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Schlagwort: Philipp J. Kroiß

  • Robert Marc Lehmann und seine Lügen zur Anti-Zoo-Demo: Was die Polizei wirklich aufgedeckt hat

    Robert Marc Lehmann und seine Lügen zur Anti-Zoo-Demo: Was die Polizei wirklich aufgedeckt hat

    Robert Marc Lehmann wirft anderen regelmäßig vor, die Öffentlichkeit mit falschen Informationen zu täuschen. Er präsentiert sich als kompromissloser Aufklärer, der angebliche Lügen und Missstände in zoologischen Einrichtungen aufdeckt. Doch ausgerechnet bei seiner eigenen Anti-Zoo-Demonstration am 4. Oktober 2026 in Berlin verbreitete er Aussagen, die einer Überprüfung anhand offizieller Polizeidokumente nicht standhalten. Eine angeblich von der Polizei angeordnete Verlegung, eine falsche Ortsangabe und deutlich überhöhte Teilnehmerzahlen werfen erhebliche Fragen nach seiner Glaubwürdigkeit auf. GERATI erhebt deshalb den Vorwurf, dass Lehmann die Öffentlichkeit über wesentliche Umstände seiner Demonstration in die Irre geführt hat.

    Robert Marc Lehmann und die Geschichte von der angeblichen Polizeiverlegung

    Am 4. Oktober 2026 versammelten sich Gegner zoologischer Einrichtungen am Brandenburger Tor in Berlin. Über Wochen war die Veranstaltung beworben worden, unter anderem mit dem Hinweis auf den Pariser Platz. Auch Robert Marc Lehmann und sein Umfeld nannten diesen Veranstaltungsort. Wer den Ankündigungen folgte, musste davon ausgehen, dass die Demonstration auf der östlichen Seite des Brandenburger Tores stattfinden würde.

    Tatsächlich standen die Demonstranten jedoch auf der gegenüberliegenden Seite, auf dem Platz des 18. März. Lehmann erklärte den Ortswechsel in einem Video nach der bisherigen GERATI-Auswertung mit einer angeblichen Entscheidung der Berliner Polizei. Der Pariser Platz könne nicht genügend Menschen aufnehmen, weshalb die Polizei die Veranstaltung verlegt habe. Damit gab er seinem Publikum eine Erklärung, die den Ortswechsel als behördliche Maßnahme erscheinen ließ.

    Philipp J. Kroiß von zoos.media wollte wissen, was die Polizei tatsächlich über die Veranstaltung wusste. Er fragte direkt bei der zuständigen Behörde nach und veröffentlichte die erhaltenen Informationen am 6. Oktober 2026. Die Berliner Polizei bestätigte den Platz des 18. März als angemeldeten Veranstaltungsort. Genau dort hatte die Demonstration auch stattgefunden.

    Das ist der entscheidende Punkt dieser Geschichte. Lehmann sprach von einer angeblichen polizeilichen Verlegung, während die veröffentlichte Auskunft den Platz des 18. März als Anmeldeort bestätigt. Eine behördliche Anordnung, mit der eine bereits für den Pariser Platz angemeldete Demonstration verlegt worden wäre, ist durch diese Auskunft nicht dokumentiert. Seine öffentlich verbreitete Erklärung wird damit von dem vorliegenden Polizeinachweis nicht getragen.

    Warum wurde der Pariser Platz überhaupt öffentlich beworben?

    Die falsche Ortsangabe war keine nebensächliche Information, die erst nach der Veranstaltung auftauchte. Schon im Vorfeld wurde der Pariser Platz als Veranstaltungsort genannt, und verschiedene Unterstützer verbreiteten diese Ankündigung weiter. Auch Medien griffen die Angaben auf. Der bekannte Platz direkt vor dem Brandenburger Tor gehörte damit zur öffentlichen Werbung für die Demonstration.

    GERATI berichtete bereits am 15. September 2026 über Robert Marc Lehmanns geplante Anti-Zoo-Demonstration in Berlin. Auch damals wurde der öffentlich angekündigte Pariser Platz als Veranstaltungsort genannt. Die später von Kroiß recherchierte Polizeiauskunft machte deutlich, dass diese Information nicht dem bestätigten Anmeldeort entsprach. Wer für die Veranstaltung auf dem Pariser Platz warb, verbreitete damit eine falsche Angabe über den angemeldeten Ort.

    Dass beide Plätze unmittelbar am Brandenburger Tor liegen, ist für diese Feststellung unerheblich. Der Pariser Platz und der Platz des 18. März sind zwei unterschiedliche Veranstaltungsflächen. Wer einen konkreten Veranstaltungsort ankündigt, muss sich daran messen lassen, ob diese Angabe stimmt. Bei der Berliner Anti-Zoo-Demonstration stimmten öffentliche Werbung und bestätigte Anmeldung nicht überein.

    Noch problematischer ist, wie dieser Widerspruch anschließend erklärt wurde. Statt lediglich die abweichende Ortsangabe richtigzustellen, führte Lehmann eine angebliche Polizeientscheidung an. Damit wurde die Verantwortung für die Änderung des Veranstaltungsortes einer Behörde zugeschrieben. Genau diese Darstellung steht nun im Mittelpunkt der Kritik von GERATI.

    Die Berliner Polizei dokumentierte selbst 9.000 Menschen auf dem Pariser Platz

    Lehmann begründete den angeblichen Ortswechsel nach der von GERATI ausgewerteten Aussage mit einer Kapazitätsgrenze von 5.000 Menschen auf dem Pariser Platz. Diese Darstellung lässt sich anhand einer offiziellen Polizeimeldung überprüfen. Bereits am 1. Mai 2022 fand auf genau diesem Platz eine Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes statt. Die Berliner Polizei veröffentlichte dazu am folgenden Tag ihre Pressemitteilung Nr. 0958.

    Darin dokumentierte die Behörde bei der DGB-Kundgebung in der Spitze rund 9.000 Versammelte. Der Ort wurde ausdrücklich als Pariser Platz bezeichnet. Das ist keine Zahl aus der Werbung der Gewerkschaft und auch keine Berechnung von GERATI. Die Berliner Polizei selbst hielt diese Teilnehmerzahl in ihrer offiziellen Einsatzbilanz fest.

    Damit liegt ein amtlicher Gegenbeleg zu der pauschalen Behauptung vor, auf dem Pariser Platz könnten grundsätzlich nur 5.000 Menschen zusammenkommen. Die zuständige Behörde dokumentierte selbst eine deutlich größere Versammlung. Gerade weil Lehmann sich bei seiner Erklärung auf die Polizei berief, ist dieser Widerspruch besonders bemerkenswert. Seine vereinfachte Darstellung der Platzkapazität passt nicht zu den veröffentlichten Erfahrungen der Behörde.

    Für GERATI ist das ein wesentlicher Bestandteil des Lügenvorwurfs. Lehmann präsentierte seinem Publikum eine konkrete Begründung für den angeblichen Ortswechsel. Die bekannten Polizeidokumente zeigen jedoch, dass die angeführte pauschale Kapazitätsgrenze nicht zutrifft. Ein Influencer, der selbst regelmäßig andere wegen angeblich falscher Informationen angreift, muss sich diese Diskrepanz vorhalten lassen.

    Bei einer CSD-Gedenkveranstaltung war sogar von bis zu 10.000 Menschen die Rede

    Ein weiteres Beispiel stammt aus dem Juli 2026. Nach dem Anschlag im Zusammenhang mit dem Berliner Christopher Street Day versammelten sich am 26. Juli zahlreiche Menschen auf dem Pariser Platz, um der Opfer zu gedenken. Der Tagesspiegel und tagesschau24 berichteten von einer Menschenmenge zwischen 8.000 und 10.000 Personen. Die Veranstaltung fand damit nur wenige Monate vor Lehmanns Anti-Zoo-Demonstration statt.

    Auch dieses Ereignis zeigt, dass der Pariser Platz bereits Schauplatz von Versammlungen in erheblich größerer Dimension war. Die Zahl von bis zu 10.000 Menschen wurde in der zeitgenössischen Berichterstattung ausdrücklich genannt. Sie ergänzt die amtlich dokumentierte DGB-Kundgebung mit rund 9.000 Teilnehmern aus dem Jahr 2022. Beide Ereignisse stehen einer pauschalen Darstellung entgegen, wonach der Pariser Platz grundsätzlich auf 5.000 Menschen begrenzt sei.

    Besonders auffällig ist der zeitliche Abstand. Während Lehmann die angeblich unzureichende Kapazität als Erklärung für den Veranstaltungsort seiner Anti-Zoo-Demonstration anführte, war der Pariser Platz wenige Monate zuvor Schauplatz einer großen Gedenkversammlung gewesen. Diese Berichterstattung war öffentlich zugänglich. Sie hätte bei einer sorgfältigen Prüfung seiner Kapazitätsbehauptung berücksichtigt werden müssen.

    Die beiden dokumentierten Veranstaltungen sind deshalb wichtige Bestandteile der GERATI-Recherche. Sie zeigen, weshalb Lehmanns pauschale Erklärung nicht überzeugt. Zusammen mit der bestätigten Anmeldung für den Platz des 18. März ergeben sie ein Bild, das erheblich von seiner öffentlichen Darstellung abweicht.

    Robert Marc Lehmanns Umfeld spricht von 4.000 Demonstranten, die Polizei von 2.500

    Auch bei den Teilnehmerzahlen geriet die Darstellung der Berliner Anti-Zoo-Demonstration unter Druck. Nach der Veranstaltung wurden aus Lehmanns Umfeld Zahlen von bis zu 4.000 Demonstranten verbreitet. Damit entstand der Eindruck, die Kundgebung habe eine besonders große Menschenmenge mobilisiert. Doch auch hier liefert die Recherche von Philipp J. Kroiß ein anderes Ergebnis.

