Illegaler Wildtierhandel in Hanoi: Behörden verstärken Kontrollen, doch erhebliche Lücken bleiben

Forstschutzamt meldet 37 Verfahren und mehr als 2.000 beschlagnahmte Wildtiere

Hanoi hat seine Kontrollen zum Schutz gefährdeter und geschützter Wildtiere nach eigenen Angaben deutlich ausgeweitet. Seit Beginn des Jahres 2026 bearbeiteten die zuständigen Behörden insgesamt 37 Verstöße und beschlagnahmten dabei 199 Tiere gefährdeter oder besonders geschützter Arten sowie weitere 1.978 Tiere, die den weniger streng geschützten Waldtierarten zugerechnet werden. Die Unterabteilung für Waldschutz und Naturschutzmanagement führt hierzu regelmäßige Inspektionen in Zuchtbetrieben, Restaurants, Hotels und Privathaushalten durch. Zusätzlich sollen die Kontrollen enger mit den Volkskomitees der einzelnen Gemeinden abgestimmt werden, um Hinweise schneller zu überprüfen und lokale Handels- oder Haltungsstrukturen besser erfassen zu können. Verstärkte Patrouillen und eine intensivere Öffentlichkeitsarbeit werden von den Behörden als zentrale Maßnahmen genannt, um illegale Tierhaltungen, Transporte und Verkaufsangebote aufzudecken.

Die veröffentlichten Zahlen vermitteln zunächst den Eindruck einer erheblichen Kontrollaktivität. Allerdings bleibt offen, wie viele der beschlagnahmten Tiere tatsächlich aus illegalem Handel stammten, wie viele lediglich ohne vollständige Genehmigungen gehalten wurden und ob es sich bei einzelnen Verfahren um schwerwiegende Artenschutzdelikte oder vorwiegend um verwaltungsrechtliche Verstöße handelte. Auch die auffällige Differenz zwischen 37 bearbeiteten Fällen und mehr als 2.000 beschlagnahmten Tieren wird nicht näher erläutert. Denkbar ist, dass einzelne Verfahren größere Zucht-, Lager- oder Handelsbestände betrafen. Ohne detaillierte Fallaufstellung lässt sich jedoch nicht beurteilen, ob die Zahlen eine erfolgreiche Bekämpfung organisierter Strukturen oder vor allem die Kontrolle bereits bekannter Tierhaltungen dokumentieren.

Online-Handel und mangelndes Rechtsbewusstsein erschweren die Kontrollen

Vertreter des Forstschutzamts sehen insbesondere den wachsenden Online-Handel als eine der größten Herausforderungen für die Durchsetzung der Wildtierschutzbestimmungen. Angebote für lebende Tiere, Tierprodukte oder vermeintlich legale Nachzuchten würden zunehmend über soziale Netzwerke, geschlossene Gruppen und digitale Kommunikationskanäle verbreitet. Dadurch könnten Händler ihre Angebote kurzfristig veröffentlichen, löschen oder unter wechselnden Profilen erneut einstellen. Für die Behörden erschwert dies nicht nur die Identifizierung der verantwortlichen Personen, sondern auch die gerichtsfeste Dokumentation möglicher Verstöße. Abteilungsleiter Bui Cong Khuong verwies daneben auf ein weiterhin unzureichendes Rechtsbewusstsein bei einzelnen Restaurant-, Hotel- und Zuchtbetrieben.

Die Hanoi-Bilanz nennt Bußgelder in einer Gesamthöhe von fast 374 Millionen vietnamesischen Dong. Das entspricht zwar einer sichtbaren verwaltungsrechtlichen Sanktionierung, sagt jedoch wenig über die Schwere der zugrunde liegenden Delikte oder die abschreckende Wirkung der Maßnahmen aus. Unklar bleibt insbesondere, ob die Geldbußen gegen einzelne Privatpersonen, gewerbliche Tierhalter, Restaurants oder größere Handelsbetriebe verhängt wurden. Ebenso fehlen Informationen darüber, ob Wiederholungstäter betroffen waren und ob Betriebsgenehmigungen entzogen oder Einrichtungen geschlossen wurden. Die offizielle Darstellung bleibt damit weitgehend auf die Anzahl der Kontrollen, Beschlagnahmungen und Bußgeldentscheidungen beschränkt, während konkrete Angaben zu strafrechtlichen Ermittlungen, Anklagen oder gerichtlichen Verurteilungen nicht veröffentlicht werden.

Gerade bei einem zunehmend digital organisierten Wildtierhandel genügt es jedoch nicht, lediglich einzelne Angebote zu entfernen oder Tiere vor Ort zu beschlagnahmen. Entscheidend wäre, ob Zahlungswege, Transportketten, Zwischenhändler und wiederkehrende Verkäufer systematisch ausgewertet werden. Auch die Zusammenarbeit mit Plattformbetreibern und Telekommunikationsdiensten könnte eine wichtige Rolle spielen, wird in der Hanoi-Darstellung aber nicht konkret beschrieben. Ohne spezialisierte digitale Ermittlungsstrukturen besteht die Gefahr, dass sichtbare Angebote zwar kurzfristig verschwinden, die zugrunde liegenden Handelsnetzwerke jedoch weitgehend unangetastet bleiben.

460 registrierte Einrichtungen und fehlende Standards für die Tierhaltung

Nach Angaben der Behörden existieren in Hanoi derzeit 460 Einrichtungen, in denen insgesamt 210 verschiedene Tierarten gehalten werden. Darunter befinden sich 144 Arten, die als gefährdet, selten oder besonders wertvoll eingestuft werden oder in den Anhängen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES aufgeführt sind. Diese hohe Zahl an Tierarten stellt die Kontrollbehörden vor erhebliche fachliche Anforderungen, da sich Haltung, Ernährung, Gehegegestaltung, Quarantäne und medizinische Versorgung je nach Art deutlich unterscheiden. Ein allgemeiner Kontrollkatalog kann diesen Unterschieden kaum gerecht werden. Die Behörden fordern deshalb nationale technische Standards, die konkrete Mindestanforderungen für einzelne Tierarten oder Artengruppen festlegen.

Der Leiter der zuständigen Forstschutzbehörde, Le Xuan Thang, verweist dabei unter anderem auf fehlende verbindliche Vorgaben zur Gehegegröße, Biosicherheit und artgerechten Haltung. Solche Standards wären nicht nur für Tierhalter relevant, sondern auch für die Inspektoren selbst. Ohne einheitliche Prüfkriterien hängt die Bewertung einer Haltung möglicherweise stark vom Fachwissen und der Einschätzung des jeweils eingesetzten Kontrollteams ab. Vergleichbare Einrichtungen könnten dadurch unterschiedlich beurteilt werden, während Halter kaum verlässlich einschätzen können, welche baulichen und organisatorischen Voraussetzungen tatsächlich verlangt werden. Die Forderung nach nationalen Standards zeigt daher zugleich, dass das bestehende Kontrollsystem bislang nur eingeschränkt vereinheitlicht ist.

Hinzu kommt, dass registrierte Einrichtungen nicht automatisch eine artgerechte oder rechtlich einwandfreie Tierhaltung gewährleisten. Entscheidend wäre, wie häufig die Betriebe kontrolliert werden, ob Tierbestände und Herkunftsnachweise lückenlos abgeglichen werden und wie mit Todesfällen, Nachzuchten oder Weiterverkäufen umgegangen wird. Gerade bei geschützten Arten besteht das Risiko, dass illegal entnommene Wildtiere nachträglich als Nachzuchten ausgegeben oder über formal registrierte Einrichtungen in legale Handelswege eingeschleust werden. Die bloße Registrierung eines Betriebs ist deshalb nur ein erster Verwaltungsschritt. Ohne kontinuierliche Bestandskontrollen und überprüfbare Dokumentation kann sie illegale Praktiken nicht zuverlässig verhindern.

