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Fakten statt Polemik. Aufklärung über radikalen Tierschutz.

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Forschung

Kategorie: Forschung

  • Newcastle-Krankheit in Ungarn: Rund 220.000 Masthähnchen betroffen

    Newcastle-Krankheit in Ungarn: Rund 220.000 Masthähnchen betroffen

    In Ungarn ist die Newcastle-Krankheit in zwei kommerziellen Masthähnchenbeständen nachgewiesen worden. Die beiden Betriebe liegen bei Fülöpháza im Komitat Bács-Kiskun und halten zusammen rund 220.000 Tiere. Das ungarische Amt für Lebensmittelsicherheit Nébih bestätigte das Virus am 8. September 2026 in seinem Labor. Für Ungarn ist der Ausbruch besonders bemerkenswert, weil die Tierseuche dort nach Angaben der Behörde seit Jahrzehnten nicht mehr aufgetreten war.

    Auffällige Verluste führten zur Untersuchung

    In den beiden betroffenen Beständen waren eine erhöhte Sterblichkeit, ein Rückgang der Futter- und Wasseraufnahme sowie grünlicher Durchfall aufgefallen. Diese Veränderungen führten zu weiteren Untersuchungen, bei denen das Newcastle-Virus schließlich nachgewiesen wurde. Nach internationalen Angaben befinden sich in einem Betrieb rund 95.000 und im zweiten etwa 124.000 Masthähnchen. Damit sind insgesamt rund 219.000 Tiere unmittelbar von den eingeleiteten Seuchenbekämpfungsmaßnahmen betroffen.

    Die Newcastle-Krankheit, auch als atypische Geflügelpest bezeichnet, wird durch aviäre Paramyxoviren verursacht und kann insbesondere bei Hühnern und Puten schwere Krankheitsverläufe hervorrufen. Je nach Virusstamm, Immunstatus und Tierart unterscheiden sich die Symptome erheblich. Neben Atemwegsproblemen und Verdauungsstörungen können neurologische Symptome, Leistungseinbrüche und eine deutlich erhöhte Sterblichkeit auftreten. Gerade deshalb lässt sich ein Ausbruch nicht allein anhand äußerer Symptome sicher feststellen.

    Das Friedrich-Loeffler-Institut weist darauf hin, dass auch geimpfte Bestände bei unklaren Todesfällen oder deutlichen Leistungseinbrüchen untersucht werden sollten. Eine Impfung kann die Folgen einer Infektion erheblich reduzieren, verhindert jedoch nicht, dass auffällige Veränderungen im Bestand veterinärmedizinisch abgeklärt werden müssen. Entscheidend ist vor allem eine möglichst frühe Erkennung, weil nur dann Maßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung schnell eingeleitet werden können.

    Beide Bestände werden geräumt

    Der ungarische Landesveterinär ordnete bereits aufgrund des Verdachts die Räumung der betroffenen Bestände an. Nach dem positiven Laborbefund wurden die vorgeschriebenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Tierseuche umgesetzt. Dazu gehören die Tötung der Tiere, die kontrollierte Beseitigung der Tierkörper sowie anschließend Reinigung und Desinfektion der betroffenen Anlagen.

    Rund um die Ausbruchsbetriebe wurden außerdem Schutz- und Überwachungszonen eingerichtet. Die von Nébih veröffentlichte Gebietsliste umfasst neben Fülöpháza unter anderem Kerekegyháza, Ágasegyháza, Kecskemét, Fülöpszállás, Izsák und weitere Gemeinden im Umfeld der beiden Betriebe. Innerhalb dieser Zonen gelten verstärkte veterinärbehördliche Kontrollen und Einschränkungen, mit denen eine mögliche Weiterverbreitung möglichst früh erkannt und verhindert werden soll.

    Bei einer Krankheit mit hoher Übertragbarkeit spielen dabei nicht nur direkte Tierkontakte eine Rolle. Auch Fahrzeuge, Personen, Gerätschaften, Transportbehälter oder kontaminiertes Material können Viren zwischen Geflügelhaltungen verschleppen. Deshalb gehört konsequente Biosicherheit neben Impfprogrammen und schneller Diagnostik zu den wichtigsten Instrumenten der Prävention.

    Newcastle-Krankheit ist auch in Deutschland wieder ein Thema

    Der Ausbruch in Ungarn kommt in einer Phase, in der Newcastle Disease auch in anderen europäischen Ländern wieder stärker beobachtet wird. In Deutschland waren im Februar 2026 nach rund 30 Jahren ohne entsprechende Ausbrüche erneut Fälle in kommerziellen Geflügelhaltungen festgestellt worden. Betroffen waren unter anderem Hühner-, Puten- und Masthühnerbestände in Brandenburg und Bayern.

    Das Friedrich-Loeffler-Institut identifizierte bei den deutschen Fällen Viren des Genotyps VII.1.1. Dieser Genotyp zirkuliert insbesondere in Teilen Osteuropas. Für die ungarischen Fälle lässt sich daraus allerdings noch kein konkreter Übertragungsweg ableiten. Entscheidend ist vielmehr, dass das erneute Auftreten in verschiedenen europäischen Ländern die Bedeutung von Impfkontrolle, Biosicherheit und konsequenter Überwachung unterstreicht.

    Auch GERATI hatte bereits über eine Warnung vor Newcastle Disease im Landkreis München berichtet. Der damalige Fall zeigte, dass Newcastle Disease nicht nur ein Problem großer internationaler Geflügelproduzenten ist. Auch kleinere Bestände und Hobbyhaltungen müssen die vorgeschriebenen Impfungen und grundlegenden Biosicherheitsmaßnahmen ernst nehmen.

    Ursache des Ausbruchs noch ungeklärt

    Noch ist nicht abschließend geklärt, wie das Virus in die beiden ungarischen Masthähnchenbestände gelangte. Da die Betriebe räumlich im selben Gebiet liegen und nahezu gleichzeitig betroffen sind, wird insbesondere die epidemiologische Nachverfolgung von Bedeutung sein. Dabei müssen mögliche gemeinsame Kontakte, Transporte, Personalbewegungen und andere Eintragswege untersucht werden.

    Für die Geflügelwirtschaft ist genau diese Frage entscheidend. Solange der Eintragsweg unbekannt bleibt, lässt sich nicht sicher beurteilen, ob die beiden Ausbrüche auf eine gemeinsame Quelle zurückgehen oder ob weitere Bestände gefährdet sein könnten. Deshalb sind die eingerichteten Schutz- und Überwachungszonen nicht nur eine formale Maßnahme, sondern ein zentraler Bestandteil der Seuchenbekämpfung.

    Der Fall zeigt zugleich, warum die Newcastle-Krankheit trotz verfügbarer Impfstoffe nicht als erledigtes Problem betrachtet werden kann. Impfung, Überwachung, schnelle Labordiagnostik und Biosicherheit müssen zusammenwirken. Bei Beständen mit mehreren zehntausend Tieren kann bereits ein einzelner Eintrag erhebliche Auswirkungen haben – für die Tiere ebenso wie für die betroffenen Betriebe und die gesamte regionale Geflügelwirtschaft.

    Quellen

    • Nébih – Ungarisches Amt für Lebensmittelsicherheit: „Baromfipestist igazolt a Nébih két Bács-Kiskun vármegyei baromfiállományban“, 9. September 2026
    • Nébih – Informationsseite zur Newcastle-Krankheit und aktuelle Schutz- und Überwachungszonen
    • Friedrich-Loeffler-Institut – Newcastle-Krankheit (ND)
    • Geflügelnews – 219.000 Masthähnchen betroffen – Ungarn meldet Newcastle-Krankheit
    • PoultryMed – Hungary: First Newcastle Disease Outbreak in Decades Confirmed in Broiler Farms
  • Steinadler bleiben länger im Revier – Schweinswal-Aufnahmen zeigen tödliche Gefahr durch Stellnetze

    Steinadler bleiben länger im Revier – Schweinswal-Aufnahmen zeigen tödliche Gefahr durch Stellnetze

    Die vorliegenden Angaben behandeln junge Steinadler, die trotz früher Flugfähigkeit länger im elterlichen Revier bleiben, sowie akustische Aufnahmen aus Cornwall, die den Tod eines Schweinswals in einem Stellnetz dokumentieren.

