Berlin–Ho-Chi-Minh-Stadt/Phú Quốc: Eine Reise, die eine Art retten soll
Zwanzig Vietnamesische Fasane sind in dieser Woche aus europäischen Beständen nach Vietnam gebracht worden. Der Transport, koordiniert aus Berliner Einrichtungen und dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP), brachte zehn Männchen und zehn Weibchen in ein geschütztes Zuchtzentrum auf Phú Quốc; dort sollen sie in Quarantäne gehen, paarweise zusammengestellt und für Nachzucht sorgen. Der Schritt markiert nach Angaben der beteiligten Zoos und Projektpartner die erste konkrete Phase eines langfristigen Plans, die Art, die in Zentralvietnam in freier Wildbahn als ausgestorben gilt, wieder aufzubauen. Für das Projekt sind CITES-Abstimmungen und umfangreiche veterinärmedizinische Kontrollen dokumentierte Voraussetzungen gewesen.
Wer beteiligt ist und wie die Tiere ausgewählt wurden
Hauptakteure sind der Zoo und Tierpark Berlin und das EEP (koordiniert vom Zoo Prag). Nach Angaben des Tierparks Berlin erfolgte die Auswahl der 20 Tiere auf Basis genetischer Diversität, Gesundheitszustand und Verhaltensmerkmalen — Kriterien, die im EEP-Managementstandard üblich sind. Kurator Matthias Papies begleitete den Transport persönlich; in der begleitenden Berichterstattung schildert er logistische Herausforderungen von Flugrouten über Frankfurt bis Ho-Chi-Minh-Stadt, die notwendigen CITES-Papiere und veterinärmedizinischen Bescheinigungen sowie die Routinekontrollen während der dreitägigen Reise. Koordinatorische Aussagen zum EEP stammen demnach aus Prag; die dort tätige Veronika Zahradníčková wird als EEP-Koordinatorin genannt.
Neu benannte vietnamesische Partner sind die NGO Viet Nature und ihr Rare Pheasant Breeding Center, die nach Angaben der Projektbeschreibungen Zucht, Forschung und Umweltbildung vor Ort bündeln und eng mit lokalen Gemeinden arbeiten. Ebenfalls in den Projektunterlagen genannt wird ein Zucht- und Wiederansiedlungszentrum in Le Thuy (Provinz Quang Binh), das 2024 fertiggestellt wurde und künftig als Basis für weitere Zuchtaktivitäten dienen soll.
Was bereits gesichert ist — und was noch offen bleibt
Gesichert ist, dass die Tiere in ein vietnamesisches Zucht- und Wiederansiedlungszentrum verbracht wurden und dort zunächst Quarantäne, Paarbildung und Nachzucht stattfinden sollen. Lokal und international betonen die Partner, dass Auswilderung erst in Betracht kommt, wenn stabile Bestände und geschützte Lebensräume vorliegen. Offene Punkte bleiben konkret: Es gibt in den vorliegenden Mitteilungen keine veröffentlichten veterinärmedizinischen Einzelbefunde, keine detaillierten Genetikberichte der ausgewählten Tiere und keine verbindliche Zeitschiene für die Freilassung in freie Wälder. Die beteiligten Institutionen nennen diese Schritte bewusst als langfristig und abhängig von weiteren Schutzmaßnahmen in Vietnam.
Hintergrund zum Artstatus und zur Historie
Der Vietnamesische Fasan (Lophura edwardsi) gilt in seinem natürlichen Verbreitungsgebiet seit Jahrzehnten als verschollen; zuletzt wurde er 2000 in der Wildnis gesichtet. Auf der Roten Liste der IUCN stand die Art seit 2012 als stark gefährdet; 2024 erhielt sie zusätzlich den Status „Probably Extinct in the Wild“ (wahrscheinlich in der Natur ausgestorben). Hauptursachen sind dem Projektmaterial zufolge jahrzehntelange Lebensraumverluste und intensive Bejagung — verschärft durch Kriegsfolgen wie den großflächigen Einsatz des Entlaubungsmittels Agent Orange während des Vietnamkriegs. Historisch stammt der heutige weltweite Zoo-Bestand teilweise von Tieren, die bereits in den 1920er-Jahren nach Europa gebracht wurden; aus wenigen Tieren entwickelte sich über Jahrzehnte eine größere Reservepopulation in menschlicher Obhut, die Berichten zufolge inzwischen mehrere Hundert bis über tausend Individuen umfasst und damit die Grundlage für Wiederansiedlungsversuche bildet.
Bedeutung für Artenschutz und welche Risiken zu beachten sind
Das Projekt ist ein seltenes Beispiel für eine Rückführung einer Tierart, die in ihrem Herkunftsgebiet als ausgestorben geführt wird. Der erzielte Mehrwert liegt in der Verbindung von langjähriger Zuchtarbeit in Menschenobhut mit einem klaren Plan zur lokalen Zucht vor Ort — ein Modell, das eher pragmatisch als ideologisch ist. Relevante Risiken sind aus fachlicher Sicht bekannt: ohne ausreichenden Schutz der Habitate, wirksamen Schutz gegen weiterhin bestehende Jagd- oder Handelsgefahren und ohne genetische Monitoringmaßnahmen würde jede Freilassung voraussichtlich scheitern. Die Projektkommunikation verweist auf Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinden und Partnern vor Ort, nennt aber keine konkreten Schutzverträge oder abgesicherte Schutzgebiete als Voraussetzung für eine Freilassung.
Konkrete nächste Schritte und warum Transparenz jetzt wichtig ist
Nach dem Transport folgen laut den veröffentlichten Angaben Quarantäne, Paarbildung nach EEP-Richtlinien und Nachzucht im vietnamesischen Zentrum. Parallel sollen geeignete Lebensräume gesichert und Schutzmaßnahmen intensiviert werden: Die NGO Viet Nature hat demnach bereits 2015 ein 768 Hektar großes Waldgebiet in der Region Khe Nuoc Trong gepachtet (für 30 Jahre) — ein Schritt zur Schaffung von Auswilderungsflächen, der im Projektkontext wiederholt genannt wird. Aus journalistischer Sicht sind jetzt drei Nachweise relevant, um das Projekt belastbar zu bewerten: veröffentlichte veterinärmedizinische Abschlussbefunde des Transports und der Quarantäne; Gentests, die die berichtete Diversitätsauswahl belegen; und schriftlich fixierte Vereinbarungen oder Schutzmaßnahmen für potenzielle Freilassungsgebiete in Zentralvietnam. Bis solche Dokumente vorliegen, bleibt die Aussage, dass eine spätere Auswilderung möglich ist, als perspektivische Absicht zu werten, nicht als unmittelbar bevorstehende Maßnahme.
Dieses Projekt zeigt, wie koordinierte Zuchtarbeit in europäischen Zoos die Voraussetzung für eine Rückkehr in die Heimat legen kann. Die nun abgeschlossene Transport- und Quarantänephase ist ein notwendiger, aber nicht hinreichender Schritt: ob aus Zuchtnachwuchs dauerhaft wildlebende Populationen werden, hängt maßgeblich von Habitat- und Rechtsbedingungen in Vietnam sowie von fortlaufendem Monitoring ab. Die beteiligten Institutionen kommunizieren den Vorgang als historischen Moment; unabhängige Nachweise zu Gesundheit, Genetik und zu verbindlich geschützten Auswilderungsflächen würden den bisherigen Stand konkret absichern.
#### Quellen::
– Bring Back Blue: Die Rückkehr des Vietnamesischen Fasans – Zoo Berlin – https://www.zoo-berlin.de/de/aktuelles/news/artikel/bring-back-blue-die-rueckkehr-des-vietnamesischen-fasans – Recherchierte Quelle – https://www.zoo-berlin.de/de/aktuelles/news/artikel/seit-jahrzehnten-verschollen-bring-back-blue – Seit Jahrzehnten verschollen: Bring Back Blue – Zoo Berlin – https://www.zoo-berlin.de/de/aktuelles/news/artikel/seit-jahrzehnten-verschollen-bring-back-blue – Vietnamesischer Fasan – Zoo Berlin – https://www.zoo-berlin.de/de/artenschutz/weltweit/vietnamesischer-fasan – Seltene Vietnamesische Fasane werden in Vietnam ausgewildert (Freie Presse) – https://www.freiepresse.de/wissenschaft/seltene-vietnamesische-fasane-werden-in-vietnam-ausgewildert-artikel14246881 – GERATI: Das Problem mit Tofu: Soja und das Gehirn – https://gerati.de/2022/05/31/das-problem-mit-tofu-soja-und-das-gehirn/