    Die Berliner Polizei gab für die Demonstration eine Höchstzahl von rund 2.500 Teilnehmern an. Die Beamten waren mit dem Veranstaltungsgeschehen befasst und verfügen über Erfahrung bei der Einschätzung größerer Menschenmengen. Ihre Angaben beruhen auf Erkenntnissen aus dem Einsatz. Für die Bewertung der Demonstrationsgröße handelt es sich deshalb um eine fachlich fundierte, behördliche Grundlage.

    Zwischen der polizeilichen Zahl und den verbreiteten 4.000 Demonstranten liegen 1.500 Menschen. Das entspricht einer um 60 Prozent höheren Angabe aus dem Umfeld der Veranstalter. Eine solche Differenz ist erheblich, zumal es gerade bei dieser Demonstration stark um deren angeblich historische Größe ging. Wer eine höhere Zahl öffentlich verbreitet, muss diese durch eine nachvollziehbare Erhebung belegen können.

    GERATI hatte die Teilnehmerzahlen bereits am 7. Oktober 2026 im Beitrag „Robert Marc Lehmann: 4.000 Demonstranten behauptet – Polizei zählt nur 2.500“ aufgegriffen. Dabei ging es um den Unterschied zwischen der öffentlichen Erfolgserzählung und den Angaben der zuständigen Behörde. Die polizeilich ermittelte Größenordnung ist dabei der entscheidende Maßstab. Sie widerspricht den wesentlich höheren Zahlen, die im Umfeld Lehmanns verbreitet wurden.

    Eine angebliche KI-Zählung soll die höhere Teilnehmerzahl bestätigen

    In der Diskussion über die Teilnehmerzahlen wurde auch eine angeblich KI-gestützte Auswertung von Bildern angeführt. Mit künstlicher Intelligenz sollte offenbar die Zahl der Demonstranten ermittelt worden sein. Solche technischen Hinweise klingen nach besonderer Genauigkeit und wissenschaftlicher Objektivität. Ohne die zugrunde liegenden Aufnahmen und eine nachvollziehbare Dokumentation des Verfahrens lässt sich die behauptete Auszählung allerdings nicht unabhängig überprüfen.

    Gerade deshalb ist die Berufung auf künstliche Intelligenz kein Ersatz für belastbare Daten. Eine überprüfbare Zählung müsste erkennen lassen, welche Aufnahmen verwendet wurden und wie das Ergebnis zustande kam. Die Bezeichnung einer Methode allein sagt noch nichts darüber aus, ob das Resultat zutrifft. Für die höhere Zahl von 4.000 Demonstranten wurde bislang keine entsprechend nachvollziehbare Dokumentation vorgelegt.

    Das ist besonders bemerkenswert, weil Lehmann in seinen Veröffentlichungen häufig auf wissenschaftliche Erkenntnisse und überprüfbare Tatsachen verweist. Gerade bei einer Debatte über Teilnehmerzahlen sollte es deshalb selbstverständlich sein, das eigene Ergebnis offen zu dokumentieren. Stattdessen steht einer höheren Zahl aus seinem Umfeld eine deutlich niedrigere Einschätzung der Berliner Polizei gegenüber. Die Behörde verfügt über die Erfahrung und die Erkenntnisse aus dem Einsatzgeschehen, um die Größenordnung einer solchen Versammlung fachlich zu beurteilen.

    Damit bleibt der Widerspruch bestehen. Die öffentlich verbreiteten 4.000 Teilnehmer werden durch die bekannten behördlichen Angaben nicht bestätigt. Auch eine behauptete technische Auswertung beseitigt diese Differenz nicht, solange ihre Ergebnisse nicht überprüfbar vorliegen. Für einen Aktivisten, der seine Glaubwürdigkeit auf die Aufdeckung vermeintlicher Falschinformationen stützt, ist das eine ausgesprochen unangenehme Ausgangslage.

    Die größte Anti-Zoo-Demo der Welt entpuppt sich als unbelegter Rekord

    Bereits vor dem 4. Oktober wurde die Berliner Demonstration mit großen Worten angekündigt. Im Umfeld von Robert Marc Lehmann war vom Anspruch die Rede, die größte Anti-Zoo-Demonstration aller Zeiten zu veranstalten. Damit wurde die Erwartung eines historischen Ereignisses geweckt. Wer teilnahm, sollte offenbar das Gefühl bekommen, an etwas noch nie Dagewesenem beteiligt zu sein.

    Die tatsächliche Größe der Veranstaltung lässt sich inzwischen anhand der polizeilichen Angaben einordnen. Rund 2.500 Teilnehmer sind eine beachtliche Menschenmenge, aber allein noch kein Beweis für einen internationalen Rekord. Wer die größte Demonstration einer bestimmten Art für sich beansprucht, benötigt Vergleichszahlen früherer Veranstaltungen. Eine solche nachvollziehbare internationale Auswertung wurde bislang nicht vorgelegt.

    Damit bleibt vom angekündigten Weltrekord vor allem die öffentliche Werbewirkung. Die Veranstaltung bekam durch den Superlativ eine Bedeutung zugeschrieben, die sich anhand der verfügbaren Informationen nicht unabhängig nachweisen lässt. Hinzu kamen Ankündigungen prominenter Gäste, darunter Sarah Connor, Malte Zierden und Jonas Ems, die nach der Darstellung von zoos.media schließlich nicht auf der Bühne standen. Auch das tatsächliche Programm entsprach damit nicht vollständig dem zuvor öffentlich vermittelten Bild.

    So ergibt sich eine auffällige Reihe von Unterschieden zwischen Ankündigung und Realität. Der Veranstaltungsort wurde falsch kommuniziert, die polizeiliche Verlegung nicht belegt, die Teilnehmerzahl deutlich höher dargestellt als von der Polizei ermittelt und der historische Rekord nicht nachgewiesen. Das sind keine bloßen Meinungsverschiedenheiten über zoologische Einrichtungen. Es geht um konkrete Angaben, die sich anhand von Dokumenten und unabhängigen Informationen überprüfen lassen.

    Robert Marc Lehmann und die Lügen: GERATI erhebt einen schweren Vorwurf

    Robert Marc Lehmann ist bekannt dafür, seine Kritik an zoologischen Einrichtungen mit deutlichen Worten vorzutragen. Er wirft anderen vor, wichtige Informationen zu verschweigen, Tatsachen zu verdrehen oder die Öffentlichkeit zu täuschen. Dabei vermittelt er regelmäßig den Eindruck, selbst auf der Seite der Wahrheit zu stehen. Gerade deshalb müssen seine eigenen Aussagen einer ebenso gründlichen Überprüfung standhalten.

    Im Fall der Berliner Anti-Zoo-Demonstration ist das in mehreren Punkten nicht gelungen. Der öffentlich beworbene Pariser Platz stimmte nicht mit dem polizeilich bestätigten Anmeldeort überein. Die Erklärung über eine angebliche Polizeiverlegung ist durch die veröffentlichte Auskunft nicht belegt. Die behauptete allgemeine Kapazitätsgrenze wird durch eine amtlich dokumentierte Versammlung mit rund 9.000 Menschen widerlegt.

    Hinzu kommt die Differenz zwischen den polizeilich ermittelten rund 2.500 Teilnehmern und den aus Lehmanns Umfeld verbreiteten 4.000. Der historische Rekordanspruch ist ebenfalls nicht unabhängig dokumentiert. GERATI erhebt deshalb den Vorwurf, dass Lehmann mit seiner Darstellung die Öffentlichkeit über zentrale Umstände der Demonstration in die Irre geführt hat. Die Beweisführung richtet sich dabei auf seine konkreten Aussagen und die Widersprüche zu den dokumentierten Fakten.

    Die Frage, ob jede einzelne falsche Aussage auch in Kenntnis ihrer Unrichtigkeit getroffen wurde, ist davon zu unterscheiden. Der journalistische Vorwurf bleibt dennoch schwerwiegend: Ein reichweitenstarker Aktivist, der andere regelmäßig wegen vermeintlicher Lügen angreift, verbreitet selbst Angaben, die einer Überprüfung nicht standhalten. Sein Publikum erhält dadurch ein Bild der Veranstaltung, das in wesentlichen Punkten von den behördlichen Informationen abweicht. Genau daran muss sich seine Glaubwürdigkeit messen lassen.

    Philipp J. Kroiß zeigt, wie leicht sich die Erzählung überprüfen lässt

    Die entscheidende Recherche kam von Philipp J. Kroiß. Statt die Angaben aus Lehmanns Umfeld einfach zu übernehmen, fragte er bei der Berliner Polizei nach. Die Antwort brachte zwei zentrale Informationen ans Licht: den angemeldeten Veranstaltungsort und die polizeiliche Teilnehmerzahl. Damit standen den öffentlichen Aussagen überprüfbare Angaben der zuständigen Behörde gegenüber.

    GERATI hat die Arbeit von Kroiß bereits im Artikel „Philipp J. Kroiß von zoos.media: Warum seine Recherchen die Anti-Zoo-Szene beschäftigen“ behandelt. Die Berliner Demonstration ist ein Beispiel dafür, weshalb unabhängige Nachfragen gerade bei reichweitenstarken Influencern wichtig sind. Wer sich ausschließlich auf deren öffentliche Darstellung verlässt, erfährt nicht zwangsläufig das vollständige Bild. Erst der Abgleich mit den Behördeninformationen macht die Widersprüche sichtbar.

    Besonders aufschlussreich bleibt die Geschichte vom angeblich verlegten Veranstaltungsort. Lehmann erklärte seinem Publikum einen Ortswechsel mit einer Entscheidung der Polizei. Kroiß erhielt von derselben Behörde die Bestätigung, dass der Platz des 18. März als Veranstaltungsort angemeldet war. Diese Auskunft passt nicht zu der öffentlich vermittelten Vorstellung einer nach der Anmeldung verlegten Demonstration.

