In Ungarn ist die Newcastle-Krankheit in zwei kommerziellen Masthähnchenbeständen nachgewiesen worden. Die beiden Betriebe liegen bei Fülöpháza im Komitat Bács-Kiskun und halten zusammen rund 220.000 Tiere. Das ungarische Amt für Lebensmittelsicherheit Nébih bestätigte das Virus am 8. September 2026 in seinem Labor. Für Ungarn ist der Ausbruch besonders bemerkenswert, weil die Tierseuche dort nach Angaben der Behörde seit Jahrzehnten nicht mehr aufgetreten war.
Auffällige Verluste führten zur Untersuchung
In den beiden betroffenen Beständen waren eine erhöhte Sterblichkeit, ein Rückgang der Futter- und Wasseraufnahme sowie grünlicher Durchfall aufgefallen. Diese Veränderungen führten zu weiteren Untersuchungen, bei denen das Newcastle-Virus schließlich nachgewiesen wurde. Nach internationalen Angaben befinden sich in einem Betrieb rund 95.000 und im zweiten etwa 124.000 Masthähnchen. Damit sind insgesamt rund 219.000 Tiere unmittelbar von den eingeleiteten Seuchenbekämpfungsmaßnahmen betroffen.
Die Newcastle-Krankheit, auch als atypische Geflügelpest bezeichnet, wird durch aviäre Paramyxoviren verursacht und kann insbesondere bei Hühnern und Puten schwere Krankheitsverläufe hervorrufen. Je nach Virusstamm, Immunstatus und Tierart unterscheiden sich die Symptome erheblich. Neben Atemwegsproblemen und Verdauungsstörungen können neurologische Symptome, Leistungseinbrüche und eine deutlich erhöhte Sterblichkeit auftreten. Gerade deshalb lässt sich ein Ausbruch nicht allein anhand äußerer Symptome sicher feststellen.
Das Friedrich-Loeffler-Institut weist darauf hin, dass auch geimpfte Bestände bei unklaren Todesfällen oder deutlichen Leistungseinbrüchen untersucht werden sollten. Eine Impfung kann die Folgen einer Infektion erheblich reduzieren, verhindert jedoch nicht, dass auffällige Veränderungen im Bestand veterinärmedizinisch abgeklärt werden müssen. Entscheidend ist vor allem eine möglichst frühe Erkennung, weil nur dann Maßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung schnell eingeleitet werden können.
Beide Bestände werden geräumt
Der ungarische Landesveterinär ordnete bereits aufgrund des Verdachts die Räumung der betroffenen Bestände an. Nach dem positiven Laborbefund wurden die vorgeschriebenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Tierseuche umgesetzt. Dazu gehören die Tötung der Tiere, die kontrollierte Beseitigung der Tierkörper sowie anschließend Reinigung und Desinfektion der betroffenen Anlagen.
Rund um die Ausbruchsbetriebe wurden außerdem Schutz- und Überwachungszonen eingerichtet. Die von Nébih veröffentlichte Gebietsliste umfasst neben Fülöpháza unter anderem Kerekegyháza, Ágasegyháza, Kecskemét, Fülöpszállás, Izsák und weitere Gemeinden im Umfeld der beiden Betriebe. Innerhalb dieser Zonen gelten verstärkte veterinärbehördliche Kontrollen und Einschränkungen, mit denen eine mögliche Weiterverbreitung möglichst früh erkannt und verhindert werden soll.
Bei einer Krankheit mit hoher Übertragbarkeit spielen dabei nicht nur direkte Tierkontakte eine Rolle. Auch Fahrzeuge, Personen, Gerätschaften, Transportbehälter oder kontaminiertes Material können Viren zwischen Geflügelhaltungen verschleppen. Deshalb gehört konsequente Biosicherheit neben Impfprogrammen und schneller Diagnostik zu den wichtigsten Instrumenten der Prävention.
Newcastle-Krankheit ist auch in Deutschland wieder ein Thema
Der Ausbruch in Ungarn kommt in einer Phase, in der Newcastle Disease auch in anderen europäischen Ländern wieder stärker beobachtet wird. In Deutschland waren im Februar 2026 nach rund 30 Jahren ohne entsprechende Ausbrüche erneut Fälle in kommerziellen Geflügelhaltungen festgestellt worden. Betroffen waren unter anderem Hühner-, Puten- und Masthühnerbestände in Brandenburg und Bayern.
Das Friedrich-Loeffler-Institut identifizierte bei den deutschen Fällen Viren des Genotyps VII.1.1. Dieser Genotyp zirkuliert insbesondere in Teilen Osteuropas. Für die ungarischen Fälle lässt sich daraus allerdings noch kein konkreter Übertragungsweg ableiten. Entscheidend ist vielmehr, dass das erneute Auftreten in verschiedenen europäischen Ländern die Bedeutung von Impfkontrolle, Biosicherheit und konsequenter Überwachung unterstreicht.
Auch GERATI hatte bereits über eine Warnung vor Newcastle Disease im Landkreis München berichtet. Der damalige Fall zeigte, dass Newcastle Disease nicht nur ein Problem großer internationaler Geflügelproduzenten ist. Auch kleinere Bestände und Hobbyhaltungen müssen die vorgeschriebenen Impfungen und grundlegenden Biosicherheitsmaßnahmen ernst nehmen.
Ursache des Ausbruchs noch ungeklärt
Noch ist nicht abschließend geklärt, wie das Virus in die beiden ungarischen Masthähnchenbestände gelangte. Da die Betriebe räumlich im selben Gebiet liegen und nahezu gleichzeitig betroffen sind, wird insbesondere die epidemiologische Nachverfolgung von Bedeutung sein. Dabei müssen mögliche gemeinsame Kontakte, Transporte, Personalbewegungen und andere Eintragswege untersucht werden.
Für die Geflügelwirtschaft ist genau diese Frage entscheidend. Solange der Eintragsweg unbekannt bleibt, lässt sich nicht sicher beurteilen, ob die beiden Ausbrüche auf eine gemeinsame Quelle zurückgehen oder ob weitere Bestände gefährdet sein könnten. Deshalb sind die eingerichteten Schutz- und Überwachungszonen nicht nur eine formale Maßnahme, sondern ein zentraler Bestandteil der Seuchenbekämpfung.
Der Fall zeigt zugleich, warum die Newcastle-Krankheit trotz verfügbarer Impfstoffe nicht als erledigtes Problem betrachtet werden kann. Impfung, Überwachung, schnelle Labordiagnostik und Biosicherheit müssen zusammenwirken. Bei Beständen mit mehreren zehntausend Tieren kann bereits ein einzelner Eintrag erhebliche Auswirkungen haben – für die Tiere ebenso wie für die betroffenen Betriebe und die gesamte regionale Geflügelwirtschaft.
Quellen
- Nébih – Ungarisches Amt für Lebensmittelsicherheit: „Baromfipestist igazolt a Nébih két Bács-Kiskun vármegyei baromfiállományban“, 9. September 2026
- Nébih – Informationsseite zur Newcastle-Krankheit und aktuelle Schutz- und Überwachungszonen
- Friedrich-Loeffler-Institut – Newcastle-Krankheit (ND)
- Geflügelnews – 219.000 Masthähnchen betroffen – Ungarn meldet Newcastle-Krankheit
- PoultryMed – Hungary: First Newcastle Disease Outbreak in Decades Confirmed in Broiler Farms










