Was im März 2026 mit einem gestrandeten Buckelwal vor Timmendorfer Strand begann, hat sich innerhalb weniger Monate zu einem politischen und strafrechtlichen Vorgang entwickelt. Gegen Sven Partheil-Böhnke, Bürgermeister von Timmendorfer Strand, ermitteln Staatsanwaltschaft, Polizei und Staatsschutz. Im Mittelpunkt stehen E-Mails, in denen der YouTuber Robert Marc Lehmann massiv angegriffen worden sein soll, sowie die Erklärung des Bürgermeisters, diese Nachrichten nicht selbst verfasst zu haben. Partheil-Böhnke behauptet, sein E-Mail-Account beziehungsweise sein Mobiltelefon seien gehackt worden – und genau diese Darstellung ist mittlerweile selbst Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen.
Besonders brisant ist, dass die Gemeinde den behaupteten Hackerangriff bereits forensisch untersuchen ließ. Das Ergebnis lag nach Medienberichten Anfang Juni vor und wurde im nicht öffentlichen Teil des Hauptausschusses behandelt, der Öffentlichkeit jedoch bislang nicht mitgeteilt. Gleichzeitig ist der Bürgermeister inzwischen „bis auf Weiteres“ krankgemeldet, während zentrale Fragen zur Herkunft der E-Mails und zum angeblichen Fremdzugriff offenbleiben. Aus einer ungewöhnlichen Walrettung ist damit eine politische Affäre geworden, bei der am Ende möglicherweise weniger die Ereignisse am Strand als digitale Spuren und technische Gutachten entscheidend sein werden.
Wie alles mit dem Buckelwal „Timmy“ begann
Am 23. März 2026 wurde vor Niendorf beziehungsweise Timmendorfer Strand ein Buckelwal auf einer Sandbank entdeckt. Feuerwehr, Polizei, Gemeinde und verschiedene Fachleute versuchten, das Tier wieder in tieferes Wasser zu bekommen, wobei unter anderem schwere Baumaschinen eingesetzt wurden und eine Rinne ausgehoben wurde. Schließlich gelang es dem Wal, sich von der Sandbank zu lösen, was zunächst als Erfolg der Rettungsaktion gewertet wurde. Die gesamte Aktion erregte bundesweit Aufmerksamkeit und wurde von zahlreichen Medien sowie über soziale Netzwerke verfolgt.
Einer der sichtbarsten Beteiligten war Robert Marc Lehmann, der als Walexperte, Kameramann und reichweitenstarker Influencer nach Timmendorfer Strand reiste und sich in die Diskussion über das weitere Vorgehen einbrachte. Lehmann wollte erst dann von einer erfolgreichen Rettung sprechen, wenn der Wal tatsächlich gesund in den Atlantik zurückgekehrt sei, während Bürgermeister Partheil-Böhnke das Freikommen des Tieres deutlich positiver bewertete. Später wurde bekannt, dass die Aktion rund 40.000 Euro gekostet haben soll und das Land Schleswig-Holstein Unterstützung bei der Finanzierung zugesagt hatte. Allein aus dieser Summe lässt sich allerdings kein strafrechtlicher Vorwurf ableiten, denn ein außergewöhnlicher Einsatz mit Personal, Behörden und schwerem Gerät kann zwangsläufig erhebliche Kosten verursachen.
Der Streit zwischen Lehmann und dem Bürgermeister
Nach der Rettungsaktion verschärfte sich der Konflikt zwischen Sven Partheil-Böhnke und Robert Marc Lehmann deutlich. Der Bürgermeister stellte Lehmanns fachliche Einschätzungen öffentlich infrage und erklärte sinngemäß, dieser habe sich nicht als der erhoffte Experte erwiesen und sich während der Aktion stark auf seine mediale Darstellung konzentriert. Damit ging es zunehmend nicht mehr nur darum, welche Rettungsstrategie für den Wal richtig gewesen wäre, sondern auch um die Person Lehmann selbst. Aus einer fachlichen Auseinandersetzung entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit ein persönlicher Streit, der über soziale Netzwerke und Medien immer weiter eskalierte.
