Letzte Nerzfarm in Island: VGT fordert Verbot

Im Mosfellstal nahe Reykjavík soll nach Angaben des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) nur noch eine aktive Nerzfarm in Island betrieben werden. Dort würden derzeit rund 12.000 Nerze in Drahtgitterkäfigen gehalten. Der VGT hat aktuelles Bildmaterial von der Anlage veröffentlicht und fordert ein gesetzliches Ende der Nerzzucht in Island. Gleichzeitig nutzt der Verein den Fall für seine politische Forderung nach einem europaweiten Pelzfarmverbot.

Von 43 Farmen auf eine verbliebene Anlage

Die isländische Pelzbranche ist in den vergangenen Jahren stark geschrumpft. Nach den vom VGT verbreiteten Angaben bestanden 2015 noch 43 Farmen mit zusammen etwa 200.000 Nerzen. Für 2026 nennt der Verein nur noch eine verbliebene Anlage mit rund 12.000 Tieren. Sollten diese Zahlen zutreffen, wäre der Nerzbestand seit 2015 um etwa 94 Prozent und die Zahl der Farmen um knapp 98 Prozent zurückgegangen.

Auf den veröffentlichten Aufnahmen sind Reihen von Drahtgitterkäfigen zu erkennen. Der VGT kritisiert insbesondere die geringe Fläche der Käfige sowie fehlende Schwimm-, Kletter- und Rückzugsmöglichkeiten. Nach Darstellung des Vereins würden einzelne Tiere rastlos hin- und herlaufen oder apathisch wirken, außerdem berichtet der VGT von Verletzungen durch Bisse zwischen benachbarten Tieren. Eine unabhängige veterinärmedizinische Bewertung der auf den Bildern gezeigten Tiere liegt in den vorliegenden Quellen jedoch nicht vor.

Der VGT begründet seine Kritik zusätzlich mit dem natürlichen Verhalten von Nerzen. Die Tiere leben in freier Wildbahn überwiegend einzelgängerisch und nutzen häufig Reviere entlang von Gewässern. Daraus leitet der Verein seine grundsätzliche Ablehnung der Käfighaltung auf Pelzfarmen ab. Die Bewertung der konkreten Haltungsbedingungen auf der isländischen Anlage stammt damit im Wesentlichen aus der Perspektive des VGT.

VGT verweist auf Österreichs Pelzfarmverbot

Als politisches Beispiel führt der VGT Österreich an, wo Pelzfarmen nach Darstellung des Vereins bereits Ende der 1990er-Jahre verboten wurden. In der Europäischen Union werden nach Angaben des VGT weiterhin Pelzfarmen unter anderem in Finnland, Spanien und Griechenland betrieben. Island gehört allerdings nicht zur Europäischen Union und wäre daher von einem möglichen EU-weiten Pelzfarmverbot nicht unmittelbar betroffen. Ein Verbot der verbliebenen isländischen Anlage müsste deshalb auf Grundlage der dort geltenden Gesetze beschlossen werden.

Auf europäischer Ebene wird seit Jahren über Einschränkungen beziehungsweise ein vollständiges Ende der Pelztierhaltung diskutiert. Eine Europäische Bürgerinitiative gegen Pelzfarmen erreichte nach Angaben des VGT rund 1,7 Millionen Unterstützer. Eine solche Initiative führt allerdings nicht automatisch zu einem Verbot, sondern zwingt die europäischen Institutionen zunächst dazu, sich politisch mit der Forderung auseinanderzusetzen. Für ein unionsweites Verbot wären anschließend weitere politische und rechtliche Schritte notwendig.

Unklar bleibt in den vorliegenden Veröffentlichungen, welche konkreten isländischen Vorschriften derzeit für die verbliebene Nerzfarm gelten. Ebenso wird nicht erläutert, welche Behörden die Haltung kontrollieren, welche Genehmigungen erforderlich sind und welche politische Instanz über ein mögliches vollständiges Verbot entscheiden müsste. Gerade diese Punkte wären entscheidend, um einschätzen zu können, wie realistisch die Forderung des VGT kurzfristig ist. Die politische Kampagne des Vereins geht damit über die bislang dargestellte rechtliche Faktenlage hinaus.

Mehr als 1.000 Nerze aus Farm freigelassen

Ende Juli 2026 sollen Unbekannte mehr als 1.000 Nerze aus der Anlage freigelassen haben. Der VGT erklärte anschließend, einzelne Tiere in der Umgebung der Farm beobachtet zu haben. Wer für die Freilassung verantwortlich war, ist bislang nicht geklärt. Ebenso fehlen belastbare Angaben dazu, wie viele Tiere wieder eingefangen wurden oder welche Folgen die Aktion für die Nerze und die örtliche Tierwelt hatte.

Die Freilassung war keine staatliche Maßnahme und stellt auch keine politische Entscheidung über den weiteren Betrieb der Farm dar. Solche Aktionen sind daher von der eigentlichen Debatte über gesetzliche Verbote zu trennen. Ob die Aktion aus dem Umfeld von Tierrechtsaktivisten erfolgte, ist nach dem derzeitigen Informationsstand nicht belegt. Eine entsprechende Zuordnung wäre deshalb spekulativ.

VGT setzt auch auf emotionale Kampagnenkommunikation

VGT-Obmann Martin Balluch besuchte die isländische Farm gemeinsam mit seinen Kindern und schilderte anschließend deren Reaktion auf die dortige Tierhaltung. Nach seiner Darstellung hätten die Kinder die Bedingungen als schockierend empfunden. Solche persönlichen Schilderungen liefern keine unabhängige Bewertung der Tierhaltung, sind jedoch ein typisches Mittel emotionaler Kampagnenkommunikation. Der VGT verbindet damit das veröffentlichte Bildmaterial mit persönlichen Eindrücken, um zusätzliche Aufmerksamkeit für seine politische Forderung zu erzeugen.

Für den 17. Oktober 2026 hat der Verein zudem eine Demonstration in Wien angekündigt. Dabei soll sowohl ein Ende der verbliebenen Nerzzucht in Island als auch ein europaweites Pelzfarmverbot gefordert werden. Der aktuelle Stand bleibt damit: Nach Angaben des VGT existiert in Island noch eine aktive Nerzfarm mit rund 12.000 Tieren. Ob und auf welchem politischen oder rechtlichen Weg diese Anlage tatsächlich geschlossen werden könnte, geht aus den bisher veröffentlichten Informationen jedoch nicht hervor.

Quellen

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