Brandenburgs Wolfsmanagement: Mittelstädt will „schadenstiftende“ Wölfe entnehmen – Debatte um Zahlen, Prävention und rechtssichere Regeln

Was passiert in Brandenburg jetzt konkret

Brandenburg arbeitet an einem neuen Wolfsmanagementplan, den Agrar- und Umweltministerin Hanka Mittelstädt im Oktober vorstellen will. Entscheidend ist, dass der Plan regelt, unter welchen rechtlichen Voraussetzungen Wölfe entnommen werden dürfen. Mittelstädt kündigte an, primär gezielt „schadenstiftende“ Wölfe unbürokratisch entnehmen zu lassen; eine landesweite jährliche Abschussquote lehnt sie ab. Ihr persönliches Statement, dass sie in einem Notfall einen Wolf abschießen würde, hat die politische Debatte um Symbolik und praktische Umsetzbarkeit zusätzlich angefacht. Für Landwirte und Teile des Jagdverbands ist das ein Zwischenschritt hin zu mehr Handlungsmöglichkeiten, für Naturschützer eine gefährliche Öffnung.

Wer verlangt was – die Positionen im Überblick

Landesbauernverband und Teile des Landesjagdverbandes fordern klare, praktikable Instrumente zur Bestandsbegrenzung. Der Wolfsbeauftragte des Landesbauernverbands fordert schnelle Eingriffe bei nachgewiesenen Rissen; einige Vertreter sprechen ausdrücklich von dem Ziel, die Wolfspopulation regional zu reduzieren. Der Landesjagdverband nennt Schätzungen von bis zu 1.500 Wölfen in Brandenburg und diskutiert Zielgrößen von 300 bis 400 Tieren. Dem gegenüber stehen die amtlichen Zahlen des Landesumweltamtes und der Dokumentations- und Beratungsstelle zum Thema Wolf (DBBW), die für das Monitoringjahr 1. Mai 2023 bis 30. April 2024 58 Rudel in Brandenburg melden und Schadenszahlen für 2023 (1.465 getötete oder verletzte Nutztiere in 358 Übergriffen) ausweisen. Diese amtlichen Monitoringdaten gelten in der Debatte als belastbar; Verbands-Schätzungen wurden bislang nicht methodisch offengelegt.

Der BUND warnt, dass Abschussquoten oder flächendeckende Entnahmen den Wolf gefährden könnten, wenn Präventionsmaßnahmen nicht deutlich ausgebaut werden. Der Verband kritisiert zugleich, dass viele Weidetiere weiterhin nicht wolfssicher gehalten würden und fordert verstärkte Förderung für Herdenschutzmaßnahmen.

Welche rechtlichen Schranken bestehen und was der Plan ändern soll

Seit März wurden bundesrechtliche Voraussetzungen geschaffen, die Ländern erlauben, in Gebieten mit günstigem Erhaltungszustand jagdrechtliche Regelungen für den Wolf zu treffen; praktisch wirksam werden diese Regelungen jedoch erst, wenn ein landesweiter Wolfsmanagementplan die detaillierten Voraussetzungen und Verfahrenswege festlegt. Der geplante Plan soll Kriterien zur Feststellung von „schadenstiftendem“ Verhalten, räumliche Abgrenzungen für mögliche Entnahmen und Verfahrenswege für kurzfristige Genehmigungen enthalten.

Mittelstädt warnt vor starren landesweiten Quoten, weil sie die regionale Handlungsfähigkeit in betroffenen Gebieten einschränken könnten. Zugleich hat Brandenburg eine Bundesratsinitiative gestartet, um bundes- und europarechtliche Änderungen anzustoßen, die ein „besseres Wolfsmanagement“ erlauben sollen. Diese Initiative unterstreicht die politische Brisanz und die Erwartung, dass rechtliche Rahmenbedingungen auf mehreren Ebenen geklärt werden müssen.

Prävention: Was funktioniert – und wo bleiben die Lücken?