    Steinadler fliegen früh, verlassen ihr Revier aber spät

    Kamran Safi forscht unter anderem zu Steinadlern und ihrem Segelflug. Die vorliegenden Angaben nennen dabei keine überprüfbaren Details zu Stichprobengröße oder Untersuchungszeitraum. So konnten die Forschenden nachvollziehen, wie die Jungadler Thermik nutzen, Höhe gewinnen und auf unterschiedliche Windbedingungen reagieren.

    Das Ergebnis korrigiert die verbreitete Vorstellung vom lange unselbstständigen Jungvogel. Die Adler unternahmen Flüge außerhalb des elterlichen Reviers. Sie kehrten jedoch immer wieder zurück. Einige Tiere blieben in der Nähe ihrer Eltern, obwohl sie leistungsfähige Flieger waren.

    Die vorliegenden Angaben ordnen dieses Verhalten als mögliche Anpassung an die knappe Zahl geeigneter Reviere in den Alpen ein. Wenn nahezu alle günstigen Gebiete besetzt sind, könnte ein später Auszug den Jungvögeln Zeit verschaffen, bis sich eine eigene Gelegenheit ergibt. Für den Schutz der Art bedeutet das: Beobachtungen von Jungadlern in einem elterlichen Gebiet sind nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass die Tiere den Start ins selbstständige Leben nicht schaffen. Die Forschung zu Tieren im Alpenraum macht zugleich deutlich, wie eng Wildtiere dort mit begrenztem Raum und menschlicher Nutzung konkurrieren.

    Ein Schweinswal hebt das Netz an

    Vor der Küste Cornwalls dokumentierte ein akustisches Überwachungssystem den Tod eines etwa 1,2 Meter langen Schweinswals in einem Stellnetz. Das Tier war gemeinsam mit einem zweiten Schweinswal auf Nahrungssuche. Nach dem Verfangen stieß es mehr als 50 Klicklaute aus, während der begleitende Schweinswal ebenfalls akustisch reagierte.

    Die Aufnahmen dokumentieren außerdem die Befreiungsversuche. Der gefangene Schweinswal veränderte dabei die akustisch erfassten Eigenschaften des Netzes, bevor er ertrank. Die Beobachtung zeigt, dass sich ein Schweinswal während der Jagd in einem Netz verfangen kann; daraus lässt sich keine allgemeine Aussage über die Wahrnehmung von Stellnetzen durch Schweinswale ableiten.

    Jamie Macaulay und sein Team von der Universität St. Andrews verbinden die Ergebnisse nicht mit der Forderung nach einem generellen Verbot der Fangtechnik. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Entwicklung von Netzen, aus denen sich größere Meeressäuger befreien können. Für die Praxis bedeutet das, dass die akustisch dokumentierten Befreiungsversuche bei der Entwicklung solcher Netze berücksichtigt werden könnten. Die akustische Überwachung dokumentiert dabei das Verhalten des Tieres vor seinem Tod und die Befreiungsversuche.

    Haie zwischen Forschung und persönlicher Begegnung

    Die vorliegenden Angaben erwähnen die ARD-Dokumentation „Unter Haien“, belegen jedoch keine weiteren Details zu ihrer Produktion oder ihrem Inhalt.

    Apps und Erdmännchen zeigen andere Seiten des Tierverhaltens

    Eine Untersuchung an Erdmännchen in der Kalahari befasste sich mit dem Verhalten dominanter Weibchen.

    Die verschiedenen Studien und Beobachtungsprojekte zeigen damit keinen einheitlichen „Erfolgsweg“ der Tiere, sondern unterschiedliche Antworten auf dieselbe Grundfrage: Wie lässt sich unter schwierigen Umweltbedingungen Zeit, Raum oder Energie gewinnen?

  • Frankfurt Spring School baut internationales Alumni-Netzwerk für den Naturschutz auf

    Frankfurt Spring School baut internationales Alumni-Netzwerk für den Naturschutz auf

    Seit 2017 bringt die Frankfurt Spring School junge Naturschutzfachleute aus aller Welt für vier Wochen nach Frankfurt. Im Mittelpunkt stehen die Planung, Finanzierung und Umsetzung von Naturschutzprojekten. Nun soll ein Alumni-Programm die Kontakte zwischen den inzwischen mehr als 200 Teilnehmenden aus über 50 Ländern dauerhaft stärken.

    Vom Weiterbildungskurs zum internationalen Netzwerk

    Die Spring School ist Teil des Frankfurt Conservation Centers und wird von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt gemeinsam mit der Goethe-Universität und weiteren Partnern getragen. Die Teilnehmenden lernen, Bedrohungen für die biologische Vielfalt systematisch zu analysieren und Projekte gemeinsam mit Behörden und lokalen Gemeinschaften zu entwickeln. Damit geht es nicht nur um Fachwissen, sondern auch um Management, Finanzierung und praktische Umsetzung. Die Weiterbildung verbindet somit theoretische Grundlagen mit Anforderungen aus der praktischen Naturschutzarbeit.

    Wie groß das internationale Interesse inzwischen ist, zeigen aktuelle Zahlen: Für 26 Plätze gingen 125 Bewerbungen ein. Das waren mehr als dreimal so viele Bewerbungen wie zwei Jahre zuvor. Seit dem Start des Programms haben nach Angaben der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt mehr als 200 Fachkräfte aus mehr als 50 Ländern an der Weiterbildung teilgenommen. Die Zahlen belegen die internationale Beteiligung am Programm, erlauben für sich genommen aber keine Aussage über die Qualität oder langfristige Wirkung der Weiterbildung.

    Das neue Alumni-Programm wird von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt gemeinsam mit der KfW Stiftung aufgebaut. Vorgesehen ist ein internationaler Alumni-Kreis, der die ehemaligen Teilnehmenden der verschiedenen Jahrgänge miteinander vernetzt und den Austausch über das Kursende hinaus ermöglicht. Als konkrete Angebote stehen dabei der fortgesetzte fachliche und berufliche Austausch sowie die Anbahnung gemeinsamer Naturschutzprojekte und Kooperationen im Mittelpunkt. Damit entsteht eine organisatorische Ergänzung zur vierwöchigen Weiterbildung: Der Alumni-Kreis soll berufliche Kontakte und fachlichen Austausch zwischen den mehr als 200 Absolventinnen und Absolventen aus über 50 Ländern erleichtern. Der Aufbau des Netzwerks ist jedoch noch nicht abgeschlossen, sondern ein laufendes Vorhaben. Belastbare Ergebnisse zu seiner langfristigen Wirkung liegen deshalb bislang nur eingeschränkt vor. Sein Erfolg wird sich daran messen lassen, ob die Vernetzung dauerhaft funktioniert und daraus regelmäßig fachlicher Austausch, gemeinsame Projekte und belastbare Kooperationen entstehen. Ob dies zu messbaren Verbesserungen für Naturschutzvorhaben führt, ist zum beschriebenen Zeitpunkt noch nicht belegt. Der Austausch soll dadurch auch nach dem Ende des jeweiligen Kurses fortgesetzt werden.

