Zum Inhalt springen

Fakten statt Polemik. Aufklärung über radikalen Tierschutz.

Kritisch. Fundiert. Unabhängig.Hintergrundanalysen und aktuelle Entwicklungen.

Schlagwort: Erhaltungszuchtprogramm

  • Wiederansiedlung des Vietnamesischen Fasans: Berliner Zoos bringen 20 Tiere nach Vietnam

    Wiederansiedlung des Vietnamesischen Fasans: Berliner Zoos bringen 20 Tiere nach Vietnam

    Zwanzig Vietnamesische Fasane haben eine außergewöhnliche Reise hinter sich: Zehn Männchen und zehn Weibchen wurden aus europäischen Zuchtbeständen nach Vietnam gebracht. Dort sollen sie zunächst unter geschützten Bedingungen für Nachwuchs sorgen und damit die Grundlage für eine spätere Rückkehr der Art in die Wälder Zentralvietnams schaffen.

    Der Transport ist ein bedeutender Meilenstein für ein internationales Artenschutzprojekt, das seit Jahren vorbereitet wird. Gleichzeitig zeigt der Fall deutlich, welche entscheidende Rolle wissenschaftlich geführte Zoos und koordinierte Erhaltungszuchtprogramme beim Schutz hochbedrohter Tierarten übernehmen können.

    Drei Tage von Berlin bis Phú Quốc

    Die Reise führte die Tiere von Berlin über Frankfurt und Ho-Chi-Minh-Stadt bis zur vietnamesischen Insel Phú Quốc. Rund drei Tage waren die Fasane unterwegs. Kurator Matthias Papies vom Tierpark Berlin begleitete den Transport persönlich und kontrollierte während der Reise regelmäßig den Zustand der Tiere.

    Nach Angaben des Zoos Berlin erreichten alle 20 Fasane ihr Ziel gesund und wohlbehalten. Dem Transport waren umfangreiche Gesundheitsuntersuchungen, veterinärmedizinische Bescheinigungen und artenschutzrechtliche Genehmigungen nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES vorausgegangen.

    In Vietnam wurden die zehn Weibchen und zehn Männchen zunächst in Quarantäne untergebracht. Anschließend sollen sie entsprechend den Empfehlungen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms zu genetisch geeigneten Paaren zusammengestellt werden.

    Jahrzehntelange Zuchtarbeit macht die Rückkehr möglich

    Die Auswahl der Tiere erfolgte nach Angaben der Projektpartner anhand ihrer genetischen Vielfalt, ihres Gesundheitszustands und bestimmter Verhaltensmerkmale. Ziel ist nicht lediglich eine möglichst schnelle Vermehrung, sondern der Aufbau einer langfristig gesunden und genetisch stabilen Population.

    Koordiniert wird die europäische Population im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms, kurz EEP, vom Zoo Prag. Beteiligt sind neben Zoo und Tierpark Berlin zahlreiche weitere zoologische Einrichtungen, Naturschutzorganisationen und spezialisierte Privathalter.

    Dass heute überhaupt Tiere für eine Rückkehr nach Vietnam zur Verfügung stehen, ist das Ergebnis einer rund hundertjährigen Haltung und Zucht in menschlicher Obhut. In den 1920er-Jahren wurden mindestens 14 Paare aus Vietnam nach Frankreich gebracht. Aus dieser kleinen Ausgangspopulation entwickelte sich über Jahrzehnte ein weltweiter Bestand von mehr als 1.000 Tieren.

    Ohne diese Reservepopulation wäre der Vietnamesische Fasan vermutlich vollständig verloren.

    In der Natur vermutlich ausgestorben

    Der Vietnamesische Fasan, wissenschaftlich Lophura edwardsi, kam ursprünglich ausschließlich in den Wäldern Zentralvietnams vor. Das letzte bekannte Tier in freier Wildbahn wurde im Jahr 2000 beobachtet.

    Seit 2012 wird die Art auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als vom Aussterben bedroht geführt. Im Jahr 2024 erhielt sie zusätzlich den Hinweis, dass sie wahrscheinlich in der Natur ausgestorben ist. Auf der vietnamesischen Bewertungsliste gilt sie bereits als in der Wildbahn ausgestorben.

    Zu den Hauptursachen zählen die Zerstörung des Lebensraums, intensive Bejagung und Wilderei. Besonders schwer betroffen war das ursprüngliche Verbreitungsgebiet während des Vietnamkriegs. Teile der Region wurden massiv bombardiert und mit dem giftigen Entlaubungsmittel Agent Orange belastet.

    Auch nach Kriegsende verschwanden weitere Waldflächen zugunsten landwirtschaftlicher Nutzung. In vermeintlich intakten Wäldern sorgten zudem Fallen und Schlingen dafür, dass zahlreiche Tierarten nahezu vollständig ausgerottet wurden.

    Zuchtzentrum in Vietnam als entscheidender Zwischenschritt

    Die jetzt nach Vietnam gebrachten Fasane werden zunächst nicht ausgewildert. Sie sollen in einem geschützten Zuchtzentrum eine neue Population aufbauen und möglichst erfolgreich Nachwuchs bekommen.

    Eine zentrale Rolle übernimmt dabei das Rare Pheasant Breeding Center der vietnamesischen Naturschutzorganisation Viet Nature. Das Zentrum verbindet Tierzucht, Forschung und Umweltbildung und arbeitet nach Angaben der Projektpartner mit den Menschen in der Region zusammen.

    Ebenfalls beteiligt ist die Vinpearl Safari Phú Quốc, in der die 20 Tiere nach ihrer Ankunft aufgenommen wurden. Langfristig soll in Vietnam eine stabile Reservepopulation entstehen, die weniger von europäischen Zuchtbeständen abhängig ist.

    Daneben wurde 2024 in Le Thuy in der Provinz Quang Binh ein weiteres Zucht- und Wiederansiedlungszentrum fertiggestellt. Dort geschlüpfte Nachkommen sollen später für eine mögliche Auswilderung in Zentralvietnam vorbereitet werden.

    Auswilderung bleibt ein langfristiges Ziel

    So bedeutend der Transport auch ist: Von einer unmittelbar bevorstehenden Auswilderung kann derzeit keine Rede sein. Zunächst müssen sich die Tiere an ihre neue Umgebung gewöhnen, stabile Paare bilden und erfolgreich vermehren.

    Erst wenn eine ausreichend große und genetisch gesunde Population vorhanden ist, können konkrete Auswilderungsschritte vorbereitet werden. Gleichzeitig müssen geeignete Lebensräume dauerhaft geschützt und die Gefahren durch Wilderei, Fallen und Lebensraumzerstörung wirksam begrenzt werden.

    Viet Nature hat bereits 2015 ein 768 Hektar großes Waldgebiet in der Region Khe Nuoc Trong für 30 Jahre gepachtet. Das Gebiet gehörte früher zum natürlichen Verbreitungsraum des Vietnamesischen Fasans und ist als mögliches späteres Auswilderungsgebiet vorgesehen. Mitarbeiter patrouillieren dort und entfernen Schlingen, die für Fasane und zahlreiche andere Wildtiere eine tödliche Gefahr darstellen.

    Eine verbindliche Zeitschiene für die erste Freilassung wurde bislang nicht veröffentlicht. Zoo und Tierpark Berlin betonen selbst, dass eine Auswilderung erst dann infrage kommt, wenn stabile Bestände aufgebaut und geeignete Lebensräume dauerhaft geschützt wurden.

    GERATI meint: Artenschutz funktioniert nicht ohne Zoos

    Das Projekt ist ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass Zoos weit mehr leisten als die bloße Präsentation von Tieren. Der Vietnamesische Fasan hat nur deshalb noch eine realistische Chance auf eine Rückkehr, weil zoologische Einrichtungen und Privathalter über Jahrzehnte eine Reservepopulation erhalten und deren Zucht wissenschaftlich koordiniert haben.

    Während ideologisch motivierte Zoogegner die Haltung von Tieren in menschlicher Obhut grundsätzlich ablehnen, zeigt dieses Beispiel die praktischen Folgen einer solchen Forderung: Ohne Zoos, Erhaltungszuchtprogramme und engagierte Tierhalter wäre der Vietnamesische Fasan heute höchstwahrscheinlich endgültig ausgestorben.

    Der Transport nach Vietnam ist deshalb mehr als eine symbolische Rückkehr. Er ist das Ergebnis langfristiger Planung, kontrollierter Zucht und internationaler Zusammenarbeit. Gleichzeitig bleibt der Erfolg des Projekts davon abhängig, ob Vietnam geeignete Lebensräume dauerhaft schützen und die Wilderei wirksam eindämmen kann.

    Die 20 Fasane sind noch keine neue Wildpopulation. Sie sind jedoch der erste konkrete Grundstein dafür, dass eine verloren geglaubte Tierart eines Tages tatsächlich in ihre ursprüngliche Heimat zurückkehren könnte.

    Quellen:

  • Afrikanische Elefanten Tierpark Berlin – Moderne Zoohaltung statt Ideologie

    Afrikanische Elefanten Tierpark Berlin – Moderne Zoohaltung statt Ideologie

    Die Giganten sind zurück

    Nach mehreren Jahren Abwesenheit sind die Afrikanischen Elefanten wieder in den Tierpark Berlin zurückgekehrt. Was für Besucher zunächst wie eine einfache Rückkehr beliebter Zootiere erscheint, ist tatsächlich das Ergebnis einer monatelangen Vorbereitung und einer der größten Investitionen in der Geschichte des Tierparks.

    Während Tierrechtsorganisationen regelmäßig das Ende der Elefantenhaltung in Zoos fordern, zeigt das Beispiel Berlin eindrucksvoll, welchen Aufwand moderne zoologische Einrichtungen heute betreiben, um den Bedürfnissen dieser intelligenten und beeindruckenden Tiere gerecht zu werden.

    Eine Rückkehr nach sechs Jahren

    Im Jahr 2020 verließen die letzten Afrikanischen Elefanten den Tierpark Berlin. Der Abschied erfolgte jedoch nicht dauerhaft. Während das traditionsreiche Dickhäuterhaus umfassend saniert und modernisiert wurde, zogen die Tiere vorübergehend in andere zoologische Einrichtungen um.

    Nun sind Elefantenkuh Pori gemeinsam mit ihrer Tochter Tana sowie den Enkeln Tamika, Elani und Simon nach Berlin zurückgekehrt.

    Besonders bemerkenswert: Tana wurde bereits im Jahr 2001 im Tierpark Berlin geboren und kehrt nun an ihren Geburtsort zurück.

    20.000 Quadratmeter für die größten Landsäugetiere der Erde

    Mit der Wiedereröffnung beginnt im Tierpark Berlin eine neue Ära der Elefantenhaltung.

    Auf rund 20.000 Quadratmetern entstand eine Anlage, die speziell auf die Bedürfnisse Afrikanischer Elefanten zugeschnitten wurde. Das modernisierte Elefantenhaus gilt heute als größtes Gebäude des Tierparks und zählt zu den bedeutendsten Investitionen seit der Wiedervereinigung.

    Anders als früher stehen die Flächen heute nahezu ausschließlich den Afrikanischen Elefanten zur Verfügung. Hinzu kommen großzügige Außenanlagen, die den Tieren deutlich mehr Raum bieten als viele Kritiker moderner Zoos oftmals vermuten.

    Moderne Tierhaltung statt romantischer Vorstellungen

    Besonders interessant sind die Einblicke, die der Tierpark in die tägliche Arbeit mit den Elefanten gewährt.

    Die Haltung erfolgt nach dem sogenannten Protected-Contact-Prinzip. Dabei arbeiten Tierpfleger und Elefanten nicht mehr im direkten Kontakt miteinander, sondern durch geschützte Barrieren. Dieses System erhöht die Sicherheit sowohl für Menschen als auch für Tiere erheblich.

    Hinzu kommt ein umfangreiches Programm zur Verhaltensanreicherung. Die Tiere erhalten regelmäßig neue Beschäftigungsmöglichkeiten, Futterverstecke und Trainingsaufgaben, um ihre natürlichen Verhaltensweisen auszuleben und geistig gefordert zu bleiben.

    Gerade diese Aspekte werden in der öffentlichen Debatte häufig ausgeblendet. Während Kritiker oftmals pauschal von „Gefangenschaft“ sprechen, zeigt die moderne Zoohaltung längst deutlich komplexere Konzepte, die wissenschaftlich begleitet und ständig weiterentwickelt werden.

    Medizinische Versorgung ohne Zwang

    Ein weiterer wichtiger Bestandteil moderner Elefantenhaltung ist das sogenannte Medical Training.

    Dabei lernen die Tiere freiwillig, bestimmte Körperteile für Untersuchungen oder Behandlungen zu präsentieren. Füße, Ohren oder der Rüssel können dadurch kontrolliert werden, ohne dass die Tiere fixiert oder unter Narkose gesetzt werden müssen.

    Blutentnahmen, Gesundheitskontrollen oder Hufpflege erfolgen dadurch deutlich stressärmer als früher.

    Gerade bei Tieren, die mehrere Tonnen wiegen können, stellt dies einen enormen Fortschritt im Bereich des Tierwohls dar.

    Ein Transport mit monatelanger Vorbereitung

    Der Umzug der fünf Elefanten war kein spontanes Ereignis.

    Monatelang arbeiteten Tierpfleger, Tierärzte, Zoologen, Behörden, Transportunternehmen und das Europäische Erhaltungszuchtprogramm an der Planung.

    Die Tiere wurden gezielt auf den Transport vorbereitet und trainierten freiwillig das Betreten ihrer Transportcontainer. Auch die Berliner Tierpfleger reisten mehrfach nach Halle, um die Herde kennenzulernen und die sozialen Beziehungen innerhalb der Gruppe besser zu verstehen.

    Dieser organisatorische Aufwand zeigt, dass moderne Zoos weit mehr leisten als die reine Präsentation von Tieren für Besucher.

    Ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz

    Elefanten gehören weltweit zu den bekanntesten bedrohten Tierarten. Lebensraumverlust, Wilderei und Konflikte mit Menschen setzen den Beständen vielerorts massiv zu.

    Zoologische Einrichtungen beteiligen sich deshalb seit Jahrzehnten an internationalen Erhaltungszuchtprogrammen, die genetisch stabile Reservepopulationen aufbauen sollen.

    Auch die Berliner Elefanten sind Teil solcher Programme.

    Wer Zoos grundsätzlich ablehnt, sollte daher auch die Frage beantworten, welche Alternativen langfristig für den Erhalt bedrohter Tierarten zur Verfügung stehen sollen.

    Fazit

    Die Rückkehr der Afrikanischen Elefanten nach Berlin zeigt, wie weit sich die moderne Zoohaltung in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat.

    Großzügige Anlagen, medizinisches Training, Verhaltensanreicherung, hohe Sicherheitsstandards und internationale Zuchtprogramme prägen heute den Alltag vieler zoologischer Einrichtungen.

    Der Tierpark Berlin präsentiert damit nicht nur seine neuen Bewohner, sondern auch ein Beispiel dafür, dass zeitgemäßer Artenschutz und Tierhaltung weit mehr sind als die oftmals vereinfachten Darstellungen ideologischer Debatten.

    Ab dem 27. Juni können Besucher die Afrikanischen Elefanten erstmals wieder auf ihren Außenanlagen erleben – und sich selbst ein Bild davon machen, wie moderne Elefantenhaltung im Jahr 2026 aussieht.