    Die zusätzlichen GERATI-Recherchen zur Kapazität des Pariser Platzes verschärfen die Kritik. Eine amtlich dokumentierte Kundgebung mit rund 9.000 Teilnehmern widerspricht der pauschalen Begrenzung, mit der Lehmann den anderen Veranstaltungsort erklärte. Die bis zu 10.000 Menschen bei der späteren CSD-Gedenkveranstaltung ergänzen diesen Befund. Damit stützt sich die Kritik nicht auf persönliche Abneigung, sondern auf konkrete und nachprüfbare Informationen.

    Robert Marc Lehmann muss sich an seinen eigenen Wahrheitsansprüchen messen lassen

    Am Ende bleibt von der großen Berliner Anti-Zoo-Inszenierung ein erhebliches Glaubwürdigkeitsproblem. Der Pariser Platz wurde öffentlich beworben, obwohl die Polizei den Platz des 18. März als angemeldeten Veranstaltungsort bestätigte. Lehmann erzählte von einer angeblichen Polizeiverlegung, für die in der veröffentlichten Auskunft kein Nachweis vorliegt. Seine pauschale Behauptung über die Kapazität des Pariser Platzes widerspricht einer offiziellen Polizeimeldung über eine deutlich größere Kundgebung.

    Auch bei den Teilnehmerzahlen klaffen öffentliche Darstellung und behördliche Erkenntnisse auseinander. Während aus Lehmanns Umfeld bis zu 4.000 Demonstranten genannt wurden, ermittelte die Berliner Polizei rund 2.500 Teilnehmer. Der angekündigte Weltrekord blieb ebenfalls ohne überprüfbare Vergleichsdaten. Mehrere zentrale Bestandteile der öffentlichen Erfolgserzählung halten damit einer unabhängigen Überprüfung nicht stand.

    Für GERATI ist das ein schwerwiegender Befund. Robert Marc Lehmann erhebt gegenüber Zoos und deren Verantwortlichen regelmäßig den Anspruch auf Wahrheit und Transparenz. Doch bei seiner eigenen Demonstration verbreitete er Darstellungen, die mit dokumentierten Fakten kollidieren. GERATI wirft ihm deshalb vor, die Öffentlichkeit durch falsche und irreführende Angaben getäuscht zu haben.

    Wer wie Lehmann regelmäßig andere der Lüge bezichtigt, darf nicht erwarten, dass seine eigenen Aussagen ungeprüft bleiben. Die polizeilich bestätigte Anmeldung, die amtlich dokumentierten Menschenmengen auf dem Pariser Platz und die Teilnehmerzahlen seiner Demonstration sprechen eine deutliche Sprache. Sie zeigen, dass wesentliche Bestandteile seiner öffentlichen Darstellung nicht stimmen oder ohne den behaupteten Nachweis geblieben sind.

    Die entscheidende Frage ist längst nicht mehr, wie laut Robert Marc Lehmann seine Botschaften verbreitet oder wie begeistert seine Unterstützer darauf reagieren. Entscheidend ist, ob seine Aussagen den Tatsachen entsprechen. Bei der Berliner Anti-Zoo-Demonstration ist das in mehreren zentralen Punkten nicht der Fall. Wer anderen ständig vorwirft, die Öffentlichkeit zu belügen, muss sich gefallen lassen, dass auch seine eigenen Unwahrheiten aufgedeckt werden.

    Quellen

  • Nach IT-Gutachten zum Handy von Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke: Robert Marc Lehmann sieht sich rehabilitiert – doch was ist mit seiner Vita?

    Nach IT-Gutachten zum Handy von Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke: Robert Marc Lehmann sieht sich rehabilitiert – doch was ist mit seiner Vita?

    Robert Marc Lehmann sieht sich bestätigt und erhebt neue Vorwürfe

    Nach der Veröffentlichung eines IT-forensischen Gutachtens zum dienstlich genutzten Mobiltelefon des Bürgermeisters von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke, präsentiert Robert Marc Lehmann in einem knapp 24-minütigen Video seine Sicht auf die Affäre. Er berichtet von zahlreichen Journalistenanfragen, persönlicher Belastung und einer aus seiner Sicht beschädigten Reputation. Zugleich richtet er neue Verdächtigungen gegen Philipp J. Kroiß von zoos.media und stellt Fragen nach möglichen Kontakten zwischen seinem Kritiker, dem Bürgermeister und dem Politiker Till Backhaus. Seine Darstellung vermittelt dabei den Eindruck, die neuen Erkenntnisse bestätigten nicht nur seine Position in der E-Mail-Affäre, sondern stellten auch die seit Jahren gegen ihn gerichtete Kritik grundsätzlich infrage.

    Doch die Untersuchung eines Mobiltelefons beantwortet keine einzige Frage zum früheren Lebenslauf Lehmanns. Sie prüft weder seine Studienbezeichnung noch seine Position im Ozeaneum Stralsund, die Darstellung seiner Fangreisen oder die Bewerbung von Auszeichnungen. Mehrere Kritikpunkte wurden bereits vor Jahren veröffentlicht; einzelne biografische Formulierungen auf seiner Website wurden später verändert. GERATI lehnt persönliche Beleidigungen und mögliche Rechtsverstöße ausdrücklich ab, hält aber ebenso daran fest, dass sachliche Kritik an überprüfbaren Aussagen legitim bleibt. Beides muss getrennt werden, auch wenn Lehmann die verschiedenen Vorgänge in seinem Video miteinander verknüpft.

    Was die IT-Forensik bestätigt – und was sie nicht beweist

    Am 9. Oktober 2026 berichteten unter anderem der NDR und die Lokalzeitung der reporter über die Ergebnisse der von der Gemeinde veranlassten Untersuchung. Laut der veröffentlichten Zusammenfassung des Gutachtens vom 28. Mai 2026 gab es auf dem untersuchten Gerät keinen objektiv belegbaren Befund für Malware, Spyware, Trojaner oder eine Infektion mit Pegasus. Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke hatte bestritten, umstrittene Nachrichten selbst verfasst zu haben, und einen Hackerangriff als Erklärung genannt. Das Untersuchungsergebnis wirft damit Fragen zu seiner Darstellung auf, liefert aber keinen abschließenden Nachweis dafür, wer jede einzelne Nachricht verfasst hat. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern an; die Unschuldsvermutung gilt.

    Lehmann liest im Video ab Minute 1:39 aus angeblichen Nachrichten vor beziehungsweise gibt deren Inhalt teilweise sinngemäß wieder. Er berichtet von Dutzenden E-Mails mit beleidigenden Aussagen und Vorwürfen, sein Lebenslauf sei erfunden und seine Abschlüsse seien gefälscht. Eine vollständige, öffentlich zugängliche und authentifizierte Sammlung dieser Korrespondenz einschließlich ihres jeweiligen Kontexts liegt bislang nicht vor. Deshalb lässt sich weder jede Formulierung noch die technische Urheberschaft jeder einzelnen Nachricht unabhängig anhand der Originale prüfen. Die veröffentlichte Darstellung Lehmanns ist für die Berichterstattung relevant, ersetzt aber keine Einsicht in die vollständigen Dokumente.

    Sollte sich herausstellen, dass der Bürgermeister die beleidigenden Nachrichten persönlich geschrieben und einen Hackerangriff bewusst nur vorgetäuscht hat, wäre das entsprechend rechtlich aufzuarbeiten. Keine ungenaue Selbstdarstellung Lehmanns würde ein solches Verhalten rechtfertigen. Umgekehrt wäre damit keineswegs erwiesen, dass sämtliche früheren öffentlichen Angaben Lehmanns korrekt waren. Genau an dieser Trennlinie muss eine sachliche Recherche ansetzen.

    Die Recherchen zu Lehmanns Vita sind älter als die Wal-Affäre

    Lehmann spricht im aktuellen Video ab Minute 12:53 von einem langjährigen Kritiker und nennt anschließend Philipp J. Kroiß von zoos.media. Er fragt, woher der Bürgermeister die gegen ihn erhobenen Vorwürfe kenne und ob zwischen den Beteiligten Kontakte bestanden hätten. Diese Fragen können gestellt werden, belegen aber für sich genommen weder eine Absprache noch die Unrichtigkeit der veröffentlichten Kritik. Denn die betreffenden Recherchen sind seit Jahren öffentlich zugänglich und hätten grundsätzlich von jedem gelesen werden können. Ihre tatsächliche Richtigkeit muss anhand der jeweiligen Quellen bewertet werden, nicht anhand vermuteter persönlicher Kontakte.

    Bereits 2021 beschäftigte sich zoos.media mit Lehmanns Aussagen über Zoos und die angeblich negative Bildungswirkung von Besuchen. Im Oktober 2022 erschien eine Recherche zur Beschäftigung im Ozeaneum; im Dezember 2023 wurde seine Bali-Geschichte über den Zierfischhandel kritisiert. Weitere Veröffentlichungen befassten sich mit seiner Studienbezeichnung und mit Behauptungen über zoologischen Artenschutz. Auch t-online prüfte 2026 einzelne biografische Angaben durch eigene Anfragen bei der Universität Kiel und National Geographic Deutschland. Diese Chronologie spricht gegen die Vorstellung, die sachlichen Kritikpunkte seien erst durch den Bürgermeister entstanden.

    Diplom-Meeresbiologe: Warum änderte Lehmann seine Website?

    Auf einer archivierten Website-Fassung aus dem Oktober 2025 bezeichnete sich Robert Marc Lehmann als „studierter Diplom-Meeresbiologe“. Die Universität Kiel bestätigte gegenüber t-online, dass die formale Studiengangs- beziehungsweise Abschlussbezeichnung Biologie lautete. Inzwischen verwendet Lehmann auf seiner Website die präzisere Formulierung „Diplom-Biologe mit einer Spezialisierung auf Meeresbiologie“. Sein Biologieabschluss steht damit nicht in Frage, ebenso wenig die Möglichkeit einer späteren meeresbiologischen Tätigkeit. Der Unterschied zwischen einer fachlichen Spezialisierung und einer konkret behaupteten akademischen Abschlussbezeichnung bleibt aber bestehen.

