Hanoi verstärkt Kontrollen zum Schutz gefährdeter Wildtiere — Behörden berichten Beschlagnahmungen und Nadelöhre

Forstschutzamt meldet 37 Verfahren und fast 200 gefährdete Tiere seit Anfang 2026

Hanoi hat seinen Vollzug zum Schutz gefährdeter Wildtiere verstärkt: Nach Angaben des Forstschutzamts wurden seit Beginn des Jahres 37 Verstöße bearbeitet und 199 gefährdete sowie 1.978 häufigere Waldtiere beschlagnahmt. Die Unterabteilung für Waldschutz und Naturschutzmanagement führt regelmäßige Inspektionen in Zuchtbetrieben, Restaurants, Hotels und Privathaushalten durch und stimmt Kontrollen mit den Volkskomitees der Gemeinden ab. Behördenvertreter nennen Medienarbeit und verstärkte Patrouillen als zentrale Maßnahmen zur Aufdeckung illegaler Haltungen und Handelswege.

Behörden nennen Online-Handel und Unkenntnis als Hauptprobleme

Vertreter des Forstschutzamts, darunter Abteilungsleiter Bui Cong Khuong, betonen, dass die wachsende Präsenz von Angeboten in sozialen Medien die Durchsetzung der Vorschriften erschwere. Zudem werde das Rechtsbewusstsein bei einigen Restaurant- und Hotelbetreibern als unzureichend eingestuft. Die veröffentlichte Bilanz nennt Bußgelder in Höhe von insgesamt fast 374 Millionen VND, liefert jedoch keine belastbaren Angaben zu strafrechtlicher Verfolgung oder zu betroffenen Geschäftsbetreibern. Damit bleibt die Darstellung vorwiegend verwaltungsrechtlich; konkrete strafrechtliche Verfahren oder gerichtliche Urteile werden nicht ausgewiesen.

Fehlende technische Standards und Unterbringungskapazität als strukturelle Lücken

Hanoi berichtet von 460 Einrichtungen, in denen insgesamt 210 Tierarten gehalten werden, darunter 144 Arten, die als gefährdet, selten oder wertvoll eingestuft werden oder in CITES-Anhängen aufgeführt sind. Die Forstschutzbehörde und ihr Leiter Le Xuan Thang fordern nationale technische Standards für Haltung, Gehegegröße und Biosicherheit pro Art. Parallel dazu wird um mehr finanzielle Mittel für Inspektionskapazitäten, Lager für beschlagnahmte Güter und vorübergehende Unterbringungsmöglichkeiten für Tiere gebeten. Die veröffentlichte Darstellung legt nahe, dass die Behörden derzeit vor allem auf ad-hoc-Lösungen zurückgreifen und dauerhafte Infrastruktur fehlt, um beschlagnahmte Bestände artgerecht zu betreuen.

Rechtlicher Rahmen und nationale Koordination (belegt)

Die Berichte stehen nicht isoliert: Auf nationaler Ebene koordiniert ein Plan Nr. 628 des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt gemeinsam mit dem Ministerium für öffentliche Sicherheit Maßnahmen gegen Verstöße im Wildtierschutz. Laut einer Zusammenfassung der Konferenz haben 33 von 34 Provinzen Lenkungsausschüsse zur Umsetzung des Plans gebildet; in den ersten Monaten der Umsetzung wurden landesweit nahezu 2.000 Verstöße aufgedeckt. Zuständige Behörden unterzeichneten Kooperationsvereinbarungen zur Untersuchung und Verfolgung von Umweltstraftaten und trafen Absprachen zur Öffentlichkeitsarbeit mit Organisationen wie dem vietnamesischen buddhistischen Verband. Rechtlich existieren nach Angaben des Ministeriums strafrechtliche Rahmenvorschriften: Artikel 234 und 244 des relevanten Gesetzes sehen – je nach Schwere und Tatumfang – Freiheitsstrafen von bis zu 15 Jahren sowie Geldstrafen vor. Ein Rundschreiben (zitiert als Nr. 27/2025/TT-BNNMT) regelt den Umgang mit gefährdeten Arten, Zucht und Maßnahmen nach Beschlagnahme. Die Hanoi-Bilanz nennt jedoch nicht, wie viele Fälle tatsächlich strafrechtlich verfolgt wurden.

