In 58 Prozent der untersuchten Herden mit langsam wachsenden Masthähnchen ist das Marek-Virus nachgewiesen worden. Eine Untersuchung von Ceva und Royal GD in den Niederlanden und Nordwestdeutschland lag damit deutlich über der erwarteten Verbreitung von 10 bis 15 Prozent. Erste Auswertungen verbinden den Virusnachweis zudem mit höheren Tierverlusten und schwächeren Leistungsdaten.
Untersuchung in 52 Betrieben
Ausgangspunkt waren Beobachtungen aus Schlachthöfen. Langsam wachsende Herden wirkten dort teilweise weniger einheitlich, zugleich wurden häufiger Hautveränderungen festgestellt. Daraufhin untersuchten die Wissenschaftler jeweils einen Mastdurchgang aus 52 zufällig ausgewählten Betrieben: 40 lagen in den Niederlanden, zwölf in Nordwestdeutschland. Diese Auswahl bildete die Grundlage für den späteren Virusnachweis.
Für den Nachweis erwies sich eine Blutuntersuchung als nicht ausreichend. Die Forscher untersuchten deshalb die Milz der Tiere. In 58 Prozent der Herden fanden sie das Marek-Virus. Rogier van Leeuwen, Business Unit Manager Poultry Benelux bei Ceva, erklärte, man habe ursprünglich nur mit einem Nachweis in 10 bis 15 Prozent der Bestände gerechnet.
Die Mareksche Krankheit wird durch ein Geflügel-Herpesvirus verursacht und kann unter anderem Lähmungen, Wachstumsstörungen sowie Veränderungen an Organen und am Nervensystem auslösen. Ein Nachweis bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Tiere sichtbare Krankheitssymptome zeigen. Gerade subklinische Verläufe können für Halter schwer zu erkennen sein, weil sie sich eher über Leistungseinbußen oder eine erhöhte Anfälligkeit der Tiere bemerkbar machen. Dadurch kann die Erkrankung im Betriebsalltag zunächst unentdeckt bleiben.
Höhere Verluste und weniger Brustfilet
Für die Leistungsanalyse werteten Ceva und Royal GD Daten aus 36 Betrieben aus. In Herden mit nachgewiesenem Marek-Feldvirus lag die durchschnittliche Mortalität bei 2,7 Prozent. In Betrieben ohne Virusnachweis betrug sie 1,76 Prozent. Das entspricht einem Unterschied von 0,94 Prozentpunkten.
Auch beim Schlachtkörper zeigte sich eine Differenz. Die Tiere aus Betrieben mit Virusnachweis erreichten im Mittel 574 Gramm Brustfilet, während virusfreie Bestände auf 601 Gramm kamen. Zusätzlich deuteten die Daten auf um durchschnittlich 1,5 Gramm geringere Tageszunahmen in den betroffenen Betrieben hin.
Diese Zahlen beschreiben zunächst Zusammenhänge zwischen Virusnachweis und Betriebsdaten. Sie beweisen allein noch nicht, dass das Marek-Virus sämtliche Unterschiede bei Mortalität, Wachstum oder Brustfiletmenge verursacht hat. Für die Praxis sind sie dennoch relevant: Schon moderate Leistungseinbußen können sich bei größeren Herden sowohl auf die Wirtschaftlichkeit als auch auf die Zahl der Tiere mit problematischem Verlauf auswirken.
Virulenz und Stallhygiene im Mittelpunkt
Van Leeuwen vermutet, dass sich das Feldvirus weiterentwickelt hat. Nach seiner Einschätzung nimmt die Virulenz bestimmter Virusvarianten langfristig zu; seit etwa 2005 werde das Virus als sehr virulent eingestuft. Das könnte erklären, warum Infektionen bereits in jüngeren Lebenswochen eine Rolle spielen. Eine abschließende Bewertung dieser Vermutung liefert die Untersuchung jedoch nicht.
Das Virus verbreitet sich über direkten Tierkontakt sowie über Hautschuppen und Federstaub. Deshalb kommt der Reinigung zwischen zwei Mastdurchgängen eine zentrale Bedeutung zu. Gerwin Bouwhuis vom Gezondheidscentrum voor Pluimvee (GvP) im niederländischen Emmen warnt davor, sich nach einem Ausbruch allein auf eine Impfung zu verlassen. Bleibt infektiöses Material im Stall zurück, könne Marek auch in geimpften Herden erneut auftreten. Eine gründliche Reinigung ist daher ein wichtiger Bestandteil der Vorbeugung.
Legehennen und Elterntiere werden standardmäßig gegen Marek geimpft. In Deutschland gilt dies auch für Bio-Masthähnchen. Die aktuellen Ergebnisse lenken den Blick nun stärker auf langsam wachsende Herkünfte, die länger im Stall bleiben und dadurch mehr Zeit für eine Infektion haben können. Welche Impfstrategie unter diesen Bedingungen den besten Schutz bietet, muss für die jeweiligen Produktionssysteme gesondert bewertet werden.
Untersuchung soll auf konventionelle Mast ausgeweitet werden
Ceva und Royal GD wollen künftig auch konventionelle Masthähnchenherden einbeziehen. Van Leeuwen zufolge gibt es Hinweise, dass das Virus dort ebenfalls vorkommt. Ob die Häufigkeit und die Auswirkungen mit den langsam wachsenden Herden vergleichbar sind, ist damit noch offen.
Für Geflügelhalter zeichnet sich bereits jetzt eine konkrete Konsequenz ab: Die Kontrolle von Marek endet nicht bei der Impfentscheidung. Diagnostik, konsequente Stallreinigung und die Beobachtung von Mortalität, Tageszunahmen und Schlachthofbefunden müssen zusammen betrachtet werden. Gerade weil viele Infektionen ohne eindeutige Symptome verlaufen, können betriebliche Leistungsdaten wichtige Hinweise auf ein bislang unterschätztes Gesundheitsproblem liefern.
Quellen
- gefluegelnews.de – Marek-Virus bei 58 Prozent der langsam wachsenden Hähnchenherden nachgewiesen – https://www.gefluegelnews.de/article/marek-virus-bei-58-prozent-der-langsam-wachsenden-hahnchenherden-nachgewiesen
- gefluegelnews.de – Durchaus sinnvoll: Impfung gegen Marek bei langsamer wachsenden Tieren – https://www.gefluegelnews.de/article/durchaus-sinnvoll-impfung-gegen-marek-bei-langsamer-wachsenden-tieren
- de.wikipedia.org – Marek-Krankheit – Wikipedia – https://de.wikipedia.org/wiki/Marek-Krankheit
- derhoftierarzt.de – Die Mareksche Krankheit: Mutationsfreudiges Virus erfordert neue Impfkonzepte | Der Hoftierarzt – https://derhoftierarzt.de/2022/01/die-mareksche-krankheit-mutationsfreudiges-virus-erfordert-neue-impfkonzepte
