Zum Inhalt springen

Fakten statt Polemik. Aufklärung über radikalen Tierschutz.

Kritisch. Fundiert. Unabhängig.Hintergrundanalysen und aktuelle Entwicklungen.

Schlagwort: bedrohte Tierarten

  • Artenschutz in Zoos: Warum Auswilderungszahlen allein zu kurz greifen

    Artenschutz in Zoos: Warum Auswilderungszahlen allein zu kurz greifen

    Zoos begründen die Haltung und Zucht bedrohter Wildtiere unter anderem mit ihrem Beitrag zum Artenschutz. Dabei wird in öffentlichen Debatten häufig ein Fehler gemacht: Artenschutz wird fast ausschließlich an der Zahl tatsächlich ausgewilderter Tiere gemessen. Eine Untersuchung nordamerikanischer Wiederansiedlungsprojekte und eine Übersichtsarbeit zu Raubtier-Freilassungen liefern hierzu interessante Zahlen, erlauben aber gerade keine umfassende Bewertung der Artenschutzleistung zoologischer Einrichtungen. Denn Auswilderung ist nur ein Teil eines wesentlich breiteren Systems aus Erhaltungszucht, Forschung, Finanzierung, veterinärmedizinischem Wissen und Unterstützung von Schutzprojekten.

    Nordamerikanische Studie untersucht nur einen Teil zoologischer Artenschutzarbeit

    Brichieri-Colombi und Kollegen werteten für eine 2018 veröffentlichte Untersuchung 1.863 Fachartikel zu 279 translozierten Tierarten in Nordamerika aus. Bei 58 Prozent der untersuchten Arten kam überhaupt eine Zucht in menschlicher Obhut zum Einsatz. Zoos stellten Tiere für 14 Prozent aller untersuchten Arten bereit. Unter den Arten, bei denen Gefangenschaftszucht Bestandteil des jeweiligen Projekts war, lag der Zoo-Anteil bei 25 Prozent.

    Insgesamt waren 54 Zoos an Freilassungen von Tieren aus 40 Arten beteiligt. Diese Zahlen dokumentieren damit konkrete Beiträge zoologischer Einrichtungen zu Wiederansiedlungsprojekten. Sie sagen jedoch nicht aus, welchen Anteil Zoos insgesamt am Artenschutz haben oder wie viele ihrer gehaltenen Arten Bestandteil anderer Schutzprogramme sind. Die Untersuchung beschränkt sich auf Nordamerika und auf die bis 2014 veröffentlichte wissenschaftliche Literatur.

    Genau diese Abgrenzung ist für die Interpretation entscheidend. Die Untersuchung misst weder den Anteil sämtlicher in Zoos gehaltener Tiere, die später freigelassen werden, noch bewertet sie die gesamte Artenschutzarbeit zoologischer Einrichtungen. Beiträge wie Finanzierung, wissenschaftliche Beratung, veterinärmedizinische Betreuung, genetisches Management oder logistische Unterstützung werden durch die Zahl der bereitgestellten Tiere nicht erfasst. Aus dem Anteil von 14 Prozent lässt sich deshalb nicht ableiten, Zoos seien nur in entsprechend geringem Umfang am Artenschutz beteiligt.

    Auch die Erwartung, dass ein großer Teil der in Zoos gehaltenen Tiere irgendwann ausgewildert werden müsste, würde die Funktion moderner Zoos verkürzen. Erhaltungszucht kann beispielsweise dazu dienen, genetisch stabile Populationen außerhalb des natürlichen Lebensraums aufzubauen und Arten langfristig abzusichern. Ob aus solchen Populationen tatsächlich Tiere freigelassen werden können, hängt von zahlreichen ökologischen, politischen und praktischen Voraussetzungen ab. Die Zahl unmittelbar ausgewilderter Tiere ist deshalb nur ein möglicher Maßstab unter mehreren.

    Wiederansiedlung von Raubtieren bleibt eine anspruchsvolle Aufgabe

    Eine weitere häufig zitierte Arbeit von Kristen Jule, John Leaver und Lea aus dem Jahr 2008 verglich 49 Studien zu Wiederansiedlungen von Karnivoren in Afrika, Europa und Nordamerika. Erfasst wurden 20 Projekte mit insgesamt 983 in Gefangenschaft geborenen Tieren sowie 29 Projekte mit 1.169 wild gefangenen und anschließend umgesiedelten Tieren. Nach der Freilassung lag die berichtete Überlebensrate der in Gefangenschaft geborenen Tiere bei 32 Prozent, während die Vergleichsgruppe 53 Prozent erreichte. In der damaligen Übersicht zeigte sich damit ein deutlicher Unterschied zwischen beiden Gruppen.

    Mehr als die Hälfte der dokumentierten Todesfälle ging nach den ausgewerteten Studien auf menschliche Ursachen zurück. Dazu gehörten unter anderem Verkehrsunfälle und gezielte Tötungen. Bei in Gefangenschaft geborenen Karnivoren wurden zudem häufiger Verhungern und Erkrankungen festgestellt. Die Autoren diskutierten unter anderem fehlende Erfahrungen bei Nahrungssuche und Jagd sowie eine geringere Scheu vor Menschen als mögliche Ursachen.

    Auch diese Ergebnisse dürfen jedoch nicht pauschal auf heutige Zoo- und Wiederansiedlungsprogramme übertragen werden. Entscheidend sind die jeweilige Art, Aufzuchtbedingungen, Trainingsmethoden, Auswahl der Tiere, Qualität des Lebensraums und die Betreuung nach der Freilassung. Zudem stammen die ausgewerteten Projekte aus dem Zeitraum zwischen 1990 und 2006. Die Untersuchung bildet deshalb nicht automatisch die heutigen Standards spezialisierter Wiederansiedlungsprogramme ab.

    Einzelne neuere Programme zeigen, dass in Gefangenschaft geborene Tiere unter geeigneten Bedingungen durchaus erfolgreich in die Natur zurückkehren können. Als Beispiel wird unter anderem der Iberische Luchs genannt. Solche Entwicklungen zeigen zugleich, wie wichtig wissenschaftlich begleitete Zucht, Vorbereitung und langfristiges Management für Wiederansiedlungen sind. Die damaligen Durchschnittswerte belegen daher vor allem, dass Freilassungen komplex sind und nicht allein durch die Herkunft eines Tieres erfolgreich werden.

    Erfolgreiche Projekte zeigen die Bedeutung zoologischer Einrichtungen

    Der europäische Zooverband EAZA verweist nach eigenen Angaben auf mehr als 260 Wiederansiedlungsprojekte für 156 Arten. Mehr als die Hälfte dieser Arten sei als bedroht oder gefährdet eingestuft. Dabei zählt der Verband nicht ausschließlich die Bereitstellung von Tieren als Artenschutzleistung. Auch Geldmittel, Personal, Fachwissen, Ausrüstung und Koordination gehören zu den Beiträgen zoologischer Einrichtungen.

    Ein dokumentiertes Beispiel ist der Bartgeier. Seit 1978 wurden nach Angaben aus dem Zoobereich mehr als 300 Tiere in die Wildnis entlassen. Auch Projekte zum Östlichen Spitzmaulnashorn in Ruanda werden als Beispiele dafür angeführt, dass zoologische Einrichtungen unter geeigneten Rahmenbedingungen wichtige Partner von Schutz- und Wiederansiedlungsprojekten sein können. Solche Programme zeigen, dass moderne Zoos weit mehr leisten können als reine Tierhaltung für Besucher.

    Gleichzeitig wäre es ebenso wenig sinnvoll, aus einzelnen erfolgreichen Projekten zu folgern, dass jede in einem Zoo gehaltene Tierart unmittelbar für eine spätere Auswilderung gezüchtet wird. Das ist auch nicht erforderlich, damit zoologische Einrichtungen einen Beitrag zum Artenschutz leisten können. Die nordamerikanische Untersuchung beschreibt lediglich einen begrenzten Teil konkreter Freilassungsprojekte, während die Karnivoren-Übersicht vor allem auf die Schwierigkeiten bestimmter Wiederansiedlungen hinweist. Beide Arbeiten liefern daher wichtige Informationen, aber keine Gesamtbilanz zoologischen Artenschutzes.

    Genau hier liegt ein wesentlicher Unterschied zur Argumentation der IG Wild beim Wild. Aus begrenzten Zahlen zur direkten Bereitstellung von Tieren lässt sich nicht ohne Weiteres ableiten, dass der Artenschutzbeitrag von Zoos insgesamt gering sei. Wer Artenschutz ausschließlich mit der späteren Freilassung eines Tieres gleichsetzt, blendet andere zentrale Aufgaben zoologischer Einrichtungen aus. Dazu gehören unter anderem Erhaltungszucht, wissenschaftliches Populationsmanagement, Forschung und die Unterstützung von Schutzmaßnahmen in den Herkunftsregionen.

    Transparenz ist sinnvoll, darf aber nicht zum falschen Maßstab werden

    Die Organisation IG Wild beim Wild fordert langfristig eine Umwandlung von Zoos in Auffangstationen für einheimische Wildtiere. Diese Forderung ist eine politische beziehungsweise gesellschaftspolitische Position und keine Schlussfolgerung, die sich aus den beiden genannten Studien ableiten lässt. Die wissenschaftlichen Arbeiten beantworten weder die grundsätzliche ethische Frage zoologischer Tierhaltung noch bewerten sie Bildungsarbeit, Forschung, Erhaltungszucht oder finanzielle Unterstützung von Schutzprojekten. Dafür wären wesentlich umfassendere Untersuchungen notwendig.

    Eine transparente Darstellung konkreter Wiederansiedlungsprojekte ist dennoch sinnvoll. Zoos können nachvollziehbar darstellen, welche Tiere für bestimmte Programme gezüchtet wurden, wie viele davon freigelassen wurden und wie sich die Populationen anschließend entwickelt haben. Ebenso sollte erkennbar sein, ob eine Einrichtung Tiere bereitstellt oder ein Projekt durch Forschung, Personal, Finanzierung oder andere Leistungen unterstützt. Eine solche Differenzierung stärkt die Nachvollziehbarkeit zoologischer Artenschutzarbeit.

    Dabei darf Transparenz jedoch nicht mit der Forderung verwechselt werden, den Wert zoologischer Einrichtungen ausschließlich anhand von Auswilderungszahlen zu beurteilen. Nicht jedes Tier in einem Zoo ist für eine spätere Freilassung vorgesehen, und nicht jede Artenschutzmaßnahme endet mit einer Auswilderung. Bei manchen Arten kann bereits die Sicherung einer genetisch stabilen Reservepopulation eine wichtige langfristige Funktion erfüllen. Bei anderen stehen Forschung oder die Unterstützung von Schutzprojekten im natürlichen Lebensraum im Mittelpunkt.

    Fazit: Artenschutz in Zoos ist mehr als die Zahl ausgewilderter Tiere

    Die beiden Untersuchungen stellen den Artenschutzbeitrag moderner Zoos nicht grundsätzlich infrage. Sie zeigen vielmehr, dass Wiederansiedlungen anspruchsvolle Projekte sind und dass die direkte Bereitstellung von Tieren nur einen Teil zoologischer Artenschutzarbeit ausmacht. Die nordamerikanische Studie kann keine Aussage darüber treffen, welchen Gesamtbeitrag Zoos zu Erhaltungszucht, Forschung, Finanzierung oder Schutzmaßnahmen leisten. Ebenso können historische Durchschnittswerte bei Karnivoren nicht pauschal auf sämtliche heutigen Wiederansiedlungsprogramme übertragen werden.

    Erfolgreiche Projekte wie beim Bartgeier oder anderen bedrohten Arten zeigen gleichzeitig, dass zoologische Einrichtungen unter geeigneten Bedingungen einen konkreten Beitrag zur Wiederherstellung wildlebender Populationen leisten können. Transparenz über solche Projekte ist sinnvoll und stärkt die Glaubwürdigkeit. Daraus folgt jedoch nicht, dass jeder Zoo oder jede gehaltene Tierart anhand der Zahl tatsächlich ausgewilderter Tiere bewertet werden sollte.

    Wer die Artenschutzleistung von Zoos beurteilen möchte, muss deshalb das gesamte Spektrum betrachten. Auswilderung ist ein sichtbares und wichtiges Instrument, aber eben nur eines von mehreren. Die vorliegenden Zahlen eignen sich daher für eine differenzierte Diskussion über Wiederansiedlungen – nicht jedoch als Beleg dafür, dass zoologischer Artenschutz insgesamt nur eine begrenzte Bedeutung hätte.

    Quellen

  • Wiederansiedlung des Vietnamesischen Fasans: Berliner Zoos bringen 20 Tiere nach Vietnam

    Wiederansiedlung des Vietnamesischen Fasans: Berliner Zoos bringen 20 Tiere nach Vietnam

    Zwanzig Vietnamesische Fasane haben eine außergewöhnliche Reise hinter sich: Zehn Männchen und zehn Weibchen wurden aus europäischen Zuchtbeständen nach Vietnam gebracht. Dort sollen sie zunächst unter geschützten Bedingungen für Nachwuchs sorgen und damit die Grundlage für eine spätere Rückkehr der Art in die Wälder Zentralvietnams schaffen.

    Der Transport ist ein bedeutender Meilenstein für ein internationales Artenschutzprojekt, das seit Jahren vorbereitet wird. Gleichzeitig zeigt der Fall deutlich, welche entscheidende Rolle wissenschaftlich geführte Zoos und koordinierte Erhaltungszuchtprogramme beim Schutz hochbedrohter Tierarten übernehmen können.

    Drei Tage von Berlin bis Phú Quốc

    Die Reise führte die Tiere von Berlin über Frankfurt und Ho-Chi-Minh-Stadt bis zur vietnamesischen Insel Phú Quốc. Rund drei Tage waren die Fasane unterwegs. Kurator Matthias Papies vom Tierpark Berlin begleitete den Transport persönlich und kontrollierte während der Reise regelmäßig den Zustand der Tiere.

    Nach Angaben des Zoos Berlin erreichten alle 20 Fasane ihr Ziel gesund und wohlbehalten. Dem Transport waren umfangreiche Gesundheitsuntersuchungen, veterinärmedizinische Bescheinigungen und artenschutzrechtliche Genehmigungen nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES vorausgegangen.

    In Vietnam wurden die zehn Weibchen und zehn Männchen zunächst in Quarantäne untergebracht. Anschließend sollen sie entsprechend den Empfehlungen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms zu genetisch geeigneten Paaren zusammengestellt werden.

    Jahrzehntelange Zuchtarbeit macht die Rückkehr möglich

    Die Auswahl der Tiere erfolgte nach Angaben der Projektpartner anhand ihrer genetischen Vielfalt, ihres Gesundheitszustands und bestimmter Verhaltensmerkmale. Ziel ist nicht lediglich eine möglichst schnelle Vermehrung, sondern der Aufbau einer langfristig gesunden und genetisch stabilen Population.

    Koordiniert wird die europäische Population im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms, kurz EEP, vom Zoo Prag. Beteiligt sind neben Zoo und Tierpark Berlin zahlreiche weitere zoologische Einrichtungen, Naturschutzorganisationen und spezialisierte Privathalter.

    Dass heute überhaupt Tiere für eine Rückkehr nach Vietnam zur Verfügung stehen, ist das Ergebnis einer rund hundertjährigen Haltung und Zucht in menschlicher Obhut. In den 1920er-Jahren wurden mindestens 14 Paare aus Vietnam nach Frankreich gebracht. Aus dieser kleinen Ausgangspopulation entwickelte sich über Jahrzehnte ein weltweiter Bestand von mehr als 1.000 Tieren.

    Ohne diese Reservepopulation wäre der Vietnamesische Fasan vermutlich vollständig verloren.

    In der Natur vermutlich ausgestorben

    Der Vietnamesische Fasan, wissenschaftlich Lophura edwardsi, kam ursprünglich ausschließlich in den Wäldern Zentralvietnams vor. Das letzte bekannte Tier in freier Wildbahn wurde im Jahr 2000 beobachtet.

    Seit 2012 wird die Art auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als vom Aussterben bedroht geführt. Im Jahr 2024 erhielt sie zusätzlich den Hinweis, dass sie wahrscheinlich in der Natur ausgestorben ist. Auf der vietnamesischen Bewertungsliste gilt sie bereits als in der Wildbahn ausgestorben.

    Zu den Hauptursachen zählen die Zerstörung des Lebensraums, intensive Bejagung und Wilderei. Besonders schwer betroffen war das ursprüngliche Verbreitungsgebiet während des Vietnamkriegs. Teile der Region wurden massiv bombardiert und mit dem giftigen Entlaubungsmittel Agent Orange belastet.

    Auch nach Kriegsende verschwanden weitere Waldflächen zugunsten landwirtschaftlicher Nutzung. In vermeintlich intakten Wäldern sorgten zudem Fallen und Schlingen dafür, dass zahlreiche Tierarten nahezu vollständig ausgerottet wurden.

    Zuchtzentrum in Vietnam als entscheidender Zwischenschritt

    Die jetzt nach Vietnam gebrachten Fasane werden zunächst nicht ausgewildert. Sie sollen in einem geschützten Zuchtzentrum eine neue Population aufbauen und möglichst erfolgreich Nachwuchs bekommen.

    Eine zentrale Rolle übernimmt dabei das Rare Pheasant Breeding Center der vietnamesischen Naturschutzorganisation Viet Nature. Das Zentrum verbindet Tierzucht, Forschung und Umweltbildung und arbeitet nach Angaben der Projektpartner mit den Menschen in der Region zusammen.

    Ebenfalls beteiligt ist die Vinpearl Safari Phú Quốc, in der die 20 Tiere nach ihrer Ankunft aufgenommen wurden. Langfristig soll in Vietnam eine stabile Reservepopulation entstehen, die weniger von europäischen Zuchtbeständen abhängig ist.

    Daneben wurde 2024 in Le Thuy in der Provinz Quang Binh ein weiteres Zucht- und Wiederansiedlungszentrum fertiggestellt. Dort geschlüpfte Nachkommen sollen später für eine mögliche Auswilderung in Zentralvietnam vorbereitet werden.

    Auswilderung bleibt ein langfristiges Ziel

    So bedeutend der Transport auch ist: Von einer unmittelbar bevorstehenden Auswilderung kann derzeit keine Rede sein. Zunächst müssen sich die Tiere an ihre neue Umgebung gewöhnen, stabile Paare bilden und erfolgreich vermehren.

    Erst wenn eine ausreichend große und genetisch gesunde Population vorhanden ist, können konkrete Auswilderungsschritte vorbereitet werden. Gleichzeitig müssen geeignete Lebensräume dauerhaft geschützt und die Gefahren durch Wilderei, Fallen und Lebensraumzerstörung wirksam begrenzt werden.

    Viet Nature hat bereits 2015 ein 768 Hektar großes Waldgebiet in der Region Khe Nuoc Trong für 30 Jahre gepachtet. Das Gebiet gehörte früher zum natürlichen Verbreitungsraum des Vietnamesischen Fasans und ist als mögliches späteres Auswilderungsgebiet vorgesehen. Mitarbeiter patrouillieren dort und entfernen Schlingen, die für Fasane und zahlreiche andere Wildtiere eine tödliche Gefahr darstellen.

    Eine verbindliche Zeitschiene für die erste Freilassung wurde bislang nicht veröffentlicht. Zoo und Tierpark Berlin betonen selbst, dass eine Auswilderung erst dann infrage kommt, wenn stabile Bestände aufgebaut und geeignete Lebensräume dauerhaft geschützt wurden.

    GERATI meint: Artenschutz funktioniert nicht ohne Zoos

    Das Projekt ist ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass Zoos weit mehr leisten als die bloße Präsentation von Tieren. Der Vietnamesische Fasan hat nur deshalb noch eine realistische Chance auf eine Rückkehr, weil zoologische Einrichtungen und Privathalter über Jahrzehnte eine Reservepopulation erhalten und deren Zucht wissenschaftlich koordiniert haben.

    Während ideologisch motivierte Zoogegner die Haltung von Tieren in menschlicher Obhut grundsätzlich ablehnen, zeigt dieses Beispiel die praktischen Folgen einer solchen Forderung: Ohne Zoos, Erhaltungszuchtprogramme und engagierte Tierhalter wäre der Vietnamesische Fasan heute höchstwahrscheinlich endgültig ausgestorben.

    Der Transport nach Vietnam ist deshalb mehr als eine symbolische Rückkehr. Er ist das Ergebnis langfristiger Planung, kontrollierter Zucht und internationaler Zusammenarbeit. Gleichzeitig bleibt der Erfolg des Projekts davon abhängig, ob Vietnam geeignete Lebensräume dauerhaft schützen und die Wilderei wirksam eindämmen kann.

    Die 20 Fasane sind noch keine neue Wildpopulation. Sie sind jedoch der erste konkrete Grundstein dafür, dass eine verloren geglaubte Tierart eines Tages tatsächlich in ihre ursprüngliche Heimat zurückkehren könnte.

    Quellen: