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Schlagwort: Robert Marc Lehmann

  • Frank Albrecht von Projekt Endzoo: Zehn Denkfehler und niemand diskutiert mit

    Frank Albrecht von Projekt Endzoo: Zehn Denkfehler und niemand diskutiert mit

    Während Robert Marc Lehmann, die Militante Veganerin und weitere Beteiligte über Zoos, Tierwohl und die Freiheit von Wildtieren diskutieren, möchte offenbar auch Frank Albrecht von Projekt Endzoo ein Stück vom aktuellen Aufmerksamkeitskuchen abbekommen. Gleich zwei Facebook-Beiträge sollen zeigen, weshalb Zoovertreter angeblich die Natur diffamieren und sich bei Auswilderungen in Widersprüche verwickeln. Das Ergebnis ist bemerkenswert: zehn angreifbare Denkfehler und erstaunlich wenig Resonanz. Auf einem am 28. Oktober 2026 dokumentierten Screenshot sind die Beiträge seit 18 beziehungsweise 19 Stunden online – ohne einen einzigen sichtbaren Like oder Kommentar. Ein Alleinunterhalter hat schließlich auch dann ein Programm, wenn das Publikum noch auf sich warten lässt.

    Frank Albrecht entdeckt die aktuelle Zoo-Debatte

    Ausgangspunkt ist die öffentliche Diskussion zwischen Robert Marc Lehmann, dem Zoolotsen Marcel Stawinoga und der Militanten Veganerin. GERATI berichtete bereits darüber, dass die Veganerin in einem Reaktionsvideo überraschend positive Worte für die Argumentation des Zoolotsen fand und damit Lehmanns pauschaler Zoo-Kritik widersprach. [1] Dabei machte sie deutlich, dass sie Zoos weiterhin grundsätzlich ablehnt, einzelne Argumente eines Zoobefürworters aber trotzdem anerkennen kann. Eine für ideologisch aufgeladene Diskussionen beinahe revolutionäre Erkenntnis: Man darf jemandem recht geben, ohne gleich seine gesamte Weltanschauung übernehmen zu müssen.

    Frank Albrecht scheint diese Differenzierung weniger zu begeistern. In seinem ersten Beitrag mit der Überschrift „NATUR DIFFAMIEREN“ stellt er Aussagen von Thomas Kölpin, Marcel Stawinoga und der Militanten Veganerin zusammen. Letztere bezeichnet er kurzerhand als „Nicht-Tierrechtlerin“ und erklärt alle drei zu Gegnern der Freiheit nichtmenschlicher Tiere. In einem zweiten Beitrag möchte er wissen, weshalb Zoos überhaupt Tiere auswildern, wenn die Natur angeblich so gefährlich sei. Was zunächst wie eine kritische Nachfrage klingt, entwickelt sich bei näherer Betrachtung zu einer kleinen Ausstellung argumentativer Kurzschlüsse.

    Denkfehler 1: Wer Naturgefahren erwähnt, diffamiert die Natur

    Albrechts erster Denkfehler steckt bereits in seiner Überschrift. Unter dem Schlagwort „NATUR DIFFAMIEREN“ präsentiert er Aussagen über Parasiten, Krankheiten und Beutegreifer, als handele es sich dabei um böswillige Verleumdungen der Wildnis. Tatsächlich gehören diese Faktoren zu den normalen biologischen Bedingungen natürlicher Ökosysteme. Krankheiten, Räuber-Beute-Beziehungen und Konkurrenz um Ressourcen sind weder Erfindungen der Zooindustrie noch Propaganda gegen freilebende Tiere. Wer solche Zusammenhänge beschreibt, betreibt Biologie und nicht Naturdiffamierung.

    Nach Albrechts Maßstab müssten vermutlich auch zahlreiche Biologielehrbücher unter Generalverdacht gestellt werden. Schließlich beschreiben sie ausführlich, wie Tiere andere Tiere töten, Krankheitserreger übertragen werden und Jungtiere sterben. Dass diese Vorgänge natürlich sind, macht sie weder angenehm noch moralisch verwerflich. Es bedeutet lediglich, dass die Natur nicht ausschließlich aus idyllischen Waldspaziergängen und friedlich grasenden Rehen besteht. Für diese Erkenntnis braucht es keinen Zoo, sondern lediglich einen Blick in die Ökologie.

    Denkfehler 2: Aus einem verkürzten Zitat wird eine komplette Weltanschauung

    Besonders interessant ist Albrechts Umgang mit Thomas Kölpin. Der frühere beziehungsweise langjährige Wilhelma-Direktor wird mit einer Aussage über natürliche Gefahren zitiert, die Albrecht als Beleg für eine naturfeindliche Haltung verwendet. Im auffindbaren Interview der Augsburger Allgemeinen erläutert Kölpin jedoch ausdrücklich, worum es ihm bei artgemäßer Haltung geht: Tiere sollen ihre Bedürfnisse erfüllen und ihr normales Verhaltensspektrum ausleben können. [2] Seine Unterscheidung betrifft die Frage, welche Bestandteile natürlicher Lebensbedingungen in zoologischen Einrichtungen nachgebildet werden müssen. Daraus eine grundsätzliche Ablehnung der Freiheit wildlebender Tiere abzuleiten, ist ein bemerkenswerter interpretatorischer Kraftakt.

    Kölpin argumentiert damit gerade nicht, dass natürliche Lebensräume abgeschafft und sämtliche Wildtiere in Zoos untergebracht werden sollten. Er erklärt vielmehr, dass artgemäße Haltung nicht bedeuten kann, einem Zootier absichtlich sämtliche natürlichen Gefahren zuzumuten. Ein Tier muss schließlich nicht erst von Parasiten befallen oder von einem Raubtier verfolgt werden, damit seine Haltung als tiergerecht gelten kann. Bei Projekt Endzoo scheint daraus allerdings bereits eine ideologische Kriegserklärung gegen die Wildnis zu werden. Kontext ist offenbar ein lästiges Detail, wenn das gewünschte Urteil schon feststeht.

    Denkfehler 3: Freiheit wird automatisch mit Tierwohl gleichgesetzt

    Für Albrecht scheint die Einteilung besonders einfach zu funktionieren: Freiheit bedeutet gut, menschliche Obhut bedeutet schlecht. Dabei sind Freiheit und individuelles Tierwohl zwei unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe, die sich nicht automatisch gegenseitig ersetzen. Ein wildlebendes Tier kann erhebliche Schmerzen, Hunger, Verletzungen oder Krankheiten erleiden, während ein Tier in menschlicher Obhut medizinisch behandelt und vor bestimmten Gefahren geschützt werden kann. Umgekehrt garantiert menschliche Obhut keineswegs gute Haltungsbedingungen, und ein natürlich lebendes Tier ist selbstverständlich nicht automatisch einem schlechten Leben ausgesetzt. Wer Tierwohl bewerten möchte, muss deshalb die tatsächlichen Lebensbedingungen untersuchen.

    Albrecht vertritt eine tierrechtliche Position, in der die Freiheit des Tieres offenbar einen besonders hohen moralischen Stellenwert besitzt. Das ist zunächst eine ethische Entscheidung und keine wissenschaftlich gemessene Aussage über das Wohlbefinden jedes einzelnen Tieres. Problematisch wird seine Argumentation, sobald diese moralische Überzeugung als allgemeingültiger Beweis gegen zoologische Einrichtungen verwendet wird. Die tatsächliche Verfassung eines Tieres lässt sich nicht allein anhand der Frage bestimmen, auf welcher Seite eines Zauns es sich befindet. Ein Zaun ist schließlich weder ein veterinärmedizinisches Untersuchungsergebnis noch eine Verhaltensstudie.

    Denkfehler 4: Drei unterschiedliche Aussagen ergeben plötzlich eine gemeinsame Gesinnung

    Thomas Kölpin spricht über artgemäße Haltung, Marcel Stawinoga über leidende Tiere in der Natur und die Militante Veganerin über natürliche Sterblichkeit. Albrecht verbindet diese Aussagen und erklärt anschließend, alle drei Personen seien gegen die Freiheit nichtmenschlicher Tiere und für deren Ausbeutung in Zoo-Gefangenschaft. Eine solche Schlussfolgerung ergibt sich aus den angeführten Zitaten jedoch nicht. Insbesondere die Militante Veganerin hat ihre grundsätzliche Ablehnung zoologischer Einrichtungen gerade nicht aufgegeben, als sie dem Zoolotsen in einzelnen Punkten zustimmte. [1] Sie erkennt ein Argument an, während Albrecht daraus offenbar gleich einen ideologischen Seitenwechsel macht.

    Das Muster ist einfach: Drei Aussagen werden aus ihrem jeweiligen Zusammenhang herausgelöst, mit abwertenden Bezeichnungen versehen und anschließend unter einer gemeinsamen Anschuldigung zusammengefasst. Aus einer Beobachtung über natürliche Gefahren wird dadurch eine vermeintliche Unterstützung von Unrecht und Ausbeutung. Dass die drei Personen keineswegs dieselbe Haltung zu Zoos vertreten, stört die Konstruktion nicht weiter. Besonders ironisch ist dabei, dass ausgerechnet die Militante Veganerin für ihre Zustimmung zu einem konkreten Sachargument als „Nicht-Tierrechtlerin“ bezeichnet wird. Bei Projekt Endzoo genügt offenbar schon ein Moment eigenständigen Denkens, um die ideologische Mitgliedschaft zu verlieren.

    Denkfehler 5: Eine gefährliche Natur darf offenbar kein Ziel von Auswilderungen sein

    Im zweiten Facebook-Beitrag fragt Albrecht, weshalb Zoos Tiere überhaupt auswildern, wenn die Natur nach den Aussagen von Zoovertretern gefährlicher sein könne als menschliche Obhut. Die Antwort ist erstaunlich unkompliziert: Weil die Existenz natürlicher Gefahren und die Wiederherstellung wildlebender Populationen zwei völlig unterschiedliche Sachverhalte sind. Niemand muss behaupten, dass ein Wald ungefährlich sei, um seine ökologische Bedeutung anzuerkennen. Ebenso wenig müssen zoologische Einrichtungen sämtliche Risiken der Wildnis bestreiten, bevor sie sich an Auswilderungsprogrammen beteiligen dürfen. Albrecht konstruiert einen Widerspruch, der bei sachlicher Betrachtung gar keiner ist.

    Die Internationale Naturschutzunion IUCN beschreibt in ihren Richtlinien ausdrücklich, dass Wiederansiedlungen und andere Naturschutzumsiedlungen einem messbaren Erhaltungsziel dienen und sorgfältig geplant werden müssen. [3] Dabei gehören die Bewertung von Lebensräumen, biologischen Risiken und möglichen negativen Folgen zu den wesentlichen Bestandteilen verantwortungsvoller Programme. Eine Auswilderung ist also keine Erklärung, dass jedes freigelassene Tier künftig ein gefahrloses Leben führen wird. Vielmehr geht es darum, unter geeigneten Bedingungen wildlebende Populationen zu erhalten oder wiederherzustellen. Nach Albrechts Logik dürfte man vermutlich auch niemanden vor den Gefahren des Straßenverkehrs warnen und gleichzeitig den öffentlichen Raum für sinnvoll halten.

    Denkfehler 6: Das Wohlergehen eines Individuums wird mit dem Überleben einer Art verwechselt

    Ein einzelnes Tier kann unter kontrollierten Bedingungen länger überleben, als es in einer bestimmten natürlichen Umgebung wahrscheinlich wäre. Für den langfristigen Erhalt einer wildlebenden Art genügt es jedoch nicht, ausschließlich einzelne Tiere in menschlicher Obhut zu schützen. Populationen müssen sich fortpflanzen, genetisch lebensfähig bleiben und in geeigneten Lebensräumen eigenständig bestehen können. Genau deshalb unterscheiden Naturschutzprogramme zwischen Maßnahmen im natürlichen Lebensraum und Maßnahmen außerhalb dieses Lebensraums. Beide Ansätze können sich ergänzen, statt einander auszuschließen.

    Die IUCN behandelt Auswilderungen deshalb als Instrument des Populations- und Artenschutzes und nicht als bloßen Ortswechsel einzelner Tiere. [3] Für Albrechts vermeintlichen Widerspruch müsste hingegen jede Maßnahme automatisch demselben unmittelbaren Zweck dienen. Ein geschütztes Tier und eine langfristig überlebensfähige Wildpopulation sind jedoch nicht dasselbe. Wer diesen Unterschied übersieht, kann aus nahezu jedem Artenschutzprogramm einen Widerspruch konstruieren. Das Ergebnis klingt vielleicht nach einer scharfsinnigen Frage, beantwortet aber vor allem die Frage, weshalb grundlegende Begriffe im Naturschutz wichtig sind.

    Denkfehler 7: Erfolgreiche Auswilderungen aus Zoos passen nicht ins Weltbild

    Besonders unangenehm für Albrechts Argumentation sind erfolgreiche Artenschutzprogramme, bei denen Zoos selbst eine entscheidende Rolle gespielt haben. Ein anschauliches Beispiel sind die Goldenen Löwenäffchen in Brasilien, deren wildlebende Bestände durch Lebensraumverlust massiv zurückgegangen waren. Zwischen 1984 und 2001 wurden insgesamt 146 in menschlicher Obhut geborene Tiere ausgewildert, die aus 43 Einrichtungen stammten, darunter 41 zoologische Einrichtungen. Die Wiederansiedlungen waren Teil eines internationalen Schutzprogramms, das sowohl die Bestandsentwicklung als auch den Erhalt genetischer Vielfalt berücksichtigte. [4] Offenbar war die sogenannte Zoo-Gefangenschaft in diesem Fall ein wichtiger Bestandteil der Rückkehr in die Natur.

    Auch das Smithsonian National Zoo and Conservation Biology Institute beschreibt seine Beteiligung an der Erhaltungszucht und Wiederansiedlung der Goldenen Löwenäffchen. [5] Zoologische Einrichtungen stellten Tiere bereit, unterstützten Forschungsarbeiten und halfen bei der Vorbereitung auf das Leben im natürlichen Lebensraum. Die vermeintlichen Gegner der Freiheit trugen also dazu bei, wildlebende Populationen wieder aufzubauen. Damit wird Albrechts Konstruktion besonders deutlich: Zoos können Tiere schützen, züchten und anschließend zur Stärkung natürlicher Populationen auswildern. Ein Widerspruch entsteht daraus nur, wenn man die Ziele solcher Programme vorher konsequent ignoriert.

    Denkfehler 8: Auswilderung wird mit wahlloser Freilassung verwechselt

    In Albrechts zweitem Beitrag klingt es, als würden Zoos ihre Schützlinge sehenden Auges in eine tödliche Umgebung schicken und sich anschließend dafür feiern. Wissenschaftlich organisierte Wiederansiedlungen funktionieren allerdings grundlegend anders. Die IUCN verlangt eine sorgfältige Prüfung der biologischen Voraussetzungen, möglicher Gefahren, der Eignung des Lebensraums und der Erfolgsaussichten einer Freilassung. Ebenso gehören Überwachung und Auswertung der Ergebnisse zu den vorgesehenen Maßnahmen. [3] Derartige Programme sind komplexe Naturschutzvorhaben und keine spontane Entscheidung, morgens ein Gehege zu öffnen und nachmittags eine Pressemitteilung zu verschicken.

    Nicht jedes Tier in menschlicher Obhut eignet sich für eine Auswilderung. Entscheidend sind unter anderem sein Gesundheitszustand, seine Überlebensfähigkeiten und die Bedingungen am vorgesehenen Freilassungsort. Gerade die von Albrecht kritisierten Hinweise auf Krankheiten, Gefahren und mögliche Todesursachen spielen bei solchen Entscheidungen eine wichtige Rolle. Wer diese Risiken ignoriert, würde nicht besonders tierfreundlich handeln, sondern wesentliche Grundlagen des verantwortungsvollen Artenschutzes missachten. Die Natur lässt sich schließlich nicht dadurch sicherer machen, dass man ihre Gefahren aus einer Facebook-Diskussion streicht.

    Denkfehler 9: Jeder Zoo wird automatisch zum Unrechtsbetrieb

    Albrecht verwendet Formulierungen wie „Zoo-Unrechtsbefürworter“ und „Zoo-Gefangenschaft“, um seine grundsätzliche Ablehnung zoologischer Einrichtungen zum Ausdruck zu bringen. Mit einer solchen sprachlichen Vorverurteilung verschwinden allerdings wichtige Unterschiede zwischen einzelnen Haltungen, Institutionen und Aufgaben. Die Versorgung beschlagnahmter Wildtiere, die Haltung einer bedrohten Art innerhalb eines Erhaltungszuchtprogramms und eine ungeeignete Unterbringung unter tierschutzwidrigen Bedingungen sind keine identischen Sachverhalte. Wer alles unterschiedslos als Ausbeutung bezeichnet, ersetzt eine konkrete Bewertung durch ein pauschales moralisches Urteil. Besonders hilfreich ist das nicht, wenn es eigentlich um das Wohlergehen realer Tiere gehen soll.

    Die wissenschaftliche und praktische Bedeutung zoologischer Einrichtungen lässt sich an dokumentierten Erhaltungszuchtprogrammen überprüfen. Das Smithsonian beschreibt beispielsweise, wie bei Goldenen Löwenäffchen Forschung, Zuchtmanagement, Lebensraumschutz und Auswilderung miteinander verbunden wurden. [5] Solche Leistungen machen nicht jede zoologische Einrichtung automatisch vorbildlich, gehören aber unbestreitbar zur tatsächlichen Arbeit zoologischer Institutionen. Albrechts pauschales Unrechtsurteil lässt für diese Unterschiede kaum Platz. Warum sollte man auch einzelne Einrichtungen beurteilen, wenn man bereits vor Beginn der Prüfung weiß, wie das Urteil ausfallen soll?

    Denkfehler 10: Eine moralische Überzeugung wird zum wissenschaftlichen Beweis erklärt

    Der letzte Denkfehler verbindet die beiden Beiträge miteinander. Albrecht setzt seine tierrechtliche Überzeugung als Ausgangspunkt und behandelt die daraus abgeleitete Bewertung der Zoo-Haltung praktisch als feststehendes Ergebnis. Wer eine andere Position vertritt oder lediglich auf wissenschaftliche Tatsachen hinweist, wird anschließend zum Befürworter von Unrecht erklärt. Damit verschwimmen die Grenzen zwischen ethischer Haltung, fachlicher Aussage und tatsächlichem Beweis. Ein überzeugender Diskussionsbeitrag müsste diese Ebenen jedoch auseinanderhalten, statt sie nach Bedarf miteinander zu vermischen.

    Die Militante Veganerin demonstrierte ausgerechnet in ihrer Reaktion auf den Zoolotsen, dass eine solche Unterscheidung möglich ist. Sie blieb bei ihrer grundsätzlichen Ablehnung von Zoos und erkannte trotzdem an, dass Marcel Stawinoga in einzelnen Fragen überzeugende Argumente vorbrachte. [1] Frank Albrecht reagiert auf eine derartige Differenzierung dagegen mit der Bezeichnung „Nicht-Tierrechtlerin“. Offenbar genügt es nicht, grundsätzlich gegen Zoos zu sein, wenn man gleichzeitig anerkennt, dass auch ein Zoobefürworter etwas Richtiges sagen kann. So wird aus einer Debatte über Tiere zunehmend eine Gesinnungsprüfung unter Menschen.

    Zwei Facebook-Beiträge, null Reaktionen: Der Alleinunterhalter ist zurück

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    Screenshot Facebook: Projekt Endzoo

    Besonders unterhaltsam wird die Angelegenheit beim Blick auf die öffentliche Resonanz. Auf einem Screenshot vom 28. Oktober 2026 sind Albrechts beide Beiträge mit einem Alter von 18 beziehungsweise 19 Stunden zu sehen. Unter beiden Veröffentlichungen sind weder Likes noch Kommentare erkennbar, obwohl sich Albrecht ausgerechnet mit einer öffentlich kontrovers diskutierten Frage beschäftigt. Während andernorts über Lehmann, die Militante Veganerin und den Zoolotsen gestritten wird, scheint sich bei Projekt Endzoo bislang niemand zum Mitdiskutieren verpflichtet zu fühlen. So kann man selbstverständlich auch eine Debatte führen: Man stellt Fragen und überlässt die Antworten vorsichtshalber sich selbst.

    Für GERATI ist dieser Eindruck keineswegs neu. Bereits in früheren Veröffentlichungen haben wir uns mit der öffentlichen Resonanz auf Frank Albrechts Aktivitäten und seiner Rolle beim früheren EndZOO Deutschland e. V. beschäftigt. Auch im Oktober 2026 griff GERATI dieses Thema im Zusammenhang mit einer bemerkenswerten Auseinandersetzung zwischen Albrecht und dem Zoolotsen erneut auf. [6] Dort zeigte sich ebenfalls, wie schnell ein vermeintlicher Schlagabtausch zu einem weitgehend einseitigen öffentlichen Auftritt werden kann. Ein bisschen Publikum wäre für einen Alleinunterhalter natürlich von Vorteil, aber immerhin lässt sich ohne Zwischenrufe ungestört weitermachen.

    Fazit: Vielleicht sollte Frank Albrecht erst einmal sein eigenes Interview veröffentlichen

    Die zehn Denkfehler zeigen vor allem eines: Frank Albrecht verwechselt seine grundsätzliche Ablehnung zoologischer Einrichtungen immer wieder mit einer fachlichen Widerlegung ihrer Aufgaben. Natürliche Gefahren werden zur angeblichen Diffamierung der Wildnis erklärt, wissenschaftliche Argumente zu Zeichen mangelnder Tierrechtstreue und erfolgreiche Auswilderungen zu vermeintlichen Widersprüchen. Besonders bemerkenswert ist, dass er damit ausgerechnet eine Diskussion aufgreift, in der die Militante Veganerin gezeigt hat, dass man trotz gegensätzlicher Grundüberzeugungen ein sachlich überzeugendes Argument anerkennen kann. Für Projekt Endzoo scheint diese Form der Differenzierung allerdings eine größere Herausforderung zu sein als Parasiten, Krankheiten und Beutegreifer zusammen. Vielleicht sollte Albrecht weniger Zeit mit der Suche nach Widersprüchen verbringen und mehr damit, seine eigenen Schlussfolgerungen zu überprüfen.

    Und dann wäre da noch die Geschichte mit dem Zoolotsen, die der Angelegenheit eine zusätzliche ironische Note verleiht. Wie GERATI bereits am 15. Oktober 2026 berichtete, hatten Frank Albrecht und Marcel Stawinoga im März 2026 einen rund dreistündigen Podcast aufgenommen. [6] Am 12. Oktober forderte Albrecht den Zoolotsen öffentlich zur Veröffentlichung auf und kündigte andernfalls an, das Gespräch selbst zugänglich zu machen. Besonders kurios: Nach Albrechts eigener Darstellung dürfen beide Gesprächspartner mit dem Material verfahren, wie sie möchten. Warum also auf die Veröffentlichung durch den Zoolotsen warten, wenn man nach eigener Aussage selbst dazu berechtigt ist?

    Vielleicht liefert das Gespräch ja die große argumentatorische Offenbarung, auf die Projekt Endzoo schon so lange wartet. Vielleicht erklärt Albrecht dort endlich, weshalb die Beschreibung natürlicher Gefahren eine Diffamierung der Natur sein soll und warum Auswilderungen angeblich den gesamten Artenschutzgedanken der Zoos widerlegen. Vielleicht ist der unveröffentlichte Podcast aber auch ein dreistündiges Anschauungsbeispiel dafür, dass große Überzeugung und überzeugende Belege nicht zwangsläufig dasselbe sind. Dann wäre es natürlich verständlich, wenn keiner der Beteiligten besonders großen Wert auf eine öffentliche Premiere legt. Wobei sich gerade Albrecht mit seiner eigenen Ankündigung längst die Möglichkeit geschaffen hat, diese Frage selbst zu beantworten.

    Bis dahin bleibt ein durchaus bemerkenswertes Bild: Während Robert Marc Lehmann und die Militante Veganerin für öffentliche Kontroversen sorgen, produziert Frank Albrecht zehn angreifbare Argumentationsschritte in zwei Facebook-Beiträgen, die zunächst ohne erkennbare Reaktion bleiben. Das angekündigte dreistündige Streitgespräch mit dem Zoolotsen könnte immerhin noch für Unterhaltung sorgen. Vielleicht wartet dort ja tatsächlich die große Widerlegung der Zoo-Haltung, die in seinen aktuellen Facebook-Beiträgen so schmerzlich vermisst wird. Und sollte der Podcast irgendwann erscheinen, könnte das Publikum wenigstens erfahren, ob Albrecht im direkten Gespräch überzeugender argumentiert als auf seiner Facebook-Seite. Bis dahin gilt für Projekt Endzoo: Die große Debatte ist eröffnet – das Publikum hat sich offenbar noch nicht angemeldet.

    Quellen

  • Frank Albrecht vom Projekt Endzoo droht dem Zoolotsen: Veröffentliche den Drei-Stunden-Podcast, sonst mache ich es. Danach eskaliert der Streit auf Facebook

    Frank Albrecht vom Projekt Endzoo droht dem Zoolotsen: Veröffentliche den Drei-Stunden-Podcast, sonst mache ich es. Danach eskaliert der Streit auf Facebook

    Frank Albrecht vom Projekt Endzoo hat offenbar ein Problem mit dem Zoolotsen Marcel Stawinoga vom Zoo Dortmund. Der soll endlich einen dreistündigen Podcast veröffentlichen, den beide bereits im März 2026 aufgenommen haben. Sieben Monate später ist das Gespräch noch immer nicht öffentlich auffindbar, und Albrecht verliert langsam die Geduld. Auf Facebook stellt er dem Zoolotsen kurzerhand ein Ultimatum: Entweder er veröffentlicht die Aufnahme, oder Albrecht macht es selbst.

    Was danach passiert, ist fast noch unterhaltsamer als die Ankündigung. Eine Facebook-Nutzerin erklärt Albrecht, wie er den Zoolotsen markieren kann, damit dieser den Beitrag auch mitbekommt. Doch statt sich für den Hinweis zu bedanken, wird Albrecht zunehmend pampig und beendet die Diskussion schließlich mit der Erklärung, sie sei reine Zeitverschwendung. Willkommen bei Frank Albrecht, wo drei Stunden Diskussion über Zoos offenbar kein Problem darstellen, ein einfacher Facebook-Hinweis dagegen schon.

    Frank Albrecht stellt dem Zoolotsen ein Ultimatum

    Am 12. Oktober 2026 veröffentlichte Frank Albrecht auf seiner Facebook-Seite einen Beitrag mit der Überschrift „ZWEITE MAL“. Darin erklärt er, dass der Zoolotse bereits zum zweiten Mal Gelegenheit erhalten habe, seine Argumente für Zoos auf der „anderen Seite“ vorzutragen. Natürlich darf bei Albrecht die passende Wortschöpfung nicht fehlen. Aus Argumenten für Zoos werden kurzerhand „Pro-Zoo-Gefangenschaft-Argumente“, damit auch wirklich niemand vergisst, wer hier angeblich auf der falschen Seite steht.

    Am Ende seines Beitrags schreibt Albrecht wörtlich: „Also Marcel, veröffentliche doch jetzt auch unseren dreistündigen Podcast vom März 2026! Sonst mach ich es!“ Das klingt zunächst nach einer ziemlich entschlossenen Ansage. Fast so, als würde der Zoolotse etwas zurückhalten, das Albrecht unbedingt ans Licht bringen möchte. Doch die vermeintliche Drohung verliert ihren Schrecken, sobald man die anschließenden Kommentare liest.

    Dort erklärt Albrecht nämlich selbst, dass beide Gesprächspartner vereinbart hätten, mit dem Videomaterial machen zu können, wann und was sie wollen. Er darf den Podcast nach eigener Darstellung also selbst veröffentlichen. Weshalb er dafür erst ein öffentliches Ultimatum braucht, erschließt sich nicht. Er könnte die Aufnahme einfach hochladen, statt auf Facebook Druck zu machen.

    Sieben Monate Wartezeit – was steckt hinter dem Podcast?

    Bereits am 24. März 2026 beschäftigte sich GERATI im Artikel „Zwischen Dialog und Eskalation: Das widersprüchliche Comeback von Frank Albrecht vom Projekt Endzoo“ mit dem Gespräch zwischen Albrecht und dem Zoolotsen. Damals fiel vor allem der Gegensatz zwischen dem angekündigten Meinungsaustausch und Albrechts anschließendem Auftreten auf. Auch zoos.media kritisierte seinen Umgangston, unter anderem wegen der Bezeichnung von Zoobefürwortern als „ignorante Zoo-Unrechtsbefürworter“ und weiterer persönlicher Herabwürdigungen.

    Inzwischen hat der Zoolotse an anderen Podcast-Formaten mitgewirkt, während ausgerechnet die dreistündige Aufnahme mit Albrecht weiterhin nicht vollständig öffentlich auffindbar ist. Warum sie noch nicht erschienen ist, bleibt offen. Möglicherweise fehlt die Zeit für die Bearbeitung, vielleicht spielen redaktionelle Überlegungen eine Rolle. Ebenso interessant wäre die Frage, ob Albrechts Aussagen einer fachlichen Überprüfung standhalten oder ob während des Gesprächs Behauptungen gefallen sind, die zunächst genauer betrachtet werden müssten.

    Ohne die Aufnahme kennt allerdings niemand außerhalb des Gesprächskreises den vollständigen Inhalt. Genau deshalb würden wir sie bei GERATI ausgesprochen gerne sehen. Drei Stunden Anti-Zoo-Argumentation könnten reichlich Stoff liefern, um Albrechts Behauptungen über Zoohaltung und Artenschutz einzeln zu überprüfen. Vielleicht überrascht er uns sogar mit überzeugenden Argumenten. Falls nicht, hätten wir endlich wieder ausreichend Material für neue Faktenchecks und kritische Folgeartikel.

    Deshalb, lieber Frank Albrecht: Veröffentliche den Podcast doch einfach! Wir warten gespannt darauf und würden uns tatsächlich freuen. Schließlich bekommt man nicht jeden Tag drei Stunden Material eines langjährigen Zoogegners frei Haus geliefert. Und keine Sorge: Wir werden uns die Zeit nehmen, deine Aussagen gründlich auseinanderzunehmen, sofern sie einer kritischen Prüfung nicht standhalten.

    Ein gut gemeinter Facebook-Hinweis bringt Frank Albrecht auf die Palme

    Fast noch aufschlussreicher als die Podcast-Forderung ist die anschließende Kommentardiskussion. Eine Nutzerin namens Wilma Terrani macht Albrecht darauf aufmerksam, dass man den Zoolotsen auf Facebook direkt markieren könne. Das ist ein durchaus sinnvoller Vorschlag. Schließlich erhält jemand nicht automatisch eine Benachrichtigung, nur weil sein Name irgendwo in einem öffentlichen Beitrag auftaucht.

    Gerade bei einer Facebook-Seite, deren Beiträge häufig nur wenige erkennbare Reaktionen erhalten, ist eine direkte Markierung hilfreich. Wer möchte, dass eine bestimmte Person etwas mitbekommt, sollte schließlich nicht darauf hoffen müssen, dass der Facebook-Algorithmus zufällig mitspielt. Doch Albrecht reagiert auf diesen einfachen Hinweis mit einer reichlich merkwürdigen Gegenfrage: „Vielleicht wollten wir das genau so! Schon einmal darüber nachgedacht?“ Man könnte fast glauben, die fehlende Markierung gehöre zu einer geheimen Kommunikationsstrategie.

    Später erklärt Albrecht, dass er ohnehin bereits persönlich mit dem Zoolotsen geschrieben habe. Damit hätte sich die Angelegenheit eigentlich sofort erledigen lassen. Stattdessen folgen Bemerkungen über Babysitter, unerwünschte Einmischung und die Behauptung, die Diskussion gehe die Kommentatorin überhaupt nichts an. Aus einem harmlosen Hinweis wird ein Streit, den Albrecht schließlich selbst für beendet erklärt.

    Der vollständige Facebook-Kommentarverlauf

    Damit sich jeder ein eigenes Bild machen kann, dokumentieren wir die Diskussion unter dem Facebook-Beitrag vom 12. Oktober 2026. Die Kommentare werden in ihrer ursprünglichen Schreibweise wiedergegeben. Auf eine sprachliche Korrektur der Zitate wurde bewusst verzichtet, damit der tatsächliche Gesprächsverlauf nachvollziehbar bleibt.

    Wilma Terrani:

    Projekt Endzoo Frank Albrecht Frank Albrecht Annett Albrecht

    So geht markieren, ohne könnte es sein, dass Marcel Stawinoga bzw Der Zoolotse, das nicht mitbekommt😉

    Projekt Endzoo:

    Wilma Terrani Vielleicht wollten wir das genau so! Schon einmal darüber nachgedacht?

    Wilma Terrani:

    Projekt Endzoo naja, jetzt weiß Marcel auf jeden Fall Bescheid.🤗

    Projekt Endzoo:

    Wilma Terrani Der weiß auch so Bescheid. Wir haben uns bereits geschrieben. Du brauchst als keinen Babysitter spielen.

    Wilma Terrani:

    Projekt Endzoo das hat Marcel auch nicht nötig. Ich finde es eben nur fair, wenn man jemanden in Facebook oder Instagram erwähnt, ihn auch zu markieren.

    Ist natürlich nur möglich, wenn derjenige einen nicht blockiert hat.

    Projekt Endzoo:

    Wilma Terrani Wenn er es bereits weiß, muss ich ihn nicht noch markieren! Und selbst wenn: es geht sie überhaupt nichts an!

    Wilma Terrani:

    Projekt Endzoo Warum postest Du das dann öffentlich, mit der Drohung an Marcel, den Podcast sonst selbst zu veröffentlichen? Ach ja, geht keinen was an. Schönen Tag auch noch.🙋‍♀️

    Projekt Endzoo:

    Wilma Terrani immer noch nicht kapiert: Es geht keinen (also Dir) etwas an, wie Marcel von unserer Kritik erfährt! Zumal eine persönliche Anfrage im Vorfeld nichts erbracht hat! Und wir hatten uns geeinigt, dass jeder mit dem Videomaterial machen kann, wann und was er will. Deine Unterstellung „Drohung“ ist also lächerlich!

    Projekt Endzoo:

    Wilma Terrani Damit beenden wir dieses sinnlose Gespräch und diese Zeitverschwendung!

    Erst Öffentlichkeit suchen und dann andere zum Schweigen bringen?

    Man muss sich diesen Verlauf tatsächlich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Frank Albrecht fordert den Zoolotsen öffentlich zu einer Handlung auf, eine Nutzerin gibt einen sachlichen Hinweis, und plötzlich soll sie sich nicht einmischen. Sie müsse keinen Babysitter spielen, die Angelegenheit gehe sie nichts an, und verstanden habe sie offenbar auch nichts. Dabei hatte Wilma Terrani weder Albrechts Anti-Zoo-Argumente angegriffen noch die Veröffentlichung des Podcasts infrage gestellt.

    Besonders bemerkenswert ist seine Erklärung, es gehe die Kommentatorin überhaupt nichts an, wie der Zoolotse von der Kritik erfahre. Frank Albrecht veröffentlicht einen Beitrag für die Öffentlichkeit, erhält eine öffentliche Reaktion und möchte dann offenbar selbst bestimmen, wer sich dazu äußern darf. Wer keine Kommentare zu einer Angelegenheit möchte, könnte schließlich auch einfach eine private Nachricht schreiben. Das wäre vermutlich weniger aufregend, würde aber eine Menge unnötiges Theater ersparen.

    Auch der abschließende Vorwurf der Zeitverschwendung hat seinen eigenen Charme. Schließlich war es Albrecht selbst, der die Diskussion durch seine Antworten immer weiter anheizte. Ein einfaches „Danke, wir haben bereits Kontakt“ hätte völlig genügt. Stattdessen schafft er es, aus einem freundlichen Hinweis eine kleine Grundsatzfrage über unerwünschte Einmischung zu machen.

    Frank Albrecht: Seit Jahren ein Alleinunterhalter mit wenig Resonanz

    Wer Frank Albrechts öffentliche Aktivitäten über längere Zeit verfolgt, kennt diesen Eindruck bereits. Schon zu Zeiten des früheren Vereins EndZOO Deutschland e. V. stand überwiegend Albrecht selbst im Mittelpunkt. Zwar sprach er gerne im Namen des Vereins und verwendete das kollektive „Wir“, doch eine größere Gruppe öffentlich aktiver Mitstreiter war kaum erkennbar. Der Eindruck eines Alleinunterhalters entstand also keineswegs erst nach der späteren Vereinsauflösung.

    Bereits 2017 beschäftigte sich GERATI in der Artikelserie „Die EndZOO – Frank Albrecht Story“ mit dieser Problematik. Damals berichteten wir über Schwierigkeiten, genügend Unterstützer für das Vereinsprojekt zu gewinnen. Auch innerhalb der Tierrechtsszene trat Albrecht nach unserer damaligen Bewertung eher als Außenseiter denn als Kopf einer größeren Bewegung auf. Seine Forderung nach einem Ende der Zoos war klar, doch eine entsprechend starke Unterstützerbasis ließ sich daraus offenbar nicht entwickeln.

    Auch die öffentliche Resonanz blieb überschaubar. Ältere GERATI-Recherchen dokumentierten ein geringes Wachstum der damaligen Facebook-Seite und wenig Interesse an einzelnen angekündigten Aktionen. Heute ergibt sich bei vielen seiner Veröffentlichungen ein ähnliches Bild: kaum Likes, häufig überhaupt keine Kommentare und selten größere Diskussionen. Das sind zwar keine vollständigen Reichweitenstatistiken, aber sichtbare Hinweise darauf, wie wenig öffentliche Interaktion zahlreiche Beiträge hervorrufen.

    Genau deshalb war der Hinweis auf die fehlende Markierung des Zoolotsen so naheliegend. Frank Albrecht kann nicht davon ausgehen, dass seine Veröffentlichungen automatisch beim gewünschten Adressaten landen. Und wenn schon jemand freiwillig dabei hilft, einen Beitrag gezielt bekannt zu machen, wäre ein wenig Freundlichkeit vielleicht gar keine schlechte Idee gewesen.

    Wo war Frank Albrecht bei der angeblich größten Anti-Zoo-Demo der Welt?

    Während sich Frank Albrecht mit einem sieben Monate alten Podcast beschäftigt, fand wenige Tage zuvor in Berlin eine Veranstaltung statt, die für einen überzeugten Zoogegner eigentlich ein Pflichttermin gewesen sein müsste. Am 4. Oktober 2026 versammelten sich auf dem Platz des 18. März Gegner zoologischer Einrichtungen zu einer groß angekündigten Demonstration. Im Umfeld von Robert Marc Lehmann wurde sogar von der größten Anti-Zoo-Demonstration der Welt gesprochen. Nach Angaben der Berliner Polizei kamen in der Spitze rund 2.500 Teilnehmer zusammen, obwohl ursprünglich 5.000 angemeldet worden waren.

    Doch wo war eigentlich Frank Albrecht? Der Mann, dessen Projekt die Abschaffung zoologischer Einrichtungen bereits im Namen trägt, war bei dieser Veranstaltung öffentlich nicht erkennbar vertreten. Keine dokumentierte Rede, kein hervorgehobener Auftritt und kein eigener Demonstrationsbericht, der seine Beteiligung sichtbar gemacht hätte. Gerade bei einem Aktivisten, der seit Jahren gegen Zoos auftritt, ist diese fehlende öffentliche Präsenz bemerkenswert.

    Während Robert Marc Lehmann und seine Unterstützer Menschen nach Berlin mobilisierten, blieb Albrechts Beitrag zu dieser Veranstaltung öffentlich unsichtbar. Dabei hätte eine derart angekündigte Demonstration hervorragend zu seinen eigenen Forderungen gepasst. Stattdessen meldete er sich wenige Tage später mit einem Ultimatum wegen eines alten Podcasts zurück. Ausgerechnet die Frage, wer den Zoolotsen auf Facebook richtig markieren kann, führte dann noch zu einer Auseinandersetzung.

    Welche Rolle spielt Albrecht in der heutigen Anti-Zoo-Bewegung überhaupt noch? Warum war ausgerechnet von ihm bei diesem Ereignis keine erkennbare Beteiligung zu sehen? Während andere ihre Forderungen auf die Straße trugen, fand Albrechts nächster öffentlich dokumentierter Streit auf Facebook statt. Vielleicht ist das inzwischen die bevorzugte Form seines Anti-Zoo-Aktivismus: Andere demonstrieren vor dem Brandenburger Tor, Frank Albrecht streitet darüber, wer sich in seine Facebook-Kommentare einmischen darf.

    EndZOO Deutschland e. V.: Der Verein ist längst Geschichte

    Auch die Geschichte seines früheren Vereins verdient einen Blick. EndZOO Deutschland e. V. wurde am 15. Juni 2020 als aufgelöst eingetragen. Nach abgeschlossener Liquidation erfolgte am 17. November 2021 die endgültige Löschung aus dem Vereinsregister. Frank Albrecht war dabei als Liquidator eingetragen. Der frühere Verein existiert somit nicht mehr, während Albrecht unter dem Namen Projekt Endzoo weiterhin öffentlich auf Facebook auftritt.

    Das Bild des Alleinunterhalters begleitete ihn bereits während der Vereinszeit. Zwar gab es formal weitere Mitglieder und Funktionsträger, doch in der öffentlichen Kommunikation war überwiegend Albrecht präsent. Schon frühere GERATI-Recherchen beschrieben die geringe Mobilisierung und die Schwierigkeiten, eine größere Unterstützerbewegung aufzubauen. Auch die symbolische Beerdigung seines Projekts, über die wir 2018 berichteten, löste nach den damaligen Facebook-Angaben nur überschaubares Interesse aus.

    Weshalb die Mitgliederversammlung schließlich die Auflösung beschloss, geht aus den bekannten Registerdaten nicht hervor. Die Schwierigkeiten bei der öffentlichen Mobilisierung waren jedoch schon Jahre zuvor Gegenstand kritischer Berichte. Das Scheitern des Vereins als dauerhafte Organisationsform steht jedenfalls fest. Die Zoos bestehen weiterhin, EndZOO Deutschland e. V. dagegen nicht mehr.

    GERATI beschäftigte sich auch später mit Albrechts Auftreten, beispielsweise im Artikel „Frank Albrecht von Endzoo – der Hetzer im Schafspelz“. Der heutige Streit erinnert in seiner persönlichen Schärfe an frühere Auseinandersetzungen. Nur ist inzwischen nicht einmal der damalige eingetragene Verein geblieben, der seiner öffentlichen Tätigkeit zumindest einen organisatorischen Rahmen gab.

    Drei Stunden Diskussion gewünscht – ein paar Zeilen Widerspruch zu viel?

    Der gesamte Vorgang hat durchaus eine komische Seite. Frank Albrecht fordert die Veröffentlichung eines dreistündigen Gesprächs über unterschiedliche Positionen zur Zoohaltung. Gleichzeitig verliert er auf seiner Facebook-Seite bei einem einfachen Hinweis zur richtigen Markierung des Zoolotsen die Geduld. Eine Grundsatzdiskussion über die Zukunft der Zoos ist offenbar willkommen, während eine kurze Unterhaltung über die Bedienung von Facebook zur Zeitverschwendung erklärt wird.

    Dabei wäre die Sache wirklich einfach gewesen. Ein freundlicher Hinweis, dass bereits persönlicher Kontakt besteht, hätte gereicht. Stattdessen musste Albrecht mehrfach erklären, weshalb sich die Kommentatorin nicht einzumischen habe. Wer von anderen verlangt, sich mit seinen Argumenten auseinanderzusetzen, sollte eigentlich auch mit einer solchen Kleinigkeit umgehen können.

    Wie überzeugend Albrecht in der dreistündigen Aufnahme tatsächlich argumentiert hat, lässt sich erst nach der Veröffentlichung beurteilen. Sein öffentlicher Umgang mit Wilma Terrani ist dagegen bereits dokumentiert. Und der hinterlässt keinen besonders souveränen Eindruck. Vielleicht sollte Albrecht nicht nur die Argumente seiner politischen und fachlichen Gegner kritisch betrachten, sondern gelegentlich auch die eigene Art der Kommunikation.

    Frank Albrecht, wir warten auf deinen Podcast!

    Lieber Frank Albrecht, wir möchten dir zum Abschluss noch einmal ausdrücklich Mut machen. Wenn du den dreistündigen Podcast nach eigener Aussage selbst veröffentlichen darfst, dann mach es doch endlich! Du brauchst dafür weder ein weiteres Ultimatum noch eine Diskussion darüber, ob der Zoolotse richtig markiert wurde. Lade die Aufnahme einfach hoch und überlasse es den Zuschauern, sich selbst ein Bild von deinen Argumenten zu machen.

    GERATI würde sich freuen. Drei Stunden Anti-Zoo-Argumentation könnten eine ergiebige Grundlage für neue Faktenchecks liefern. Wir könnten deine Aussagen über Zoohaltung, Artenschutz und zoologische Einrichtungen Punkt für Punkt überprüfen. Vielleicht finden wir überzeugende Argumente, vielleicht auch reichlich Stoff für kritische Folgeartikel. Das werden wir sehen, sobald der Podcast öffentlich ist.

    Und vielleicht beantwortest du bei dieser Gelegenheit auch die Frage, wo du am 4. Oktober warst, als in Berlin die angeblich größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt stattfand. Gerade von jemandem, der seit Jahren das Ende zoologischer Einrichtungen fordert, hätte man dort schließlich eine erkennbare Beteiligung erwarten können. Stattdessen sorgt wenige Tage später ausgerechnet ein alter Podcast für einen neuen Facebook-Streit.

    Also Frank, wir warten. Nicht auf dein nächstes Facebook-Ultimatum und auch nicht auf die nächste Auseinandersetzung mit einer Kommentatorin. Wir warten auf deine drei Stunden Podcast. Und um die anschließende fachliche Auswertung kümmern wir uns gerne. Versprochen.

    Quellen

  • Philipp J. Kroiß von zoos.media: Warum seine Recherchen die Anti-Zoo-Szene beschäftigen

    Philipp J. Kroiß von zoos.media: Warum seine Recherchen die Anti-Zoo-Szene beschäftigen

    Manchmal genügt ein Blick in die eigenen Statistiken, um längst vergangene Geschichten wieder aufleben zu lassen. Anfang Oktober tauchte auf GERATI plötzlich ein Interview aus dem Jahr 2020 unter den fünf meistgelesenen Artikeln der vergangenen sieben Tage auf. Interviewpartner war Philipp J. Kroiß, damals 28 Jahre alt und bereits Chefredakteur von zoos.media. Sechs Jahre hatte das Gespräch im Archiv gelegen. Nun interessierten sich offenbar wieder mehr Menschen dafür, was der Journalist seinerzeit zu sagen hatte.

    Der Zeitpunkt ist durchaus bemerkenswert. Während Robert Marc Lehmann mit seiner Kritik an Zoos weiterhin für Diskussionen sorgt und in sozialen Netzwerken leidenschaftlich über Tierhaltung, Artenschutz und vermeintliche Missstände gestritten wird, geraten auch diejenigen verstärkt ins Blickfeld, die solche Behauptungen öffentlich hinterfragen. Philipp J. Kroiß gehört seit Jahren dazu. Seine Recherchen haben ihm Anerkennung eingebracht, aber ebenso Kritik, juristische Auseinandersetzungen und so manchen persönlichen Angriff.

    Für GERATI ist dieser Rückblick auch deshalb interessant, weil ich Philipp seit Jahren persönlich kenne und mit ihm befreundet bin. Daraus machen wir kein Geheimnis. Dass aus dieser Freundschaft in manchen Kommentarspalten inzwischen eine angebliche journalistische Fremdsteuerung konstruiert wird, gehört mittlerweile fast schon zur Folklore der Anti-Zoo-Debatte. Aber dazu später mehr.

    Zunächst lohnt sich der Blick auf den Journalisten selbst. Was ist aus dem jungen Chefredakteur geworden, der 2020 über Zoos, wissenschaftliche Recherche und die Bedeutung des Artenschutzes sprach? Welche Themen beschäftigen ihn heute? Und warum geraten ausgerechnet seine Veröffentlichungen immer wieder mit bekannten Akteuren der Tierrechtsszene aneinander?

    Philipp J. Kroiß: Vom jungen Journalisten zur markanten Stimme der Zoo-Debatte

    Als GERATI Philipp J. Kroiß im Juni 2020 interviewte, lag bereits ein ungewöhnlicher beruflicher Weg hinter ihm. Er hatte Geschichte und Musikwissenschaft studiert und hätte sich durchaus eine Laufbahn als Lehrer vorstellen können. Stattdessen zog es ihn in den Journalismus. Seine frühen Veröffentlichungen über zoologische Themen wurden vom damaligen zoos.media-Chefredakteur Michael Miersch aufgegriffen, später arbeitete Kroiß selbst für das Projekt. Als Miersch in den Beirat wechselte, übernahm er dessen Position.

    Dass jemand mit einem geisteswissenschaftlichen Studium ausgerechnet über Zoos und Artenschutz berichtet, mag zunächst ungewöhnlich erscheinen. Kroiß sah darin jedoch einen Vorteil. Er hatte gelernt, Quellen auszuwerten, historische Entwicklungen einzuordnen und Behauptungen anhand nachvollziehbarer Belege zu überprüfen. Ein journalistischer Zugang, der nicht davon abhängt, selbst Zoologe oder Tiermediziner zu sein, sondern davon, die richtigen Fragen zu stellen und fachliche Antworten richtig einzuordnen.

    Im damaligen Interview brachte er diesen Anspruch auf den Punkt:

    „Das wissenschaftliche Arbeiten ist die beste Schule für den Journalismus.“

    Ein Satz, der wenig spektakulär klingt und dennoch erstaunlich gut zu den heutigen Auseinandersetzungen passt. Gerade wenn in sozialen Netzwerken dramatische Geschichten über angebliches Tierleid kursieren, besteht die eigentliche Arbeit häufig darin, die ursprünglichen Quellen aufzuspüren. Wer hat etwas behauptet? Was ist tatsächlich passiert? Welche Belege existieren? Und was wurde möglicherweise weggelassen?

    Bereits 2020 war zoos.media mehr als ein einzelner Blog. Kroiß berichtete über redaktionelle Zusammenarbeit, wissenschaftliche Beratung, internationale Veröffentlichungen und den Ausbau der sozialen Netzwerke. Hinzu kamen regelmäßige Besuche in Zoos und Videoproduktionen vor Ort. Die direkte Begegnung mit Tierpflegern, Wissenschaftlern und zoologischen Einrichtungen gehörte von Anfang an zum journalistischen Selbstverständnis.

    Heute reicht das Themenspektrum deutlich weiter. Neben klassischen Fragen zur Tierhaltung und Erhaltungszucht beschäftigt sich Kroiß mit politischen Kampagnen, den Strukturen von Tierrechtsorganisationen, juristischen Streitigkeiten und den öffentlichen Auftritten großer Influencer. Er untersucht also nicht nur, was in Zoos geschieht, sondern zunehmend auch, was andere über Zoos erzählen. Und genau dort wird es gelegentlich ungemütlich.

    Was aus den Überzeugungen von 2020 geworden ist

    Eine der stärksten Aussagen unseres damaligen Interviews betraf die Zukunft moderner zoologischer Einrichtungen. Kroiß erklärte, dass Zoos und Aquarien für den Erhalt zahlreicher bedrohter Tierarten unverzichtbar seien. Er verwies auf Schwarzfußiltisse, Przewalskipferde und Kalifornische Kondore. Alles Arten, bei denen koordinierte Zuchtprogramme und weitere Schutzmaßnahmen entscheidende Beiträge zum Überleben geleistet haben.

    Seine damalige Formulierung war eindeutig:

    „Wenn es jetzt nicht schon Zoos und Aquarien geben würde, müsste man sie schleunigst erfinden“

    Dahinter steht eine Überzeugung, die sich wie ein roter Faden durch seine späteren Veröffentlichungen zieht. Artenschutz ist eben nicht damit erledigt, dass man fordert, Tiere sollten möglichst unbehelligt in der Natur leben. Für zahlreiche bedrohte Arten existiert diese vermeintlich unberührte Natur längst nicht mehr in ausreichendem Umfang. Lebensräume verschwinden, Populationen werden voneinander getrennt, Wilderei und illegaler Handel setzen den Beständen zu.

    Kroiß beschäftigte sich bereits damals mit dem sogenannten One Plan Approach. Dahinter steht die Verbindung von Schutzmaßnahmen innerhalb des natürlichen Lebensraums mit solchen außerhalb davon. Eine Erhaltungszuchtpopulation kann dabei genauso eine Rolle spielen wie die Wiederherstellung von Lebensräumen, wissenschaftliche Forschung oder eine spätere Auswilderung. Entscheidend ist, wie die einzelnen Maßnahmen zusammenwirken.

    Natürlich macht das nicht automatisch jede zoologische Einrichtung zu einem erfolgreichen Artenschutzzentrum. Es wäre aber ebenso falsch, die Leistungen internationaler Erhaltungsprogramme einfach auszublenden. Wer grundsätzlich gegen Zoos argumentiert, kommt an der Frage nicht vorbei, was mit den entsprechenden Tierpopulationen, Fachkenntnissen und Schutzprojekten geschehen soll, wenn die beteiligten Einrichtungen verschwinden.

    Gerade diese praktische Frage fehlt in manchen Anti-Zoo-Debatten. Forderungen sind schnell formuliert. Der jahrzehntelange Aufbau genetisch tragfähiger Populationen, die Finanzierung von Schutzprojekten und die veterinärmedizinische Betreuung bedrohter Arten sind erheblich weniger spektakulär. Sie lassen sich auch nicht mit einem emotionalen Kurzvideo ersetzen.

    An Philipps grundsätzlicher Position hat sich nach seinen Veröffentlichungen wenig geändert. Neu ist vor allem die Bandbreite der Fälle, anhand derer er sie begründet und gegen pauschale Angriffe verteidigt.

    Wissenschaft statt Schlagzeilen: Wie zoos.media recherchiert

    Wer die Veröffentlichungen von zoos.media regelmäßig verfolgt, begegnet einem wiederkehrenden Muster: Eine öffentliche Behauptung wird aufgegriffen, ihre Herkunft untersucht und mit weiteren Informationen abgeglichen. Nicht jeder Text ist deshalb automatisch unangreifbar. Aber die Auseinandersetzung findet häufig dort statt, wo sie journalistisch hingehört: bei Dokumenten, Quellen und konkreten Fragen.

    Ein interessantes Beispiel lieferte Kroiß im Juli 2026 mit seiner Recherche über den europäischen Zooverband EAZA und die Organisation Stichting AAP. Auf einer Vermittlungsliste von AAP waren Schimpansen und Berberaffen als Arten aufgeführt, die zu europäischen Erhaltungszuchtprogrammen gehören. Das veranlasste zoos.media, bei der EAZA nachzufragen, in welcher Beziehung die Organisation zu diesen Programmen steht.

    Kroiß richtete nach eigener Darstellung acht Fragen an den Verband. Dabei ging es unter anderem um die tatsächliche Beteiligung von AAP, deren Status innerhalb der Erhaltungszuchtprogramme und die Zusammenarbeit mit zoologischen Einrichtungen. Die Antwort der EAZA führte nicht zur vollständigen Klärung aller von ihm aufgeworfenen Fragen. Im Gegenteil: Für Kroiß ergaben sich daraus weitere Widersprüche, die er öffentlich thematisierte.

    An dieser Recherche ist ein Detail besonders interessant. Der kritisierte Akteur war nicht ausschließlich eine Tierrechtsorganisation, sondern auch ein bedeutender europäischer Zooverband. Kroiß stellte also durchaus Fragen an eine Institution aus jenem Bereich, dessen Arbeit er regelmäßig verteidigt.

    Das passt schlecht zu der Vorstellung, zoos.media würde grundsätzlich alles abnicken, was aus der zoologischen Welt kommt. Es zeigt jedenfalls, dass auch etablierte Verbände mit kritischen Nachfragen rechnen müssen. Ob jede daraus entwickelte Bewertung überzeugt, lässt sich wiederum anhand der veröffentlichten Antworten beurteilen.

    Für den Journalismus ist genau diese Arbeitsweise wichtig. Ein Verband kann eine Aussage treffen. Ein Aktivist kann ihr widersprechen. Ein Influencer kann daraus eine Geschichte machen. Die journalistische Aufgabe besteht darin, die tatsächlichen Zusammenhänge sichtbar zu machen, statt sich auf die Darstellung einer einzelnen Seite zu verlassen.

    Philipp J. Kroiß und Robert Marc Lehmann: Wenn die Inszenierung auf Akten und Behördenauskünfte trifft

    Robert Marc Lehmann besitzt eine beachtliche Reichweite. Seine Videos, öffentlichen Auftritte und Kampagnen haben ihn zu einem der bekanntesten Gesichter der deutschsprachigen Tier- und Naturschutzszene gemacht. Damit gehen allerdings auch Fragen nach dem Umgang mit Tatsachen einher. Gerade wer öffentlich Vorwürfe gegen zoologische Einrichtungen, Behörden oder andere Personen erhebt, muss sich gefallen lassen, dass seine eigenen Aussagen überprüft werden.

    Philipp J. Kroiß macht genau das seit Längerem. Besonders anschaulich wurde die Auseinandersetzung im April 2026 beim gestrandeten Buckelwal in der Ostsee. Lehmann hatte sich öffentlich zur möglichen Rettung des Tieres geäußert und seine Vorstellungen zu einem Einsatz beschrieben. In der anschließenden Diskussion entstand der Eindruck, eine Rettungsinitiative sei an den zuständigen staatlichen Stellen gescheitert.

    Kroiß wollte wissen, was tatsächlich vorgelegen hatte, und fragte beim zuständigen Ministerium in Mecklenburg-Vorpommern nach. Die Antwort, die zoos.media am 9. April veröffentlichte, war eindeutig: Nach Angaben des Ministeriums hatte Lehmann seinen Plan telefonisch vorgetragen. Ein belastbares Konzept sei trotz mehrfacher Bitte nicht eingereicht worden. Außerdem erklärte das Ministerium, Lehmann sei nicht grundsätzlich von Einsätzen ausgeschlossen worden.

    Das verändert die Ausgangslage erheblich. Zwischen dem öffentlichen Wunsch, einen Wal zu retten, und einem ausreichend ausgearbeiteten Konzept für einen genehmigungspflichtigen Eingriff liegt ein beträchtlicher Unterschied. Behörden müssen prüfen können, was geplant ist, welche Risiken bestehen und ob die Maßnahme dem Tier tatsächlich helfen kann. Begeisterung und Entschlossenheit ersetzen diese Voraussetzungen nicht.

    Der Fall zeigt, welchen Unterschied eine einzige gezielte Recherche machen kann. Während öffentlich über mögliche Verhinderer einer Rettungsaktion diskutiert wurde, stand nach der veröffentlichten Behördenauskunft zunächst eine andere Frage im Raum: Wo war das belastbare Konzept?

    Auch bei der Diskussion über öffentliche Gesprächsangebote zwischen Lehmann und Vertretern zoologischer Einrichtungen beschäftigte sich Kroiß mit der Differenz zwischen Darstellung und dokumentiertem Ablauf. Wer öffentlich mangelnde Gesprächsbereitschaft beklagt, muss sich schließlich fragen lassen, wie er selbst mit konkreten Einladungen und angebotenen Gesprächsformaten umgeht.

    Hinzu kamen Streitigkeiten um die Verwendung von Videomaterial, Urheberrechtsbeschwerden und die öffentliche Darstellung angeblicher Versuche, Lehmann zum Schweigen zu bringen. Auch hierzu veröffentlichte zoos.media eigene Recherchen. Eine Beschwerde wegen der Verwendung geschützten Materials ist allerdings nicht bereits deshalb ein Beleg für einen systematischen Versuch, Kritik zu unterdrücken. Die entscheidenden Fragen betreffen den konkreten Inhalt, seine Verwendung und die rechtlichen Grundlagen der jeweiligen Maßnahme.

    Im Oktober rückte schließlich die Anti-Zoo-Demonstration in Berlin in den Mittelpunkt. Während Unterstützer die Veranstaltung als starkes Signal gegen Zoos feierten, beschäftigte sich Kroiß unter anderem mit den polizeilichen Angaben zur Teilnehmerzahl. Nach der von zoos.media veröffentlichten Auskunft der Berliner Polizei waren 5.000 Menschen angemeldet, während in der Spitze rund 2.500 Teilnehmer geschätzt wurden.

    Das sagt nicht alles über die Bedeutung einer Demonstration aus. Es zeigt aber, wie wichtig die Unterscheidung zwischen angemeldeten, erwarteten und tatsächlich geschätzten Teilnehmerzahlen ist. Wer mit großen Zahlen öffentliche Wirkung erzeugen möchte, muss sich an den tatsächlichen Angaben messen lassen.

    Gerade solche Vorgänge erklären, weshalb Kroiß bei Teilen der Lehmann-Community auf Widerspruch stößt. Seine Recherchen stellen nicht nur einzelne Behauptungen infrage. Sie greifen auch die Erzählungen auf, die sich rund um diese Behauptungen entwickeln. Und das ist für ein Publikum, das seinem bevorzugten Influencer weitgehend vertraut, möglicherweise unangenehmer als jede gewöhnliche Meinungsverschiedenheit.

    Wenn Influencer Geschichten erzählen und Journalisten nachfragen

    Es ist vergleichsweise einfach, eine dramatische Geschichte über ein Tier zu erzählen. Ein eindrucksvolles Bild, eine emotionale Beschreibung und ein vermeintlich eindeutiger Schuldiger genügen häufig, um Tausende Menschen zu erreichen. Komplizierter wird es, wenn jemand wissen möchte, was vor dem gefilmten Moment geschah, welche fachlichen Informationen vorliegen und ob die gezeigten Bilder tatsächlich die behauptete Schlussfolgerung erlauben.

