Harpyie Domingo wechselt nach Walsrode: Neue Chance für die EEP-Zucht

Ein Nürnberger Harpyien-Männchen zieht nach Walsrode

Das Harpyien-Männchen Domingo ist vom Tiergarten Nürnberg in den Weltvogelpark Walsrode umgezogen. Dort soll der 1993 in Nürnberg geschlüpfte Vogel mit dem siebenjährigen Weibchen Cupcake aus dem Zoo Miami verpaart werden. Der Transfer ist Teil des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP), das den Aufbau einer stabilen Reservepopulation dieser bedrohten Greifvogelart koordiniert. Für Besucher in Walsrode bedeutet der Umzug zugleich, dass dort wieder ein Harpyien-Paar gehalten werden kann.

Domingo verbrachte den größten Teil seines Lebens in Nürnberg, war jedoch bereits zeitweise im Zoo Dortmund und im Grünen Zoo Wuppertal untergebracht. Mit Cupcake soll er nun ein genetisch nicht verwandtes Weibchen erhalten. Ob aus der geplanten Partnerschaft tatsächlich ein Zuchterfolg entsteht, hängt zunächst davon ab, ob die beiden Vögel miteinander harmonieren. Der Umzug schafft damit die Voraussetzung für einen neuen Zuchtversuch im Rahmen des EEP.

Zusammenführung mit Vorsicht

Die Vergesellschaftung erwachsener Harpyien gilt als anspruchsvoll, weil die Tiere bei einer zu schnellen Zusammenführung aggressiv aufeinander reagieren können. Deshalb werden Domingo und Cupcake zunächst getrennt gehalten und durch eine Plexiglasscheibe aneinander gewöhnt. Erst wenn sich ein positives Sozialverhalten zeigt, soll ein direkter Kontakt versucht werden. Die schrittweise Annäherung soll das Risiko schwerer Auseinandersetzungen verringern.

Als günstiges Zeichen gilt unter anderem, wenn beide Vögel miteinander interagieren oder beginnen, Nistmaterial zu sammeln. Diese schrittweise Vorgehensweise ist für die Praxis entscheidend: Eine erfolgreiche Zucht setzt nicht nur passende genetische Voraussetzungen voraus, sondern auch ein Paar, das sich im täglichen Umgang akzeptiert. Der Weltvogelpark hat dafür eine frühere Voliere für Riesenseeadler umgebaut und an die Bedürfnisse der Harpyien angepasst. Damit steht den Tieren eine speziell vorbereitete Umgebung für die weitere Annäherung zur Verfügung.

Heiko Janatzek, Kurator des Weltvogelparks Walsrode, sieht in der geplanten Vergesellschaftung eine besondere Herausforderung. Das Team hoffe, die beiden Tiere zur Zucht zu bewegen und damit zum Erhalt der Art beizutragen. Die konkrete Dauer der Eingewöhnung hängt vom Verhalten der Vögel ab; ein fester Zeitpunkt für eine Zusammenführung oder einen möglichen Nachwuchs wurde nicht genannt. Die Pfleger beobachten daher zunächst, wie die Tiere aufeinander reagieren.

Kleines Zuchtprogramm mit internationaler Perspektive

Das EEP für Harpyien wurde beim Europäischen Zooverband EAZA eingerichtet und wird von Lorenzo von Fersen, dem Kurator für Forschung und Artenschutz im Tiergarten Nürnberg, koordiniert. Im Zuchtprogramm befinden sich derzeit 18 Tiere. Acht davon leben im Zoo São Paulo, die übrigen verteilen sich auf vier europäische Zoos.

Damit ist das Programm noch klein. Gerade bei einer langlebigen Art mit langen Fortpflanzungsintervallen kann jeder geeignete Zuchtpartner eine wichtige Rolle spielen. Harpyien werden in menschlicher Obhut mehr als 40 Jahre alt, erreichen die Geschlechtsreife jedoch erst mit ungefähr sechs Jahren. In freier Natur zieht ein Paar durchschnittlich nur etwa alle drei Jahre ein Jungtier groß.

Der Nürnberger Tiergarten hält seit 1980 Harpyien und verzeichnete 2023 mit Amaya erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten wieder einen Zuchterfolg. Die junge Harpyie ist inzwischen im Besucherbereich zu sehen. Weitere Informationen zum Populationsmanagement im Tiergarten Nürnberg zeigen, welche Bedeutung die koordinierte Haltung und Zucht für Zoos bei kleinen Populationen besitzt. Die Nürnberger Erfahrungen fließen damit in den weiteren Aufbau des Programms ein.

Nürnberg baut seine Harpyienhaltung weiter aus

In Nürnberg leben zusammen mit der Außenstation Gut Mittelbüg derzeit fünf Harpyien. Der Tiergarten plant dort perspektivisch eine neue Harpyien-Voliere mit Innen- und Außenanlage, unterstützt vom Verein der Tiergartenfreunde Nürnberg. Domingo wurde deshalb nicht aus dem Artenschutzprogramm herausgenommen, sondern an einen Standort vermittelt, an dem aktuell eine passende Zuchtkonstellation mit Cupcake möglich ist.

Die Harpyie (*Harpia harpyja*) bewohnt die Regenwälder Mittel- und Südamerikas. Lebensraumverlust durch Abholzung und die Folgen des Klimawandels setzen den Beständen zu. Eine Reservepopulation in menschlicher Obhut kann den Verlust freilebender Tiere nicht ersetzen, schafft aber eine langfristige Absicherung und erhält züchterisches Wissen. Für Domingo beginnt in Walsrode deshalb kein gewöhnlicher Standortwechsel, sondern ein sorgfältig vorbereiteter Versuch, aus zwei einzelnen Tieren ein tragfähiges Zuchtpaar zu machen. Der weitere Verlauf hängt davon ab, ob beide Harpyien die nötige soziale Verträglichkeit zeigen.

Tatsächlich verwendete externe Quellen: ["https://tiergarten.nuernberg.de/entdecken/aktuell/detail/news/harpyie-domingo-ist-in-den-weltvogelpark-walsrode-gezogen","https://tiergarten.nuernberg.de/entdecken/aktuell/detail/news/junge-harpyie-im-tiergarten-zu-sehen-zoo-uebernimmt-erhaltungszuchtprogramm","https://tiergarten.nuernberg.de/presse/detail/news/2022-04-21-harpyie-zurueck-in-neuer-anlage-im-tiergarten-steinbockanlage-ebenfalls-umgestaltet"]

Quellen

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