    Nashornschutz und weitere berufliche Wege

    Die verfügbaren Quellen belegen den Aufbau des Alumni-Netzwerks und die internationale Ausrichtung der Frankfurt Spring School. Ein konkreter Fall einer Zusammenarbeit von Niall Beddy und Adam Smith in einem Nashornschutzprojekt in Südafrika lässt sich daraus jedoch nicht verlässlich ableiten.

    Auch außerhalb unmittelbarer Feldprojekte können Kontakte aus der Weiterbildung in unterschiedlichen beruflichen Bereichen relevant sein. Caroline Reinwald ist heute in der Wissenschaftskommunikation im Tiergarten Schönbrunn tätig. Dass diese Tätigkeit unmittelbar auf das Netzwerk oder die Weiterbildung zurückgeht, ist anhand der verfügbaren Quellen jedoch nicht belegt. Naturschutzwissen wird damit nicht nur in Schutzgebieten angewendet, sondern auch an die Öffentlichkeit vermittelt. Das Beispiel verweist auf einen möglichen beruflichen Anwendungsbereich, belegt aber keine allgemeine Wirkung des Alumni-Programms. Es zeigt zugleich, dass die beruflichen Wege ehemaliger Teilnehmender unterschiedliche Bereiche des Naturschutzes und seiner Vermittlung umfassen können.

    Podcast begleitet den Ausbau des Programms

    Die aktuelle Folge des Podcasts „Hinter dem Zoo geht’s weiter“ beleuchtet, was nach den vier Kurswochen bleibt. Moderator Marco Dinter spricht mit der FSS-Koordinatorin Amy Forster über das Alumni-Programm und mit ehemaligen Teilnehmenden über berufliche Kooperationen, neue Fähigkeiten und ihre weitere Arbeit im Naturschutz. Der Podcast stellt damit sowohl das Programm als auch die Erfahrungen seiner ehemaligen Teilnehmenden vor.

    Die Frankfurt Spring School steht dabei für einen Ansatz, der Weiterbildung und Vernetzung miteinander verbindet. Die jüngsten Bewerbungszahlen zeigen eine hohe Nachfrage nach den verfügbaren Plätzen; sie belegen jedoch nicht automatisch einen allgemein großen Bedarf oder die Wirksamkeit des Programms. Zugleich bleibt der Podcast ein aktueller Zugang zu den Erfahrungen der Beteiligten.

    Tatsächlich verwendete externe Quellen: ["https://zoo-frankfurt.de/de/naturschutz/naturschutz-podcast/podcast-detail/frankfurt-spring-school-alumni","https://fzs.org/de/aktuelles/frankfurt-spring-school-staerkt-globalen-naturschutz/","https://aktuelles.uni-frankfurt.de/gesellschaft/frankfurt-spring-school-staerkt-globalen-naturschutz/","https://fzs.org/de/programme/deutschland/frankfurt-spring-school/"]

    Quellen

  • Harpyie Domingo wechselt nach Walsrode: Neue Chance für die EEP-Zucht

    Harpyie Domingo wechselt nach Walsrode: Neue Chance für die EEP-Zucht

    Ein Nürnberger Harpyien-Männchen zieht nach Walsrode

    Das Harpyien-Männchen Domingo ist vom Tiergarten Nürnberg in den Weltvogelpark Walsrode umgezogen. Dort soll der 1993 in Nürnberg geschlüpfte Vogel mit dem siebenjährigen Weibchen Cupcake aus dem Zoo Miami verpaart werden. Der Transfer ist Teil des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP), das den Aufbau einer stabilen Reservepopulation dieser bedrohten Greifvogelart koordiniert. Für Besucher in Walsrode bedeutet der Umzug zugleich, dass dort wieder ein Harpyien-Paar gehalten werden kann.

    Domingo verbrachte den größten Teil seines Lebens in Nürnberg, war jedoch bereits zeitweise im Zoo Dortmund und im Grünen Zoo Wuppertal untergebracht. Mit Cupcake soll er nun ein genetisch nicht verwandtes Weibchen erhalten. Ob aus der geplanten Partnerschaft tatsächlich ein Zuchterfolg entsteht, hängt zunächst davon ab, ob die beiden Vögel miteinander harmonieren. Der Umzug schafft damit die Voraussetzung für einen neuen Zuchtversuch im Rahmen des EEP.

    Zusammenführung mit Vorsicht

    Die Vergesellschaftung erwachsener Harpyien gilt als anspruchsvoll, weil die Tiere bei einer zu schnellen Zusammenführung aggressiv aufeinander reagieren können. Deshalb werden Domingo und Cupcake zunächst getrennt gehalten und durch eine Plexiglasscheibe aneinander gewöhnt. Erst wenn sich ein positives Sozialverhalten zeigt, soll ein direkter Kontakt versucht werden. Die schrittweise Annäherung soll das Risiko schwerer Auseinandersetzungen verringern.

    Als günstiges Zeichen gilt unter anderem, wenn beide Vögel miteinander interagieren oder beginnen, Nistmaterial zu sammeln. Diese schrittweise Vorgehensweise ist für die Praxis entscheidend: Eine erfolgreiche Zucht setzt nicht nur passende genetische Voraussetzungen voraus, sondern auch ein Paar, das sich im täglichen Umgang akzeptiert. Der Weltvogelpark hat dafür eine frühere Voliere für Riesenseeadler umgebaut und an die Bedürfnisse der Harpyien angepasst. Damit steht den Tieren eine speziell vorbereitete Umgebung für die weitere Annäherung zur Verfügung.

    Heiko Janatzek, Kurator des Weltvogelparks Walsrode, sieht in der geplanten Vergesellschaftung eine besondere Herausforderung. Das Team hoffe, die beiden Tiere zur Zucht zu bewegen und damit zum Erhalt der Art beizutragen. Die konkrete Dauer der Eingewöhnung hängt vom Verhalten der Vögel ab; ein fester Zeitpunkt für eine Zusammenführung oder einen möglichen Nachwuchs wurde nicht genannt. Die Pfleger beobachten daher zunächst, wie die Tiere aufeinander reagieren.

    Kleines Zuchtprogramm mit internationaler Perspektive

    Das EEP für Harpyien wurde beim Europäischen Zooverband EAZA eingerichtet und wird von Lorenzo von Fersen, dem Kurator für Forschung und Artenschutz im Tiergarten Nürnberg, koordiniert. Im Zuchtprogramm befinden sich derzeit 18 Tiere. Acht davon leben im Zoo São Paulo, die übrigen verteilen sich auf vier europäische Zoos.

    Damit ist das Programm noch klein. Gerade bei einer langlebigen Art mit langen Fortpflanzungsintervallen kann jeder geeignete Zuchtpartner eine wichtige Rolle spielen. Harpyien werden in menschlicher Obhut mehr als 40 Jahre alt, erreichen die Geschlechtsreife jedoch erst mit ungefähr sechs Jahren. In freier Natur zieht ein Paar durchschnittlich nur etwa alle drei Jahre ein Jungtier groß.

    Der Nürnberger Tiergarten hält seit 1980 Harpyien und verzeichnete 2023 mit Amaya erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten wieder einen Zuchterfolg. Die junge Harpyie ist inzwischen im Besucherbereich zu sehen. Weitere Informationen zum Populationsmanagement im Tiergarten Nürnberg zeigen, welche Bedeutung die koordinierte Haltung und Zucht für Zoos bei kleinen Populationen besitzt. Die Nürnberger Erfahrungen fließen damit in den weiteren Aufbau des Programms ein.

    Nürnberg baut seine Harpyienhaltung weiter aus

    In Nürnberg leben zusammen mit der Außenstation Gut Mittelbüg derzeit fünf Harpyien. Der Tiergarten plant dort perspektivisch eine neue Harpyien-Voliere mit Innen- und Außenanlage, unterstützt vom Verein der Tiergartenfreunde Nürnberg. Domingo wurde deshalb nicht aus dem Artenschutzprogramm herausgenommen, sondern an einen Standort vermittelt, an dem aktuell eine passende Zuchtkonstellation mit Cupcake möglich ist.

