Es ist schon faszinierend, wie schnell sich manche Menschen selbst zum „Zooexperten“ erklären. Noch faszinierender wird es allerdings, wenn genau diese Personen bei wissenschaftlichen Grundlagenfragen plötzlich wirken wie ein Erstsemester auf nächtlicher Wikipedia-Expedition.
So geschehen bei Frank Albrecht vom aufgelösten Verein „Endzoo“, der heute lieber als „Projekt Endzoo“ auftritt.
Unter einem Beitrag des Grüner Zoo Wuppertal über das junge Afrikanische Elefantenweibchen „Mali“, das bislang keine sichtbaren Stoßzähne entwickelt hat, erklärt der Zoo unter anderem völlig korrekt:
„In einigen Regionen Afrikas werden inzwischen vermehrt Elefanten ohne Stoßzähne geboren. Diese Entwicklung gilt als Folge intensiver Wilderei.“
Eine Aussage, die seit Jahren wissenschaftlich bekannt und international breit diskutiert wird.
Doch genau hier meldet sich Frank Albrecht zu Wort:
„Wo kann man, zur Aussage der ‚genetische Stoßzahnlosigkeit‘ aufgrund der Wilderei, den ausführlichen wissenschaftlichen Hintergrund (Studie oder Ähnliches) nochmals selber nachlesen.“

Man könnte nun meinen, ein selbsternannter Zoo- und Wildtierexperte kenne die wohl bekannteste moderne Studie zur evolutionären Veränderung afrikanischer Elefantenpopulationen durch Elfenbeinwilderei bereits. Immerhin wurde darüber weltweit berichtet – von Fachjournalen über große Medien bis hin zu Naturschutzorganisationen.
Aber offenbar herrscht beim ehemaligen Verein „Endzoo“, der heute als „Projekt“ weitergeführt wird, wissenschaftliche Feldforschung inzwischen nach dem Prinzip:
„Mal schauen, ob jemand in den Kommentaren die Hausaufgaben erledigt.“
Die entsprechende Studie lautet übrigens:
Campbell-Staton et al. (2021):
“Ivory Poaching and the Rapid Evolution of Tusklessness in African Elephants”
Veröffentlicht im renommierten Wissenschaftsjournal Science.
DOI:
10.1126/science.abe7389
Die Forschenden untersuchten dabei Elefanten im Gorongosa National Park in Mozambique. Während des Bürgerkriegs wurden dort massive Teile der Elefantenpopulation wegen des Elfenbeins abgeschlachtet. Das Ergebnis: Weibliche Tiere ohne Stoßzähne hatten deutlich höhere Überlebenschancen und vererbten diese genetische Eigenschaft häufiger weiter.
Kurz gesagt:
Genau das, was der Zoo Wuppertal beschrieben hat.
Aber vielleicht ist das alles auch nur wieder typische „Zoo-Propaganda“. Wahrscheinlich haben sich die Elefanten ihre Stoßzähne aus Solidarität mit der Anti-Zoo-Bewegung einfach selbst abbestellt.
Denn wenn selbst international bekannte und vielfach zitierte Fachstudien für angebliche „Zooexperten“ offenbar komplettes Neuland sind, stellt sich irgendwann eine andere Frage:
Wie fundiert kann zoologische Kritik eigentlich sein, wenn selbst zentrale und medial breit diskutierte Forschungsergebnisse offenbar unbekannt sind?
Fest steht:
Wer permanent zoologische Einrichtungen belehren möchte, sollte zumindest die wissenschaftlichen Grundlagen seines eigenen Themengebiets kennen. Andernfalls wirkt der große „Experte“ am Ende eher wie jemand, der gerade zum ersten Mal entdeckt hat, dass Google Scholar existiert.