    Die Korrektur allein beweist keine absichtliche Täuschung. Sie zeigt jedoch, dass die frühere Selbstbeschreibung nach der öffentlichen Kritik nicht unverändert geblieben ist. Warum soll diese Kritik nun plötzlich unbegründet sein, wenn die formale Bezeichnung gerade durch die spätere Präzisierung klarer wurde? Die Antwort darauf kann nur eine Auseinandersetzung mit der konkreten früheren Aussage geben. Ein IT-Gutachten zu einem Bürgermeister-Handy ist dafür offensichtlich ungeeignet.

    Ozeaneum Stralsund: Teamleiter statt Leiter des ganzen Aquariums

    Robert Marc Lehmann behauptete in früheren öffentlichen Äußerungen, er habe Europas größtes Aquarium geleitet. Auch die Bezeichnung Abteilungsleiter wurde im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit im Ozeaneum Stralsund verwendet. Philipp J. Kroiß fragte dazu bereits 2022 beim Deutschen Meeresmuseum nach. Nach der veröffentlichten Auskunft war Lehmann vom 1. Dezember 2008 bis zum 30. November 2009 als Teamleiter tätig. Ihm war eine Abteilungsleiterin übergeordnet, darüber stand die Museumsleitung.

    Damit liegt der relevante Widerspruch in der behaupteten Leitungsfunktion: Lehmann war nach Auskunft seines ehemaligen Arbeitgebers nicht Leiter des gesamten Ozeaneums, sondern Teamleiter innerhalb der Einrichtung. Entscheidend ist die belegte Differenz zwischen Lehmanns früherer öffentlicher Selbstdarstellung und der vom Deutschen Meeresmuseum bestätigten Position. Genau diese Differenz war Gegenstand der bereits 2022 veröffentlichten Kritik.

    Weltweite Fang- und Forschungsreisen: Was wurde tatsächlich bestätigt?

    Auch die Beschreibung seiner Beschaffungsreisen für das Ozeaneum wurde überprüft. Das Deutsche Meeresmuseum bestätigte in der von zoos.media wiedergegebenen Auskunft vier Reisen im Zusammenhang mit dieser Tätigkeit, darunter drei nach Norwegen und eine nach Schweden. Daraus folgt keineswegs, dass Lehmann später keine weiteren internationalen Expeditionen unternommen hat; solche Reisen sind unabhängig davon bekannt. Entscheidend ist vielmehr, welchen Auftraggebern er bestimmte Erfahrungen zugeordnet und welchen Eindruck er über seine Tätigkeit im Ozeaneum vermittelt hat. Eine spätere weltweite Tätigkeit kann nicht rückwirkend jede frühere Darstellung einer konkreten Stelle bestätigen.

    Auch bei seiner Diplomarbeit gibt es einen dokumentierten Widerspruch zwischen Lehmanns öffentlicher Darstellung und den tatsächlichen Fakten. Lehmann erklärte in einer früheren Videoaussage, er habe über Fische seine Diplomarbeit geschrieben. Tatsächlich beschäftigte sich seine Diplomarbeit mit dem Wachstum Europäischer Edelkrebse (Astacus astacus). Dabei handelt es sich um Süßwasserkrebse und nicht um Fische. Die öffentliche Aussage über das Thema seiner Diplomarbeit stimmt somit nicht mit dem dokumentierten Inhalt überein. Auch dieser Widerspruch wurde bereits Jahre vor der aktuellen Auseinandersetzung mit dem Bürgermeister öffentlich kritisiert.

    National Geographic: Echter Preis, aber mögliche Überhöhung

    Robert Marc Lehmann gewann 2015 den deutschen Fotowettbewerb „Wildes Deutschland“, der von National Geographic Deutschland und Olympus veranstaltet wurde. Öffentlich bezeichnete er sich jedoch als „National Geographic Fotograf des Jahres 2015“, ohne dabei stets deutlich zwischen dem deutschen Wettbewerb und dem internationalen National Geographic Photo Contest zu unterscheiden. Den internationalen Wettbewerb gewann 2015 der australische Fotograf James Smart. Die damalige Chefredakteurin von National Geographic Deutschland bezeichnete Lehmanns Darstellung gegenüber t-online als „mindestens irreführend“. Lehmann hatte somit tatsächlich einen Fotowettbewerb gewonnen, allerdings nicht den internationalen Hauptwettbewerb, den seine öffentliche Selbstdarstellung nahelegen konnte.

    Auch bei dieser Auszeichnung zeigt sich ein Muster, das bereits bei Lehmanns Angaben zu seiner akademischen Ausbildung und seiner Tätigkeit im Ozeaneum aufgefallen ist: Seine öffentliche Selbstdarstellung vermittelte einen anderen beziehungsweise weitreichenderen Eindruck als die tatsächlich dokumentierten Qualifikationen und Leistungen. Erst durch kritische Recherchen wurden diese Unterschiede öffentlich herausgearbeitet. Die entsprechenden Nachweise stammen von Hochschulen, ehemaligen Arbeitgebern und im Fall der Fotoauszeichnung sogar aus dem Umfeld des Veranstalters selbst. Dass Lehmann diese Kritik heute im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen den Bürgermeister als Teil einer gegen ihn gerichteten Diffamierung darstellt, ändert nichts an den dokumentierten Widersprüchen.

    Bali-Zierfischhandel: Die dramatische Darstellung eines öffentlich auffindbaren Geschäfts

    Bei seiner Bali-Produktion über den Zierfischhandel vermittelte Robert Marc Lehmann den Eindruck einer gefährlichen Undercover-Recherche in einem schwer zugänglichen und möglicherweise illegalen Geschäft. In den Filmaufnahmen fordert er seinen Fahrer mit „Go, go, go“ zur schnellen Weiterfahrt auf und erklärt, dass man hier nicht halten könne. Damit vermittelt er seinen Zuschauern eine besondere Gefahrensituation. Tatsächlich handelte es sich bei dem besuchten Betrieb um Riski Aquaria in Denpasar, ein öffentlich zugängliches und regulär auftretendes Zierfischgeschäft mit eigener Onlinepräsenz. Der Betrieb war keineswegs ein geheimer Ort, den man nur unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen aufsuchen konnte. Für die durch Lehmanns Darstellung nahegelegte Illegalität des Geschäfts wurden keine entsprechenden Belege präsentiert.

    GERATI deckte diese Diskrepanz bereits 2023 auf und dokumentierte, dass der angeblich gefährliche Undercover-Schauplatz ein öffentlich auffindbares Zierfischgeschäft war. Später griff auch Philipp J. Kroiß von zoos.media die Recherche auf. Besonders bemerkenswert ist dabei die Dramaturgie: Lehmann erzeugte durch seine hektischen Anweisungen an den Fahrer und seine Darstellung der Situation den Eindruck einer riskanten Enthüllung. Die öffentlich überprüfbaren Informationen über das Geschäft zeichneten jedoch ein anderes Bild. Damit war nicht die Existenz des Zierfischhandels die fragwürdige Behauptung, sondern die Art und Weise, wie Lehmann seinen Besuch gegenüber den Zuschauern inszenierte.

    Drückerfisch und Hai: Was zeigen die Aufnahmen über Lehmanns eigene Rolle?

    Die Bali-Aufnahmen dokumentieren darüber hinaus auch Lehmanns eigenen Umgang mit den Tieren während seiner Dreharbeiten. GERATI TV veröffentlichte dazu das YouTube-Short „Robert Marc Lehmann begeht Tierquälerei“, in dem entsprechende Szenen aus seiner Produktion gezeigt werden. Darin werden Fische aus dem Wasser genommen und für die Kamera präsentiert. Ein Drückerfisch fällt dabei sogar auf den Boden. Lehmann kommentiert die Präsentationen unter anderem mit „Wow“, „Beautiful“ und „Wonderful“. Bei einer weiteren Szene wird ein Hai aus dem Wasser gehoben, während Lehmann mit „Schnell, schnell, Foto, Foto“ zu einer schnellen Aufnahme auffordert.

    Besonders bemerkenswert ist der Widerspruch zwischen Lehmanns öffentlichem Auftreten als Tierschützer und seinem Verhalten während dieser Aufnahmen. Statt das unnötige Herausnehmen der Fische aus dem Wasser zu unterbinden, reagiert er mit begeisterten Kommentaren und fordert bei dem Hai sogar ausdrücklich eine Fotoaufnahme. Das Herausnehmen von Fischen aus dem Wasser kann erheblichen Stress verursachen und ihre Gesundheit beeinträchtigen. Ein Sturz auf einen harten Boden birgt zusätzlich erhebliche Verletzungsrisiken. GERATI kritisiert diese Behandlung der Tiere als tierschutzwidrig und sieht insbesondere Lehmanns aktive Beteiligung als erklärungsbedürftig an. Ob die dokumentierten Handlungen darüber hinaus den rechtlichen Tatbestand der Tierquälerei erfüllen, ist davon getrennt zu beurteilen.

    Bereits 2023 machte GERATI auf diese Widersprüche aufmerksam. Nach der Veröffentlichung des kritischen Videomaterials auf GERATI TV folgte eine urheberrechtliche Beanstandung durch LEONINE Studios, die nach der damaligen Korrespondenz im Auftrag Lehmanns handelte. Statt einer öffentlichen Auseinandersetzung mit den gezeigten Szenen kam es somit zunächst zu einem Streit über die Verwendung des Filmmaterials. Die Aufnahmen und die anschließende Kritik existierten bereits Jahre vor der heutigen Auseinandersetzung mit dem Bürgermeister von Timmendorfer Strand. Auch dieser Fall zeigt, dass die Kritik an Lehmanns Verhalten keineswegs erst durch die Äußerungen des Bürgermeisters entstanden ist.