Dabei darf allerdings nicht der Eindruck entstehen, sämtliche Kritik an Lehmann sei ausschließlich vom Bürgermeister ausgegangen. Auch Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung geriet während des Einsatzes mit Lehmann beziehungsweise dessen Team aneinander, unter anderem wegen des Einsatzes einer Drohne in der Nähe des geschwächten Tieres. In später veröffentlichtem Material wurde deutlich, dass sogar ein möglicher Ausschluss Lehmanns aus dem beteiligten Verband thematisiert wurde. Diese Vorgeschichte ist für die Bewertung wichtig, weil sie zeigt, dass Lehmann während der Rettungsaktion selbst keineswegs unumstritten war und es bereits unabhängig vom Bürgermeister fachliche und organisatorische Kritik an seinem Auftreten gab.
Dann tauchen die brisanten E-Mails auf
Im April bekam der Konflikt eine völlig neue Qualität, als E-Mails bekannt wurden, die unter dem Namen beziehungsweise über Kommunikationsmittel des Bürgermeisters verschickt worden sein sollen. Darin wurde Robert Marc Lehmann nicht mehr lediglich fachlich kritisiert, sondern massiv persönlich angegriffen. Die Lübecker Nachrichten berichteten zunächst über eine Nachricht, in der Lehmann unter anderem Hochstapelei vorgeworfen und seine fachliche Kompetenz infrage gestellt wurde, später meldeten sich weitere Bürger mit zusätzlichen E-Mails. Damit stand plötzlich nicht mehr nur eine einzelne möglicherweise missverständliche Nachricht im Raum, sondern eine größere Zahl von Schreiben.
Partheil-Böhnke bestritt, diese Nachrichten verfasst zu haben, und erklärte, rund 30 E-Mails seien ohne sein Zutun unter seinem Namen verschickt worden. Nach seiner Darstellung waren sowohl ein Account als auch sein Mobiltelefon betroffen, sodass er von einem Hackerangriff ausging. Gerade diese Erklärung veränderte die Dimension des Falls erheblich, denn ein tatsächlicher Fremdzugriff auf Kommunikationsmittel eines Bürgermeisters beziehungsweise einer kommunalen Verwaltung wäre selbst ein ernst zu nehmender Sicherheitsvorfall. Sollte dagegen niemand unbefugt Zugriff auf diese Systeme gehabt haben, stellt sich zwangsläufig die Frage, woher die Nachrichten tatsächlich kamen und warum öffentlich ein Hackerangriff als Erklärung genannt wurde.
Staatsanwaltschaft prüft den behaupteten Hackerangriff
Am 24. Juli 2026 bestätigte die Staatsanwaltschaft Lübeck einen Anfangsverdacht gegen Sven Partheil-Böhnke wegen des Vortäuschens einer Straftat. Die Ermittler untersuchen damit ausdrücklich nicht nur, wer die beleidigenden E-Mails geschrieben hat, sondern auch, ob der behauptete Hackerangriff überhaupt stattgefunden hat. Sollte tatsächlich ein Dritter unbefugt auf das Telefon oder einen E-Mail-Account des Bürgermeisters zugegriffen haben, wäre Partheil-Böhnke in diesem Punkt selbst Opfer einer Straftat. Sollte sich dagegen ergeben, dass es einen solchen Angriff nicht gab und dennoch bewusst der Eindruck eines Fremdzugriffs erweckt wurde, könnte daraus wiederum eine eigene strafrechtliche Relevanz entstehen.
Nach Medienberichten erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Peterlein, der Verdacht beruhe unter anderem auf der Möglichkeit, dass Partheil-Böhnke wahrheitswidrig angegeben habe, fremde Personen hätten Zugriff auf sein E-Mail-Konto erhalten. Parallel dazu läuft ein eigenständiges Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Beleidigung, bei dem geklärt werden muss, wem die betreffenden Nachrichten tatsächlich zugerechnet werden können. Das Verfahren entstand damit nicht allein deshalb, weil Robert Marc Lehmann öffentlich Vorwürfe erhoben hat, sondern weil die Ermittlungsbehörden offenbar selbst genügend tatsächliche Anhaltspunkte für eine Prüfung sahen. Für Partheil-Böhnke gilt selbstverständlich weiterhin die Unschuldsvermutung.