Rolle von NGOs und Veterinärversorgung (belegt)

Internationale und lokale Naturschutzorganisationen, etwa Save Vietnam's Wildlife (zitiert auf der Seite der Welttierschutzgesellschaft), unterstützen staatliche Beschlagnahmungen mit Notfallversorgung, Rehabilitation und Wiederauswilderung. NGO-Berichte weisen darauf hin, dass in der Vergangenheit mangelnde tiermedizinische Erstversorgung und unzureichende Betreuung nach Beschlagnahmen zum Tod einiger Tiere geführt haben — ein Umstand, der die Forderung nach nationalen technischen Standards und besseren Unterbringungsmöglichkeiten untermauert.

Was die offiziellen Zahlen nicht sagen — prüfbare Informationslücken

Die von Hanoi kommunizierten Zahlen liefern einen Eindruck von Aktivität, lassen aber mehrere prüfbare Fragen offen: Es fehlen Artenlisten mit Angaben, welche CITES-geschützten Arten konkret betroffen sind; Angaben dazu, ob beschlagnahmte Tiere dauerhaft in staatlichen Rettungsstationen verbleiben oder an andere Einrichtungen weitergegeben wurden; und ob Verstöße überwiegend aus dem Binnenhandel, grenzüberschreitendem Schmuggel oder aus Onlinenetzwerken resultieren. Ebenso wird nicht ausgewiesen, wie viele Fälle strafrechtlich verfolgt oder lediglich verwaltungsrechtlich sanktioniert wurden. Diese Lücken sind relevant, um die Wirksamkeit der Maßnahmen und die Nachhaltigkeit der Tierversorgung zu beurteilen.

Einordnung: Maßnahmen sind sichtbar, systemische Probleme bleiben

Die Initiative zeigt, dass Hanoi seine Kontrolltätigkeit hochfährt und das formale Management stärkt: vermehrte Kontrollen, Öffentlichkeitsarbeit und Koordination mit lokalen Verwaltungen sind dokumentiert. Zugleich legen die Forderungen nach nationalen technischen Standards und mehr Mitteln nahe, dass die Kapazitäten zur artgerechten Versorgung beschlagnahmter Tiere und zur nachhaltigen Kontrolle noch nicht ausreichend ausgebaut sind. Ohne verbindliche Haltungsvorgaben für einzelne Arten bleiben Inspektionen schwer vergleichbar und Behördenhandeln anfällig für Einzelfalllösungen. Ebenso bleibt offen, wie die Verfolgung digitaler Handelswege systematisch angegangen werden soll — ein Punkt, den Hanoi selbst als Herausforderung nennt.

Quellen:

– Hanoi: Stärkung des Schutzes gefährdeter und seltener Wildtiere. – Vietnam.vn – https://www.vietnam.vn/de/ha-noi-tang-cuong-bao-ve-dong-vat-hoang-da-nguy-cap-quy-hiem – Recherchierte Quelle – https://www.vietnam.vn/de/tong-ket-cong-tac-bao-ve-cac-loai-dong-vat-hoang-da-va-bao-ve-nguon-loi-thuy-san – Zusammenfassung der Arbeiten zum Schutz der Tierwelt und zur Erhaltung der aquatischen Ressourcen. (Vietnam) – https://www.vietnam.vn/de/tong-ket-cong-tac-bao-ve-cac-loai-dong-vat-hoang-da-va-bao-ve-nguon-loi-thuy-san – Sensibilisierung für den Schutz von Wildtieren und aquatischen Ressourcen. (Vietnam) – https://www.vietnam.vn/de/nang-cao-y-thuc-bao-ve-dong-vat-hoang-da-va-nguon-loi-thuy-san – Vietnam: Wildtierschutz und Tierschutzbildung – WTG | Welttierschutzgesellschaft e.V. – https://welttierschutz.org/wildtiere-vietnam/ – Stärkung des Wildtiermanagements und des Schutzes der biologischen Vielfalt. (Vietnam) – https://www.vietnam.vn/de/tang-cuong-quan-ly-dong-vat-hoang-da-va-bao-ton-da-dang-sinh-hoc – GERATI: Artenschutz oder Tierrechtsillusion? PETA und die Doppelmoral der Wildtierschutz-Kampagnen – https://gerati.de/2025/06/17/artenschutz-oder-tierrechtsillusion-peta-j0tx/

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