscheidungen. Die Kooperation und der Dialog mit der Tierrechtsindustrie hat das Unternehmen jetzt in einen Negativstrudel gezogen. Leidtragende davon sind die Tiere – zum Beispiel die Orcas stehen langfristig unter Kontrazeptiva, die nur für kurzzeitige Applikation vorgesehen sind – und die Menschen, die für diese Tiere arbeiten, werden entlassen. Nun in der Coronakrise wissen die, die nicht entlassen wurden, nicht einmal, inwiefern sie überhaupt eine Zukunft haben. Soweit ich weiß, sind rund 90 % der Bediensteten von SeaWorld aktuell, also zum Zeitpunkt, an dem ich das schreibe, im Zwangsurlaub.

Allerdings sieht man es auch an anderen Beispielen: Thomas Cook hat auch einen ähnlichen ideologischen Ausverkauf an die Tierrechtsindustrie gestartet. Man wollte zum Beispiel keine Karten mehr für Zoos mit Walen verkaufen. Dieses Versprechen an die Tierrechtsindustrie konnte Thomas Cook allerdings gar nicht einlösen, weil sie bereits Pleite waren, bevor diese angekündigte, neue Policy in Kraft trat. Daher ist ganz klar: Dialoge immer gerne, aber eben konstruktive und die haben wir auf zoos.media schon nicht selten geführt.

Wenn man da gerade in die USA schaut, wird es teilweise sehr, sehr gruselig, weil diese schlechten Tierhaltungen in den Tierrechtlern Verbündete gefunden haben und ihre miese Haltung so eifrig greenwashen können.

GERATI Redaktion: Aktuell läuft bei Netflix die Doku-Serie „Tiger King“. Hier tritt auch die bekannte Tierrechtlerin Carole Baskin auf. Sie betreibt das Big Cat Rescue, eine Art Gnadenhof für Großkatzen. Wie beurteilst du die Arbeit von Carole Baskin?

Philipp Kroiß: Nun, zum Big Cat Rescue muss man sich ja nur die Fakten anschauen, die wir auf zoos.media geteilt haben. Die schlechte Haltung dort ist ja schon häufig aufgefallen und dieser Umstand hat nun dank Netflix ein größeres Publikum bekommen. Ich denke, dass muss ich gar nicht persönlich bewerten, weil die Fakten eine so klare Sprache sprechen, dass es jedem Tierfreund den Magen umdreht.

Gerade in Bezug auf die Sanctuary-Industrie recherchiere ich schon länger und, was „Tiger King“ zum Thema Big Cat Rescue beschreibt ist kein Einzelfall. Diese Sanctuarys sind keine Gnadenhöfe, es sind Endlager für Tiere. Zahlreiche Tiere, ob es nun die Großkatzen dort oder die Elefanten etwa im TES sind, warten in artwidrigen Umständen auf einen meistens bemerkenswert rasch eintretenden Tod, der nicht selten auch an schlechter Pflege liegt.

Wenn man da gerade in die USA schaut, wird es teilweise sehr, sehr gruselig, weil diese schlechten Tierhaltungen in den Tierrechtlern Verbündete gefunden haben und ihre miese Haltung so eifrig greenwashen können. Man muss sich ja nur mal diesen einen Interview-Moment anschauen, in dem Baskin vor einem Löwen im Minikäfig steht. Die grausame Ironie ist ja, dass uns die Tierrechtsindustrie das als die bessere Version von Zoos verkaufen will.

Dadurch, dass tierliebe Spendern durch zum Beispiel Tierrechtsorganisationen aufs Glatteis geführt werden, geht den wirklich seriösen Tier-, Natur- und Artenschützern viel Geld verloren.

GERATI Redaktion: Wenn Zoo-freundliche User das Bedürfnis haben sich durch Geldspenden an Artenschutzprojekten zu beteiligen, wohin können sie guten Gewissens spenden?

Philipp Kroiß: Es macht immer Sinn, mit seriösen Zoos in Kontakt zu treten, da sie eben wirklich aktiven Artenschutz betreiben. Da kann man dann auch am ehesten überprüfen, ob das Geld auch ankommt. Zudem können die Zoos mit dem Geld dann auch Partner-Projekte direkt unterstützen. Man kann sich auch selbst in Fördervereinen engagieren. Der Vorteil ist einfach, dass man selbst auch dabei sein kann. Wenn man an irgendwelche Projekte, die vielleicht klangvolle Namen haben, spendet, weiß man selten, was jetzt genau wo ankommt. Wenn man aber etwa die Patenschaft für ein Tier im Zoo übernimmt, sieht man, wo das Geld hingeht, genauso kann man an Artenschutztagen in Zoos wirklich ins Gespräch mit verschiedenen Organisationen kommen.

Man sollte halt nicht einfach spenden, weil es sich gut anhört. Gerade im Tierbereich wird so viel mit emotionalen Bildern versucht zu überzeugen – darauf darf man eben nicht hereinfallen. Dadurch, dass tierliebe Spendern durch zum Beispiel Tierrechtsorganisationen aufs Glatteis geführt werden, geht den wirklich seriösen Tier-, Natur- und Artenschützern viel Geld verloren.

GERATI Redaktion: Kommen wir zur letzten Frage. Philipp, hast du für die Zukunft noch andere berufliche Pläne?

Philipp Kroiß: Nun, zoos.media soll natürlich immer größer werden. Ich bin dem Projekt natürlich in besonderer Weise verbunden. Es macht mir große Freude jeden Tag daran zu arbeiten, dass wir uns als Projekt verbessern und immer mehr Menschen erreichen. Zudem fühle ich mich im Team selbst sehr wohl – ich denke, wir arbeiten da auch sehr produktiv zusammen und ziehen alle an einem Strang.

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