    Bali-Delfinarium: Chlor, Wasserqualität und der Unterschied zwischen Verdacht und Messwert

    Robert Marc Lehmann erhob bei seiner Berichterstattung über das Bali Exotic Marine Park schwere Vorwürfe hinsichtlich der Wasserqualität und einer möglichen Gesundheitsgefährdung der dort gehaltenen Delfine. Einen eigenen Laborbefund oder dokumentierte Wasseranalysen, mit denen er eine gesundheitsschädliche Chlorkonzentration nachgewiesen hätte, legte er jedoch nicht vor. Stattdessen verbreitete er seine Anschuldigungen öffentlich, ohne entsprechende Messergebnisse zu präsentieren. Die Betreiber erklärten später gegenüber BBC News Indonesia, dass Chlor zur Wasseraufbereitung eingesetzt werde, die Konzentration jedoch unter 1,5 ppm liege. Eine tatsächlich gesundheitsschädliche Chlorbelastung konnte Lehmann mit seiner Darstellung nicht nachweisen.

    Besonders bemerkenswert war Lehmanns anschließender Aufruf an seine Community, sich per E-Mail an indonesische Botschaften und Auslandsvertretungen zu wenden und gegen die Delfinhaltung im Bali Exotic Marine Park zu protestieren. Damit mobilisierte er gezielt seine Anhänger, um Druck auf die indonesischen Behörden auszuüben. Im Zuge dieser Kampagne gingen bei indonesischen Auslandsvertretungen neben Protestschreiben auch beleidigende Nachrichten und Morddrohungen ein. Die Kampagne führte damit nicht nur zu einer breiten öffentlichen Auseinandersetzung, sondern auch zu erheblichen Anfeindungen gegenüber den betroffenen Stellen. Lehmanns Aufruf und die darauf folgenden Reaktionen gehören deshalb zur Bewertung seiner damaligen Vorgehensweise.

    Hier zeigt sich ein auffälliger Widerspruch zu Lehmanns heutigen Beschwerden über angebliche Rufschädigung. Im aktuellen Livestream beklagt er, dass kritische Veröffentlichungen und die Kontaktaufnahme Dritter mit seinen Geschäftspartnern seinen Ruf und seine wirtschaftlichen Interessen beeinträchtigt hätten. Gleichzeitig hat er bei seiner eigenen Bali-Kampagne seine Community ausdrücklich dazu aufgefordert, diplomatische Vertretungen zu kontaktieren und Druck auf eine von ihm kritisierte Einrichtung auszuüben. Zwar ist eine Beschwerde bei einer Behörde nicht mit einer Beleidigung oder Drohung gleichzusetzen, doch die gezielte Mobilisierung Dritter zur Einflussnahme auf andere gehört in beiden Fällen zum öffentlichen Konflikt. Lehmann kritisiert somit eine Form der öffentlichen Druckausübung, die er bei seinen eigenen Kampagnen selbst als Mittel eingesetzt hat.

    Zoos und Artenschutz: Mehrere pauschale Aussagen halten Gegenbelegen nicht stand

    Auch Lehmanns Aussagen über Zoos und deren Beitrag zum Artenschutz wurden wiederholt kritisiert. In seinen Veröffentlichungen stellte er die Leistungen zoologischer Einrichtungen beim Schutz bedrohter Tierarten wie dem Sumatra-Nashorn oder dem Balistar infrage. Dabei sind die Zuchterfolge des Cincinnati Zoo beim Sumatra-Nashorn ebenso dokumentiert wie die Beteiligung zahlreicher Zoos an Erhaltungszuchtprogrammen und Wiederansiedlungen des Balistars. Diese konkreten Artenschutzerfolge widersprechen pauschalen Darstellungen, nach denen Zoos keinen Beitrag zum Erhalt bedrohter Tierarten leisten. Die tatsächlichen Leistungen zoologischer Einrichtungen bleiben bestehen, unabhängig davon, wie Lehmann deren Bedeutung öffentlich bewertet.

    Ein weiterer Kritikpunkt betrifft Lehmanns Aussagen über die angeblich negative Bildungswirkung von Zoobesuchen. Er behauptete öffentlich, dass Kinder nach einem Zoo- oder Aquariumsbesuch weniger wüssten als zuvor, und stellte dies als wissenschaftlich erwiesen dar. Dem stehen wissenschaftliche Untersuchungen gegenüber, die einen Wissenszuwachs durch Bildungsangebote zoologischer Einrichtungen dokumentieren. Seine pauschale Darstellung einer grundsätzlich negativen Bildungswirkung lässt sich damit nicht aufrechterhalten. Auch dieses Beispiel zeigt, dass die Kritik an Lehmanns Aussagen auf konkreten fachlichen Gegenargumenten beruht und nicht erst durch die Auseinandersetzung mit dem Bürgermeister von Timmendorfer Strand entstanden ist.

    Angeblich klingelten beide Handys: Wo sind die vielen Journalistenstimmen?

    Besonders auffällig ist der Beginn des aktuellen Videos. Zwischen Minute 0:23 und 0:59 beschreibt Lehmann, wie bereits gegen 7:45 Uhr morgens sowohl sein privates als auch sein geschäftliches Telefon geklingelt hätten. Unbekannte Nummern und zahlreiche E-Mails hätten einen regelrechten Ansturm von Journalisten ausgelöst. Zwischen Minute 1:13 und 1:31 schildert er, die Medienvertreter hätten Stellungnahmen verlangt und wissen wollen, ob er sich nun rehabilitiert fühle. Später berichtet er sogar, welche Antworten er den Journalisten gegeben habe.

    GERATI überprüfte die unmittelbare Medienberichterstattung zur Veröffentlichung des IT-Gutachtens vom 9. Oktober 2026. Weder in den Artikeln des NDR noch in den Veröffentlichungen von der reporter oder den weiteren überprüften Medienberichten vom 9. und 10. Oktober findet sich eine aktuelle Stellungnahme Lehmanns. Kein einziger dieser Artikel gibt eine Antwort auf die von ihm geschilderten Journalistenfragen wieder. Damit steht seiner Darstellung eines regelrechten Medienansturms eine Berichterstattung gegenüber, in der seine angeblich abgegebenen Stellungnahmen überhaupt nicht auftauchen.

    Warum berichtet Lehmann von zahlreichen Journalisten, die ihn telefonisch und per E-Mail kontaktiert und ausführlich befragt haben sollen, wenn anschließend keine seiner Antworten in den überprüften Medienberichten erscheint? Welche Redaktionen waren das, und wo sind die entsprechenden Stellungnahmen geblieben? Gerade angesichts seiner ausführlichen Schilderung wäre eine konkrete Benennung der beteiligten Medien aufschlussreich. Bislang bleibt der von Lehmann geschilderte außergewöhnliche Journalistenansturm jedenfalls öffentlich und unabhängig unbestätigt.

    Wiederholt eine dramatische Geschichte? Der Vergleich mit Bali

    Zwischen Lehmanns Bali-Produktion und seinem aktuellen Livestream zeigt sich eine auffällige Parallele in der Erzählweise. Auf Bali erzeugte Lehmann durch hektische Anweisungen an seinen Fahrer, darunter „Go, go, go“, den Eindruck, sich an einem gefährlichen Ort aufzuhalten, an dem man nicht einfach anhalten könne. Tatsächlich handelte es sich bei dem besuchten Betrieb um ein öffentlich auffindbares Zierfischgeschäft in Denpasar. Nach Veröffentlichung des IT-Gutachtens beginnt Lehmann seinen Livestream mit einer ähnlich dramatischen Schilderung: Beide Telefone hätten bereits am frühen Morgen ununterbrochen geklingelt, zahlreiche Journalisten hätten ihn kontaktiert und sein E-Mail-Postfach sei regelrecht übergelaufen. In den überprüften Medienberichten vom 9. und 10. Oktober 2026 findet sich jedoch keine einzige aktuelle Stellungnahme Lehmanns zu den Gutachtenergebnissen.

    In beiden Fällen nutzt Lehmann die Schilderung außergewöhnlicher Ereignisse, um die Bedeutung seiner Geschichte zu unterstreichen. Während bei der Bali-Produktion ein öffentlich zugängliches Geschäft zum Schauplatz einer vermeintlich gefährlichen Undercover-Recherche wurde, präsentiert er sich im aktuellen Livestream als Mittelpunkt eines außergewöhnlichen Medieninteresses. Die dokumentierten Umstände stehen dabei in einem auffälligen Gegensatz zu der jeweils vermittelten Dramaturgie. Gerade dieser Vergleich zeigt, wie Lehmann durch seine Erzählweise bestimmte Eindrücke beim Publikum erzeugt, während die unabhängig überprüfbaren Informationen ein deutlich weniger spektakuläres Bild zeichnen.

    Philipp J. Kroiß und Till Backhaus: Aus Fragen werden weitreichende Verdächtigungen

    Ab Minute 12:53 widmet sich Lehmann besonders seinem Kritiker Philipp J. Kroiß. Bei Minute 13:21 fragt er nach möglichen Kontakten zwischen Kroiß und dem Bürgermeister, nach weitergegebenen Informationen und nach denkbaren Auswirkungen auf die Entscheidungen von Till Backhaus. Zwischen Minute 14:14 und 15:08 entwickelt er die Möglichkeit von Absprachen, um ihn von der Walrettung auszuschließen. Er bezeichnet einzelne Überlegungen selbst als hypothetisch. Dennoch bekommen die Zuschauer eine konkrete Verbindung mehrerer namentlich genannter Personen nahegelegt, für die das Video keine dokumentierte Kommunikationskette liefert.

    Ein Austausch zwischen einem Journalisten und einem Bürgermeister wäre für sich genommen weder ungewöhnlich noch ein Beweis für eine unzulässige Einflussnahme. Für eine weitergehende Behauptung müsste dokumentiert werden, wer was gesagt hat, welche Entscheidungen darauf beruhten und weshalb diese Entscheidungen problematisch waren. Die Existenz öffentlich zugänglicher kritischer Artikel von zoos.media reicht dafür nicht aus. Ebenso wenig folgt aus einer möglichen Übernahme veröffentlichter Kritik, dass deren Urheber für eigenständige spätere Aussagen oder Handlungen des Bürgermeisters verantwortlich wäre.