Praktische Beispiele zeigen, dass Prävention wirken kann. Schäfermeister Felix Körner aus der Region Jüterbog berichtet von langer Zeit ohne Risse trotz mehrere Rudel in der Umgebung; sein Ansatz kombiniert Elektrozaun, mehrere Herdenschutzhunde und regelmäßige Kontrollen. Brandenburg fördert solche Maßnahmen und gibt nach eigenen Angaben jährlich rund zwei Millionen Euro für Anschaffung und Unterhalt von Herdenschutzmitteln aus.

Gleichzeitig bleibt die Förderung heterogen und nicht flächendeckend nachvollziehbar. Es ist unklar, welche Betriebe in welchen Regionen wie stark gefördert wurden, wie hoch die individuellen Ausgaben sind und ob die Mittel dort ankommen, wo das Risiko am größten ist. Dieser Informations- und Transparenzmangel ist relevant, weil unzureichende Prävention den politischen Druck auf Entnahmeinstrumente erhöht.

Widersprüche und offene Belege, die der Plan klären muss

Drei zentrale Widersprüche prägen die Debatte: die stark divergierenden Bestandsangaben, die fehlende Klarheit darüber, wie „schadenstiftendes“ Verhalten einheitlich und veterinärmedizinisch abgesichert festgestellt werden soll, und die Frage, wie schnell und rechtssicher Entnahmen praktisch umgesetzt werden können, ohne naturschutzrechtliche Vorgaben zu verletzen.

Die Jagdverbandszahl ist als Verbands-Schätzung ausgewiesen; ihr methodischer Unterbau ist öffentlich nicht belegt. Demgegenüber liefern DBBW- und Landesumweltamtdaten ein nachvollziehbares Monitoringbild, das der Managementplan als Bezugsgröße nutzen sollte. Mittelstädt betont zwar, nur „schadenstiftende“ Wölfe anzugehen, doch die konkreten Amts- und Veterinärnachweise bleiben offen. Und während der Jagdverband einen rechtssicheren Vollzug fordert, warnen Naturschutzverbände davor, dass zu leicht zugängliche Entnahmewege die Schutzbestände gefährden könnten.

Konkrete Bedeutung für Betroffene und Ausblick

Für Weidetierhalter ist die Verbindung von wirksamer Präventionsförderung und einem klaren, aber eng gefassten Regelwerk für Entnahmen entscheidend. Mittelstädt versucht, diesen Kompromiss zu finden: Prävention stärken und zugleich kurzfristige Entnahmeoptionen für eindeutig identifizierte Problemwölfe schaffen, ohne eine landesweite Quote einzuführen.

Der Wolfsmanagementplan, der im Oktober vorgelegt werden soll, muss drei Dinge liefern, damit die Debatte nicht weiter an Faktenarmut leidet: eine nachvollziehbare Bestandsgrundlage (unter Einbeziehung der DBBW-/LfU-Monitoringdaten), transparente Kriterien für „schadenstiftendes“ Verhalten und ein verfahrenssicherer Ablauf für Entnahmen. Werden diese Punkte nicht konkretisiert, sind weitere Konflikte vor Verwaltungsgerichten und ein anhaltender Vertrauensverlust zwischen Weidetierhaltern, Jagdverbänden und Naturschutzorganisationen zu erwarten.

#### Quellen: – https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2026/07/brandenburg-jagdgesetz-abschuss-woelfe-debatte.htmlhttps://www.pirsch.de/news/hanka-mittelstaedt-brandenburg-mehr-staerkstes-wolfsland-42706https://www.spiegel.de/politik/deutschland/brandenburg-umweltministerin-hanka-mittelstaedt-wuerde-einen-wolf-abschiessen-a-66b64df8-3537-42da-9258-475c6e86a5c8https://brandenburg.de/cms/detail.php/brandenburg_06.c.864100.dehttps://www.nordkurier.de/regional/brandenburg/hanka-mittelstaedt-ich-will-jedem-die-hand-reichen-3229865 – GERATI: Wolfsmanagement Brandenburg: Viel angekündigt, entscheidende Regeln fehlen noch – https://gerati.de/2026/07/17/wolfsmanagement-brandenburg-bundesjagdgesetz-weidetierhalter/

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