LOVRA und PETA: Wenn „Adoptieren, nicht kaufen“ zur PR-Floskel verkommt

Die Berliner DJ und Produzentin LOVRA ist das neue Gesicht einer PETA-Kampagne mit dem Slogan „Adoptieren, nicht kaufen“. Die Botschaft ist emotional, eingängig und leicht konsumierbar. Genau darin liegt jedoch das Problem: Je einfacher ein Narrativ gestrickt ist, desto weniger Raum bleibt für kritische Einordnung. Wer sich öffentlich mit einer Organisation wie PETA zeigt, übernimmt nicht nur einen Slogan, sondern auch deren Geschichte, Methoden und Kontroversen.

Auf Social Media wirkt die Kampagne wie ein moralisches Selbstläufer-Projekt. Tierliebe, Adoption, Verantwortung – alles Begriffe, gegen die kaum jemand argumentieren will. Doch Tierschutz ist kein Instagram-Filter, sondern ein komplexes Feld mit Zielkonflikten, Fehlentwicklungen und harten Realitäten. Wer diese ausblendet, macht aus Engagement eine Pose.

Gerade bei prominenten Kooperationen stellt sich deshalb immer die gleiche Frage: Geht es um tatsächliche Aufklärung oder um maximale Aufmerksamkeit bei minimaler Reibung? Die Antwort entscheidet darüber, ob eine Kampagne Substanz hat – oder nur gut aussieht.

Worum es offiziell geht – und was ausgeblendet wird

Nach eigener Darstellung soll die Kampagne dazu aufrufen, Tiere aus Tierheimen zu adoptieren, statt sie zu kaufen. Das ist ein legitimes Anliegen, das viele unabhängige Vereine seit Jahren verfolgen – oft ohne große Budgets, aber mit nachhaltiger Arbeit. Problematisch wird es erst dann, wenn diese Botschaft exklusiv an einen Absender gebunden wird, dessen Ruf selbst stark umstritten ist.

PETA steht seit Jahren in der Kritik, weil in eigenen oder nahestehenden Einrichtungen außergewöhnlich viele Tiere getötet wurden. Die Organisation rechtfertigt dies regelmäßig mit dem Argument der Leidvermeidung. Kritiker hingegen sprechen von einer Praxis, die nicht mit dem öffentlich propagierten Bild vom Schutz jedes einzelnen Tieres vereinbar sei. Diese Debatte ist dokumentiert, altbekannt und alles andere als randständig.

Wer sich mit PETA inszeniert, kann diese Fakten nicht einfach ausblenden. Doch genau das geschieht in der aktuellen Kampagne: Die Komplexität wird ausgeklammert, die Kritik unsichtbar gemacht, die Botschaft auf ein moralisches Minimum reduziert.

Zwischen Aktivismus, Imagepflege und Verantwortung

Die Zusammenarbeit mit PETA folgt einem bekannten Muster. Die Organisation liefert eine stark emotionalisierte Kampagne, klare Feindbilder und einfache Lösungen. Prominente Gesichter sorgen für Reichweite und gesellschaftliche Akzeptanz. Eine kritische Selbstreflexion findet dabei selten statt – weder bei der Organisation noch bei ihren Testimonials.

Für viele Prominente ist das verlockend. Man positioniert sich „auf der richtigen Seite“, ohne sich tief mit Strukturen, Zahlen oder Kritik auseinanderzusetzen. Gleichzeitig profitiert das eigene Image von moralischer Aufladung, während unbequeme Fragen ausgeblendet bleiben. Genau hier beginnt das Problem: Verantwortung wird delegiert, nicht übernommen.

Im Kontext von Aktivismus ist diese Dynamik besonders gefährlich. Aktivismus lebt von Zuspitzung, verliert aber seine Glaubwürdigkeit, wenn er Widersprüche systematisch verdrängt. Wer andere moralisch belehrt, muss selbst höchsten Maßstäben genügen – sonst wird aus Engagement Ideologie.

Hat sich LOVRA wirklich mit dem Partner auseinandergesetzt?

Ob und wie intensiv sich LOVRA mit der Geschichte und Kritik an PETA beschäftigt hat, ist öffentlich nicht bekannt. Doch allein die Tatsache, dass diese Fragen unbeantwortet bleiben, ist bezeichnend. Wer sich glaubwürdig für Tiere einsetzen will, muss erklären können, warum er gerade diesen Partner wählt – und nicht einen der vielen transparent arbeitenden Tierheime oder Vereine.

Die Verantwortung endet nicht beim guten Motiv. Sie beginnt bei der Auswahl der Mittel. Eine Kampagne kann noch so gut gemeint sein: Wenn sie auf Kosten von Transparenz geht, schadet sie am Ende dem Anliegen, das sie vorgibt zu vertreten.

Gerade im sensiblen Bereich Tierschutz ist Glaubwürdigkeit entscheidend. Sie entsteht nicht durch Hochglanzbilder, sondern durch Offenheit gegenüber Kritik und die Bereitschaft, unbequeme Tatsachen nicht zu verschweigen.

Fazit

Die Kampagne „Adoptieren, nicht kaufen“ wirkt auf den ersten Blick sympathisch. Bei genauerem Hinsehen offenbart sie jedoch ein altbekanntes Problem: Moralische Botschaften werden vereinfacht, um sie besser vermarkten zu können. Die Kooperation zwischen LOVRA und PETA steht exemplarisch für diese Entwicklung.

Wer wirklich etwas für Tiere bewirken will, muss mehr tun als Slogans verbreiten. Er oder sie muss sich auch mit den Schattenseiten des eigenen Bündnisses auseinandersetzen. Solange das nicht geschieht, bleibt von der Kampagne vor allem eines übrig: eine gut inszenierte PR-Aktion – und viele offene Fragen.


Quellen:

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