Die anhaltende Trockenheit bringt eine Schäferei in Sexau im Kreis Emmendingen zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Betreiberin Franziska Rehm konnte nach eigenen Angaben nicht ausreichend Futter für den kommenden Winter einlagern. Der Betrieb hat deshalb bereits einen Teil seiner Schafe und Lämmer abgegeben. Gleichzeitig treffen gestiegene Futter- und Tierarztkosten auf geringere Einnahmen aus dem Verkauf von Lämmern.
Trockenheit verschärft bereits bestehende Belastungen
Nach Angaben im aktuellen Spendenaufruf hält die Schäferei normalerweise rund 300 Mutterschafe, von denen ein großer Teil zur Rasse Coburger Fuchs gehört. Rehm übernahm die Schafe im Jahr 2019 und führt den Betrieb nach den vorliegenden Angaben eigenständig. Ein Porträt der Badischen Zeitung beschrieb sie bereits 2020 als Schäferin aus Leidenschaft, die damals insgesamt etwa 800 Schafe betreute, darunter rund 400 Mutterschafe und 400 Lämmer auf gepachteten Flächen in Sexau und Freiamt. Die unterschiedlichen Zahlen stammen aus verschiedenen Zeitpunkten und beziehen sich teilweise auf unterschiedliche Bestandsgruppen, weshalb sich daraus keine verlässliche Entwicklung der gesamten Herdengröße ableiten lässt.
Zur wirtschaftlichen Belastung kommt nach Darstellung Rehms die Blauzungenkrankheit hinzu. Diese habe zu erhöhten Tierarztkosten und Ausfällen bei zwei Lammzeiten geführt. Dadurch standen weniger Lämmer für den Verkauf zur Verfügung, gleichzeitig fehlten Tiere für die weitere Bestandsentwicklung. Im darauffolgenden Jahr mussten nach ihrer Darstellung wiederum mehr Lämmer im eigenen Betrieb verbleiben, sodass erneut weniger Tiere verkauft werden konnten.
Die aktuellen Schwierigkeiten sind damit offenbar nicht ausschließlich eine Folge der Trockenheit. Vielmehr trifft der Futtermangel auf einen Betrieb, der bereits zuvor mit krankheitsbedingten Ausfällen und steigenden Kosten zu kämpfen hatte. Gerade in der Schafhaltung können solche Entwicklungen schnell zu einem Problem werden, wenn gleichzeitig die Erlöse aus dem Verkauf zurückgehen. Für kleinere und mittelgroße Betriebe bleibt dann nur wenig Spielraum, um zusätzliche Belastungen aus eigener Kraft aufzufangen.
Fehlendes Futter trifft auf sinkende Erlöse
Besonders problematisch ist in diesem Jahr nach Angaben der Schäferin die Futterversorgung. Wegen der Trockenheit mussten sämtliche verfügbaren Flächen genutzt werden, um überhaupt den laufenden Bedarf der Tiere abzudecken. Trotzdem sei es nicht gelungen, ausreichende Vorräte für die Wintermonate anzulegen. Die bereits vorgenommene Reduzierung des Tierbestandes ist deshalb nach ihrer Darstellung eine direkte Reaktion auf die knapper werdende Futtergrundlage.
Gleichzeitig verschärft sich die wirtschaftliche Situation von zwei Seiten. Futter ist aufgrund der allgemeinen Knappheit teurer geworden, während für Lämmer offenbar geringere Preise erzielt werden können. Rehm führt dies darauf zurück, dass auch andere Tierhalter wegen fehlender Futtermengen Tiere abgeben müssen und dadurch mehr Tiere auf den Markt kommen. Steigende Kosten und sinkende Verkaufserlöse treffen damit unmittelbar aufeinander.
Hinzu kommen die bereits entstandenen Belastungen durch Tierarztkosten und krankheitsbedingte Ausfälle. Für einen landwirtschaftlichen Betrieb kann eine solche Kombination schnell dazu führen, dass Rücklagen aufgebraucht werden und notwendige Ausgaben verschoben werden müssen. Die Entscheidung, den Bestand zu verkleinern, zeigt deshalb vor allem, wie knapp die betriebliche Kalkulation inzwischen geworden ist. Gleichzeitig reduziert jeder abgegebene Teil der Herde auch die zukünftigen Möglichkeiten des Betriebs, Einnahmen zu erzielen.
Spendenaktion soll Winterversorgung sichern
Um die Versorgung der verbliebenen Tiere über den Winter sicherzustellen, hat Rehm die GoFundMe-Aktion „Hilfe in einer trockenen Zeit“ gestartet. Das Spendenziel liegt bei 3.000 Euro. Nach den vorliegenden Angaben waren zum Zeitpunkt der Berichterstattung knapp 1.900 Euro zusammengekommen. Ein eindeutig datierter Aktualitätsstand dieser Summe ist allerdings nicht ausgewiesen.
Die Schäferin bittet dabei nicht ausschließlich um finanzielle Unterstützung. Nach Angaben des Spendenaufrufs seien auch fachliche Hinweise und Ideen willkommen, die helfen könnten, mit der aktuellen Situation umzugehen. Die Spenden sollen vor allem dazu beitragen, fehlendes Winterfutter zu beschaffen und damit die Versorgung der verbliebenen Tiere sicherzustellen. Eine behördliche Bewertung der wirtschaftlichen Situation oder eine amtliche Feststellung der konkret entstandenen Verluste liegt nach den derzeit verfügbaren Informationen nicht vor.
Der Fall aus Sexau zeigt, wie schnell mehrere Belastungen in der Tierhaltung zusammenwirken können. Trockenheit allein muss für einen Betrieb noch keine existenzielle Krise bedeuten, doch zusammen mit Tierkrankheiten, steigenden Kosten und sinkenden Erlösen kann daraus innerhalb kurzer Zeit erheblicher wirtschaftlicher Druck entstehen. Ob die Spendenaktion ausreichen wird, um die Schäferei durch den kommenden Winter zu bringen, dürfte letztlich davon abhängen, wie hoch die tatsächlichen Futterkosten ausfallen und ob sich die Situation auf den Flächen wieder stabilisiert.
Quellen
- BreisgauLIVE – „Trockenheit in Sexau: Schäferei bittet um Hilfe für Futter“
https://breisgau.live/breisgaunews/trockenheit-in-sexau-schaeferei-bittet-um-hilfe-fuer-futter/ - Badische Zeitung – „Schäferin aus Passion“
https://www.badische-zeitung.de/schaeferin-aus-passion–185386931.html