    Der schwerste Vorwurf: Eine angebliche Mitschuld am Tod des Wals

    Bei Minute 16:08 bis 16:18 sagt Lehmann sinngemäß, mutmaßliche Aussagen von Philipp J. Kroiß gegenüber dem Bürgermeister, dessen öffentliche Äußerungen und darauf beruhende Entscheidungen von Till Backhaus hätten nach seiner Überzeugung einen wesentlichen Anteil am Tod des Buckelwals gehabt. Bei etwa Minute 19:19 greift er den Vorwurf erneut auf und spricht Kroiß sinngemäß die Eigenschaft eines Tierfreundes ab, weil der Wal dadurch gestorben sei. Das ist eine besonders weitreichende persönliche Zuschreibung. Im Video werden dafür jedoch weder die behaupteten Kontakte noch ein konkreter Einfluss auf Rettungsentscheidungen und auch kein kausaler Zusammenhang mit dem Tod des Tieres belegt.

    Wer solche Zusammenhänge öffentlich behauptet oder nahelegt, muss mit entsprechenden Nachfragen rechnen. Welche Kommunikation soll stattgefunden haben? Welche konkrete Entscheidung soll dadurch ausgelöst worden sein? Welche fachlichen Belege zeigen, dass ein anderer Entscheidungsverlauf das Überleben des Wals ermöglicht hätte? Ohne Antworten auf diese Fragen bleiben die Aussagen Vermutungen und persönliche Überzeugungen. Gerade Lehmann, der selbst die Folgen unbelegter Anschuldigungen beklagt, sollte bei namentlich genannten Kritikern denselben Maßstab anwenden.

    Hunderte negative Artikel: Wo beginnt seine eigene Verantwortung?

    Bei Minute 15:40 spricht Lehmann von Hunderten Artikeln über mehrere Monate und Tausenden negativen Beiträgen. Er schildert die Folgen dieser Berichterstattung für sein Privatleben und für mögliche geschäftliche Kooperationen. Dass es bundesweit umfangreiche und teilweise kritische Berichte über die Walrettung und Lehmanns Rolle gab, ist nachvollziehbar. Eine überprüfbare Zählung der von ihm genannten Größenordnung oder eine belastbare Zuordnung aller negativen Berichte zu den Äußerungen des Bürgermeisters legt er jedoch nicht vor. Außerdem gab es bereits zuvor Kritik von Fachleuten und eigenständige Recherchen zu seiner Biografie.

    Die Frage nach Lehmanns eigener Verantwortung darf dabei nicht mit einer Mitschuld an möglichen Straftaten verwechselt werden. Wer öffentlich ungenaue oder überhöhte Angaben über sich verbreitet, kann damit einen Anlass für legitime Kritik setzen. Wären bestimmte Aussagen von Anfang an genauer gewesen, wären einige konkrete Kontroversen möglicherweise nicht entstanden. Daraus folgt aber keineswegs, dass Lehmann persönliche Beleidigungen verdient hätte oder für eigenständige Rechtsverstöße Dritter verantwortlich wäre. Verantwortlich ist er für die Richtigkeit seiner Aussagen, nicht für unzulässiges Verhalten anderer.

    Sieht sich Lehmann durch das Gutachten auch in seiner Vita rehabilitiert?

    Robert Marc Lehmann vermittelt in seinem aktuellen Livestream den Eindruck, durch die Veröffentlichung des IT-Gutachtens nun umfassend rehabilitiert zu sein. Bei Minute 18:14 erklärt er: „Es gibt nicht meine Sicht und seine Sicht. Es gibt nur eine Sicht und die ist ja jetzt öffentlich.“ Bei Minute 20:16 betont er ausdrücklich: „Das IT-Gutachten spricht für mich.“ Gleichzeitig stellt er die bisherigen Vorwürfe gegen seinen Lebenslauf als Teil einer gegen ihn gerichteten Diffamierung dar und bringt seinen langjährigen Kritiker Philipp J. Kroiß von zoos.media damit in Verbindung. Seine Darstellung legt damit nahe, dass nicht nur die Anschuldigungen des Bürgermeisters, sondern auch die seit Jahren dokumentierte Kritik an seiner beruflichen Selbstdarstellung durch die neuen Erkenntnisse entkräftet worden seien.

    Der entscheidende Widerspruch bleibt jedoch bestehen: Das IT-Gutachten untersucht das dienstlich genutzte Mobiltelefon des Bürgermeisters und nicht die Biografie von Robert Marc Lehmann. Es widerlegt weder die dokumentierten früheren Formulierungen auf seiner eigenen Website noch die Auskünfte des Deutschen Meeresmuseums zu seiner tatsächlichen Position im Ozeaneum. Ebenso wenig verändert es die Angaben der Universität Kiel zu seinem Studienabschluss oder die Einordnung seiner National-Geographic-Auszeichnung. Auch die kritisierten Darstellungen seiner Bali-Produktionen und seine öffentlichen Aussagen über den Artenschutz bleiben davon unberührt. Ein IT-Gutachten über das Handy eines Bürgermeisters kann die nachgewiesenen Widersprüche in Lehmanns früheren Selbstdarstellungen nicht nachträglich beseitigen.

    Fazit: Ein Handy-Gutachten macht frühere Selbstaussagen nicht automatisch richtig

    Die Veröffentlichung des IT-forensischen Gutachtens ist für die Ermittlungen zum Bürgermeister von Timmendorfer Strand bedeutsam. Sollten die ihm vorgeworfenen Beleidigungen oder eine bewusst falsche Hackerbehauptung nachgewiesen werden, wären sie unabhängig von der Walrettung und der Kritik an Robert Marc Lehmann zu bewerten. GERATI distanziert sich ausdrücklich von persönlichen Herabsetzungen und möglichen rechtswidrigen Handlungen. Sachliche Kritik wird dadurch jedoch nicht automatisch falsch, und berechtigte Nachfragen sind keine Beleidigung.

    Lehmanns Studienbezeichnung wurde auf seiner eigenen Website verändert; die Angaben des Deutschen Meeresmuseums zur früheren Hierarchie im Ozeaneum bleiben nachvollziehbar; auch weitere Darstellungen über seine Reisen, seine Auszeichnung und seine Bali-Aufnahmen verdienen eine konkrete Prüfung. Nicht jeder dieser Fälle beweist eine vorsätzliche Lüge. Sie zeigen aber, dass es reale, dokumentierte Anlässe zur Kritik gab, die lange vor dem Bürgermeisterstreit öffentlich diskutiert wurden. Die Verantwortung für die Genauigkeit solcher Selbstaussagen trägt Lehmann selbst.

    Besonders bedenklich ist, dass Lehmann ausgerechnet jetzt schwere Vermutungen über Philipp J. Kroiß und dessen angeblichen Anteil am Tod des Buckelwals äußert, ohne im Video die dafür erforderliche Beweiskette vorzulegen. Zugleich schildert er einen Journalistenansturm, dessen behauptetes Ausmaß in den bislang überprüften Medienberichten nicht bestätigt wird. Beides darf kritisch hinterfragt werden, ohne aus fehlenden Belegen vorschnell eine bewusste Lüge abzuleiten. Die entscheidende Frage bleibt: Warum sollten ausgerechnet die Untersuchung eines Bürgermeister-Handys und die möglichen Verfehlungen eines politischen Amtsträgers die früheren nachprüfbaren Aussagen Robert Marc Lehmanns über seinen eigenen Werdegang richtig machen?

    Das vollständige Video mit Zeitmarken

    Robert Marc Lehmann: „Doch kein Hackerangriff? Neue Infos zum Bürgermeister von Timmendorfer Strand“. Im Video beginnt die Schilderung der Journalistenanfragen bei 00:23, die Darstellung des Gutachtens bei 05:57 und die Auseinandersetzung mit Philipp J. Kroiß bei 12:53. Mögliche politische Absprachen diskutiert Lehmann ab 14:14; die Behauptung einer Mitverantwortung am Tod des Wals folgt bei 16:08. Seine Aussage zur angeblich nur noch einen öffentlichen Sichtweise fällt um 18:14, „Das IT-Gutachten spricht für mich“ um 20:16 und die Schilderung von Zweifeln an seiner Qualifikation um 22:12.

    YouTube Video Robert Marc Lehmann; Doch kein Hackerangriff? Neue Infos zum Bürgermeister von Timmendorfer Strand https://www.youtube.com/watch?v=KvNoyiXdaYg

    Quellen

  • FragDenStaat-Anfrage zu Zoos Media: Was die Recherche tatsächlich zeigen kann

    FragDenStaat-Anfrage zu Zoos Media: Was die Recherche tatsächlich zeigen kann

    Auf FragDenStaat läuft derzeit eine auffällig spezifische Informationsanfrage an die Gemeinde Timmendorfer Strand. Antragstellerin Daniela Baier verlangt sämtliche E-Mail-Korrespondenzen aus dem Zeitraum vom 23. März bis einschließlich 30. April 2026, in denen entweder der Name „Kroiß“, die „stadt land Fluss GmbH“ vorkommen oder Absender der Domain @zoos.media auftauchen. Die Gemeinde hat die Anfrage bislang nicht beantwortet und beruft sich wegen Umfang, rechtlicher Prüfung und personeller Ressourcen auf eine Fristverlängerung. Damit steht bislang lediglich fest, wonach gesucht wird – nicht jedoch, welche Kommunikation tatsächlich stattgefunden hat.

    Die Anfrage fällt in die Zeit der öffentlichen Auseinandersetzung um den gestrandeten Buckelwal Timmy und die Rolle des bekannten Aktivisten Robert Marc Lehmann. Im weiteren Verlauf entwickelte sich daraus eine politische Affäre um E-Mails, in denen Lehmann massiv angegriffen worden sein soll, sowie um die Behauptung von Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke, sein Account beziehungsweise sein Mobiltelefon seien gehackt worden. GERATI hat die Hintergründe der E-Mail-Affäre, des behaupteten Hackerangriffs und der strafrechtlichen Ermittlungen bereits ausführlich aufgearbeitet. Die jetzigen FragDenStaat-Anfragen könnten deshalb neue Informationen darüber liefern, welche Kommunikation im entscheidenden Zeitraum tatsächlich stattgefunden hat.

    Zoos Media wird gesondert herausgefiltert

    Bemerkenswert ist zunächst die Konstruktion der FragDenStaat-Anfrage. Gesucht wird nicht allgemein nach Medienkontakten der Gemeinde oder nach sämtlicher Kommunikation mit Journalisten während der Auseinandersetzung. Stattdessen werden mit Philipp J. Kroiß, der stadt land Fluss GmbH und Zoos Media konkrete Suchbegriffe beziehungsweise ein bestimmtes Medium vorgegeben. Rechtlich ist eine solche Eingrenzung grundsätzlich möglich. Ein Informationszugangsantrag muss nicht sämtliche möglichen Beteiligten gleichermaßen erfassen.

    Für die spätere Interpretation der Ergebnisse spielt diese Auswahl jedoch eine wesentliche Rolle. Werden ausschließlich bestimmte Akteure gesucht, können die gefundenen Dokumente zunächst nur belegen, welche Kommunikation mit genau diesen Akteuren stattgefunden hat. Sie können für sich genommen nicht beantworten, ob andere Medien, Journalisten oder Beteiligte ebenfalls Kontakt zur Gemeinde hatten oder vergleichbare beziehungsweise deutlich schärfere Aussagen des Bürgermeisters erhielten.

    Das ist gerade deshalb relevant, weil Kritik an Robert Marc Lehmann damals keineswegs nur bei Zoos Media erschien. NEWS5 veröffentlichte bereits am 8. April das Bürgermeister-Interview mit deutlichen Vorwürfen. T-online berichtete später über die eskalierende Auseinandersetzung und zitierte Partheil-Böhnke mit der Bezeichnung Lehmanns als „inkompetenten Influencer“.

    Gleichzeitig läuft eine zweite Anfrage zu Robert Marc Lehmann

    Die Zoos-Media-Anfrage steht allerdings nicht isoliert. Am selben 10. August – nur wenige Minuten zuvor – stellte Daniela Baier eine weitere Informationsanfrage. Darin verlangt sie sämtliche E-Mail-Korrespondenz von Sven Partheil-Böhnke, die im selben Zeitraum die Begriffe „Robert Marc Lehmann“ oder „Lehmann“ enthält. Auch diese Anfrage wartet derzeit auf eine Antwort der Gemeinde.

    Damit wird nicht ausschließlich nach Zoos Media gesucht. Die zweite Anfrage könnte vielmehr einen deutlich größeren Teil der internen und externen Kommunikation zum Konflikt erfassen. Dennoch bleibt eine Besonderheit bestehen: Zoos Media, Kroiß und die stadt land Fluss GmbH werden zusätzlich in einer eigenen Anfrage separat herausgestellt. Warum gerade diese Akteure gesondert untersucht werden, lässt sich aus den bislang öffentlich sichtbaren Unterlagen nicht sicher ableiten.

    Genau deshalb sollte man bei der Interpretation Vorsicht walten lassen. Aus der Existenz einer speziell auf Zoos Media zugeschnittenen Anfrage folgt weder, dass eine problematische Verbindung bestand, noch dass Zoos Media für die später entstandene öffentliche Kritik an Lehmann verantwortlich war.

    Bürgermeisterkritik war bereits öffentlich verfügbar

    Zoos Media veröffentlichte am 9. April einen Artikel zum Einsatz Lehmanns. Grundlage waren unter anderem Aussagen des Bürgermeisters und das bereits öffentlich vorliegende NEWS5-Interview. Der Artikel zitierte Partheil-Böhnkes Einschätzung, Lehmann habe sich nicht als der Experte erwiesen, den der Bürgermeister zunächst erwartet habe.

    Am selben Tag veröffentlichte Zoos Media zudem einen weiteren Beitrag zur Frage, ob Lehmann überhaupt ein belastbares Konzept zur Rettung des Wals vorgelegt hatte. Dabei bezog sich das Medium unter anderem auf Auskünfte des zuständigen Ministeriums.

    Diese zeitliche Abfolge ist für die Bewertung entscheidend. Eine spätere E-Mail zwischen Gemeinde und Zoos Media wäre nicht automatisch ein Beweis dafür, dass die öffentliche Kritik ihren Ursprung bei Zoos Media hatte. Man müsste jeweils prüfen, wann die betreffende Nachricht verschickt wurde, welchen Inhalt sie hatte und welche Informationen zu diesem Zeitpunkt bereits öffentlich verfügbar waren.

    Erst die Dokumente erlauben belastbare Schlussfolgerungen

    Derzeit existiert auf FragDenStaat noch kein Ergebnis der Anfrage. Die Gemeinde hat lediglich erklärt, dass die Prüfung mehr Zeit benötigt. Bis zur tatsächlichen Herausgabe der Unterlagen wäre jede Behauptung über Umfang, Inhalt oder Zweck möglicher Kontakte spekulativ.

    Sollten E-Mails veröffentlicht werden, wird deshalb nicht nur entscheidend sein, ob Kontakte existierten. Relevant wären vor allem Zeitpunkt, Inhalt und Kontext. Ebenso müsste geprüft werden, ob vergleichbare Kommunikation mit anderen Medien existierte. Erst dann lässt sich beurteilen, ob Zoos Media lediglich öffentlich zugängliche Aussagen aufgegriffen hat, zusätzliche Informationen erhielt oder in anderer Weise in die Kommunikation eingebunden war.

    Die FragDenStaat-Anfrage kann also interessante Erkenntnisse liefern. Sie sollte aber nicht mit ihrem Ergebnis verwechselt werden. Eine gezielte Suche nach bestimmten Akteuren beantwortet zunächst nur die Frage, was sich über diese Akteure finden lässt – nicht automatisch, welche Rolle sie im gesamten Konflikt gespielt haben.

    Quellen

  • Robert Marc Lehmann gegen Zoos: Philipp J. Kroiß zerlegt die große Cancel-Erzählung

    Robert Marc Lehmann gegen Zoos: Philipp J. Kroiß zerlegt die große Cancel-Erzählung

    Robert Marc Lehmann spricht von Konsequenzen für die Zoowelt, von fehlender Gesprächsbereitschaft seiner Kritiker und vermittelt den Eindruck, gegen ihn werde mit fragwürdigen Methoden vorgegangen. Philipp J. Kroiß hat diese Darstellung für zoos.media ausführlich analysiert und kommt zu einem deutlich anderen Ergebnis. In seinem Beitrag „Robert Marc Lehmann: Wenn eine Anti-Zoo-Ansage zur Selbstoffenbarung wird“ zeichnet Kroiß das Bild eines Influencers, bei dem Anspruch und tatsächliches Verhalten zunehmend auseinanderfallen.

    Besonders interessant aus Sicht von GERATI: Kroiß greift dabei ausdrücklich eine Recherche von GERATI auf. Dabei ging es um zahlreiche Videos und Millionen Aufrufe, die vom YouTube-Kanal „Robert Marc Lehmann – Mission Erde“ verschwunden waren. Gerade dieser Punkt zeigt, warum es sich lohnt, die verschiedenen Vorgänge sauber voneinander zu trennen, statt sie zu einer großen Erzählung über angebliche Zensur oder Cancel-Versuche zusammenzufügen.

    Ein YouTube-Strike wird zur großen Erzählung

    Ausgangspunkt der Auseinandersetzung war laut Kroiß ein Video von Robert Marc Lehmann, in dem Material von zoos.media verwendet wurde. zoos.media meldete die Verwendung bei YouTube. Die Plattform prüfte den Vorgang und entschied schließlich über die Entfernung des Videos beziehungsweise den entsprechenden Copyright-Vorgang. Entscheidend ist dabei ein Punkt, den Kroiß ausdrücklich hervorhebt: Über einen Strike entscheidet YouTube und nicht derjenige, der eine Urheberrechtsverletzung meldet.

    Das klingt zunächst banal, ist aber für die gesamte Erzählung entscheidend. Wer fremdes Material verwendet und daraufhin mit einer urheberrechtlichen Beschwerde konfrontiert wird, kann daraus nicht automatisch einen organisierten Versuch ableiten, einen kompletten Kanal zum Schweigen zu bringen. Genau an dieser Stelle sieht Kroiß einen grundlegenden Widerspruch zwischen dem tatsächlichen Vorgang und der späteren Darstellung gegenüber der eigenen Community.

    Ein einzelner Copyright-Strike bedeutet schließlich nicht automatisch die Löschung eines gesamten YouTube-Kanals. Gleichzeitig gehört es zum normalen Verfahren der Plattform, dass Rechteinhaber gegen eine aus ihrer Sicht unzulässige Nutzung ihres Materials vorgehen können. Aus einem solchen Standardmechanismus eine Art Angriff der Zoowelt auf Robert Marc Lehmann abzuleiten, benötigt deshalb wesentlich mehr Belege als lediglich die Existenz einer Beschwerde.

    GERATI fand die verschwundenen Videos

    An dieser Stelle kommt GERATI ins Spiel. Nach dem Vorgang mit zoos.media hatte ich mir den Kanal von Robert Marc Lehmann genauer angesehen und festgestellt, dass dort eine beträchtliche Zahl früherer Videos nicht mehr öffentlich vorhanden war. Mit diesen Videos verschwanden zugleich Millionen zuvor ausgewiesener Aufrufe aus der öffentlich sichtbaren Kanalstatistik beziehungsweise dem vorhandenen Videobestand.

    Kroiß verweist in seinem Artikel ausdrücklich auf diese GERATI-Recherche. Gleichzeitig hält er fest, dass die Gründe für das Verschwinden dieser Videos nicht bekannt sind. Genau diese Trennung ist wichtig. Die Beobachtung, dass Videos verschwunden sind, ist etwas anderes als die Behauptung, zu wissen, weshalb sie verschwunden sind.