Warum auch der Staatsschutz beteiligt ist
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte die Beteiligung des Staatsschutzes, die auf den ersten Blick besonders spektakulär wirkt. Im Zusammenhang mit dem behaupteten Hackerangriff auf Kommunikationsmittel eines Bürgermeisters beziehungsweise einer kommunalen Verwaltung ist sie jedoch nachvollziehbar. Sollte tatsächlich jemand Zugang zu dienstlichen Accounts oder Geräten erhalten und anschließend im Namen des Bürgermeisters Nachrichten verschickt haben, müsste geklärt werden, wie dieser Zugriff erfolgte, wer dahintersteckt und ob möglicherweise weitere Daten oder Systeme betroffen waren. Ein solcher Vorgang unterscheidet sich deutlich vom gehackten privaten Social-Media-Konto eines normalen Bürgers.
Die Beteiligung des Staatsschutzes ist deshalb weder ein Beweis gegen Partheil-Böhnke noch automatisch ein Hinweis auf ein besonders schweres politisches Delikt. Sie zeigt allerdings, welche Tragweite seine eigene Darstellung besitzt. Wer erklärt, dienstliche Kommunikation oder das Mobiltelefon eines Bürgermeisters seien kompromittiert worden, beschreibt damit einen ernst zu nehmenden Sicherheitsvorfall, der sich zumindest teilweise technisch überprüfen lässt. Und genau diese technische Überprüfung hat die Gemeinde offenbar bereits veranlasst.
Forensische Untersuchung abgeschlossen – Ergebnis bleibt unter Verschluss
Besonders bemerkenswert ist, dass die Gemeinde Timmendorfer Strand das Smartphone beziehungsweise den behaupteten Hackerangriff forensisch untersuchen ließ. Nach Informationen der Lübecker Nachrichten lag das Ergebnis bereits Anfang Juni vor und wurde am 2. Juni im nicht öffentlichen Teil des Hauptausschusses behandelt. Öffentlich mitgeteilt wurde bislang jedoch nicht, ob die Untersuchung tatsächlich Hinweise auf einen Fremdzugriff ergeben hat. Auch Partheil-Böhnke äußerte sich nach Medienberichten nicht dazu, ob bei der technischen Analyse entsprechende Spuren gefunden wurden.
Natürlich bedeutet ein fehlender technischer Nachweis nicht automatisch, dass kein Angriff stattgefunden haben kann, denn nicht jeder Fremdzugriff lässt sich nachträglich zweifelsfrei rekonstruieren. Ebenso wäre ein einzelner gefundener technischer Hinweis noch kein abschließender Beweis dafür, wer die E-Mails tatsächlich verfasst oder verschickt hat. Politisch bleibt dennoch bemerkenswert, dass ein Gutachten existiert, dessen Ergebnis offenbar politischen Entscheidungsträgern seit Wochen bekannt ist, während die Öffentlichkeit weiter über die Existenz des Hackerangriffs diskutiert. Gerade weil dieser Punkt inzwischen Teil eines strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens ist, dürfte das bislang nicht veröffentlichte Untersuchungsergebnis eine zentrale Rolle spielen.
Bürgermeister „bis auf Weiteres“ krankgemeldet
In diese ohnehin angespannte Situation fällt die Nachricht, dass Sven Partheil-Böhnke inzwischen „bis auf Weiteres“ krankgemeldet ist. Wann er seine Amtsgeschäfte wieder vollständig übernehmen wird, ist öffentlich nicht bekannt. Umgangssprachlich könnte man angesichts der Vorgeschichte schnell formulieren, der Bürgermeister sei „untergetaucht“, doch als Tatsachenbehauptung wäre das nicht haltbar. Belegt ist eine Krankmeldung, nicht ein bewusstes Verstecken vor Medien, Öffentlichkeit oder Ermittlungsbehörden.
Der Zeitpunkt ist politisch dennoch ausgesprochen ungünstig. Gegen den Bürgermeister laufen Ermittlungen, die Herkunft der E-Mails ist ungeklärt, seine Hacker-Erklärung wird strafrechtlich überprüft und das Ergebnis einer forensischen Untersuchung ist bislang nicht veröffentlicht worden. Eine Krankmeldung kann selbstverständlich völlig legitime gesundheitliche Gründe haben und darf nicht als Schuldeingeständnis interpretiert werden, dennoch verändert sie die öffentliche Wahrnehmung des Falls. Verwaltungsrechtlich bleibt die Gemeinde handlungsfähig, weil für Verhinderungsfälle Stellvertreter vorgesehen sind, politisch konzentriert sich die Affäre jedoch weiterhin stark auf die Person Partheil-Böhnkes.
Robert Marc Lehmann legt seine Version vor
Robert Marc Lehmann hat die Auseinandersetzung inzwischen selbst ausführlich öffentlich aufgearbeitet. In seinem rund eine Stunde und 40 Minuten langen YouTube-Video mit dem Titel „Bürgermeister wollte meine Karriere zerstören, um seine zu retten“ verbindet er die Geschehnisse während der Walrettung, die öffentliche Kritik des Bürgermeisters und die später bekannt gewordenen E-Mails zu seiner eigenen Interpretation des Konflikts. Lehmann vertritt dabei die These, Partheil-Böhnke habe versucht, seinen Ruf und seine berufliche Glaubwürdigkeit gezielt zu beschädigen. Dass inzwischen tatsächlich strafrechtliche Ermittlungen laufen, verleiht Teilen seiner Kritik zweifellos zusätzliches Gewicht.
Trotzdem sollte zwischen belegbaren Tatsachen und Lehmanns eigener Interpretation unterschieden werden. Ein YouTube-Video ist kein Ermittlungsbericht, und wenn Lehmann bestimmten Beteiligten Motive zuschreibt oder davon spricht, der Bürgermeister habe seine Karriere zerstören wollen, handelt es sich zunächst um seine Bewertung der Ereignisse. Gerade bei einem Influencer mit Millionenreichweite ist diese Unterscheidung wichtig, weil seine Veröffentlichungen innerhalb kürzester Zeit erheblichen öffentlichen Druck erzeugen können. Die enorme Reichweite macht seine Aussagen nicht automatisch falsch, erhöht aber die Verantwortung, journalistisch sauber zwischen Fakten, Schlussfolgerungen und dramaturgischer Zuspitzung zu unterscheiden.
Lehmann war selbst keineswegs unumstritten
Die spätere E-Mail-Affäre darf nicht dazu führen, die Vorgeschichte nachträglich umzuschreiben. Bereits während der Walrettung gab es dokumentierte Kritik an Lehmann, und diese kam nicht ausschließlich von Sven Partheil-Böhnke. Die Auseinandersetzung mit Stephanie Groß und die Kritik am Einsatz einer Drohne zeigen, dass Lehmanns Auftreten auch von anderer fachlicher Seite kritisch bewertet wurde. Es wäre daher zu einfach, die gesamte Geschichte auf die Erzählung zu reduzieren, ein Bürgermeister habe einen vollkommen unbeteiligten Experten grundlos angegriffen.
Umgekehrt rechtfertigt Kritik an Lehmann selbstverständlich keine möglichen Beleidigungen oder Diffamierungen. Jemand kann sich während eines Rettungseinsatzes falsch verhalten, fachliche Fehleinschätzungen treffen oder sich zu stark medial inszenieren und trotzdem später Opfer strafrechtlich relevanter Angriffe werden. Genau diese Ebenen müssen voneinander getrennt werden. Die jetzigen Ermittlungen drehen sich nicht darum, ob Robert Marc Lehmann bei der Rettung des Wals immer richtig lag, sondern darum, wer bestimmte Nachrichten verschickt hat und ob anschließend möglicherweise eine Straftat vorgetäuscht wurde.
Millionenreichweite trifft auf Kommunalpolitik
Der Konflikt besitzt zusätzlich eine mediale Schieflage, die nicht ignoriert werden sollte. Auf der einen Seite steht ein Bürgermeister einer Ostseegemeinde, auf der anderen Seite ein reichweitenstarker YouTuber, dessen Videos Hunderttausende oder Millionen Menschen erreichen können. Kommunale Pressemitteilungen, Sitzungsprotokolle oder regionale Interviews haben gegen eine solche Reichweite kaum eine Chance, weshalb Lehmann die öffentliche Wahrnehmung des Konflikts erheblich stärker beeinflussen kann. Das bedeutet nicht, dass seine Vorwürfe falsch sind, macht aber eine unabhängige Prüfung seiner Aussagen umso wichtiger.
Ebenso wäre es falsch, die Ermittlungen gegen Partheil-Böhnke allein deshalb kleinzureden, weil Lehmann selbst ein streitbarer Akteur ist. Der frühere Konflikt während der Walrettung und die spätere strafrechtliche Auseinandersetzung sind zwei unterschiedliche Ebenen, die sich zwar gegenseitig beeinflussen, aber nicht miteinander verrechnet werden können. Journalistisch entscheidend ist nicht, wer sympathischer wirkt oder über die größere Reichweite verfügt, sondern welche Aussagen sich tatsächlich belegen lassen. Genau deshalb sollte weder Lehmanns Darstellung ungeprüft übernommen noch die Verantwortung des Bürgermeisters vorschnell relativiert werden.
Was ist mit möglichen finanziellen Vorwürfen?
In einzelnen Berichten taucht zusätzlich der Begriff Untreue beziehungsweise ein möglicher finanzieller Komplex auf. Hier ist jedoch Zurückhaltung geboten, denn von der Staatsanwaltschaft ausdrücklich bestätigt sind vor allem der Anfangsverdacht wegen des Vortäuschens einer Straftat sowie das separate Verfahren wegen des Verdachts der Beleidigung. Die rund 40.000 Euro Kosten der Walrettung reichen für sich genommen selbstverständlich nicht aus, um daraus einen strafrechtlichen Untreueverdacht abzuleiten. Eine solche Straftat würde eine konkrete Verletzung von Vermögenspflichten und einen daraus entstandenen Schaden voraussetzen.
Sollte sich bestätigen, dass tatsächlich noch ein zusätzlicher finanzieller Vorgang untersucht wird, müsste zunächst geklärt werden, welche Zahlung, Vergabe oder sonstige Entscheidung betroffen ist. Solange dazu keine belastbaren Informationen vorliegen, sollte dieser Bereich nicht mit den gesicherten Ermittlungen vermischt werden. Der öffentlich bekannte Kern der Affäre bleibt weiterhin die Herkunft der beleidigenden Nachrichten und die Frage, ob der behauptete Hackerangriff tatsächlich stattgefunden hat. Genau dort liegen derzeit die entscheidenden offenen Punkte.
Der Hackerangriff ist zum Schlüssel des Falls geworden
Damit hat sich der Schwerpunkt der gesamten Affäre endgültig vom gestrandeten Wal zur digitalen Forensik verschoben. Sollte sich nachweisen lassen, dass tatsächlich Unbekannte Zugriff auf Accounts oder das Mobiltelefon Partheil-Böhnkes hatten, würde dies seine Darstellung in einem entscheidenden Punkt stützen. Dann müsste geklärt werden, wer hinter dem Angriff steckt, wie der Zugriff erfolgte und warum ausgerechnet Nachrichten gegen Robert Marc Lehmann unter dem Namen des Bürgermeisters verschickt wurden. In diesem Szenario wäre Partheil-Böhnke selbst Opfer eines erheblichen Sicherheitsvorfalls.
Sollte die technische Untersuchung dagegen keinen entsprechenden Fremdzugriff stützen und sollten weitere Indizien auf eine andere Urheberschaft hinweisen, bekäme der Fall eine völlig andere Dimension. Gerade deshalb ist das bisher nicht veröffentlichte Ergebnis der forensischen Untersuchung so bedeutsam. Dass dieses Ergebnis offenbar bereits seit Anfang Juni politischen Entscheidungsträgern bekannt ist, während öffentlich weiter über die Hacker-Version gestritten wird, dürfte die Diskussion eher verschärfen als beruhigen. Transparenz wäre politisch wünschenswert, soweit laufende Ermittlungen und rechtliche Vorgaben eine Veröffentlichung überhaupt zulassen.
Fazit: Aus der Walrettung wurde eine politische Affäre
Der Fall „Timmy“ zeigt, wie schnell sich ein außergewöhnlicher Tierrettungseinsatz in einen persönlichen und politischen Konflikt verwandeln kann. Am Anfang stand ein gestrandeter Buckelwal, danach folgten Streit über die Rettungsstrategie, öffentliche Angriffe und schließlich E-Mails, in denen Robert Marc Lehmann massiv herabgesetzt worden sein soll. Der Bürgermeister bestreitet, diese Nachrichten verfasst zu haben, und beruft sich auf einen Hackerangriff. Nun untersuchen Staatsanwaltschaft, Polizei und Staatsschutz nicht nur die E-Mails selbst, sondern auch, ob dieser angebliche Angriff überhaupt stattgefunden hat.
Hinzu kommt eine forensische Untersuchung, deren Ergebnis bislang nicht öffentlich bekannt ist, obwohl es offenbar bereits seit Anfang Juni vorliegt. Gleichzeitig ist Sven Partheil-Böhnke „bis auf Weiteres“ krankgemeldet, wodurch ausgerechnet in einer entscheidenden Phase eine zentrale Person des Konflikts aus der unmittelbaren öffentlichen Wahrnehmung verschwunden ist. Keiner dieser Punkte beweist eine Straftat, und für den Bürgermeister gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung. Politische und journalistische Fragen sind dennoch berechtigt, gerade weil zahlreiche Informationen weiterhin fehlen.
Auch Robert Marc Lehmann sollte in dieser Geschichte weder zum unfehlbaren Helden noch zum Schuldigen an der gesamten Eskalation erklärt werden. Die Kritik an seinem Verhalten während der Walrettung ist dokumentiert und kam nicht nur vom Bürgermeister, gleichzeitig sind die Ermittlungen gegen Partheil-Böhnke real und können nicht als bloße Erfindung eines Influencers abgetan werden. Entscheidend werden am Ende technische Daten, E-Mail-Header, Geräteforensik, Zeugenaussagen und die Ergebnisse der Staatsanwaltschaft sein. Die wichtigste Frage bleibt deshalb unverändert: Wer hat die Nachrichten tatsächlich geschrieben – und gab es den behaupteten Hackerangriff wirklich?
Quellen
- NDR – Ermittlungen gegen Timmendorfer Bürgermeister Partheil-Böhnke – https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/luebeck_herzogtum-lauenburg_ostholstein/ermittlungen-gegen-timmendorfer-buergermeister-partheil-boehnke%2Cregionluebecknews-2696.html
- Lübecker Nachrichten – Straftat vorgetäuscht? Staatsschutz ermittelt gegen Bürgermeister von Timmendorfer Strand – https://www.ln-online.de/lokales/ostholstein/nach-wal-rettung-in-der-ostsee-staatsschutz-ermittelt-gegen-buergermeister-von-timmendorfer-strand-PO4B3UXLDFCFRPV5RVJ7XPXERI.html
- Lübecker Nachrichten – Nach Walrettung in Timmendorf: Hochstapler-Vorwürfe gegen Robert Marc Lehmann – https://www.ln-online.de/lokales/ostholstein/nach-walrettung-in-timmendorf-hochstapler-vorwuerfe-gegen-robert-marc-lehmann-VFWWRIS7YVGY3HVQ7MQSJI5MQI.html
- Lübecker Nachrichten – „Lehmann ist ein Lügner“: Weitere Bürgermeister-Mails über Lehmann aufgetaucht – https://www.ln-online.de/lokales/ostholstein/lehmann-ist-ein-luegner-timmendorfs-buergermeister-nach-neuen-mails-unter-beschuss-im-wal-streit-LMFHBTZXIVBNDBDRBDBBKQEADE.html
- Lübecker Nachrichten – Hackerangriff wurde untersucht: Bürgermeister verschweigt Ergebnis – https://www.ln-online.de/lokales/ostholstein/timmendorf-buergermeister-partheil-boehnke-verschweigt-ergebnis-um-hackerangriff-N5LYHBZOLVHCHE7GRYK6DK4HOU.html
- Gemeinde Timmendorfer Strand – Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke und offizielle Kontaktwege – https://www.timmendorfer-strand.org/rathaus/buergermeister
- GERATI – Wal Timmy: Millionenstreit offenbart das Chaos hinter der Rettungsaktion – https://gerati.de/2026/07/13/wal-timmy-millionenstreit/