    Die Harpyie (*Harpia harpyja*) bewohnt die Regenwälder Mittel- und Südamerikas. Lebensraumverlust durch Abholzung und die Folgen des Klimawandels setzen den Beständen zu. Eine Reservepopulation in menschlicher Obhut kann den Verlust freilebender Tiere nicht ersetzen, schafft aber eine langfristige Absicherung und erhält züchterisches Wissen. Für Domingo beginnt in Walsrode deshalb kein gewöhnlicher Standortwechsel, sondern ein sorgfältig vorbereiteter Versuch, aus zwei einzelnen Tieren ein tragfähiges Zuchtpaar zu machen. Der weitere Verlauf hängt davon ab, ob beide Harpyien die nötige soziale Verträglichkeit zeigen.

    Tatsächlich verwendete externe Quellen: ["https://tiergarten.nuernberg.de/entdecken/aktuell/detail/news/harpyie-domingo-ist-in-den-weltvogelpark-walsrode-gezogen","https://tiergarten.nuernberg.de/entdecken/aktuell/detail/news/junge-harpyie-im-tiergarten-zu-sehen-zoo-uebernimmt-erhaltungszuchtprogramm","https://tiergarten.nuernberg.de/presse/detail/news/2022-04-21-harpyie-zurueck-in-neuer-anlage-im-tiergarten-steinbockanlage-ebenfalls-umgestaltet"]

    Quellen

  • Marek-Virus bei langsam wachsenden Hähnchenherden in 58 Prozent der Bestände nachgewiesen

    Marek-Virus bei langsam wachsenden Hähnchenherden in 58 Prozent der Bestände nachgewiesen

    In 58 Prozent der untersuchten Herden mit langsam wachsenden Masthähnchen ist das Marek-Virus nachgewiesen worden. Eine Untersuchung von Ceva und Royal GD in den Niederlanden und Nordwestdeutschland lag damit deutlich über der erwarteten Verbreitung von 10 bis 15 Prozent. Erste Auswertungen verbinden den Virusnachweis zudem mit höheren Tierverlusten und schwächeren Leistungsdaten.

    Untersuchung in 52 Betrieben

    Ausgangspunkt waren Beobachtungen aus Schlachthöfen. Langsam wachsende Herden wirkten dort teilweise weniger einheitlich, zugleich wurden häufiger Hautveränderungen festgestellt. Daraufhin untersuchten die Wissenschaftler jeweils einen Mastdurchgang aus 52 zufällig ausgewählten Betrieben: 40 lagen in den Niederlanden, zwölf in Nordwestdeutschland. Diese Auswahl bildete die Grundlage für den späteren Virusnachweis.

    Für den Nachweis erwies sich eine Blutuntersuchung als nicht ausreichend. Die Forscher untersuchten deshalb die Milz der Tiere. In 58 Prozent der Herden fanden sie das Marek-Virus. Rogier van Leeuwen, Business Unit Manager Poultry Benelux bei Ceva, erklärte, man habe ursprünglich nur mit einem Nachweis in 10 bis 15 Prozent der Bestände gerechnet.

    Die Mareksche Krankheit wird durch ein Geflügel-Herpesvirus verursacht und kann unter anderem Lähmungen, Wachstumsstörungen sowie Veränderungen an Organen und am Nervensystem auslösen. Ein Nachweis bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Tiere sichtbare Krankheitssymptome zeigen. Gerade subklinische Verläufe können für Halter schwer zu erkennen sein, weil sie sich eher über Leistungseinbußen oder eine erhöhte Anfälligkeit der Tiere bemerkbar machen. Dadurch kann die Erkrankung im Betriebsalltag zunächst unentdeckt bleiben.

    Höhere Verluste und weniger Brustfilet

    Für die Leistungsanalyse werteten Ceva und Royal GD Daten aus 36 Betrieben aus. In Herden mit nachgewiesenem Marek-Feldvirus lag die durchschnittliche Mortalität bei 2,7 Prozent. In Betrieben ohne Virusnachweis betrug sie 1,76 Prozent. Das entspricht einem Unterschied von 0,94 Prozentpunkten.

    Auch beim Schlachtkörper zeigte sich eine Differenz. Die Tiere aus Betrieben mit Virusnachweis erreichten im Mittel 574 Gramm Brustfilet, während virusfreie Bestände auf 601 Gramm kamen. Zusätzlich deuteten die Daten auf um durchschnittlich 1,5 Gramm geringere Tageszunahmen in den betroffenen Betrieben hin.

    Diese Zahlen beschreiben zunächst Zusammenhänge zwischen Virusnachweis und Betriebsdaten. Sie beweisen allein noch nicht, dass das Marek-Virus sämtliche Unterschiede bei Mortalität, Wachstum oder Brustfiletmenge verursacht hat. Für die Praxis sind sie dennoch relevant: Schon moderate Leistungseinbußen können sich bei größeren Herden sowohl auf die Wirtschaftlichkeit als auch auf die Zahl der Tiere mit problematischem Verlauf auswirken.

    Virulenz und Stallhygiene im Mittelpunkt

    Van Leeuwen vermutet, dass sich das Feldvirus weiterentwickelt hat. Nach seiner Einschätzung nimmt die Virulenz bestimmter Virusvarianten langfristig zu; seit etwa 2005 werde das Virus als sehr virulent eingestuft. Das könnte erklären, warum Infektionen bereits in jüngeren Lebenswochen eine Rolle spielen. Eine abschließende Bewertung dieser Vermutung liefert die Untersuchung jedoch nicht.

    Das Virus verbreitet sich über direkten Tierkontakt sowie über Hautschuppen und Federstaub. Deshalb kommt der Reinigung zwischen zwei Mastdurchgängen eine zentrale Bedeutung zu. Gerwin Bouwhuis vom Gezondheidscentrum voor Pluimvee (GvP) im niederländischen Emmen warnt davor, sich nach einem Ausbruch allein auf eine Impfung zu verlassen. Bleibt infektiöses Material im Stall zurück, könne Marek auch in geimpften Herden erneut auftreten. Eine gründliche Reinigung ist daher ein wichtiger Bestandteil der Vorbeugung.

    Legehennen und Elterntiere werden standardmäßig gegen Marek geimpft. In Deutschland gilt dies auch für Bio-Masthähnchen. Die aktuellen Ergebnisse lenken den Blick nun stärker auf langsam wachsende Herkünfte, die länger im Stall bleiben und dadurch mehr Zeit für eine Infektion haben können. Welche Impfstrategie unter diesen Bedingungen den besten Schutz bietet, muss für die jeweiligen Produktionssysteme gesondert bewertet werden.

    Untersuchung soll auf konventionelle Mast ausgeweitet werden

    Ceva und Royal GD wollen künftig auch konventionelle Masthähnchenherden einbeziehen. Van Leeuwen zufolge gibt es Hinweise, dass das Virus dort ebenfalls vorkommt. Ob die Häufigkeit und die Auswirkungen mit den langsam wachsenden Herden vergleichbar sind, ist damit noch offen.

    Für Geflügelhalter zeichnet sich bereits jetzt eine konkrete Konsequenz ab: Die Kontrolle von Marek endet nicht bei der Impfentscheidung. Diagnostik, konsequente Stallreinigung und die Beobachtung von Mortalität, Tageszunahmen und Schlachthofbefunden müssen zusammen betrachtet werden. Gerade weil viele Infektionen ohne eindeutige Symptome verlaufen, können betriebliche Leistungsdaten wichtige Hinweise auf ein bislang unterschätztes Gesundheitsproblem liefern.

    Quellen

  • Schwarzwälder Weidetag: Herdenschutz wird zur praktischen Daueraufgabe

    Schwarzwälder Weidetag: Herdenschutz wird zur praktischen Daueraufgabe

    Zwischen Wolfspräsenz und schwierigen Weidebedingungen

    Auf dem dritten Schwarzwälder Weidetag in Schönwald standen Landwirte vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen ihre Tiere gegen mögliche Angriffe von Wölfen schützen und zugleich mit Klimawandel, Steillagen, Starkregen und zunehmenden Kosten umgehen. Beim Hofcafé Näbbe Duss zeigten Fachleute und Praktiker deshalb nicht nur neue Zauntechnik, sondern diskutierten auch, wie Weidehaltung im Schwarzwald langfristig erhalten werden kann. Veranstaltet wurde der Aktionstag vom Naturpark Südschwarzwald, dem Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband und der Erzeugergemeinschaft Schwarzwald Schwarzwald Bio-Weiderind.

    Die Weidehaltung hat für die Region mehr als eine landwirtschaftliche Funktion. Bürgermeister Christian Wörpel verwies auf ihre Bedeutung für Schönwald und den Tourismus, während Landwirte zugleich zur Pflege der Landschaft und zur Biodiversität beitragen. Nach Angaben aus der Veranstaltung werden allein in Villingen-Schwenningen rund 450 Tiere in 55 Revieren gehalten; ein Zeitpunkt für diese Bestandsangabe wurde dort nicht näher genannt. Für die Betriebe bedeutet das einen erheblichen Arbeits- und Kostenaufwand, der durch schwierige Wetterlagen zusätzlich steigt: Braune Wiesen, Trockenphasen und Starkregen erschweren die Futterversorgung und die Bewirtschaftung der Flächen.

    Zäune allein lösen das Problem nicht

    Besonders deutlich wurde die praktische Seite des Herdenschutzes bei den Vorführungen von Fest- und Mobilzäunen. Florian Armbruster und sein Team zeigten, wie Pfähle mit Raupe und Schlepper tief in den Boden eingebracht werden, während Sebastian Walter automatisierte Systeme zum Auslegen mobiler Zäune präsentierte. Die Firma Gallagher stellte Möglichkeiten zur Überwachung per Bluetooth oder WLAN vor, mit denen sich Störungen wie Stromausfälle oder Beschädigungen durch herabgefallene Äste schneller erkennen lassen. Damit wurde zugleich sichtbar, wie viel Technik und Arbeitszeit ein verlässlicher Herdenschutz im Alltag erfordert.

    Ein Elektrozaun schützt jedoch nur dann zuverlässig, wenn er technisch korrekt aufgebaut und regelmäßig kontrolliert wird. Simon Zimmermann, Betriebsberater des Herdenschutzprojekts, erklärte, dass vor allem die Erdung entscheidend ist. Die Erdspieße müssen ausreichend tief in feuchte Bodenschichten reichen, damit die Spannung beim Kontakt mit dem Tier nicht zu stark abfällt. Auch Bewuchs, Waldränder und unebene Flächen können die Wirksamkeit beeinträchtigen, weil Vegetation Strom ableitet und die Pflege der Zauntrasse erschwert.

    Das seit Ende 2023 laufende Herdenschutzprojekt begleitet 15 Pilotbetriebe und soll betriebsindividuelle, praxistaugliche Maßnahmen entwickeln. Ein im Projekt beschriebenes Beispiel ist ein Betrieb, der nach mehreren Wolfsrissen rund 80.000 Euro in einen etwa 1,20 Meter hohen Festzaun mit fünf Litzen sowie zusätzliche mobile Sicherungen investierte. Nach zwei Jahren wurde dort berichtet, dass es in der Region im laufenden Jahr noch keinen weiteren Riss gegeben habe und die umfangreichen Maßnahmen offenbar wirkten; daraus lässt sich jedoch kein allgemeiner Erfolg für alle Betriebe ableiten. Alle Weideflächen vollständig auf dieses Niveau zu bringen, gilt nach Einschätzung des Herdenschutzberaters vielfach als finanziell und arbeitswirtschaftlich nicht umsetzbar.

    Für besonders gefährdete Kälberweiden können fünf Litzen oder eine zeitweise Stallhaltung dennoch erforderlich sein. Auf großen, verstreuten oder steilen Flächen müssen Tierhalter daher zwischen Festzäunen, ergänzenden Mobilzäunen und einer zeitweisen Sicherung einzelner Bereiche abwägen. Festzäune bieten eine dauerhafte Abgrenzung, verlangen aber regelmäßiges Freischneiden und eine funktionierende Erdung; Mobilzäune sind flexibler, müssen dafür häufiger umgesetzt, kontrolliert und bei Bedarf nachgespannt werden. Herdenschutzhunde wurden ebenfalls als Möglichkeit genannt, kommen nach den Erfahrungen des Projekts im Schwarzwald aber vielfach nicht infrage, weil dafür zusätzliche Anforderungen an Haltung, Zaun und tägliche Betreuung entstehen.

    Wehrhafte Herden und mehrere Schutzbausteine

    Projektkoordinatorin Rebecca Müller betonte in Schönwald, dass reiner Zaunschutz nicht genüge. Herden müssten so zusammengestellt und geführt werden, dass sie sich gegen einen Angreifer besser behaupten können. Eine kompakte Herdenstruktur mit ausgewachsenen Tieren ist dabei ein im Projekt verfolgter Ansatz beziehungsweise eine Einschätzung zur möglichen Wehrhaftigkeit, nicht jedoch ein unabhängig belegter Garant für einen erfolgreichen Schutz. Sie ersetzt daher weder funktionierende Zäune noch die regelmäßige Kontrolle der Weide.

    Als weitere Möglichkeit wurde der Einsatz von Herdenschutzhunden vorgestellt. Ronja Schütz von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt erläuterte zugleich das Monitoring von Beutegreifern. Für Baden-Württemberg wurden bei der Veranstaltung fünf Wolfsterritorien mit eindeutigen Nachweisen genannt; auch diese Angabe wurde dort ohne näher bezeichneten Erhebungszeitpunkt präsentiert. Für Tierhalter bedeutet das nicht automatisch, dass überall dieselben Maßnahmen notwendig sind, wohl aber, dass Beratung und eine Anpassung an die örtlichen Bedingungen an Bedeutung gewinnen.

    Wie Herdenschutzmaßnahmen praktisch bewertet werden zeigt auch der Blick auf andere Regionen. Der entscheidende Unterschied liegt häufig nicht in der Existenz einzelner Schutzmittel, sondern in ihrer dauerhaften Umsetzbarkeit. Steile Hänge, große und verstreute Weideflächen sowie fehlende Arbeitszeit machen Lösungen notwendig, die technisch wirksam und im Alltag beherrschbar sind. Die Veranstaltung verband deshalb technische Demonstrationen mit der Frage, wie solche Maßnahmen dauerhaft finanziert und betrieben werden können.

    Faire Preise statt alleiniger Förderung

    Landrat Sven Hinterseh stellte die wirtschaftliche Seite in den Mittelpunkt. Die Weidetierhaltung koste viel und werde durch Strukturwandel sowie Wetterextreme zusätzlich belastet. Förderprogramme könnten helfen, sie aber nicht dauerhaft ersetzen. Aus seiner Sicht sollten Verbraucher an der Ladentheke faire Preise für landwirtschaftliche Produkte zahlen.

    Damit wird der Herdenschutz zu einer Frage, die über den Umgang mit dem Wolf hinausgeht. Jeder zusätzliche Zaun, jede Kontrolle und jede Anpassung der Herde bindet Zeit und Kapital, während die regionale Weidehaltung zugleich Landschaftspflege, Tourismus und Biodiversität unterstützt. Der Aktionstag machte deshalb deutlich: Einen einzelnen technischen Königsweg gibt es nicht. Tragfähig ist nur ein System aus passender Zauntechnik, funktionierender Erdung, angepasster Herdenführung, fachlicher Beratung und einer wirtschaftlichen Perspektive für die Betriebe.

    Quellen

  • Karlsruher Zoodirektor Matthias Reinschmidt präsentiert neue VOX-Serie zum Artenschutz

    Karlsruher Zoodirektor Matthias Reinschmidt präsentiert neue VOX-Serie zum Artenschutz

    Matthias Reinschmidt ist ab Samstag in der vierteiligen VOX-Reihe „hundkatzemaus: Reverse the Red“ zu sehen. Der Direktor des Zoos Karlsruhe präsentiert darin internationale Artenschutzprojekte und zeigt, wie Zoos, Wissenschaftler und Naturschutzorganisationen an der Erhaltung bedrohter Tierarten arbeiten. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Luchsprojekt, an dem der Zoo Karlsruhe beteiligt ist.

    Luchse aus Karlsruhe werden auf eine mögliche Auswilderung vorbereitet

    Die zweite Folge widmet sich der Wiederansiedlung des Luchses in Deutschland. Zwei junge Tiere aus dem Zoo Karlsruhe werden bei Gesundheitschecks und Verhaltenstests begleitet. Nach der Darstellung der Sendung geht es dabei um ihre Vorbereitung auf eine mögliche Auswilderung im Schwarzwald; eine tatsächliche Freilassung der beiden Tiere wird in der vorliegenden Ankündigung nicht bestätigt.

    Auch die weiteren Angaben zum Projekt werden im Rahmen der Sendung vermittelt. Dazu gehören die Frage, welche Voraussetzungen die Tiere für ein Leben außerhalb des Zoos erfüllen müssen, sowie die Vorbereitung auf den Wechsel in einen natürlichen Lebensraum. Reinschmidt sagt in der Dokumentation: „Der Schwarzwald ist ideal, das ist Luchs-Land.“ Eine eigenständige fachliche Bewertung der Eignung des Schwarzwalds ist damit nicht verbunden.

    Für den Zoo Karlsruhe verweist das Projekt auf die mögliche Verbindung zwischen Haltung, Erhaltungszucht und späteren Schutzmaßnahmen in der Natur. Ob einzelne Tiere tatsächlich ausgewildert werden können, hängt von den jeweiligen Voraussetzungen des Projekts ab. Dazu zählen unter anderem der Gesundheitszustand und das Verhalten der Tiere; auch die Bedingungen am vorgesehenen Ort müssen berücksichtigt werden. Für die Öffentlichkeit macht die Folge sichtbar, welche Prüfungen einer möglichen Auswilderung vorausgehen.

    Lear-Aras und Wisente in der Serie

    Reinschmidt führt das Fernsehteam außerdem in den Loro Parque auf Teneriffa, wo er vor seiner Zeit in Karlsruhe tätig war. Dort geht es um die Zucht des Lear-Aras, einer seltenen Papageienart aus Brasilien. Die Kurzfassung der Reihe nennt die Lear-Aras und die Wisente als weitere Themen der Serie, ohne die einzelnen Projekte näher auszuführen.

    Reinschmidt ist dem Publikum bereits aus mehreren Tier- und Naturformaten bekannt. In „Reverse the Red“ übernimmt er die Präsentation der Artenschutzprojekte. Die Kurzfassung beschreibt dabei eine Zusammenarbeit von Zoos, Wissenschaftlern und Naturschutzorganisationen. Welche konkreten Maßnahmen und Ergebnisse in den einzelnen Folgen gezeigt werden, hängt von der jeweiligen Projektdarstellung ab.

    Die erste Folge von „hundkatzemaus: Reverse the Red“ läuft am Samstag um 17.55 Uhr bei VOX. Der Karlsruher Bezug liegt vor allem in der Beteiligung des Zoos am Luchsprojekt und in Reinschmidts Rolle als dessen Direktor. Die Sendung kann damit zeigen, wie ein Zoo an Artenschutzprogrammen beteiligt ist; ob aus der Vorbereitung der beiden Luchse eine erfolgreiche Auswilderung folgt, bleibt vom weiteren Verlauf des Projekts abhängig.

    Quellen

  • Wolfsangriffe im Westerwald: Erneute Beteiligung von Wölfen bei Weidetierangriffen gemeldet

    Wolfsangriffe im Westerwald: Erneute Beteiligung von Wölfen bei Weidetierangriffen gemeldet

    Erneut wurden im Westerwald Weidetiere angegriffen und getötet. Nach den Umständen der Vorfälle bestand frühzeitig der Verdacht, dass ein Wolf als möglicher Verursacher infrage kommt. Die Rhein-Zeitung berichtete inzwischen, dass das Koordinierungszentrum Luchs und Wolf (KLUWO) die Untersuchungen abgeschlossen habe und Wölfe bei den Vorfällen als mögliche Beteiligte einordne. Angaben zu Tierart, Anzahl, Zeitpunkt, Fundort oder dem konkreten Untersuchungsbefund wurden bislang nicht veröffentlicht.

    KLUWO prüft Hinweise und organisiert Hilfe

    Das KLUWO erfasst und analysiert in Rheinland-Pfalz Hinweise auf Wölfe und Luchse. Dazu gehören auch Meldungen über verletzte, getötete oder vermisste Nutztiere, bei denen eine Beteiligung großer Beutegreifer vermutet wird. Die Untersuchung solcher Vorfälle soll klären, ob ein Wolf oder Luchs als Verursacher infrage kommt und welche weiteren Schritte für den betroffenen Tierhalter möglich sind. Die Ergebnisse bilden damit eine wichtige Grundlage für die offizielle Einordnung eines möglichen Wolfsübergriffs.

    Für Tierhalter ist das KLUWO zugleich Ansprechpartner für Beratung, Schadensmeldung und die Förderung von Herdenschutzmaßnahmen. Nach einem Vorfall können Halter einen Nutztierriss melden und eine Untersuchung des Schadens veranlassen. Das Zentrum ist außerdem für die Abwicklung von Ausgleichszahlungen bei wolfs- oder luchsbedingten Nutztierübergriffen zuständig. Ob eine Zahlung oder eine Förderung zusätzlicher Schutzmaßnahmen möglich ist, hängt jedoch vom jeweiligen Fall und den geltenden Voraussetzungen ab.

    Westerwald bleibt Schwerpunkt der Debatte

    Der aktuelle Fall reiht sich in eine Entwicklung ein, die den Westerwald seit längerer Zeit beschäftigt. In einer Bilanz für das Jahr 2025 berichtete der SWR von 55 getöteten Weidetieren im Norden von Rheinland-Pfalz. Zusätzlich seien acht Tiere verletzt und zwölf weitere nach Wolfsangriffen verschwunden gewesen. Diese Zahlen beziehen sich allerdings auf eine größere Region und können nicht unmittelbar dem aktuellen Vorfall im Westerwald zugerechnet werden.

    Auch 2026 wurden aus dem Westerwald neue Rudel- und Wolfsnachweise gemeldet. Berichte aus der Region verwiesen unter anderem auf ein weiteres Wolfsrudel sowie auf ein verkürztes Verfahren bei der Ermittlung möglicher Wolfsrisse. Für Weidetierhalter bedeutet die wachsende Zahl an Nachweisen, dass Schutzmaßnahmen und die schnelle Untersuchung möglicher Übergriffe weiter an Bedeutung gewinnen. Zugleich bleibt entscheidend, dass jeder einzelne Vorfall anhand der tatsächlichen Spuren und Untersuchungsergebnisse bewertet wird.

    Die praktische Belastung für betroffene Betriebe bleibt dennoch erheblich. Zäune, zusätzliche Sicherungen und gegebenenfalls Herdenschutzhunde verursachen nicht nur Aufwand, sondern können auch mit erheblichen Kosten verbunden sein. Nach einem Angriff kommt zusätzlich die Dokumentation des Schadens, die Meldung beim KLUWO und gegebenenfalls die Beantragung von Ausgleichszahlungen hinzu. Prävention, Schadensmeldung und Unterstützung für betroffene Tierhalter greifen deshalb unmittelbar ineinander.

    Einordnung schafft Klarheit, löst den Konflikt aber nicht

    Nach dem Bericht über die abgeschlossenen Untersuchungen werden Wölfe bei den aktuellen Vorfällen als mögliche Beteiligte genannt. Offen bleiben jedoch wesentliche Einzelheiten zu den betroffenen Tieren, zum Zeitpunkt und zum genauen Ort der Angriffe. Auch der konkrete Untersuchungsbefund wurde bislang nicht veröffentlicht. Gerade diese Angaben wären wichtig, um den jeweiligen Vorfall und die daraus folgenden Schutzmaßnahmen genauer bewerten zu können.

    Für die Weidetierhaltung im Westerwald hat der Fall deshalb praktische Bedeutung, auch wenn viele Falldetails weiterhin fehlen. Betroffene Halter müssen Schäden dokumentieren, untersuchen lassen und über die zuständigen Stellen melden. Gleichzeitig müssen sie prüfen, welche Unterstützung, Ausgleichszahlungen oder zusätzlichen Herdenschutzmaßnahmen im konkreten Fall möglich sind. Der Fall zeigt damit erneut, dass die Rückkehr des Wolfs für Weidetierhalter nicht nur eine ökologische Debatte, sondern vor allem eine praktische Frage des täglichen Betriebs bleibt.

    Quellen

  • Schweinehybrid Zoo Hannover – Studie findet keinen Hinweis auf natürliche Kreuzung

    Schweinehybrid Zoo Hannover – Studie findet keinen Hinweis auf natürliche Kreuzung

    Sie sahen aus wie mögliche Kreuzungen zwischen afrikanischen Wildschweinen und Hausschweinen. Doch die Genanalyse führte zu einem anderen Ergebnis. Eine internationale Forschungsgruppe untersuchte vermeintliche Schweine-Hybriden und fand bei den analysierten Tieren keine genetischen Hinweise auf eine natürliche Kreuzung zwischen den Arten. Auch Haare von Pinselohrschweinen aus dem Zoo Hannover flossen in die im April 2026 veröffentlichte Untersuchung ein.

    Haare aus dem Zoo Hannover für Genanalyse

    Der Erlebnis-Zoo Hannover stellte für die Untersuchung Haare seiner Pinselohrschweine zur Verfügung. Dafür war kein medizinischer Eingriff notwendig. Die Proben konnten nach Angaben des Zoos beim regelmäßigen Kraulen der Tiere gesammelt werden und wurden anschließend gemeinsam mit Material weiterer Pinselohrschweine aus europäischen Einrichtungen genetisch untersucht.

    Der Beitrag des Zoos war damit vergleichsweise klein, für die Forschung aber dennoch relevant. Für genetische Vergleichsuntersuchungen benötigen Wissenschaftler möglichst zuverlässiges Material verschiedener Tierarten und Populationen. Die Proben der Pinselohrschweine dienten dabei als Referenz für die Frage, ob die vermeintlichen Hybriden tatsächlich genetische Merkmale afrikanischer Wildschweine aufwiesen.

    Ungewöhnliches Aussehen führte auf die falsche Spur

    Ausgangspunkt der Studie waren Tiere, deren äußere Merkmale den Verdacht auf Kreuzungen zwischen afrikanischen Wildschweinen und Hausschweinen geweckt hatten. Genau diese Annahme ließ sich bei den untersuchten Proben jedoch genetisch nicht bestätigen.

    Statt einer Mischung aus afrikanischen Wildschweinen und Hausschweinen fanden die Forschenden unterschiedliche europäische und asiatische Hausschwein-Abstammungslinien. Das auffällige Erscheinungsbild der Tiere lässt sich demnach zumindest in diesen Fällen durch die genetische Vielfalt innerhalb verschiedener Hausschweinlinien erklären.

    Damit zeigt die Untersuchung auch, wie leicht äußere Merkmale zu falschen Schlussfolgerungen führen können. Ein Tier kann Merkmale zeigen, die an eine andere Art erinnern, ohne dass tatsächlich eine entsprechende Kreuzung stattgefunden hat. Erst die genetische Analyse ermöglicht eine deutlich genauere Einordnung.

    Afrikanische Schweinepest als Forschungshintergrund

    Die Fragestellung ist auch im Zusammenhang mit der Afrikanischen Schweinepest von Bedeutung. Afrikanische Wildschweinarten können das Virus tragen, ohne vergleichbar schwer zu erkranken wie europäische und asiatische Wildschweine oder Hausschweine. Bei diesen kann eine Infektion dagegen schwere und häufig tödliche Verläufe verursachen.

    Für die Forschung ist deshalb interessant, welche genetischen Unterschiede zwischen den verschiedenen Schweinearten bestehen und ob vermeintliche Kreuzungen tatsächlich genetische Eigenschaften afrikanischer Wildschweine besitzen. Die untersuchten Tiere lieferten dafür allerdings keinen Beleg.

    Aus dem Ergebnis lässt sich jedoch nicht ableiten, dass natürliche Kreuzungen zwischen den betreffenden Arten grundsätzlich unmöglich sind. Die Studie zeigt lediglich, dass bei den konkret untersuchten Tieren keine entsprechende Hybridisierung genetisch nachgewiesen werden konnte. Ebenso untersucht die Arbeit nicht, ob Pinselohrschweine eine besondere Rolle als Reservoir für das Virus spielen.

    Zoo-Forschung kann auch mit wenigen Haaren beginnen

    Der Fall zeigt gleichzeitig, dass wissenschaftliche Forschung in Zoos nicht zwangsläufig mit aufwendigen oder belastenden Untersuchungen verbunden sein muss. Im Zoo Hannover reichten einige beim Kraulen ausgefallene Haare aus, um genetisches Vergleichsmaterial für ein internationales Forschungsprojekt bereitzustellen.

    Solche Proben können bei Fragen zur Herkunft, Verwandtschaft oder genetischen Vielfalt von Tieren eine wichtige Rolle spielen. Gerade in der zoologischen Forschung lassen sich dadurch Daten gewinnen, ohne Tiere für die Probenentnahme zusätzlich belasten zu müssen.

    Im konkreten Fall führte die Genanalyse vor allem zu einer Korrektur des ersten Eindrucks: Die auffällig aussehenden Schweine waren bei den untersuchten Fällen keine genetisch nachweisbaren Hybriden mit afrikanischen Wildschweinen. Das ungewöhnliche Aussehen allein reichte also nicht aus, um ihre Abstammung korrekt zu bestimmen.

    Quellen

  • Pferd „Versuchstier des Jahres 2026“: 822 Tiere 2024 in deutschen Versuchen eingesetzt

    Pferd „Versuchstier des Jahres 2026“: 822 Tiere 2024 in deutschen Versuchen eingesetzt

    Die Organisation Menschen für Tierrechte hat das Pferd zum „Versuchstier des Jahres 2026“ ernannt. Mit der seit 2003 durchgeführten Kampagne will der Verband auf Tierarten aufmerksam machen, die in Deutschland für wissenschaftliche Zwecke eingesetzt werden. Nach Angaben der Organisation wurden 2024 insgesamt 822 Pferde in Tierversuchen verwendet. Damit rückt eine Tierart in den Mittelpunkt, die in der öffentlichen Debatte deutlich seltener genannt wird als Mäuse oder Ratten, zu der viele Menschen jedoch eine besonders starke emotionale Beziehung haben.

    Menschen für Tierrechte verbindet die Wahl mit der Forderung, Tierversuche weiter abzubauen und tierfreie Verfahren stärker zu entwickeln. Als Einsatzbereiche von Pferden nennt die Organisation unter anderem die Herstellung von Antitoxinen zur Behandlung menschlicher Vergiftungen sowie die Gewinnung von Antikörpern. Dabei werden nach Angaben des Verbandes Proteine aus dem Blut der Tiere gewonnen. Welche Belastungen daraus entstehen, hängt allerdings vom jeweiligen Verfahren, seiner Durchführung und dem konkreten wissenschaftlichen Zweck ab.

    822 Pferde und mehr als 1,3 Millionen Versuchstiere

    Nach den zugrunde gelegten Angaben wurden 2024 in Deutschland insgesamt 1.327.931 Tiere in Tierversuchen eingesetzt. Weitere 626.538 Tiere wurden zu wissenschaftlichen Zwecken getötet, ohne unmittelbar in einem Tierversuch eingesetzt worden zu sein. Die 822 verwendeten Pferde machen innerhalb dieser Größenordnung nur einen vergleichsweise kleinen Anteil aus. Schon deshalb zeigt sich, dass die Wahl des Pferdes zum „Versuchstier des Jahres“ nicht allein mit der absoluten Zahl der eingesetzten Tiere erklärt werden kann.

    Nach Angaben von Menschen für Tierrechte werden Pferde deutlich seltener eingesetzt als klassische Versuchstierarten. Gleichzeitig besitzen Pferde in der Öffentlichkeit einen hohen emotionalen Stellenwert und werden anders wahrgenommen als Mäuse, Ratten oder Fische. Genau darin dürfte auch ein Teil der Wirkung der Kampagne liegen: Eine Tierart, zu der viele Menschen einen persönlichen Bezug haben, erzeugt naturgemäß mehr Aufmerksamkeit. Das macht die Kritik an einzelnen Versuchen jedoch nicht automatisch falsch, sollte bei der Einordnung solcher Kampagnen aber berücksichtigt werden.

    Organisation nennt Hypoxie-Studien und Hufrehe-Forschung

    Als besonders belastendes Beispiel verweist Menschen für Tierrechte auf Hypoxie-Studien aus dem Jahr 2025. Dabei seien gesunde Pferde künstlich einem Sauerstoffmangel ausgesetzt worden, um Auswirkungen auf Gehirn und Muskulatur zu untersuchen. Anschließend seien die Tiere getötet worden. Der Verband stellt bei solchen Versuchen insbesondere die Frage, ob der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn den Einsatz gesunder Tiere rechtfertigt und ob vergleichbare Ergebnisse mit anderen Methoden erzielt werden könnten.

    Ein weiteres genanntes Beispiel betrifft eine Studie zur Hufrehe. Nach Darstellung der Organisation wurde 2025 an acht gesunden Freizeitpferden eine Kältetherapie untersucht, obwohl eine entsprechende Behandlung bereits angewendet werde. Auch hier richtet sich die Kritik vor allem gegen den Einsatz gesunder Tiere und auf die Frage nach vorhandenen Alternativen. Ob ein Versuch tatsächlich verzichtbar ist, lässt sich allerdings nicht allein daraus ableiten, dass eine Behandlung bereits praktisch eingesetzt wird, denn wissenschaftliche Untersuchungen können unter anderem der Überprüfung ihrer Wirksamkeit, ihrer Grenzen oder möglicher Nebenwirkungen dienen.

    Tierversuche sind nicht automatisch durch Alternativen ersetzbar

    Die Entwicklung tierfreier Methoden ist sinnvoll und sollte weiter vorangetrieben werden. Wo belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse ohne den Einsatz von Tieren gewonnen werden können, spricht vieles dafür, solche Verfahren zu nutzen und weiterzuentwickeln. Zellkulturen, Computersimulationen, Organoide oder Organ-on-a-Chip-Systeme können heute bereits wichtige Erkenntnisse liefern und einzelne Tierversuche ersetzen oder zumindest reduzieren. Daraus folgt jedoch nicht, dass Tierversuche in der medizinischen und biologischen Forschung grundsätzlich bereits vollständig verzichtbar wären.

    Gerade bei komplexen Wechselwirkungen innerhalb eines gesamten Organismus stoßen alternative Verfahren weiterhin an Grenzen. Stoffwechsel, Immunsystem, Kreislauf, Nervensystem und das Zusammenspiel verschiedener Organe lassen sich nicht in jedem Fall vollständig durch isolierte Modelle abbilden. Solange für bestimmte Forschungsfragen keine wissenschaftlich gleichwertige Alternative existiert, können Tierversuche deshalb weiterhin notwendig sein. Die entscheidende Frage ist nicht, ob Tierversuche pauschal gut oder schlecht sind, sondern ob sie für den jeweiligen Erkenntnisgewinn erforderlich, angemessen und so belastungsarm wie möglich durchgeführt werden.

    3R-Prinzip statt pauschaler Abschaffung

    Genau an diesem Punkt setzt das sogenannte 3R-Prinzip an. Tierversuche sollen ersetzt werden, wenn geeignete Alternativen vorhanden sind, ihre Zahl soll so weit wie möglich reduziert und die Belastung der eingesetzten Tiere möglichst gering gehalten werden. Dieser Ansatz verbindet wissenschaftliche Forschung mit dem Ziel, unnötiges Tierleid zu vermeiden. Er unterscheidet sich damit deutlich von der pauschalen Forderung, sämtliche Tierversuche unabhängig von Forschungsgebiet und wissenschaftlicher Fragestellung kurzfristig abzuschaffen.

    Menschen für Tierrechte fordert, tierfreie Methoden stärker zu fördern und Tierversuche konsequenter zurückzudrängen. Zudem verweist die Organisation auf europäische Bestrebungen, insbesondere bei der Chemikaliensicherheitsbewertung langfristig stärker auf tierfreie Verfahren zu setzen. Solche Entwicklungen können dazu beitragen, den Einsatz von Versuchstieren weiter zu reduzieren. Sie ändern jedoch nichts daran, dass ein vollständiger Ersatz in allen Forschungsbereichen derzeit nicht ohne Weiteres möglich ist.

    Die Diskussion braucht mehr als emotionale Bilder

    Die Wahl des Pferdes zum „Versuchstier des Jahres 2026“ lenkt den Blick auf eine Tierart, die in der Versuchstierdebatte sonst vergleichsweise selten vorkommt. Dass Menschen besonders stark auf Versuche mit Pferden reagieren, ist nachvollziehbar, weil diese Tiere in vielen Bereichen als Freizeit-, Sport- oder Begleittiere wahrgenommen werden. Für die wissenschaftliche Bewertung eines Versuchs darf die emotionale Nähe zu einer Tierart jedoch nicht das alleinige Kriterium sein. Entscheidend bleiben Zweck, Belastung, wissenschaftlicher Nutzen und die Frage, ob eine gleichwertige Alternative vorhanden ist.

    Tierversuche sollten deshalb weder verharmlost noch grundsätzlich verteufelt werden. Jede vermeidbare Belastung eines Tieres sollte vermieden werden, und bessere Ersatzmethoden sind ausdrücklich zu begrüßen. Gleichzeitig muss Forschung weiterhin dort möglich bleiben, wo sie ohne Tiermodelle noch keine verlässlichen Antworten liefern kann. Eine sachliche Diskussion beginnt daher nicht mit der Forderung nach einem pauschalen Verbot, sondern mit der Prüfung, welche Versuche tatsächlich notwendig sind und welche durch bessere Methoden ersetzt werden können.

    Quellen