Beschlagnahmte Tiere treffen auf unzureichende Unterbringungskapazitäten

Neben den fehlenden Haltungsstandards benennen die Behörden auch erhebliche praktische Probleme nach einer Beschlagnahme. Benötigt würden zusätzliche finanzielle Mittel für Inspektionspersonal, Lagerräume für beschlagnahmte Tierprodukte und vor allem geeignete vorübergehende Unterbringungsmöglichkeiten für lebende Tiere. Eine Beschlagnahme beendet zwar zunächst die unmittelbare illegale Haltung oder Vermarktung, löst aber nicht automatisch das Problem der weiteren Versorgung. Je nach Art müssen Tiere isoliert, tiermedizinisch untersucht, speziell ernährt und in geeigneten Gehegen untergebracht werden. Bei größeren Beschlagnahmungen können die vorhandenen Kapazitäten schnell überschritten sein.

Die veröffentlichten Forderungen legen nahe, dass Hanoi derzeit zumindest teilweise auf improvisierte oder kurzfristig organisierte Lösungen angewiesen ist. Das kann bedeuten, dass Tiere vorübergehend in Einrichtungen untergebracht werden, die weder personell noch räumlich auf die jeweilige Art vorbereitet sind. Bei Wildtieren entstehen dadurch zusätzliche Risiken durch Stress, Verletzungen, Infektionen oder ungeeignete Fütterung. Besonders problematisch ist dies bei Jungtieren, Primaten, Reptilien oder Tieren, die bereits durch Fang, Transport und schlechte Haltung geschwächt wurden. Eine erfolgreiche Beschlagnahme kann aus Tierschutzsicht deshalb nur dann als Erfolg gelten, wenn anschließend auch eine fachgerechte Versorgung gewährleistet ist.

Unklar bleibt zudem, wer dauerhaft für die Kosten der Unterbringung aufkommt. Rettungsstationen und spezialisierte Naturschutzorganisationen verfügen häufig nur über begrenzte Plätze und finanzielle Mittel. Wenn staatliche Einrichtungen keine ausreichenden Kapazitäten bereithalten, wird ein Teil der praktischen Verantwortung faktisch auf NGOs oder private Einrichtungen verlagert. Dies kann kurzfristig notwendig sein, ersetzt jedoch keine dauerhaft finanzierte staatliche Infrastruktur. Andernfalls steigt mit jeder erfolgreichen Kontrolle zugleich der Druck auf bereits ausgelastete Rettungs- und Rehabilitationszentren.

Nationaler Aktionsplan soll Behörden und Provinzen koordinieren

Die Maßnahmen in Hanoi sind Teil einer umfassenderen nationalen Strategie. Auf Grundlage des Plans Nr. 628 des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt sollen gemeinsam mit dem Ministerium für öffentliche Sicherheit Verstöße gegen den Wildtier- und Artenschutz konsequenter verfolgt werden. Nach einer veröffentlichten Zusammenfassung haben 33 von 34 Provinzen entsprechende Lenkungsausschüsse eingerichtet. In den ersten Monaten der Umsetzung sollen landesweit nahezu 2.000 Verstöße festgestellt worden sein. Die beteiligten Behörden unterzeichneten darüber hinaus Vereinbarungen zur besseren Zusammenarbeit bei der Untersuchung und Verfolgung von Umweltstraftaten.