    Gerade deshalb wäre es unseriös, sämtliche Veränderungen auf Lehmanns Kanal mit dem Copyright-Vorgang von zoos.media in Verbindung zu bringen. Dafür gibt es bislang keinen belastbaren Nachweis. Interessant bleibt die Entwicklung dennoch, weil sie zeitlich in eine Phase fällt, in der Robert Marc Lehmann selbst das Narrativ eines gegen ihn gerichteten Vorgehens öffentlich stark auflädt.

    Kroiß stellt Lehmanns Gesprächsbereitschaft infrage

    Noch deutlicher wird die Kritik von Philipp J. Kroiß bei einem weiteren Punkt. Robert Marc Lehmann erklärte nach Darstellung von zoos.media sinngemäß, er scheue keine Diskussion, treffe jeden und halte sich nicht zurück. Gleichzeitig beklagte er, andere wollten nicht mit ihm diskutieren.

    Kroiß hält diesem Bild mehrere konkrete Beispiele entgegen. So verweist er unter anderem auf ein öffentliches Dialogangebot aus Wuppertal vom Mai 2025. Außerdem nennt er Einladungen des Direktors des Alpenzoos Innsbruck, André Stadler, aus dem Juni und August 2026. Nach Darstellung von zoos.media blieb eine entsprechende öffentliche Reaktion beziehungsweise Annahme dieser Angebote aus.

    Genau hier liegt ein Punkt, der über persönliche Sympathien für Lehmann oder einzelne Zoos hinausgeht. Wer öffentlich den Eindruck vermittelt, die Gegenseite verweigere konsequent den Dialog, muss sich daran messen lassen, wie er selbst mit konkreten Gesprächsangeboten umgeht. Existieren solche Einladungen tatsächlich, kann man gleichzeitig schwer behaupten, niemand wolle mit einem reden.

    Kroiß führt darüber hinaus den Zoo Augsburg sowie ein Orca-Symposium als weitere Beispiele an. Auch hier lautet seine zentrale Kritik nicht, dass Lehmann jede Einladung zwingend annehmen müsse. Natürlich steht es jedem frei, ein Gespräch abzulehnen. Problematisch wird es erst dann, wenn auf der einen Seite Angebote ausgeschlagen oder nicht genutzt werden und auf der anderen Seite gegenüber dem eigenen Publikum der Eindruck einer grundsätzlich dialogunwilligen Zoowelt entsteht.

    Das Marcant-Format ändert das Problem nicht

    Lehmann verwies offenbar auch auf ein geplantes beziehungsweise produziertes Format von Marcant, für das Vertreter aus der Zoowelt angefragt wurden. Kroiß sieht darin keinen Beleg dafür, dass Zoos generell nicht diskutieren wollten. zoos.media selbst hatte nach eigenen Angaben ebenfalls eine Anfrage erhalten, wobei bereits die Adressierung Fragen aufwarf.

    Trotzdem bot zoos.media nach Darstellung von Kroiß Unterstützung für einen geplanten Faktencheck an. Eine weitere Reaktion sei darauf nicht erfolgt. Auch hier ergibt sich damit ein komplizierteres Bild als das einfache Narrativ „Lehmann möchte diskutieren, Zoos verweigern sich“.

    Hinzu kommt ein praktischer Aspekt, der häufig übersehen wird. Nicht jeder Zoo, Verband oder Fachmann muss bereit sein, auf eigene Kosten an einem kommerziell verwerteten YouTube-Format mitzuwirken. Eine Absage an ein bestimmtes Produktionsformat ist nicht automatisch eine Absage an jede inhaltliche Diskussion. Wer beides gleichsetzt, verkürzt die tatsächliche Situation erheblich.

    Wenn aus Kritik eine Verschwörungserzählung wird

    Kroiß wird in seinem Artikel besonders deutlich, wenn es um Reaktionen aus Teilen der Mission-Erde-Community geht. Seiner Einschätzung nach wird dort zunehmend eine Erzählung gepflegt, wonach unterschiedliche Akteure versuchten, Robert Marc Lehmann zum Schweigen zu bringen oder seine Arbeit zu behindern.

    Das Problem einer solchen Erzählung liegt in ihrer Konstruktion. Einzelne Ereignisse können schnell miteinander verbunden werden, obwohl ein tatsächlicher Zusammenhang gar nicht nachgewiesen ist. Ein Copyright-Strike, verschwundene Videos, kritische Artikel, Auseinandersetzungen mit Zoos und abgelehnte Gesprächsformate ergeben dann scheinbar ein großes Gesamtbild. Belegt wird dadurch jedoch noch kein koordiniertes Vorgehen.

    Gerade an diesem Punkt lohnt eine nüchterne Betrachtung. Kritik an einem reichweitenstarken Influencer ist keine Zensur. Eine Urheberrechtsbeschwerde ist nicht automatisch ein Cancel-Versuch. Eine Einladung, die nicht angenommen wird, ist kein Beleg dafür, dass niemand diskutieren möchte. Und mehrere kritische Stimmen bilden nicht automatisch ein Netzwerk, nur weil sie zu ähnlichen Schlussfolgerungen gelangen.

    Anti-Zoo-Kommunikation und das Geschäft mit der Empörung

    Kroiß geht noch einen Schritt weiter und verbindet Lehmanns Anti-Zoo-Kommunikation mit dessen Merchandising. Er verweist dabei insbesondere auf Produkte mit vulgärer Anti-Zoo-Botschaft. Daraus ergibt sich zumindest eine legitime Frage nach den wirtschaftlichen Anreizen einer möglichst scharf geführten Auseinandersetzung.

    Natürlich beweist der Verkauf entsprechender Produkte nicht, dass Kritik an Zoos ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt. Eine solche Behauptung wäre ebenfalls zu einfach. Allerdings lässt sich kaum bestreiten, dass emotionalisierte Konflikte Aufmerksamkeit erzeugen und Aufmerksamkeit im Influencer-Geschäft wirtschaftlich verwertbar ist.

    Wenn sich eine Marke gleichzeitig über klare Feindbilder definiert und passende Produkte verkauft, darf dieser Zusammenhang deshalb thematisiert werden. Genau das macht Kroiß. Er stellt die Frage, ob eine immer aggressivere Anti-Zoo-Rhetorik tatsächlich einer sachlichen Diskussion über Tierhaltung, Artenschutz und wissenschaftliche Arbeit dient oder zunehmend Teil einer erfolgreich vermarktbaren Identität geworden ist.

    Der eigentliche Streit sollte um Fakten gehen

    Besonders relevant ist deshalb ein weiterer Bestandteil des zoos.media-Artikels. Kroiß erinnert daran, dass Lehmann in der Vergangenheit die Bedeutung zoologischer Einrichtungen für verschiedene Arten infrage gestellt hatte. zoos.media beschäftigte sich daraufhin unter anderem mit Balistaren, Sumatra-Nashörnern und Galapagos-Riesenschildkröten und stellte den Anti-Zoo-Aussagen konkrete Informationen zum Artenschutz gegenüber.

    Genau dort sollte die eigentliche Diskussion stattfinden. Nicht bei der Frage, wer wen angeblich canceln möchte, sondern bei überprüfbaren Aussagen. Welche Rolle spielen Zoos bei Erhaltungszuchtprogrammen? Welche Populationen konnten mit Unterstützung zoologischer Einrichtungen erhalten werden? Welche Forschung findet dort statt? Welche Projekte werden finanziert? Und wo gibt es berechtigte Kritik an einzelnen Einrichtungen oder Haltungsformen?

    Wer Zoos grundsätzlich ablehnt, darf diese Fragen selbstverständlich kritisch beantworten. Er muss sich dann allerdings auch mit Fakten auseinandersetzen, die nicht in die eigene Argumentation passen. Dasselbe gilt selbstverständlich für Zoo-Befürworter. Artenschutz wird nicht dadurch besser verstanden, dass beide Seiten immer größere Feindbilder produzieren.

    Philipp J. Kroiß trifft einen entscheidenden Punkt

    Der Artikel von Philipp J. Kroiß ist klar positioniert und an einigen Stellen bewusst scharf formuliert. Das macht er auch nicht zum Geheimnis. Seine entscheidende Stärke liegt jedoch darin, dass er zahlreiche konkrete Vorgänge nebeneinanderstellt und damit eine Frage aufwirft, die Robert Marc Lehmann und seine Community selbst beantworten müssen: Passt die öffentlich erzählte Geschichte tatsächlich zu den dokumentierten Ereignissen?

    Gerade die Behauptung mangelnder Dialogbereitschaft wirkt problematisch, wenn gleichzeitig konkrete Einladungen existieren. Ebenso lässt sich aus einer Copyright-Meldung nicht ohne Weiteres der Versuch konstruieren, einen gesamten YouTube-Kanal aus dem Netz zu drängen. Dass darüber hinaus zahlreiche Videos verschwunden sind, bleibt interessant – über die Ursache sagt diese Beobachtung allein jedoch nichts aus.

    Für GERATI ist noch etwas anderes bemerkenswert. Unsere Recherche zu den verschwundenen Videos wurde von zoos.media nicht einfach benutzt, um eine Ursache zu behaupten, die niemand belegen kann. Kroiß nennt die Recherche und trennt sie ausdrücklich von der offenen Frage nach dem Grund für die Löschungen. Genau so sollte eine sachliche Auseinandersetzung funktionieren.

    Robert Marc Lehmann kann Zoos kritisieren. Zoos können Robert Marc Lehmann kritisieren. zoos.media kann seine Aussagen überprüfen, und GERATI kann wiederum beide Seiten beobachten und einordnen. Das ist keine Zensur, sondern öffentliche Debatte. Entscheidend ist am Ende nicht, wer die größte Community mobilisieren kann, sondern wessen Behauptungen einer Überprüfung standhalten.

    Quellen