    Gerade im Tier- und Artenschutz führt das regelmäßig zu Konflikten. Das Schicksal eines einzelnen Tieres kann emotional berühren, sagt aber nicht automatisch alles über eine Haltungseinrichtung, eine Artenschutzmaßnahme oder die Ursachen einer Erkrankung aus. Wer aus einem Einzelfall eine grundsätzliche Anklage entwickelt, muss den Zusammenhang belegen. Andernfalls bleibt eine emotional wirksame Geschichte, deren tatsächliche Aussagekraft begrenzt ist.

    Das Problem beginnt dort, wo Reichweite zur vermeintlichen Autorität wird. Hunderttausende Follower können den Eindruck vermitteln, eine Darstellung sei besonders glaubwürdig. Tatsächlich sagt die Zahl der Abonnenten zunächst nur etwas über die Größe des Publikums aus. Ein Behördenbescheid wird nicht falsch, weil er einer populären Erzählung widerspricht. Und eine wissenschaftliche Untersuchung wird nicht richtiger, weil sie besonders häufig geteilt wurde.

    Auch journalistische Medien können zuspitzen. GERATI macht daraus ebenso wenig ein Geheimnis wie zoos.media. Entscheidend ist, ob die Zuspitzung aus einem überprüfbaren Sachverhalt entsteht oder ob sie eine Geschichte dramatischer erscheinen lässt, als die Quellen erlauben.

    Der Fall des Buckelwals ist dafür ein gutes Beispiel. Die Frage, ob jemand helfen wollte, ist etwas anderes als die Frage, ob ein genehmigungsfähiger Rettungsplan existierte. Wer beide Punkte miteinander vermischt, erzählt möglicherweise eine überzeugende Geschichte, beantwortet aber nicht die entscheidende Sachfrage.

    Genau diese Unterscheidung kann journalistische Recherche leisten. Sie muss dafür nicht emotionslos sein. Sie darf auch scharf formulieren und Widersprüche deutlich benennen. Nur sollte sich die Kritik auf das beziehen, was tatsächlich gesagt, getan oder dokumentiert wurde.

    Das Publikum darf schließlich mehr erwarten als eine Auswahl jener Informationen, die am besten zur eigenen Überzeugung passen. Auch wenn das gelegentlich bedeutet, dass eine spektakuläre Geschichte nach der Recherche deutlich weniger spektakulär aussieht.

    Von PETA bis zur Anti-Zoo-Demonstration: Kroiß und die Tierrechtsorganisationen

    Die Auseinandersetzung mit Tierrechtsorganisationen begleitet Philipp J. Kroiß schon seit den Anfängen seiner Arbeit bei zoos.media. Im GERATI-Interview von 2020 sprach er ausführlich über PETA, das Wal- und Delfinschutz-Forum und die Schwierigkeiten eines Dialogs mit Akteuren, die bestimmte Formen der Tierhaltung grundsätzlich ablehnen.

    Damals formulierte er einen Satz, der auch heute noch seine Haltung widerspiegelt:

    „Ein Dialog mit Leuten, die aber jede Form der Tierhaltung ohnehin beenden wollen, ist Zeitverschwendung“

    Kroiß ging es dabei um einen Unterschied, der in öffentlichen Diskussionen häufig untergeht: Es ist nicht dasselbe, konkrete Haltungsbedingungen zu kritisieren oder die Haltung von Tieren grundsätzlich abzulehnen. Wer Verbesserungen erreichen möchte, kann über Platzangebot, Beschäftigung, veterinärmedizinische Versorgung und die Bedürfnisse einzelner Tierarten diskutieren. Wer die Abschaffung der Haltung als unverrückbares Ziel betrachtet, verfolgt hingegen einen anderen politischen und weltanschaulichen Ansatz.

    Die Grenze zwischen diesen Positionen wird in Kampagnen nicht immer deutlich. Organisationen können mit Einzelfällen schlechter Haltung werben und daraus weiterreichende Forderungen ableiten. Deshalb lohnt es sich, nicht allein die veröffentlichten Bilder zu betrachten, sondern auch die langfristigen Ziele und politischen Aktivitäten der jeweiligen Organisation.

    Kroiß hat diesen Bereich seiner Berichterstattung über die Jahre ausgebaut. Neben PETA gehören inzwischen auch Vier Pfoten, Stichting AAP, QUEN und weitere Organisationen zu den Akteuren, deren Veröffentlichungen, Verbindungen und Forderungen zoos.media untersucht. Dabei interessiert ihn besonders, welche Auswirkungen deren Aktivitäten auf Zoos, Erhaltungszuchtprogramme und die Haltung von Wildtieren haben.

    Die Recherche zur EAZA und Stichting AAP zeigt beispielhaft, dass solche Fragen nicht an der Grenze zwischen Zoos und Tierrechtsorganisationen enden. Auch die Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen und Organisationen mit unterschiedlichen Zielsetzungen kann Gegenstand einer kritischen Untersuchung sein. Dabei geht es um institutionelle Beziehungen, tatsächliche Verantwortlichkeiten und die Folgen für bestehende Programme.

    GERATI setzt an einer teilweise anderen Stelle an. Hier beschäftigen wir uns besonders mit der Radikalisierung des Tierschutzes in Form tierrechtlicher Forderungen, mit der politischen Wirkung entsprechender Kampagnen und mit dem Verhalten einzelner Akteure in der öffentlichen Debatte. zoos.media betrachtet häufig stärker die zoologischen und artenschutzfachlichen Konsequenzen. Die Themen überschneiden sich, weil die politischen Forderungen der einen Seite unmittelbare Auswirkungen auf die Einrichtungen haben können, mit denen sich die andere beschäftigt.

    Aus solchen Überschneidungen folgt allerdings weder eine gemeinsame Redaktion noch eine identische Berichterstattung. Sie ergeben sich schlicht daraus, dass sich beide Medien mit unterschiedlichen Seiten desselben gesellschaftlichen Konflikts befassen.

    Und dieser Konflikt wird sich nicht durch die Frage lösen lassen, welcher Influencer die meisten Menschen zu einer Demonstration mobilisiert. Es geht um die Zukunft der Tierhaltung, um wissenschaftliche Erkenntnisse, um die Arbeit von Erhaltungsprogrammen und um politische Entscheidungen mit konkreten Folgen. Dafür braucht es mehr als eingängige Parolen.

    Wenn Kritik vor Gericht landet: Der Rechtsstreit zwischen zoos.media und QUEN

    Nicht jede Auseinandersetzung bleibt auf der Ebene öffentlicher Stellungnahmen oder sozialer Netzwerke. Dass eine kritische Veröffentlichung auch juristische Folgen haben kann, zeigt der Rechtsstreit zwischen zoos.media und der Organisation QUEN. Ausgangspunkt war ein Beitrag aus dem November 2024 über das Ende der geplanten Tierschutzgesetz-Novelle und die Rolle verschiedener Organisationen im politischen Umfeld des Tierschutzes.

    QUEN ging gegen mehrere Passagen des Artikels vor. Zunächst wurde zoos.media abgemahnt, anschließend beschäftigten sich Gerichte mit den beanstandeten Äußerungen. Der Streit führte schließlich bis zum Oberlandesgericht Frankfurt am Main.

    Am 2. Oktober 2026 berichtete Philipp J. Kroiß ausführlich über den Ausgang des Verfahrens. Nach seiner Darstellung blieb QUEN mit dem überwiegenden Teil der angegriffenen Aussagen erfolglos. Insbesondere die scharfe Kritik an der Organisation und die Einordnung bestimmter politischer und fachlicher Vorgänge konnten weitgehend bestehen bleiben.

    Lediglich bei zwei Formulierungen, die nach Auffassung des Gerichts beim durchschnittlichen Leser den Eindruck erwecken konnten, QUEN wolle jede Form der Tierhaltung abschaffen, erhielt die Organisation Recht. Zugleich berichtete zoos.media, dass QUEN die gesamten Prozesskosten beider Instanzen auferlegt wurden. Die Revision wurde nicht zugelassen.

    Besonders interessant ist ein weiterer Punkt. Nach der Darstellung von Kroiß durfte auch die Aussage bestehen bleiben, QUEN habe „sehr wenig mit Evidenz zu tun“. Das Oberlandesgericht bewertete diese Formulierung als zulässige Meinungsäußerung. Der Streit betraf somit nicht bloß einzelne scharfe Worte, sondern auch die Frage, wie deutlich Journalisten Organisationen kritisieren dürfen, die selbst Einfluss auf die öffentliche und politische Diskussion nehmen möchten.

    Der Verfahrensausgang zeigt, dass eine Organisation kritische Berichterstattung nicht allein durch eine Abmahnung oder Klage vollständig unterbinden kann. Gleichzeitig macht er deutlich, wie genau Journalisten einzelne politische Forderungen ihren tatsächlichen Urhebern zuordnen müssen. Gerade wenn unterschiedliche Organisationen im selben Themenfeld auftreten, darf aus deren inhaltlicher Nähe keine falsche Zuschreibung entstehen.

    Für Kroiß dürfte das Verfahren auch persönlich von Bedeutung gewesen sein. Seine Redaktion hatte sich gegen weitreichende Beanstandungen gewehrt und konnte nach eigener Darstellung einen wesentlichen Teil der angegriffenen Berichterstattung verteidigen. Dass er dem Ausgang einen ausführlichen Artikel widmete, ist daher nachvollziehbar.

    Es ist zugleich ein Beispiel dafür, dass die Auseinandersetzung um Tierhaltung und Tierrecht längst nicht mehr allein mit Protestaktionen und emotionalen Kampagnen geführt wird. Auch die Grenzen journalistischer Kritik stehen dabei zur Diskussion. Und diese Grenzen werden glücklicherweise nicht in Kommentarspalten festgelegt.

    Der Mensch hinter zoos.media: Was Philipp J. Kroiß antreibt

    Wer Philipp J. Kroiß nur aus seinen kritischen Veröffentlichungen kennt, bekommt zwangsläufig ein unvollständiges Bild. Er ist nicht allein der Journalist, der sich mit PETA, Robert Marc Lehmann oder verschiedenen Tierrechtsorganisationen anlegt. Hinter seiner Arbeit steht auch eine persönliche Begeisterung für Tiere, zoologische Einrichtungen und die Menschen, die dort arbeiten.

    Im Interview von 2020 erzählte er von Besuchen hinter den Kulissen verschiedener Zoos, von Dreharbeiten und von Begegnungen mit Tierpflegern. Besonders in Erinnerung geblieben waren ihm die Entwicklung junger Delfine und die Betreuung des Gorillas Hujan im Zoo Krefeld. Kroiß beschrieb, wie beeindruckend es sein könne, Tiere über längere Zeit zu begleiten und unmittelbar mitzuerleben, welche Arbeit ihre Pfleger in deren Entwicklung investieren.

    Solche Erlebnisse prägen eine journalistische Perspektive. Wer die tägliche Arbeit in zoologischen Einrichtungen kennt, nimmt möglicherweise andere Dinge wahr als jemand, der einen Zoo ausschließlich anhand einzelner Aufnahmen in sozialen Netzwerken beurteilt. Die Begegnung mit Fachleuten und die Beobachtung langfristiger Entwicklungen liefern Informationen, die sich von außen nicht immer erschließen.

    Kroiß sprach damals auch offen über seine besondere Wertschätzung für den Loro Parque auf Teneriffa. Zugleich erläuterte er die frühere Unterstützung, die zoos.media durch die Einrichtung erhalten hatte, und die Probleme, die durch eine missverständliche Darstellung dieser Beziehung entstanden waren. Gerade für einen Journalisten, der sich auf ein bestimmtes Fachgebiet spezialisiert, ist ein transparenter Umgang mit solchen Kontakten wichtig.

    Die Nähe zu zoologischen Einrichtungen erklärt einen Teil seiner Perspektive. Sie bedeutet allerdings nicht, dass daraus automatisch eine unkritische Haltung entstehen muss. Seine späteren Veröffentlichungen über die EAZA zeigen jedenfalls, dass auch Institutionen aus dem eigenen fachlichen Umfeld zum Gegenstand kritischer Recherchen werden können.

    Bemerkenswert ist zudem sein Umgang mit öffentlichem Widerspruch. Bereits 2020 erklärte Kroiß, persönliche Angriffe würden ihn nicht grundsätzlich frustrieren. Er betrachtete solche Reaktionen als möglichen Bestandteil journalistischer Arbeit, gerade wenn kontroverse Themen behandelt werden.

    Seine Veröffentlichungen zeigen bis heute einen Autor, der deutliche Formulierungen nicht scheut. Gelegentlich wird es polemisch, an anderen Stellen ausgesprochen sarkastisch. Man muss diesen Stil nicht mögen. Aber ein scharfer Ton entbindet weder den Autor von seiner Verantwortung noch seine Kritiker von der Pflicht, sich mit seinen tatsächlichen Aussagen auseinanderzusetzen.

    Wer also verstehen möchte, warum Kroiß bestimmte Konflikte mit solcher Beharrlichkeit verfolgt, sollte auch seine ursprüngliche Motivation kennen. Es geht ihm erkennbar nicht nur um die Widerlegung einzelner Influencer-Aussagen, sondern um die grundsätzliche Rolle moderner Zoos und die Menschen, die dort arbeiten.

    GERATI und zoos.media: Eine Freundschaft, zwei Redaktionen und die Sache mit der Marionette

    Kommen wir zu einer Debatte, die gelegentlich fast unterhaltsamer wirkt als die eigentlichen Artikel, um die gestritten wird. Immer wieder wird GERATI in sozialen Netzwerken vorgeworfen, lediglich ein verlängerter Arm von zoos.media zu sein. Silvio Harnos sei die Marionette von Philipp J. Kroiß, heißt es dann. Andere gehen noch weiter und vermuten hinter jeder kritischen Veröffentlichung über Robert Marc Lehmann eine Art gemeinsame redaktionelle Steuerung.

    Zunächst zu den tatsächlichen Verhältnissen: Philipp und ich kennen uns seit Jahren und sind befreundet. Wir beschäftigen uns beide journalistisch mit Tierhaltung, Tierschutz und Tierrecht, allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Wir lesen gegenseitig Veröffentlichungen und greifen gelegentlich Recherchen des anderen auf. Das ist keine geheime Absprache, sondern im jeweiligen Artikel häufig direkt nachvollziehbar.

    zoos.media konzentriert sich stärker auf zoologische Einrichtungen, Artenschutz, Erhaltungszucht, Tierwohl und fachliche Fragen der Wildtierhaltung. GERATI beschäftigt sich verstärkt mit Tierrechtsorganisationen, ihren Kampagnen, ihren gesellschaftlichen und politischen Forderungen und den Auswirkungen eines zunehmend konfrontativen Aktivismus. Natürlich überschneiden sich diese Arbeitsgebiete. Wer gegen Zoos kämpft, wird zwangsläufig sowohl für ein zoologisches Fachmedium als auch für ein Medium interessant, das Tierrechtsaktivismus kritisch betrachtet.

    Ein konkretes Beispiel für die gegenseitige journalistische Bezugnahme lieferte die GERATI-Recherche über Veränderungen im öffentlich sichtbaren Videobestand von Robert Marc Lehmanns YouTube-Kanal. Philipp griff diese Arbeit später in einer eigenen Veröffentlichung auf und ordnete sie in seine Auseinandersetzung mit den Vorwürfen über angebliche Cancel-Versuche ein. GERATI beschäftigte sich wiederum mit seiner Berichterstattung und den daraus abgeleiteten Fragen. Wer welche Informationen recherchiert und veröffentlicht hatte, war dabei erkennbar.

    Wie daraus eine Marionettenbeziehung entstehen soll, erschließt sich nicht ohne Weiteres. Offenbar genügt es manchen Kommentatoren inzwischen, wenn zwei Journalisten dieselben Quellen lesen und gelegentlich zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommen. Schon wird aus einer Freundschaft eine vermeintliche Redaktionsleitung und aus journalistischer Übereinstimmung eine Fremdsteuerung. Es fehlt eigentlich nur noch jemand, der die unsichtbaren Fäden fotografiert.

    Besonders anschaulich wurde das in einer Facebook-Diskussion unter einem GERATI-Beitrag. Eine Kommentatorin bezeichnete Silvio Harnos als „Marionette von Philipp“ und behauptete zugleich, rund 80 Prozent seiner unabhängigen Berichterstattung würden sich mit Robert Marc Lehmann beschäftigen. Im weiteren Verlauf wurde die Behauptung über eine angebliche Steuerung durch Kroiß allerdings relativiert: Eine tatsächliche redaktionelle Kontrolle habe die Kommentatorin damit nicht behaupten wollen.

    Das ist eine interessante Wendung. Zunächst steht der Vorwurf einer Marionettenrolle im Raum, anschließend wird die eigentliche Steuerung ausdrücklich bestritten. Was bleibt, ist eine persönliche Bewertung der journalistischen Schwerpunktsetzung, verbunden mit einer Prozentzahl, für die ein nachvollziehbarer Berechnungsmaßstab fehlt.

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    Screenshot Facebook: GERATI

    Natürlich kann jeder die Themenauswahl eines journalistischen Mediums kritisieren. Wer allerdings behauptet, 80 Prozent der Veröffentlichungen würden sich ausschließlich mit einer bestimmten Person beschäftigen, sollte erklären können, wie diese Zahl zustande kommt. Noch weniger sagt eine solche Angabe darüber aus, wer die Artikel recherchiert und schreibt. Selbst eine häufige Berichterstattung über denselben Influencer macht einen Journalisten nicht automatisch zum Mitarbeiter eines anderen.

    In diesem Zusammenhang fällt auch die öffentliche Auseinandersetzung mit Rechtsanwalt Alexander Boos auf. GERATI hat sich wiederholt mit Aussagen und Reaktionen von Boos im Umfeld der Kritik an Robert Marc Lehmann beschäftigt. Dabei entstanden neben journalistischen Beiträgen auch persönliche Stellungnahmen und satirische Veröffentlichungen.

    Auf dem YouTube-Kanal GERATI TV haben wir die betreffenden Kontroversen beispielsweise im Video „Robert Marc Lehmann: Kritik = Hass? Ich reagiere auf seine Vorwürfe“ aufgegriffen. Dort werden unter anderem die Auseinandersetzungen um öffentliche Kritik, Videomaterial und die Rolle von zoos.media behandelt.

    In einem weiteren GERATI-TV-Beitrag richtet sich Silvio Harnos nach seiner eigenen Darstellung unmittelbar an Alexander Boos und erläutert seine Sicht auf die Sachverhalte rund um Robert Marc Lehmann. Solche Veröffentlichungen machen zumindest eines deutlich: GERATI vertritt seine Positionen nicht ausschließlich in schriftlichen Artikeln, sondern auch persönlich und öffentlich.

    Dass diese Auseinandersetzung zeitweise sogar musikalisch verarbeitet wurde, gehört ebenfalls zur Geschichte. GERATI hat verschiedene Kontroversen und öffentliche Reaktionen in satirischen Songs aufgegriffen, darunter Beiträge wie „Eine Minute“. Das ist eine andere Ausdrucksform als die journalistische Recherche. Sie darf zuspitzen, überzeichnen und mit den Widersprüchen einer Debatte spielen. Beides sollte man nicht miteinander verwechseln.

    Die redaktionelle Unabhängigkeit von GERATI lässt sich letztlich weder durch einen Song beweisen noch durch einen persönlichen Angriff widerlegen. Entscheidend sind die tatsächlichen Veröffentlichungen, ihre Urheberschaft und ihre Quellen. Wer eine konkrete Recherche kritisieren möchte, hat dazu jederzeit die Möglichkeit. Dafür muss weder Philipp als vermeintlicher Hintermann herhalten, noch braucht es eine abenteuerliche Konstruktion über angebliche Strippenzieher.

    Dass sich GERATI und zoos.media gegenseitig ernst nehmen, ist kein Geheimnis. Dass sie deshalb dasselbe Medium wären, folgt daraus nicht. Wer einen Fehler in einem GERATI-Artikel findet, sollte ihn GERATI vorhalten. Wer eine Veröffentlichung von zoos.media für falsch hält, sollte sich mit Philipp Kroiß und seinen Quellen auseinandersetzen.

    Eigentlich kein besonders kompliziertes Prinzip. In manchen Kommentarspalten scheint es dennoch erklärungsbedürftig.

    Die Zukunft von Philipp J. Kroiß und zoos.media

    Zum Ende unseres Interviews im Jahr 2020 fragte GERATI Philipp J. Kroiß nach seinen beruflichen Zukunftsplänen. Seine Antwort war wenig überraschend. Er wollte das Projekt weiterentwickeln, gemeinsam mit seinem Team arbeiten und noch mehr Menschen erreichen.

    „zoos.media soll natürlich immer größer werden.“

    Damals war das vor allem ein berufliches Ziel. Heute lässt sich feststellen, dass zoos.media weiterhin regelmäßig journalistische Beiträge zu zoologischen Einrichtungen, Artenschutz, wissenschaftlichen Fragen und öffentlichen Kontroversen veröffentlicht. Auch das Spektrum der behandelten Themen hat sich erkennbar erweitert.

    Besonders auffällig ist, wie stark neben klassischen Zoo-Themen inzwischen die öffentliche Kommunikation von Aktivisten, Verbänden und Influencern in den Mittelpunkt gerückt ist. Das ist kein Zufall. Wer die gesellschaftliche Wahrnehmung zoologischer Einrichtungen beeinflusst, wird für ein spezialisiertes Medium zwangsläufig selbst zum Gegenstand der Berichterstattung.

    Dabei darf die eigentliche fachliche Arbeit nicht in den Hintergrund geraten. Artenschutzprogramme, Erhaltungszucht, die Entwicklung moderner Tierhaltung und wissenschaftliche Erkenntnisse bleiben auch dann relevant, wenn gerade kein bekannter Influencer für Schlagzeilen sorgt. Die öffentliche Debatte über Zoos ist schließlich größer als Robert Marc Lehmann, PETA oder eine Demonstration in Berlin.

    Für Kroiß bietet sich gerade darin eine langfristige journalistische Aufgabe. Die Bedeutung zoologischer Einrichtungen wird auch künftig kritisch diskutiert werden. Neue Erkenntnisse über Tierwohl, veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen und politische Forderungen zur Tierhaltung werden weitere Fragen aufwerfen. Wer diese Entwicklungen fachlich begleiten möchte, benötigt Erfahrung, gute Quellen und die Bereitschaft, auch unbequeme Informationen zu veröffentlichen.

    Das Interview von 2020 zeigt, dass viele seiner heutigen Überzeugungen bereits damals vorhanden waren. Verändert haben sich vor allem die Themenvielfalt, die öffentliche Aufmerksamkeit und die Konflikte, in denen seine Recherchen eine Rolle spielen. Aus dem jungen Chefredakteur ist ein Journalist geworden, dessen Arbeit weit über die Vorstellung einzelner Zoos hinausreicht.

    Dass diese Veröffentlichungen nicht überall auf Begeisterung stoßen, überrascht kaum. Gerade dort, wo öffentliche Kampagnen von starken Emotionen leben, können nüchterne Nachfragen unangenehm werden. Deshalb bleibt es wichtig, den Unterschied zwischen einer überprüfbaren Recherche und dem persönlichen Angriff auf ihren Urheber nicht aus den Augen zu verlieren.

    Und damit sind wir wieder beim Anlass dieses Artikels. Ein altes GERATI-Interview taucht plötzlich erneut unter den meistgelesenen Beiträgen auf. Menschen interessieren sich wieder für Philipp J. Kroiß, seine Arbeit und seine früheren Aussagen. Wer das ursprüngliche Gespräch heute liest, entdeckt einen Journalisten, der sich bereits damals zu vielen Fragen eindeutig positionierte und dessen Themen sechs Jahre später weiterhin Gegenstand öffentlicher Kontroversen sind.

    Ob Leser seine Positionen teilen oder nicht, ist ihre eigene Entscheidung. Wer sich ernsthaft damit beschäftigen möchte, findet genügend Veröffentlichungen, Quellen und konkrete Streitfragen. Für eine sachliche Auseinandersetzung ist also reichlich Material vorhanden.

    Man müsste es nur lesen, statt sich ausschließlich mit der Frage zu beschäftigen, wer angeblich wessen Marionette ist.

    Quellen

  • Robert Marc Lehmann: „Größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ – danach Totenstille

    Robert Marc Lehmann: „Größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ – danach Totenstille

    Robert Marc Lehmann kündigte für den 4. Oktober 2026 in Berlin nicht irgendeine Demonstration an. „Die größte Anti-Zoo Demo der Welt!“ lautete die Botschaft, mit der über Wochen mobilisiert wurde. Bekannte Namen aus der Tierrechtsszene sollten zusätzliche Aufmerksamkeit erzeugen, während Parolen wie „FCK ZOOS“ die Richtung vorgaben. Einen Tag später ist von dem groß angekündigten Weltrekord vor allem eines geblieben: Totenstille.

    Bis Montagvormittag findet sich bei den großen deutschen Nachrichtenmedien kein eigenständiger Nachbericht, der die vermeintlich größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt entsprechend würdigt. Eine öffentlich bekannte Teilnehmerzahl, mit der sich der angekündigte Rekord überprüfen ließe, fehlt ebenfalls. Auch von der Berliner Polizei liegt bislang keine veröffentlichte Zahl vor, anhand derer die tatsächliche Größe der Veranstaltung eingeordnet werden könnte. Wer selbst einen Weltrekord ausruft, muss sich jedoch genau an dieser Größe messen lassen.

    Vor der Demo Schlagzeilen, danach Totenstille

    Im Vorfeld funktionierte die mediale Aufmerksamkeit wesentlich besser. Verschiedene Portale griffen die Ankündigung auf, Sarah Connors Unterstützung sorgte zusätzlich für Schlagzeilen und der angekündigte Protest wurde bereits Wochen vor dem 4. Oktober zum Thema. GERATI berichtete ebenfalls ausführlich über die von Robert Marc Lehmann angekündigte Anti-Zoo-Demonstration in Berlin und verwies dabei bereits auf den außergewöhnlichen Anspruch, den Lehmann selbst mit seiner Werbung geschaffen hatte.

    Nach der Veranstaltung sieht das Bild völlig anders aus. Kein großes Medienecho über einen angeblichen Weltrekord, keine verbreitete Teilnehmerzahl und keine Schlagzeilen darüber, dass Robert Marc Lehmann tatsächlich die größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt organisiert habe. Gerade dieser Gegensatz zwischen der lautstarken Ankündigung und der anschließenden Stille ist bemerkenswert. Was vorher groß genug für Schlagzeilen war, scheint nach der tatsächlichen Veranstaltung kaum noch Nachrichtenwert zu besitzen.

    An fehlendem Bildmaterial kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Die Bildagentur IMAGO hatte mit Marvin Möbius einen professionellen Fotografen vor Ort und veröffentlichte noch am Veranstaltungstag zahlreiche Aufnahmen von Robert Marc Lehmann, Caroh Weber, Demonstranten und Protestschildern. Das Material stand den Redaktionen damit unmittelbar für eine Bebilderung zur Verfügung. Trotzdem blieb die große Nachberichterstattung aus.

    Menschen waren dort – doch wo ist der Weltrekord?

    Dass Menschen zu der Demonstration kamen, steht außer Frage. Die Veranstaltung fand statt, es gab Redner, Transparente, Fahnen, Megafone und zahlreiche Anhänger der Anti-Zoo-Bewegung. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Menschen vor Ort waren, sondern ob die vorher groß angekündigte „größte Anti-Zoo-Demo der Welt“ tatsächlich diesen Anspruch erfüllen konnte. Dafür bräuchte es eine nachvollziehbare Teilnehmerzahl.

    Genau diese Zahl fehlt. Weder eine offizielle Zahl der Polizei noch eine belastbare Zahl eines großen Nachrichtenmediums ist bislang veröffentlicht worden. Damit fehlt ausgerechnet der wichtigste Wert, mit dem Robert Marc Lehmann seinen eigenen Weltrekord belegen könnte. Die größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt existiert damit bislang vor allem als vorherige Werbeaussage.

    Auch inhaltlich blieb die Veranstaltung deutlich hinter ihrer großen Inszenierung zurück. Viele Redebeiträge wiederholten bekannte Positionen der Anti-Zoo-Szene, während die sichtbare Protestkommunikation immer wieder von Parolen wie „FCK ZOOS“ geprägt wurde. zoos.media fasste die Veranstaltung entsprechend mit „Viel Hass, wenig Inhalt“ zusammen. Die große sachliche Abrechnung mit modernen Zoos blieb dagegen überschaubar.

    Kinder mit Megafon statt zoologischer Bildung

    Besonders auffällig war die Einbindung von Kindern in die Protestveranstaltung. Kinder wurden mit Megafonen in eine Demonstration eingebunden, deren sichtbare Botschaften unter anderem aus Begriffen wie „FCK ZOOS“ bestanden. Gleichzeitig gehört der angeblich fehlende Bildungsauftrag zoologischer Einrichtungen zu den häufigsten Vorwürfen der Anti-Zoo-Szene. Gerade deshalb lohnt sich der Vergleich dessen, was Kindern jeweils tatsächlich vermittelt wird.

    In zoologischen Einrichtungen begegnen Kinder lebenden Tieren und erhalten Informationen über Tierarten, Lebensräume, Verhalten, Bedrohungen und Artenschutz. Auf einer Demonstration lernen sie dagegen vulgäre Anti-Zoo-Parolen kennen und werden unmittelbar in die Konfrontation zwischen Aktivisten und zoologischen Einrichtungen eingebunden. Ein Megafon und ein Kraftausdruck ersetzen jedoch keine biologische Bildung und kein sachliches Argument über moderne Tierhaltung. Wer Zoos ihren Bildungsauftrag abspricht, sollte deshalb erklären können, welchen pädagogischen Mehrwert „FCK ZOOS“ für Kinder besitzen soll.

    Gerade eine Bewegung, die für sich moralische und pädagogische Überlegenheit beansprucht, muss sich an den eigenen Methoden messen lassen. Zoos können und sollen für ihre Bildungsangebote kritisiert werden, wenn diese ihren Anspruch nicht erfüllen. Dasselbe muss dann auch für Demonstrationen gelten, auf denen Kinder politische beziehungsweise aktivistische Botschaften der Erwachsenen übernehmen. Bildung braucht Wissen und Argumente, nicht nur möglichst eingängige Parolen.

    Robert Marc Lehmann und die 50 angeblich überlebenden Bali-Stare

    Auf der Berliner Demonstration machte Robert Marc Lehmann außerdem eine bemerkenswert konkrete Aussage über sein Bali-Star-Projekt. Von 60 ausgewilderten Bali-Staren sollen nach seinen Angaben noch 50 leben. Von den zehn verstorbenen Vögeln sei unter anderem ein Tier gegen eine Fensterscheibe geflogen. Wer derart genaue Überlebenszahlen und sogar einzelne Todesursachen nennt, muss dafür eine entsprechend genaue Datengrundlage besitzen.

    Für die von Mission Erde unterstützte Gruppe der ausgewilderten Bali-Stare ist jedoch kein GPS- oder Funktracking öffentlich dokumentiert, mit dem sich jedes der 60 Tiere permanent individuell verfolgen ließe. Ringnummern oder Mikrochips können der Identifikation dienen, liefern aber keine laufenden Standortdaten eines frei fliegenden Vogels. Ein Mikrochip zeigt weder an, wo sich ein Tier befindet, noch ob es noch lebt. Dafür müsste der betreffende Vogel zunächst wiedergefunden, erkannt oder eingefangen werden.

    Damit bleibt die entscheidende Frage bestehen: Wie wurde festgestellt, dass ausgerechnet 50 der ursprünglich 60 Tiere noch leben? Welche 50 Vögel wurden wann eindeutig identifiziert und wie wurde bei den übrigen zehn festgestellt, dass sie tatsächlich gestorben sind? Noch konkreter wird diese Frage bei Lehmanns Aussage, einer seiner ausgewilderten Bali-Stare sei gegen eine Fensterscheibe geflogen. Dafür müsste zumindest nachvollziehbar dokumentiert sein, welcher Vogel gefunden wurde, wie er eindeutig der ursprünglichen Auswilderungsgruppe zugeordnet wurde und wie die konkrete Todesursache festgestellt wurde.

    Genau solche öffentlich nachvollziehbaren Belege für eine vollständige Individualbilanz der 60 Tiere liegen bislang nicht vor. Eine Populationsbeobachtung in einem Gebiet ist etwas anderes als der Nachweis, dass exakt 50 bestimmte Ursprungstiere noch leben. Wer andere regelmäßig einem „Faktencheck“ unterzieht, muss denselben Maßstab auch bei den eigenen Aussagen akzeptieren. Artenschutz braucht überprüfbare Daten und keine Zahlen, deren Entstehung für Außenstehende nicht nachvollziehbar ist.

    Mehr als 600 Bali-Stare – aber nicht durch Robert Marc Lehmann

    Auch die Gesamtpopulation des Bali-Stars muss klar von Lehmanns eigenem Projekt getrennt werden. Aktuelle Angaben nennen wieder mehr als 600 wildlebende Bali-Stare, während der Bali-Barat-Nationalpark bereits 2023 einen Bestand von rund 600 Tieren gemeldet hatte. Diese Entwicklung begann lange bevor Robert Marc Lehmann mit Mission Erde eigene Auswilderungen unterstützte. Sie ist das Ergebnis jahrzehntelanger Schutzmaßnahmen, Erhaltungszucht und Auswilderungen zahlreicher Organisationen.

    Der damalige Leiter des Bali-Barat-Nationalparks erklärte bereits 2023, dass die dortige Population von lediglich sechs wildlebenden Vögeln im Jahr 2001 auf rund 600 Tiere angewachsen war. Allein 2022 wurden nach Angaben des Nationalparks weitere 108 Bali-Stare ausgewildert. Robert Marc Lehmanns 60 Tiere sind damit lediglich ein kleiner Teil einer wesentlich größeren und älteren Artenschutzgeschichte. Die mehr als 600 Bali-Stare sind keine von Lehmann geschaffene Population.

    Mission Erde meldete im Mai 2026 für das eigene Auswilderungsgebiet wiederum eine Population von mehr als 109 Bali-Staren. Auch diese Zahl beweist nicht, dass noch genau 50 der ursprünglich freigelassenen 60 Tiere leben. Nachwuchs kann die Population vergrößern, während Ursprungstiere gleichzeitig sterben oder das Gebiet verlassen können. Eine Populationszahl ersetzt deshalb keine individuelle Überlebensbilanz.

    Gerade der Bali-Star zeigt außerdem, wie wichtig kontrollierte Zucht und anschließende Auswilderung für den Artenschutz sein können. Die Erholung dieser Art ist über Jahrzehnte durch menschlich betreute Populationen und gezielte Wiederansiedlungen unterstützt worden. Ausgerechnet dieses Beispiel zeigt deshalb, dass Tierhaltung, Zucht und Artenschutz nicht automatisch Gegensätze sind. Die Realität ist komplexer als ein „FCK ZOOS“-Plakat.

    Große Worte – und danach Totenstille

    Am Ende bleibt von der Berliner Demonstration ein auffälliger Gegensatz. Vorher wurde mit der „größten Anti-Zoo-Demo der Welt“ geworben, bekannte Namen wurden mobilisiert und maximale Aufmerksamkeit erzeugt. Danach fehlt die eine Zahl, mit der dieser Weltrekord überhaupt belegt werden könnte. Gleichzeitig bleibt das große Medienecho aus, obwohl professionelles Bildmaterial unmittelbar verfügbar war.

    Auch auf der Bühne wurde immer wieder der Anspruch vermittelt, mit Fakten gegen Zoos zu argumentieren. Dann müssen jedoch auch die eigenen Aussagen diesem Anspruch standhalten. Wer exakt 50 Überlebende aus einer Gruppe von 60 frei lebenden Vögeln nennt und zusätzlich individuelle Todesursachen beschreibt, muss nachvollziehbar erklären können, wie diese Zahlen festgestellt wurden. Präzision in einer Rede ersetzt keinen Beleg.

    Robert Marc Lehmann wollte in Berlin die größte Anti-Zoo-Demonstration der Welt präsentieren. Einen Tag später fehlt die Rekordzahl, das große Medienecho bleibt aus und selbst bei einzelnen Aussagen aus den Reden bleiben die öffentlich zugänglichen Belege hinter der präsentierten Gewissheit zurück. Große Ankündigung vorher – Totenstille danach.

    Quellen

  • Timmendorfer Bürgermeister darf Amtsgeschäfte nicht mehr führen – der Streit mit Robert Marc Lehmann als Vorgeschichte

    Timmendorfer Bürgermeister darf Amtsgeschäfte nicht mehr führen – der Streit mit Robert Marc Lehmann als Vorgeschichte

    Der Timmendorfer Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke darf mit sofortiger Wirkung seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben. Der Hauptausschuss der Gemeinde Timmendorfer Strand fasste den entsprechenden Beschluss am 17. September 2026. Grundlage ist nach Angaben der Gemeinde § 39 Beamtenstatusgesetz; das Verbot umfasst sämtliche mit dem Bürgermeisteramt verbundenen Dienstgeschäfte, Aufgaben und Befugnisse. Die Vorgeschichte führt zurück zu einem inzwischen monatelangen Konflikt, in dessen Mittelpunkt neben dem Bürgermeister auch der YouTuber Robert Marc Lehmann steht.

    Hauptausschuss untersagt sämtliche Dienstgeschäfte

    Die Gemeinde erklärte, das Verbot diene ausschließlich dem Schutz der Gemeinde Timmendorfer Strand und solle bis zur abschließenden Klärung der disziplinarrechtlichen und gegebenenfalls strafrechtlichen Verfahren gelten. Partheil-Böhnke steht seit Monaten im Fokus strafrechtlicher Ermittlungen, außerdem läuft seit dem Sommer ein Disziplinarverfahren beim Kreis. Die Amtsgeschäfte übernehmen weiterhin die ehrenamtlichen stellvertretenden Bürgermeister. Gleichzeitig betont die Gemeinde ausdrücklich die Unschuldsvermutung, denn eine strafrechtliche Schuld des Bürgermeisters ist bislang nicht festgestellt worden.

    Der aktuelle Schritt ist damit erheblich, darf aber nicht mit einer Verurteilung gleichgesetzt werden. Welche konkreten Erkenntnisse den Hauptausschuss letztlich zum Verbot der Dienstgeschäfte veranlassten, legt die Gemeinde nicht offen. Sie verweist dabei ausdrücklich auf den Schutz des Bürgermeisters. Fest steht lediglich, dass inzwischen sowohl disziplinarrechtliche als auch strafrechtliche Fragen im Raum stehen.

    Robert Marc Lehmann war selbst Teil des eskalierten Konflikts

    Ausgangspunkt der späteren Affäre war die Strandung eines Buckelwals vor Niendorf im März 2026. Robert Marc Lehmann reiste nach Timmendorfer Strand und beteiligte sich an den Maßnahmen rund um das Tier. Bereits während und nach dem Einsatz entstanden jedoch erhebliche Meinungsverschiedenheiten darüber, wie fachgerecht vorgegangen worden war und welche Rolle Lehmann bei den Ereignissen gespielt hatte. Bürgermeister Partheil-Böhnke kritisierte Lehmann anschließend öffentlich und erklärte unter anderem, dieser habe sich aus seiner Sicht nicht als der erhoffte Experte erwiesen.

    Genau dieser Punkt sollte in der späteren Debatte nicht untergehen: Die Ermittlungen gegen den Bürgermeister beantworten nicht automatisch die Frage, ob Lehmann bei der Wal-Aktion fachlich richtig gehandelt oder die Ereignisse anschließend zutreffend dargestellt hat. Beides sind voneinander getrennte Fragen. Auch die Lübecker Nachrichten beschrieben die Auseinandersetzung später als öffentliche „Schlammschlacht“, in der beide Seiten ihre Version der Ereignisse verbreiteten. Lehmann selbst ging Monate später mit seiner Sicht an die Öffentlichkeit und kündigte dazu auch ein eigenes YouTube-Video an.

    Schwere Vorwürfe gegen Lehmann tauchten in E-Mails auf

    Nach der Wal-Aktion wurden mehrere E-Mails bekannt, die über einen Dienst-Account beziehungsweise im Namen des Bürgermeisters verschickt worden sein sollen. Darin wurde Lehmann massiv angegriffen. Nach Recherchen der Lübecker Nachrichten wurden seine Kompetenz und seine Darstellung der Ereignisse infrage gestellt; in einer der bekannt gewordenen Nachrichten standen sogar Hochstapelei-Vorwürfe im Raum. Die Tatsache, dass solche Vorwürfe erhoben wurden, bedeutet allerdings nicht, dass sie damit bewiesen sind.

    Partheil-Böhnke bestreitet, für die betreffenden Nachrichten verantwortlich zu sein, und erklärte, sein Kommunikationszugang sei durch einen Hackerangriff kompromittiert worden. Genau diese Darstellung ist inzwischen selbst Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft Lübeck bestätigte einen Anfangsverdacht wegen des möglichen Vortäuschens einer Straftat; zusätzlich wird wegen des Verdachts der Beleidigung ermittelt. Polizei und Staatsschutz prüfen insbesondere, ob der vom Bürgermeister behauptete Fremdzugriff tatsächlich stattgefunden hat.

    Forensische Untersuchung wirft weiterhin Fragen auf

    Bemerkenswert ist, dass die Gemeinde den behaupteten Hackerangriff zusätzlich forensisch untersuchen ließ. Das Ergebnis dieser Untersuchung liegt dem Hauptausschuss bereits seit Monaten vor. Öffentlich bekannt gemacht wurde es bislang jedoch nicht. Daraus lässt sich weder ableiten, dass ein Hackerangriff nachgewiesen wurde, noch dass die Untersuchung einen Fremdzugriff ausgeschlossen hätte.

    Gerade deshalb bleibt eine vorschnelle Bewertung problematisch. Sollte tatsächlich ein Fremdzugriff nachgewiesen werden, wäre die zentrale Verteidigung des Bürgermeisters gestützt. Sollte sich dagegen ergeben, dass es keinen solchen Zugriff gab, würde sich zwangsläufig die Frage stellen, wie die Nachrichten entstanden sind und weshalb ein Hackerangriff als Erklärung genannt wurde. Bis die Ermittlungsbehörden diese Fragen abschließend beantworten, gilt für Partheil-Böhnke die Unschuldsvermutung.

    Ermittlungen gegen den Bürgermeister sind kein Freispruch für Lehmann

    Für die öffentliche Debatte ist vor allem eine Trennung wichtig: Ein mögliches Fehlverhalten des Bürgermeisters macht Robert Marc Lehmann nicht automatisch zum fachlich richtigen Akteur der ursprünglichen Wal-Auseinandersetzung. Die Kritik an Lehmanns Rolle während und nach der Aktion bleibt eine eigenständige Frage und muss anhand der damaligen Abläufe, seiner Aussagen sowie der Einschätzungen anderer Beteiligter beurteilt werden. Ebenso wenig darf aus Kritik an Lehmann geschlossen werden, dass die später über ihn verschickten Nachrichten rechtmäßig oder inhaltlich zutreffend gewesen seien. Die strafrechtlichen Ermittlungen befassen sich mit konkreten Handlungen und nicht mit der Frage, wer den öffentlichen Streit „gewonnen“ hat.

    Aus einer kontroversen Wal-Aktion ist damit innerhalb weniger Monate ein Fall geworden, der weit über den ursprünglichen Streit hinausgeht. Lehmann spielte bei der Eskalation der öffentlichen Auseinandersetzung eine zentrale Rolle, während Partheil-Böhnke inzwischen mit strafrechtlichen Ermittlungen, einem Disziplinarverfahren und dem vollständigen Verbot seiner Amtsgeschäfte konfrontiert ist. Welche strafrechtlichen Konsequenzen daraus folgen, ist derzeit offen. Die Entscheidung des Hauptausschusses zeigt jedoch, dass die Angelegenheit für die Gemeinde inzwischen eine neue Dimension erreicht hat.

    Quellen

  • FragDenStaat-Anfrage zu Zoos Media: Was die Recherche tatsächlich zeigen kann

    FragDenStaat-Anfrage zu Zoos Media: Was die Recherche tatsächlich zeigen kann

    Auf FragDenStaat läuft derzeit eine auffällig spezifische Informationsanfrage an die Gemeinde Timmendorfer Strand. Antragstellerin Daniela Baier verlangt sämtliche E-Mail-Korrespondenzen aus dem Zeitraum vom 23. März bis einschließlich 30. April 2026, in denen entweder der Name „Kroiß“, die „stadt land Fluss GmbH“ vorkommen oder Absender der Domain @zoos.media auftauchen. Die Gemeinde hat die Anfrage bislang nicht beantwortet und beruft sich wegen Umfang, rechtlicher Prüfung und personeller Ressourcen auf eine Fristverlängerung. Damit steht bislang lediglich fest, wonach gesucht wird – nicht jedoch, welche Kommunikation tatsächlich stattgefunden hat.

    Die Anfrage fällt in die Zeit der öffentlichen Auseinandersetzung um den gestrandeten Buckelwal Timmy und die Rolle des bekannten Aktivisten Robert Marc Lehmann. Im weiteren Verlauf entwickelte sich daraus eine politische Affäre um E-Mails, in denen Lehmann massiv angegriffen worden sein soll, sowie um die Behauptung von Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke, sein Account beziehungsweise sein Mobiltelefon seien gehackt worden. GERATI hat die Hintergründe der E-Mail-Affäre, des behaupteten Hackerangriffs und der strafrechtlichen Ermittlungen bereits ausführlich aufgearbeitet. Die jetzigen FragDenStaat-Anfragen könnten deshalb neue Informationen darüber liefern, welche Kommunikation im entscheidenden Zeitraum tatsächlich stattgefunden hat.

    Zoos Media wird gesondert herausgefiltert

    Bemerkenswert ist zunächst die Konstruktion der FragDenStaat-Anfrage. Gesucht wird nicht allgemein nach Medienkontakten der Gemeinde oder nach sämtlicher Kommunikation mit Journalisten während der Auseinandersetzung. Stattdessen werden mit Philipp J. Kroiß, der stadt land Fluss GmbH und Zoos Media konkrete Suchbegriffe beziehungsweise ein bestimmtes Medium vorgegeben. Rechtlich ist eine solche Eingrenzung grundsätzlich möglich. Ein Informationszugangsantrag muss nicht sämtliche möglichen Beteiligten gleichermaßen erfassen.

    Für die spätere Interpretation der Ergebnisse spielt diese Auswahl jedoch eine wesentliche Rolle. Werden ausschließlich bestimmte Akteure gesucht, können die gefundenen Dokumente zunächst nur belegen, welche Kommunikation mit genau diesen Akteuren stattgefunden hat. Sie können für sich genommen nicht beantworten, ob andere Medien, Journalisten oder Beteiligte ebenfalls Kontakt zur Gemeinde hatten oder vergleichbare beziehungsweise deutlich schärfere Aussagen des Bürgermeisters erhielten.

    Das ist gerade deshalb relevant, weil Kritik an Robert Marc Lehmann damals keineswegs nur bei Zoos Media erschien. NEWS5 veröffentlichte bereits am 8. April das Bürgermeister-Interview mit deutlichen Vorwürfen. T-online berichtete später über die eskalierende Auseinandersetzung und zitierte Partheil-Böhnke mit der Bezeichnung Lehmanns als „inkompetenten Influencer“.

    Gleichzeitig läuft eine zweite Anfrage zu Robert Marc Lehmann

    Die Zoos-Media-Anfrage steht allerdings nicht isoliert. Am selben 10. August – nur wenige Minuten zuvor – stellte Daniela Baier eine weitere Informationsanfrage. Darin verlangt sie sämtliche E-Mail-Korrespondenz von Sven Partheil-Böhnke, die im selben Zeitraum die Begriffe „Robert Marc Lehmann“ oder „Lehmann“ enthält. Auch diese Anfrage wartet derzeit auf eine Antwort der Gemeinde.

    Damit wird nicht ausschließlich nach Zoos Media gesucht. Die zweite Anfrage könnte vielmehr einen deutlich größeren Teil der internen und externen Kommunikation zum Konflikt erfassen. Dennoch bleibt eine Besonderheit bestehen: Zoos Media, Kroiß und die stadt land Fluss GmbH werden zusätzlich in einer eigenen Anfrage separat herausgestellt. Warum gerade diese Akteure gesondert untersucht werden, lässt sich aus den bislang öffentlich sichtbaren Unterlagen nicht sicher ableiten.

    Genau deshalb sollte man bei der Interpretation Vorsicht walten lassen. Aus der Existenz einer speziell auf Zoos Media zugeschnittenen Anfrage folgt weder, dass eine problematische Verbindung bestand, noch dass Zoos Media für die später entstandene öffentliche Kritik an Lehmann verantwortlich war.

    Bürgermeisterkritik war bereits öffentlich verfügbar

    Zoos Media veröffentlichte am 9. April einen Artikel zum Einsatz Lehmanns. Grundlage waren unter anderem Aussagen des Bürgermeisters und das bereits öffentlich vorliegende NEWS5-Interview. Der Artikel zitierte Partheil-Böhnkes Einschätzung, Lehmann habe sich nicht als der Experte erwiesen, den der Bürgermeister zunächst erwartet habe.

    Am selben Tag veröffentlichte Zoos Media zudem einen weiteren Beitrag zur Frage, ob Lehmann überhaupt ein belastbares Konzept zur Rettung des Wals vorgelegt hatte. Dabei bezog sich das Medium unter anderem auf Auskünfte des zuständigen Ministeriums.

    Diese zeitliche Abfolge ist für die Bewertung entscheidend. Eine spätere E-Mail zwischen Gemeinde und Zoos Media wäre nicht automatisch ein Beweis dafür, dass die öffentliche Kritik ihren Ursprung bei Zoos Media hatte. Man müsste jeweils prüfen, wann die betreffende Nachricht verschickt wurde, welchen Inhalt sie hatte und welche Informationen zu diesem Zeitpunkt bereits öffentlich verfügbar waren.

    Erst die Dokumente erlauben belastbare Schlussfolgerungen

    Derzeit existiert auf FragDenStaat noch kein Ergebnis der Anfrage. Die Gemeinde hat lediglich erklärt, dass die Prüfung mehr Zeit benötigt. Bis zur tatsächlichen Herausgabe der Unterlagen wäre jede Behauptung über Umfang, Inhalt oder Zweck möglicher Kontakte spekulativ.

    Sollten E-Mails veröffentlicht werden, wird deshalb nicht nur entscheidend sein, ob Kontakte existierten. Relevant wären vor allem Zeitpunkt, Inhalt und Kontext. Ebenso müsste geprüft werden, ob vergleichbare Kommunikation mit anderen Medien existierte. Erst dann lässt sich beurteilen, ob Zoos Media lediglich öffentlich zugängliche Aussagen aufgegriffen hat, zusätzliche Informationen erhielt oder in anderer Weise in die Kommunikation eingebunden war.

    Die FragDenStaat-Anfrage kann also interessante Erkenntnisse liefern. Sie sollte aber nicht mit ihrem Ergebnis verwechselt werden. Eine gezielte Suche nach bestimmten Akteuren beantwortet zunächst nur die Frage, was sich über diese Akteure finden lässt – nicht automatisch, welche Rolle sie im gesamten Konflikt gespielt haben.

    Quellen

  • Robert Marc Lehmann gegen Zoos: Philipp J. Kroiß zerlegt die große Cancel-Erzählung

    Robert Marc Lehmann gegen Zoos: Philipp J. Kroiß zerlegt die große Cancel-Erzählung

    Robert Marc Lehmann spricht von Konsequenzen für die Zoowelt, von fehlender Gesprächsbereitschaft seiner Kritiker und vermittelt den Eindruck, gegen ihn werde mit fragwürdigen Methoden vorgegangen. Philipp J. Kroiß hat diese Darstellung für zoos.media ausführlich analysiert und kommt zu einem deutlich anderen Ergebnis. In seinem Beitrag „Robert Marc Lehmann: Wenn eine Anti-Zoo-Ansage zur Selbstoffenbarung wird“ zeichnet Kroiß das Bild eines Influencers, bei dem Anspruch und tatsächliches Verhalten zunehmend auseinanderfallen.

    Besonders interessant aus Sicht von GERATI: Kroiß greift dabei ausdrücklich eine Recherche von GERATI auf. Dabei ging es um zahlreiche Videos und Millionen Aufrufe, die vom YouTube-Kanal „Robert Marc Lehmann – Mission Erde“ verschwunden waren. Gerade dieser Punkt zeigt, warum es sich lohnt, die verschiedenen Vorgänge sauber voneinander zu trennen, statt sie zu einer großen Erzählung über angebliche Zensur oder Cancel-Versuche zusammenzufügen.

    Ein YouTube-Strike wird zur großen Erzählung

    Ausgangspunkt der Auseinandersetzung war laut Kroiß ein Video von Robert Marc Lehmann, in dem Material von zoos.media verwendet wurde. zoos.media meldete die Verwendung bei YouTube. Die Plattform prüfte den Vorgang und entschied schließlich über die Entfernung des Videos beziehungsweise den entsprechenden Copyright-Vorgang. Entscheidend ist dabei ein Punkt, den Kroiß ausdrücklich hervorhebt: Über einen Strike entscheidet YouTube und nicht derjenige, der eine Urheberrechtsverletzung meldet.

    Das klingt zunächst banal, ist aber für die gesamte Erzählung entscheidend. Wer fremdes Material verwendet und daraufhin mit einer urheberrechtlichen Beschwerde konfrontiert wird, kann daraus nicht automatisch einen organisierten Versuch ableiten, einen kompletten Kanal zum Schweigen zu bringen. Genau an dieser Stelle sieht Kroiß einen grundlegenden Widerspruch zwischen dem tatsächlichen Vorgang und der späteren Darstellung gegenüber der eigenen Community.

    Ein einzelner Copyright-Strike bedeutet schließlich nicht automatisch die Löschung eines gesamten YouTube-Kanals. Gleichzeitig gehört es zum normalen Verfahren der Plattform, dass Rechteinhaber gegen eine aus ihrer Sicht unzulässige Nutzung ihres Materials vorgehen können. Aus einem solchen Standardmechanismus eine Art Angriff der Zoowelt auf Robert Marc Lehmann abzuleiten, benötigt deshalb wesentlich mehr Belege als lediglich die Existenz einer Beschwerde.

    GERATI fand die verschwundenen Videos

    An dieser Stelle kommt GERATI ins Spiel. Nach dem Vorgang mit zoos.media hatte ich mir den Kanal von Robert Marc Lehmann genauer angesehen und festgestellt, dass dort eine beträchtliche Zahl früherer Videos nicht mehr öffentlich vorhanden war. Mit diesen Videos verschwanden zugleich Millionen zuvor ausgewiesener Aufrufe aus der öffentlich sichtbaren Kanalstatistik beziehungsweise dem vorhandenen Videobestand.

    Kroiß verweist in seinem Artikel ausdrücklich auf diese GERATI-Recherche. Gleichzeitig hält er fest, dass die Gründe für das Verschwinden dieser Videos nicht bekannt sind. Genau diese Trennung ist wichtig. Die Beobachtung, dass Videos verschwunden sind, ist etwas anderes als die Behauptung, zu wissen, weshalb sie verschwunden sind.

    Gerade deshalb wäre es unseriös, sämtliche Veränderungen auf Lehmanns Kanal mit dem Copyright-Vorgang von zoos.media in Verbindung zu bringen. Dafür gibt es bislang keinen belastbaren Nachweis. Interessant bleibt die Entwicklung dennoch, weil sie zeitlich in eine Phase fällt, in der Robert Marc Lehmann selbst das Narrativ eines gegen ihn gerichteten Vorgehens öffentlich stark auflädt.

    Kroiß stellt Lehmanns Gesprächsbereitschaft infrage

    Noch deutlicher wird die Kritik von Philipp J. Kroiß bei einem weiteren Punkt. Robert Marc Lehmann erklärte nach Darstellung von zoos.media sinngemäß, er scheue keine Diskussion, treffe jeden und halte sich nicht zurück. Gleichzeitig beklagte er, andere wollten nicht mit ihm diskutieren.

    Kroiß hält diesem Bild mehrere konkrete Beispiele entgegen. So verweist er unter anderem auf ein öffentliches Dialogangebot aus Wuppertal vom Mai 2025. Außerdem nennt er Einladungen des Direktors des Alpenzoos Innsbruck, André Stadler, aus dem Juni und August 2026. Nach Darstellung von zoos.media blieb eine entsprechende öffentliche Reaktion beziehungsweise Annahme dieser Angebote aus.

    Genau hier liegt ein Punkt, der über persönliche Sympathien für Lehmann oder einzelne Zoos hinausgeht. Wer öffentlich den Eindruck vermittelt, die Gegenseite verweigere konsequent den Dialog, muss sich daran messen lassen, wie er selbst mit konkreten Gesprächsangeboten umgeht. Existieren solche Einladungen tatsächlich, kann man gleichzeitig schwer behaupten, niemand wolle mit einem reden.

    Kroiß führt darüber hinaus den Zoo Augsburg sowie ein Orca-Symposium als weitere Beispiele an. Auch hier lautet seine zentrale Kritik nicht, dass Lehmann jede Einladung zwingend annehmen müsse. Natürlich steht es jedem frei, ein Gespräch abzulehnen. Problematisch wird es erst dann, wenn auf der einen Seite Angebote ausgeschlagen oder nicht genutzt werden und auf der anderen Seite gegenüber dem eigenen Publikum der Eindruck einer grundsätzlich dialogunwilligen Zoowelt entsteht.

    Das Marcant-Format ändert das Problem nicht

    Lehmann verwies offenbar auch auf ein geplantes beziehungsweise produziertes Format von Marcant, für das Vertreter aus der Zoowelt angefragt wurden. Kroiß sieht darin keinen Beleg dafür, dass Zoos generell nicht diskutieren wollten. zoos.media selbst hatte nach eigenen Angaben ebenfalls eine Anfrage erhalten, wobei bereits die Adressierung Fragen aufwarf.

    Trotzdem bot zoos.media nach Darstellung von Kroiß Unterstützung für einen geplanten Faktencheck an. Eine weitere Reaktion sei darauf nicht erfolgt. Auch hier ergibt sich damit ein komplizierteres Bild als das einfache Narrativ „Lehmann möchte diskutieren, Zoos verweigern sich“.

    Hinzu kommt ein praktischer Aspekt, der häufig übersehen wird. Nicht jeder Zoo, Verband oder Fachmann muss bereit sein, auf eigene Kosten an einem kommerziell verwerteten YouTube-Format mitzuwirken. Eine Absage an ein bestimmtes Produktionsformat ist nicht automatisch eine Absage an jede inhaltliche Diskussion. Wer beides gleichsetzt, verkürzt die tatsächliche Situation erheblich.

    Wenn aus Kritik eine Verschwörungserzählung wird

    Kroiß wird in seinem Artikel besonders deutlich, wenn es um Reaktionen aus Teilen der Mission-Erde-Community geht. Seiner Einschätzung nach wird dort zunehmend eine Erzählung gepflegt, wonach unterschiedliche Akteure versuchten, Robert Marc Lehmann zum Schweigen zu bringen oder seine Arbeit zu behindern.

    Das Problem einer solchen Erzählung liegt in ihrer Konstruktion. Einzelne Ereignisse können schnell miteinander verbunden werden, obwohl ein tatsächlicher Zusammenhang gar nicht nachgewiesen ist. Ein Copyright-Strike, verschwundene Videos, kritische Artikel, Auseinandersetzungen mit Zoos und abgelehnte Gesprächsformate ergeben dann scheinbar ein großes Gesamtbild. Belegt wird dadurch jedoch noch kein koordiniertes Vorgehen.

    Gerade an diesem Punkt lohnt eine nüchterne Betrachtung. Kritik an einem reichweitenstarken Influencer ist keine Zensur. Eine Urheberrechtsbeschwerde ist nicht automatisch ein Cancel-Versuch. Eine Einladung, die nicht angenommen wird, ist kein Beleg dafür, dass niemand diskutieren möchte. Und mehrere kritische Stimmen bilden nicht automatisch ein Netzwerk, nur weil sie zu ähnlichen Schlussfolgerungen gelangen.

    Anti-Zoo-Kommunikation und das Geschäft mit der Empörung

    Kroiß geht noch einen Schritt weiter und verbindet Lehmanns Anti-Zoo-Kommunikation mit dessen Merchandising. Er verweist dabei insbesondere auf Produkte mit vulgärer Anti-Zoo-Botschaft. Daraus ergibt sich zumindest eine legitime Frage nach den wirtschaftlichen Anreizen einer möglichst scharf geführten Auseinandersetzung.

    Natürlich beweist der Verkauf entsprechender Produkte nicht, dass Kritik an Zoos ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt. Eine solche Behauptung wäre ebenfalls zu einfach. Allerdings lässt sich kaum bestreiten, dass emotionalisierte Konflikte Aufmerksamkeit erzeugen und Aufmerksamkeit im Influencer-Geschäft wirtschaftlich verwertbar ist.

    Wenn sich eine Marke gleichzeitig über klare Feindbilder definiert und passende Produkte verkauft, darf dieser Zusammenhang deshalb thematisiert werden. Genau das macht Kroiß. Er stellt die Frage, ob eine immer aggressivere Anti-Zoo-Rhetorik tatsächlich einer sachlichen Diskussion über Tierhaltung, Artenschutz und wissenschaftliche Arbeit dient oder zunehmend Teil einer erfolgreich vermarktbaren Identität geworden ist.

    Der eigentliche Streit sollte um Fakten gehen

    Besonders relevant ist deshalb ein weiterer Bestandteil des zoos.media-Artikels. Kroiß erinnert daran, dass Lehmann in der Vergangenheit die Bedeutung zoologischer Einrichtungen für verschiedene Arten infrage gestellt hatte. zoos.media beschäftigte sich daraufhin unter anderem mit Balistaren, Sumatra-Nashörnern und Galapagos-Riesenschildkröten und stellte den Anti-Zoo-Aussagen konkrete Informationen zum Artenschutz gegenüber.

    Genau dort sollte die eigentliche Diskussion stattfinden. Nicht bei der Frage, wer wen angeblich canceln möchte, sondern bei überprüfbaren Aussagen. Welche Rolle spielen Zoos bei Erhaltungszuchtprogrammen? Welche Populationen konnten mit Unterstützung zoologischer Einrichtungen erhalten werden? Welche Forschung findet dort statt? Welche Projekte werden finanziert? Und wo gibt es berechtigte Kritik an einzelnen Einrichtungen oder Haltungsformen?

    Wer Zoos grundsätzlich ablehnt, darf diese Fragen selbstverständlich kritisch beantworten. Er muss sich dann allerdings auch mit Fakten auseinandersetzen, die nicht in die eigene Argumentation passen. Dasselbe gilt selbstverständlich für Zoo-Befürworter. Artenschutz wird nicht dadurch besser verstanden, dass beide Seiten immer größere Feindbilder produzieren.

    Philipp J. Kroiß trifft einen entscheidenden Punkt

    Der Artikel von Philipp J. Kroiß ist klar positioniert und an einigen Stellen bewusst scharf formuliert. Das macht er auch nicht zum Geheimnis. Seine entscheidende Stärke liegt jedoch darin, dass er zahlreiche konkrete Vorgänge nebeneinanderstellt und damit eine Frage aufwirft, die Robert Marc Lehmann und seine Community selbst beantworten müssen: Passt die öffentlich erzählte Geschichte tatsächlich zu den dokumentierten Ereignissen?

    Gerade die Behauptung mangelnder Dialogbereitschaft wirkt problematisch, wenn gleichzeitig konkrete Einladungen existieren. Ebenso lässt sich aus einer Copyright-Meldung nicht ohne Weiteres der Versuch konstruieren, einen gesamten YouTube-Kanal aus dem Netz zu drängen. Dass darüber hinaus zahlreiche Videos verschwunden sind, bleibt interessant – über die Ursache sagt diese Beobachtung allein jedoch nichts aus.

    Für GERATI ist noch etwas anderes bemerkenswert. Unsere Recherche zu den verschwundenen Videos wurde von zoos.media nicht einfach benutzt, um eine Ursache zu behaupten, die niemand belegen kann. Kroiß nennt die Recherche und trennt sie ausdrücklich von der offenen Frage nach dem Grund für die Löschungen. Genau so sollte eine sachliche Auseinandersetzung funktionieren.

    Robert Marc Lehmann kann Zoos kritisieren. Zoos können Robert Marc Lehmann kritisieren. zoos.media kann seine Aussagen überprüfen, und GERATI kann wiederum beide Seiten beobachten und einordnen. Das ist keine Zensur, sondern öffentliche Debatte. Entscheidend ist am Ende nicht, wer die größte Community mobilisieren kann, sondern wessen Behauptungen einer Überprüfung standhalten.

    Quellen

  • Bürgermeister Timmendorfer Strand: Ermittlungen wegen E-Mails und angeblichem Hackerangriff

    Bürgermeister Timmendorfer Strand: Ermittlungen wegen E-Mails und angeblichem Hackerangriff

    Was im März 2026 mit einem gestrandeten Buckelwal vor Timmendorfer Strand begann, hat sich innerhalb weniger Monate zu einem politischen und strafrechtlichen Vorgang entwickelt. Gegen Sven Partheil-Böhnke, Bürgermeister von Timmendorfer Strand, ermitteln Staatsanwaltschaft, Polizei und Staatsschutz. Im Mittelpunkt stehen E-Mails, in denen der YouTuber Robert Marc Lehmann massiv angegriffen worden sein soll, sowie die Erklärung des Bürgermeisters, diese Nachrichten nicht selbst verfasst zu haben. Partheil-Böhnke behauptet, sein E-Mail-Account beziehungsweise sein Mobiltelefon seien gehackt worden – und genau diese Darstellung ist mittlerweile selbst Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen.

    Besonders brisant ist, dass die Gemeinde den behaupteten Hackerangriff bereits forensisch untersuchen ließ. Das Ergebnis lag nach Medienberichten Anfang Juni vor und wurde im nicht öffentlichen Teil des Hauptausschusses behandelt, der Öffentlichkeit jedoch bislang nicht mitgeteilt. Gleichzeitig ist der Bürgermeister inzwischen „bis auf Weiteres“ krankgemeldet, während zentrale Fragen zur Herkunft der E-Mails und zum angeblichen Fremdzugriff offenbleiben. Aus einer ungewöhnlichen Walrettung ist damit eine politische Affäre geworden, bei der am Ende möglicherweise weniger die Ereignisse am Strand als digitale Spuren und technische Gutachten entscheidend sein werden.

    Wie alles mit dem Buckelwal „Timmy“ begann

    Am 23. März 2026 wurde vor Niendorf beziehungsweise Timmendorfer Strand ein Buckelwal auf einer Sandbank entdeckt. Feuerwehr, Polizei, Gemeinde und verschiedene Fachleute versuchten, das Tier wieder in tieferes Wasser zu bekommen, wobei unter anderem schwere Baumaschinen eingesetzt wurden und eine Rinne ausgehoben wurde. Schließlich gelang es dem Wal, sich von der Sandbank zu lösen, was zunächst als Erfolg der Rettungsaktion gewertet wurde. Die gesamte Aktion erregte bundesweit Aufmerksamkeit und wurde von zahlreichen Medien sowie über soziale Netzwerke verfolgt.

    Einer der sichtbarsten Beteiligten war Robert Marc Lehmann, der als Walexperte, Kameramann und reichweitenstarker Influencer nach Timmendorfer Strand reiste und sich in die Diskussion über das weitere Vorgehen einbrachte. Lehmann wollte erst dann von einer erfolgreichen Rettung sprechen, wenn der Wal tatsächlich gesund in den Atlantik zurückgekehrt sei, während Bürgermeister Partheil-Böhnke das Freikommen des Tieres deutlich positiver bewertete. Später wurde bekannt, dass die Aktion rund 40.000 Euro gekostet haben soll und das Land Schleswig-Holstein Unterstützung bei der Finanzierung zugesagt hatte. Allein aus dieser Summe lässt sich allerdings kein strafrechtlicher Vorwurf ableiten, denn ein außergewöhnlicher Einsatz mit Personal, Behörden und schwerem Gerät kann zwangsläufig erhebliche Kosten verursachen.

    Der Streit zwischen Lehmann und dem Bürgermeister

    Nach der Rettungsaktion verschärfte sich der Konflikt zwischen Sven Partheil-Böhnke und Robert Marc Lehmann deutlich. Der Bürgermeister stellte Lehmanns fachliche Einschätzungen öffentlich infrage und erklärte sinngemäß, dieser habe sich nicht als der erhoffte Experte erwiesen und sich während der Aktion stark auf seine mediale Darstellung konzentriert. Damit ging es zunehmend nicht mehr nur darum, welche Rettungsstrategie für den Wal richtig gewesen wäre, sondern auch um die Person Lehmann selbst. Aus einer fachlichen Auseinandersetzung entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit ein persönlicher Streit, der über soziale Netzwerke und Medien immer weiter eskalierte.

    Dabei darf allerdings nicht der Eindruck entstehen, sämtliche Kritik an Lehmann sei ausschließlich vom Bürgermeister ausgegangen. Auch Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung geriet während des Einsatzes mit Lehmann beziehungsweise dessen Team aneinander, unter anderem wegen des Einsatzes einer Drohne in der Nähe des geschwächten Tieres. In später veröffentlichtem Material wurde deutlich, dass sogar ein möglicher Ausschluss Lehmanns aus dem beteiligten Verband thematisiert wurde. Diese Vorgeschichte ist für die Bewertung wichtig, weil sie zeigt, dass Lehmann während der Rettungsaktion selbst keineswegs unumstritten war und es bereits unabhängig vom Bürgermeister fachliche und organisatorische Kritik an seinem Auftreten gab.

    Dann tauchen die brisanten E-Mails auf

    Im April bekam der Konflikt eine völlig neue Qualität, als E-Mails bekannt wurden, die unter dem Namen beziehungsweise über Kommunikationsmittel des Bürgermeisters verschickt worden sein sollen. Darin wurde Robert Marc Lehmann nicht mehr lediglich fachlich kritisiert, sondern massiv persönlich angegriffen. Die Lübecker Nachrichten berichteten zunächst über eine Nachricht, in der Lehmann unter anderem Hochstapelei vorgeworfen und seine fachliche Kompetenz infrage gestellt wurde, später meldeten sich weitere Bürger mit zusätzlichen E-Mails. Damit stand plötzlich nicht mehr nur eine einzelne möglicherweise missverständliche Nachricht im Raum, sondern eine größere Zahl von Schreiben.

    Partheil-Böhnke bestritt, diese Nachrichten verfasst zu haben, und erklärte, rund 30 E-Mails seien ohne sein Zutun unter seinem Namen verschickt worden. Nach seiner Darstellung waren sowohl ein Account als auch sein Mobiltelefon betroffen, sodass er von einem Hackerangriff ausging. Gerade diese Erklärung veränderte die Dimension des Falls erheblich, denn ein tatsächlicher Fremdzugriff auf Kommunikationsmittel eines Bürgermeisters beziehungsweise einer kommunalen Verwaltung wäre selbst ein ernst zu nehmender Sicherheitsvorfall. Sollte dagegen niemand unbefugt Zugriff auf diese Systeme gehabt haben, stellt sich zwangsläufig die Frage, woher die Nachrichten tatsächlich kamen und warum öffentlich ein Hackerangriff als Erklärung genannt wurde.

    Staatsanwaltschaft prüft den behaupteten Hackerangriff

    Am 24. Juli 2026 bestätigte die Staatsanwaltschaft Lübeck einen Anfangsverdacht gegen Sven Partheil-Böhnke wegen des Vortäuschens einer Straftat. Die Ermittler untersuchen damit ausdrücklich nicht nur, wer die beleidigenden E-Mails geschrieben hat, sondern auch, ob der behauptete Hackerangriff überhaupt stattgefunden hat. Sollte tatsächlich ein Dritter unbefugt auf das Telefon oder einen E-Mail-Account des Bürgermeisters zugegriffen haben, wäre Partheil-Böhnke in diesem Punkt selbst Opfer einer Straftat. Sollte sich dagegen ergeben, dass es einen solchen Angriff nicht gab und dennoch bewusst der Eindruck eines Fremdzugriffs erweckt wurde, könnte daraus wiederum eine eigene strafrechtliche Relevanz entstehen.

    Nach Medienberichten erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Peterlein, der Verdacht beruhe unter anderem auf der Möglichkeit, dass Partheil-Böhnke wahrheitswidrig angegeben habe, fremde Personen hätten Zugriff auf sein E-Mail-Konto erhalten. Parallel dazu läuft ein eigenständiges Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Beleidigung, bei dem geklärt werden muss, wem die betreffenden Nachrichten tatsächlich zugerechnet werden können. Das Verfahren entstand damit nicht allein deshalb, weil Robert Marc Lehmann öffentlich Vorwürfe erhoben hat, sondern weil die Ermittlungsbehörden offenbar selbst genügend tatsächliche Anhaltspunkte für eine Prüfung sahen. Für Partheil-Böhnke gilt selbstverständlich weiterhin die Unschuldsvermutung.

    Warum auch der Staatsschutz beteiligt ist

    Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte die Beteiligung des Staatsschutzes, die auf den ersten Blick besonders spektakulär wirkt. Im Zusammenhang mit dem behaupteten Hackerangriff auf Kommunikationsmittel eines Bürgermeisters beziehungsweise einer kommunalen Verwaltung ist sie jedoch nachvollziehbar. Sollte tatsächlich jemand Zugang zu dienstlichen Accounts oder Geräten erhalten und anschließend im Namen des Bürgermeisters Nachrichten verschickt haben, müsste geklärt werden, wie dieser Zugriff erfolgte, wer dahintersteckt und ob möglicherweise weitere Daten oder Systeme betroffen waren. Ein solcher Vorgang unterscheidet sich deutlich vom gehackten privaten Social-Media-Konto eines normalen Bürgers.

    Die Beteiligung des Staatsschutzes ist deshalb weder ein Beweis gegen Partheil-Böhnke noch automatisch ein Hinweis auf ein besonders schweres politisches Delikt. Sie zeigt allerdings, welche Tragweite seine eigene Darstellung besitzt. Wer erklärt, dienstliche Kommunikation oder das Mobiltelefon eines Bürgermeisters seien kompromittiert worden, beschreibt damit einen ernst zu nehmenden Sicherheitsvorfall, der sich zumindest teilweise technisch überprüfen lässt. Und genau diese technische Überprüfung hat die Gemeinde offenbar bereits veranlasst.

    Forensische Untersuchung abgeschlossen – Ergebnis bleibt unter Verschluss

    Besonders bemerkenswert ist, dass die Gemeinde Timmendorfer Strand das Smartphone beziehungsweise den behaupteten Hackerangriff forensisch untersuchen ließ. Nach Informationen der Lübecker Nachrichten lag das Ergebnis bereits Anfang Juni vor und wurde am 2. Juni im nicht öffentlichen Teil des Hauptausschusses behandelt. Öffentlich mitgeteilt wurde bislang jedoch nicht, ob die Untersuchung tatsächlich Hinweise auf einen Fremdzugriff ergeben hat. Auch Partheil-Böhnke äußerte sich nach Medienberichten nicht dazu, ob bei der technischen Analyse entsprechende Spuren gefunden wurden.

    Natürlich bedeutet ein fehlender technischer Nachweis nicht automatisch, dass kein Angriff stattgefunden haben kann, denn nicht jeder Fremdzugriff lässt sich nachträglich zweifelsfrei rekonstruieren. Ebenso wäre ein einzelner gefundener technischer Hinweis noch kein abschließender Beweis dafür, wer die E-Mails tatsächlich verfasst oder verschickt hat. Politisch bleibt dennoch bemerkenswert, dass ein Gutachten existiert, dessen Ergebnis offenbar politischen Entscheidungsträgern seit Wochen bekannt ist, während die Öffentlichkeit weiter über die Existenz des Hackerangriffs diskutiert. Gerade weil dieser Punkt inzwischen Teil eines strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens ist, dürfte das bislang nicht veröffentlichte Untersuchungsergebnis eine zentrale Rolle spielen.

    Bürgermeister „bis auf Weiteres“ krankgemeldet

    In diese ohnehin angespannte Situation fällt die Nachricht, dass Sven Partheil-Böhnke inzwischen „bis auf Weiteres“ krankgemeldet ist. Wann er seine Amtsgeschäfte wieder vollständig übernehmen wird, ist öffentlich nicht bekannt. Umgangssprachlich könnte man angesichts der Vorgeschichte schnell formulieren, der Bürgermeister sei „untergetaucht“, doch als Tatsachenbehauptung wäre das nicht haltbar. Belegt ist eine Krankmeldung, nicht ein bewusstes Verstecken vor Medien, Öffentlichkeit oder Ermittlungsbehörden.

    Der Zeitpunkt ist politisch dennoch ausgesprochen ungünstig. Gegen den Bürgermeister laufen Ermittlungen, die Herkunft der E-Mails ist ungeklärt, seine Hacker-Erklärung wird strafrechtlich überprüft und das Ergebnis einer forensischen Untersuchung ist bislang nicht veröffentlicht worden. Eine Krankmeldung kann selbstverständlich völlig legitime gesundheitliche Gründe haben und darf nicht als Schuldeingeständnis interpretiert werden, dennoch verändert sie die öffentliche Wahrnehmung des Falls. Verwaltungsrechtlich bleibt die Gemeinde handlungsfähig, weil für Verhinderungsfälle Stellvertreter vorgesehen sind, politisch konzentriert sich die Affäre jedoch weiterhin stark auf die Person Partheil-Böhnkes.

    Robert Marc Lehmann legt seine Version vor

    Robert Marc Lehmann hat die Auseinandersetzung inzwischen selbst ausführlich öffentlich aufgearbeitet. In seinem rund eine Stunde und 40 Minuten langen YouTube-Video mit dem Titel „Bürgermeister wollte meine Karriere zerstören, um seine zu retten“ verbindet er die Geschehnisse während der Walrettung, die öffentliche Kritik des Bürgermeisters und die später bekannt gewordenen E-Mails zu seiner eigenen Interpretation des Konflikts. Lehmann vertritt dabei die These, Partheil-Böhnke habe versucht, seinen Ruf und seine berufliche Glaubwürdigkeit gezielt zu beschädigen. Dass inzwischen tatsächlich strafrechtliche Ermittlungen laufen, verleiht Teilen seiner Kritik zweifellos zusätzliches Gewicht.

    Trotzdem sollte zwischen belegbaren Tatsachen und Lehmanns eigener Interpretation unterschieden werden. Ein YouTube-Video ist kein Ermittlungsbericht, und wenn Lehmann bestimmten Beteiligten Motive zuschreibt oder davon spricht, der Bürgermeister habe seine Karriere zerstören wollen, handelt es sich zunächst um seine Bewertung der Ereignisse. Gerade bei einem Influencer mit Millionenreichweite ist diese Unterscheidung wichtig, weil seine Veröffentlichungen innerhalb kürzester Zeit erheblichen öffentlichen Druck erzeugen können. Die enorme Reichweite macht seine Aussagen nicht automatisch falsch, erhöht aber die Verantwortung, journalistisch sauber zwischen Fakten, Schlussfolgerungen und dramaturgischer Zuspitzung zu unterscheiden.

    Lehmann war selbst keineswegs unumstritten

    Die spätere E-Mail-Affäre darf nicht dazu führen, die Vorgeschichte nachträglich umzuschreiben. Bereits während der Walrettung gab es dokumentierte Kritik an Lehmann, und diese kam nicht ausschließlich von Sven Partheil-Böhnke. Die Auseinandersetzung mit Stephanie Groß und die Kritik am Einsatz einer Drohne zeigen, dass Lehmanns Auftreten auch von anderer fachlicher Seite kritisch bewertet wurde. Es wäre daher zu einfach, die gesamte Geschichte auf die Erzählung zu reduzieren, ein Bürgermeister habe einen vollkommen unbeteiligten Experten grundlos angegriffen.

    Umgekehrt rechtfertigt Kritik an Lehmann selbstverständlich keine möglichen Beleidigungen oder Diffamierungen. Jemand kann sich während eines Rettungseinsatzes falsch verhalten, fachliche Fehleinschätzungen treffen oder sich zu stark medial inszenieren und trotzdem später Opfer strafrechtlich relevanter Angriffe werden. Genau diese Ebenen müssen voneinander getrennt werden. Die jetzigen Ermittlungen drehen sich nicht darum, ob Robert Marc Lehmann bei der Rettung des Wals immer richtig lag, sondern darum, wer bestimmte Nachrichten verschickt hat und ob anschließend möglicherweise eine Straftat vorgetäuscht wurde.

    Millionenreichweite trifft auf Kommunalpolitik

    Der Konflikt besitzt zusätzlich eine mediale Schieflage, die nicht ignoriert werden sollte. Auf der einen Seite steht ein Bürgermeister einer Ostseegemeinde, auf der anderen Seite ein reichweitenstarker YouTuber, dessen Videos Hunderttausende oder Millionen Menschen erreichen können. Kommunale Pressemitteilungen, Sitzungsprotokolle oder regionale Interviews haben gegen eine solche Reichweite kaum eine Chance, weshalb Lehmann die öffentliche Wahrnehmung des Konflikts erheblich stärker beeinflussen kann. Das bedeutet nicht, dass seine Vorwürfe falsch sind, macht aber eine unabhängige Prüfung seiner Aussagen umso wichtiger.

    Ebenso wäre es falsch, die Ermittlungen gegen Partheil-Böhnke allein deshalb kleinzureden, weil Lehmann selbst ein streitbarer Akteur ist. Der frühere Konflikt während der Walrettung und die spätere strafrechtliche Auseinandersetzung sind zwei unterschiedliche Ebenen, die sich zwar gegenseitig beeinflussen, aber nicht miteinander verrechnet werden können. Journalistisch entscheidend ist nicht, wer sympathischer wirkt oder über die größere Reichweite verfügt, sondern welche Aussagen sich tatsächlich belegen lassen. Genau deshalb sollte weder Lehmanns Darstellung ungeprüft übernommen noch die Verantwortung des Bürgermeisters vorschnell relativiert werden.

    Was ist mit möglichen finanziellen Vorwürfen?

    In einzelnen Berichten taucht zusätzlich der Begriff Untreue beziehungsweise ein möglicher finanzieller Komplex auf. Hier ist jedoch Zurückhaltung geboten, denn von der Staatsanwaltschaft ausdrücklich bestätigt sind vor allem der Anfangsverdacht wegen des Vortäuschens einer Straftat sowie das separate Verfahren wegen des Verdachts der Beleidigung. Die rund 40.000 Euro Kosten der Walrettung reichen für sich genommen selbstverständlich nicht aus, um daraus einen strafrechtlichen Untreueverdacht abzuleiten. Eine solche Straftat würde eine konkrete Verletzung von Vermögenspflichten und einen daraus entstandenen Schaden voraussetzen.

    Sollte sich bestätigen, dass tatsächlich noch ein zusätzlicher finanzieller Vorgang untersucht wird, müsste zunächst geklärt werden, welche Zahlung, Vergabe oder sonstige Entscheidung betroffen ist. Solange dazu keine belastbaren Informationen vorliegen, sollte dieser Bereich nicht mit den gesicherten Ermittlungen vermischt werden. Der öffentlich bekannte Kern der Affäre bleibt weiterhin die Herkunft der beleidigenden Nachrichten und die Frage, ob der behauptete Hackerangriff tatsächlich stattgefunden hat. Genau dort liegen derzeit die entscheidenden offenen Punkte.

    Der Hackerangriff ist zum Schlüssel des Falls geworden

    Damit hat sich der Schwerpunkt der gesamten Affäre endgültig vom gestrandeten Wal zur digitalen Forensik verschoben. Sollte sich nachweisen lassen, dass tatsächlich Unbekannte Zugriff auf Accounts oder das Mobiltelefon Partheil-Böhnkes hatten, würde dies seine Darstellung in einem entscheidenden Punkt stützen. Dann müsste geklärt werden, wer hinter dem Angriff steckt, wie der Zugriff erfolgte und warum ausgerechnet Nachrichten gegen Robert Marc Lehmann unter dem Namen des Bürgermeisters verschickt wurden. In diesem Szenario wäre Partheil-Böhnke selbst Opfer eines erheblichen Sicherheitsvorfalls.

    Sollte die technische Untersuchung dagegen keinen entsprechenden Fremdzugriff stützen und sollten weitere Indizien auf eine andere Urheberschaft hinweisen, bekäme der Fall eine völlig andere Dimension. Gerade deshalb ist das bisher nicht veröffentlichte Ergebnis der forensischen Untersuchung so bedeutsam. Dass dieses Ergebnis offenbar bereits seit Anfang Juni politischen Entscheidungsträgern bekannt ist, während öffentlich weiter über die Hacker-Version gestritten wird, dürfte die Diskussion eher verschärfen als beruhigen. Transparenz wäre politisch wünschenswert, soweit laufende Ermittlungen und rechtliche Vorgaben eine Veröffentlichung überhaupt zulassen.

    Fazit: Aus der Walrettung wurde eine politische Affäre

    Der Fall „Timmy“ zeigt, wie schnell sich ein außergewöhnlicher Tierrettungseinsatz in einen persönlichen und politischen Konflikt verwandeln kann. Am Anfang stand ein gestrandeter Buckelwal, danach folgten Streit über die Rettungsstrategie, öffentliche Angriffe und schließlich E-Mails, in denen Robert Marc Lehmann massiv herabgesetzt worden sein soll. Der Bürgermeister bestreitet, diese Nachrichten verfasst zu haben, und beruft sich auf einen Hackerangriff. Nun untersuchen Staatsanwaltschaft, Polizei und Staatsschutz nicht nur die E-Mails selbst, sondern auch, ob dieser angebliche Angriff überhaupt stattgefunden hat.

    Hinzu kommt eine forensische Untersuchung, deren Ergebnis bislang nicht öffentlich bekannt ist, obwohl es offenbar bereits seit Anfang Juni vorliegt. Gleichzeitig ist Sven Partheil-Böhnke „bis auf Weiteres“ krankgemeldet, wodurch ausgerechnet in einer entscheidenden Phase eine zentrale Person des Konflikts aus der unmittelbaren öffentlichen Wahrnehmung verschwunden ist. Keiner dieser Punkte beweist eine Straftat, und für den Bürgermeister gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung. Politische und journalistische Fragen sind dennoch berechtigt, gerade weil zahlreiche Informationen weiterhin fehlen.

    Auch Robert Marc Lehmann sollte in dieser Geschichte weder zum unfehlbaren Helden noch zum Schuldigen an der gesamten Eskalation erklärt werden. Die Kritik an seinem Verhalten während der Walrettung ist dokumentiert und kam nicht nur vom Bürgermeister, gleichzeitig sind die Ermittlungen gegen Partheil-Böhnke real und können nicht als bloße Erfindung eines Influencers abgetan werden. Entscheidend werden am Ende technische Daten, E-Mail-Header, Geräteforensik, Zeugenaussagen und die Ergebnisse der Staatsanwaltschaft sein. Die wichtigste Frage bleibt deshalb unverändert: Wer hat die Nachrichten tatsächlich geschrieben – und gab es den behaupteten Hackerangriff wirklich?

    Quellen

  • Walrettung als Bühne: Wie Robert Marc Lehmann erneut ein Narrativ konstruiert

    Walrettung als Bühne: Wie Robert Marc Lehmann erneut ein Narrativ konstruiert

    Der aktuelle Fall rund um den gestrandeten Buckelwal in der Ostsee entwickelt sich zunehmend zu einem Lehrstück darüber, wie moderne Aktivisten öffentliche Aufmerksamkeit erzeugen. Im Mittelpunkt steht dabei erneut Robert Marc Lehmann – und einmal mehr geht es nicht nur um das Tier, sondern vor allem um die Deutungshoheit über das Geschehen.

    Bereits bei der ersten Rettungsaktion vor Niendorf inszenierte sich Lehmann als zentrale Figur. Mit emotional aufgeladenen Aussagen und einem bewusst provokativen Auftreten dominierte er die mediale Wahrnehmung. Dass er beteiligt war, steht außer Frage. Doch die Art der Darstellung ließ bereits erkennen, dass hier mehr als reine Sacharbeit im Vordergrund steht.

    Der Vorwurf: Ausschluss von der Walrettung

    Im aktuellen Fall erhebt Lehmann über soziale Medien den Vorwurf, er sei von der weiteren Walrettung in Wismar ausgeschlossen worden. Eine schwerwiegende Behauptung, die er öffentlich verbreitet und damit gezielt ein Narrativ aufbaut: der engagierte Helfer, der von Behörden und „System“ ausgebremst wird.

    Doch genau hier beginnt die Problematik. Denn diese Darstellung hält einer sachlichen Überprüfung nicht stand.

    Mehrere zentrale Akteure widersprechen den Vorwürfen eindeutig. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus stellt klar, dass es keinen Ausschluss gegeben habe. Auch Fachleute wie Burkard Baschek sowie Stephanie Groß bestätigen übereinstimmend, dass Lehmann zu keinem Zeitpunkt gezielt ausgeschlossen wurde. Selbst Greenpeace distanziert sich von dieser Darstellung.

    Damit steht eine emotional verbreitete Behauptung einer klaren und übereinstimmenden Faktenlage gegenüber.

    Wenn aus Behauptungen ein Narrativ wird

    Die entscheidende Frage ist daher nicht mehr, ob Lehmann ausgeschlossen wurde – sondern warum er diesen Eindruck erzeugt.

    Denn anstatt fachliche Differenzen offen zu benennen, wird ein persönlicher Konflikt konstruiert. Während die verantwortlichen Experten vor Ort eine abwartende Strategie verfolgen, fordert Lehmann öffentlich aktives Eingreifen und setzt die Beteiligten unter Druck. Die unterschiedliche Einschätzung wird jedoch nicht als fachlicher Diskurs dargestellt, sondern als gezielte Ausgrenzung.

    Das Ergebnis ist ein klassisches Muster moderner Selbstinszenierung: Komplexe Sachverhalte werden vereinfacht, personalisiert und emotional aufgeladen, bis ein klares „Wir gegen sie“-Narrativ entsteht.

    Ein bekanntes Muster: Der Fall Wuppertal

    Wer diese Entwicklung für einen Einzelfall hält, übersieht die Parallelen zu früheren Auftritten. Bereits im Mai 2025 sorgte Lehmann für Schlagzeilen, als ein geplanter Vortrag in Wuppertal abgesagt wurde. Auch damals präsentierte er sich als Opfer angeblicher Zensur und sprach von einem Angriff auf die Meinungsfreiheit.

    Doch die Hintergründe waren deutlich weniger dramatisch. Im Raum stand der Vorwurf, dass Lehmann Zoos pauschal diffamiere – ein Punkt, der für Veranstalter durchaus relevant ist. Anstatt diesen Konflikt sachlich zu klären, wurde die Situation öffentlich eskaliert und emotional aufgeladen.

    Besonders aufschlussreich wurde es jedoch im Nachgang. Die von Lehmann initiierte Demonstration entwickelte sich nicht zu einem Einsatz für Meinungsfreiheit, sondern zu einer Bühne für offene Feindbilder. Parolen wie „FCK Zoo“ dominierten das Geschehen – und bestätigten damit genau jene Vorwürfe, die zuvor zur Absage geführt hatten.

    Vom Einzelfall zum Muster

    Setzt man beide Ereignisse nebeneinander, entsteht ein klares Bild. In beiden Fällen wird eine Situation öffentlich zugespitzt, persönliche Betroffenheit betont und ein Konflikt konstruiert, der sich medial verwerten lässt. Gleichzeitig stehen den emotionalen Darstellungen jeweils nüchterne Gegenpositionen gegenüber, die ein deutlich anderes Bild zeichnen.

    Im Fall der Walrettung bedeutet das konkret: Die Behauptung eines Ausschlusses wird durch mehrere unabhängige Akteure widersprochen. Dennoch bleibt die Darstellung im Raum – verstärkt durch soziale Medien und eine große Anhängerschaft.

    Genau hier liegt der kritische Punkt. Wer wiederholt Situationen auf diese Weise darstellt, muss sich die Frage gefallen lassen, wie belastbar die eigenen Aussagen tatsächlich sind.

    Wenn Inszenierung wichtiger wird als die Sache

    Das eigentliche Problem liegt jedoch tiefer. Denn durch diese Form der Darstellung verschiebt sich der Fokus. Statt über die bestmögliche Rettung eines geschwächten Tieres zu sprechen, dominiert die Frage, wer welche Rolle spielt und wer angeblich ausgeschlossen wurde.

    Damit wird ein komplexer Rettungseinsatz zur persönlichen Bühne.

    Gerade im Bereich des Tier- und Naturschutzes ist das fatal. Denn hier sind Zusammenarbeit, Vertrauen und fachliche Abwägung entscheidend. Wer stattdessen Konflikte öffentlich eskaliert und sich selbst ins Zentrum stellt, trägt nicht zur Lösung bei – sondern verschärft die Situation zusätzlich.

    Fazit: Zwischen Engagement und bewusster Zuspitzung

    Robert Marc Lehmann mag Erfahrung im Naturschutz mitbringen, doch sein wiederkehrendes Auftreten zeichnet ein zunehmend problematisches Bild. Die Mischung aus emotionaler Dramatisierung, widersprüchlichen Aussagen und gezielter Selbstinszenierung lässt seine Glaubwürdigkeit nicht nur bröckeln – sie stellt sie grundlegend infrage. Wer wiederholt Narrative konstruiert, die durch belegbare Fakten widerlegt werden, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, die Realität bewusst zu verzerren. In dieser Form wird aus Engagement kein Beitrag zur Aufklärung, sondern ein Instrument zur eigenen Profilierung.

    Der aktuelle Fall der Walrettung zeigt deutlich, dass es nicht ausreicht, laut zu sein oder Aufmerksamkeit zu erzeugen. Entscheidend ist, ob das, was öffentlich behauptet wird, auch einer Überprüfung standhält.

    Und genau daran entstehen zunehmend Zweifel.


  • Robert Marc Lehmann Tierschutzkonferenz 2025 – doch PETA, GAP und Colin Goldner fehlen

    Robert Marc Lehmann Tierschutzkonferenz 2025 – doch PETA, GAP und Colin Goldner fehlen

    Wenn alte Weggefährten plötzlich auf der Gästeliste fehlen

    Robert Marc Lehmann, selbsternannter Weltenretter und Medienliebling des Tierschutzes, hat zur wohl größten Natur- und Tierschutzkonferenz des Jahres geladen. 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, ein Meer aus Kameras, ein Hauch Hollywood – die „Avengers“ des Tier- und Naturschutzes sollten vereint sein. Nur: Die wirklich großen Namen fehlten. Kein PETA, kein Great Ape Project, kein Colin Goldner. Eine Einladung? Offenbar Fehlanzeige. Und das, obwohl Lehmann einst das Vorwort zu Colin Goldners Buch „Tiergefängnis Zoo“ schrieb – einem Werk, das heute wohl niemand außerhalb der Szene freiwillig auf dem Nachttisch liegen hat. Das Buch floppte, die Freundschaft scheint verdunstet, und die Einladung blieb wohl irgendwo zwischen Pathos und PR auf der Strecke.

    Vom Vorwort zur Funkstille

    Die Geschichte hat einen gewissen Unterhaltungswert: Da schreibt Robert Marc Lehmann, damals noch frisch im Influencer-Olymp, das Vorwort für Colin Goldners Buch – eine Abrechnung mit den Zoos, mit Zucht, Käfigen, Beton und Menschenaffen in Gefangenschaft. Beide galten als Brüder im Geiste, Seite an Seite gegen das System, gegen die Tierausbeutung, gegen alles, was nach Zoo roch. Doch Jahre später, bei der großen Tierschutzkonferenz, die all jene vereinen sollte, die sich für Tiere starkmachen, sucht man Goldner und das Great Ape Project vergeblich. Auch PETA, der Dauerbrenner unter den Skandalproduzenten, glänzte mit Abwesenheit. Kein Logo, kein Statement, kein Lebenszeichen.

    Nun mag man sagen, das könne Zufall sein – doch wer Robert Marc Lehmanns mediale Strategie kennt, weiß, dass bei ihm nichts dem Zufall überlassen wird. Die Bühne war poliert, die Kameras liefen, die Gäste ausgewählt. Aber offenbar nur jene, die das gewünschte Bild bedienen: Helden des Alltags, gefühlt unpolitisch, professionell, handzahm. Für die schrillen Töne, die PETA liefert, oder für die scharfen Kanten eines Colin Goldner war kein Platz vorgesehen. Zu unbequem, zu anstrengend, zu viel Staub für die heilige Mission.

    Die größte Robert Marc Lehmann Tierschutzkonferenz – oder doch nur die lauteste?

    Robert Marc Lehmann inszenierte das Ganze als Startschuss einer neuen Ära. Der Tierschutz, so die Botschaft, müsse moderner, vernetzter, professioneller werden. Und wer, wenn nicht er, könnte diesen Wandel verkörpern? Der Biologe mit Kamera, der Influencer mit Taucherbrille, der Mann mit Mission. Das Konzept: Panels, Gruppenarbeit, Networking. Alles wirkt durchgeplant, glatt, fast klinisch sauber – wie ein Corporate Event für den moralischen Mittelstand.

    Doch der Schatten, den die Abwesenden werfen, ist groß. Wenn PETA, GAP und Goldner fehlen, fehlt nicht nur Prominenz, sondern auch Konfliktpotenzial. Man kann die drei mögen oder hassen, aber sie bringen Reibung. Und Reibung erzeugt bekanntlich Energie. Ohne sie blieb das Treffen eher ein Gruppenkuscheln der Gleichgesinnten, bei dem man sich gegenseitig versichert, auf der richtigen Seite zu stehen.

    Was wurde eigentlich aus Colin Goldner und dem Great Ape Project?

    Colin Goldner, einst lautester Kritiker der Zoo-Industrie, ist mit seinem Great Ape Project längst zum philosophischen Denkmal verstaubt. Die Idee, Menschenaffen rechtlich auf eine Stufe mit Menschen zu stellen, war nie mehr als eine theoretische Fingerübung für die akademische Blase. In der Praxis blieb vom Pathos der Primatenrechte wenig übrig – und in den Medien kaum etwas zu hören. Vielleicht liegt genau darin der Grund für das Schweigen zwischen ihm und Lehmann: Wo der eine auf YouTube Klicks generiert, wartet der andere auf juristische Revolutionen, die nie eintreten. Zwei Welten, die einst zusammenfanden, nun aber nicht einmal mehr dieselbe Sprache sprechen.

    Das Great Ape Project hätte auf dieser Konferenz als moralisches Feigenblatt getaugt, als intellektueller Farbtupfer in einer Welt aus Selfies und Social-Media-Kampagnen. Stattdessen schwieg man. Kein Wort von GAP, keine Erwähnung, kein Vertreter. Und von Robert Marc Lehmann – ebenfalls nichts. Kein Gruß, kein Statement, keine Klarstellung. In der Szene nennt man so etwas eine „strategische Trennung“. Außenpolitisch freundlich, innerlich endgültig.

    PETA – die Organisation, die lieber beleidigt als eingeladen wird

    Auch PETA wurde nicht gesehen. Keine Rednerin, kein Banner, kein Hashtag. Dabei versteht sich PETA gern als Speerspitze des globalen Tierrechtskampfes, als moralischer Leuchtturm in einer Welt voller Tierleid – oder zumindest als Blitzableiter für jede Empörung, die Klicks bringt. Dass sie bei einer Konferenz dieser Größenordnung nicht einmal auf der Gästeliste standen, ist bezeichnend. Entweder wollte Lehmann bewusst Distanz zu den Radikalen, oder PETA hatte schlicht keine Lust, in einem Raum voller Konkurrenz zu sitzen, die sich gegenseitig auf die Schulter klopft.

    Dabei wäre eine PETA-Teilnahme durchaus spannend gewesen: Das ewige Duell zwischen moralischem Absolutismus und PR-gesteuerter Symbolpolitik. Zwischen nackten Aktivistinnen in Fleischschalen und dem Wissenschaftler mit Tauchlizenz. Zwischen dem Spektakel und der Substanz. Vielleicht war genau das der Grund: Zu viel Sprengstoff für eine Konferenz, die lieber gefällig als gefährlich sein wollte.

    Der neue Stil des Aktivismus: gefiltert, geliked, gefällig

    Es ist bezeichnend für den Zustand der Bewegung, dass man heute lieber auf Kameras als auf Kontroversen setzt. Der moderne Aktivismus trägt Markenlogo, spricht in Story-Formaten und arbeitet mit Drehplan. Das ist professionell, ja – aber auch steril. Früher rief man „Freiheit für alle Tiere!“, heute heißt es: „Lasst uns vernetzen.“ Zwischen diesen beiden Sätzen liegt die ganze Tragik des modernen Tierschutzes.

    Robert Marc Lehmann steht sinnbildlich für diesen Wandel. Er ist kein Ideologe, kein Dogmatiker, sondern ein Image-Profi. Das macht ihn für Sponsoren attraktiv und für Radikale langweilig. PETA und GAP passen da nicht ins Bild – sie polarisieren zu stark, sie riskieren zu viel. Und wo Risiko ist, da droht Kontrollverlust. Den kann man auf YouTube schlecht monetarisieren.

    Fazit: Eine große Show mit auffälligen Lücken

    Die Natur- und Tierschutzkonferenz war zweifellos professionell organisiert und inhaltlich solide. Sie zeigte, dass Vernetzung wichtig ist und dass viele kleine Initiativen Großes leisten können. Aber sie zeigte auch, was fehlt: der Mut zur Reibung, zur echten Debatte, zur Konfrontation. Ohne PETA, GAP und Goldner bleibt die Bühne harmonisch – und harmlos.

    Dass Lehmann ausgerechnet seine alten Weggefährten außen vor ließ, sagt viel über die Richtung aus, in die sich der Aktivismus bewegt. Weg von unbequemen Wahrheiten, hin zu gefälliger Konsenskultur. Weg von Philosophie und Ethik, hin zu Public Relations und Reichweite. Vielleicht ist das die Zukunft – aber sicher nicht die Revolution.

    Robert Marc Lehmann wollte die Szene einen. Am Ende hat er sie eher gespalten: in jene, die dazugehören dürfen, und jene, über die man lieber nicht mehr spricht. Und irgendwo zwischen Vorwort und Vergessen sitzt Colin Goldner und schreibt vermutlich an der nächsten Fußnote zur großen Idee, während PETA schon die nächste Fleischskandal-Pressemitteilung plant. Nur Robert Marc Lehmann hat jetzt das perfekte Konferenzfoto – und das ist in dieser Szene bekanntlich alles, was zählt.

    Video Robert Marc Lehmann: https://youtu.be/AtfXXhe5kVE?si=pV3Uva_wZy8MpzQg