Auch die Öffentlichkeitsarbeit wurde in die nationale Strategie einbezogen. So wurden Absprachen mit gesellschaftlichen Organisationen getroffen, darunter dem vietnamesischen buddhistischen Verband. Ziel ist offenbar, nicht nur Händler und Tierhalter zu kontrollieren, sondern auch die Nachfrage nach Wildtieren und Wildtierprodukten zu reduzieren. Dieser Ansatz ist grundsätzlich nachvollziehbar, da der illegale Handel nicht allein durch Polizeimaßnahmen beendet werden kann. Religiöse, traditionelle oder vermeintlich medizinische Vorstellungen können die Nachfrage nach bestimmten Tierarten und Produkten über lange Zeit stabilisieren. Öffentlichkeitskampagnen sind daher ein notwendiger Bestandteil, ihre tatsächliche Wirkung müsste jedoch anhand konkreter Veränderungen im Konsum- und Handelsverhalten überprüft werden.

Der rechtliche Rahmen sieht bereits erhebliche Sanktionen vor. Nach Angaben des Ministeriums ermöglichen die Artikel 234 und 244 des einschlägigen Strafrechts abhängig von Art, Umfang und Schwere des Verstoßes Freiheitsstrafen von bis zu 15 Jahren sowie zusätzliche Geldstrafen. Ein als Rundschreiben Nr. 27/2025/TT-BNNMT bezeichnetes Regelwerk enthält zudem Vorgaben für den Umgang mit gefährdeten Arten, deren Zucht sowie Maßnahmen nach einer Beschlagnahme. Damit fehlt es zumindest auf dem Papier nicht an rechtlichen Eingriffsmöglichkeiten. Entscheidend bleibt jedoch, wie konsequent diese Vorschriften angewendet und wie häufig schwerwiegende Fälle tatsächlich strafrechtlich verfolgt werden.

Gerade an diesem Punkt bleibt die Hanoi-Bilanz unvollständig. Sie nennt weder die Zahl eingeleiteter strafrechtlicher Ermittlungen noch die Zahl der Anklagen oder Verurteilungen. Es ist daher nicht erkennbar, ob die zuständigen Stellen die bestehenden Strafvorschriften regelmäßig anwenden oder ob die Mehrzahl der Fälle weiterhin mit Verwaltungsbußgeldern abgeschlossen wird. Für die Bewertung der Abschreckungswirkung wäre diese Unterscheidung zentral. Organisierte Händler dürften vergleichsweise geringe Bußgelder möglicherweise lediglich als kalkulierbares Geschäftsrisiko betrachten, während konsequente strafrechtliche Ermittlungen deutlich stärker in bestehende Netzwerke eingreifen könnten.

NGOs übernehmen Notfallversorgung, Rehabilitation und Auswilderung

Internationale und vietnamesische Naturschutzorganisationen unterstützen staatliche Stellen regelmäßig bei der Versorgung beschlagnahmter Wildtiere. Zu den beteiligten Organisationen gehört unter anderem Save Vietnam’s Wildlife, deren Arbeit auch von der Welttierschutzgesellschaft dargestellt wird. Solche Einrichtungen übernehmen je nach Fall die tiermedizinische Erstversorgung, Quarantäne, Rehabilitation und spätere Wiederauswilderung geeigneter Tiere. Ihr Fachwissen ist besonders dann wichtig, wenn Behörden Tiere beschlagnahmen, für deren Betreuung in staatlichen Einrichtungen keine spezialisierten Kapazitäten vorhanden sind. Dadurch tragen NGOs wesentlich dazu bei, dass eine Beschlagnahme nicht lediglich die Verlagerung eines Tieres von einer ungeeigneten Haltung in die nächste bedeutet.

Berichte aus der Naturschutzarbeit zeigen jedoch auch, dass beschlagnahmte Tiere in der Vergangenheit teilweise aufgrund verspäteter medizinischer Versorgung, ungeeigneter Unterbringung oder fehlender Fachkenntnisse starben. Viele Tiere erreichen die Behörden bereits in einem stark geschwächten Zustand. Sie wurden unter schlechten Bedingungen transportiert, über längere Zeit nicht ausreichend versorgt oder in viel zu kleinen Behältnissen gehalten. Ohne unmittelbare tiermedizinische Untersuchung können Verletzungen, Dehydrierung, Infektionen oder Vergiftungen unentdeckt bleiben. Die Forderung nach verbindlichen technischen Standards betrifft deshalb nicht nur reguläre Zuchtbetriebe, sondern ebenso die Abläufe während und nach einer Beschlagnahme.

