Zum Inhalt springen

Fakten statt Polemik. Aufklärung über radikalen Tierschutz.

Kritisch. Fundiert. Unabhängig.Hintergrundanalysen und aktuelle Entwicklungen.

FragDenStaat-Anfrage zu Zoos Media: Was die Recherche tatsächlich zeigen kann

FragDenStaat-Anfrage zu Zoos Media mit Robert Marc Lehmann, Sven Partheil-Böhnke und einer symbolischen Suche nach E-Mail-Korrespondenz.

Auf FragDenStaat läuft derzeit eine auffällig spezifische Informationsanfrage an die Gemeinde Timmendorfer Strand. Antragstellerin Daniela Baier verlangt sämtliche E-Mail-Korrespondenzen aus dem Zeitraum vom 23. März bis einschließlich 30. April 2026, in denen entweder der Name „Kroiß“, die „stadt land Fluss GmbH“ vorkommen oder Absender der Domain @zoos.media auftauchen. Die Gemeinde hat die Anfrage bislang nicht beantwortet und beruft sich wegen Umfang, rechtlicher Prüfung und personeller Ressourcen auf eine Fristverlängerung. Damit steht bislang lediglich fest, wonach gesucht wird – nicht jedoch, welche Kommunikation tatsächlich stattgefunden hat.

Die Anfrage fällt in die Zeit der öffentlichen Auseinandersetzung um den gestrandeten Buckelwal Timmy und die Rolle des bekannten Aktivisten Robert Marc Lehmann. Im weiteren Verlauf entwickelte sich daraus eine politische Affäre um E-Mails, in denen Lehmann massiv angegriffen worden sein soll, sowie um die Behauptung von Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke, sein Account beziehungsweise sein Mobiltelefon seien gehackt worden. GERATI hat die Hintergründe der E-Mail-Affäre, des behaupteten Hackerangriffs und der strafrechtlichen Ermittlungen bereits ausführlich aufgearbeitet. Die jetzigen FragDenStaat-Anfragen könnten deshalb neue Informationen darüber liefern, welche Kommunikation im entscheidenden Zeitraum tatsächlich stattgefunden hat.

Zoos Media wird gesondert herausgefiltert

Bemerkenswert ist zunächst die Konstruktion der FragDenStaat-Anfrage. Gesucht wird nicht allgemein nach Medienkontakten der Gemeinde oder nach sämtlicher Kommunikation mit Journalisten während der Auseinandersetzung. Stattdessen werden mit Philipp J. Kroiß, der stadt land Fluss GmbH und Zoos Media konkrete Suchbegriffe beziehungsweise ein bestimmtes Medium vorgegeben. Rechtlich ist eine solche Eingrenzung grundsätzlich möglich. Ein Informationszugangsantrag muss nicht sämtliche möglichen Beteiligten gleichermaßen erfassen.

Für die spätere Interpretation der Ergebnisse spielt diese Auswahl jedoch eine wesentliche Rolle. Werden ausschließlich bestimmte Akteure gesucht, können die gefundenen Dokumente zunächst nur belegen, welche Kommunikation mit genau diesen Akteuren stattgefunden hat. Sie können für sich genommen nicht beantworten, ob andere Medien, Journalisten oder Beteiligte ebenfalls Kontakt zur Gemeinde hatten oder vergleichbare beziehungsweise deutlich schärfere Aussagen des Bürgermeisters erhielten.

Das ist gerade deshalb relevant, weil Kritik an Robert Marc Lehmann damals keineswegs nur bei Zoos Media erschien. NEWS5 veröffentlichte bereits am 8. April das Bürgermeister-Interview mit deutlichen Vorwürfen. T-online berichtete später über die eskalierende Auseinandersetzung und zitierte Partheil-Böhnke mit der Bezeichnung Lehmanns als „inkompetenten Influencer“.

Gleichzeitig läuft eine zweite Anfrage zu Robert Marc Lehmann

Die Zoos-Media-Anfrage steht allerdings nicht isoliert. Am selben 10. August – nur wenige Minuten zuvor – stellte Daniela Baier eine weitere Informationsanfrage. Darin verlangt sie sämtliche E-Mail-Korrespondenz von Sven Partheil-Böhnke, die im selben Zeitraum die Begriffe „Robert Marc Lehmann“ oder „Lehmann“ enthält. Auch diese Anfrage wartet derzeit auf eine Antwort der Gemeinde.

Damit wird nicht ausschließlich nach Zoos Media gesucht. Die zweite Anfrage könnte vielmehr einen deutlich größeren Teil der internen und externen Kommunikation zum Konflikt erfassen. Dennoch bleibt eine Besonderheit bestehen: Zoos Media, Kroiß und die stadt land Fluss GmbH werden zusätzlich in einer eigenen Anfrage separat herausgestellt. Warum gerade diese Akteure gesondert untersucht werden, lässt sich aus den bislang öffentlich sichtbaren Unterlagen nicht sicher ableiten.

Genau deshalb sollte man bei der Interpretation Vorsicht walten lassen. Aus der Existenz einer speziell auf Zoos Media zugeschnittenen Anfrage folgt weder, dass eine problematische Verbindung bestand, noch dass Zoos Media für die später entstandene öffentliche Kritik an Lehmann verantwortlich war.

Bürgermeisterkritik war bereits öffentlich verfügbar

Zoos Media veröffentlichte am 9. April einen Artikel zum Einsatz Lehmanns. Grundlage waren unter anderem Aussagen des Bürgermeisters und das bereits öffentlich vorliegende NEWS5-Interview. Der Artikel zitierte Partheil-Böhnkes Einschätzung, Lehmann habe sich nicht als der Experte erwiesen, den der Bürgermeister zunächst erwartet habe.

Am selben Tag veröffentlichte Zoos Media zudem einen weiteren Beitrag zur Frage, ob Lehmann überhaupt ein belastbares Konzept zur Rettung des Wals vorgelegt hatte. Dabei bezog sich das Medium unter anderem auf Auskünfte des zuständigen Ministeriums.

Diese zeitliche Abfolge ist für die Bewertung entscheidend. Eine spätere E-Mail zwischen Gemeinde und Zoos Media wäre nicht automatisch ein Beweis dafür, dass die öffentliche Kritik ihren Ursprung bei Zoos Media hatte. Man müsste jeweils prüfen, wann die betreffende Nachricht verschickt wurde, welchen Inhalt sie hatte und welche Informationen zu diesem Zeitpunkt bereits öffentlich verfügbar waren.

Erst die Dokumente erlauben belastbare Schlussfolgerungen

Derzeit existiert auf FragDenStaat noch kein Ergebnis der Anfrage. Die Gemeinde hat lediglich erklärt, dass die Prüfung mehr Zeit benötigt. Bis zur tatsächlichen Herausgabe der Unterlagen wäre jede Behauptung über Umfang, Inhalt oder Zweck möglicher Kontakte spekulativ.

Sollten E-Mails veröffentlicht werden, wird deshalb nicht nur entscheidend sein, ob Kontakte existierten. Relevant wären vor allem Zeitpunkt, Inhalt und Kontext. Ebenso müsste geprüft werden, ob vergleichbare Kommunikation mit anderen Medien existierte. Erst dann lässt sich beurteilen, ob Zoos Media lediglich öffentlich zugängliche Aussagen aufgegriffen hat, zusätzliche Informationen erhielt oder in anderer Weise in die Kommunikation eingebunden war.

Die FragDenStaat-Anfrage kann also interessante Erkenntnisse liefern. Sie sollte aber nicht mit ihrem Ergebnis verwechselt werden. Eine gezielte Suche nach bestimmten Akteuren beantwortet zunächst nur die Frage, was sich über diese Akteure finden lässt – nicht automatisch, welche Rolle sie im gesamten Konflikt gespielt haben.

Quellen

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert