Das PETA Streetteam Düsseldorf will am Sonntag, dem 30. August 2026, gegen den Einsatz von Pferden beim Neusser Bürger-Schützenfest protestieren. Das geht aus einer aktuellen Termineinladung der Tierrechtsorganisation hervor. Die Kundgebung soll von 16:30 bis 17:30 Uhr am Platz am Niedertor 6 stattfinden und damit zeitgleich mit einem der Schützenumzüge. PETA fordert nicht lediglich strengere Sicherheitsmaßnahmen, sondern grundsätzlich Veranstaltungen ohne Pferde.
Die Stadt Neuss bestätigt auf ihrer Internetseite, dass während des Bürger-Schützenfestes vom 29. August bis 1. September mehrere Festumzüge stattfinden und dafür umfangreiche Verkehrs- und Sicherheitsmaßnahmen vorgesehen sind. Dazu gehören zeitlich festgelegte Haltverbote und Sperrungen entlang der Zugstrecken. Dass im Umfeld eines großen Umzuges besondere Sicherheitsvorkehrungen notwendig sind, ist damit kaum überraschend. PETA geht jedoch deutlich weiter und leitet aus dem grundsätzlich vorhandenen Risiko beim Einsatz von Pferden die Forderung ab, diese aus solchen Veranstaltungen vollständig zu verbannen.
PETA führt Todesfälle als Argument an
Zur Begründung verweist PETA auf mehrere Unfälle und Todesfälle bei Festumzügen. Unter anderem nennt die Organisation ein Pferd, das im Juni 2025 am Rand eines Schützenfestes in Harsewinkel verendete. Auch der Tod des Pferdes Waiherr beim Düsseldorfer Schützenumzug am 16. Juli 2022 spielt in der Argumentation der Organisation eine zentrale Rolle. Das Pferd brach damals während des Umzuges auf der Königsallee zusammen und starb.
Nach Angaben von PETA habe die ehemalige Halterin von Waiherr erklärt, das damals 19 Jahre alte Pferd habe aufgrund seines Nervenkostüms nicht für Festumzüge eingesetzt werden sollen. Diese Angaben stammen allerdings aus der Darstellung der ehemaligen Halterin und sind nicht mit einer gerichtlichen Feststellung gleichzusetzen. Der Tod des Pferdes selbst ist unstrittig, aus den Umständen eines einzelnen Vorfalls lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass der Einsatz von Pferden bei sämtlichen Schützen- oder Festumzügen grundsätzlich tierschutzwidrig wäre. Genau diese Verallgemeinerung bildet jedoch einen wesentlichen Bestandteil der PETA-Forderung.
Strafverfahren nach Tod von Waiherr eingestellt
PETA erstattete nach dem Tod von Waiherr Strafanzeige. Wie die Rheinische Post berichtete, stellte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf das Verfahren später ein. Zu einer strafrechtlichen Verurteilung des Halters kam es somit nicht. Trotzdem wird der Fall von PETA weiterhin als Beispiel dafür angeführt, weshalb Pferde nach Ansicht der Organisation nicht mehr an derartigen Umzügen teilnehmen sollten.
Das ist eine wichtige Unterscheidung. Ein Unfall oder selbst der Tod eines Tieres kann Anlass sein, Sicherheitsmaßnahmen, Auswahl der eingesetzten Tiere, Ausbildung, Transportbedingungen und Belastungen kritisch zu überprüfen. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass jeder Einsatz eines Pferdes bei einem Festumzug als „Missbrauch“ oder „Tierquälerei“ einzustufen ist. PETA verwendet genau solche Begriffe in seiner aktuellen Pressemitteilung und macht damit deutlich, dass es der Organisation nicht nur um die Verhinderung einzelner Risiken geht, sondern um eine grundsätzliche Ablehnung der Tiernutzung bei solchen Veranstaltungen.
PETA fordert grundsätzlich pferdefreie Umzüge
PETA beschreibt Pferde als sensible Fluchttiere, die unter anderem durch Menschenmengen, Musik, Hitze und enge Straßen erschreckt werden könnten. Dass Pferde Fluchttiere sind und auch bei gut ausgebildeten Tieren unerwartete Reaktionen nie vollständig ausgeschlossen werden können, ist grundsätzlich richtig. Entscheidend ist jedoch die Frage, welche Konsequenz daraus gezogen wird. Während Veranstalter Risiken durch Ausbildung, Auswahl geeigneter Pferde, erfahrene Reiter und organisatorische Sicherheitsmaßnahmen begrenzen können, hält PETA solche Maßnahmen offenbar grundsätzlich nicht für ausreichend.
Als positives Beispiel führt die Organisation unter anderem Bonn an. Dort werden beim Rosenmontagsumzug seit einigen Jahren keine Pferde mehr eingesetzt. PETA präsentiert solche Entscheidungen als Vorbild für andere Veranstalter und fordert entsprechende Verbote auch für Schützen- und Festumzüge. Damit wird aus einer Frage des konkreten Tierwohls und der Sicherheit zugleich eine grundsätzliche Debatte über die gesellschaftliche Nutzung von Pferden.
Protest ist Teil einer größeren PETA-Kampagne
Der Protest in Neuss ist kein Einzelfall. Das PETA Streetteam Düsseldorf hat bereits bei anderen Veranstaltungen gegen den Einsatz von Tieren demonstriert. GERATI berichtete zuletzt etwa über einen PETA-Protest gegen ein Ponykarussell in Bad Kreuznach. Auch gegen Pferde bei Karnevalsumzügen gingen PETA-Streetteams bereits öffentlich vor.
Für die Organisation steht damit weniger die Frage im Mittelpunkt, unter welchen Bedingungen Pferde verantwortungsvoll an einem Umzug teilnehmen können. PETA fordert vielmehr, Tiere grundsätzlich aus solchen Veranstaltungen herauszunehmen. Die angeführten Unfälle zeigen, dass Risiken ernst genommen werden müssen. Sie beweisen für sich genommen jedoch nicht, dass verantwortungsvoll eingesetzte Pferde bei jedem Festumzug zwangsläufig leiden oder dass nur ein vollständiges Verbot mit dem Tierschutz vereinbar wäre.
Streit zwischen Tierwohl, Risiko und Tradition
Beim Neusser Bürger-Schützenfest prallen damit zwei grundverschiedene Sichtweisen aufeinander. PETA bewertet bereits den Einsatz der Pferde für einen Festumzug als problematisch und spricht in seiner Pressemitteilung von „Pferdemissbrauch“ und „Tierquälerei“. Für Veranstalter und viele Teilnehmer gehören Pferde dagegen traditionell zu solchen Umzügen, wobei die Einhaltung der geltenden Tier- und Sicherheitsvorschriften entscheidend ist. Zwischen beiden Positionen liegt die eigentliche Debatte, die durch einzelne Unfälle nicht abschließend beantwortet wird.
Der Protest am 30. August dürfte deshalb weniger eine Diskussion über einen einzelnen Vorfall in Neuss sein als ein weiterer Teil der grundsätzlichen PETA-Kampagne gegen Tiere bei öffentlichen Veranstaltungen. Ob beim diesjährigen Neusser Bürger-Schützenfest konkrete Probleme mit den eingesetzten Pferden bestehen, geht aus der PETA-Ankündigung nicht hervor. Die Organisation argumentiert vielmehr mit Vorfällen aus anderen Städten und leitet daraus ihre Forderung nach pferdefreien Umzügen ab. Genau diese Trennung zwischen konkretem Tierschutzproblem und grundsätzlicher Ablehnung der Tiernutzung sollte bei der Bewertung der Protestaktion berücksichtigt werden.
Quellen
- PETA – Termineinladung: PETA Streetteam Düsseldorf protestiert gegen Pferdemissbrauch des Neusser Bürger-Schützenfestes – „Umzüge frei von Tierquälerei!“
https://presseportal.peta.de/termineinladung-peta-streetteam-duesseldorf-protestiert-gegen-pferdemissbrauch-des-neusser-buerger-schuetzenfestes-umzuege-frei-von-tierquaelerei/ - Stadt Neuss – Neusser Bürger-Schützenfest
https://www.neuss.de/erleben/schuetzenfest - Stadt Neuss – Park- und Haltverbote zum Neusser Bürger-Schützenfest 2026
https://www.neuss.de/presse/meldungen?cHash=96fecbf1cd814ed95933548ce271e040&tx_extension_pi1%5Baction%5D=detail&tx_extension_pi1%5Bcontroller%5D=FrontendNews&tx_pld_detail%5Bnews%5D=4914 - Rheinische Post – Peta-Protest gegen Pferde bei Schützen in Düsseldorf
https://rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/peta-protest-gegen-pferde-bei-schuetzen-in-duesseldorf_aid-131023839