Eine stärkere Einbindung von NGOs kann sinnvoll sein, darf aber nicht zu einer dauerhaften Verlagerung staatlicher Aufgaben führen. Rettungsstationen können ihre Arbeit nur leisten, wenn Finanzierung, Personal und langfristige Unterbringungsmöglichkeiten gesichert sind. Werden immer mehr Tiere beschlagnahmt, ohne dass zugleich zusätzliche Kapazitäten entstehen, drohen Überbelegung und eine Verschlechterung der Versorgung. Erfolgreiche Strafverfolgung und funktionierender Tierschutz müssen deshalb gemeinsam geplant werden. Andernfalls steigen zwar die Beschlagnahmungszahlen, während die Überlebenschancen der betroffenen Tiere kaum verbessert werden.

Was die offiziellen Zahlen nicht erkennen lassen

Die von Hanoi veröffentlichten Angaben dokumentieren zwar eine wachsende Zahl staatlicher Maßnahmen, lassen jedoch zahlreiche entscheidende Fragen unbeantwortet. Es fehlt zunächst eine nachvollziehbare Artenliste, aus der hervorgeht, welche gefährdeten oder CITES-geschützten Tiere konkret beschlagnahmt wurden. Die pauschale Angabe von 199 gefährdeten Tieren erlaubt keine Einschätzung, ob besonders stark bedrohte Arten betroffen waren oder ob sich die Zahl auf wenige häufig kontrollierte Arten konzentriert. Ebenso fehlen Angaben zum Gesundheitszustand, zur Herkunft und zum späteren Verbleib der Tiere. Damit kann nicht überprüft werden, wie viele Tiere rehabilitiert, ausgewildert, dauerhaft untergebracht oder möglicherweise trotz Versorgung verendet sind.

Offen bleibt außerdem, welche Bedeutung grenzüberschreitender Schmuggel, innerstaatlicher Handel und lokale Privathaltung jeweils haben. Hanoi ist als große Metropolregion sowohl potenzieller Absatzmarkt als auch logistischer Umschlagplatz. Es wäre deshalb relevant zu wissen, ob die Kontrollen vor allem Restaurants, Zuchtbetriebe und private Sammler betreffen oder ob auch Transport- und Handelsnetzwerke mit Verbindungen in andere Provinzen oder Nachbarstaaten aufgedeckt wurden. Die veröffentlichten Informationen unterscheiden diese Bereiche nicht. Dadurch lässt sich kaum beurteilen, an welcher Stelle der Lieferkette die Behörden tatsächlich eingreifen.

Auch die Rolle des Online-Handels wird lediglich als allgemeines Problem beschrieben. Es fehlen Zahlen zu entfernten Angeboten, identifizierten Verkäufern, gesicherten Nutzerkonten oder eingeleiteten Ermittlungen aufgrund digitaler Spuren. Ebenso wird nicht erklärt, ob spezialisierte Einheiten für die Beobachtung sozialer Netzwerke existieren und ob Plattformbetreiber zur Zusammenarbeit verpflichtet werden. Die bloße Feststellung, dass soziale Medien die Kontrolle erschweren, genügt nicht, um die Wirksamkeit der bisherigen Gegenmaßnahmen zu bewerten. Gerade hier wären konkrete Erfolgskennzahlen notwendig.

Schließlich bleibt die zentrale Frage offen, wie viele Fälle verwaltungsrechtlich und wie viele strafrechtlich behandelt wurden. Diese Unterscheidung ist nicht nur juristisch, sondern auch politisch bedeutsam. Hohe Beschlagnahmungszahlen können öffentlichkeitswirksam sein, belegen aber noch keine konsequente Zerschlagung organisierter Handelsstrukturen. Erst Angaben zu Ermittlungsverfahren, Anklagen, Verurteilungen, beschlagnahmten Vermögenswerten und geschlossenen Betrieben würden zeigen, ob der Staat über punktuelle Kontrollen hinausgeht. Solange diese Daten fehlen, ist die offizielle Bilanz nur eingeschränkt geeignet, den tatsächlichen Erfolg der Maßnahmen zu belegen.

Einordnung: Mehr Kontrollen sind sichtbar, die strukturellen Probleme bleiben bestehen

Die Initiative der Stadt Hanoi zeigt, dass die Behörden den Schutz gefährdeter Wildtiere stärker in den Mittelpunkt rücken. Regelmäßige Inspektionen, lokale Koordination, Medienarbeit und die Einbindung nationaler Behörden sind wichtige Voraussetzungen, um illegale Haltungen und Handelsangebote aufzudecken. Auch die Zahl der beschlagnahmten Tiere verdeutlicht, dass der Vollzug nicht ausschließlich auf dem Papier stattfindet. Dennoch sagen hohe Fall- und Tierzahlen allein wenig darüber aus, ob die zugrunde liegenden Handelsstrukturen dauerhaft geschwächt werden. Eine effektive Bewertung wäre nur möglich, wenn die Behörden detaillierter über Fallarten, Täterstrukturen und den weiteren Verlauf der Verfahren berichten würden.

Besonders deutlich werden die bestehenden Schwächen bei der Unterbringung und Versorgung beschlagnahmter Tiere. Wenn Behörden selbst zusätzliche Mittel, technische Standards und geeignete Einrichtungen fordern, zeigt dies, dass die vorhandenen Kapazitäten mit dem Umfang der Kontrollen nicht Schritt halten. Artenschutz endet nicht mit der Beschlagnahme. Er muss eine fachgerechte Erstversorgung, transparente Dokumentation, langfristige Unterbringung und – soweit möglich – eine verantwortbare Auswilderung einschließen. Fehlen diese Voraussetzungen, kann eine gut gemeinte Vollzugsmaßnahme für die Tiere selbst neue Belastungen verursachen.

Auch bei der Strafverfolgung bleibt die Bilanz zu ungenau. Vietnam verfügt über vergleichsweise weitreichende gesetzliche Strafmöglichkeiten, doch Hanoi veröffentlicht nicht, wie häufig diese tatsächlich angewendet werden. Verwaltungsbußgelder können bei kleineren Verstößen angemessen sein, reichen gegen gewerbsmäßige oder organisierte Händler aber möglicherweise nicht aus. Ohne erkennbare strafrechtliche Konsequenzen besteht die Gefahr, dass illegale Geschäfte lediglich verlagert oder unter neuen digitalen Identitäten fortgesetzt werden. Gerade der Online-Handel verlangt daher spezialisierte Ermittlungen und eine konsequente Auswertung digitaler und finanzieller Spuren.

Hanoi hat damit wichtige Schritte eingeleitet, aber noch keinen Nachweis erbracht, dass das System dauerhaft tragfähig ist. Mehr Kontrollen, höhere Beschlagnahmungszahlen und verstärkte Öffentlichkeitsarbeit sind sichtbare Fortschritte. Ob daraus jedoch ein wirksamer Schutz gefährdeter Arten entsteht, hängt von verbindlichen Haltungsstandards, belastbaren Rettungsstrukturen, transparenter Strafverfolgung und einer systematischen Bekämpfung digitaler Handelsnetzwerke ab. Solange diese Bereiche nicht nachvollziehbar dokumentiert und ausreichend finanziert werden, bleibt zwischen behördlicher Aktivität und nachhaltigem Artenschutz eine erhebliche Lücke.

Quellen

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